Knalleffekt? Museum der Moderne Salzburg sucht einen neuen Direktor  

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Sie kommen und gehen! Diesmal verabschiedet sich Dr. Thorsten Sadowsky vom Museum der Moderne. 2018 übernahm er als Direktor das international anerkannte Museum der Moderne in Salzburg. Zuvor führte er fünf Jahre lang in gleicher Position das Kirchner Museum in Davos und jetzt erfolgt die Rückkehr nach Norddeutschland.

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Der gebürtige Westfale wird ab 1. Oktober 2022 neuer Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf und folgt Prof. Dr.Dr. h.c. Claus von Carnap-Bornheim – der sich mit 30.September 2022 in den Ruhestand verabschieden wird – nach. https://landesmuseen.sh/de/stiftung

Thorsten Sadowsky trug auch wesentlich zur internationalen Profilierung des Museums der Moderne Salzburg bei. Er versuchte ein dynamisches kulturelles Forum in der Mitte Europas, das aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen diskutiert, im zeitgenössischen Kunstgeschehen als Akteur sichtbar zu machen. Teilweise gelang es ihm, teilweise war es aber auch schwierig, hier wirklich gute zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Viele Ausstellung wurden aus dem Museumsbestand oder aus der Generali Foundation gestaltet. Überschattet war das Ganze auch durch die zweijährig dauernde Pandemie. Budget für Anschaffungen oder Ausstellungen, fehlten schlichtweg.

Mit der Ausstellung JASMINA CIBIC.MOST FAVOURED NATION, welche zurzeit im Museum der Moderne Salzburg bis Juni läuft, schaffte es Thorsten Sadowsky immerhin, dass die THE NEW YORK TIMES, über die Ausstellung in Europa MdM Salzburg berichtete.

Nun stellt sich wieder einmal die Frage, wer wird Dr. Thorsten Sadowsky Nachfolger*in? Ein kurzer Rückblick wer für das Museum der Moderne seinerzeit die Fäden zur zeitgenössischen Kunst zog!

1983-1998 Otto Breicha Gründer des Moderne Galerie und Graphische Sammlung – Rupertinum

1998-2001 Peter Weiermair, der das Rupertinum stärker international ausgerichtete.

2000-2005 Dr. Agnes Husslein, die 2004 das Museum der Moderne eröffnete und an die zeitgenössische Kunst heranführte.

2005-2013 Dir. Toni Stoss, der auch viele internationale Künstler präsentierte und 8 Jahre als Direktor verweilte.

2013-2018 Dr. Sabine Breitwieser, die die Generali Foundation (sie ist Gründerin dieser Foundation) nach Salzburg und in das MdM integrierte.

2018-2022 Dr. Thorsten Sadowsky

2022???

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer dankt Herrn Direktor Dr. Thorsten Sadowsky für seine erfolgreiche Tätigkeit und wünscht ihm für seine neue berufliche Herausforderung weiterhin viel Erfolg. Ebenso dankte auch die Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Brigitta Pallauf und betont die gelungene Neuausrichtung des Museums der Moderne Salzburg: „Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch wurden neue Wege eingeschlagen, die auch weiterhin fortgesetzt werden sollen. Im Namen des gesamten Aufsichtsrates danken wir für die profunde Arbeit und gute Zusammenarbeit mit dem Team und vielen Institutionen und Kooperationspartnern.

Nun heißt es wieder „Auf zu neuen Ufern“, zuversichtlich in die Zukunft schauen und hoffen, dass das Museum der Moderne auch in Zukunft in eine gute Richtung gelenkt wird.

Internationaler Pionier der Medienkunst

RICHARD KRIESCHE im Museum der Moderne Salzburg

Künstler Richard Kriesche / Foto: Christa Linossi

Das Museum der Moderne Salzburg, widmet Richard Kriesche dem Pionier der Medienkunst eine Ausstellung a solo exhibition: a solo presence.

Richard Kriesche, tv-tod III, 1974/2000, © Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg, Foto: Rainer Iglar, Bildrecht, Wien 2022

Geboren wurde Kriesche 1940 in Wien, jedoch die Familie flüchtete 1944 ins Ennstal und ein Jahr später nach Feldbach. Von 1958-1962 studiert er an der Akademie der bildenden Künste in Wien Grafik und Malerei.

Richard Kriesche ist ein internationaler Pionier in der Medienkunst. Sein Interesse galt seit den 1960er-Jahren der Medien-, Informations- und Digitalisierung bis in die Gegenwart. Er analysierte und reflektierte und ging nebenbei der Frage nach dem Wesen der Kunst und deren Rolle und Funktion in der Gesellschaft und der Medienwelt. Für ihn sind Zusammenhänge von Wissenschaft, Forschung auch Allianzen zwischen Ökonomie und Politik.

polaroid space, 1971, Fotodokumentation der Live-Installation (Künstler, Stuhl, Tisch, Polaroid-Kamera und Polaroid-Filme) im Kontext der Ausstellung ART SPECTRUM, Alexandra Palace, London 1971 © Richard Kriesche / Bildrecht, Wien 2022

Im Museum der Moderne wird der wichtigste Teil der Werkgruppen von 1963 bis 2022 gezeigt. Ausgehend von seiner kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien gibt die Ausstellung die Möglichkeit unterschiedliche soziotechnische Phasen und Umbrüche in den letzten sechs Jahrzehnten in den Blick zu nehmen.

Aus der Werkgruppe ästhetik des kapitals: kunst kapital künstler, version #2 2011, acht Prints, im Besitz des Künstlers, © HR Mag. Prof. Richard Kriesche/ Bildrecht, Wien 2022

Die Ausstellung ist so konzipiert, dass man mit dem 21. Jahrhundert (2022) beginnt und dann rückwärts bis in Jahr 1973 blicken kann. Beginnen wir gleich mit 2022, hier ist ein Kubus als Ausstellungsraum. Dieser Raum nennt sich self-space. Was bedeutet self-space? Man könnte dies auch so formulieren; es ist ein persönlicher Raum, die nur eine Person umgibt um dies als psychologisch zu betrachten. In diesem Raum wurde ein unsichtbarer Algorithmus installiert, auf den der Besucher oder die Besucherin treffen werden. So korrekt ist es auch wieder nicht, denn sie betreten den Raum, der dunkel ist und wenn sie den größeren Raum betreten, finden sie eine Art Fax- oder Kopiergerät vor, wo sich darin der Algorithmus vermutlich befindet. Den bei Knopfdruck erhalten sie eine Kopie Ausgabe, wo ihre persönliche hexadezimalzahl aus ihrer datenspur im self-space errechnet wurde.

Richard Kriesche self-space / Foto: Christa Linossi

Kurzes Statement zum self-space des Künstlers: „der mensch der moderne, der im individuum, in der Einzigartigkeit seiner Persönlichkeit zu sich selbst gefunden hat, wird in der digitalen moderne durch Digitalisierung und Datafizierung in seinem gesamten wesen einem radikalen transformationsprozess unterzogen. Die digitale Prozessierung des Menschen transformatiert das einstige individumm in ein dividuum, in eine doppelfigur – in ein materielles, biomorphes „mental_singuläres_selbst“ (m_s_s; ©rk.) und in ein immaterielles, zahlenbasiertes „digital_omnipräsentes_selbst“ (d_o_s; ©rk.) im Dividuum eskaliert der Konflikt zwischen der analogen Stabilisierung und der digitalen Prozessierung des Menschen.“

Es ist eine interessante Erfahrung diesen Raum zu betreten und man stellt sich viele Fragen danach und hält seine eigene Datenspur in der Hand und weiß im Moment nicht recht, wie man damit umgehen soll.

Auf ein weiteres Projekt von Richard Kriesche will ich eingehen. Es handelt sich um den Kunstspots für HUMANIC 1973-75/86. Ausgangspunkt für diesen Kunstspot war eine Performance des Künstlers am Trafalgar Squire in London. Die Schuhfirma HUMANIC wollte mit einem Künstler in Kooperation einen Werbefilm gestalten. Die Wahl des Künstlers fiel auf Richard Kriesche der jedoch sich aushandelte, es kommen keine Schuhe vor, es muss ein Kunstfilm sein und bleiben, der nur 30 Sekunden lang dauern darf. http://www.medienblock-richard-kriesche.at/Projekt19/

Gezeigt wird in diesem Kunstfilm der Künstler und die Tauben am Markusplatz in Venedig. „Der Künstler, in einen Maiskörneranzug gehüllt, wird selbst zum lebenden Objekt.“ (“Projekt19 – Medienblock Richard Kriesche”) Im Werbeblock des ORF wurde er schließlich ein halbes Jahr lang als „Humanic-Werbespot“ ausgestrahlt. Regie: Richard Kriesche, Kamera: Xaver Schwarzenberger, Text: Klaus Hoffer.  (Anmerkung: weder wird ein Produkt des Unternehmens gezeigt – Schuhe –, noch scheint der Unternehmens Claim auf, allein das Logo „HUMANIC“ nimmt Bezug auf das Wirtschaftsunternehmen als sponsor avancierter Kunst.)

Medienblog Richard Kriesche /
Es ist dem Joanneum 2013 gelungen, ein aus etwa 60 Werken bestehendes Kompendium direkt vom Künstler zu erwerben.

In einem anderen Ausstellungsraum befinden sich 5 Monitore, hier wird eine Frau die 5 Tage lang jeden Tag denselben Handgriff macht, durch Vidoaufnahmen sichtbar gemacht. Diese Aufnahmen stammen aus den seinerzeitigen Puchwerken (heute Magna) in Graz. Durch die Video-Nutzung ist es auch möglich, soziale, gesellschaftliche Themen oder mechanisierte Arbeit sichtbar zu machen.

Richard Kriesche war auch auf 3x auf 36. Biennale di Venezia 46. Biennale di Venezia und 49. Biennale di Venezia, in Venedig und 2x auf der Documenta 6, documenta 8, in Kassel vertreten.

Diese Ausstellung gibt auf alle Fälle einen Einblick in die Medien-, Informations- und Digitalisierungsrevolutionen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist sehenswert!

https://www.museumdermoderne.at/de/ausstellungen-veranstaltungen/detail/richard-kriesche-a-solo-exhibition-a-solo-presence/

fake news

Das Ufo ist gelandet oder nicht? Es handelt sich nur um eine künstlerische Arbeit!

experimental photo work by © Christa Linossi 2022 – From the series.. DIE AUSSERIRDISCHEN

EHRENGAST „SPANIEN“ AUF DER

FRANKFURTER BUCHMESSE im Oktober 2022

Spanien Sprühende Kreativität – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022; Spanien – Ehrengast 2022 EN

Wenn Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse zu einer Pressekonferenz einberuft, kann es sich nur um eine Botschaft handeln.

Die Botschaft? Ehrengast auf der Buchmesse ist heuer Spanien, die ihre literarische Vielfalt unter dem Motto „Creatividad Desbordante/Sprühende Kreativität“ präsentieren wird.

Spanien Sprühende Kreativität – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022; Spanien – Ehrengast 2022 EN

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Es ist nun fast 30 Jahre her, seit dem ersten Auftritt von Spanien auf der Frankfurter Buchmesse 1991. Eine der zentralen Botschaften des spanischen Auftritts ist die Vielsprachigkeit des Landes: darunter regionale Sprachen wie Katalanisch, Galicisch und Baskisch, in denen es jeweils eigene Literaturen gibt. Diese Vielsprachigkeit ist perfekt zum Thema TRANSLATE TRANSFER TRANSFORM. Denn Übersetzen ist der einzige Weg für das Wort hinaus in die Welt, für die Verständigung zwischen Kulturen inmitten von Diversität. Die Übersetzung steht im Zentrum einer jeden Ehrengastpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse: In diesem Zusammenhang ist eines der größten Übersetzungsförderungsprogramme weltweit entstanden.“

Elvira Marco, Projektleiterin für den Ehrengastauftritt Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022:
„2019 hat Spanien den ersten Schritt „auf den Weg nach Deutschland“ getan. (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Seitdem gab es viele Herausforderungen. Wir haben trotzdem viel auf die Beine gestellt, darunter ein großes Übersetzungsförderungsprogramm, um unseren Büchern auf die internationale Bühne zu verhelfen. „Übersetzungen bringen uns einander näher und das ist etwas, was wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen.“ (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Jetzt übergeben wir den Staffelstab an die Leser: innen weiter. Wir präsentieren viele zeitgenössische Werke, die deutlich zeigen, dass Spanien ein anderes Land ist als noch vor 30 Jahren, als Spanien erstmals Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war.“

Luis García Montero, Direktor der Instituto Cervantes:
„Die Buchmesse ist immer ein wichtiger Ort, um in den Austausch zu treten und sich zu treffen. Das Buch ist eine Metapher für die Freiheit. Das Gewissen des Autors verbindet sich mit dem Gewissen der Leser. Spanien glaubt an Europa. Der große Reichtum Europas zeigt sich in den Menschrechten und der Demokratie. Und in einer Sprache zeigt sich der Wertekanon der Gesellschaft. (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Wir wollen Kultur aus der gesamten spanisch-sprachigen Gemeinschaft vermitteln und kämpfen als Gemeinschaft für die Vielstimmigkeit. Deswegen bin ich dankbar, dass die Frankfurter Buchmesse diesen wichtigen Dialog fördert.“

Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bilding, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.https://www.buchmesse.de/

AI WEIWEI in der ALBERTINA MODERN

„IN SEARCH OF HUMANITY

HyperFocal: 0Ai Weiwei
Illumination, 2019
LEGO-Bausteine
Courtesy of the artist
Foto: Courtesy of the artist and Lisson Gallery © 2022 Ai Weiwei

Die ALBERTINA MODERN zeigt eine umfangreiche Retrospektive eines der bedeutendsten Künstler des 20./21. Jahrhundert, es handelt sich um Ai Weiwei und gibt Einblick in alle Schaffensphasen seiner mehr als vier Jahrzehnte währenden Laufbahn.

Ai Weiwei ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, er ist ein unermüdlicher Aktivist und Kritiker autoritärer Systeme.  Seine Kunstwerke sind mächtige Symbole, die ein breites Publikum ansprechen und immer wieder für Kontroversen Sorgen.

Die Ausstellung In Search of Humanity befasst sich eingehend mit dem Aspekt der Menschlichkeit und der künstlerischen Stellungnahme in Ai Weiweis Schaffen. AI Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. (Von 1958–1976) Ai Weiweis Kindheit und Jugend verbrachte er in der Verbannung seines Vater Ai Qing, einer der berühmtesten Dichter Chinas, dieser galt als Regimekritiker und wurde als „Rechtsabweichler“ mit seiner Familie verbannt. Während Mao Zedongs „Kulturrevolution“ – der vor keiner Zerstörung und Unterdrückung zurückschreckenden, groß angelegten Umerziehung des chinesischen Volkes – lebten sie in einem Lager in der Provinz Xinjiang unter ärmlichsten Bedingungen in einem Erdloch. Ai Qing wurde für Reinigung der Latrinen zugeteilt, täglich ist er öffentlichen Demütigungen ausgesetzt. Nach dem Tod von Mao durfte Ai Qing (rehabilitiert) mit seiner Familie wieder zurück nach Peking kehren. Diese Auswirkungen die Ai Weiwei als Kind während der Kulturrevolution miterlebte, prägten auch seine frühesten Werke mit der Auseinandersetzung seines Heimatland China.

1978-1979 Ai Weiwei schreibt sich als junger Künstler an der Pekinger Filmakademie ein. Sein Jahrgang ist der erste, der seit der „Kulturrevolution“ zugelassen wird. Er verkehrte in den Kulturkreisen der Hauptstadt Peking. Er ist ein hervorragender Kenner der Geschichte und der kulturellen Traditionen seines Landes.

1981–1993 Künstlerische Prägung in den USA, 1993–1997 Rückkehr nach China: Umgang mit chinesischem Kulturgut 2000-2008 Tätigkeit als Architekt, 2005 Blog für Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Zerstörung der chinesischen Kultur, Ab 2007 Erste internationale Erfolge, 2009-2011 Staatliche Repressalien und Festnahme 2009 wird Ai zum ersten Mal festgenommen, was ihn daran nicht hindert als Zeuge zugunsten des Aktivisten Tan Zuoren auszusagen. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Systemkritiker Liu Xiaobo greift die Kommunistische Partei Chinas hart gegen mehr als 200 Dissidenten durch: Anwälte, Aktivisten und Schriftsteller werden verhaftet und zum Schweigen gebracht. Auch Ais Studio wird wegen angeblich „nicht sachgemäßer Nutzung“ von den Behörden abgerissen. Die Geheimpolizei hält Ai ohne Anklage und ohne Verurteilung für unbestimmte Zeit an einem unbekannten Ort fest. 2011-2015 Dissident in China. Nach 81 Tagen und internationalen Protesten kommt Ai gegen Kaution frei, steht aber weiterhin unter strengster Überwachung. Es wird ihm untersagt zu reisen. Ai äußert weiterhin Kritik am Regime und macht mithilfe seiner Kunst selbst die Umstände seiner Gefangenschaft publik. Erst 2015 erhält Ai seinen Reisepass von den chinesischen Behörden zurück. Er zieht nach Berlin. Ab 2015 Internationaler Menschenrechtsaktivist und durch die Verlagerung seines Lebensmittelpunkts nach Europa positioniert Ai sich in seiner Rolle als Künstler und Aktivist noch stärker als Verfechter von Menschenrechten und demokratischen Grundwerten und bezieht immer wieder bei aktuellen Ereignissen Stellung.

Seine Arbeiten, die in der ALBERTINA MODERN gezeigt werden, geben Aufschluss zu seinen unvergleichbaren Gestaltungsprinzipien.

Ai Weiwei
Neolithic Vase with Coca-Cola Logo, 1994
Tongefäß, , Industriefarbe
Privatsammlung
Foto: Albertina, Wien / Lisa Rastl & Reiner Riedler © 2022 Ai Weiwei

1994 schuf Ai Weiwei eines seiner bekanntesten Werke: Auf eine weisse Urne aus der Zeit der Han-Dynastie, ein rund 2000 Jahre altes Objekt malte er ein rotes Coca-Cola-Logo und verband der Gestalt symbolisch China und Amerika, Gestern und Heute, lokalen Basisnutzen und transnationales Marketing. Eine Urne aus der Han-Dynastie fallen lassen, wer bestimmt, was kostbar ist? Ist ein Gegenstand nur deshalb wertvoll, weil er eine bestimmte Zeit überdauert hat? Selbst wenn er zur Zeit seiner Herstellung ein Massenartikel war? Denn genau das trifft auf diese Urne aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zu, die Ai Weiwei 1995 zerschmettert.

In den drei Schwarzweiß-Fotos ist diese subversive Aktion festgehalten.

Ai Weiwei
Dropping a Han Dynasty Urn, 1995
Schwarz-weiß Fotografien (Triptychon)
Privatsammlung
Foto: Courtesy Ai Weiwei Studio © 2022 Ai Weiwei


Das Fahrrad hat in China eine eigene Bedeutung, denn das Land galt lange als Fahrradnation. Ai selbst hat als Kind erlebt, wie wichtig es war, ein eigenes Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu besitzen. Noch in den späten 1980er-Jahren gibt es in China kaum motorisierte Privatfahrzeuge, die Fahrräder dominieren den Stadtverkehr. Ai montiert die Fahrräder so aneinander, dass sie nicht mehr funktionstüchtig sind, ohne Lenker, Pedale und Ketten, teils ohne Sattel. Er spielt damit auf die chinesische Bevölkerung an, auf deren Synchronisierung und Uniformierung, deren Zusammenspiel als Kollektiv, das jedoch dem Einzelnen kaum Bewegungsfreiheit ermöglicht.

Ai Weiwei
Forever Bicycles, 2003
42 Fahrräder
Privatsammlung
Foto: ALBERTINA, Wien / Lisa Rastl & Reiner Riedler © 2022 Ai Weiwei

Erste Verhaftung Im August 2009 reist Ai nach Chengdu, um bei einer Gerichtsverhandlung zugunsten von Tan Zuoren auszusagen. Der Aktivist hat zu den Baumängeln an Schulen recherchiert, die während des massiven Erdbebens in Sichuan 2008 eingestürzt sind, woraufhin ihm „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ vorgeworfen wird und er verhaftet wird, gelingt es ihm, mit seinem Handy das Spiegelbild der Szene zu fotografieren und zu posten. Dieses Selfie, wird über die sozialen Medien verbreitet, hinter ihm zu sehen die beiden Polizisten sowie sein Freund, der Musiker und Künstler Zuoxiao Zuzshou, der ihn nach Chengdu begleitet hat. Das Foto, das Ai später in Form dieser Lego-Arbeit umsetzt (somit verliert Lego, das berühmteste Spielzeug der Welt seine kindliche Unschuld) und verdeutlicht die zunehmende Bedeutung, wie Smartphones und soziale Medien für den Aktivismus spielen. Es markiert den für Ai buchstäblich erhellenden Moment, in dem der Künstler zum verfolgten Regimekritiker wird.

HyperFocal: 0Ai Weiwei
Illumination, 2019
LEGO-Bausteine
Courtesy of the artist
Foto: Courtesy of the artist and Lisson Gallery © 2022 Ai Weiwei

Möbelskulpturen Mit dem kulturellen Erbe und dem Umgang mit Kulturgütern befasst sich Ai Weiwei auch in seinen Arbeiten aus Holz. Für die Möbelskulpturen 40 Holzstühle, lässt er diese von versierten Tischlern nach seinen Vorstellungen umbauen. Dabei legt er Wert darauf, unsichtbare Steckverbindungen die einzelnen Teile zusammenhalten und die Arbeitsweise dem Material folgt. Nichts Neues wird hinzugefügt, nichts Altes, das entfernt wurde, geht endgültig verloren. Durch die Neuanordnung verlieren die Möbel ihre Funktionalität. Sie werden auf eine schockierende Weise zwecklos, indem sie vom realen Gebrauch ausgeschlossen werden. Als Kunstwerke erfüllen sie jedoch nun einen neuen Zweck.

Ai Weiwei
Grapes, 2011
40 Holzstühle
Privatsammlung
Foto: Albertina, Wien / Lisa Rastl & Reiner Riedler © 2022 Ai Weiwei


Gefangennahme Am 3. April 2011 wird Ai Weiwei am internationalen Flughafen in Peking von der chinesischen Geheimpolizei verhaftet und eingesperrt. Die ganze Welt und die ganze Kunstwelt fragte sich seinerzeit „Wo ist Ai Weiwei“? Wo ist er?

81 Tage lang weiß er nicht, wo er sich befindet, weshalb er festgehalten wird, wie lange seine Inhaftierung andauern und ob er seine Familie je wiedersehen wird. Mehrmals täglich wird er mit Handschellen an einen Stuhl gefesselt und verhört. Zwei uniformierte Wachmänner stehen ununterbrochen in einem Abstand von 80 Zentimetern neben ihm und überwachen ihn rund um die Uhr, ohne zu sprechen und ohne jede Gesichtsregung.

Während der 81 Tage prägen sich Ai die Gegebenheiten der Zelle bis ins kleinste Detail ein. Er baut den Raum später nahezu in Originalgröße als begehbare Installation nach.

Ai Weiwei
S.A.C.R.E.D. (i) S upper, 2013
1 von 6 Dioramen aus Fiberglas und Eisen
Courtesy of the artist and Lisson Gallery
Foto: Courtesy Ai Weiwei Studio and Lisson Gallery © 2022 Ai Weiwei

Ai Weiwei lebt und arbeitet derzeit an mehreren Orten, darunter Peking, Berlin, Cambridge (England) und Montemor-o-Novo bei Lissabon.

Noch nie war Konzeptkunst so anschaulicher, sinnlicher und engagierter, wie diese Ausstellung von Ai Weiwei!

Die Ausstellung läuft bis 04. September 2022

https://www.albertina.at/albertina-modern/ausstellungen/ai-weiwei/

Integration eines Steines aus China am Hohen Dachstein (Ramsau/Steiermark)

Inszeniert von Ai Weiwei https://www.kultura-extra.de/kunst/feull/regionale10_ai_weiwei.php

„Universum im Kleinen“ – „L‘ Universo nel piccolo“

CHAT-INTERVIEW 2022 mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini

Südtiroler Künstler Markus Damini / Foto: Markus Damini

2016 führte ich mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini das interessante Chat-Gespräch „di cuoio come forma astistica?“

Nun sind mittlerweile 6 Jahre verstrichen, der Künstler Damini kontaktierte mich und bat mich um ein neuerliches Chat-Interview, dem ich gerne zustimmte. Er ist ein Künstler, der interessante Ansätze in seiner Kunstform hat. Schwerpunkt in seinem Kunstschaffen ist das Leder aber auch Malerei die er als „Symbiose zwischen Kunst und Handwerk“ bezeichnet.

yinyang_markusdamini_Foto: Markus Damini

Linossiartstory: 2020 stürzte uns das Virus COVID 19 ins Abseits und Sie mussten auch noch mit einer schweren Krankheit fertig werden. Wie wurden Sie mit dieser Situation fertig und wo ist Ihre Kunst gestrandet?

Markus Damini:

Im August 2020 wurde bei mir eine Tumorerkrankung diagnostiziert. Es folgten neun schwierige Monate mit mehreren Chemotherapien. Das Schlimmste war für mich die Schwäche und vom Kunstschaffen war keine Rede mehr. Erst allmählich nach etwa einem halben Jahr nach Beendigung der Therapie begann ich langsam wieder kreativ zu sein.

Linossiartstory: Die aktuellen Arbeiten sind Malerei und was hat Sie inspiriert zum Pinsel zu greifen?

Markus Damini:

Ich benutze nicht nur Pinsel, sondern auch Stoff, Papier, Spachteln usw. Ich wollte wieder kreativ arbeiten, das mich begeistert, da war Malerei das Naheliegendste.

Linossiartstory: In Vergangenheit hatten Sie viel mit dem Material Leder gearbeitet. Werden Sie in Zukunft auch wieder mit Leder arbeiten?

Markus Damini:

Mit diesem Material habe ich absolutes Neuland in der Kunst betreten. Auch die Bildmotive waren neu, ich habe mich ja von niemandem inspirieren lassen.  Was ich in Zukunft mit Leder machen werde, lasse ich noch offen.

Markus Damini_ohne Titel Öl auf Leder / Foto: Markus Damini
Markus Damini, Meerestier, Linoleum bemalt / / Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Wie sehen Sie Ihr weiteres künstlerisches Schaffen und wohin geht die Reise?

Markus Damini:

Die Malerei ist für mich eine Methode mit meiner „Kleinheit“ und mit meiner „Begrenztheit“ zurecht zu kommen. Nicht umsonst ist die Grundstruktur aller meiner Werke, ein Aspekt der sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Schaffenszeit zieht: das Große und Wundervolle im Kleinen, die Nähe zum Dargestellten, sei es ein Grashalm, ein Blatt, ein Hund oder eine Pusteblume. Dabei verschwindet der Horizont. In meiner „Leder- Zeit“ faszinierte mich die subatomare Ebene, ich tauchte mit meiner Fantasie in diese Welt ein, wo sich anscheinend die Materie auflöst. Mich inspiriert mehr das Universum im Kleinen als das Weltall. In ihrer „Universalität“ (Alles in Einem) können ein Großteil meiner Bilder an allen vier Seiten aufgehängt werden.
Ich male ausschließlich für mich selbst und insgeheim wünsch ich mir, dass meine Seele oder Geist, die ja in den Bildern sichtbar sind, meinen Körper überdauern werden.

Markus Damini, Plus-Minus / Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Markus Damini:

Im Bild brauche ich nur zwei Pole: z. B. Vordergrund und Hintergrund oder Hell und Dunkel oder Voll und Leer oder Geist und Materie; wenn diese zwei Gegensätze mit einer gewissen Spannung vorhanden sind, dann ist das Bild fertig. Aber die Entscheidung ist nicht immer einfach, es braucht viel Sensibilität und oft muss ich das Bild sogar einige Monate weglegen und dann erst wieder neu anschauen.

Linossiartstory: Sind Sie manchmal unsicher in Ihrer Kunst?

Markus Damini:

Natürlich, so wie in jeder Arbeit vollzieht sich auch in meiner eine Evolution, eine ständige Auslese, ich frage mich immer: was will ich und was nicht. Welches ist meine Haltung gegenüber der Malerei; das könnte man auch als Unsicherheit bezeichnen, die ich ständig habe. Ich sehe es aber als kontinuierliche Veränderung von Sichtweisen: Eine Kleinigkeit- etwas Gehörtes oder Gesehenes – können veranlassen, meine Sichtweise zu verändern. Die Grundstruktur bleibt aber dieselbe – jedenfalls bis jetzt.

Linossiartstory: Wie reagieren Sie auf Kritik 

Markus Damini:

Kritik, negative, als auch positive, kann sehr inspirierend sein und neue Sichtweisen hervorbringen.

Linossiartstory: Wie kommen Sie zurecht mit den Umgangsformen im Kunstbetrieb, war für Sie der Umgang mit Presse, Galeristen und Kuratoren immer problemlos?

Markus Damini:

Oftmals spielen Beziehungen, Sympathien und Freundschaften gegenüber Entscheidungsträgern eine große Rolle.
Allerdings habe ich erfreulicherweise auch gute Erfahrungen gemacht.

Markus Damini, Pusteblume, Acryl auf Leinwand/ Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Markus Damini:

Die Malerin Manuela Deghezzi hat mich zur Kunstarbeit Anfang der 90er Jahre angespornt. Auch der Kunstkritiker Fiorenzo Degasperi hat mich dazu animiert.

Linossiartstory: Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?

Markus Damini:

Naturliebend, pragmatisch, eigensinnig

Linossiartstory: Woran arbeiten Sie gerade?

Markus Damini:

Das gelb-grüne Farbspektrum fasziniert mich derzeit so sehr, dass ich hauptsächlich diese Farbtöne benutze. Die Motive liegen im Reich der Pflanzen und des Lichtes.

Linossiartstory: Unsere Welt ist im 21. Jahrhundert angekommen und mit ihr die Digitalisierung. Was bedeutet für Sie Digitalisierung und wie wichtig ist Social Media für Sie?

Markus Damini:

Social media ist für mich zu flüchtig und schnelllebig, dafür habe ich kein Interesse.
Die Digitalisierung ist ein Fluch und ein Segen zugleich für die Menschheit, so wie natürlich alle Dinge zwei Seiten haben.

Linossiartstory:  Herr Damini es war nett mit Ihnen diesen Chat zu führen. Es war ein offener ausführlicher Chat, mit vielen interessanten Einblicken in Ihre Kunst. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen noch viele atemberaubende und interessante Abenteuer auf Ihrem weiteren Weg. 

Danke für das nette Chat-Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Homepage von Markus Damini

Chat-Interview aus dem Jahr 2016: https://linossiartstory.com/2016/05/22/leder-als-kunstform/

CINDERELLA ist im 21. Jahrhundert angekommen

Dieser Tage besuchte ich wieder die Atelier Gespräche/Plus Kultur eine Veranstaltung der Universität Mozarteum unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner. Diese Atelier Gespräche sind transdisziplinäre Vorlesungen an der Universität Salzburg und vernetzen Kulturarbeit und künstlerische Praxis mit verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.

Die Komponistin der Oper Cinderella Almer Deutscher Foto: Anna-Maria Löffelberger

Diesmal ging es um die Oper Cinderella-Märchenstoff mit autobiografischer Färbung in Kooperation mit dem Salzburger Landestheater. Im Gespräch mit Frau Prof. Dr. Sabine Coelsch-Foisner, der Cinderella-Darstellerin Laura Incko.

CINDERELLA_Luke Sinclair und Laura Incko Foto: Anna-Maria Löffelberger
Cinderella _ Video Salzburger Landestheater

Worum handelt es sich hier? Es ist die Erstaufführung einer erweiterten und überarbeiteten Salzburger Fassung mit deutscher Text. (Premiere war der 12.Dezember 2021, aufgrund der Pandemie ist es bei mir spurlos vorübergegangen) Es ist eine Oper, die aus dem Märchen entstanden ist, die Komponistin bringt jedoch dieses Märchen ins 21. Jahrhundert in IST-Zeit herüber.

Die Komponistin Alma Deutscher, 16 Jahre Jung, britische Komponistin, Pianistin und Geigerin schrieb diese Oper und erzählt ihre ganze eigene Fassung zu diesem Thema. Sie schrieb ihre erste abendfüllende Oper im Alter von 10 Jahren. Alma Deutscher ist ein außergewöhnliches Talent und machte schon früh in der Musikszene auf sich aufmerksam. Es ist schon eine großartige Leistung, dass ein junges Mädchen die mentale Energie aufbringt, eine zweistündige Oper zu komponieren und zu orchestrieren.

Zum Stück: Die junge Komponistin inspiriert von dem bekannten Märchen „Cinderella“, hat die Handlung der Oper jedoch in die Welt der Musik verlegt. Schauplatz ist ein Opernhaus, das ehemals von Cinderellas Vater geführt wurde und in dem jetzt die intrigante Stiefmutter herrscht. Cinderella ist eine Komponistin, die wunderschöne Melodien in sich trägt, aber von ihrer neuen Familie mit Verachtung gestraft wird, vor allem von den Stiefschwestern, die eitle Möchtegern-Diven sind. Der Prinz ist ein Dichter und in dieser Oper macht er sich auf die Suche nach einer Melodie für sein Gedicht. Als seine Worte und Cinderellas Melodie zusammenfinden, erfüllt sich auch ihrer beider Liebe.

Eine Aufführung findet noch im Salzburger Landestheater statt:

11. Freitag 2022 um Uhr 19.30

CINDERELLA

Alma Deutscher Musiktheater SALZBURGER LANDESTHEATER 

HelmutKand – poetic surrealist

Chat-Interview mit dem Künstler Prof. Helmut Kand

Prof. Helmut Kand
„Mein Jahresrhythmus ist so,
dass ich mich nicht wohin sehen,
sondern dass ich immer schon dort bin“

Mein Chat-Interview mit dem Künstler Prof. Helmut Kand, kam dadurch zustande, weil ich durch Zufall auf LinkedIn über seine Arbeiten gestoßen bin. Von diesen Werken war ich so beeindruckt, dass ich unbedingt ein Chat-Interview mit Prof. Kand vereinbarte.

Seine Arbeiten entstammen dem Surrealismus, es ist der künstlerische Ausdruck einer geistigen Bewegung, die sich seit den 1920er Jahren als Lebenskunst gegen traditionelle Normen äußert. Prof. Kand als Visionär und immer auf der Suche nach dem gewissen Etwas.

Prof. Helmut Kand „Kussbereites Magnetfeld am Kurs der Telepathie – Magnetic field expecting kisses on its telepathic course“

Seine Werke verleihen unglaubliche Kraft und Tiefe, eine Vielfalt an Farben verdichten sich und stellen sich in einen neuen Kontext.

Prof. Helmut Kand „Vom Kartographen geschöntes Luftbild
         aerial view beautified by the cartographer“
 

Linossiartstory: Wie fanden sie zur Kunst, was stand am Anfang ihrer Berufung zum Künstler?

Prof. Kand: Ich verbrachte eine unbeschwerte Kindheit in der Steiermark in einer Familie, die für Kunst sehr viel übrighatte. Mit 4 Jahren übermalte ich bereits ein halbfertiges Aquarell meines Vaters. Mit 13 richtete ich in einem stillgelegten Ziegelofen mit einem Freund mein erstes Atelier ein. Große Vorbilder waren Picasso, Braques und später Dali. Irgendwie war mein Weg schon in der Volksschule vorgezeichnet und jener setzte sich im Gymnasium und nachher an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei den Professoren A.P.Güterloh und Rudolf Hausner fort.

Prof. Helmut Kand „Allein sein ist nur schön, wenn man alleine ist
         being alone is only nice when you´re alone“

Linossiartstory: Erzählen Sie uns ein paar Worte über sich und was bewog Sie Künstler zu werden.

Prof. Kand: Wie bereits oben angeführt, war ich in jungen Jahren schon sehr mit Malerei beschäftigt, dann das Studium aber spannend, ich war erst 22, als ich in London in einer noblen Galerie in Mayfair eine Ausstellung hatte und dort durch eine öffentliche Bilderverbrennung großes Aufsehen erregte. Es gab weltweite Presseberichte, die London Times schrieb: „These paintings are the hottest thing in art“ Dann in Berlin drehten wir einen Film für das Underground Festival und eine ähnliche Aktion führte zu einem Skandal aber verhalf mir auch zu der erhofften Popularität.

Linossiartstory:  Mit 19 Jahren pilgerten Sie nach Spanien, um Salvador Dali kennenzulernen, trafen Sie ihn? Welchen Einfluss hatte Dali auf Sie?

Prof. Kand: Ja, per Autostopp nach Port Lligat um endlich den „Göttlichen Salvadore“ zu treffen. Unterwegs Pflastermalen in Nizza und Cannes und Saint Tropez.

Prof. Helmut Kand „Heißblütig badende Seelen
         hot-blooded bathing souls“

Linossiartstory: Sie sind viel gereist, was inspirierte Sie bei Ihren Studienreisen?  

Prof. Kand: Es war Neugier auf fremde Kulturen, Farben und Düfte.

Prof. Helmut Kand „Beteiligt bei dem was kommt
         involved in what do come“

Linossiartstory: Wenn man Ihre Arbeiten betrachtet, taucht man in eine Welt ein, die Geschichten erzählt und von der man sich nicht sattsehen kann. Ein Farbenrausch wird dem Betrachter entgegengeschleudert. Wie ist Ihre Vision, während Sie ein Bild entstehen lassen. Was ist die Inspiration während des Malprozesses?

Prof. Kand: Es sind Themen, die vollgepackt sind mit Fantasie. Sichtbar gemachte Innenweltlandschaften, Gedankenblitze und Meditatives, durch permanentes Reisen exotisch angereichert. Ein Anliegen der Surrealisten, die Grenzen zwischen Ding- und Traumwelt aufzuheben.

Prof. Helmut Kand „Postkarte an eine Horoskopgläubige
         postcard to a horoscope follower“

Linossiartstory: Wir leben im 21. Jahrhundert, wo sich alles im Internet abspielt, die Digitalisierung rasant voranschreitet und auch die Kunst sich immer mehr und mehr ins Netz verlagert. Man prophezeit das analoge Galerien früher oder später es nicht mehr geben wird. Wie betrachten Sie diese Verlagerung und wie wichtig sind für Sie Social-Media-Kanäle?

Prof. Kand: Digitalisierung, virtuelle Galerien, NFT… und was da sonst noch alles gibt und was noch kommt, soll sein. Die Malerei bleibt.

Linossiartstory:Welche Projekte bzw. Ausstellungen (Sie sind international bekannt und anerkannt) ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben und weshalb?

Prof. Kand: Museumsausstellungen in Melbourne, Lissabon, Santiago de Chile, Iquique, Valparaiso, Buenos Aires, Périgueux, Jakarta, Ottobeuren Teilnahme an wichtigen internationalen Kunstmessen wie zB. in Basel, New York, San Francisco, Los Angeles, Palm Springs Zahlreiche Arbeiten im öffentlichen Raum. Murals, Edelstahlskulpturen, sakrale Kunstwerke

Linossiartstory: Was bedeutet für Sie Erfolg?

Prof. Kand: Freiheit und sich für Nichts verantworten müssen

Linossiartstory: Der Virus COVID wütet seit 2 Jahren und hat 2020 die Kunstszene lahmgelegt, wie ist es Ihnen ergangen und wie gehen Sie mit diesem Zustand um?

Prof. Kand: Lebensfreude und duftende Erotik in den Bildern wie zB. im Zyklus „Kandiszucker“. Die SammlerInnen haben mich gerne im Atelier besucht.

Linossiartstory:  Herr Prof. Kand es war nett mit Ihnen diesen Chat zu führen. Es war ein offener ausführlicher Chat, mit vielen interessanten Einblicken in Ihre Kunst. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen noch viele atemberaubende und interessante Abenteuer auf Ihrem weiteren Weg.  

Danke für das nette Chat-Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

www.kand.at

http://www.windknospe.com

fünfmal 8000

Peter Wörgötter MEIN LEBEN MIT DEN BERGEN

Fotomontage mit Buch-Cover : Christa Linossi

Worum geht es in diesem Buch?

Es geht um Wörgötters Kindheit und Jugend, Beginn einer Leidenschaft wie Berg-, Ski- & Klettertouren. Hochgebirgstouren in Europa, Afrika, Asien und fünfmal Achttausender. Begegnungen mit Pionieren des Extrembergsteigens.

Peter Wörgötter ist einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger Österreich, fünf Achttausender-Gipfel und viele andere hohe, oft schwierige Berge auf fast allen Kontinenten hat er in den Beinen. Er ist auch als hochalpiner Kletterer und Vorsteiger viel in der Welt herumgekommen. Er hatte auch viele Begegnungen mit Pionieren des Extrembergsteigens. Um einige zu nennen: Hermann Buhl, Markus Schmuck, Fritz Wintersteller, Kurt Diemberger, Herbert Tichy

Seine Frau Eva hatte ihn auf vielen Reisen (liebt ebenfalls das Bergsteigen) begleitet. Es waren Reisen und Expeditionen in Südostasien, oder der damaligen UDSSR, Russland, Afrika, Mittel- und Südamerika. Zwischendurch fünfmal Achttausender wie z.B. 1977 als Zweitbesteigung des vierthöchsten Berges der Erde: Lhotse, 8516m mit 21 Jahren. 1981 Skifahren in der Todeszone: Manslu, 8163m Erste Skibefahrung eines 8000ers, 1985 Shishapangma, 8027m; ebenfalls erste Skibefahrung, 1986 Broad Peak, 8047m und last not least Cho Oyu, 8201m.

Dieses Buch ist es wert zu lesen?

Sie lieben die Berge, das Bergsteigen, dann ist dies die richtige Lektüre für Sie. Gehen Sie auf Weltreise mit einem Extrembergsteiger und begleiten Sie ihn auf die höchsten Gipfel der Erde! Es sind auch Einblicke ins Extrembergsteigen vom Pinzgau aus rund um die Welt.

DIE AUTOREN:

Peter Wörgötter, geb. 1941 in Saalfelden, pensionierter Versicherungskaufmann, Extrembergsteiger und Weltrekordhalter. In seinem Buch erzählt er seine abenteuerliche Lebensgeschichte – originell und spannend.

Lena Öller, geb. 1997, ist die zweite Enkelin von Peter Wörgötter. Sie studiert Journalismus und Geografie und teilt mit ihrem Opa die Leidenschaft für den Bergsport und ferne Länder. Gemeinsam haben sie seine Biografie verfasst.

Erschienen ist das Buch

2022 Verlag Anton Pustet, 5020 Salzburg ISBN 978-3-7025-1040-4