“THE WAY OUT”

steirischer herbst 2021

vom 09.09.2021 bis 10.10.2021

Das Dienstälteste Festival für interdisziplinäre und zeitgenössische Kunst in Europa hat seit 08.09.2021 wieder seine Pforten zwischen September und Oktober geöffnet. Graz ist in diesem Zeitraum wieder Festivalmetropole.

sh21_09-08_Marinella_Senatore_©_Mathias_Voelzke

Der „steirische herbst“ der 1968 von Hanns Koren gegründet wurde, blickt auf eine lange Geschichte zurück und produktive Störungen waren immer wieder die Grundlage für öffentliche Debatten unterschiedlicher Art und quer durch alle Disziplinen und Medien, was Kultur für das Zeitgenössische bedeuten könnte, wurde neu definiert.

Eröffnung steirischer herbst ’21, Europaplatz, Graz, Flo Kasearu, Disorder Patrol (2021), Performance, Foto: © Johanna Lamprecht

Das Motto 2021 lautet: „The Way Out” und wagt sich heuer radikal nach draußen, heraus aus dem Lockdown, aber auch heraus aus den Museen, Galerien und den institutionellen sicheren Räumlichkeiten. Des Weiteren beschäftigt sich das Festival mit der Frage, inwieweit können Kunstwerke in das Alltägliche eindringen. Sind es zufällige Begegnungen oder ist es die Wiederentdeckung der Außenwelt?

Murgasse mit dem Pressebüro THE WAY OUT Foto: Christa Linossi

Ich besuchte den „steirischen herbst“ und stellte fest, er ist heuer anders als sonst oder empfand ich es nur, weil ich etwas chaotischer unterwegs war? Ehrlich gesagt, man muss sich auf alle Fälle Zeit nehmen und kann nicht, wie üblich, durch die Innenräume der Museen und Galerien „fetzen“, um sich dadurch einen Eindruck zu verschaffen. Ich kam vom „Durchrasen“ herunter und begann bestimmte Ziele zu wählen und nicht wie üblich, alles unter einem „Hut“ zu bringen. Man musste schon zweimal hinsehen.

Heuer ist eben alles anders, auch die Zusammenarbeit mit den Museen und Galerien. Heuer finden auch keine Kooperationen zwischen Kunsthaus Graz oder anderen Institutionen statt. Es gibt hier nur Parallelprogramme zu sehen, klar, der Titel sagt es ja „The Way out“.

Beginnen wir mit dem Hauptbahnhof, dort werden die Menschen schon mit einem kunstvoll gestalteten Tor empfangen. Es deutet auf diese Welt in der Kunst und Leben ineinander übergehen und sie das eine von dem anderen nicht immer unterscheiden können. Das Kunstwerk Assembly schuf Marinella Senatore, eine multidisziplinäre Künstlerin, die sich durch eine starke partizipatorische Dimension und einen ständigen Dialog zwischen Geschichte, Popkultur und sozialen Strukturen auszeichnet. Ihre Installation besteht aus bunten Lichtern und gleicht am Abend einem beeindruckenden visuellen Feuerwerk und beleuchtet somit am Abend den Bahnhofsvorplatz.

sh21_09-08_Marinella_Senatore_Foto : © Christa Linossi
sh21_09-11_Marinella_Senatore_©_Mathias_Voelzke

In den Parks und Straßen von Graz sind Performance und Künstler: Innenplakete ein gewisser Schwerpunkt.

Mounira Al Solh, Things My Neighbour Could Say as She’s Watching the Sunset (2021), Plakat im öffentlichen Raum, Graz. Foto: Johanna Lamprecht
Mounira Al Solh, Things My Neighbour Could Say as She’s Watching the Sunset (2021), Plakat. Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin

Ich hatte mir die Performance der radikalen New Yorker Performance-Gruppe „Reverend Billy and the Church of Stop Shopping” angesehen. Diese Gruppe interpretierte und warnte mit schrägen Predigten und Chören vor dem drohenden Ende der Menschheit durch den Shoppingwahn. Eine gut inszenierte und ausdrucksstarke Performance, die zuerst im Innenhof des Palais Attems stattfand und sich dann die Gruppe mit den Besuchern in die Sackstraße und von dort zum Joanneums-Viertel bewegte. Mit lauter Sprache und Megafone heizte die Gruppe die Menschen in der Innenstadt noch an, die oft nicht sagen konnten was mit ihnen im Moment geschah.

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sh21_09_17_Reverend_Billy_and_the_Church_of_Stop_Shopping_Joanneumsviertel_byJohannaLamprecht_51

Es sind noch weitere interessante Kunst-Installationen zu sehen, wie zum Beispiel im Besucher: innen- und Pressezentrum von Peter Schloss mit „Grupa Ee“. Um was handelt es sich hier? Hier hat der Künstler in seinen formal-minimalistischen Arbeiten einen Versuch zu einer präzisen Vermessung der Welt gestartet. Es sind Erkenntnisse und wie die uns täuschen können. Seine Kollaboration mit dem Kollektiv Grupa Ee bewegen sich seine Arbeiten zwischen Design und künstlerischer Intervention. Es handelt sich hier um eine berühmte optische Täuschung, die erstmals 1898 beschriebene Café-Wall-Illusion. Was ist das bitte genau? Die Café-Wall-Illusion ist eine visuelle Wahrnehmungstäuschung, bei der Rechtecke trapezförmig erscheinen. Es geht hier auch um Farbillusionen, geometrische Illusionen. In all diesen Fällen scheint unser Sehvermögen falsche Annahmen des Sehreizes zu treffen. Optische Täuschungen beruhen auf der Tatsache, dass die Wahrnehmung subjektiv ist und vom Gehirn beeinflusst wird.

Peter Schloss mit „Grupa Ee“. Foto: Christa Linossi
Innenansicht Besucher:innen- und Pressezentrum, Ticketschalter. Foto: Dietmar Reinbacher

Zur Parallelausstellung in HALLE FÜR KUNST (ehemaliges Künstlerhaus) sah ich mir die Ausstellung eines afroamerikanischen Künstlers_innen Kevin Jerome Everson und Doreen Garner an. Es ist ein Blick auf den politischen Diskurs in den USA aber im speziellen auf das Leben von Afroamerikaner_innen in der Vergangenheit und im Hier und Jetzt an.

Doreen Garner (*1986 Philadelphia, lebt in New York) stellt in ihrer Ausstellung Steal, Kill and Destroy: A Thief Who Intended Them Maximum Harm den Versuch dar, die Erniedrigung des schwarzen Körpers und die tatsächlich gelebte Erfahrung schwarzer Menschen. Betrachtet man die Arbeiten der Künstlerin, sieht man Fleischbrocken, ein anderes Objekt zeigt einen geöffneten Schlund, wo auf der Seite der Schaum heruntertröpfelt, es sieht ekelerregend aus. Die Werke zeigen nicht nur die Schrecken der Vergangenheit der Weltbevölkerung auf, sondern zeigen auch klar auf, dass auch heute die Disparitäten zwischen einer privilegierten, mobilen weißen Mehrheit und einer farbigen, ökonomisch schwachen Minderheit fatale Wirkungen, vor allem auf die Schwarzen haben.

Doreen Garner Steal, Kill and Destroy: A Thief Who Intended Them Maximum Harm Foto: Christa Linossi
Doreen Garner Steal, Kill and Destroy: A Thief Who Intended Them Maximum Harm Foto: Christa Linossi

Kevin Jerome Everson: Der Experimentalfilmemacher war im Norden von Chile und richtete gegen 19:22 Uhr Ortszeit seine Kamera gen Himmel. Die Arbeit CONDOR 2019 (benannt nach dem Greifvogel) nimmt den kompletten Hauptraum der HALLE FÜR KUNST Steiermark ein. Es war die Entscheidung des Künstlers, die Finsternis mit einem Schwarz-Weiß-Film festzuhalten. Es sollte die Sensibilität für das essenzielle Wesen der Dinge widerspiegeln. In dem Film zeigt er, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt, und man nur mehr einen weißglühenden Ring sieht und das minimalistische Bild, auf das man blickt, könnte für ein paar Sekunden vieles wiedergeben, den danach erscheint die Wand als komplett Weiß. Sollte es folgendes interpretieren? Die weiße Macht gegenüber der schwarzen Bevölkerung? Nein, es war am 2. Juli 2019 ein astronomisches Ereignis in der Region, dass rund um den Südpazifik zu beobachten war.

Kevin Jerome Everson Ausstellung CONDOR 2019 Foto: Christa Linossi
Kevin Jerome Everson Ausstellung CONDOR 2019 Foto: Christa Linossi
Kevin Jerome Everson Ausstellung CONDOR 2019 Foto: Christa Linossi

Das berühmte musikprotokoll 2021 vom „steirischen herbst“ findet dann ab 7.10. bis 10.10.2021 an verschiedenen Orten in der Stadt statt.

Es gibt noch einiges zu sehen, klinken Sie sich einfach ins Programm ein: https://www.steirischerherbst.at/de/

DIE SPRACHE, die wir sprechen, wenn wir über Kunst sprechen

von Martin Hochleitner

Foto: Christa Linossi

Worum geht es in diesem Buch?

Martin Hochleitner Kunsthistoriker beschäftigte sich mit einer großen Anzahl von Museums-, Galerien-, Kunsthallen- und Kunstvereinsprojekten. Die Idee zu diesen Themen ein Buch zu verfassen, war die Grundvoraussetzung. Mit seinem analytischen Blick unentwegt an der „Sprache als ein symptomatischer Ausdruck der jeweiligen Zeit anzupassen. Hochleitners Studien legten ihm nahe, dass das signifikante Sprechen über die Kunst/Künste einer bestimmten Zeit diese nicht nur zu erfassen versucht, also nicht nur eine bloße Wiedergabe- und Erfassungs-Funktion besitzt (Auszug aus dem Nachwort von Karl Müller)

Es ist ein Ergebnis aus langjährigen Beobachtungen von künstlerischen und kuratorischen Praktiken und gibt den Einblick in die Gegenwart von Sprache über Kunst.

Dieses Buch ist es wert zu lesen?

Wer sich für Kunst im Allgemeinen interessiert, sollte diese Buch lesen. Es ist spannend zu lesen über die Sprache, wie sie in der Kunst gesprochen wird und man auch einen Einblick in verschiedene Wortspiele bekommt, die einem nicht immer so geläufig sind.

DER AUTOR:

Martin Hochleitner ist Kunsthistoriker und seit 2012 Direktor des Salzburg Museum. Zuvor leitete er von 2000 bis 2012 die Landesgalerie Linz. Er unterrichtet seit den 1990er-Jahren an verschiedenen Universitäten und Hochschulen in Österreich und Deutschland. 2013 erhielt er den Staatspreis ars docendi für exzellente Universitätslehre in Österreich.

Erschienen ist das Buch

2021 Verlag Anton Pustet, 5020 Salzburg ISBN 978-3-7025-1031-2

Chat-Interview mit dem Künstler Roman Pfeffer

Bei einer Vernissage Anfang September 2021 im Traklhaus Salzburg, lernte ich den Künstler Roman Pfeffer kennen. Es handelt sich hier um eine Ausstellung in Kooperation mit der MAERZ Künstler- und Künstlerinnenvereinigung, Linz, nach Salzburg wird die Ausstellung in Linz gezeigt wird.

Roman Pfeffer, Ausstellungsansicht, Foto Rudolf Strobl

Zum Künstler Roman Pfeffer:

Die Arbeiten von Roman Pfeffer im Traklhaus und seine Arbeiten auf seiner Homepage sprachen mich sofort an und ich wusste, diesen Künstler muss ich interviewen und auf meinem Blog vorstellen.

Traklhaus – Roman Pfeffer / Foto: Christa Linossi

Linossiartstory: Deine Ausstellung im Traklhaus hat den „Schwerpunkt“: Maßnehmen, Dinge in Beziehung setzen – unter Umständen auch sich selbst – und dabei neue Parameter entdecken“. Was ist der Reiz darin?

Roman Pfeffer: Einmal sagte ich in einem Interview: Das Absolute macht mir eher Angst und das hat mit deiner Frage zu tun. Alles steht in Beziehung zueinander und kann sich jederzeit verändern. Ich nehme Dinge oder Themen des Alltags und beleuchte sie und so entsteht etwas Neues. Verschiebe ich eine Kleinigkeit, dann ist etwas, was vorher als absolut gegolten hat, danach nicht mehr richtig. Zum Beispiel im Falle der Gleichung 8 = 0, 176m2. Für diese Gleichung würde man in der Mathematikstunde eine 5 bekommen. Dadurch, dass, ich beim Kunstwerk andere Parameter heranziehe, ist diese Gleichung mathematisch richtig, obwohl das Ergebnis das Gleiche ist. Um das geht es immer wieder: Zusammenhänge verstehen und diese anzuwenden. Durch einen neuen Blickwinkel entdeckt man wieder etwas Neues.

Traklhaus – Roman Pfeffer / Foto: Christa Linossi

Linossiartstory:  Erzähl uns ein paar Worte über dich und was bewog dich Künstler zu werden.

Roman Pfeffer: Wenn ich zurückblicke, dann haben mich in meiner Kindheit immer wieder Listen begleitet. Ich habe Statistiken aufgestellt und fiktive Wettbewerbe abgehalten, bei denen ich durch Manipulation Einfluss genommen habe, wer am Ende auf Position 1,2,3… steht. Somit waren Zahlen, Mathematik und ihr Verschiebung relativ früh für mich interessant. Mit Kunst hatte das zu dieser Zeit nichts zu tun, aber mit Analyse und wie Verschiebungen durch Einflussnahme zustande kommen. Ich bin dann später in die Ortweinschule in Graz gegangen, wo ich einen Architekten als Lehrer hatte, der viel über Rhythmik, Reihung und Komposition gesprochen hatte und das interessierte mich. Dass ich dann an der Akademie der bildenden Künste gelandet bin, war am Ende eher die Neugierde an der Kunst. Eigentlich hatte ich am Beginn des Studiums wenig Ahnung, was zeitgenössische Kunst bedeuten kann. Darum passierte es auch, dass ich in der Malerei-Klasse von Gunter Damisch gelandet bin. Mit meinem aktuellen Wissen würde ich mich heute eher in einer Bildhauerei Klasse bewerben. Aber die Zeit im Studium ist auch dazu da, um herauszufinden, wohin der Weg gehen kann.     

Linossiartstory: Was beeinflusst dich und deine künstlerische Arbeit?

Roman Pfeffer: Kunstgeschichte, Dinge oder Inhalte, die uns umgeben, spielen bei meiner Arbeit eine Rolle. Manchmal finde ich ein Objekt, das lagert dann bei mir im Atelier und nach einer Weile entwickelt sich daraus ein Kunstwerk. Andere Arbeiten, wie die Mazzocchio Arbeiten, welche in der Ausstellung im Traklhaus zu sehen sind, knüpfen direkt an die Kunstgeschichte an.         

Linossiartstory:  Deine Arbeiten sind ausdrucksstark. Finden Deine Installationen auch im öffentlichen Raum oder nur in Galerien statt? Mit welchen Materialien arbeitest Du?

Roman Pfeffer: Am öffentlichen Raum habe ich großes Interesse, werde allerdings eher selten eingeladen dort etwas zu machen. Heuer stehen überraschenderweise gleich zwei Projekten an. Es gibt keine spezifischen Materialien, die ich verwende. Es verändert sich von Werk zu Werk und ist in Beziehung mit dem Inhalt der Arbeit zu sehen. Zum Beispiel bei den Arbeiten in der Ausstellung, bei denen ich die Linien eines Notenblattes herausgeschnitten habe, um eine Komposition entstehen zu lassen. Hier gibt die Arbeit schon das Material vor. Oder es gibt die kultivierten Zierpflanzen. Da habe ich die Blätter eines Gummibaums in eine Ahornform umgewandelt, indem ich die Blätter beschnitten habe. Da benötigt man die Fotografie, um diesen Eingriff weitertransportieren zu können.        

Linossiartstory: Interessant ist Deine Arbeit „Swip“, 2017, es ist wie ein Puzzlespiel, betrachtet man es genau, findet man Quadrate, Rhomben, Linien vor: was war hier dein Gedankenspiel dies zu kreieren?

Roman Pfeffer: Diese Arbeit hat als Ausgangspunkt eine Zeichnung des 16-teiligen Mazzocchio-Ringes mit achteckigem Querschnitt. Diese Zeichnung ist auf 32 Tafeln aufgemalt. Jede dieser Tafeln ist drehbar. Dreht man jetzt genau die Hälfte der Tafeln, so entsteht ein abstraktes Bild. Hier interessiert mich die Frage, ab wann etwas Reales abstrakt wird bzw. genügt Form und Farbe oder benötigen wir den Konex zur Abbildung. Ein weiterer Punkt ist das Wissen, das unsere Sehgewohnheiten prägt. Haben wir das Wissen, dass bei dieser Arbeit der 16teilige Ring die Grundlage ist, so vervollständigt unser Gehirn dieses Werk. 

Linossiartstory: In welchem Genre und Material fühlst du dich mehr zuhause?

Roman Pfeffer: Momentan ist es die konzeptuelle Bildhauerei, aber das kann sich schnell wieder ändern.

Linossiartstory: Gibt es Materialien, mit denen du besonders gerne arbeitest oder mit denen du zurzeit viel herumexperimentierst?

Roman Pfeffer: Holz hat den Vorteil, dass man sehr schnell ein Modell bauen kann, darum verwende ich das relativ oft.

Linossiartstory:  Nimmst du auch an Künstler-Symposien teil. Was bringt dies dem Künstler (Austausch, Erfahrung) 

Roman Pfeffer: Sehr selten bin ich bei Künstler-Symposien. Grundsätzlich ist das eine gute Erfahrung, aber ich bewerbe mich nie dafür, da ich im Atelier eher im Rückstand bin. Letztes Jahr wurde ich ins Silvrettatelier von Roland Haas für 2 Wochen ins Montafon eingeladen. Das war wunderbar und es ist auf 2000m Höhe einiges entstanden. Der Einfluss einer anderen Umgebung und das Zusammensein mit Kolleginnen, die man nicht kennt, hat natürlich etwas Reizvolles und bringt im Idealfall die Beteiligten einen Schritt weiter.

Linossiartstory:  Inwiefern ist die Vernetzung über Social Media heute für den Künstler wichtig?

Roman Pfeffer: Social Media ist mittlerweile ein Teil unserer Welt geworden und in dieser bewegt sich auch der Künstler Roman Pfeffer. Ob es lebenswichtig ist, das stelle ich in Frage, aber es ist eine Möglichkeit, die eigene Arbeit zu verbreiten. Was die schnelle Verbreitung aber auch mit sich bringt, ist, dass ähnliche Arbeiten von vernetzten Personen entstehen. 

Linossiartstory: Welches deiner Projekte ist Dir am meisten in Erinnerung geblieben und weshalb?

Roman Pfeffer: Es gibt Projekte, die sich an der Kante des Scheiterns bewegen, und die bleiben am stärksten in Erinnerung. 2015 realisierte ich eine Videoarbeit, bei der ich ein 17m langes Sportruderboot am Kopf rotieren ließ. Das Ruderboot war um 180 Grad gedreht, mein Kopf steckte zur Gänze im Rumpf und dann drehte sich das Ruderboot. Ich stand drinnen und hatte Angst um mein Leben, da ein Windstoß alles aus der Balance bringen hätte können. Die Arbeit bekam während des Drehs den Titel „Braintwister“, da man von der Außenwelt abgeschottet ist und das Boot durch die Drehung die Gehirnwindung ankurbelt.

Linossiartstory: Was bedeutet für Dich Erfolg?

Roman Pfeffer: Wenn die Rahmenbedingung es zulassen, dass ich meine Arbeit weiterentwickeln kann, dann ist es für mich Erfolg.  

Linossiartstory: Der Virus COVID 19 hat auch die Kunstszene lahmgelegt, wie ist es Dir ergangen und wie sieht die Zukunft aus.

Roman Pfeffer: Ich hatte das Glück, dass ich in den Covid – Lücken Ausstellungen hatte. Manche wurden ein wenig verschoben, die anderen verlängert und wenige abgesagt. Ein Skulpturenprojekt in Sydney wird jetzt schon das 2 Mal verschoben, aber da ich vorhabe, noch eine Weile auf dieser Erde zu bleiben, wird sich das schon noch ausgehen.

Linossiartstory: Wo würdest Du am liebsten in Europa für immer Stationiert sein?

Roman Pfeffer: Ich lebe jetzt schon mehr als 25 Jahre in Wien und arbeite auch immer wieder in Attnang-Puchheim. Wien als Base ist gut und ich denke es wird auch so bleiben. Wenn ein Sponsor mein Studio vergrößern könnte, dann wäre das ein Wunsch, der auf meiner Liste steht. Bei meiner Kunst ist es weniger wichtig, wo ich angesiedelt bin, sondern die Rahmenbedingungen vor Ort spielen eine größere Rolle.    

Roman Pfeffer, „11 m“, 2013/17, Maßband, Farbe, Holz, Installationsansicht Raum mit Licht

Linossiartstory:  Roman es war nett mit dir diesen Chat zu führen. Es war ein offener ausführlicher Chat, mit vielen interessanten Einblicken in deine Kunst. Für die Zukunft wünsche ich dir noch viele atemberaubende und interessante Abenteuer auf deinem Weg zur öffentlichen Kunst.

Danke für das nette Chat-Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Lazy Mazzocchio, 2017 Bildrecht Foto: Josef Schauer Schmidinger 

Die Ausstellung von Roman Pfeffer ist im Traklhaus/Salzburg noch bis zum 16. Oktober 2021 zu sehen

http://www.romanpfeffer.com/

In Keplers Gardens: Digital && Life DAS Festival 2021 ist hiermit eröffnet!

Ars Electronica 2021

Video von ©Ars Electronica Only 1 day left before Kepler’s Gardens at the campus of the JKU – Johannes Kepler University in Linz open their gates for visitors of the Ars Electronica Festival 2021. Take a look with us behind the scenes, behind the last to-dos, setting up the artworks and cleaning up before it’s finally time for A NEW DIGITAL DEAL!

Es ist wieder September und jedes Jahr um diese Zeit findet das Ars Electronica Festival statt. Diesmal in einer neuen Location – 2020 aufgrund von Corona, sehr eingeschränkt – statt. Die Location „In Kepler’s Garden“ ist am Gelände des Campus JVK > Johannes-Kepler-Universität. Es ist auch eine Kooperation zwischen der Kepler Universität und Ars Electronica.

Video von ©Ars Electronica/ Ars Electronica Festival 2021: Pre-Opening Walk

Wie immer, wenn Ars Electronica zur Pressekonferenz ruft, dann kommen sie alle Regional, National und International. Jeder ist gespannt, was wird präsentiert? Gibt es neue Einblicke in die Zukunft? Ja es gibt sie, die neuen Einblicke, und diesmal in Zusammenarbeit mit Wissenschaft, Technik und Kunst gekoppelt.

Es handelt sich heuer um eine große Themenausstellung der Ars Electronica 2021. Es geht um die Neuordnung unserer aus den Fugen geratenen (digitalen) Welt. Ars Electronica setzt hier gemeinsam mit Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Entwickler*innen, Aktivist*innen aus aller Welt den Finger in die Wunde und bringt Themen wie die lückenlose Überwachung, Hochkonjunktur von Verschwörungstheorien aufs Tableau.

Im dritten Jahrzehnt dieses 21. Jahrhunderts werden die Karten neu gemischt, um einen NEW DIGITAL DEAL auf den Weg zu bringen.

JKU Projekte beim Festival

30 Erfindungen pro 100.000 Einwohner*innen. Linz liegt somit weit über dem österreichischen Durchschnitt. JKU ist die UNESCO City of Media Arts und spielt eine tragende Rolle in der Entwicklung modernster Technologien und Materialien. Zitat: „Viel davon passiert am Linz Institute of Technology (LIT) der JKU, wo Forschung, Innovation und künstlerische Wissensvermittlung vereint werden.“ (“ARS ELECTRONICA 2021 – A New Digital Deal | JKU Linz”) Das Ars Electronica Festival bietet wieder die Bühne für ausgewählte Projekte des LIT, die den Besucher*innen einen Einblick in die durchwegs interdisziplinären Arbeiten geben.

Was faszinierte mich beim Festival? War es ein Roboter, Das Auge mit neuem Blickwinkel oder die Tränen-Forschung? Alle drei Objekte waren für mich interessant, die ich ihnen kurz vorstellen will:

Fascination Robotic Impressions of „Fascination Robotic“ by Daniel Hoeller (AT), Dominic Koll (AT), Alexander Koll (AT), Helmut Rohregger (AT), Robert Sturmlechner (AT), Amir Bastan (IR) at the „Digital && Life“ Exhibition at the JKU. Foto Credit: vog.Photo

Konfrontiert wurde ich am Vorplatz des Campus bei der Besichtigung mit einem Roboter, der direkt auf mich zu kam. Dieses Projekt nennt sich Magic-Eye, wird als vierbeinigen Roboterhund dargestellt und durch koordinierte Bewegungen des Roboters mit Radartechnik (Messung durch Millimeterwellenreflexionen) kombiniert. Spot, so wird er genannt, wird beim Festival folgendes zeigen: er wird Gesten und Handzeichen erkennen, schwieriges Gelände bewältigen und auf Hindernisse reagieren. Auch autonom kann Spot Besucher durch das Festivalprogramm führen und einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Robotik geben.

Das Team rund um die Fascination Robotic Impressions of „Fascination Robotic“ by Daniel Hoeller (AT), Dominic Koll (AT), Alexander Koll (AT), Helmut Rohregger (AT), Robert Sturmlechner (AT), Amir Bastan (IR) at the „Digital && Life“ Exhibition at the JKU.

DImpressions of the Project „Demystify AI!“FACE OF AI by LIT Robopsychology Lab JKU Linz (AT) at the „Digital && Life“ Exhibition at JKU. Foto Credit: vog.Photo
 
Project „Demystify AI Face of AI / Foto: Christa Linossi

Interessant fand ich auch die Multimedia-Installation FACES of AI, welches Gesicht hat künstliche Intelligenz? So die Fragestellung. Eine groß angelegte Bildanalyse des LIT Robotpsychologie Lab zeigt faszinierende Ergebnisse, wie man künstliche Intelligenz in der Öffentlichkeit visuell darstellen kann. Die Frage stellt sich auch, wie viele Gehirne, Roboter oder Menschen erscheinen in welchen Farben? Wie viele Gehirne, Roboter oder Menschen erscheinen in welchen Farben? Und wie haben JKU Artificial Intelligence Studierende typische Medienbilder als realistisch eingeschätzt? Künstliche Intelligenz spielt in unserem Alltag immer mehr eine wichtigere Rolle.

Projectlead: Martina Mara
LIT Robopsychology Lab/ JKU Linz (AT) https://www.jku.at/lit-robopsychology-lab/


Auch bei dem Projekt von Kasia Molga (UK/PL) die Arbeit trägt den Namen How to Make an Ocean, auch hiermusste man stehen bleiben. Worum geht es in diesem Projekt?

Impressions of the Project „How to Make an Ocean“ by Kasia Molga at the „Digital && Life“ Exhibition at Foto Credit: vog.Photo
Impressions of the Project „How to Make an Ocean“ by Kasia Molga at the „Digital && Life“ Exhibition at Foto Credit: vog.Photo

Kasia Molga kämpfte nach einem verheerenden Verlust im Herbst 2019 mit Trauer. Da sie sehr viel weinte, fing sie an, ihre Tränen zu sammeln, während dieses Sammeln, stellte sie sich die Frage, ob sie das Leben im Meer beginnen und dann erhalten könnte. Dieses Projekt ist eine persönliche Reise, um den Akt der Trauer zu verstehen und um den Akt der Trauer zu verstehen und gleichzeitig die Zusammenhänge zwischen dem menschlichen Körper, Emotionen und körpereigenen „Nebenprodukten“ wie Tränen mit ihrer chemischen Zusammensetzung basierend auf dem Grund des Weinens als mögliche Komponenten kreativ untersuchen im Mini-Meeres-Ökosystems. Des Weiteren stellte sie sich die Frage: können wir Tränen, die für das Ende von etwas geweint werden, als positive und lebensbejahende Schöpfung eines neuen Mini-Ozeans betrachten?

Impressions of the Project „How to Make an Ocean“ by Kasia Molga at the „Digital && Life“ Exhibition at JKU.

Es gibt jedoch viel mehr zu Entdecken auf der Ars Electronica, ich konnte jedoch aus Zeitgründen nur ein paar Objekte ansehen und diese drei oben angeführten Projekte fand ich auf alle Fälle spannend.

2021 wird das Ars Electronica Festival rund um den Globus stattfinden. Es findet somit nicht nur physisch in Linz, sondern auf der ganzen Welt statt. 80 Partnerinstitutionen rund um den Globus öffnen mit eigenen Inhalten ihre Ars Electronica Gardens, die als hybride Ars Electronica von 8. bis 12. September 2021 auch über das Internet erlebt werden können. Ars Electronica zeigt die Zukunft und es ist immer wieder eine Reise wert, in die Digitale Welt von Ars Electronica einzutauchen. Die Ausstellung läuft noch bis 12. September 2021  https://ars.electronica.art/news/de/

When Love (Illusion) turns into longing?!

experimental photo work by © Christa Linossi 2021 – From the series Illusions. When Love (Illusion) turns into longing 

Liebe (die Illusion) und die Sehnsucht als Begleiterin gibt immer wieder Rätsel auf, es gibt keine Erklärung dafür!

Die Spirale dreht sich und darin befindet sich die Sehnsucht, die Liebe, der Verstand setzt aus, man kann sich aus der Spirale nicht befreien, sie dreht sich weiter…Sehnsucht ein starkes Element, eine brennende, verzehrende, ungestillte, unbestimmte Sehnsucht. Sie ist mit dem Gefühl verbunden, den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können.