THE GAME IS OVER

„DER BLICK NACH AUSSEN“

Der Vorarlberger Künstler Hermann Präg in Salzburg!

Künstler Hermann Präg / Foto: © Christa Linossi

KULTUR ANIF widmete ihm eine Ausstellung seiner Werke.

Es sind Arbeiten, die einen tiefen Einblick in das Innere zeigen, aber auch den „Blick nach Außen“ freigeben. Die Fotos sind zum Großteil schwarzweiß Arbeiten. Schwarz dominiert auf alle Fälle, aber die hellen Formen und Flächen geben der Fotografie wiederum die Aussagekraft jeden Bildes.

Da ist zum einen eine Arbeit, ich tippte auf ein Kellerfenster, ist es aber nicht, es handelt sich um ein Hotel in Wien. Hier arbeitete der Künstler eine Frequenz heraus, die einen kleinen Ausschnitt aus einer Glaswand darstellt und so einen interessanten Blick nach Außen freigab aber doch wieder ins Innere reflektierte.

Hermann Präg „Der Blick nach Außen“ Foto: © Christa Linossi

In einem Gespräch teilte mir der Künstler mit, er fotografiere Digital und mit RAW-Format, er sucht sich von den Objekten jeweils einen Ausschnitt heraus und bearbeitet die Fotografie, wie es seinerzeit analog im Labor passierte, passiert es jetzt am Computer. So gesehen, entstehen auch hier des Öfteren die sogenannten Wow Effekte. Bei der Fotografie kommt es auch sehr viel auf die Lichtverhältnisse an. Des Weiteren welche Formen, welchen Ausschnitt, kann man, soll man in den Fokus stellen.

Eine Arbeit „Fähre“, die mir persönlich sehr gut gefällt, ist eine Arbeit, die auf den ersten Blick, eine Landschaft wie Wüste aussehen lässt.  Spuren winden sich durch die Fläche, man ist geflasht und verliert sich in den Spuren. Diese Fotografie ist allerdings ein See, ein sehr bekannter See, nämlich der Bodensee. Er präsentiert sich wie eine Goldfarbene Landschaft. Wieder werden Fragen aufgeworfen. Es sind die Oberflächen, die nicht exakt identifiziert werden können. Eine Fotografie, die wahrscheinlich vom Berg aus zustande kam, wurde hier der See durch die abendliche Sonne im Sommer unter besonderen Umständen von der Oberfläche des Bodensees sehr breit und gleichmäßig reflektiert. Die Oberfläche verwandelte sich in eine weiß glänzende Oberfläche, so die Aussage des Künstlers. Eine kleine Blende dämpfte ihre Intensität. Zur großen Überraschung kam eine Goldfarbe – die sonst dem menschlichen Auge verborgen bleibt – zum Vorschein.

Hermann Präg „Der Blick nach Außen“ „Fähre“ Foto: © Christa Linossi

Die Arbeit „Fragile Schicht“ deutet auf viel geheimnisvolles hin. Handelt es sich um eine Flüssigkeit die verschüttet wurde oder ist es ein See der ins NICHTS verschwindet? Wasser, Flüssigkeit, was immer es ist, am Rande drängt sich immer wieder dieses tiefe Schwarz auf, dass ebenfalls Fragen aufwerfen kann! Sollte es ein See sein, was verbirgt sich im Schwarzen? Eine Landschaft? Eine Großstadt oder doch NICHTS? Egal wie immer der Betrachter dieses Rätsel lösen will, es hat eine Tiefenwirkung. Die glitzernde Oberfläche – Flüssigkeit oder See – entstanden durch die letzten Strahlen der Sonne, das Schwarz an den Randflächen, gibt dem Bild das Geheimnisvolle an den Betrachter weiter.

Hermann Präg „Der Blick nach Außen“ „Fragile Schicht“ Foto: © Christa Linossi

Hermann Präg Fotoarbeiten sind Wahrnehmungen, die man überschreiten muss. Er zwingt den Betrachter, sich mit den Werken auseinanderzusetzen, man soll sich auch bewusst die Zeit nehmen und sich mit den Fotografien einlassen, so versteht man auch das eine oder andere Werk.

Hermann Präg der 1984 das Diplom an er Hochschule Mozarteum Malereiklasse bei Prof. Peter Prandstetter abgeschlossen hatte, ist ein vielseitiger Künstler. Von der Malerei wechselte er zur Lichtkunst, welches für ihn ein spannendes Projekt war und auch noch immer ist. Dann kam die Fotografie und diese Arbeiten sind genauso spannend wie seine Lichtobjekte.

Ein Künstler den man sich merken sollte. Spannend, interessant und eine Menge Herausforderung zu Fragen, die seine Bilder aufwerfen.

https://praeg-lichtkunst.at/

CLAUDIA ROHRAUER

„Magnifications & Hallucinations“

underwater (HALLUCINATIONS) (PARNIDIS GRAIN STUDIES IV)2022Exhibition views „MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: @ Galerie Marenzi, Leibnitz, 2022

Diese interessante Ausstellung sah ich Mitte Oktober 2022 in Leibnitz in der Galerie Marenzi Leibnitz.

Was hat mich an dieser Ausstellung so beeindruckt? Waren es die Arbeiten der Künstlerin oder wie der Raum der Galerie bespielt wurde. Beides hatte mich fasziniert.

Künstlerin Claudia Rohrauer Ausstellung „MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Galerie Marenzi, Leibnitz, 2022 Foto: (c) Christa Linossi

Die Ausstellung wurde so konzipiert, dass die Bilder nicht an den Wänden hangen, sondern die Bilder befanden sich in Entwicklerschalen, wie man sie benötigt zum Entwickeln in der analogen Fotografie. Diese Installation allein fand ich schon spannend. Eine andere Betrachtung der Fotografien der Künstlerin.

Die Fotografien der Künstlerin ebenfalls spannend, zwischen Farbenrausch und Zurückhaltung.

Die Serie „Underwater Magnifications & Hallucinations“ ist die Fortführung der Werkgruppe PARNIDIS GRAIN STUDIS, die sich mit einem grundlegenden ästhetischen Aspekt der analogen Fotografie und der Materialität fotografischer Bilder auseinandersetzt – der Körnigkeit, was immer man auch darunter verstehen mag.

Die Parnidis-Düne an der Kurischen Nehrung in Litauen stand Pate für die Arbeiten von Claudia Rohrauers Fotografien. Die Fotografien wurden in seine Einzelteile zerlegt, um eine Analogie zwischen dem Sandkorn als Grundbestandteil der Düne und dem Silberkorn als Grundbestandteil der analogen Fotografie herzustellen. Neben der Körnigkeit sind die Begriffe Auflösung sowie Empfindlichkeit weitere Stichwörter aus der Fototechnik, die für die Entwicklung der Arbeit von zentraler Bedeutung waren.

Betrachtet man das nachstehende Bild genau, wird das Sandkorn und das Filmkorn in Anbetracht der Macro-Aufnahmen mit der Überlagerung sichtbar und das Filmkorn „larger than life“ tritt in Erscheinung. So werden Detailaufnahmen von Mustern im Sand auf der Oberfläche der Düne durch den Eingriff der Tonung zu Unterwasser-Aufnahmen umgedeutet und stellen somit das Verhältnis zwischen dem gesehenen und dem empfundenen auf poetische Weise in Frage. Man könnte aber die Bilder als Betrachter auch in einen anderen Blickwinkel stellen. Einstrahlung durch das Sonnenlicht und durch eine Blendeneinstellung in der Kamera, könnte der Sand auch als golden erstrahlen, dass Gras im Hintergrund verwaschen und als Blackout an den Rand gedrängt sehen.      

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi
„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Eine andere Arbeit, die Sand oder könnte es auch Wasser sein, in blau erscheinen lässt. Verschiedene Grashalme versuchen, sich aus dem Sand oder Wasser zu retten, um an der Oberfläche zu bleiben. Es könnte hier auch in einer Fiktion um Überleben gehen.

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Es ist ein Experiment mit dem Prozess der Bildkolorierung mittels Fotoätzfarben. Das Sichtbar werden ist die Grauzone zwischen den faktisch-dokumentarischen und den abstrakt-poetischen Qualitäten der Fotografie.

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Biografisches: Claudia Rohrauer (*1984 in Wien) lebt und arbeitet als freie Künstlerin und Fotografin in Wien. Sie studierte bei Friedl Kubelka an der Schule für künstlerische Fotografie Wien und danach Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2020 wurde sie mit dem Outstanding Artist Award für künstlerische Fotografie sowie dem Anerkennungspreis des Landes NÖ für Medienkünste/Fotografie ausgezeichnet.

https://www.claudiarohrauer.info/about/

BASQUIATS BILDSPRACHE in der ALBERTINA Wien

Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat
Untitled (Infantry), 1983
Acryl auf Leinwand
Nicola Erni Collection, Reto Pedrini Photography © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Die Albertina zeigt den bis heute berühmtesten afro-amerikanischen Superstar Jean-Michel Basquiat und es ist die erste Retrospektive in Österreich. Er wurde nur 27 Jahre alt und reiht sich nahtlos in die Riege jener verstorbenen Genies ein, die ihre Nachwelt von Grund auf verändert haben: Jean-Michel Basquiat ist der erste afro-amerikanische Künstler, der sich trotz vehementer Gesellschaftskritik in einem ausschließlich von Weißen dominierten Feld durch setzte und Weltruhm erlangte. Er setzte Zeichen und seine unverwechselbare Kritik gegen eine radikale Anklage gegen Besitz- und Machtverhältnisse gegen Ausbeutung und Kolonialismus, Rassenunruhen, Polizeigewalt und Unterdrückung.

Jean-Michel Basquiat
Self Portrait, 1983
Öl auf Papier und Holz
Collection Thaddaeus Ropac, London · Paris · Salzburg · Seoul | Photo: Ulrich Ghezzi | © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Basquiats schaffte in einer kurzen Zeitspanne, in den den Jahren 1980-88 so viele Werke, die ihm von Sammlern und Galeristen aus den Händen gerissen wurde und er kaum mehr mit dem Zeichnen nachkam. Sein kurzes Leben war gezeichnet von Rassenunruhen, dem Kampf um Gleichberechtigung bis hin zur Black-Power-Bewegung. Seine Heimatstadt New York ist in den 1970er und 1980ern Jahren in einer Finanzkrise, der Times Square, als heruntergekommenes Viertel, geprägt von Kriminalität, Porno-Shops und Massagesalons. Heute ist der Times Square das Aushängeschild und Touristenattraktion zu gleich.

Jean-Michel Basquiat
La Hara, 1981
Acryl und Ölkreide auf Holz
Courtesy of Arora Collection © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Folgendes Statement gibt der renommierte Basquiat Spezialist und Kurator der Ausstellung Dieter Buchhart ab:

„Alles Geplante und akribisch Organisierte in der Kunst wird bei ihm hinweggefegt: auch das ein Sinnbild seiner Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung und zugleich ein Reflex der zerstreuten, ja in Stücke zersplitterten Wahrnehmung auf der Straße, von tausenden von Eindrücken, die auf uns hereinstürzen. Basquiat nimmt auf, was ihm in den Straßen New Yorks begegnet: Namen und Zeichen, Figuren und Bilder. „Jean-Michel Basquiat war radikal in seiner Kunst. Fragen von Identität, Diaspora, Sklaverei und Alltagsrassismus finden sich in einer einzigartigen Stilistik wieder, welche es Basquiat ermöglichte, die Vergangenheit mit seiner Gegenwart, bis in unsere Zeit hineinzuverbinden. Seine Copy-Paste-Technik nahm unsere heutige Form des Arbeitens und Kommunizierens in einer digitalen Welt vorweg. Er kreierte Wissensräume aus Zeichen, Symbolen, Worten und Figuren, schlichtweg aus allem, was ihn umgab, seien es Rezeptionen der Geschichte, der Kunstgeschichte, wissenschaftliche Fakten, Comics, Hitchcock Filme, Fernsehsendungen, Erzählungen, Musik, Sport oder auch Zeichen und Symbole von Menschen in Obdachlosigkeit“.

Jean-Michel Basquiat
Flesh and Spirit, 1982/83
Acryl, Ölkreide und Papier-Collage auf Leinwand, zwei Paneele
Parker Foundation, Photo: Courtesy of Fredrik Nilsen. On loan from the Parker Foundation © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

1982 traf Basquiat das erste Mal auf sein Vorbild Andy Warhol. Er war für ihn Mentor, Freund und Vaterfigur zu gleich. Andy Warhol ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine Ikone der Pop-Art. Er ist ein gefeierter Superstar, der den Zenit seiner Karriere allerdings schon überschritten hat. Warhol ist jedoch von dem aufstrebenden und dynamischen Basquiat sofort fasziniert. Dessen Jugendlichkeit und die sprühende Lebensenergie faszinierte. Zwischen Warhole und Basquiat entwickelte sich auch eine enge Freundschaft. Warhol unterstützt Basquiat und fördert seinen rasanten Aufstieg in der New Yorker Kunstszene.

Jean-Michel Basquiat
Untitled, 1983
Siebdruck auf Leinwand
Nicola Erni Collection, Reto Pedrini Photography © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Nach dem Tod von Warhol, stürzt sich Basquiat in die Arbeit und lässt eine Menge neuer Arbeiten entstehen. Er malt unermüdlich und verbringt einen großen Teil der Zeit allein in seinem Atelier. Bitterer Beigeschmack am Rande, war sein Drogenproblem, gegen das er immer wieder versucht anzukämpfen. Auch eine Entzugsklinik konnte ihm nicht helfen, der Versuch scheiterte. 1988 versuchte er sein Drogenproblem selbst in die Hand zu nehmen und übersiedelte nach Hawaii, da es dort fast unmöglich war, an Drogen zu kommen. Er kehrte jedoch nach einer Zeit wieder zurück nach New York und dort starb er dann an einer Drogenüberdosis und verliert somit den Kampf gegen die Sucht im Alter von nur 27 Jahren.

Sein kritischer Umgang und kompromisslose Stellung gegen Ausbeutung, Konsumgesellschaft, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt, spiegeln sich immer wieder in seinen Arbeiten wider. Er war ein Bahnbrecher, der nach den Jahren von Abstraktion, Minimalismus und Konzept-Kunst die Wiedergewinnung der gegenständlichen Kunst mit seinen unvergleichlichen und ausdrucksstarken Bildern und Zeichnungen betrieben hat. Sein künstlerisches Vermächtnis ist ungebrochen radikal und aktuell wie zu seinen Lebzeiten.

Mit Basquiat Bildern muss man sich einlassen und darf sie nicht nur im Vorübergehen an sich vorbeiziehen lassen. Den dann versteht man sie nicht, man muss sich einlassen, um die Arbeiten zu verstehen und dann weiß man, was er damit ausdrücken will, nämlich Ausbeutung, Konsumgesellschaft, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt. Ein Lernprozess für den Betrachter.

Die Ausstellung hat Tiefenwirkung und ist absolut sehenswert. Die Ausstellung läuft noch bis zum 08.01.2023 in der Albertina.  https://www.albertina.at/ausstellungen/basquiat/

steirischer herbst’22             Festival vom 22.9.2022 – 16.10.2022

das Festival „steirischer herbst‘22“ steht auch schon wieder in den Startlöchern!

Diesmal geht es um Krieg in der Ferne und dies in einem dichten Programm an Ausstellungen, Performances und Diskussionen der bedrohlichen Präsenz von Schlachten, die unsere Gesellschaft geistig abschirmt.

Sujet: Grupa Ee / steirischer herbst 2022

Ekarterina Degot die Chefkuratorin und Intendantin des „steirischen herbst‘22“ beschreibt in ihrer fünften Ausgabe wie folgt: „Kriege sind in die Geschichte des steirischen herbst eingeschrieben“. Der steirische herbst war immer politisch und wurde auch mit früheren Festivalausgaben vom Kalten Krieg überschattet, wie seinerzeit auch der Jugoslawienkrieg wütete. Der russische Angriff auf die Ukraine ruft auf schmerzhafte Weise verblichene Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg wach und bildet den neuesten Eintrag in dieser langen Liste drohender Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Ekaterina Degot, Foto: Johanna Lamprecht

Der steirische herbst verurteilt den von Putin und seinen Gefolgsleuten angezettelten Krieg gegen die Ukraine aufs Schärfste. Angetrieben von Imperialismus, Gier und Rassismus haben sie eine schreckliche Tragödie über die Ukraine, über ganz Europa und über Russland selbst gebracht.

Der steirische herbst ist ein Festival an der Grenze zu Ost- und Südosteuropa. Er wurde 1968 gegründet, während des Kalten Krieges und unmittelbar nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, in einem Land, das das faschistische Regime und dessen Untergang noch frisch in Erinnerung hatte. Der steirische herbst hat auch die Jugoslawienkriege der Neunzigerjahre miterlebt und aktiv reflektiert. Aus unserer Sicht hier in Mitteleuropa ist der aktuelle Krieg in der Ukraine ein neuer Höhepunkt der tragischen und komplexen innerkolonialen und imperialen Geschichte Europas. Als Festival setzen wir uns für die Erforschung komplexer Themen der europäischen Vergangenheit und ihrer Auswirkungen auf die Gegenwart ein. 

Des Weiteren umfasst der steirische herbst die Festivals-im-Festival musikprotokoll und Out of Joint – das Literaturfestival. Elke Tschaikner die das musikprotokoll 2022 leitet, beleuchtet vom 6.10.2022 bis 09.10.2022 mit Whodentity aktuelle Fragen nach Zugehörigkeit. „Out of Joint“ konzipiert von Klaus Kastberger, stellt die Frage in den Raum und vor dem Hintergrund großflächiger Zerstörung, kriegerischer Aggressionen und Ressourcenverschwendung: Wer wir waren? Welche Alternativen gibt es zum Bestehenden?

Der steirische herbst ’22 wird gestaltet von allen teilnehmenden Künstlern: innen, Partnerinstitutionen, Denker:innen, Philosoph:innen sowie Ekaterina Degot, Intendantin und Chefkuratorin, Henriette Gallus, stellvertretende Intendantin, Christoph Platz, Leiter der kuratorischen Belange, David Riff, Senior Curator, Dominik Müller, Kurator, Mirela Baciak, Kuratorin, Gábor Thury, Kurator, und dem gesamten Team des steirischen herbst. Mit kuratorischer Beratung von Goran Injac.

Ich werde ab 22. September 2022 vor Ort sein und den „steirischen herbst 2022“ genauer betrachten.  

Ein Krieg in der Ferne. Prolog. Die umkämpfte Ukraine in Videokunst und Film, Neue Galerie Graz, Foto: Johanna Lamprecht

WELCOME TO PLANET B

A different life is possible – but how?

Ein anderes Leben ist möglich – aber wie?

Plakat Foto: Zoe Goldstein / Ars Electronica Festival 2022

Willkommen bei Planet B! ARS ELECTRONICA befasst sich heuer mit dem Planet B und versucht wieder in die Zukunft zu schauen, um einen Plan B zu kreieren.

You are Source Projection and Reflection Sophia Bulgakova (UA) Photo: Jesus Canuto Iglesias

Betrachtet man das Plakat des heurigen Festivals ARS ELECTRONICA genau, bekommt man vielleicht eine gewisse Vorstellung, worum es beim Planet B gehen könnte.

Das besagte Plakat zeigt einen ausgetrockneten See oder Fluss, Schiffe sind im Sand gestrandet und keiner konnte sie retten. Auf dem Plakat auch Julie Andrews, die Darstellerin aus Sound of Music mit einer Virtual Reality Brille, tanzt sie auf dem Sand, vielleicht sieht sie in eine neue Zukunft?  Im Hintergrund des Plakates, startet eine Rakete mit „Jeff and Elon just left the Planet“ zum Plan B?

ARS Electronica erweckt wieder Visionen, die in die Zukunft schauen, Kunst und Wissenschaft wird wieder zusammenarbeiten. Ars Electronica 2022 will sich nicht im Kreis drehen, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, weiterzukommen. Man muss Prioritäten setzen, in einer Zeit, in der niemand mehr weiß, welche Krise die schwerwiegendere ist.

Es wird mit vielen Highlights zu einem Gedankenexperiment gebündelt. Folgende Fragen stellt ARS Electronica: „Wir hätten es geschafft, die Krisen unserer Zeit zu meistern und zu einer Gesellschaft gefunden, die sich durch ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit auszeichnet. Wie hätte unser Weg bis dorthin ausgesehen? Welche Entscheidungen hätten wir getroffen und wie wären wir zu diesen Entscheidungen gekommen? Wie hätten wir unser Freizeitverhalten verändert? Wie die Mobilität entwickelt? Wie die würde die neue Arbeitswelt aussehen? Welche Technologie und Businessmodelle wären am Ende die echten „Game Change“ gewesen?

All diese Fragen stellt die ARS Electronica an Künstler*innen, Forscher*innen, Entwickler*innen, Unternehmer*innen, Aktivist*innen und Studierende aus aller Welt.

Es ist ein DENK Modus für unseren Planeten Erde entstanden, was Denkmöglich oder Denkunmöglich ist. Das Denkunmögliche, was wir heute noch gar nicht kennen, sind Bilder die wir noch gar nicht kennen, wir aber alle werden stark von Bildern beeinflusst. Jeder von uns hat Bilder im Kopf und diese Bilder haben eine Rückwirkung auf unser Leben, unsere Gesellschaft und auf jeden Einzelnen. Somit zeigen wir zum einen unsere Erfahrungswelt, um neue Bilder zu kreieren und diese Bilder wollen wir zur Diskussion stellen. Es sind Bilder die ein Signal der Denkmöglichkeit, als auch der Denkunmöglichkeit setzen, um neues entstehen zu lassen.

Bei der Ars Electronica 2022 gibt es verdammt viele Highlights, insgesamt ca. 50, alle versprechen großartig zu sein, jedoch man muss filtern. Ich vorerst zwei herausgefiltert: eines davon ist INTERFACE CULTURES ein Beitrag der Kunstuniversität Linz. INTERFACE CULTURES, jene Abteilung, die die Zusammenarbeit der Kunstuniversität Linz mit dem Ars Electronica Festival initiierte, ist mit 22 Beiträgen von internationalen Studierenden und einem Leonardo Laser Talk (https://leonardo.info/history) präsent. 24 internationale Universitäten und Bildungseinrichtungen aus Ländern wie Deutschland, Tschechien oder Großbritannien werden präsent sein und so wird der Kunstunicampus zum großen Ars Electronica Festival Campus.

Es sind die Brückenbauer zu neuen Bildern und um diese auch zu überwinden und vom Schubladen Denken zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Realität und visuellen, zwischen Regional und International herauszufinden, ist es wichtig, dass die Komfortzone verlassen wird und sich die Kunst Uni auch hinausbewegt.

Off to new encountes / Credit: Ars Electronica Robert Bauernhansl

Ein weiteres Highlight was ich spannend finde, sind die Baumkronengespräche (off to new encountes) & Job-Buffet. Slow Dating trifft Speed Dating, was immer dies heißen mag jedenfalls geht es um Gespräche die sich in luftiger Höhe, fernab des quirligen Treibens in „Keplers Garden“ befinden. Gemeinsam mit dem auf Faserseile, Stahlseile und Umreifungsbände spezialisierten Familienunternehmen Teufelberger und professionellen Arborist*innen macht Ars Electronica die Baumkrone einer rund 40 Meter hohen Platane zur außergewöhnlichen Begegnungszone. Zwei Personen werden stets gleichzeitig ins Blätterdach hinauf gehievt und verlieren dabei kurzfristig den Boden unter den Füßen. Beide finden sich in einer völlig neuen Situation wieder, die mit ihrem Alltag nicht viel zu tun hat und es leichter machen sollen, eine gemeinsame Ebene zu finden.  Die Baumkronengespräche werden von 7. Bis 11. September in „Keplers Garden“ (in der Platane zwischen Learning Center und Uni-Center) angeboten.

Diesmal werden elf Locations in Linz und eine virtuelle Kunsthalle bespielt. Das Motto ihrer gemeinsamen Reise in die Zukunft und wieder zurück wird

„WELCOME TO PLANET B. A different life is possible – but now?“ lauten.

Die Spannung steigt, am 7. September 2022 wird die ARS ELECTRONICA eröffnet und findet bis 11. September 2022 in Linz, Österreich statt.

https://ars.electronica.art/planetb/de/

„FRAU LUNA“  Zwischen Berlin und dem Mond

Operette von Paul Lincke, Libretto von Heinz Bolten-Baeckers

Es muss nicht immer die Festspielstadt Salzburg sein, nein es kann auch mal Bad Ischl die zukünftige Kulturhauptstadt sein.

Lehár Festival Bad Ischl

Dort findet jeden Sommer das „LEHÁR FESTIVAL BAD ISCHL“ statt. Es ist das größte Operetten-Festival Österreichs, es hat Vielfalt und Qualität und ist weltweit einzigartig. Das Lehár Festival unterstützt auch die Wissenschaft im Musik- und Theaterwissenschaftlichen Fachbereich.

Für mich war dies ein Grund mehr, einmal nach Bad Ischl zu fahren und mir im letzten Abdruck (Ende August ist das Festival wieder beendet) noch eine Operette anzusehen, es war „FRAU LUNA“ von Paul Lincke.

Hier handelt es sich um eine Revueoperette eine der unverwüstlichen Welthits „Das ist Berliner Luft“ mit Kultstatus. Der Schauspieler Ramesh Nair zeichnete sich sowohl für die Inszenierung als auch für die Choreografie verantwortlich und stand selbst auf der Bühne als Prinz Sternschnuppe.

Frau Luna
Ramesh Nair als Prinz Sternschnuppe
(c) http://www.fotohofer.at

Intendant Thomas Enzinger hat das Stück dennoch vom jungen Komponisten und Dirigenten Christoph Huber ein wenig auffrischen lassen. Huber hat selbst dirigiert und dem Orchester wunderbare spritzige Rhythmen entlockt.

Zum Inhalt der Operette kurz erzählt: Frau Luna gehört zu den witzigsten und charmantesten Werken des Genres Operette und beinhaltet alle Zutaten einer großen Revue: Berühmte Schlager, große Tanzszenen, Humor und Leidenschaft. Steppke träumt davon als erster Mensch „uff’n Mond“ zu landen und bastelt mit seinen Kameraden Lämmermeier und Pannecke an einem Stratosphären-Expressballon, der eines Nachts mit allerlei Passagieren an Bord tatsächlich in den Berliner Himmel fliegt. Doch der Mann im Mond entpuppt sich als Frau Luna, die Gefallen an Fritz Steppke findet, sehr zum Leidwesen von Prinz Sternschnuppe, der bislang vergebens um die Mondgöttin warb. Die Erdlinge sorgen so für reichlich Verwirrung und Turbulenzen bei den Mondbewohnern.

Auf den Mond http://www.fotohofer.at

So der Inhalt und es gab endlich auch wieder einmal – was ja im 21. Jahrhundert schon eine Seltenheit ist – was zu Lachen und zum Schmunzeln. Die Musik und der Inhalt der Operette rissen das Publikum mit guter Laune und Fröhlichkeit einfach mit und kein Auge blieb trocken. Zum Schluss gab es einen riesengroßen Applaus für die Schauspieler, das Orchester und alle die hinter der Bühne mitgearbeitet hatten und diese wurde auch zum Schluss auf die Bühne gerufen, was ich als Wertschätzung fand. Kurz, es war ein gelungener Abend. Somit ist Bad Ischl nicht nur für die Konditorei ZAUNER eine Reise wert, sondern auch für seine Kultur.

CAMMINARE

Stadt Hallein Rathaus / Foto: © Christa Linossi

Heute war mir nach einem Spaziergang durch die engen und alten Gassen der Stadt Hallein zumute. Vor 2500 Jahren ließen sich die Kelten hier am Dürrnberg bei Hallein schon nieder und gruben nach dem „Weißen Gold“. Hallein hat somit das älteste Salzbergwerk, welches heute nur mehr ein Schaubergwerk ist, mit dem Keltendorf am Dürrnberg, welches spannende Einblicke in das Alltagsleben der prähistorischen Bergleute gibt.

So schlenderte ich mit einem Genuss durch die alten Gässchen dieser alten keltischen Salzstadt. Wenn man mit offenen Augen durch diese Stadt wandert, entdeckt man so vieles, sind es die alten Durchgänge, enge Gassen, alte Bauwerke, jedes von ihnen könnte uns eine Geschichte erzählen. Hallein hat das Flair einer geschichtsträchtigen Vergangenheit.

Heute lasse ich einfach ein paar Bilder sprechen.

151 Jahre Bildhauer Stadt Hallein

Wussten Sie, dass in Hallein nicht nur Salz abgebaut wurde, sondern es auch eine Bildhauer Stadt ist? Nein, dann haben Sie jetzt die Möglichkeit dazu. Die HTL Hallein feiert ihr 151-jähriges Jubiläum.

151 Jahre Bildhauerstadt Hallein / Foto: © Christa Linossi
Der „Salzachschiffer“ von Oliver Gogl, Thomas Lorber am Brückenpfeiler Kühbrücke Foto: © Christa Linossi

Interessant am Rande, dort wo Salz abgebaut wird, wurde, befinden sich auch die Bildhauer oder Holzschnitzer. Mit der Gründung der sogenannten „Schnitzer Schule“ durch die k. u. k. Monarchie vor knapp 150 Jahren wurde auch die Abteilung Kunst & Design installiert und ist somit die älteste Abteilung der HTL Hallein.

HTL HALLEIN / Foto: © Christa Linossi

In Hallein handwerkten schon die Kelten und später die Bergknappen. Die HTL Hallein entwickelte sich über viele Jahrzehnte als Fachschulausbildung nicht nur im Stein- und Bildhauerbereich, sondern auch im Metall- wie technischen Bereichen.

Tradition und Fortschritt bilden die Eckpunkte für DIE SCHULE DER VIELFALT!

Ferdinand Böhme „Maria mit Milchzitze“ 1998 Foto: © Christa Linossi

In der Vergangenheit ist die HTL Hallein nie so richtig im Blickfeld gestanden, aufgrund von engagierten Lehrern machte man Aufmerksam, dass diese Schule heuer ihr 151. Gründungsjahr feiert und so kam es zu dieser Sonderausstellung, was auch Einblick in die hohe Kunst der Bildhauerei gibt.

Jana Büttne „Awakening“ 2022 Foto: © Christa Linossi

Absolventen der Schule, legten sich ins Zeug und ließen schöne Kunstwerke entstehen. Die Kunst der jungen Bildhauer*innen sind zu sehen im Ziegel Stadl, Saline, und in der HTL Hallein, auch in der Brennerei Guglhof und eine Ausstellung findet in der Galerie Schloss Wiespach und im Kunstraum Pro Arte statt.

Ute Wilfing „Massenmanipulation“ 1989 Foto: © Christa Linossi

Viele bedeutende Bildhauerische Objekte von berühmten Künstlern, die ebenfalls in der HTL als Schüler begannen oder dort ein Lehramt innehatten sind in der Stadt Hallein zu sehen. Zum Beispiel: vom Bildhauer Josef Zenzmaier „Bronzemädchen“ am „Pflegerplatz“ vor dem Keltenmuseum oder von Bernhard Prähauser der „Salzträger“ an der Anton-Neumayer-Brücke. Der „Salzachschiffer“ von Oliver Gogl, Thomas Lorber am Brückenpfeiler Kühbrücke. Auch der mittlerweile weltberühmte Gilbert (Gilbert & George – zu besichtigen im Keltenmuseum), der ursprünglich aus St.Martin in Thurn in Südtirol stammt, war vor seiner Weltkarriere Schüler der Bildhauerschule Hallein.

Ferdinand Böhme „Ganga“ 2019 Foto: © Christa Linossi

Nehmen Sie sich die Zeit und besuchen Sie die Stadt Hallein, das Keltenmuseum und die Ausstellungen der insgesamt 78 Bildhauer*innen mit ca. 243 Objekten. Sie werden es nicht bereuen, die Ausstellung verdient das Prädikat: „Sehenswert“.

Dauer der Ausstellung: bis 25. August 2022

Foto: © Christa Linossi

Jeweils: Dienstag bis Sonntag, 13:00 – 19:00 Uhr (Montag geschlossen)

SALZBURGER FESTSPIELE 2022 – in unruhigen Zeiten wie diesen – ist eröffnet!

„Die Kunst ist eine Sprache, die Verborgenes aufdeckt, Verschlossenes aufreißt, Innerstes fühlbar macht, die mahnt – erregt – erschüttert – beglückt“ Zitat: Nikolaus Harnoncourt 1995

Die Salzburger Festspiele wurden am Dienstag, 26.07.2022 feierlich eröffnet.

Der Schriftsteller / Festredner: Ilija Trojanow
Foto: © Thomas Dorn

Festredner der diesjährigen Salzburger Festspiele war ILIJA TROJANOW. Der Titel der Festrede lautete: „Der Ton des Krieges, die Tonarten des Friedens“.

Intendant Markus Hinterhäuser sah – angesichts der aktuellen Weltsituation“ in Ilija Trojanow einen idealen Festredner. Er ist im besten Sinne eine Weltensammler – so auch der Titel seines bekannten, 2006 veröffentlichen Romans.

Trojanow begibt sich immer wieder auf die Suche – ständige Bewegung zwischen Sprachen, Kulturen und Epochen – nach komplexen Wahrheiten und Weltsichten, nach Wegen, Freiheit zu erfahren und zu einer humanen Übereinkunft zu gelangen. Gleichzeitig ist er Mahner für Toleranz und Diskurs, zählt zu einen den bedeutendsten und engagiertesten Schriftstellern unserer Zeit.

Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, 1971 Flucht aus Bulgarien, Asyl in Deutschland, aufgewachsen in Nairobi, studierte Jura, Ethnologie und Havarie in München. 1989 gründete er den Marino Verlag für Bücher über Afrika. Als Autor, Übersetzer und Publizist lebte Ilija Trojanow von 1998 bis 2003 in Bombay, von 2003 bis 2006 in Kapstadt. Seit 2008 ist er in Wien und Stuttgart zu Hause.

Eröffnungsansprache von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen anlässlich der Salzburger Festspiele 2022. Video: Salzburger Festspiele 2022

Die Festspiele sind somit eröffnet, die Premieren der Opern, Schauspiel und Konzerte finden bereits täglich statt. Auftakt der Festspiele ist wie jedes Jahr: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes JEDERMANN. Dieses Schauspiel wird im Jahr 2023 einen neuen JEDERMANN und eine neue BUHLSCHAFT benötigen. Lars Eidinger und Verena Altenberger werden sich verabschieden und nicht mehr zur Verfügung stehen. Lars Eidinger hat ein Angebot aus den USA bekommen und Verena Altenberger will sich dem Theater zu wenden.

Nun bekommt die Rotation wer wird der neue JEDERMANN sein? Der schon lange als „Jedermann“ gehandelte Schauspieler Philipp Hochmair? Wird er es diesmal schaffen? Wer die Buhlschaft verkörpern wird, hier ist noch nicht wirklich etwas durchgesickert.

Es bleibt spannend. Spannend deshalb auch, wie kommt die neue Präsidentin Dr. Kristina Hammer bei der Gesellschaft und bei der Presse an?

https://www.salzburgerfestspiele.at/