Bühne frei für Balkenhol – „Là ci darem la mano“ im öffentlichen Raum

Residenzplatz mit Residenzbrunnen, Salzburg – Foto: © Christa Linossi, 2026

2026 wird die Erfolgsgeschichte von 2025 fortgeschrieben: Nach Jaume Plensas „Secret Garden“ folgt nun der international renommierte Bildhauer Stephan Balkenhol, der den Residenzplatz in Salzburg erneut in einen Ort zeitgenössischer Begegnung verwandeln wird. Die Eröffnung der Installation findet am 25. Juli 2026 um 11 Uhr am Residenzplatz statt. Damit wird der zentrale Platz der Altstadt erneut zur Bühne für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum.

2025 wurde mit der Kunstinstallation „Secret Garden“ von Jaume Plensa und seinen monumentalen Köpfen ein Highlight geschaffen, das bei den Menschen großen Anklang fand und deutlich machte: Öffentlicher Raum, Kunst und Begegnung sind keine getrennten Bereiche, sondern greifen ineinander. Kunst im Stadtraum fordert heraus, prägt Beziehungen, öffnet Perspektiven – und zwischen Zustimmung und Zweifel entsteht Bewegung.

Auch 2026 dürfte Stephan Balkenhol mit seinen Bronzefiguren das Publikum begeistern. Wie viele Figuren geplant sind, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch: Sie werden rund zwei Meter hoch sein – nicht so monumental wie Plensa, aber in direktem Dialog mit der Stadt, auf Augenhöhe.

Atelieraufnahmen © Stephan Balkenhol / Bildrecht, Wien 2026 / Noah Kronreif

Opernhelden im Alltag

Stephan Balkenhol – ein Bildhauer von Weltrang – wird ikonische Opernfiguren wie Carmen, Turandot, Otello, Elektra, Figaro und Don Giovanni in Bronze gießen und rund um den Residenzbrunnen positionieren. Dort, am schönsten Brunnen Salzburgs, entfalten sie ihre eigene Opernszene: Bronze trifft Stein, Alltag trifft Bühne. Vielleicht wird sogar klassische Musik den Platz erfüllen – ein Echo der Oper, das in den Stadtraum hineinwirkt.

Das Projekt: „Là ci darem la mano“

Der Titel – ein berühmtes Duett aus Mozarts Don Giovanni – bedeutet: „Dort werden wir uns die Hand reichen.“ Er ist programmatisch: Begegnung, Berührung, Übergang.

Die Figuren erklären nicht – sie laden ein. Zum Innehalten. Zum Nachdenken über Alltag, Zusammenleben und Frieden.

Im Zentrum steht das Miteinander: Zuhören, Aushandeln, bewusstes Handeln im Jetzt. Die Oper kommt zu den Menschen – nicht umgekehrt.

Oper trifft Alltag

Die Opernfiguren verlassen die geschlossene Bühne und treten in den Residenzplatz hinaus. Manche Schritte sind klar, anderes bleibt offen. Passanten werden zu Mitspielern, oft ohne es zu bemerken. Kunst kann Emotionen auslösen, Bedeutungen öffnen, die sich nicht in Worte fassen lassen. Sie schafft eine kulturelle Verbindung zwischen Künstler und Betrachter.

Die Doppelpräsenz im DomQuartier

Während am Residenzplatz die Bronzefiguren den öffentlichen Raum bespielen, entfalten im Weißen Saal des DomQuartiers Balkenhols Holzskulpturen ihre stille Präsenz. Ein „Material mit Atem“.

Es entsteht ein Brückenschlag zwischen zeitgenössischer Kunst in barocken Prunkräumen und dem barocken Brunnen draußen. Epochen begegnen einander.

Statement von Direktorin Stockhammer

„Wir freuen uns, dass mit Skulpturen von Stephan Balkenhol aus dem Themenkreis der Opernwelt wieder zeitgenössische Kunst in die Prunkräume der Residenz einziehen wird, zumal im Carabinierisaal die erste Oper nördlich der Alpen aufgeführt wurde und Mozart hier seinen Arbeitsplatz hatte. Der Brückenschlag zu Balkenhols Figurenreigen auf dem Residenzplatz ist dabei besonders reizvoll, zumal der Platz zur Zeit der Fürsterzbischöfe Ort großer künstlerischer Inszenierungen war, in denen auch die breite Öffentlichkeit ihren Platz gefunden hat.“

Walter Smerling und die Stiftung Kunst und Kultur Bonn

Ich kenne Walter Smerling seit dem Walk of Modern Art, der zwischen 2002 und 2011 in Salzburg realisiert wurde. Er brachte internationale zeitgenössische Kunst in den öffentlichen Raum und eröffnete damit einen lebendigen Dialog mit dem historischen Stadtzentrum.

Sein Ansatz ist klar: Er bringt Kunst nicht, um sie „abzustellen“, sondern um Räume zu öffnen. Sein Statement: „Kunst, die jedem gehört – mitten im Leben, im Herzen Salzburgs.“

Meine persönliche Einschätzung

Ich schätze Walter Smerling sehr. Er hat es geschafft, die Menschen in Salzburg dafür zu sensibilisieren, zeitgenössische Kunst nicht als Gegensatz zum Barock zu sehen, sondern als Weiterführung. Auch der Barock war einmal zeitgenössisch – und Kunst entwickelt sich weiter. Sie ist Teil unseres globalen kulturellen Atems.

Stephan Balkenhol ist mit seiner Skulptur „Sphaera“ am Kapitelplatz seit 2007 längst ein ikonisches Motiv und ein beliebtes Fotoobjekt für Besucher aus aller Welt.

Ausblick

Wir dürfen gespannt sein: Der Residenzplatz wird 2026 erneut zur Bühne. Der Barockbrunnen tritt in Dialog mit Balkenhols Bronzefiguren. Und die Besucher werden eingeladen, sich einzulassen, mitzudenken, mitzuschwingen – und diesen Dialog weiterzutragen, hinaus in den öffentlichen Raum.

„Kräuterwissen ohne Hokuspokus – Ein Ratgeber, der unseren Organen wirklich guttut“

„Buchcover ‚Die Kräuter-Apotheke für unsere Organe‘ auf einem Laptop fotografiert.“
„Ein Blick in die Welt der Heilpflanzen – Buchcover Die Kräuter-Apotheke für unsere Organe. Foto: © Christa Linossi 2026“

„Wissen über Pflanzen ist kein Relikt von gestern, sondern eine Ressource für morgen.“ Mit diesem Satz eröffnet Arnold Achmüller sein neues Buch – und setzt damit den Ton: Pflanzenheilkunde ist kein nostalgischer Rückgriff, sondern ein hochaktuelles Wissensfeld.

Worum geht es in diesem Buch?

Heilpflanzen gehören zu den ältesten therapeutischen Mitteln der Menschheit. Ihre Wirksamkeit ist längst wissenschaftlich belegt, doch vielen ist ihr Potenzial bis heute kaum bewusst. Arnold Achmüller, 1982 in Bruneck geboren, Apotheker und Spezialist für Phytotherapie, verbindet in diesem Werk jahrhundertealtes Kräuterwissen mit modernen Erkenntnissen der Forschung.

Bevor es Ärzte und Apotheken gab, sammelten Menschen Blätter, Wurzeln und Blüten, bereiteten daraus Umschläge, Pasten und Tees und lernten durch Erfahrung, welche Pflanzen dem Körper guttun. Achmüller zeigt, dass Pflanzenheilkunde bis heute Ganzheit und Struktur vereint: Sie betrachtet den Menschen umfassend, bietet aber zugleich klare Orientierung.

Sebastian Kneipps berühmter Satz „Gegen jede Krankheit ist ein Kräutlein gewachsen“ wird von Achmüller differenziert betrachtet. Nicht gegen jedes Leiden gibt es ein Kraut – doch bei leichten bis mittelschweren Beschwerden entfalten Heilpflanzen ihre besondere Stärke. Bei chronischen oder schweren Erkrankungen bleibt ärztliche Begleitung unerlässlich.

Das Buch schlägt eine Brücke zwischen Volksmedizin und Wissenschaft: Tradition liefert wertvolle Hinweise, moderne Forschung prüft, vertieft und bestätigt sie.

Was bietet dieses Buch?

Achmüller führt durch die wichtigsten Körpersysteme und Organe und zeigt, welche Pflanzen dort unterstützend wirken können. Die Einteilung folgt dem menschlichen Körper – von den Atemwegen über Herz und Kreislauf bis hin zu Darm, Nerven und Haut.

Behandelt werden unter anderem:

  • Kopf, Gehirn, Augen, Mund, Schilddrüse, Haut
  • Lunge, Blut, Herz, Kreislauf, Muskulatur
  • Immunsystem, Bauchspeicheldrüse, Nerven und vieles mehr.

Das Buch ist wissenschaftlich fundiert und zugleich leicht zugänglich. Es lädt dazu ein, den eigenen Körper aus einer neuen Perspektive zu betrachten und zu verstehen, wie Heilpflanzen ihre Kraft entfalten – besonders dann, wenn sie Teil eines ganzheitlichen Lebensstils sind: ausgewogene Ernährung, Bewegung, Ruhe.

Ist dieses Buch lesenswert?

Ja – aus mehreren Gründen:

  • Die Kraft der Natur nutzen: Achmüller zeigt, wie Heilkräuter Beschwerden lindern oder vorbeugen können.
  • Brücke zwischen Tradition und Wissenschaft: Volksmedizin und moderne Forschung stehen nicht im Widerspruch, sondern ergänzen einander.
  • Übersichtliche Struktur: Die Kräuter sind klar gegliedert, mit Zeichnungen dargestellt und gut beschrieben – ideal für alle, die Pflanzen erkennen und anwenden möchten.
  • Fundierte Einführung in die Phytotherapie: Achmüller erklärt, was pflanzliche Arzneimittel leisten können – und wo ihre Grenzen liegen.

Über den Autor

Arnold Achmüller ist Pharmazeut und Apotheker in Wien. Als Spezialist für Phytotherapie und europäische Volksmedizin verbindet er traditionelles Pflanzenwissen mit modernen Studien. Er ist Autor mehrerer Bücher, hält Vorträge, entwickelt Lehrgänge und teilt sein Wissen auf Instagram unter krautundwurzel. Regelmäßig führt er Besucherinnen und Besucher durch den historischen Arzneikeller der 1857 gegründeten Schutzengel Apotheke im 4. Wiener Gemeindebezirk und macht dort die Geschichte der Heilpflanzenkunde lebendig.

Bibliografische Angaben

Die Kräuter-Apotheke für unsere Organe Arnold Achmüller Servus Verlag bei Benevento Publishing, Salzburg–Wien © 2026 Red Bull Media House GmbH ISBN 978-3-7104-0409-2

KAWS AUSSTELLUNG IN DER ALBERTINA MODERN

KAWS SPACE, 2023 116 × 183 × 96 cm, rostfreier Stahl Privatsammlung © KAWS Foto: Courtesy KAWS Studio

KUNST SETZT NEUE AKZENTE!

Die Albertina Modern setzt mit dem US‑amerikanischen Künstler KAWS neue Akzente und öffnet einen Dialog mit Positionen der Gegenwartskunst. Im Zentrum steht die künstlerische Autonomie seiner Figuren – jene hybriden Wesen, die Pop, Kommerz und öffentliche Kunst miteinander verbinden.

WER UND WAS IST KAWS?

Ich muss gestehen: Ich kannte den Künstler bis vor Kurzem nicht. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Also begann ich zu recherchieren…

KAWS, bürgerlich Brian Donnelly, ist ein US‑amerikanischer Pop‑Art‑Künstler und Designer, der in den 1990er‑Jahren als Graffiti‑Künstler begann. Seine frühen Arbeiten entstanden auf Werbeplakaten, die er übermalte und ironisch umdeutete. Mit seinen „Companions“ entwickelte er eine eigene Bildsprache: vertraut und doch fremd.

KAWS SHARE, 2021 177,8 × 84 × 62 cm, Bronze, Farbe © KAWS Foto: Courtesy KAWS Studio

Die durchkreuzten Augen sind kein Gag. Sie stehen für Überforderung, Leere, Pop‑Burnout – Symptome unserer Zeit. Und doch erinnern seine Figuren an Mickey Maus. Eine Ikone, die selbst Spuren hinterlassen hat. Auch Keith Haring taucht als Assoziation auf, wenn auch in anderer Form.

WENN FRAGEN AUFGEWORFEN WERDEN

Was will KAWS mit seinen übergroßen Figuren sagen? Diese Frage stellt sich besonders beim rosa Hasen, den er 2023 neben die Tempelanlagen von Prambanan auf Java installierte.

Pop trifft Sakralraum.

Was ist heute eigentlich „heilig“? Konsum? Kultur? Tradition? Ikonen? Wie verändert sich unser Weltbild – und wie verändern wir die Orte, die wir einst als unantastbar betrachteten?

STATEMENT VON RALPH GLEIS

„Kaum einem anderen zeitgenössischen Künstler gelingt es so überzeugend wie KAWS, eine Brücke zwischen High Art und Low Art zu schlagen. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz verschwimmen – ein Spiel mit Ambivalenzen, das der Künstler bewusst inszeniert.“

Die Albertina Modern widmet KAWS 2026 die erste umfassende Museumspräsentation in Österreich. Der Fokus liegt auf seinem Bezug zum Comic – sichtbar in der klaren Formensprache und in der Verarbeitung ikonischer Figuren wie Mickey Maus oder Snoopy.

NEUER ZUGANG ZUR GRAFFITI- UND COMIC-SZENE

KAWS hat mir einen neuen Zugang zur Graffiti‑ und Comic‑Szene eröffnet. Vielleicht gerade deshalb, weil er mir zuvor unbekannt war. Comics waren nie mein Terrain – vielleicht ist dies der Moment, es zu öffnen.

KAWS bewegt sich zwischen High Art und Low Art: Museen, Auktionen, Millionenpreise – und gleichzeitig T‑Shirts, Spielzeug, Masseneditionen. Demokratisierung oder Kommerzialisierung? Oder beides?

Er macht Kunst zugänglich – und zugleich extrem marktfähig. Eine Ambivalenz, die Spannung erzeugt.

WARUM IST ER SO ERFOLGREICH?

4,4 Millionen Follower auf Instagram. Kollaborationen mit Dior, Uniqlo, Nike. Ein Künstler, der in der Popkultur ebenso präsent ist wie auf dem Kunstmarkt.

Vielleicht, weil seine Figuren emotional lesbar sind. Vielleicht, weil sie Kindheit, Popkultur und Melancholie verbinden. Vielleicht, weil sie funktionieren – im Museum und auf Instagram.

KAWS gießt Gefühle in Popform. Wie einst Andy Warhol, der aus Werbung Kunst machte.

SCHLUSSGEDANKE

Zwingt KAWS uns, Pop neu zu lesen? Nicht als Oberfläche, sondern als Spiegel unserer eigenen Überforderung?

Die Ausstellung „KAWS: Art & Comix“ ist von 3. April bis 27. September 2026 in der ALBERTINA MODERN zu sehen.

AUFBRUCH SALZKAMMERGUT! – Was bleibt nach 2024, was beginnt jetzt?

Foto: Christa Linossi – aus dem Katalog „Aufbruch, Salzkammergut!“
 

Bad Ischl nach 2024: Die Kulturhauptstadt ist vorbei, aber der Prozess beginnt erst. Aufbruch, Salzkammergut! will die Region zu einer Modelllandschaft für das ländliche Europa machen – mit Kunst und Kultur als Motor. Zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft, zwischen regionaler Identität und internationaler Vernetzung entsteht eine „neue Ländlichkeit“. Die Frage bleibt: Wird aus Vision auch Realität?

Nach diesem Blick nach vorne wurde gestern in Bad Ischl zur Pressekonferenz „Aufbruch, Salzkammergut!“ geladen – der Nachfolgeorganisation der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024. Die Pressesprecherin zeigte sich sichtlich erfreut über die journalistische Aufmerksamkeit, zumal parallel eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz der Salzburger Festspiele stattfand.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie die Impulse des Kulturhauptstadtjahres langfristig in der Region verankert werden können. Ziel ist es, das Salzkammergut als Modellregion für das ländliche Europa zu etablieren – mit Kunst und Kultur als Motor gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und regionaler Transformationsprozesse.

Podium und Positionen

Podiumsdiskussion im Rahmen von „Aufbruch, Salzkammergut!“: v.l.n.r. und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Rudolf Raffelsberger (LAbg., Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien), Meena Lang (BMWKMS), Moderatorin: Verena Haidl, Foto: © Rudi Gigler, 2026

Am Podium diskutierten: Meena Lang (BMWKMS), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Rudolf Raffelsberger (LAbg, Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien) und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!).

Die Gesprächsrunde beleuchtete, welche Erkenntnisse aus dem Kulturhauptstadtjahr gewonnen wurden und wie diese in eine nachhaltige Struktur überführt werden können. Besonders betont wurde die Bedeutung einer länderübergreifenden Zusammenarbeit bis 2030, um kulturelle Nahversorgung, neue Formate und internationale Vernetzung dauerhaft zu sichern.

Kultur als Motor – zwischen Tradition und Zukunft

Christina Jaritsch hob hervor, wie stark sich das regionale Lebensgefühl verändert, wenn zeitgenössische Kunst, Jugendkultur und internationale Impulse in den ländlichen Raum einfließen. Traditionen würden dadurch nicht verdrängt, sondern neu betrachtet und als Inspirationsquelle genutzt. Der Kulturhauptstadtprozess sei „erst der Start“.

Auch Theresia Niedermüller (BMWKMS) betonte, dass eine Europäische Kulturhauptstadt nicht mit dem Titeljahr endet. Die Nachfolgeorganisation müsse zentrale Zukunftsthemen weiterführen: kulturelle Nahversorgung, Frauen im ländlichen Raum, Ökologie, Mobilität, Tourismus und Abwanderung.

Europäische Dimension und Legacy-Prozess

Die Europäische Kommission fordert ausdrücklich die Weiterentwicklung solcher Strukturen im Rahmen des Legacy-Prozesses. Aufbruch, Salzkammergut! soll die internationale Dimension ausbauen – etwa durch EU‑Projekte wie THE BIG GREEN, DECONFINING oder die Mitgliedschaft im Netzwerk Culture Next.

Damit positioniert sich die Region als Labor einer „neuen Ländlichkeit“, die kulturelle Innovation, regionale Identität und internationale Perspektiven verbindet.

Ausblick

Zu den kommenden Meilensteinen zählen:

  • Umsetzung der Kulturvision Salzkammergut 2030
  • Ausbau internationaler Netzwerke
  • Vorbereitung der ersten Salzkammergut Triennale 2027

Das Kulturhauptstadtjahr 2024 wird damit als Ausgangspunkt eines langfristigen Transformationsprozesses verstanden – getragen von Kooperation, Offenheit und dem Anspruch, die Zukunft des ländlichen Raums aktiv zu gestalten.

Offene Fragen, die bleiben

  • Wird Aufbruch, Salzkammergut! seine ambitionierten Ziele tatsächlich konkretisieren und umsetzen?
  • Kann Bad Ischl als „Observing Member“ im Netzwerk Culture Next glaubwürdig und aktiv an europäischen Diskursen teilnehmen?
  • Wird die Region aus internationalen Kooperationen neue Impulse gewinnen – und diese in eine eigene Strategie übersetzen?
  • Gelingt der doppelte Blick: nach außen (Europa, Netzwerke, Projekte) und nach innen (Region, Gemeinden, Bevölkerung)?

Die Antworten werden sich nicht am Podium entscheiden, sondern im Alltag der Menschen, die hier leben.

Stillstand der Identität – Stasis of Identity

Ein kopfloser Körper, gefangen im Raster. Struktur, Muster, Stillstand – und eine Industrie, die ihre eigene Identität verloren hat. Diese neue Arbeit aus meiner Serie „Kopflos“ entstand aus einem spielerischen Moment im Studio und entwickelte sich zu einem unerwarteten künstlerischen Knaller. Ein Werk über Orientierungslosigkeit, Überfluss und die stille Frage, wohin die Mode sich bewegt.
„Wenn der Kopf fehlt, bleibt nur das Muster. Ein Körper im Raster, gefangen zwischen Struktur und Stillstand. Die Mode verliert ihre Identität – und trifft auf die Mauer der Realität.“ Das Model wurde von Christa Linossi gezeichnet (ohne KI). Aus der Serie „Kopflos“ – neueste Arbeit © Christa Linossi 2026 “When the head disappears, only the pattern remains. A body caught between structure and stasis — confronting the wall of a fading fashion identity.” Model hand‑drawn by Christa Linossi (no AI). From the series “Headless” – latest work © Christa Linossi 2026

In dieser Arbeit verschränkt sich Körper und Struktur. Das kopflose Model wird zum Symbol einer Industrie, die ihre eigene Identität verloren hat. Zwischen Muster, Mauer und Stillstand entsteht ein Raum, in dem Fragen lauter werden als Antworten.

In this work, body and structure intertwine. The headless figure becomes a symbol of an industry that has lost its own identity. Between pattern, wall and stillness, a space emerges where questions speak louder than answers.

Katz – Miró – Fleury: Drei künstlerische Welten im Dialog bei Thaddaeus Ropac

Alex Katz, Orange Silhouette – eine ikonische Reduktion auf Form, Farbe und flächige Präsenz. Foto: © Christa Linossi 2026

Es gibt Orte, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Für mich ist die Galerie Thaddaeus Ropac genau ein solcher Ort – ein Raum, der mich jedes Mal neu herausfordert, irritiert, inspiriert. Mit jeder Ausstellung öffnet sich ein anderer Blick auf das Zeitgenössische: präzise kuratiert, international vernetzt, immer wieder überraschend.

EINE SKULPTUR VON MIRÓ ALS EINSTIEG

Joan Miró, Assemblage-Skulptur auf der Treppe der Villa Kast – ein überraschender Auftakt zur Ausstellung. Foto: © Christa Linossi 2026

Schon beim Betreten der Galerie blieb ich auf der Treppe stehen. Eine Skulptur zog meinen Blick magisch an – ein Werk voller versteckter Hinweise. Bei genauerem Hinsehen lässt sich der Eiffelturm erkennen, darüber eine Gestalt, deren Form an einen Vogelschnabel erinnert, verhüllt wie ein Papagei, dem man die Decke über den Käfig legt. Dahinter ein zentrales mythologisches Symbol – kein Dreizack, sondern ein Vierzack.

Was wollte der Künstler damit sagen?

Erst später erfuhr ich, dass diese Skulptur von Joan Miró stammt, dem berühmten spanischen Maler. Miró wird parallel zu Alex Katz gezeigt – ein Auftakt, der mich sofort in die Ausstellung hineinzog.

ALEX KATZ – DER MEISTER DER REDUKTION

Alex Katz, Black Roses – ein radikaler Blick auf Form, Fläche und Abstraktion. Foto: © Christa Linossi 2026

Alex Katz ist für mich kein Unbekannter. Seit 2013, als das Museum der Moderne eine der größten Katz-Schauen Österreichs zeigte, begleitet mich sein Werk. Damals wie heute habe ich ein Bild besonders präsent: BLACK HAT 2, das an ein Standfoto aus Frühstück bei Tiffany’s erinnert – eine Diva, ein Hut, ein ikonisches Schwarz.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac zeigt jedoch einen anderen Katz: eine neue Werkserie, entstanden innerhalb des letzten Jahres. Katz widmet sich erneut den Blumen – einem Motiv, das seit über 60 Jahren zu seinem künstlerischen Kern gehört.

Alex Katz, Black Roses – zwischen Blüte und Silhouette: ein Spiel mit Wahrnehmung und Projektion. Foto: © Christa Linossi 2026

Die Black Roses zeugen von seiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Abstraktion. Katz verzichtet auf Ornamentik, reduziert die Form auf rhythmisch gesetzte, flächige Farbfelder. Die Blüten wirken fast skulptural.

Und doch: Wer verweilt, entdeckt mehr. Im Werk Black Roses erscheint links eine geschlossene Rose, rechts jedoch die Kontur eines Gesichts oder eines Mannes. Katz spielt mit Wahrnehmung, mit Projektion, mit dem, was wir sehen wollen.

Was symbolisieren schwarze Rosen?

  • Gegensätze wie Verlust und Hoffnung
  • Dunkelheit, Tod – und zugleich den Wunsch nach Veränderung
  • Ein Zeichen des Aufbruchs, der Ablehnung bestehender Machtstrukturen
  • Ein Symbol der Revolution

Die überdimensionalen Blüten und der fehlende Kontext erzeugen ein Gefühl der Entfremdung und betonen die Oberfläche als Ort intensiver Erfahrung. Katz bleibt der Meister der Reduktion: radikale Ausschnitte, Flächigkeit, große Formate.

JOAN MIRÓ – EINE ANDERE WELT

Zurück zu Miró. Seine Werke begleiten mich seit meiner Jugend. In meinem Grazer Studentenzimmer hing ein Miró – kräftiges Rot, ein Hauch Blau, schwarze Linien. Minimalistisch, kraftvoll, prägend.

Was ich damals nicht wusste: Miró schuf auch Skulpturen.

Die Ausstellung zeigt Werke aus seinen letzten Lebensjahren, insbesondere die sogenannten Assemblage-Skulpturen, geformt aus Fundstücken, die er auf der Insel sammelte. Sie spiegeln seine Faszination für die Formen der Natur und seine unerschöpfliche Experimentierfreude.

Der Kunstkritiker Jacques Dupin formulierte es so: Mirós Skulpturen manifestieren „die eigentliche, fast einzigartige Erfindungskraft von Miró als Bildhauer“.

Eine seltene Gelegenheit, Mirós skulpturale Welt zu erleben.

SYLVIE FLEURY – GLANZ, BEGEHREN, MACHT

Die dritte Position der Ausstellung ist Sylvie Fleury – in Salzburg keine Unbekannte. 2006 gestaltete sie zum Mozartjahr die Lichtinstallation an der Fassade des Stiftungsgebäudes in der Schwarzstraße. Der Schriftzug „Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!“ leuchtet bis heute in rosafarbenem Neon.

In der aktuellen Ausstellung zeigt Fleury weitere Neonarbeiten sowie neue Skulpturen. Besonders auffällig: übereinandergeschlagene Beine, wie die untere Hälfte einer Schaufensterpuppe, an der Wand installiert. Fleury untersucht die Mechanismen des Begehrens – in der Kunst wie in der Welt der Luxusgüter – und hinterfragt die damit verbundenen Machtstrukturen.

DER BLICK IN DEN MIRABELLGARTEN

Mirabellgarten Salzburg – Blick auf die Skulptur vor der Galerie Thaddaeus Ropac, wo Kunst und Stadtlandschaft ineinander übergehen. Foto: © Christa Linossi 2026

Die Galerie Thaddaeus Ropac / Villa Kast ist nicht nur ein inspirierender Ausstellungsraum. Sie öffnet auch den Blick in den Mirabellgarten – ein Dialog zwischen Kunst und Stadt, zwischen Innen und Außen.

Die Ausstellung ist sehenswert und bis 16. Mai 2026 in der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg / Villa Kast, zu sehen.

„Georg Baselitz – Wenn die Welt auf dem Kopf steht“

George Baselitz, Weißes Blatt, weiß, 2020 Privatbesitz, Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

BASELITZ JETZT ist mehr als eine Ausstellung. Es ist ein Blick in das Spätwerk eines Künstlers, der seit Jahrzehnten die Kunstwelt herausfordert, irritiert und bewegt. Das Museum der Moderne zeigt großformatige Arbeiten der letzten zehn Jahre – Werke, die nicht nur malerische Kraft besitzen, sondern auch eine tiefe Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem Alter und der Vergänglichkeit offenbaren. Baselitz stellt die Welt auf den Kopf, um sie neu zu sehen. Und vielleicht auch, um uns zu zwingen, uns selbst neu zu betrachten.

Wer ist Georg Baselitz?

Er ist ein deutsch-österreichischer Maler, Bildhauer und Grafiker. Geboren 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen, wurde er in den 1970er‑Jahren mit seinen figurativen, expressiven Gemälden international bekannt. (Am 23. Jänner 2026 wurde er 88 Jahre alt; sein bürgerlicher Name lautet Hans‑Georg Kern.)

Seit den 1980er‑Jahren hat Baselitz einen tiefgreifenden Einfluss auf die internationale Kunst ausgeübt. Seine kontinuierliche Praxis ist geprägt von formalen Entwicklungen, Rückgriffen auf die Kunstgeschichte und auf sein eigenes umfangreiches Werk. Er entfaltet seine Themen durch eine sich ständig weiterentwickelnde Ausdrucksweise.

Bereits 2009 zeigte das MdM in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler einen Überblick über sein Schaffen – von frühen, die Nachkriegszeit reflektierenden Arbeiten über die Frakturbilder bis hin zur ikonischen Umkehrung des Motivs. Baselitz verändert seine Malmethoden permanent: Er segmentiert den Gegenstand, stellt ihn auf den Kopf oder nimmt alte Motive Jahre später wieder auf und setzt sie in einen neuen stilistischen Kontext.

Mit den jüngst entstandenen großformatigen Werken hat der Künstler erneut höchste Bedeutung in der Kunstwelt gefunden und seine stetige Weiterentwicklung der Bild- und Formensprache unter Beweis gestellt.

Die ausgestellten Werke – eine Welt auf dem Kopf

Blicken wir nun auf zwei zentrale Werke der Ausstellung. Das erste Bild konfrontiert uns mit einer körperlichen Fragilität, die Baselitz in seinem Spätwerk immer stärker thematisiert. Die Figuren wirken wie aus dem Innersten herausgedreht, verletzlich, tastend. Für mich stellt sich die Frage: Sieht der Künstler hier den alternden Körper im Verfall, oder zeigt er die Transformation, die das Alter unausweichlich mit sich bringt?

Ausstellung „BASELITZ JETZT“ im Museum der Moderne Salzburg. Blick auf zwei zentrale Werke des Spätwerks. Foto: © Christa Linossi, 2026

Das zweite Werk, das den Künstler und seine Frau zeigt, wirkt kraftvoller, aber ebenfalls vom Alter gezeichnet. Die Umkehrung der Figuren – ein zentrales Baselitz‑Motiv – verstärkt die Distanz und zugleich die Intimität. Es ist, als würde Baselitz den Blick auf sich selbst und seine Partnerin durch die Schwerkraft des Lebens ziehen lassen. Was geht in ihm vor? Warum ist ihm diese Darstellung so wichtig? Ist es ein radikales Anerkennen des Alterns, oder ein Aufbegehren dagegen?

Der Körper des Künstlers – und der Körper der Kunst

Faszinierend ist, dass Baselitz – mittlerweile auf Rollatorräder angewiesen – keinerlei Hindernis sieht, den Pinsel aus der Hand zu geben. Die großen Leinwände liegen am Boden; er malt mit verlängerten Pinseln oder direkt mit dem Rollator. Die Bilder entstehen dort, wo sie müssen: im Kopf, im Körper, im Jetzt.

Georg Baselitz, „Surrealismus die Filzlüge“, 2020. Ein Werk voller Rätsel, Körperlichkeit und existenzieller Spannung. Foto: © Christa Linossi, 2026

„Surrealismus die Filzlüge“, 2020

Was will der Künstler mit dem Wort „Filzlüge“ ausdrücken? Drei Figuren, weder eindeutig weiblich noch männlich. Sind es kleine Lügen, die wir uns selbst erzählen? Emotionale Schutzmechanismen? Versuche, Konflikte zu vermeiden? Oder ist es eine Lüge über das Alter selbst? Wir werden es nicht erfahren – außer wir könnten Baselitz persönlich fragen.

BASELITZ JETZT ist eine Einladung, sich dem eigenen Blick nicht zu entziehen. Die 24 großformatigen Werke zeigen einen Künstler, der nichts beschönigt und dennoch eine tiefe Zärtlichkeit für das Leben bewahrt. Baselitz hält uns einen Spiegel vor – nicht, um uns zu erschrecken, sondern um uns wachzurütteln. Diese Ausstellung ist ein Bekenntnis zur Verletzlichkeit und zugleich eine Hommage an das Hier und Jetzt.

„Kommen härtere Tage? – Die Salzkammergut Festwochen 2026 setzen ein starkes Zeichen“

Parov Stelar – Highlight der Salzkammergut Festwochen 2026, © Roland von der Aist

„Ein Festival, das Haltung zeigt und Kunst als Denkraum öffnet.“

Die Salzkammergut Festwochen Gmunden präsentierten ihr Programm für 2026 – ein Festival, das sich Jahr für Jahr weiterentwickelt und längst zu einem eigenständigen kulturellen Fixpunkt geworden ist. Auch wenn die Salzburger Festspiele weiterhin in einer eigenen Liga spielen, formt sich hier ein Format, das zunehmend Profil, Mut und künstlerische Handschrift zeigt.

Ein starkes Leitmotiv: „Kommen härtere Tage?“

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann greifen die Festwochen ein abgewandeltes Zitat aus ihrem Gedicht Die gestundene Zeit auf. Ein Motto, das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage eine fast schmerzhafte Aktualität besitzt.

 Presseinformation: Das Zitat eröffnet einen signalisierenden Denkraum, der zeigt, dass das Werk der großen österreichischen Dichterin nichts an Dringlichkeit verloren hat. Ein Festwochensommer zwischen Sehnsucht, Widerstand und Poesie, der sich nicht mit einfachen Antworten begnügen will. Ein Sommer, der berührt, herausfordert und zwischen See und Bergen verbindet – ein Festival, das Kunst und Kultur als lebendige Kraft versteht und Menschen zusammenführt.

Die Kunst der Nähe – Musik im Zentrum

Mit dem neuen künstlerischen Leiter Musik, Rafael Fingerlos, rückt die Musik stärker in den Fokus. Das neu konzipierte Lied Fest stellt das Lied – die wohl intimste musikalische Form – ins Zentrum.

 Presseinformation Sänger:innen und Pianist:innen treten in einen direkten Dialog mit dem Publikum – ohne Distanz, ohne Pathos, aber mit großer Intensität.

Zwei Produktionen, die herausragen

1. Parov Stelar – ein Multimedialist mit unverwechselbarer Handschrift

Mein persönliches Highlight ist Parov Stelar (bürgerlich Marcus Füreder). Seine Biografie ist geprägt von Höhen und Tiefen, von künstlerischer Suche und radikaler Eigenständigkeit. Er ist Musiker, Maler, Autor – und in all dem erstaunlich bodenständig geblieben.

Er studierte Malerei und Grafik in Linz und Berlin, wurde jedoch als Musiker zum Weltstar. Seine Kunst ist ein Ineinanderfließen von Klang und Bild: Wenn er malt, hört er Musik; wenn er komponiert, entstehen Bilder. Zwei Seiten derselben kreativen Energie.

Er gilt als Erfinder des Electro-Swing – einer Mischung aus Jazz- und Swing-Elementen der 1920er/30er Jahre, verbunden mit modernen elektronischen Beats.

Mit dem Album „Artifact“ eröffnet er ein neues Kapitel: Eine cineastische Klangwelt, in der orchestrale Arrangements, elektronische Samples und moderne Beats verschmelzen. Live verbindet er elektronische Produktionen mit Instrumenten, orchestraler Fülle und visueller Inszenierung. Seine Musik entsteht zuerst für ihn selbst – erst dann wird sie geteilt. Diese Haltung macht seine Arbeit so authentisch und frei.

Zeitgleich eröffnet im K-Hof Kammerhof Museum Gmunden die Ausstellung „Leave The Future Behind“ (18. Juni bis 16. August 2026). Sie zeigt Parov Stelar als bildenden Künstler und erweitert das Konzerterlebnis zu einem Gesamtkunstwerk.

2. Ingeborg Bachmann – zwei Lesungen zum 100. Geburtstag

Die Festwochen widmen der großen österreichischen Schriftstellerin zwei Abende:

13. August 2026 – Stadttheater Gmunden

Lesung mit Johanna Wokalek und Markus Meyer aus dem Briefwechsel Bachmann–Celan: „Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann …“ Ein intensives Zeugnis zweier Menschen, die einander lieben, verletzen, verlieren und doch nicht loslassen können.

15. August 2026 – Stadttheater Gmunden

Michael Maertens liest die Erzählung „Ein Wildermuth“ (1961). Ein Text, der vom Gerichtsreport zum inneren Monolog wird und die Frage nach Wahrheit, Gerechtigkeit und persönlicher Verantwortung radikal offenlegt.

Was bedeuten die Festwochen für die Region?

Das Programm ist vielfältig, klug kuratiert und in der Kulisse des Toscanaparks atmosphärisch kaum zu übertreffen – vorausgesetzt, der Wettergott zeigt sich gnädig.

Das Salzkammergut ist touristisch stark erschlossen und zieht jährlich mehr Publikum an. Die Festwochen bieten diesem Publikum ein authentisches, ländlich-elegantes Umfeld und als Draufgabe ein exklusives Kulturprogramm, das weit über die Region hinausstrahlt.

BANKSY – Das gelüftete Phantom und die Frage nach dem Wert der Unsichtbarkeit

Titelbild: Eigene Aufnahme des „Banksy Global Guide“ (Prestel Verlag), fotografiert in einer Salzburger Buchhandlung. © Christa Linossi 2026

Während die Kunstwelt oft laut, grell und selbstinszeniert auftritt, existiert seit Jahrzehnten ein Gegenpol: ein Phantom, das mit Stille lauter spricht als andere mit Bühnenlicht. Banksy.

Sein berühmter Satz „Unsichtbarkeit ist eine Superkraft“ bekommt für mich eine neue Tiefe. Wahre Relevanz entsteht nicht durch permanente Präsenz, sondern durch den Fokus auf das Wesentliche – auf die Botschaft, nicht auf das Gesicht dahinter.

Wer ist Banksy? Eine Spur verdichtet sich

Seit Jahren wurde spekuliert, wer hinter den ikonischen Schablonenbildern steckt, die weltweit an politisch brisanten Orten auftauchen. Nun berichtet die Nachrichtenagentur Reuters nach umfangreichen Recherchen, dass vieles auf Robin Gunningham hindeutet – ein Name, der bereits früher im Raum stand. Zwischendurch soll Banksy auch unter dem Alias David Jones agiert haben, um seine Identität weiter zu verschleiern.

Ob endgültig bewiesen oder nicht: Die Spur ist so konkret wie nie.

Warum die Marke Banksy funktionierte

Banksy verstand etwas, das viele Künstler unterschätzen: Anonymität ist kein Mangel – sie ist ein Konzept.

Er setzte seine Werke nicht in Galerien, sondern in den öffentlichen Raum. Nicht dort, wo Kunst erwartet wird, sondern dort, wo sie stört, irritiert, aufrüttelt.

Seine Sammler waren keine klassischen Kunstmarktakteure. Sie investierten nicht nur in ein Bild, sondern in ein Narrativ: das Mysterium, die Rebellion, die Unverfügbarkeit.

Der Marktwert stieg rasant – nicht trotz, sondern wegen der Unsichtbarkeit. Das Bild war nicht der Preis. Der Mythos war der Preis.

Was passiert, wenn das Phantom einen Namen bekommt?

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Was geschieht mit einer Marke, deren Kern die Unsichtbarkeit war, wenn plötzlich ein Name im Raum steht?

Kunstökonom Magnus Resch formuliert es treffend: „Banksy hat die Kunstwelt revolutioniert. Jeder kennt seine Werke, aber niemand kannte sein Gesicht – bis jetzt. Und genau das macht die Zukunft seines Marktwertes so spannend.“

Zwei Wege tun sich auf:

  • Er bleibt im Untergrund, arbeitet weiter wie bisher – dann könnte der Marktwert sinken, weil das Mysterium bröckelt.
  • Er tritt in den institutionellen Kunstbetrieb ein – Galerien, Museen, große Häuser. Dann könnte er sich dauerhaft im Millionenbereich etablieren.

England liebt seine Phantome. Nach Jack the Ripper hat das Land nun ein zweites – nur dass dieses Phantom Kunst statt Angst verbreitet.

Ein Buch, das Banksys Welt öffnet – ohne sie zu entzaubern

Es gibt mehrere Publikationen über Banksy, darunter ein besonders spannender Band aus dem Prestel Verlag. Er führt zu über 170 Orten weltweit, an denen Banksys Werke entstanden – oder verschwunden sind. Der Guide zeigt nicht nur die berühmten Motive, sondern auch die Leerstellen: zerstörte, übermalte, entfernte Arbeiten. Ein stiller Hinweis darauf, wie vergänglich Street Art ist – und wie lebendig.

Was ich als Künstlerin daraus ziehe

Handcrafted Photography — no AI, no Photoshop. From the series “Nebel”. Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Banksy erinnert mich daran, dass Kunst nicht durch Institutionen definiert wird, sondern durch Haltung. Es geht nicht um die Worte von Kuratoren, Galeristen oder Museen. Es geht darum, wie unabhängig ich arbeite, welche Stimme ich erhebe, welchen Spiegel ich der Welt hinhalte.

Kunst ist kein Dekor. Kunst ist ein Kommentar. Banksy beherrschte diese Sprache meisterhaft.

BANKSY – The Unmasked Phantom and the Question of the Power of Invisibility

Title image: My own photograph of the “Banksy Global Guide” (Prestel Publishing), taken in a Salzburg bookshop. Foto: © Christa Linossi 2026

While the art world often thrives on noise, spectacle, and self‑promotion, one figure has spent decades proving the opposite: a phantom whose silence spoke louder than any spotlight. Banksy.

His famous line “Invisibility is a superpower” takes on a new resonance today. True relevance does not arise from constant visibility, but from the ability to focus on what matters – the message, not the face behind it.

Who is Banksy? A trail that grows sharper

For years, speculation circled around the identity of the world’s most influential street‑art artist. Now, after extensive research, the news agency Reuters reports that much points to Robin Gunningham – a name long whispered in the background. At times, Banksy is said to have used the alias David Jones to further protect his anonymity.

Whether definitively proven or not, the clues have never been this concrete.

Why the Banksy brand worked

Banksy understood something many artists overlook: Anonymity is not a limitation – it is a concept.

He placed his works not in galleries, but in the public sphere. Not where art is expected, but where it disrupts, irritates, provokes.

His collectors were not the traditional art‑market elite. They invested not only in an artwork, but in a narrative: the mystery, the rebellion, the refusal to be owned.

His market value soared – not despite his invisibility, but because of it. The artwork was not the price. The myth was the price.

What happens when a phantom gains a name?

Now the crucial question arises: What becomes of a brand built on invisibility when a name suddenly enters the room?

Art economist Magnus Resch puts it succinctly: “Banksy revolutionized the art world. Everyone knows his works, but no one knew his face – until now. And that makes the future of his market value fascinating.”

Two paths lie ahead:

  • He continues underground, working as before – then the market value may decline as the myth erodes.
  • He enters the institutional art world – galleries, museums, major venues – and could stabilize his multimillion‑dollar status.

England has always loved its phantoms. After Jack the Ripper, the country now has another – only this one spread art instead of fear.

A book that opens Banksy’s world without demystifying it

Among the publications about Banksy, one particularly compelling volume from Prestel stands out. It guides readers to more than 170 locations worldwide where Banksy’s works have appeared – or disappeared. The book highlights not only the iconic pieces but also the empty spaces: destroyed, removed, or vanished works. A quiet reminder of the fragility and transience of street art.

What I take from this as an artist

Banksy reminds me that art is not defined by institutions, but by integrity. It is not about the words of curators, galleries, or museums. It is about how independently I work, what voice I raise, what mirror I hold up to the world.

Banksy – the world’s most famous street art phantom – may finally have a name. But what happens when an artist whose greatest strength was invisibility suddenly becomes identifiable? A reflection on myth, market value, and the power of staying unseen.
Handcrafted Photography — no AI, no Photoshop. From the series “Nebel”. Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Art is not decoration. Art is commentary. Banksy mastered this language with precision and courage.