When the soul is burning

Hervorgehoben

experimental photo work by © Christa Linossi 2021 – From the series Illusions .. When the pain reaches the soul
When the pain reaches the soul and the
pain becomes unbearable.  The soul is reflected
in the water and hopes to drown the pain in the water
 
experimental photo work by © Christa Linossi 2021 – From the series Illusions .. When the pain reaches the soul Teil 2

Ars Electronica Festival 2015 Der Zukunft wieder einen Schritt voraus!

Hervorgehoben

timetablede

                                      

Ars Electronica blickt wieder in die Zukunft! Weiterlesen

Ein chinesischer Tempel zu Besuch in Salzburg

Hervorgehoben

Zhang Huan „My Temple“

bis 29. September 2015

Die Salzburg Foundation präsentiert das zweite Kunstprojekt Krauthügel in Salzburg. Das Kunstprojekt Krauthügel ist eine auf fünf Jahre angelegte Kooperation zwischen der Salzburg Foundation, der Erzabtei St. Peter und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. 2014 war Tony Cragg der erste Künstler der seine drei einzigartigen Bronzeskulpturen „Points of View“, „Runner“ und „Mixed Feelings“  auf dem Krauthügel präsentierte. Weiterlesen

Katz – Miró – Fleury: Drei künstlerische Welten im Dialog bei Thaddaeus Ropac

Alex Katz, Orange Silhouette – eine ikonische Reduktion auf Form, Farbe und flächige Präsenz. Foto: © Christa Linossi 2026

Es gibt Orte, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Für mich ist die Galerie Thaddaeus Ropac genau ein solcher Ort – ein Raum, der mich jedes Mal neu herausfordert, irritiert, inspiriert. Mit jeder Ausstellung öffnet sich ein anderer Blick auf das Zeitgenössische: präzise kuratiert, international vernetzt, immer wieder überraschend.

EINE SKULPTUR VON MIRÓ ALS EINSTIEG

Joan Miró, Assemblage-Skulptur auf der Treppe der Villa Kast – ein überraschender Auftakt zur Ausstellung. Foto: © Christa Linossi 2026

Schon beim Betreten der Galerie blieb ich auf der Treppe stehen. Eine Skulptur zog meinen Blick magisch an – ein Werk voller versteckter Hinweise. Bei genauerem Hinsehen lässt sich der Eiffelturm erkennen, darüber eine Gestalt, deren Form an einen Vogelschnabel erinnert, verhüllt wie ein Papagei, dem man die Decke über den Käfig legt. Dahinter ein zentrales mythologisches Symbol – kein Dreizack, sondern ein Vierzack.

Was wollte der Künstler damit sagen?

Erst später erfuhr ich, dass diese Skulptur von Joan Miró stammt, dem berühmten spanischen Maler. Miró wird parallel zu Alex Katz gezeigt – ein Auftakt, der mich sofort in die Ausstellung hineinzog.

ALEX KATZ – DER MEISTER DER REDUKTION

Alex Katz, Black Roses – ein radikaler Blick auf Form, Fläche und Abstraktion. Foto: © Christa Linossi 2026

Alex Katz ist für mich kein Unbekannter. Seit 2013, als das Museum der Moderne eine der größten Katz-Schauen Österreichs zeigte, begleitet mich sein Werk. Damals wie heute habe ich ein Bild besonders präsent: BLACK HAT 2, das an ein Standfoto aus Frühstück bei Tiffany’s erinnert – eine Diva, ein Hut, ein ikonisches Schwarz.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac zeigt jedoch einen anderen Katz: eine neue Werkserie, entstanden innerhalb des letzten Jahres. Katz widmet sich erneut den Blumen – einem Motiv, das seit über 60 Jahren zu seinem künstlerischen Kern gehört.

Alex Katz, Black Roses – zwischen Blüte und Silhouette: ein Spiel mit Wahrnehmung und Projektion. Foto: © Christa Linossi 2026

Die Black Roses zeugen von seiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Abstraktion. Katz verzichtet auf Ornamentik, reduziert die Form auf rhythmisch gesetzte, flächige Farbfelder. Die Blüten wirken fast skulptural.

Und doch: Wer verweilt, entdeckt mehr. Im Werk Black Roses erscheint links eine geschlossene Rose, rechts jedoch die Kontur eines Gesichts oder eines Mannes. Katz spielt mit Wahrnehmung, mit Projektion, mit dem, was wir sehen wollen.

Was symbolisieren schwarze Rosen?

  • Gegensätze wie Verlust und Hoffnung
  • Dunkelheit, Tod – und zugleich den Wunsch nach Veränderung
  • Ein Zeichen des Aufbruchs, der Ablehnung bestehender Machtstrukturen
  • Ein Symbol der Revolution

Die überdimensionalen Blüten und der fehlende Kontext erzeugen ein Gefühl der Entfremdung und betonen die Oberfläche als Ort intensiver Erfahrung. Katz bleibt der Meister der Reduktion: radikale Ausschnitte, Flächigkeit, große Formate.

JOAN MIRÓ – EINE ANDERE WELT

Zurück zu Miró. Seine Werke begleiten mich seit meiner Jugend. In meinem Grazer Studentenzimmer hing ein Miró – kräftiges Rot, ein Hauch Blau, schwarze Linien. Minimalistisch, kraftvoll, prägend.

Was ich damals nicht wusste: Miró schuf auch Skulpturen.

Die Ausstellung zeigt Werke aus seinen letzten Lebensjahren, insbesondere die sogenannten Assemblage-Skulpturen, geformt aus Fundstücken, die er auf der Insel sammelte. Sie spiegeln seine Faszination für die Formen der Natur und seine unerschöpfliche Experimentierfreude.

Der Kunstkritiker Jacques Dupin formulierte es so: Mirós Skulpturen manifestieren „die eigentliche, fast einzigartige Erfindungskraft von Miró als Bildhauer“.

Eine seltene Gelegenheit, Mirós skulpturale Welt zu erleben.

SYLVIE FLEURY – GLANZ, BEGEHREN, MACHT

Die dritte Position der Ausstellung ist Sylvie Fleury – in Salzburg keine Unbekannte. 2006 gestaltete sie zum Mozartjahr die Lichtinstallation an der Fassade des Stiftungsgebäudes in der Schwarzstraße. Der Schriftzug „Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!“ leuchtet bis heute in rosafarbenem Neon.

In der aktuellen Ausstellung zeigt Fleury weitere Neonarbeiten sowie neue Skulpturen. Besonders auffällig: übereinandergeschlagene Beine, wie die untere Hälfte einer Schaufensterpuppe, an der Wand installiert. Fleury untersucht die Mechanismen des Begehrens – in der Kunst wie in der Welt der Luxusgüter – und hinterfragt die damit verbundenen Machtstrukturen.

DER BLICK IN DEN MIRABELLGARTEN

Mirabellgarten Salzburg – Blick auf die Skulptur vor der Galerie Thaddaeus Ropac, wo Kunst und Stadtlandschaft ineinander übergehen. Foto: © Christa Linossi 2026

Die Galerie Thaddaeus Ropac / Villa Kast ist nicht nur ein inspirierender Ausstellungsraum. Sie öffnet auch den Blick in den Mirabellgarten – ein Dialog zwischen Kunst und Stadt, zwischen Innen und Außen.

Die Ausstellung ist sehenswert und bis 16. Mai 2026 in der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg / Villa Kast, zu sehen.

„Georg Baselitz – Wenn die Welt auf dem Kopf steht“

George Baselitz, Weißes Blatt, weiß, 2020 Privatbesitz, Ausstellungsansicht BASELITZ JETZT, © Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

BASELITZ JETZT ist mehr als eine Ausstellung. Es ist ein Blick in das Spätwerk eines Künstlers, der seit Jahrzehnten die Kunstwelt herausfordert, irritiert und bewegt. Das Museum der Moderne zeigt großformatige Arbeiten der letzten zehn Jahre – Werke, die nicht nur malerische Kraft besitzen, sondern auch eine tiefe Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem Alter und der Vergänglichkeit offenbaren. Baselitz stellt die Welt auf den Kopf, um sie neu zu sehen. Und vielleicht auch, um uns zu zwingen, uns selbst neu zu betrachten.

Wer ist Georg Baselitz?

Er ist ein deutsch-österreichischer Maler, Bildhauer und Grafiker. Geboren 1938 in Deutschbaselitz, Sachsen, wurde er in den 1970er‑Jahren mit seinen figurativen, expressiven Gemälden international bekannt. (Am 23. Jänner 2026 wurde er 88 Jahre alt; sein bürgerlicher Name lautet Hans‑Georg Kern.)

Seit den 1980er‑Jahren hat Baselitz einen tiefgreifenden Einfluss auf die internationale Kunst ausgeübt. Seine kontinuierliche Praxis ist geprägt von formalen Entwicklungen, Rückgriffen auf die Kunstgeschichte und auf sein eigenes umfangreiches Werk. Er entfaltet seine Themen durch eine sich ständig weiterentwickelnde Ausdrucksweise.

Bereits 2009 zeigte das MdM in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler einen Überblick über sein Schaffen – von frühen, die Nachkriegszeit reflektierenden Arbeiten über die Frakturbilder bis hin zur ikonischen Umkehrung des Motivs. Baselitz verändert seine Malmethoden permanent: Er segmentiert den Gegenstand, stellt ihn auf den Kopf oder nimmt alte Motive Jahre später wieder auf und setzt sie in einen neuen stilistischen Kontext.

Mit den jüngst entstandenen großformatigen Werken hat der Künstler erneut höchste Bedeutung in der Kunstwelt gefunden und seine stetige Weiterentwicklung der Bild- und Formensprache unter Beweis gestellt.

Die ausgestellten Werke – eine Welt auf dem Kopf

Blicken wir nun auf zwei zentrale Werke der Ausstellung. Das erste Bild konfrontiert uns mit einer körperlichen Fragilität, die Baselitz in seinem Spätwerk immer stärker thematisiert. Die Figuren wirken wie aus dem Innersten herausgedreht, verletzlich, tastend. Für mich stellt sich die Frage: Sieht der Künstler hier den alternden Körper im Verfall, oder zeigt er die Transformation, die das Alter unausweichlich mit sich bringt?

Ausstellung „BASELITZ JETZT“ im Museum der Moderne Salzburg. Blick auf zwei zentrale Werke des Spätwerks. Foto: © Christa Linossi, 2026

Das zweite Werk, das den Künstler und seine Frau zeigt, wirkt kraftvoller, aber ebenfalls vom Alter gezeichnet. Die Umkehrung der Figuren – ein zentrales Baselitz‑Motiv – verstärkt die Distanz und zugleich die Intimität. Es ist, als würde Baselitz den Blick auf sich selbst und seine Partnerin durch die Schwerkraft des Lebens ziehen lassen. Was geht in ihm vor? Warum ist ihm diese Darstellung so wichtig? Ist es ein radikales Anerkennen des Alterns, oder ein Aufbegehren dagegen?

Der Körper des Künstlers – und der Körper der Kunst

Faszinierend ist, dass Baselitz – mittlerweile auf Rollatorräder angewiesen – keinerlei Hindernis sieht, den Pinsel aus der Hand zu geben. Die großen Leinwände liegen am Boden; er malt mit verlängerten Pinseln oder direkt mit dem Rollator. Die Bilder entstehen dort, wo sie müssen: im Kopf, im Körper, im Jetzt.

Georg Baselitz, „Surrealismus die Filzlüge“, 2020. Ein Werk voller Rätsel, Körperlichkeit und existenzieller Spannung. Foto: © Christa Linossi, 2026

„Surrealismus die Filzlüge“, 2020

Was will der Künstler mit dem Wort „Filzlüge“ ausdrücken? Drei Figuren, weder eindeutig weiblich noch männlich. Sind es kleine Lügen, die wir uns selbst erzählen? Emotionale Schutzmechanismen? Versuche, Konflikte zu vermeiden? Oder ist es eine Lüge über das Alter selbst? Wir werden es nicht erfahren – außer wir könnten Baselitz persönlich fragen.

BASELITZ JETZT ist eine Einladung, sich dem eigenen Blick nicht zu entziehen. Die 24 großformatigen Werke zeigen einen Künstler, der nichts beschönigt und dennoch eine tiefe Zärtlichkeit für das Leben bewahrt. Baselitz hält uns einen Spiegel vor – nicht, um uns zu erschrecken, sondern um uns wachzurütteln. Diese Ausstellung ist ein Bekenntnis zur Verletzlichkeit und zugleich eine Hommage an das Hier und Jetzt.

„Kommen härtere Tage? – Die Salzkammergut Festwochen 2026 setzen ein starkes Zeichen“

Parov Stelar – Highlight der Salzkammergut Festwochen 2026, © Roland von der Aist

„Ein Festival, das Haltung zeigt und Kunst als Denkraum öffnet.“

Die Salzkammergut Festwochen Gmunden präsentierten ihr Programm für 2026 – ein Festival, das sich Jahr für Jahr weiterentwickelt und längst zu einem eigenständigen kulturellen Fixpunkt geworden ist. Auch wenn die Salzburger Festspiele weiterhin in einer eigenen Liga spielen, formt sich hier ein Format, das zunehmend Profil, Mut und künstlerische Handschrift zeigt.

Ein starkes Leitmotiv: „Kommen härtere Tage?“

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann greifen die Festwochen ein abgewandeltes Zitat aus ihrem Gedicht Die gestundene Zeit auf. Ein Motto, das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage eine fast schmerzhafte Aktualität besitzt.

 Presseinformation: Das Zitat eröffnet einen signalisierenden Denkraum, der zeigt, dass das Werk der großen österreichischen Dichterin nichts an Dringlichkeit verloren hat. Ein Festwochensommer zwischen Sehnsucht, Widerstand und Poesie, der sich nicht mit einfachen Antworten begnügen will. Ein Sommer, der berührt, herausfordert und zwischen See und Bergen verbindet – ein Festival, das Kunst und Kultur als lebendige Kraft versteht und Menschen zusammenführt.

Die Kunst der Nähe – Musik im Zentrum

Mit dem neuen künstlerischen Leiter Musik, Rafael Fingerlos, rückt die Musik stärker in den Fokus. Das neu konzipierte Lied Fest stellt das Lied – die wohl intimste musikalische Form – ins Zentrum.

 Presseinformation Sänger:innen und Pianist:innen treten in einen direkten Dialog mit dem Publikum – ohne Distanz, ohne Pathos, aber mit großer Intensität.

Zwei Produktionen, die herausragen

1. Parov Stelar – ein Multimedialist mit unverwechselbarer Handschrift

Mein persönliches Highlight ist Parov Stelar (bürgerlich Marcus Füreder). Seine Biografie ist geprägt von Höhen und Tiefen, von künstlerischer Suche und radikaler Eigenständigkeit. Er ist Musiker, Maler, Autor – und in all dem erstaunlich bodenständig geblieben.

Er studierte Malerei und Grafik in Linz und Berlin, wurde jedoch als Musiker zum Weltstar. Seine Kunst ist ein Ineinanderfließen von Klang und Bild: Wenn er malt, hört er Musik; wenn er komponiert, entstehen Bilder. Zwei Seiten derselben kreativen Energie.

Er gilt als Erfinder des Electro-Swing – einer Mischung aus Jazz- und Swing-Elementen der 1920er/30er Jahre, verbunden mit modernen elektronischen Beats.

Mit dem Album „Artifact“ eröffnet er ein neues Kapitel: Eine cineastische Klangwelt, in der orchestrale Arrangements, elektronische Samples und moderne Beats verschmelzen. Live verbindet er elektronische Produktionen mit Instrumenten, orchestraler Fülle und visueller Inszenierung. Seine Musik entsteht zuerst für ihn selbst – erst dann wird sie geteilt. Diese Haltung macht seine Arbeit so authentisch und frei.

Zeitgleich eröffnet im K-Hof Kammerhof Museum Gmunden die Ausstellung „Leave The Future Behind“ (18. Juni bis 16. August 2026). Sie zeigt Parov Stelar als bildenden Künstler und erweitert das Konzerterlebnis zu einem Gesamtkunstwerk.

2. Ingeborg Bachmann – zwei Lesungen zum 100. Geburtstag

Die Festwochen widmen der großen österreichischen Schriftstellerin zwei Abende:

13. August 2026 – Stadttheater Gmunden

Lesung mit Johanna Wokalek und Markus Meyer aus dem Briefwechsel Bachmann–Celan: „Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann …“ Ein intensives Zeugnis zweier Menschen, die einander lieben, verletzen, verlieren und doch nicht loslassen können.

15. August 2026 – Stadttheater Gmunden

Michael Maertens liest die Erzählung „Ein Wildermuth“ (1961). Ein Text, der vom Gerichtsreport zum inneren Monolog wird und die Frage nach Wahrheit, Gerechtigkeit und persönlicher Verantwortung radikal offenlegt.

Was bedeuten die Festwochen für die Region?

Das Programm ist vielfältig, klug kuratiert und in der Kulisse des Toscanaparks atmosphärisch kaum zu übertreffen – vorausgesetzt, der Wettergott zeigt sich gnädig.

Das Salzkammergut ist touristisch stark erschlossen und zieht jährlich mehr Publikum an. Die Festwochen bieten diesem Publikum ein authentisches, ländlich-elegantes Umfeld und als Draufgabe ein exklusives Kulturprogramm, das weit über die Region hinausstrahlt.

Wenn Salzburg zu Ostern zur Bühne der Kunst wird!            Die neue SIFAF’26 setzt einen frischen Akzent in der Stadt

Salzburg International Fine Art Fair 2026 – ein Vormittag voller Begegnungen, Kunstimpulse und urbaner Leichtigkeit. Foto: © Christa Linossi 2026

Salzburg im Osterfieber 2026: Während die Stadt in den Klangräumen der Osterfestspiele schwingt, gehört die Kunst traditionell ebenso zum kulturellen Puls dieser Tage. Doch heuer präsentiert sich die Szene anders als gewohnt. Die etablierte Kunstmesse ART & ANTIQUE, seit Jahren fixer Bestandteil des Osterprogramms, wurde überraschend abgesagt.

Salzburg im Osterfieber 2026 – die Stadt lebt, bewegt und trägt den kulturellen Puls dieser Tage. Foto: © Christa Linossi 2026

Was folgte, war ein bemerkenswert schneller Schulterschluss: Eine Gruppe engagierter Kunsthändlerinnen und Kunsthändler – initiiert von der Wiener Galeristin Sylvia Kovacek – wandte sich an Messemacher Wolfgang Pelz. Er zögerte nicht lange, sprang in die Bresche und entwickelte innerhalb kürzester Zeit ein neues Format: die SIFAF – Salzburg International Fine Art Fair.

Die Geburt der SIFAF’26

Nachdem der Messeveranstalter M.A.C. Hoffmann seine langjährigen Räumlichkeiten in der Salzburger Residenz aufgrund denkmalrechtlicher Vorgaben nicht mehr nutzen konnte und daraufhin die traditionsreiche, über fünf Jahrzehnte bestehende Art & Antique Salzburg abgesagt wurde, entstand plötzlich eine Lücke im Osterkalender der Stadt.

Diese Leerstelle blieb jedoch nicht lange bestehen. Auf Initiative einer Gruppe international tätiger Kunsthändlerinnen und Kunsthändler rund um Sylvia Kovacek wandte man sich an Wolfgang Pelz, der sofort Handlungsbedarf erkannte. Er suchte nach einem geeigneten Ort und fand ihn im Haus Koller am Waagplatz, dessen Geschichte bis ins Jahr 1181 zurückreicht.

Vom 27. März bis 6. April 2026 wird dort nun die neue SIFAF stattfinden. Rund zwanzig Aussteller aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden bespielen die historischen Räume und schlagen damit ein neues Kapitel der Salzburger Kunstpräsentation auf.

Das Haus Koller – ein Bürgerhaus wird Bühne

Das Haus Koller, vielen Salzburgerinnen und Salzburgern als ehemaliges K+K Restaurant vertraut, stand seit 2025 leer. Die Familie Koller, die jahrzehntelang Hotels in ganz Europa betrieb, hatte das traditionsreiche Lokal 1968 eröffnet und bis zuletzt geführt.

Für die SIFAF’26 erwies sich das historische Bürgerhaus als idealer Schauplatz: fünf Stockwerke, rund 1.000 Quadratmeter, verwinkelte Salons und Zimmer – ein Ort mit Geschichte und Atmosphäre.

Für die Messe wurde das Gebäude sorgfältig adaptiert: neue Messewände, ein maßgeschneidertes Lichtkonzept und eine kuratorische Inszenierung, die den Charakter des Hauses bewusst einbezieht.

Messemacher Wolfgang Pelz formuliert das Ziel klar: Man wolle einen Ort schaffen, „an dem sich Sammelleidenschaft, historische Aura und kuratorische Exzellenz zu einem Gesamterlebnis verdichten.“

Mein Rundgang – Begegnungen, Gespräche, Entdeckungen

Mein Rundgang durch die SIFAF führte mich rasch zu einem der spannendsten Stände: der Schütz Art Society. Dort traf ich auf Prof. Josef Schütz, einen international anerkannten Experten, dessen Werke – insbesondere zwei Positionen afrikanischer Kunst – sofort meine Aufmerksamkeit fesselten.

Während ich die Arbeiten eingehend betrachtete, sprach er mich direkt an. Auf seine Frage, ob ich etwas Bestimmtes suche, musste ich schmunzelnd verneinen und erklärte ihm lediglich, dass ich als Kulturjournalistin unterwegs sei und mich die Tiefe dieser beiden Werke besonders angesprochen habe.

Wir kamen ins Gespräch – über Kunst, über Wahrnehmung, über die Bedeutung des genauen Hinschauens. Nebenbei erwähnte er eine große Auktion afrikanischer Kunst, die im Mai in der Albertina stattfinden wird. Es entwickelte sich ein überraschend offener Austausch, der sogar einen kurzen Abstecher zur KI machte. Erst später, als ich seinen Namen recherchierte, wurde mir bewusst, welch renommierte Persönlichkeit mir da gegenübergestanden war. Typisch ich.

Doch Prof. Schütz war nicht die einzige Begegnung, die meinen Rundgang prägte. Beim Kunsthandel Freller blieb ich vor mehreren Werken von Alfons Walde stehen – einem Künstler, der mich seit Jahren begleitet. Neben den bekannten Tiroler Landschaften entdeckte ich eine Aktzeichnung, die man Walde auf den ersten Blick kaum zuordnen würde. Im Gespräch mit der Galeristin ergaben sich neue Perspektiven auf sein Werk, die mich nachhaltig beschäftigten.

An einem weiteren Stand, an dem ebenfalls Arbeiten von Hermann Nitsch präsentiert wurden, kam ich mit einer Galeristin ins Gespräch, während ich ein ungewöhnlich dunkles Gemälde des Künstlers studierte. Statt des ikonischen Rot dominierte hier ein tiefes Schwarz. Für mich formte sich darin die Silhouette eines „Schweins“, während die Galeristin eher ein „Nashorn“ erkannte.

Dieser Moment zeigte mir erneut, wie unterschiedlich Blicke sein können – und wie sehr Kunst von subjektiver Wahrnehmung lebt.

Obwohl ich mich zu Beginn unter der Salzburger High Society und den Besucherinnen und Besuchern der Osterfestspiele etwas fehl am Platz fühlte, war es letztlich genau diese Mischung aus Gesprächen, Entdeckungen und überraschenden Begegnungen, die meinen Besuch zu einem lohnenden Erlebnis machte.

Was die Messe zeigt – kuratierte Vielfalt

Laut Medieninformation der Veranstalter versteht sich die SIFAF als bewusst hochwertig positionierte Kunstmesse, die während der Osterfestspiele eine neue Plattform für internationale Kunst in der Salzburger Altstadt schafft.

Das historische Haus Koller wird dafür vollständig zur Bühne: fünf Ebenen, über zwanzig Räume und ein kuratorisches Konzept, das Kunst und Kulinarik verbindet.

Rund 20 Galerien und Kunsthändler aus mehreren Ländern präsentieren auf etwa 1.000 Quadratmetern ein sorgfältig kuratiertes Spektrum aus verschiedenen Epochen und Genres. Jeder Aussteller bespielt einen eigenen Raum – eine Präsentationsform, die bewusst an private Sammlungen erinnert und sich klar von klassischen Messehallen abhebt.

Für die gastronomische Begleitung zeichnet die Gassner Gastronomie verantwortlich, Partner der Messe ist die Champagnermarke Ruinart, ganz im Sinne des Leitgedankens: „Discover Art with a Glass of Ruinart.“

Initiiert wurde das Projekt von international tätigen Kunsthändlern, die nach dem Wegfall der bisherigen Formate in Salzburg eine neue, qualitätsvolle Plattform forderten. Gemeinsam mit Wolfgang Pelz und Norbert Koller entstand in kurzer Zeit ein Konzept, das Kunst und Ort auf besondere Weise miteinander verbindet.

Was diese Messe für Salzburg bedeutet

Die SIFAF’26 ist mehr als ein Ersatz für die abgesagte Art & Antique. Sie ist ein Zeichen dafür, wie schnell und entschlossen Salzburgs Kunstszene reagieren kann, wenn eine kulturelle Lücke entsteht.

Mit ihrer Boutique‑Charakter, der historischen Location und der kuratierten Vielfalt setzt sie einen neuen Akzent im Osterprogramm – kleiner, feiner, persönlicher.

Und vielleicht zeigt gerade diese Premiere, dass Kunstmessen nicht nur große Hallen brauchen, sondern vor allem Räume, in denen Begegnungen möglich werden: zwischen Menschen, Werken und Blicken.

BANKSY – Das gelüftete Phantom und die Frage nach dem Wert der Unsichtbarkeit

Titelbild: Eigene Aufnahme des „Banksy Global Guide“ (Prestel Verlag), fotografiert in einer Salzburger Buchhandlung. © Christa Linossi 2026

Während die Kunstwelt oft laut, grell und selbstinszeniert auftritt, existiert seit Jahrzehnten ein Gegenpol: ein Phantom, das mit Stille lauter spricht als andere mit Bühnenlicht. Banksy.

Sein berühmter Satz „Unsichtbarkeit ist eine Superkraft“ bekommt für mich eine neue Tiefe. Wahre Relevanz entsteht nicht durch permanente Präsenz, sondern durch den Fokus auf das Wesentliche – auf die Botschaft, nicht auf das Gesicht dahinter.

Wer ist Banksy? Eine Spur verdichtet sich

Seit Jahren wurde spekuliert, wer hinter den ikonischen Schablonenbildern steckt, die weltweit an politisch brisanten Orten auftauchen. Nun berichtet die Nachrichtenagentur Reuters nach umfangreichen Recherchen, dass vieles auf Robin Gunningham hindeutet – ein Name, der bereits früher im Raum stand. Zwischendurch soll Banksy auch unter dem Alias David Jones agiert haben, um seine Identität weiter zu verschleiern.

Ob endgültig bewiesen oder nicht: Die Spur ist so konkret wie nie.

Warum die Marke Banksy funktionierte

Banksy verstand etwas, das viele Künstler unterschätzen: Anonymität ist kein Mangel – sie ist ein Konzept.

Er setzte seine Werke nicht in Galerien, sondern in den öffentlichen Raum. Nicht dort, wo Kunst erwartet wird, sondern dort, wo sie stört, irritiert, aufrüttelt.

Seine Sammler waren keine klassischen Kunstmarktakteure. Sie investierten nicht nur in ein Bild, sondern in ein Narrativ: das Mysterium, die Rebellion, die Unverfügbarkeit.

Der Marktwert stieg rasant – nicht trotz, sondern wegen der Unsichtbarkeit. Das Bild war nicht der Preis. Der Mythos war der Preis.

Was passiert, wenn das Phantom einen Namen bekommt?

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Was geschieht mit einer Marke, deren Kern die Unsichtbarkeit war, wenn plötzlich ein Name im Raum steht?

Kunstökonom Magnus Resch formuliert es treffend: „Banksy hat die Kunstwelt revolutioniert. Jeder kennt seine Werke, aber niemand kannte sein Gesicht – bis jetzt. Und genau das macht die Zukunft seines Marktwertes so spannend.“

Zwei Wege tun sich auf:

  • Er bleibt im Untergrund, arbeitet weiter wie bisher – dann könnte der Marktwert sinken, weil das Mysterium bröckelt.
  • Er tritt in den institutionellen Kunstbetrieb ein – Galerien, Museen, große Häuser. Dann könnte er sich dauerhaft im Millionenbereich etablieren.

England liebt seine Phantome. Nach Jack the Ripper hat das Land nun ein zweites – nur dass dieses Phantom Kunst statt Angst verbreitet.

Ein Buch, das Banksys Welt öffnet – ohne sie zu entzaubern

Es gibt mehrere Publikationen über Banksy, darunter ein besonders spannender Band aus dem Prestel Verlag. Er führt zu über 170 Orten weltweit, an denen Banksys Werke entstanden – oder verschwunden sind. Der Guide zeigt nicht nur die berühmten Motive, sondern auch die Leerstellen: zerstörte, übermalte, entfernte Arbeiten. Ein stiller Hinweis darauf, wie vergänglich Street Art ist – und wie lebendig.

Was ich als Künstlerin daraus ziehe

Handcrafted Photography — no AI, no Photoshop. From the series “Nebel”. Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Banksy erinnert mich daran, dass Kunst nicht durch Institutionen definiert wird, sondern durch Haltung. Es geht nicht um die Worte von Kuratoren, Galeristen oder Museen. Es geht darum, wie unabhängig ich arbeite, welche Stimme ich erhebe, welchen Spiegel ich der Welt hinhalte.

Kunst ist kein Dekor. Kunst ist ein Kommentar. Banksy beherrschte diese Sprache meisterhaft.

BANKSY – The Unmasked Phantom and the Question of the Power of Invisibility

Title image: My own photograph of the “Banksy Global Guide” (Prestel Publishing), taken in a Salzburg bookshop. Foto: © Christa Linossi 2026

While the art world often thrives on noise, spectacle, and self‑promotion, one figure has spent decades proving the opposite: a phantom whose silence spoke louder than any spotlight. Banksy.

His famous line “Invisibility is a superpower” takes on a new resonance today. True relevance does not arise from constant visibility, but from the ability to focus on what matters – the message, not the face behind it.

Who is Banksy? A trail that grows sharper

For years, speculation circled around the identity of the world’s most influential street‑art artist. Now, after extensive research, the news agency Reuters reports that much points to Robin Gunningham – a name long whispered in the background. At times, Banksy is said to have used the alias David Jones to further protect his anonymity.

Whether definitively proven or not, the clues have never been this concrete.

Why the Banksy brand worked

Banksy understood something many artists overlook: Anonymity is not a limitation – it is a concept.

He placed his works not in galleries, but in the public sphere. Not where art is expected, but where it disrupts, irritates, provokes.

His collectors were not the traditional art‑market elite. They invested not only in an artwork, but in a narrative: the mystery, the rebellion, the refusal to be owned.

His market value soared – not despite his invisibility, but because of it. The artwork was not the price. The myth was the price.

What happens when a phantom gains a name?

Now the crucial question arises: What becomes of a brand built on invisibility when a name suddenly enters the room?

Art economist Magnus Resch puts it succinctly: “Banksy revolutionized the art world. Everyone knows his works, but no one knew his face – until now. And that makes the future of his market value fascinating.”

Two paths lie ahead:

  • He continues underground, working as before – then the market value may decline as the myth erodes.
  • He enters the institutional art world – galleries, museums, major venues – and could stabilize his multimillion‑dollar status.

England has always loved its phantoms. After Jack the Ripper, the country now has another – only this one spread art instead of fear.

A book that opens Banksy’s world without demystifying it

Among the publications about Banksy, one particularly compelling volume from Prestel stands out. It guides readers to more than 170 locations worldwide where Banksy’s works have appeared – or disappeared. The book highlights not only the iconic pieces but also the empty spaces: destroyed, removed, or vanished works. A quiet reminder of the fragility and transience of street art.

What I take from this as an artist

Banksy reminds me that art is not defined by institutions, but by integrity. It is not about the words of curators, galleries, or museums. It is about how independently I work, what voice I raise, what mirror I hold up to the world.

Banksy – the world’s most famous street art phantom – may finally have a name. But what happens when an artist whose greatest strength was invisibility suddenly becomes identifiable? A reflection on myth, market value, and the power of staying unseen.
Handcrafted Photography — no AI, no Photoshop. From the series “Nebel”. Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Art is not decoration. Art is commentary. Banksy mastered this language with precision and courage.

Linien, Schatten, Denkspuren – Constantin Luser in der Galerie MAM SALZBURG

Abstrakte Zeichnung von Constantin Luser mit feinen Linien, überlagernden Figuren und geometrischen Strukturen. Foto: Christa Linossi.
Zeichnung und Liniengefüge von Constantin Luser. Foto © Christa Linossi 2026

Durch Zufall geriet ich am 7. März 2026 in eine Vernissage der Galerie MAM (Mario Mauroner Contemporary Art) in den Gewölben der Salzburger Residenz. Ich wusste nur, dass ein steirischer Künstler ausstellt – der Name sagte mir zunächst wenig. Sicher war mir jedoch: Die Galerie MAM präsentiert seit Jahrzehnten junge, aufstrebende und spannende Positionen, um dem dynamischen Kunstmarkt gerecht zu werden. Seit 52 Jahren führen Mario und Waltraud Mauroner diesen Ort, der längst zu einer festen Größe der zeitgenössischen Kunstszene geworden ist.

Der österreichische Grafik- und Installationskünstler Constantin Luser nimmt spätestens seit seinem performativen Zeichenauftritt auf der Art Basel 2005 eine zentrale Position in der Gegenwartskunst ein. Mit seinen Wand- und Raumzeichnungen überschreitet er konsequent die Grenzen der klassischen Zeichnung.

Als ich die Galerie betrat, war mein erster Impuls ein spontanes „Wow“. Wer war dieser Künstler – und warum kannte ich ihn nicht? Eine Frage, die mich sofort beschäftigte, zumal Luser aus der Steiermark stammt.

Drahtskulptur von Constantin Luser, frei im Raum hängend, beleuchtet in einer Galerie. Foto: Christa Linossi.
Drahtskulptur im Raum – Linien als dreidimensionale Denkspur. Foto © Christa Linossi 2026

Vor mir schwebten feingliedrige, fragile Drahtobjekte im Raum – zart, abstrakt, poetisch. Das Faszinierende an diesen Objekten ist ihr doppelter Ausgangspunkt: Sie erzeugen ein Schattenspiel, das sich wie eine zweite Zeichnung an die Wand legt. Die Schatten der frei hängenden Skulpturen bilden Linien, die sich verändern, je nachdem, wie man sich im Raum bewegt.

Was sehe ich im Objekt – und was sehe ich an der Wand? Diese Frage öffnete einen Denkraum.

Luser zeigt, wie fragil Denken ist – und wie präzise es werden kann, wenn es sich in Linien verwandelt, die in den Raum hineinwachsen. Seine Drahtskulpturen reagieren auf Bewegung und Perspektivwechsel. Die Linie wird zur Denkspur, der Strich zum Werkzeug, das Muster, Formeln und Bilder hervorbringt. Fragilität wird bei ihm zum ästhetischen Prinzip.

Der Künstler arbeitet zudem mit Musikinstrumenten, verwandelt Klangkörper in Skulpturen und verbindet Räume zu mentalen Karten. Während ich die Objekte betrachtete, übernahm ich seine Denkspur – und die Linien zeichneten für mich Erzählstränge an die Wand.

Drahtskulptur von Constantin Luser mit komplexem Schattenspiel an der Wand. Foto: Christa Linossi.
Schattenzeichnung einer Drahtskulptur – das Objekt und sein Echo. Foto © Christa Linossi 2026

Fragilität kann als Form der Gegenwart gelesen werden: als Ausdruck unserer Unsicherheiten, unserer Herausforderungen, unserer Lebenswelten. Sie zeigt, wie wir leiden, wie wir uns anpassen, wie wir Stabilität suchen – und wie brüchig sie oft ist. Lusers Arbeiten spiegeln diese Ambivalenz auf poetische Weise.

Zur Person: Constantin Luser wurde 1976 in Graz geboren. Nach seinem Studium der Konzeptuellen Kunst und Visuellen Medien in Wien wandte er sich der Zeichnung zu – für ihn das ursprünglichste Medium der Kunst. Mit präziser Linienführung überträgt er Bildwelten aus seinen Skizzenbüchern in komplexe, oft bizarre und fantastische Gefüge.

Seine Ausstellungen führten ihn zwischen die USA und Europa; zuletzt war seine Arbeit in der Kunsthalle Mannheim zu sehen. Nun zeigt die Galerie MAM seine Werke in Salzburg – und macht damit einen Künstler sichtbar, dessen Linien weit über den Raum hinausdenken.

Startseite – Mario Mauroner Zeitgenössische Kunst

jung & jede*r – Wenn Geschichten aufbrechen und zu den Kindern reisen

„Zwei Schauspieler stehen auf der Bühne, umgeben von Krähenfiguren; eine Szene aus ‚Kri‘.“
Zwischen zwei Krähen, die mehr wissen als sie verraten, sitzt KRI – lauschend, lauernd, lebendig. Ein Moment, der wie ein Atemzug aus der Zukunft wirkt: jung, wild, wach. Theater, das nicht erklärt, sondern einlädt. Theater, das spricht, bevor ein Wort gefallen ist.
Foto: KRI 2026 © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer

Wenn im Frühjahr 2026 die mobilen Produktionen der Salzburger Festspiele aufbrechen, verwandelt sich Salzburg erneut in eine große, lebendige Bühne. Jung & jeder* bringt das Theater zu den jungen Menschen – direkt in ihre Schulen, ihre Orte, ihre Welt.

Nicht die Kinder kommen zum Theater – das Theater kommt zu ihnen. Von März bis April rollt ein 33-Tonner durch Salzburg, vollgepackt mit Geschichten, Musik, Licht, Mut und der Einladung, die Welt für einen Moment anders zu sehen.

Seit sechs Jahren tragen diese mobilen Produktionen das Schauspiel dorthin, wo es sonst nicht hinkäme: in Turnsäle, Aulen, Kulturzentren, Klassenzimmer. Dorthin, wo Kinder und Jugendliche leben, lernen, träumen.

Dieses Jahr reisen zwei Stücke mit: KRI und HOLLE. Zwei Welten, zwei Sprachen, zwei Arten, die Wirklichkeit zu öffnen.

KRI – Ein Mädchen, das alles durcheinanderbringt

„Amadeus König, Marie Luise Arnold und Camilla Krause bei einem Probeneinblick zur Schauspielproduktion ‚Kri‘.“
Probeneinblick in die Schauspielproduktion „Kri“: Amadeus König, Marie Luise Arnold, Camilla Krause (Dorfgemeinschaft), Tanja Radovanović (Kri) © Salzburger Festspiele / Neumayr / Leo

KRI ist ein Stück, das nicht laut schreit, sondern leise unter die Haut geht. Der Autor Stefan Wipplinger, ausgezeichnet mit dem Retzhofer-Dramapreis, erzählt eine Geschichte über Fremdsein und Freundschaft, über Angst und Neugier, über das fragile Gleichgewicht eines Dorfes, das plötzlich ins Wanken gerät.

Ich sah das Stück zweimal – einmal in der Probe, einmal bei der Premiere in der Bachschmiede – und jedes Mal blieb dieser Moment hängen: wie ein Mädchen in einem alten Wartehäuschen sitzt, als wäre es der selbstverständlichste Ort der Welt. Während draußen die Gerüchte kreisen, die Dorfbewohner tuscheln, urteilen, sich fürchten.

„Tanja Radovanović und Amadeus König in einer ruhigen Bühnenszene aus ‚Kri‘, im Gespräch sitzend.“
Kri hört zu. Ganz ruhig, ganz wach. Ein Gespräch mit dem Busfahrer, das wie ein kleiner Riss im Alltag wirkt – und plötzlich wird alles möglich.
Kri 2026: Tanja Radovanović, Amadeus König © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer

KRI aber hört zu. Sie stellt Fragen. Sie bringt Meinungen durcheinander. Und plötzlich beginnt etwas zu bröckeln – nicht bedrohlich, sondern befreiend.

Der Bühnenraum ist klein, fast intim: eine Haltestelle, die niemand mehr benutzt. Doch im Laufe des Stücks wächst daraus ein Zuhause. Eine Standuhr taucht auf, ein Lampenschirm, ein Vorhang, ein Fernseher, ein Blumenstock. Die Dorfbewohner bringen, was sie haben – vielleicht aus Neugier, vielleicht aus Mitgefühl, vielleicht aus einem unbewussten Wunsch nach Veränderung.

Da die Bühne zu klein ist für ein ganzes Dorf, tragen die Schauspieler kleine Häuser auf dem Kopf. Ein poetisches Bild: Menschen, die ihre Welt mit sich herumtragen.

„Drei Schauspieler halten kleine Modellhäuser auf dem Kopf in einer Szene aus ‚Kri‘.“
„Dorfgemeinschaft mit ihren Häusern – ein poetisches Bild aus ‚Kri‘ © Salzburger Festspiele / Konrad Fersterer“

HOLLE – Wenn das Wetter aus dem Ruder läuft !

Die zweite mobile Produktion ist die Oper HOLLE, frei nach dem Grimm’schen Märchen. Doch hier ist Frau Holle keine Märchenfigur, sondern eine überforderte Wetterchefin, die versucht, es allen recht zu machen – und daran scheitert.

Es ist zu heiß. Es regnet zu viel. Es schneit zu wenig. Es stürmt zu oft.

Irgendwann sagt sie: Genug. Das Wetter ist kein Wunschkonzert.

Gold-Andy und Pech-Andy sollen übernehmen – und natürlich geht alles schief. Mit Humor, Musik und einer großen Portion Fantasie führt die Oper durch alle Wetterlagen: vom Sonnenschein-Dur bis zur Hagel-Arie.

Eine Sängerin, zwei Instrumentalist*innen – und eine Geschichte, die Kinder sofort versteht.

„Maria Leitgab, Ursula Gessat und Catharina von Bülow bei der Pressekonferenz zu jung & jeder 2026.“*
PK jung & jede*r 2026: Maria Leitgab (Dramaturgie „Kri“), Ursula Gessat (Education Managerin der Salzburger Festspiele), Catharina von Bülow (Regie „Holle!“)
© SF/Neumayr/Leo

Premieren und Spielorte

Das Schauspielhaus mit seinen drei Spielstätten – Saal, Studio, Säulenfoyer – ist längst ein Zuhause für jung & jeder* geworden.

  • HOLLE – Premiere: 17. Juli 2026
  • KRI – Premiere: 23. Juli 2026
  • KING ARTHUR JUNIOR – Premiere: 26. Juli 2026, eine Neukomposition im Auftrag der Festspiele

Für mich bleibt KRI ein leuchtender Moment dieser Saison – ein Stück, das Türen öffnet. HOLLE konnte ich nicht sehen, doch schon der Gedanke an diese fantasievolle Oper lässt sie in meiner inneren Favoritenliste aufscheinen. Jung & jeder* zeigt, wie wichtig es ist, Kunst dorthin zu bringen, wo junge Menschen sie wirklich erleben können.

jung & jede*r • Salzburger Festspiele

Wo Geschichte atmet – und Zukunft beginnt

Hinterseemühle (erbaut 1426) – eines der ältesten Gebäude im Freilichtmuseum. Foto: © Christa Linossi

Am 19. März 2026 eröffnet das Salzburger Freilichtmuseum sein neues Besucherzentrum – ein Projekt, das viele Jahre reifen musste. Als 2019 der Architekturwettbewerb mit einem einstimmigen Siegerprojekt abgeschlossen wurde, ahnte niemand, dass es bis zum ersten Spatenstich noch dauern würde.

Eröffnung am Eingang v.l.n.r.Vertreter des Fördervereins Landesamtsdirektor a.D. Heinrich Marckhgott,Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, LH-Stellvertreter Stefan Schnöll, Museumsdirektor Peter Fritz eröffneten gemeinsam das neue Besucherzentrum – ein starkes Zeichen für die Zukunft des Freilichtmuseums. Foto: © Christa Linossi

Nicht nur die Corona-Pandemie brachte die Planungen zum Stillstand. Während der Projektphase wurden auch die naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen für das Natura2000-Gebiet neu bewertet. Dabei rückte ein unerwarteter Protagonist ins Zentrum: der Grubenlaufkäfer (Carabus variolosus) – eine streng geschützte Art, die feuchte Waldlebensräume benötigt und durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten stark gefährdet ist. Sein Auftauchen machte eine Verlegung des Bauplatzes notwendig und führte zu einer Überarbeitung des Architektenentwurfs.

Nun, 2026, steht das neue Besucherzentrum in voller Pracht bereit. Ein Bau aus Holz, Glas und Beton, der sich an regionalen Hofstrukturen orientiert und sich als Ort des Ankommens versteht. Das großzügige, lichtdurchflutete Foyer mit Kassa und Museumsladen, klare Wegeführungen und barrierefreie Zugänge schaffen Orientierung und Offenheit.

Handwerk, Farben und regionale Produkte: Der neue Museumsshop verbindet Tradition mit modernem Design. Foto: © Christa Linossi.

Eine öffentlich zugängliche Bibliothek als Wissensdrehscheibe, flexibel nutzbare Seminarräume für 80 bis 120 Personen, zwei vollklimatisierte Archivräume sowie moderne Arbeitsplätze ermöglichen professionelle Museumsarbeit auf zeitgemäßem Niveau.

Die neue Bibliothek In der neuen öffentlich zugänglichen Bibliothek präsentierten die Verantwortlichen die ersten Bestände – ein Raum, der künftig als Wissensdrehscheibe und Inspirationsort dienen wird. Foto: © Christa Linossi

Das Besucherzentrum setzt ein starkes Zeichen für Kultur, Bildung und Nachhaltigkeit. Es verbindet Geschichte, Natur und Technik und fungiert als Kompetenzzentrum für traditionelle Handwerkstechniken. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen zu entdecken, mitzudenken und weiterzudenken.

Für Familien wird Geschichte greifbar: Wie lebte man früher am Land? Wie waren die Häuser gebaut, wie sah das Innenleben aus? Welche Geräte nutzten die Bauern, um ihre Felder zu bestellen? Das Museum macht die Einfachheit – und oft auch die Armut – vergangener Zeiten sichtbar.

Modell des Museumsgeländes Ein detailliertes Modell des Museumsgeländes bietet Besucherinnen und Besuchern einen ersten Überblick über die historische Hoflandschaft und die Wegeführung des Freilichtmuseums. Foto: © Christa Linossi

Traditioneller Holzbrunnen in Fassbauweise – ein Ort zum Rasten, Erfrischen und Spielen. Das klare Wasser stammt direkt vom Untersberg. Aufnahme: Foto: © Christa Linossi .

Bevor man sich auf den Rundgang begibt, fällt der Blick auf einen runden Holzbrunnen mit fließendem Wasser. Er ist in traditioneller Fassbauweise gefertigt und erinnert damit an jene Holzfässer, die früher unter den Dachrinnen der Bauernhäuser standen und Regenwasser sammelten. Ein Brunnen mit Geschichte – und ein Ort zum Rasten, Erfrischen und für Kinder zum Planschen. Das klare Wasser stammt direkt vom Untersberg.

Statement von Dir. Peter Fritz: „Das neue Besucherzentrum verbindet regionales Bauen, zukunftsfähige Technik und Offenheit – für Mitarbeitende ebenso wie für Gäste. Es schafft neue Zugänge in vielerlei Hinsicht, macht den Qualitätsanspruch des Museums vom ersten Schritt an spürbar und eröffnet neuen Raum für Austausch.“

Am Fuße des Untersbergs eingebettet, erzählt das Freilichtmuseum nicht nur Geschichten – es lädt auch zum Wandern ein. Auf seinen Wegen lassen sich die fünfen Salzburger Gaue mühelos zu Fuß durchschreiten und in ihrer historischen Vielfalt erleben.

Alle Besucherinformationen im Überblick – Salzburger Freilichtmuseum

GUSTAVE COURBET – „Der Mann, der die Kunst aufriss – und sie zugleich entblößte“

Gustave Courbet, L’Homme à la pipe (Der Mann mit der Pfeife), um 1849. © Musée Fabre, Montpellier. Foto: Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole / Frédéric Jaulmes

im Leopold Museum Wien

Gustave Courbet (1819–1877) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Realismus. Er veränderte die Kunst des 19. Jahrhunderts radikal, indem er:

  • alltägliche Menschen und Szenen statt idealisierter Helden malte
  • politische und soziale Realität sichtbar machte
  • sich bewusst gegen akademische Regeln stellte
  • sein Image als Rebell kultivierte

Dem unbequemen Erneuerer widmet das Leopold Museum nun die erste umfassende Courbet-Einzelausstellung in Österreich.

Rund 130 Exponate – darunter 90 Gemälde, 20 Grafiken sowie zahlreiche Archivalien – bieten einen eindrucksvollen Überblick über das malerische und grafische Œuvre des Begründers des Realismus. Courbet war selbstbewusst, provokant, eigensinnig – und genau diese Haltung machte ihn berühmt. Seine Porträts, Akte, Landschaften und Stillleben brechen konsequent mit den idealisierenden Konventionen seiner Zeit. Die Retrospektive präsentiert ihn daher treffend als „Realist und Rebell“.

„Der Ursprung der Welt“ – ein Skandal, der Kunstgeschichte schrieb

mit Hinweis: „Das Bild kann aus Gründen der Plattformrichtlinien nicht gezeigt werden“

Eines der provokantesten Werke der Kunstgeschichte ist ebenfalls zu sehen: „Der Ursprung der Welt“. Das Gemälde zeigt den weiblichen Körper frontal und ungeschönt – ein direkter Angriff auf die Moralvorstellungen des 19. Jahrhunderts.

Courbet, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlte, wählte den Titel bewusst. Das Werk verweist auf eine Doppelnatur: einerseits Objekt sexueller Begierde, andererseits Ursprung des Lebens – jener Ort, an dem jedes Kind zum ersten Mal das Licht der Welt erblickt.

Damit wird der weibliche Unterleib zum Ursprungsort menschlicher Existenz und Erfahrung. In diesem übertragenen Sinn zeigt das Bild den Anfang allen Wahrnehmens und Gestaltens.

Ursprünglich war das Gemälde eine private Auftragsarbeit für den Sammler Halil Şerif Paşa (Khalil Bey) und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Es wanderte ab 1889 durch zahlreiche Sammlungen, blieb lange unsichtbar und gelangte erst 1995 ins Musée d’Orsay, wo es erstmals öffentlich gezeigt wurde. Heute gilt es als Ikone des Realismus und als Symbol künstlerischer Freiheit.

Ein Selbstporträt am Abgrund

Gustave Courbet, Le Fou de peur (Der vor Angst Wahnsinnige), um 1844. © The National Museum of Norway. Foto: Nasjonalmuseet / Børre Høstland

Besonders eindrucksvoll ist Courbets Selbstporträt, in dem er sich dramatisch am Rand einer Klippe zeigt – kurz davor, in einen Abgrund zu stürzen. Sein Gesichtsausdruck ist verzweifelt, die linke Hand umfasst gequält seinen Kopf, während die rechte ins Leere greift, ohne Halt zu finden.

Was sehen wir hier? Einen Mann am Rand des Todes? Oder einen Albtraum, eine innere Vision?

Das Bild wirft Fragen auf und lässt Raum für Deutung. Biografisch betrachtet entstand es in einer schwierigen Phase seines Lebens. Courbets Jugend war geprägt von Zweifeln und mangelndem Selbstvertrauen, auch wenn er sich in Briefen als ehrgeizig beschrieb. Sein Leben war von Ambivalenz durchzogen: äußere Selbstsicherheit, innere Unsicherheit.

Vor diesem Hintergrund kann das Gemälde als Allegorie seines damaligen Geisteszustands gelesen werden – eine visuelle Verdichtung existenzieller Krisen.

Die Ausstellung zeigt Courbet in all seinen Facetten

  • seine rebellische Haltung
  • seine ausgeprägte Selbstinszenierung (über 50 Selbstporträts!)
  • seine politische und künstlerische Unabhängigkeit
  • seine Rolle als Wegbereiter der Moderne

Es ist eine eindrucksvolle Ausstellung, die man als historisches Ereignis für die österreichische Museumslandschaft einordnen kann.

Die Ausstellung ist bis 21. Juni 2026 im Leopold Museum zu sehen.GUSTAVE COURBET | Aktuell | AUSSTELLUNGEN | Leopold-Museum