When the soul is burning

Hervorgehoben

experimental photo work by © Christa Linossi 2021 – From the series Illusions .. When the pain reaches the soul
When the pain reaches the soul and the
pain becomes unbearable.  The soul is reflected
in the water and hopes to drown the pain in the water
 
experimental photo work by © Christa Linossi 2021 – From the series Illusions .. When the pain reaches the soul Teil 2

Ars Electronica Festival 2015 Der Zukunft wieder einen Schritt voraus!

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Ars Electronica blickt wieder in die Zukunft! Weiterlesen

Ein chinesischer Tempel zu Besuch in Salzburg

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Zhang Huan „My Temple“

bis 29. September 2015

Die Salzburg Foundation präsentiert das zweite Kunstprojekt Krauthügel in Salzburg. Das Kunstprojekt Krauthügel ist eine auf fünf Jahre angelegte Kooperation zwischen der Salzburg Foundation, der Erzabtei St. Peter und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. 2014 war Tony Cragg der erste Künstler der seine drei einzigartigen Bronzeskulpturen „Points of View“, „Runner“ und „Mixed Feelings“  auf dem Krauthügel präsentierte. Weiterlesen

KI ist der Bleistift der Zukunft.

Doch der Ursprung jeder Linie bleibt menschlich. Fortschritt ist nur dort gefährlich, wo wir das Denken aus der Hand geben.

Zwischen Hirn und Algorithmus entsteht ein Raum. Nicht Maschine, nicht Mensch – ein Dazwischen. Dort beginnt die Zukunft, die wir führen müssen.
Aktuellste Arbeit ohne KI – aus der Serie „KI‑Gedankenspiele“ © Christa Linossi 2026

Ich zeichnete ein Gehirn. Ein menschliches. Mit Linien, die sich wanden wie Erinnerungen, mit Schatten, die flüsterten wie alte Gedanken. Und während die Linien sich formten, öffnete sich ein Spalt – ein Muster, ein Tunnel, ein Drängen. Die KI preschte hinein, nicht wie ein Feind, sondern wie ein Funke aus einer Zukunft, die längst in uns wohnt.

Wir leben in einer Zeit, in der KI zum Hype geworden ist. Zur Faszination. Zur Angst. Viele fürchten sie, manche ohne zu wissen, dass sie längst mit ihr arbeiten. Doch die Wahrheit ist schlicht: Die KI ist kein Naturphänomen. Sie ist kein Sturm, der vom Himmel fällt. Sie ist Menschenwerk, geboren aus Neugier, aus Erfindungskraft, aus dem uralten Wunsch, Werkzeuge zu schaffen, die weiter reichen als die eigene Hand.

Und dennoch vermenschlichen wir sie. Wir geben ihr Absichten, Gefühle, Machtfantasien. Dabei ist sie nichts anderes als das, was wir aus ihr machen.

KI ist der Bleistift der Zukunft – doch die Hand, die zeichnet, bleibt menschlich.

Die Angst, dass Millionen ihre Arbeit verlieren, ist verständlich. Aber war es nicht genauso, als das Internet die Welt betrat? Damals bebte die Menschheit vor Furcht. Heute ist es unvorstellbar, ohne zu leben. Die Zukunft lässt sich nicht zurückdrehen, und niemand sehnt sich wirklich nach der Steinzeit.

Meine Grafik entstand aus meiner Hand, aus meinem Blick, aus meinem Chaos, und erst danach aus Photoshop – ganz ohne KI. Und doch trägt sie den Abdruck dieser neuen Zeit: Ein menschliches Hirn, und ein Muster, das sich hineinbohrt, nicht zerstörerisch, sondern öffnend. Ein Portal. Ein Übergang. Ein Dialog zwischen Denken und Technologie.

Vielleicht fürchten wir den Fortschritt, weil er immer dort gefährlich wird, wo Macht beginnt, ihn zu missbrauchen. Drohnen, Kriege, politische Spiele – das sind keine Fehler der Technologie, sondern Spiegel des Menschen.

Denn nicht die KI führt Kriege. Nicht die KI hungert nach Einfluss. Nicht die KI entscheidet über Leben und Tod. Es ist der Mensch, der seine Werkzeuge formt – und manchmal vergisst, sich selbst zu formen.

Doch inmitten all dieser Schatten glimmt ein leiser Hoffnungsschimmer: Wenn der Mensch lernt, seine Macht zu zähmen, kann die KI zu dem werden, was sie immer hätte sein sollen – ein Werkzeug des Verstehens, ein Verstärker des Guten, ein Bleistift, der Frieden zeichnet, wo wir selbst nur Linien des Konflikts sahen.

Poesie der Landschaft: Wenn Klimt am Attersee neu erwacht

Pablo Meier‑Schomburg, „Tree of Memory“ (ohne offiziellen Titel). Acryl auf Leinwand Ausgestellt im Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Klimt Zentrum am Attersee, 22. Mai 2026

Poesie der Landschaft – Klimt, Teschner und ein zeitgenössischer Dialog

Richard Teschner (1879–1948), „Wald mit Anemonen“, 1917. Öl auf Holz, 54,4 × 51,4 cm Leihgabe: Theatermuseum, Wien/ Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Diesmal besuchte ich ganz bewusst die Vernissage im Klimt Zentrum am Attersee. Warum? Weil ein zeitgenössischer Künstler eingeladen wurde, seine Werke als Gegenpol zu Gustav Klimt und Richard Teschner zu präsentieren. Sich neben einem Weltkünstler wie Klimt zeigen zu dürfen – das hat Gewicht.

Frau Evelyn Obermaier (Obfrau des Vereins Klimt am Attersee) führte mich vorab durch die Ausstellung und stellte mir den Künstler vor: Pablo Meier‑Schomburg. Ein spannender Mensch – Maler und zugleich Spitzenkoch. Bevor er in der Küche Karriere machte, studierte er Malerei an der Angewandten in Wien. Sein Weg zur Kunst führte ihn über Farben, Formen und Zutaten: Kräuter, Gemüse, Obst – alles Inspirationen, die er in seine Bildsprache überführt und als Hommage an Klimt weiterdenkt.

Meier‑Schomburgs Arbeiten bewegen sich zwischen Klimts Wiener Jugendstil und zeitgenössischer abstrakter Malerei. So entfaltet sich die Ausstellung Poesie der Landschaft – Klimt und Teschner am Attersee als Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In Meier‑Schomburgs Werk „Golden Dialogue“ treffen Farbe, Wasser und Natur aufeinander – eingebettet in die malerische Landschaft des Attersees.

Pablo Meier‑Schomburg vor seinem Werk „Golden Dialogue“. Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Im Gespräch mit Pablo Meier‑Schomburg

1. Brückenschlag zu Klimt

Meine Frage: Ihre Arbeiten werden als zeitgenössischer Dialog mit Gustav Klimt präsentiert. Was verbindet Sie persönlich mit Klimts Werk – und welche Aspekte haben Ihre eigene Malerei besonders inspiriert?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Es sind verschiedene Techniken, die Klimt eingesetzt hat, die mich mit ihm verbinden. Besonders der Pointillismus: Klimt hat seine Landschaftsbilder mit kleinen, kurzen Strichen gemalt. Ich arbeite hingegen gerne im Stil des Action Paintings und male am Boden liegend mit Spritztechnik. Am Ende ähneln sich die Ergebnisse dennoch.“

2. Zwei Werke im Fokus

Meine Frage: Zwei Ihrer Arbeiten haben mich besonders angesprochen: der Baum und Ihr abstrakt interpretierter „Kuss“ als Hommage. Welche Gedanken oder Emotionen stehen hinter diesen beiden Werken?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Neben Klimts Pointillismus berühren mich seine ornamentalen Bilder und die häufige Verwendung von Gold. Ich liebe Der Kuss und habe ihn in meiner abstrakten Welt in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt – daher der Titel Zerstörter Kuss. Klimt hat mehrere Lebensbäume gemalt, und es hat mir Freude gemacht, mit meinen eigenen Techniken Ornamentik, Gold und Pointillismus zu vereinen.“

3. Kochen & Kunst

Meine Frage: Sie sind sowohl Koch als auch Maler – zwei kreative Felder, die viel mit Intuition und Komposition zu tun haben. Entstehen beim Kochen manchmal Ideen, die später in Ihre Malerei einfließen?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Ich bin leidenschaftlicher Koch – und ganz trennen kann man die Dinge nicht. Kochen wie Malen regt alle Sinne an. Es hat mit Leidenschaft, Präzision, Kreativität und einem eigenen Stil zu tun. Je ausgeprägter diese Eigenschaften sind, desto mehr hebt man sich von der Masse ab – als Koch, Restaurantleiter oder Maler.“

Klimt am Attersee: Ein Meisterwerk kehrt heim

Gustav Klimt, „Gertrude Flöge“, 1912. Leihgabe: Sammlung Villa Paulick Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi, 2026

Die Ausstellung feiert zugleich die Rückkehr einer besonderen Arbeit: Gustav Klimts Zeichnung „Gertrude Flöge“ (1912), die nach vielen Jahren erstmals wieder am Attersee zu sehen ist.

Klimt und Teschner – zwei Künstler, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Ort liebten. Der eine arbeitete in der Villa Paulick, der andere in einem Bauernhaus. Der eine malte in zarten, vielfarbigen Nuancen, der andere setzte kräftige Akzente. Beide schufen Landschaften, die bis heute nachwirken.

Pablo Meier‑Schomburg bringt nun einen frischen Blick auf Erinnerung, Natur und Klimts Erbe. Seine pointillistische Technik löst Motive in vibrierende Gefüge aus kleinen Elementen auf. Es geht nicht um Abbild, sondern um Wahrnehmung – um Nähe, Distanz und das bewusste Hinschauen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine junge Videokünstlerin, Christina Bernhard, die mittels KI ein Video entwickelte, in dem Klimts Bilder in Bewegung geraten.

Eine weitere Brücke führt zur ALBERTINA, die mit dem weltweit ersten digitalen Werkverzeichnis der Zeichnungen Gustav Klimts ein internationales Signal setzt. Was hier am Attersee als poetischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar wird, entfaltet sich in Wien als digitale Zukunft der Kunst: dynamisch, interaktiv und wissenschaftlich fundiert. Die ALBERTINA macht Klimts zeichnerisches Erbe nicht nur zugänglich, sondern neu erfahrbar – ein lebendiges Archiv, das Forschung, Öffentlichkeit und Kunstvermittlung miteinander verbindet.

So entsteht ein Spannungsbogen vom historischen Attersee bis zur digitalen Gegenwart: Klimt in der Landschaft – Klimt im Netz – Klimt im kulturellen Gedächtnis.

Die Ausstellung ist bis 25. Oktober 2026 zu sehen. Öffnungszeiten: Mi–Fr 11–17 Uhr | Sa & So 10–17 Uhr.

Narzissenfest Ausseerland 2026 – Wenn ein ganzes Tal in Blüten spricht

Narzissenfest Ausseerland – wo Tradition blüht und das Tal sein schönstes Lächeln zeigt. Ausseerland Narcissus Festival – where tradition blossoms and the valley reveals its brightest smile.
 

Es gibt Feste, die man besucht – und es gibt Feste, die einen besuchen. Das Narzissenfest im Ausseerland gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Kaum kündigt sich Ende Mai an, beginnt das Tal zu summen, zu duften, zu arbeiten, zu träumen. Und am 31. Mai 2026 ist es wieder so weit: Bad Aussee öffnet seine Arme, seine Plätze, seine Gassen – und lässt die Narzissen sprechen.

Ein Sonntag, der nach Tradition und Tannenduft riecht

Schon ab 9 Uhr morgens füllt sich Bad Aussee mit Musik, Stimmen, Kinderlachen und dem leisen Rascheln von Trachtenstoffen. Volksmusik und Blasmusik lassen das Tal aufblühen – nicht laut, sondern warm, erdig, vertraut. Es ist ein Klang, der nicht nur gehört, sondern gespürt wird.

Der Bootskorso findet immer nur am Altaussee oder Grundlsee statt, heuer findet die Veranstaltung in Bad Aussee statt. Das Fest bleibt dennoch ein Gesamtkunstwerk – nur eben an Land, konzentriert, verdichtet, fast wie ein Bühnenstück, das näher an die Menschen rückt.

Die Figuren – Kunstwerke aus 250 Stunden Liebe

Die Narzissenfiguren sind das Herz dieses Festes. Sie wirken leicht, fast schwebend – doch hinter jeder einzelnen steckt eine Arbeitsleistung, die man nur ehrfürchtig „Wahnsinn“ nennen kann.

Ein Beispiel: Die kleine Figur „Eule Hedwig“ (Startnummer 9) benötigt:

  • 30 Kübel Narzissen = 30.000 Blüten
  • Pflücken: 35 Stunden
  • Schweißen: 45 Stunden
  • Begittern & Ausfertigen: 60 Stunden
  • Stecken: 110 Stunden
  • Gesamt: 250 Stunden Handarbeit

Und das ist nur eine Figur.

Eine Narzisse wiegt 3 Gramm. 15.000 Stück pro Quadratmeter ergeben ein Flächengewicht von 45 Kilogramm. Für Konturen und Effekte kommen Tannenreisig, Moos, Rinde, Flachs, Hobelspäne, Stroh, Heu, Schafwolle oder Federn zum Einsatz – ein Materialmix, der klingt wie ein Gedicht der Natur.

Die Hoheiten – Tradition mit Seidentuch und Krone

45 junge Frauen haben sich beworben, 34 kamen zur Vorauswahl – und am Ende repräsentieren die Narzissenhoheiten ein Jahr lang das Ausseerland. Ausgestattet mit:

  • Ausseer Dirndl
  • Seidenschürze
  • Seidentuch
  • Trachtenjacke
  • Trachtenschuhen
  • Lederbeutel
  • Schmuck
  • Krone

Wert: rund 2.500 Euro pro Hoheit. Doch der wahre Wert liegt im Lächeln, das sie tragen – und in der Tradition, die sie weitergeben.

Ein Fest, das nur durch Hände entsteht

3.000 Helferinnen und Helfer. Unzählige Stunden. Ein Verein, der seit 1983 für Heimat- und Denkmalpflege steht. Ein Obmann, der ehrenamtlich führt. Ein Tal, das zusammenarbeitet.

Die Pflückerei beginnt am 28. und 29. Mai, das Stecken am 30. Mai – und am 31. Mai steht alles bereit, als wäre es mühelos entstanden. Doch wir wissen: Mühelos ist hier gar nichts. Es ist Leidenschaft, Tradition, Gemeinschaft.

Ein Fest, das die Welt sieht

Jedes Jahr reisen Tausende an. Sie fotografieren, filmen, posten – und schicken die Bilder hinaus in die Welt. So wird das Ausseerland zu einem globalen Postkartenmotiv: Berge, Seen, Tracht, Blüten, Musik – ein kulturelles Echo, das weit über Österreich hinaus klingt.

Ein persönlicher Moment

Heuer kann ich nicht dabei sein. Zu viele Termine, zu wenig Zeit – und das Beamen wurde leider noch nicht erfunden. Aber gerade deshalb möchte ich dieses Fest würdigen: Weil hinter jeder Figur, jedem Kübel, jedem Lächeln eine Geschichte steckt. Und weil das Narzissenfest zeigt, was passiert, wenn ein Tal gemeinsam atmet.

Charlotte Perriand am Mönchsberg: Wo Moderne atmet und Räume Freiheit lernen Eine Ausstellung über das Leben als Entwurf und die Freiheit als Form.

Charlotte Perriand in ihrem ikonischen Relaxstuhl. Aufnahme aus der Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben – Eine Begegnung am Mönchsberg“, Museum der Moderne Salzburg. Foto: (c) Christa Linossi 2026.

Am 30. April 2026 stellte das Museum der Moderne Salzburg seine große Retrospektive zu Charlotte Perriand vor. Ich konnte an der Pressekonferenz nicht teilnehmen – kein Drama, kein Abgrund. Manche Ausstellungen wollen nicht erklärt, sondern erlebt werden. Also betrat ich die Schau am 16. Mai, während des 11. Salzburger Museumswochenendes, und spürte sofort: Diese Frau dachte nicht in Möbeln. Sie dachte in Räumen, in Freiheit, in Bewegung.

Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026, Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Schon beim ersten Schritt wird klar, dass Perriands Entwürfe mehr sind als Designobjekte. Sie erzählen von einem Leben, das sich nicht einengen lässt. Und dann steht man plötzlich vor Arbeiten, die im Dialog mit Fernand Léger entstanden sind – und begreift, wie viel Humor, Mut und Modernität in dieser kreativen Partnerschaft steckte. Es ist eine Ausstellung, die nicht nur informiert, sondern innerlich aufrichtet.

Die Retrospektive am Mönchsberg

Zum ersten Mal in Österreich widmet das MdM der französischen Architektin und Designerin eine umfassende Schau. Und es sind nicht nur die Möbel, die faszinieren – es ist ihr Denken. Ihr Blick auf das Wohnen als soziale Aufgabe. Ihr Mut, Räume neu zu definieren.

Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026, Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Ein Satz aus einem ihrer Texte bleibt hängen wie ein architektonisches Mantra: „Offener Grundriss: Module mit festgelegten Funktionen – Ruhe, Ernährung, Hygiene –, die sich zu einem Gemeinschaftsraum hin öffnen – Freude, Arbeit, Raum.“

Charlotte Perriand. Moderne leben: Design, Fotografie, Architektur, Ausstellungsansicht, Museum der Moderne Salzburg, 2026, © Archives Charlotte Perriand / FLC, Bildrecht Wien, 2026, Museum der Moderne Salzburg, Foto: wildbild, Herbert Rohrer

Diese Vision wird in der Ausstellung konkret: Die berühmte Modellwohnung ist als begehbare Rekonstruktion in Originalgröße erlebbar. Keine Wände, die trennen – stattdessen ein industriell gefertigtes Schranksystem, das zugleich Stauraum und Raumteiler ist. Zwei Funktionen in einem. Ein Denken, das seiner Zeit voraus war.

Der „Table manifeste“ – ein politisches Möbelstück

Charlotte Perriand, „Tisch der Manifeste“. Ein Schlüsselobjekt der Ausstellung am Mönchsberg, das Perriands Idee von Gestaltung als gesellschaftlichem Statement sichtbar macht. Foto: (c) Christa Linossi 2026.

Ein Objekt hat mich besonders berührt: der Table manifeste, entworfen für den Schriftsteller Jean‑Richard Bloch. Ein Beistelltisch mit abnehmbarer Platte – darauf zwei Zeichnungen von Fernand Léger (Tire‑bouchon und Fragment de vitrage, 1933) sowie zwei Radierungen von Pablo Picasso aus Songe et mensonge de Franco (1937). Ein Tisch als Manifest. Ein Möbel als Haltung.

Perriands Welt: Architektur, Design, Kunst, Fotografie

Charlotte Perriand verband all diese Bereiche zu einem einzigen großen Gestaltungskonzept. Für sie war Design nie Dekoration, sondern Teil eines gesellschaftlichen Zusammenhangs. Sie wollte Lebensräume verbessern – für alle Menschen. Und genau deshalb wirkt ihr Werk heute aktueller denn je.

Wer war Charlotte Perriand?

Geboren 1903 in Paris, aufgewachsen zwischen Burgund, der Hauptstadt und dem Savoyer Maurienne‑Tal. Sie studierte an der École de l’Union centrale des arts décoratifs und entwickelte früh eine klare, minimalistische Formensprache. Perriand revolutionierte Möbel‑ und Raumgestaltung, verband Funktionalität mit sozialem Anspruch und glaubte zutiefst daran, dass gutes Design eine bessere Gesellschaft schafft.

Sie arbeitete eng mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret zusammen – ikonische Möbel wie der LC2‑Sessel oder die LC4‑Liege tragen ihre Handschrift.

Die kreative Symbiose mit Fernand Léger

1930 begegneten sich Perriand und Léger in der deutschen Botschaft in Paris. Es war keine klassische Künstler‑Designer‑Beziehung, sondern ein fruchtbarer Austausch über Architektur, Farbe, Form und Moderne.

Beide liebten klare Linien, kräftige Farben und eine industrielle Ästhetik. Léger malte mit Flächen und Geometrien – Perriand übersetzte diese Prinzipien in Räume und Möbel.

Fernand Léger, Keramikarbeit, 1953. Gezeigt im Kontext der Ausstellung zu Charlotte Perriand, die mit Léger eng verbunden war und dessen Formensprache in ihre eigene Moderne integrierte. Foto: (c) Christa Linossi 2026.

Sie sagte einmal, sie hätten „in einem Fluss aus Farben und Humor“ gearbeitet. Man spürt es in jedem Objekt.

Die Ausstellung – Zahlen, Räume, Dimensionen

Mit 217 Werken, Fotografien, Studien und Dokumenten auf 990 Quadratmetern spannt die Schau einen Bogen über ihr gesamtes Schaffen. Eine Kooperation der Kunstmuseen Krefeld, des MdM Salzburg und der Fundació Joan Miró, Barcelona – entstanden in enger Zusammenarbeit mit den Archives Charlotte Perriand.

Perriand und die Berge

Ein Detail, das mich persönlich berührt: Perriand war nicht nur eine Frau der Großstadt. Sie hatte eine tiefe Verbindung zu den Alpen. Dort schöpfte sie Kraft, dort fand sie Klarheit. Vielleicht erklärt das ihre Entwürfe: Natur, Klarheit, Funktionalität – das ist Perriand.

Wer in den Bergen steht, weiß: Die Ideen kommen, wenn der Blick weit wird. Man steigt mit 100 % Akku wieder ins Tal.

Eine Frau mit Haltung

Perriand setzte sich in einer Männerwelt durch – mit Talent, Mut und einer klaren Vision. Ihre minimalistischen Kreationen erinnern daran, dass weniger oft mehr ist. Nicht als Mode, sondern als Haltung.

Publikation & Laufzeit

Begleitend zur Ausstellung erschien im März 2026 die Publikation „Charlotte Perriand – Die Kunst des Wohnens“, zugänglich für ein breites Publikum wie für Fachleute.

Die Ausstellung läuft noch bis 13. September 2026 im Museum der Moderne Salzburg.

http://www.museumdermoderne.at

Wo Villazón Mozart berührt – und der Klang zurücklächelt

MOZART & MOZARTS – 21. bis 31. Jänner 2027

Es gibt Momente, da spürt man schon beim Betreten des Raumes, dass etwas Besonderes in der Luft liegt. So war es auch, als Rolando Villazón zur Präsentation der Mozartwoche 2027 lud. Medien aus Nah und Fern strömten herbei – und ich mittendrin, neugierig wie immer, bereit für diesen typischen Villazón‑Mix aus Leidenschaft, Humor und Mozart‑Magie.

Bevor er überhaupt zum Programm kam, erzählte er – natürlich – eine kleine Szene aus seinem Leben. Er war am Vorabend von New York nach München geflogen, setzte sich in den Flieger, blickte ein paar Reihen nach vorne und sah jemanden „Sound of Music“ schauen. „Okay“, sagte er lachend, „ich bin im richtigen Flugzeug.“ Und genau das ist Villazón: nie abgehoben, immer menschlich, immer mit einem kleinen Sketch im Gepäck. Er lebt Mozart. Manchmal wirkt er fast wie ein zweiter Mozart – nur mit Locken und Mikrofon.

Mozart & Mozarts – ein Motto voller Funken

Das Motto der Mozartwoche 2027 lautet „MOZART & MOZARTS“ – und es öffnet eine Tür zu einer Welt, in der Mozart nicht allein steht, sondern im Dialog mit jenen Komponisten, die man einst als „andere Mozarts“ bezeichnete. Der „französische Mozart“ François Devienne, der „karibische Mozart“ Joseph Bologne, der „spanische Mozart“ Juan Crisóstomo de Arriaga und der „schwedische Mozart“ Joseph Martin Kraus – sie alle treten aus dem Schatten und ins Licht.

Warum wurden sie mit Mozart verglichen? Vielleicht wegen ihrer Jugend. Vielleicht wegen ihrer frischen, einfallsreichen Melodien. Vielleicht, weil sie – wie Mozart – diese schwer zu fassende Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe besaßen.

Die Mozartwoche 2027 lädt uns ein, diese musikalischen Geschwister neu zu entdecken.

Szenisches Programm – wo Musik zu Theater wird

COSÌ FAN TUTTE – Herzstück der Mozartwoche

Die Oper bildet den szenischen Mittelpunkt. Mit der Camerata Salzburg, die 2027 ihr 75‑jähriges Jubiläum feiert, und einem Starensemble rund um Thomas Hampson und Kathryn Lewek wird Mozarts Werk in einer frischen, lebendigen Interpretation auf die Bühne gebracht.

Die Schule der Liebenden – ein Dialog zwischen Zeiten

In Kooperation mit der Universität Mozarteum entsteht eine Neuinterpretation, in der Mozarts Musik auf die Lebenswelt heutiger Jugendlicher trifft. Was passiert, wenn man Liebe auf die Probe stellt? Mozarts Oper zeigt es uns – zeitlos, berührend, manchmal schmerzhaft ehrlich.

Marionettentheater: Die Gärtnerin aus Liebe

Eine Produktion, die schon 2025 begeisterte, kehrt zurück. Die historische Ausstattung von Günther Schneider‑Siemssen – über 50 Jahre alt – wurde liebevoll restauriert. Ein kleines Schmuckstück der Mozartwoche.

The Other Mozarts – Maria Anna im Rampenlicht

Dieses Schauspiel erzählt die Geschichte von Maria Anna Mozart, der Schwester Wolfgang Amadés. Ein Wunderkind, gefeierte Klaviervirtuosin, Komponistin – und doch verschwand ihr Werk im Dunkel der Geschichte. Das Stück gibt ihr zurück, was ihr zusteht: Sichtbarkeit.

Klangkultur in großer Besetzung

Die Wiener Philharmoniker – seit über 70 Jahren ein Fixstern der Mozartwoche – bringen ihre unverwechselbare Klangkultur mit. Adam Fischer und Igor Levit stehen erneut gemeinsam auf der Bühne. Neben Mozart und Haydn erklingt auch die Cassatio G‑Dur, vermutlich von Leopold Mozart, mit einigen kuriosen Instrumenten.

Beim Eröffnungskonzert treffen Mozart, Haydn und Beethoven auf den „karibischen Mozart“ Joseph Bologne – gespielt vom Mozarteumorchester Salzburg unter Lorenza Borrani.

Tradition mit Herz: Der Geburtstagsgruß

Am 27. Jänner 2027 wird Mozart gefeiert – mit einem Geburtstagsständchen von Rolando Villazón und Los Mariachis Negros auf dem Universitätsplatz. Ein Ritual, das jedes Jahr Menschen anzieht, die Mozart nicht nur hören, sondern fühlen wollen.

Sonderausstellung: MOZARTS & MOZARTS

16. Jänner bis 6. April 2027 – Mozart-Wohnhaus

Die Ausstellung führt durch die Welt der Mozart‑Ikonographie, deckt Fälschungskrimis auf und zeigt die Entwicklung der Porträtkunst vom Barock bis zum Historismus. Ein Blick hinter die Kulissen der Mozart‑Mythologie.

Weitere Informationen

http://www.mozartwoche.at http://www.mozarteum.at/konzerte

Zwischen Körpern und Konturen

„Aus der Serie Liebe ist nur eine Illusion – neueste Arbeit von Christa Linossi, 2026. Handgezeichnete und fotografische Elemente, ohne KI generiert.“

Zwischen Körpern und Konturen entsteht ein Raum, in dem alte Muster sichtbar werden. Diese neue Arbeit verbindet Zeichnung, Fotografie und digitale Spurensuche – und legt ein Gefälle offen, das wir oft spüren, aber selten benennen. Ein Werk über Rollen, Erwartungen und die feinen Linien, die unser Zusammenleben prägen.

„Zwei Körper, zwei Welten. Er hebt die Arme, sie trägt die Last. Zwischen ihnen ein Gefälle, das älter ist als jede Biografie. Über beiden ziehen Wolkenlinien – Spuren eines Musters, das nie Natur war, sondern Gewohnheit. Das Schachbrettmuster erinnert daran, dass wir uns in vorgegebenen Rollen bewegen, in einem Raster aus Erwartungen und Regeln, das nicht von uns geschaffen wurde – aber von uns verändert werden kann. Vielleicht beginnt Veränderung genau hier: Im Sichtbarmachen dessen, was wir zu lange übersehen haben.“

Der Berg ruft – und ich entdecke ALPGEISTER

Berglandschaft im Nationalpark Berchtesgaden. Foto: © Christa Linossi 2026

Manchmal braucht es keinen Termin, keine Einladung, keinen Anlass – nur den Ruf der Natur. Mich rief der Berg, und ich folgte. Rucksack gepackt, Schuhe geschnürt, und hinaus ging es in die Bergwelt des Nationalparks Berchtesgaden. Bei strahlendem Wetter, umgeben von Fels, Schnee und frischem Grün, durfte ich tun, was für eine Kulturjournalistin selten möglich ist: den Kopf freipusten. Schließlich ist er sonst voll mit Texten, Eindrücken und PR-Terminen.

Ein Akku-Ladevorgang der besonderen Art

3½ Stunden bergauf, einige Höhenmeter, und dann dieser Blick über die Landschaft: Schneebedeckte Gipfel, saftige Wiesen, erste Alpenblumen – ein Genuss für die Seele. Ein Moment, der entschleunigt. Ein Moment, der erdet. Ein Moment, der auflädt – wie ein Handy, das endlich wieder auf 100 % springt.

Ein spontaner Abstecher

Doch damit war es nicht genug. Kaum im Tal angekommen, zog es mich weiter – neugierig wie immer. Ein Abstecher ins Haus der Berge in Berchtesgaden, das mit seinen wechselnden Ausstellungen rund um Natur und Wahrnehmung immer wieder überrascht. Und mein Bauchgefühl hatte recht: Ich tauchte in eine Ausstellung ein, die mich sofort fesselte.

Ausstellungsansicht „ALPGEISTER“ Blick in die Wechselausstellung „ALPGEISTER“ im Nationalparkzentrum Haus der Berge. Foto: © Haus der Berge

ALPGEISTER – Die Kunst des genauen Hinsehens

Im Mittelpunkt steht die Künstlerin und Architektin Angelika Blanz-Düsterfeld. Ihre Fotoausstellung verbindet Natur, Berge und Kunst zu einer stillen, intensiven Erzählung.

Die Kunst des Innehaltens

Der Impuls ihrer Arbeiten liegt im bewussten, langsamen Durchstreifen der Natur. Nicht der schnelle Gipfelsieg zählt, nicht die Zeit, nicht die Strecke. Es geht um das Innehalten. Erst wenn der Blick zur Ruhe kommt, beginnen sich in Holz, Steinen und natürlichen Strukturen verborgene Formen zu zeigen: Gesichter, Wesen, Geschichten.

Fotoarbeit von Angelika Blanz‑Düsterfeld Naturfund mit verborgenem Gesicht. Detailaufnahme eines Naturfundes – bei genauerem Hinsehen zeigt sich darin ein Gesicht. Foto: © Christa Linossi 2026

Suchen. Sehen. Staunen.

Im Suchen liegt die Neugier. Im Sehen das bewusste Wahrnehmen. Im Staunen das Öffnen für das, was sich erst auf den zweiten Blick zeigt.

Genau das tut Blanz-Düsterfeld: Sie findet in der Natur Figuren, die andere übersehen. Sie schaut anders – und lädt uns ein, es ebenfalls zu tun.

Fotografie aus der Natur heraus

Ihre Bilder entstehen fast ausschließlich mit dem Handy, direkt vor Ort. Sie holen den Betrachter aus der Reizüberflutung des Alltags heraus und führen ihn zurück zu Ruhe, Wahrnehmung und innerer Gelassenheit.

Natur als Heilraum

Wandern, draußen sein, atmen – das ist die beste Medizin. Kein Druck, kein Vergleich, kein „höher, schneller, weiter“. Nur der eigene Rhythmus. Vielleicht nimmt der eine oder andere Besucher genau diesen Gedanken mit nach Hause.

Ausstellungsinfos

ALPGEISTER – Fotoausstellung von Angelika Blanz-Düsterfeld Wechselausstellung im Erdgeschoss Nationalparkzentrum Haus der Berge, Berchtesgaden

Öffnungszeiten: täglich 9:00–17:00 Uhr Laufzeit: ab sofort bis Ende Juni 2026 Eintritt: frei

Wechselausstellungen im Erdgeschoss des Nationalparkzentrums Haus der Berge

Verstrickt im 21. Jahrhundert – gefangen im digitalen Labyrinth

„Neueste Arbeit – ohne KI, von Christa Linossi“ © Christa Linossi 2026

Der Mensch im 21. Jahrhundert steht nicht mehr einfach nur in der Welt – er ist in ihr verstrickt. Gefangen in Systemen, die er selbst geschaffen hat. Umgeben von Linien, die sich wie Fäden um seinen Körper legen, wie Gedanken, die sich ineinander verhaken, wie Muster, die sich verselbstständigt haben.

Die Figur in der Grafik hält sich das Gesicht, als würde sie versuchen, die Welt für einen Moment auszublenden. Oder sich selbst wiederzufinden.

Denn alles ist schneller geworden: Kommunikation, Erwartungen, Vergleiche, Entscheidungen. Wir sind vernetzt wie nie zuvor – und gleichzeitig innerlich isoliert.

Anthropologen sagen, wir seien im Kern noch immer Steinzeitmenschen. Unser Körper, unser Nervensystem, unsere Instinkte stammen aus einer Welt, die langsam war, überschaubar, klar strukturiert. Doch heute bewegen wir uns in einem digitalen Labyrinth, das uns überfordert, bevor wir es überhaupt begreifen.

Warum verlieren wir das Menschliche? Warum wird Nähe zur Herausforderung? Warum wird Beziehung zur Belastungsprobe? Warum stehen wir im Wettkampf – nicht nur mit anderen, sondern mit uns selbst?

Die Linien in der Grafik erzählen davon: von innerem Druck, von Überforderung, von einem System, das sich um uns legt und uns formt, einengt, definiert. Doch sie erzählen auch von Sehnsucht – nach Klarheit, nach Verbindung, nach einem Moment des Durchatmens.

Vielleicht beginnt das Drama unserer Zeit nicht im Großen, sondern im Kleinen: in den Beziehungen zwischen Menschen, die brüchig werden, weil die Welt zu laut ist. In den Momenten, in denen wir uns selbst die Hand vors Gesicht legen, weil alles zu viel wird. In den Augenblicken, in denen wir spüren, dass wir uns in unseren eigenen Mustern verfangen haben.

Diese Figur ist kein Fremder. Sie ist ein Spiegel.

FESTSPIELBEZIRK 2030 – Salzburg baut an seiner kulturellen Zukunft

Lukas Crepaz, Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele und Bauherr des Projekts Festspielbezirk 2030 am Informations-Pavillon Festspielbezirk 2030
© SF / Jan Friese

Bei der Pressekonferenz am 8. Mai 2026 wurde deutlich, wie konsequent Salzburg an seiner kulturellen Zukunft arbeitet. Der Festspielbezirk 2030 ist kein gewöhnliches Bauprojekt – er ist ein Eingriff in die kulturelle DNA der Stadt. Während die Festspiele 2026 noch laufen, beginnen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für den größten Umbau seit Jahrzehnten. Ein Stadtteil im Ausnahmezustand.

Warum der Umbau unvermeidlich ist

Das Große Festspielhaus ist ein ikonischer Ort – aber seine Technik stammt aus einer anderen Zeit. Vieles wirkt heute wie ein Museumsstück: veraltete Bühnentechnik, fehlende Sicherheitsstandards, ein Dach, das bereits einmal während einer Aufführung undicht wurde. Die Verantwortlichen formulieren es klar: Die Modernisierung ist nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig.

Zwei Jahre ohne Großes Festspielhaus – das wirft Fragen auf. Für die Festspiele, für die Stadt, für das Publikum. Doch die Logik hinter dem Umbau ist nachvollziehbar: Nur ein technisch erneuertes Festspielhaus kann langfristig bestehen.

Schnittdarstellung des geplanten Kavernenbaus im Mönchsberg – das neue „Haus im Berg“ verbindet künftig Montagehalle, Proberäume und Haustechnik unterirdisch miteinander. Grafik: © Festspielbezirk 2030 / Projektteam

Startschuss: Kavernenbau ab Herbst 2026

Sobald die Festspiele 2026 vorbei sind, beginnt die erste Hauptphase des Großprojekts: der Kavernenbau. Unter dem Mönchsberg entsteht ein neues „Haus im Berg“ – mit Montagehalle, Probesälen, Einspielräumen und Haustechnik. Gleichzeitig wird eine unterirdische Verbindung zwischen den Festspielhäusern geschaffen.

Der Felsabtrag erfolgt mittels Anbaufräse – erschütterungsarm, präzise und flexibel. Rund 108.000 m³ Material werden abgefräst, über Schutterschächte abtransportiert und im Umkreis von 15 Kilometern gelagert. 90 Prozent davon werden wiederverwendet – für Lärmschutzdämme, Straßenunterbau und andere Projekte. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Sanierung ist ein Kraftakt – aber einer, der sich rechnet. Eine aktuelle Wertschöpfungsstudie zeigt: Allein im Sommer generieren die Salzburger Festspiele 96 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Der Großteil der bisherigen Ausschreibungen ging an österreichische Unternehmen.

Mit dem Kavernenbau werden Arbeitsplätze gesichert und die Zukunft des Festspielbezirks langfristig stabilisiert. Die Kosten für die erste Projektphase liegen bei rund 395 Millionen Euro (±20 %). Bund, Land und Stadt tragen diese gemeinsam.

UNESCO: Grünes Licht für das Welterbe

Bauen im Welterbe ist komplex. Ein unabhängiges Gutachten, beauftragt von der Stadt Salzburg, kam Anfang 2026 zu einem klaren Ergebnis: Der Festspielbezirk 2030 ist mit dem UNESCO-Welterbe vereinbar – und viele Maßnahmen wirken sogar positiv auf den Schutzstatus.

Neutor-Sperre: Ein verkehrspolitischer Stresstest

Ab 14. September 2026 wird das Neutor für ein halbes Jahr komplett gesperrt. Danach ist eine einspurige Durchfahrt für Busse, Anrainer und Lieferverkehr möglich.

Das Thema ist brisant: Seit Jahren wird über eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt diskutiert – nun zwingt die Baustelle die Stadt zu Lösungen, die bisher politisch nicht durchsetzbar waren. Vielleicht entsteht hier ein Modell, das über die Bauzeit hinaus Bestand hat.

Interims-Konzerthalle für 2029 und 2030

Nach den Festspielen 2028 wird das Große Festspielhaus bis Frühjahr 2031 geschlossen. Für die Festspiele 2029 und 2030 sowie alle unterjährigen Konzertveranstaltungen entsteht eine temporäre Konzerthalle für rund 2.000 Personen.

Zwei Standorte werden geprüft:

  • das Stiegl-Areal in Maxglan
  • das ehemalige Kloster St. Josef im Nonntal

Die Diskussionen laufen bereits: Kosten? Standortnähe zur Altstadt? Wirtschaftsfaktor für Gastronomie und Hotellerie? Die Fragen sind berechtigt – und werden die Stadt noch beschäftigen.

Architektur als Vision

Der Festspielbezirk 2030 ist mehr als eine technische Modernisierung. Er ist ein städtebauliches Statement. Zwei architektonische Leitideen prägen das Projekt:

  • die Verbindung der Häuser im Berg
  • ein neues Werkstättengebäude im Zentrum des Bezirks

Architektur, Kunst und Stadtvision greifen hier ineinander – und formen einen Kulturraum, der Salzburg in die Zukunft führt.

Der Festspielbezirk 2030 ist ein Projekt voller Chancen und Risiken. Ein Kraftakt, der Salzburg verändern wird – technisch, kulturell und städtebaulich.

Eine Phase, die fordert, genauer hinzusehen.

Zwischen Fels und Himmel – wo Spuren im Schweigen bleiben

Der Dachstein im ersten Licht – ein Ort, der Fragen stellt, bevor er Antworten gibt. Offizielles Sujet der Dachstein Dialoge 2026 in Filzmoos · Ramsau. Thema: „Worauf kann ich vertrauen?“

Manchmal entscheidet der Berg. Schon 2025 wollte ich bei den Dachstein Dialogen dabei sein, doch Terminüberschneidungen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Und als ich heuer zur Präsentation am 12. Mai aufbrechen wollte, stoppte mich der Wettergott persönlich: Schneefall in der Ramsau, Sommerreifen am Auto – und ich musste umdrehen.

Vielleicht liegt es daran, dass mir die Dachsteinregion mehr bedeutet als ein Festivalort. Ich komme aus der Obersteiermark, ich kenne diese Berge, ihre Geschichten, ihre Eigenheiten. Und ich habe über die Region schon oft geschrieben – von Bill Fontanas Silent Echoes bis zu den Spuren von Ai Weiwei am Hohen Dachstein. Auch die Geschichte von Bodo Hell, der seit August 2024 in diesem Gebiet vermisst wird, begleitet mich seither wie ein Echo.

Umso mehr hoffe ich, 2026 endlich bei den Dachstein Dialogen dabei zu sein. Denn das Festival widmet sich heuer einer Frage, die uns alle betrifft: „Worauf kann ich vertrauen?“

Ein Festival im Zeichen der Unsicherheit

Vom 18. bis 24. September 2026 erkunden die Dachstein Dialoge in Filzmoos und Ramsau zentrale Fragestellungen unserer Gegenwart. In einer Welt, die von geopolitischen Machtkämpfen, Kriegen, digitalem Umbruch und KI‑Dynamiken geprägt ist, wird Vertrauen zur knappsten Ressource.

Eröffnet wird das Festival von der Philosophin Lisz Hirn, die ein Plädoyer für Urteilsfähigkeit in unsicheren Zeiten hält – ein Auftakt, den ich mir nicht entgehen lassen werde.

Der künstlerische Leiter Philipp Blom bringt es auf den Punkt: „Ohne Vertrauen gibt es keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft.“

Welche Basis braucht Vertrauen? Wem können wir glauben – Personen, Institutionen, Quellen? Welche Rolle spielt KI in der Wahrnehmung von Wahrheit? Und wie lässt sich Vertrauen wieder stärken?

Orte, die zu Bühnen werden

Die Dachsteinregion verwandelt sich erneut in einen Resonanzraum: Scheunen, Bauernstuben, Kirchen und historische Plätze werden zu Orten des Zuhörens und des Austauschs. Die Mützenhalle Filzmoos wird zum Kinosaal, wo Filme wie Boyhood und Die beste aller Welten gezeigt werden – beide erzählen vom Vertrauen als Prozess.

Eine historische Wanderung führt zu den Spuren der Bibelschmuggler im 17. und 18. Jahrhundert. Hier wird Dialog nicht nur geführt – er wird gegangen.

Impulse, Stimmen, Perspektiven

Diskussionen, Vorträge, Workshops und Seminare beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bei „Fakten, Daten, Leidenschaft – Wissenschaftler:innen und der Kampf um Vertrauen“ sprechen u. a. Eva Nowotny und Reinhard Steurer darüber, wie Vertrauen in einer komplexen Welt neu aufgebaut werden kann.

Erwartet werden u. a.:

  • Alexandra Föderl‑Schmid
  • Wolfgang Petritsch
  • Gerald Knaus
  • Christoph Ransmayr
  • Marlene Engelhorn
  • Wolfram Berger

Musikalisch begleiten das Simply Quartet, Christophe Coin, das Trio Bohémo, Peter Havlicek, die AUTländisch.family und Chöre der Region. Open Concerts laden Musiker:innen und Publikum zum gemeinsamen Musizieren ein.

Ein Festival aus der Region – für die Region

„Die Dachstein Dialoge wurden von Menschen aus der Region für die Region gegründet“, sagt Obfrau Regina Stocker. Der Leitgedanke: In die Zukunft schauen, aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart gestalten.

Gerade in einer Region, die lange von Konflikten geprägt war, ist Dialog nicht Luxus – er ist Notwendigkeit.

Die Dachstein Dialoge sind mehr als ein Festival. Sie sind eine Einladung, Vertrauen neu zu denken – an einem Ort, der selbst seit Jahrhunderten zwischen Fels, Geschichte und Zukunft steht.

Dachstein Dialoge