„Universum im Kleinen“ – „L‘ Universo nel piccolo“

CHAT-INTERVIEW 2022 mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini

Südtiroler Künstler Markus Damini / Foto: Markus Damini

2016 führte ich mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini das interessante Chat-Gespräch „di cuoio come forma astistica?“

Nun sind mittlerweile 6 Jahre verstrichen, der Künstler Damini kontaktierte mich und bat mich um ein neuerliches Chat-Interview, dem ich gerne zustimmte. Er ist ein Künstler, der interessante Ansätze in seiner Kunstform hat. Schwerpunkt in seinem Kunstschaffen ist das Leder aber auch Malerei die er als „Symbiose zwischen Kunst und Handwerk“ bezeichnet.

yinyang_markusdamini_Foto: Markus Damini

Linossiartstory: 2020 stürzte uns das Virus COVID 19 ins Abseits und Sie mussten auch noch mit einer schweren Krankheit fertig werden. Wie wurden Sie mit dieser Situation fertig und wo ist Ihre Kunst gestrandet?

Markus Damini:

Im August 2020 wurde bei mir eine Tumorerkrankung diagnostiziert. Es folgten neun schwierige Monate mit mehreren Chemotherapien. Das Schlimmste war für mich die Schwäche und vom Kunstschaffen war keine Rede mehr. Erst allmählich nach etwa einem halben Jahr nach Beendigung der Therapie begann ich langsam wieder kreativ zu sein.

Linossiartstory: Die aktuellen Arbeiten sind Malerei und was hat Sie inspiriert zum Pinsel zu greifen?

Markus Damini:

Ich benutze nicht nur Pinsel, sondern auch Stoff, Papier, Spachteln usw. Ich wollte wieder kreativ arbeiten, das mich begeistert, da war Malerei das Naheliegendste.

Linossiartstory: In Vergangenheit hatten Sie viel mit dem Material Leder gearbeitet. Werden Sie in Zukunft auch wieder mit Leder arbeiten?

Markus Damini:

Mit diesem Material habe ich absolutes Neuland in der Kunst betreten. Auch die Bildmotive waren neu, ich habe mich ja von niemandem inspirieren lassen.  Was ich in Zukunft mit Leder machen werde, lasse ich noch offen.

Markus Damini_ohne Titel Öl auf Leder / Foto: Markus Damini
Markus Damini, Meerestier, Linoleum bemalt / / Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Wie sehen Sie Ihr weiteres künstlerisches Schaffen und wohin geht die Reise?

Markus Damini:

Die Malerei ist für mich eine Methode mit meiner „Kleinheit“ und mit meiner „Begrenztheit“ zurecht zu kommen. Nicht umsonst ist die Grundstruktur aller meiner Werke, ein Aspekt der sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Schaffenszeit zieht: das Große und Wundervolle im Kleinen, die Nähe zum Dargestellten, sei es ein Grashalm, ein Blatt, ein Hund oder eine Pusteblume. Dabei verschwindet der Horizont. In meiner „Leder- Zeit“ faszinierte mich die subatomare Ebene, ich tauchte mit meiner Fantasie in diese Welt ein, wo sich anscheinend die Materie auflöst. Mich inspiriert mehr das Universum im Kleinen als das Weltall. In ihrer „Universalität“ (Alles in Einem) können ein Großteil meiner Bilder an allen vier Seiten aufgehängt werden.
Ich male ausschließlich für mich selbst und insgeheim wünsch ich mir, dass meine Seele oder Geist, die ja in den Bildern sichtbar sind, meinen Körper überdauern werden.

Markus Damini, Plus-Minus / Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?

Markus Damini:

Im Bild brauche ich nur zwei Pole: z. B. Vordergrund und Hintergrund oder Hell und Dunkel oder Voll und Leer oder Geist und Materie; wenn diese zwei Gegensätze mit einer gewissen Spannung vorhanden sind, dann ist das Bild fertig. Aber die Entscheidung ist nicht immer einfach, es braucht viel Sensibilität und oft muss ich das Bild sogar einige Monate weglegen und dann erst wieder neu anschauen.

Linossiartstory: Sind Sie manchmal unsicher in Ihrer Kunst?

Markus Damini:

Natürlich, so wie in jeder Arbeit vollzieht sich auch in meiner eine Evolution, eine ständige Auslese, ich frage mich immer: was will ich und was nicht. Welches ist meine Haltung gegenüber der Malerei; das könnte man auch als Unsicherheit bezeichnen, die ich ständig habe. Ich sehe es aber als kontinuierliche Veränderung von Sichtweisen: Eine Kleinigkeit- etwas Gehörtes oder Gesehenes – können veranlassen, meine Sichtweise zu verändern. Die Grundstruktur bleibt aber dieselbe – jedenfalls bis jetzt.

Linossiartstory: Wie reagieren Sie auf Kritik 

Markus Damini:

Kritik, negative, als auch positive, kann sehr inspirierend sein und neue Sichtweisen hervorbringen.

Linossiartstory: Wie kommen Sie zurecht mit den Umgangsformen im Kunstbetrieb, war für Sie der Umgang mit Presse, Galeristen und Kuratoren immer problemlos?

Markus Damini:

Oftmals spielen Beziehungen, Sympathien und Freundschaften gegenüber Entscheidungsträgern eine große Rolle.
Allerdings habe ich erfreulicherweise auch gute Erfahrungen gemacht.

Markus Damini, Pusteblume, Acryl auf Leinwand/ Foto: Markus Damini

Linossiartstory: Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?

Markus Damini:

Die Malerin Manuela Deghezzi hat mich zur Kunstarbeit Anfang der 90er Jahre angespornt. Auch der Kunstkritiker Fiorenzo Degasperi hat mich dazu animiert.

Linossiartstory: Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?

Markus Damini:

Naturliebend, pragmatisch, eigensinnig

Linossiartstory: Woran arbeiten Sie gerade?

Markus Damini:

Das gelb-grüne Farbspektrum fasziniert mich derzeit so sehr, dass ich hauptsächlich diese Farbtöne benutze. Die Motive liegen im Reich der Pflanzen und des Lichtes.

Linossiartstory: Unsere Welt ist im 21. Jahrhundert angekommen und mit ihr die Digitalisierung. Was bedeutet für Sie Digitalisierung und wie wichtig ist Social Media für Sie?

Markus Damini:

Social media ist für mich zu flüchtig und schnelllebig, dafür habe ich kein Interesse.
Die Digitalisierung ist ein Fluch und ein Segen zugleich für die Menschheit, so wie natürlich alle Dinge zwei Seiten haben.

Linossiartstory:  Herr Damini es war nett mit Ihnen diesen Chat zu führen. Es war ein offener ausführlicher Chat, mit vielen interessanten Einblicken in Ihre Kunst. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen noch viele atemberaubende und interessante Abenteuer auf Ihrem weiteren Weg. 

Danke für das nette Chat-Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

Homepage von Markus Damini

Chat-Interview aus dem Jahr 2016: https://linossiartstory.com/2016/05/22/leder-als-kunstform/