„ANGST“ eine Arbeit aus dem Jahr 2016, die heute noch aktueller ist als vor 6 Jahren Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion, sie ist ein schärfender Schutzmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten einleitet.
Dieses Buch hätte ich mir schon in den 90iger Jahren gewünscht. Da war noch alles anders und die Tipps waren sehr spärlich. Im 21. Jahrhundert sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und es gibt genügend Bücher und Informationen. Eben, ein anderes Zeitalter. Ich stolperte über das Buch von Dr. Ina Ross und stellte fest: Es ist eine richtige Werkzeugkiste, mit der man auch was anfangen kann.
Worum geht es in diesem Buch?
Es geht um Selbstvermarktung und wie können Künstler*innen ihre Kreativität einsetzen! Es geht hier um Marketing und Finanzierung (Heute: wer das beste Marketing hat, spielt in der oberen Liga mit). Das klassische Handwerkszeug wird hier ebenso erklärt, wie auch der Einsatz von Social Media. Dieses Buch entwickelte sich bereits als Standardwerk für Künstlerselbstvermarktung. Es ist gut aufgegliedert, was für Künstler*in einen wichtigen Faktor darstellt.
Dieses Buch ist es wert zu lesen?
Wenn Sie Künstler*in sind und sich selbst vermarkten wollen, dann empfehle ich Ihnen diesen Band. Es ist ein gutes Einstiegsbuch, das auch alten Hasen hilft, angesammeltes Wissen aufzupolieren. Social Media, PR und Marketing sind Instrumente, die Chancen und Möglichkeiten bieten können, wenn sich die klassischen Karriere-Kanäle nicht eignen – oder weil es sie nicht mehr in ausreichenden Maßen gibt.
DIE AUTORIN:
Ina Roß, geb. 1970 lehrte Kulturmanagement und Künstler*innen Marketing an der Universität des Saarlandes und an der Hochschule der Künste Saar. Sie lebt in Berlin und ist freiberufliche Dozentin, Beraterin und Coach für Kultureinrichtungen und Künstler*innen.
Erschienen ist das Buch
2022 im transcript Verlag, Bielefeld Print-ISBN 978-3-8376-5993-3
Der bekannte US-Fotograf Spencer Tunick ist für seine weltweiten Installationen mit nackten Menschen bekannt. Mit seinen Kunstinstallationen, will er auf verschiedene Themen wie Klima, Umwelt, Politikum usw. Aufmerksamkeit erregen.
Seine letzte Aktion fand im November 2022 in Sydney am Bondi Beach statt. Normalerweise tummeln sich hier die Surfer und somit wurde der Surf-Strand für einen Tag zur FKK-Zone, wo sich etwa 2.500 Freiwillige splitternackt auszogen, um für Spencer Tunick zu posieren.
Es ist ein friedliches Bild!
Thousands strip off at Bondi Beach for Spencer Tunick art installation / Video: Aired: ABC Weekend Breakfast, Saturday 26 November 2022 Reporter: Ruby Cornish Camera: Peter Rothwell
Hintergrund dieser Aktion ist HAUTKREBS!Australien ist weltweit das Land, das laut World Cancer Research Fund am schlimmsten von Hautkrebs betroffen ist. Australien hat, verursacht durch die Nähe zum Ozonloch über der Antarktis, die höchste Hautkrebsrate der Welt. Jährlich sterben 1.000 Menschen an verschiedenen Formen dieser Krankheit.
Nachdem die australischen Behörden die geltenden Regeln (Corona) gelockert hatten, war es möglich diese Installation mit nackten Menschen am Bondi Beach durchzuführen. Dicht an Dicht im Stehen oder im Liegen, aber man sah die Menschen nur von Rückwärts.
Der US-Fotograf Spencer Tunick will mit seinen Arbeiten die Aufmerksamkeit auf Hautkrebs hinweisen und gleichzeitig startete er einen Aufruf zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. 2020 waren 1,8 % aller Krebserkrankungen bösartige Melanome. Die Zahl der Teilnehmer entsprach etwa der Zahl an Australiern, die jedes Jahr an HAUTKREBS sterben.
Dies war sicher eine Kunstinstallation mit TIEFENWIRKUNG.
KUNST zeigte schon immer, was in Politik und Gesellschaft schiefläuft oder gelaufen ist.
Zurzeit geht es um die KLIMASITUATION und die Gruppe „Letzte Generation“ will mit ihren Aktionen in Museen aufmerksam machen. Ein berühmtes Klimt Gemälde „Tod und Leben“ wurde mit einer schwarzen Flüssigkeit auf das Gemälde geschüttet. Diese Aktionen sind nicht unbedingt der richtige Weg, um ein Umdenken in der breiten Öffentlichkeit zu erreichen.
Anders sehen Aktionen aus, wo Künstler ihre eigenen Werke zerstörenund somit auch AUFMERKSAMKEIT erzielen. Beispiel wie Banksy, einer der berühmtesten Graffiti Maler, der bei einer Versteigerung sein Bild „Girl with Balloon“ schredderte. Er ist der Künstler, der immer wieder auf Politische und Gesellschaftliche Probleme hinweist. Oder der Künstler Gustav Metzger – Vertreter der Aktionskunst, der seinerzeit gegen nukleare Waffen demonstrierte – der in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die so genannte „autodestruktive Kunst“ schuf und in seinen Gemälden Säure versteckte, die dann langsam die Leinwand zerfraß.
Video über die Übermalung des Kunstwerkes „5 vor 12“ von Hermann Präg. Filmaufnahme von Ulrike Schmid und dem Künstlerkollektiv „RatAess“
Eine interessante Aktion fand bei der Vernissage der Mitgliederausstellung „ALLE“ – wo 149 Künstler: innen das gesamte Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis in Bregenz bespielen und ihre Werke präsentieren – statt.
Der Künstler Hermann Präg zerstörte mit einem Spray während der Vernissage sein Kunstwerk „5 vor 12“. Der Titel des Werkes von Präg weist schon daraufhin, dass es schon zu spät ist und Politik und Gesellschaft alles daransetzen müssten, um endlich etwas zu bewegen, um das Ruder noch herumzureißen.
Die Zerstörung seines Bildes sei Ausdruck von Ohnmacht, sagt der Künstler zu seiner Aktion. Diese Aktion reiht sich zwar thematisch in die Proteste der Aktivisten der vergangenen Wochen ein, ist aber doch ganz anders, denn der Künstler zerstörte sein eigenes Kunstwerk.
Auf alle Fälle hat Hermann Präg mit seiner Aktion während der Vernissage großes Aufsehen erregt. Sogar der ORF Vorarlberg-heute übertrug diese Aktion (nachzusehen in der ORF TVThek) Der Direktor Thomas Trummer vom Kunsthaus Bregenz nahm ebenso Stellung zu dieser Aktion und erwähnte in seinem Statement: „Dass die Museen nun zum Schauplatz werden, ist zwar eigenartig und man hat das Gefühl, man schlägt den Sack und nicht den Esel, aber trotzdem spürt man auch, wie bedeutend und wichtig Kunstwerke sind und dass sie großes Aufregen erzeugen können und auch wollen“.
Wen, werden Sie fragen? Gefunden wurde der neue JEDERMANN und die neue BUHLSCHAFT für die Salzburger Festspiele 2023
DER NEUE JEDERMANN michael-maertens Foto: (c) nils-schwarz_DIE NEUE BUHLSCHAFT valeriepachner Foto: (c) bothor2022
Nachdem Lars Eidinger und Verena Altenberger sich von den Salzburger Festspielen verabschiedet haben und 2023 nicht mehr zur Verfügung stehen, musste man sich auf die Suche machen, um die Titelrollen des JEDERMANN wieder neu zu besetzen.
Heute wurde es bei der Pressekonferenz im Künstlerhaus in Wien bekanntgegeben, wer den Jedermann und die Buhlschaft spielen wird.
Den JEDERMANN 2023 wird der Schauspieler Michael Maertens verkörpern. 1963 in Hamburg geboren, studierte er an der Otto Falckenberg Schule in München und 1989 ans Hamburger Thalia Theater. 2014 wurde er auf der Berlinale mit dem Deutschen Schauspielerpreis ausgezeichnet. Maertens wurde zudem 2016 mit dem Gordana Kosanović-Schauspielerpreis für besondere schauspielerische Leistungen und dem Deutschen Comedypreis in der Kategorie „Beste TV-Komödie“ (Vorsicht vor Leuten) ausgezeichnet. Zuletzt spielte er in Salzburg 2017 den „Narr“ in Aribert Reimanns Lear (Regie: Simon Stone) in der Felsenreitschule.
Die BUHLSCHAFT 2023 wird die junge Schauspielerin Valerie Pachner spielen. Sie wurde 1987 in Wels, Oberösterreich, geboren. Sie lebte nach ihrem Schulabschluss ein Jahr in Honduras und belegte danach in Wien das Studium der Internationalen Entwicklung. Parallel dazu studierte sie Germanistik und die Leidenschaft zur Schauspielerei wurde immer stärker und so absolvierte sie von 2009 bis 2013 das Max Reinhardt Seminar. Sie wurde 2016 für ihre Darstellung der Wally Neuzil in Egon Schiele: Tod und Mädchen 2016 mit dem österreichischen Filmpreis und den Romy als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Erstmals bei den Salzburger Festspielen war Valerie Pachner 2018 im Rahmen einer Lesung mit Prosa von David Grossman zu Gast.
2023 wird die Medienwelt wieder genau hinsehen, wenn es am Domplatz / Großes Festspielhaus wieder heißt:
Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
Personelle Veränderungen bei der Frankfurter Buchmesse
Das PR-Team der Frankfurter Buchmesse stellt sich neu auf!
Kathrin Grün war seit 2009 im PR-Team der Frankfurter Buchmesse und leitete danach 2017 die Kommunikationsabteilung. Sie verlässt das Unternehmen zum 30. November 2022, um sich einer neuen beruflichen Aufgabe zu widmen.
Kathrin Grün:„Ich bin sehr dankbar für 13 ereignisreiche Jahre bei der Frankfurter Buchmesse. Am Erfolg der Buchmesse sind viele Akteur*innen beteiligt. Mein großer Dank gilt meinem Team für die motivierte Zusammenarbeit, Juergen Boos und allen Kolleg*innen“.
Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Ich danke Kathrin Grün für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Sie hat mit ihrer Expertise, ihrem außerordentlich hohen Einsatz und ihrem großen, internationalen Netzwerk einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Frankfurter Buchmesse geleistet. Wir bedauern sehr, dass wir sie als Mitarbeiterin und Kollegin verlieren und wünschen ihr alles Gute. Wir führen zurzeit finale Gespräche zur Nachfolgeregelung, die wir zeitnah bekannt geben werden.“ Interimistisch übernimmt Ines Bachor zum 1. Dezember die Koordination des Kommunikationsteams. Bereits zum 1. August hat Svenja Pütz das Team als Social Media Managerin verstärkt. Weitere Ansprechpartner*innen im Kommunikationsteam sind Kathrin Ankermüller, Katrin Hage und Frank Krings. Im Januar 2023 kehrt Tina Pfeifer aus ihrer Elternzeit zurück.
Seine Bilder, die er in Anif ausstellte, gaben einen tiefen Einblick in das Innere, aber reflektierten auch wieder einen Blick nach außen. Es waren Arbeiten, wo das SCHWARZ dominierte und wo sich immer wieder helle Flächen und Formen in den Vordergrund schieben.
„Plan“ Hermann Präg
Für mich Grund genug, mit dem Künstler ein Interview zu starten!
Linossiartstory:Hermann du bist Vorarlberger und du hast am Mozarteum in Salzburg bei Prof. Peter Prandstetter Malerei studiert. Meine Frage was war der Impuls, überhaupt einen Pinsel in die Hand zu nehmen und als Vorarlberger in Salzburg zu studieren?
Hermann Präg: Ich kann mich in meinem Leben kaum an eine längere Phase erinnern, in der ich mich nicht mit Pinsel oder Farbe beschäftigt habe. Schon in meiner frühen Kindheit habe ich damit begonnen. Es waren nicht immer die üblichen Zeichnungen, die man sich von einem Kind erwartet. Ich habe gekleckst, aber manches einfach nur kopiert – auch Comics. Trotz meinem intensiven Hang zum Bildermachen habe ich die Handelsakademie besucht. Damals habe ich viele meiner Klassenmitglieder porträtiert. Ahnungslos habe ich die Aufnahme im Mozarteum versucht und bin gescheitert. Beim zweiten Versuch wurde ich dann in der Malereiklasse von Prof. Peter Prandstetter aufgenommen. Bei Prof. Matthias Herbst schrieb ich die Diplomarbeit über die Kunst der Hopi und Navajo. Ich war begeistert von der Spiritualität ihrer Plastiken und Malereien.
Linossiartstory: Wann begann das Interesse für die Bildende Kunst und gab es jemanden, der den entscheidenden Input gab?
Hermann Präg: Erst durch die Begegnung mit dem großartigen Vorarlberger Künstler Armin Pramstaller kam ich auf gute Bahnen. Ohne ihn wäre auch mein zweiter Versuch am Mozarteum gescheitert. Er war ein außerordentlicher Druckgrafiker, der mir mit wenigen aber guten Hinweisen weiterhalf. Durch ihn habe ich mit Schwarz-Weiß-Arbeiten begonnen. Es waren Kohlezeichnungen, die aber eine stark malerische Wirkung hatten.
Linossiartstory: Du hast Malerei studiert und bist bei der Licht-Kunst und Fotografie gelandet. Ich bin auf eine einzige Malerei bei Recherchieren im Netz gestoßen. Wenn man das Bild betrachtet, deutet es schon in die Richtung Licht – Schatten. Was war die Faszination, sich mit Lichtkunst auseinanderzusetzen?
Hermann Präg: In meinen frühen Kohlezeichnungen interessierte mich immer mehr die Restfläche, das weiße Papier. Ich versuchte sie durch den schwarzen Kontrast zum Leuchten zu bringen. Das setzte sich nach meinem Studium in den Malereien mit schwarzer Tinte fort. Das war eine intensive Zeit. Ich versuchte bis an die Grenze des Möglichen zu gehen. Es entstanden sehr kosmische Bilder. Ich war fasziniert vom unendlichen Raum. Leider endete diese Phase in einer Erschöpfung. Eine längere Pause des künstlerischen Schaffens war die Folge. Irgendwann suchte ich nach einer umgekehrten Arbeitsweise. Warum nicht gleich mit Licht arbeiten und das Dunkle ist einfach dann der Schatten? Es entstanden Lichtobjekte aus Leuchtstoffröhren, LEDs und Acrylglas. Ein schöner Erfolg war 2011 eine Lichtsäule, die im ZKM in Karlsruhe zu sehen war. 2008 entstand auch eine 20 Meter lange Lichtinstallation an der Herz-Jesu-Kirche in Bregenz. Über ein Jahr lang blitzte eine Lichtröhre in unregelmäßigen Abständen über Bregenz.
Linossiartstory: Zurück zu deinen Arbeiten in Anif. Immer wieder dieser Schwarzweiß Kontrast und man konnte an den Arbeiten nicht so vorbeimarschieren, man muss sich darauf einlassen. Es ist nie erkenntlich gewesen, was es war, schwarz: dominant und dann tauchen Formen auf, die sich in Licht tauchten. Was willst du mit diesen Kontrastformen aussagen?
Hermann Präg: Die Formen grenzen sich häufig von einem dunklen Hintergrund ab. Es geht also um eine Schwelle zwischen einem Hier und Dort, um eine Beziehung zu etwas anderem, zum ganz Anderen, dem nicht Bekannten, nicht Greifbaren. Der Philosoph Ernst Bloch würde sagen, es sei der Schritt vom Tatsächlichen zum Wirklichen. Für Ihn ist dort das „Noch-Nicht“, das „Noch-nie-Gewesen“. Es handelt sich um eine Selbstüberschreitung. Sie ist heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der die Welt immer mehr subjektiviert wird, brauchen wir wieder das Gegenüber, die Beziehung, die Anziehung.
Linossiartstory: Was bedeutet für dich der Begriff „Kunst“?
Hermann Präg: Das ist selbst – wenn ich sie nur auf meine Kunst beziehe – eine schwierige Frage. Für mich ist es die Arbeit mit Bildern. Ich brauche sie, weil ich mit der Sprache mich nicht gleichwertig ausdrücken kann. Vielleicht befinde ich mich gar in einem vorsprachlichen Bereich. Wörter werden sehr stark durch Konventionen bestimmt. In einem Bild kann ich mich davon befreien. Bilder können Entzugsstrukturen erzeugen. Sie haben keine vordergründige Mitteilung und es entsteht dadurch ein Vakuum. Ein Vakuum kann sehr anziehend wirken, ohne dem Betrachter gleich belehren zu wollen. Es wäre wichtig, dass wir uns diesem Vakuum immer wieder öffnen.
Linossiartstory: Fühlst du dich mit deiner Kunst verstanden?
Hermann Präg: Eigentlich selten. Meine Kunst schreit nicht, provoziert nicht und will nicht ständig auf sich aufmerksam machen. Ich arbeite autonom. Doch die autonome Kunst befindet sich in der Krise. Viele Künstler: innen stehen im Dienst einer bestimmten Haltung, um Teil einer sich abgrenzenden Peergroup zu sein. Andere verfolgen Strategien wie Irritation, Ironie und Subversion. Ihre Kunst bezieht sich immer auf Bestehendes. Sie schafft nicht mehr aus sich selbst heraus etwas Neues. Sie zirkuliert im großen Strom des Kunstbetriebes. Da nehme ich eine Außenseiterrolle ein.
Linossiartstory: Welche Erwartungen stellst du an eine Galerie, die deine neuen künstlerischen Ideen präsentieren soll?
Hermann Präg: Ich glaube, dass es Galerien nicht besonders leicht haben. Von einer Galerie würde ich gerne erwarten können, dass sie aus eigener Überzeugung Künstler: innen entdecken und ausstellen, dass sie sich für meine Ideen interessieren. Ich verstehe, wenn sie dieses Ideal nicht erfüllen können. Der Kunstbetrieb hat eben seine Gesetzmäßigkeiten. Problematischer sind Kuratoren, die ihre Konzepte mit den Werken verschiedener Künstler: innen dekorieren. Das erinnert mich an die Schulzeit, als der Lehrer ein Thema vorgab. Da stehen die Kuratorinnen und nicht die Kunstschaffenden im Vordergrund.
Mit mir würde eine Galerie sicher ein Wagnis eingehen, da mein künstlerischer Ansatz nicht dem allgemeinen Trend entspricht. Er ist vielmehr eine Reaktion darauf. Angesichts der heutigen Krisen wären Selbstüberschreitung, Anteilnahme und Sorge für das andere außerordentlich wichtig. Stattdessen begegnen wir selbstbezüglichen Systemen wie der Wirtschaft, des Kunstbetriebes, der Spaltungen, Polarisierungen, der Selbstgenügsamkeit und Selbstgefälligkeit.
Linossiartstory: Wir leben in einer virtuellen und zunehmend technisierten Welt. Wie ist dein Verhältnis zur virtuellen und technisierten Welt? Gibt es Vorbilder?
Hermann Präg: Da ich selbst die virtuelle Welt benutze bin ich vorsichtig mit einer Pauschalkritik. Sie bietet viele Chancen. Man sollte aber auch daran denken, dass sie zu Gesinnungsblasen führt. Man kann sich dort bekanntlich je nach Bedarf die „Fakten“ auswählen. Viele folgen wie Alice dem weißen Kaninchen und verlieren sich im Wunderland, weit abseits der realen Welt. Sie finden oft nicht mehr zurück. Der Film „Matrix“ zeigt, dass für viele Menschen die Traumwelt einfach schöner ist als die Wahrheit. Für letztere muss man kämpfen. Man muss die angenehmere Matrix verlassen. Matrix ist das lateinische Wort für Gebärmutter. Verlässt man sie nicht, verharrt man in einem embryonalen Zustand. Man wird von einem System bestens versorgt, ohne es zu kennen. Viele sehnen sich – wie im Film die Person Cypher – zurück in eine solche glückliche Bewusstlosigkeit. Diese beiden Geschichten stehen symbolisch für die heutige Anti-Aufklärung, dem reinen Subjektivismus.
Linossiartstory: Was macht für dich einen Künstler aus? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er mitbringen? Oder ist für dich, um es mit einem Ausspruch Joseph Beuys zu sagen, jeder Mensch ein Künstler?
Hermann Präg: Vielleicht hat jeder eine gewisse künstlerische Veranlagung. Um aber Künstler zu sein, braucht es mehr Intensität in der Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und mehr Reflexion über unser Dasein.
Linossiartstory: Welches sind deine nächsten künstlerischen Ziele? Wann und wo sind neue Ausstellungen geplant?
Hermann Präg: Derzeit bin ich gerade noch bei einer Mitgliederausstellung im Künstlerhaus in Bregenz beteiligt. In der Auseinandersetzung mit unserem Dasein macht mir auch das ewige Versagen der Klimakonferenzen großes Kopfzerbrechen. Aus dem Gefühl der Verzweiflung und Ohnmacht habe ich während der Vernissage vor Publikum eines meiner Bilder übersprüht. Das ist jetzt noch keine Aktionskunst, vielleicht auch – angesichts der jüngsten Aktionen der Last Generation – nicht besonders originell. Wenn eine iranische Frau auf die Straße geht, ist das auch nicht mehr originell, aber unglaublich wichtig. Vorerst sind von mir keine Ausstellungen geplant. Das versuche ich demnächst aber zu ändern.
Linossiartstory: Danke für das wunderbare Interview und die Einblicke in deinen Werdegang. Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit deinen interessanten Arbeiten.
Hermann Präg: Ich danke für das Interesse und deine Aufmerksamkeit!
Wie die Zeit vergeht, gerade noch war ein schöner Herbst und abrupt sind wir schon wieder in der Adventzeit. Nach zweijähriger Pandemie geht es heuer – zwar geprägt durch eine Wirtschafts- und Energiekrise – wieder etwas lockerer zu. Die Christkindlmärkte haben ihre Pforten geöffnet und laden zum gemütlichen Beisammensein bei den diversen Glühwein Ständeln ein, um die Krisenzeiten etwas zu vergessen.
In der von Kirche, Macht und Glaube geistig wie architektonischen Stadt Salzburg finden alljährlich zwei Mysterienspiele beachtliche Erfolge. Zum einen seit 100 Jahren der sommerliche Salzburger „Jedermann“ als Highlight der Salzburger Festspiele mit Mysterium des Todes und zum anderen seit nunmehr 75 Jahren sein winterliches Pendant, das „Salzburger Adventsingen“ im Großen Festspielhaus mit dem Mysterium vom Wunder der Geburt.
Heuer kann endlich wieder unter „Normalbedingungen“ (nach zwei Jahre Pandemie) das Traditionsbewusste und berühmte „Salzburger Adventsingen“ ohne Beschränkungen aufgeführt werden.
Ein kurzer Rückblick zur Entstehung des Salzburger Adventsingen. Es hat alles klein und bescheiden mit einer schlichten Gedenkfeier unter schwierigen Bedingungen begonnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 – die Welt lag wieder einmal in Trümmern – und allerorts ertönte „Nie wieder Krieg“! In diesem unermesslich großen Wunsch nach Frieden, gründete Tobi Reiser 1946 das Salzburger Adventsingen. Die Botschaft vom „Frieden den Menschen auf Erden, die guten Willens sind“ (LK 2,14) was bis heute Gültigkeit besitzt.
Gerda Gratzer, die neue Regisseurin übernahm die Schauspiel-Inszenierung und inszenierte ein wunderschönes Adventsingen, mit viel Musik und Gesang und so wurde es zu einem harmonischen Ganzen.
Salzburger Adventsingen 2022 im Großen Festspielhaus Salzburg
Probenfoto
Im Bild Julia Leckner als Erzählerin
Foto: Franz Neumayr 18.11.2022
„Schnee in Bethlehem!“ entführt in eine märchenhafte Geschichte die nach dem musikalischen Prolog mit „Es war einmal…“ beginnt und es ist eine uralte, von Generation zu Generation mündlich überlieferte Adventsgeschichte, in die uns die Erzählerin in Erinnerung an ihre Oma mitnimmt. Unzählige Male hat sie diese Geschichte beim Schlafengehen gehört. Jedes Mal klang sie ein wenig anders und wurde aus Omas Gedankenwelt mit fantasievollen Details angereichert. So war es einmal, dass vor über 2000 Jahren in Bethlehem ausgerechnet in jener Nacht der Geburt Christi nach langer Zeit wieder einmal Schnee vom Himmel fiel. Alles erstarrte in frostiger Kälte. Nur eine strahlend weiße Schneerose, auch „Christrose“ genannt, verkündete fortan neue Hoffnung, neues Leben.
Es ist eine großartige Inszenierung die Gerda Gratzer hier auf die Beine stellte. Mit großartigem Sänger*innen, Musikant*innen, Darstellern und Hirtenkinder, die ihr Bestes geben und das Publikum mit der Kraft der Stille und dem Mysterium der göttlichen Liebe im Innersten berühren werden.
Salzburger Adventsingen 2022 im Großen Festspielhaus Salzburg
Probenfoto
Im Bild die Hirtenkinder
Foto: Franz Neumayr 18.11.2022Salzburger Adventsingen 2022 im Großen Festspielhaus Salzburg
Probenfoto
Foto: Franz Neumayr 18.11.2022
Das Salzburger Adventsingen 2022 startet mit der Premiere am 25. November 2022 und läuft bis 11. Dezember 2022 im Großen Festspiel zu Salzburg.
Eine Natur- und Kultur- Beschreibung aus 20 Perspektiven
Foto: Christa Linossi
Ein Band der zur rechten Zeit – oder doch schon zu spät? – es auf den Buchmarkt geschafft hat.
Worum geht es in diesem Buch?
Es geht um den Wald der Alpen, der unzählige Facetten hat: Lebensraum, Ressource, Schutz, Erholungsraum und Fluchtpunkt. Dieses Buch berichtet über folgende Themen: Viel Raum für Wald, Holz für Lebensraum, Baum- und Artenreich, Was der Wald kann, Lebenssaft der Bäume, Heimisch in den Wäldern und vieles noch mehr…
Ein Buch, dass sich dem Alpenwald widmet und man muss genauer hinsehen, wenn man die Begriffe Alpen und Wald genau definieren will. Ich filtere ein paar interessante Passagen heraus: Zum Beispiel umfassen die Alpen eine Fläche von 190 700 Quadratkilometern, was deutlich mehr als der doppelten Gesamtfläche Österreichs entspricht und sind somit auch einer der größten Naturräume Europas. Die Alpen sind auch ein hervorragender Lebensraum für Bäume. Denn Bäume benötigen Wasser und Wärme, und beides bietet der Alpenraum.
Vorgestellt wird in dem Band auch der Artenreichtum von Bäumen und die prägenden Baumarten des Alpenwaldes. Es wird auch auf das Thema wie wichtig die Wälder für Mensch und Tier sind. Zum Beispiel Kohlendioxid, für den Menschen (Atem) ein Abfallprodukt und für die Blätter und Nadeln eine wertvolle Nahrung. Die Objektschutzwälder die die Infrastruktur vor Schäden durch Lawinen, Steinschlag und Muren schützen, werden in unserer Zeit für die Wetterextreme immer wichtiger.
Des Weiteren bringen die Autorinnen und Autoren uns den ungeheuren Schatz des Alpenraums aus vielen Perspektiven näher und machen deutlich, warum dessen Erhaltung für uns alle so wichtig ist. Michael Köhlmeier schließt den opulenten Band mit einer persönlichen Erzählung über seine Großmutter und eine ganz besondere Tanne.
Dieses Buch ist es wert zu lesen?
Vielfalt von Flora und Fauna sind auch die Protagonisten, die mit dem heimischen Holz arbeiten: zum Beispiel der Köhler, der die Energie des Waldes seit Jahrhunderten nutzbar machte, der Architekt, der mit den Hölzern dieses Waldes exzellenten modernen Wohnraum schafft oder Instrumentenbauer, der im Alpenwald klangvolle Hölzer findet und daraus Instrumente kreiert. Ein Buch das Alt und Jung genauso faszinieren kann und einen tiefen Einblick in unseren Alpenraum und Wald gibt.
Autorenportrait
Eduard Hochbichler, geboren 1958 in Gmunden, studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien. Nach seiner Tätigkeit bei den österreichischen Bundesforsten kehrt er dorthin zurück und arbeitet und lehrt am Institut für Waldbau. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der Entwicklung und Umsetzung innovativer Waldbautechniken und multifunktionaler Waldbewirtschaftungskonzepte. Er ist auch Berater zahlreicher nationaler und internationaler Institutionen im Bereich nachhaltiger Waldwirtschaft. Er lebt mit seiner Familie in Mödling bei Wien und im Salzkammergut.
Eduard Hochbichler ist gemeinsam mit Werner Meisinger der Herausgeber dieses Bandes.
Die KünstlerinWiebke Siem, eine deutsche Künstlerin (*1954 Kiel) wurde in den 90iger Jahren mit ihren raumgreifenden Installationen bekannt. Das Kunstmuseum Den Haag (NL) und das Museum der Moderne Salzburg zeigen mit dieser Präsentation die jeweils erste Einzelausstellung der Künstlerin in den Niederlanden und in Österreich. Auch das Kunstmuseum Bonn wird der Künstlerin eine Einzelausstellung widmen.
Das Maximale Minimum ist ein Überblick der plastischen Arbeiten der Künstlerin, von Beginn der 1980er Jahre bis heute. Es ist eine Inszenierung einer Raumfolge zwischen Installation und Bühnenbild. Eine Formsprache und präsentationsweise, die auf den Kontext ethologischer Sammlungen darauf hinweisen.
Betritt man den ersten Raum, ist man überrascht und erstaunt, welche Objekte
einem hier begegnen. Im Hintergrund taumeln von der Decke Objekte, mit hängenden Armen, jedoch nicht nur mit Armen, sondern auch Spazierstöcke baumeln an den „Körpern“. Als Kopf dienen Vasen, Schneidbrett und sonstiges Utensil. Es ist eine interessante Installation und man könnte „Geschichten“ dazu erzählen. Eine Skulptur, die wie eine Trommelkabelrolle aussieht, jedoch befindet sich am Ende der Rolle, ein Fuß und am Anfang schleifen Hände sich durch den Raum. Ein geschlauchter „Zwerg“ chillt in einem Stuhl und wartet darauf, vom Museums-Besucher betrachtet zu werden.
Betritt man den nächsten Raum der Ausstellung, sticht einem eine Kücheneinrichtung aus den 60iger Jahren mit einem Riesenbildschirm als weibliche Skulptur umgewandelt entgegen. Es hat etwas Skurriles. Wollten Sie nicht auch schon immer einen Lampenschirm?? Beim Lunch oder Dinner etwas beengt, würden die Füße doch den Teller berühren.
von einer Skulptur umschlungen? Nein nicht umschlungen, bei genauer Betrachtung trägt sie auch Schuhe und sie liegt fix und fertig von der getanen Näharbeit über der Maschine. Hier ist die Symbolik wiederum den Frauen zugeschrieben.
Der letzte Raum dieser Ausstellung verbirgt interessante Installationen, wo auch der Besucher, die Besucherin selbst Hand an den Kunstwerken anlegen kann.
Es liegen Teile von Gegenständen, wie Arme, Spazierstöcke, Beine mit Schuhen usw. am Boden und warten darauf, dass der Besucher, die Besucherin sie in die Hand nimmt und ihre eigene Installation kreiert, in dem sie die Gegenstände an die vorgesehenen Ketten einhackt. Die Gegenstände sind aus Holz. Es ist ein kreativer Ansatz wo Besucher: innen interaktiv mitwirken können.
So betrachtet, wurden aus Alltagsdingen wie Kleiderstücke, Schuhe, Möbelstücke, häuslich konnotierten Gegenständen und Materialien usw. So entstanden marionettenartigen Figuren als psychologisch aufgeladene wie beklemmende oder humorvolle Installationen, die jedoch auch Fragen nach gesellschaftlichen Rollenbildern aufwerfen.
Die Ausstellung ist sehenswert. Die Ausstellung läuft bis 12. März 2023
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.