HERMANN PRÄG – Selbstreflexion

Ich lernte Hermann Präg den Maler, Licht- und Objektkünstler, Fotograf in Anif 2022 bei seiner Ausstellung kennen.

Künstler Hermann Präg / Foto: © Alexander Präg

Seine Bilder, die er in Anif ausstellte, gaben einen tiefen Einblick in das Innere, aber reflektierten auch wieder einen Blick nach außen. Es waren Arbeiten, wo das SCHWARZ dominierte und wo sich immer wieder helle Flächen und Formen in den Vordergrund schieben.

„Plan“ Hermann Präg

Für mich Grund genug, mit dem Künstler ein Interview zu starten!

Linossiartstory: Hermann du bist Vorarlberger und du hast am Mozarteum in Salzburg bei Prof. Peter Prandstetter Malerei studiert. Meine Frage was war der Impuls, überhaupt einen Pinsel in die Hand zu nehmen und als Vorarlberger in Salzburg zu studieren?

Hermann Präg: Ich kann mich in meinem Leben kaum an eine längere Phase erinnern, in der ich mich nicht mit Pinsel oder Farbe beschäftigt habe. Schon in meiner frühen Kindheit habe ich damit begonnen. Es waren nicht immer die üblichen Zeichnungen, die man sich von einem Kind erwartet. Ich habe gekleckst, aber manches einfach nur kopiert – auch Comics. Trotz meinem intensiven Hang zum Bildermachen habe ich die Handelsakademie besucht. Damals habe ich viele meiner Klassenmitglieder porträtiert. Ahnungslos habe ich die Aufnahme im Mozarteum versucht und bin gescheitert. Beim zweiten Versuch wurde ich dann in der Malereiklasse von Prof. Peter Prandstetter aufgenommen. Bei Prof. Matthias Herbst schrieb ich die Diplomarbeit über die Kunst der Hopi und Navajo. Ich war begeistert von der Spiritualität ihrer Plastiken und Malereien.

Linossiartstory: Wann begann das Interesse für die Bildende Kunst und gab es jemanden, der den entscheidenden Input gab?

Hermann Präg: Erst durch die Begegnung mit dem großartigen Vorarlberger Künstler Armin Pramstaller kam ich auf gute Bahnen. Ohne ihn wäre auch mein zweiter Versuch am Mozarteum gescheitert. Er war ein außerordentlicher Druckgrafiker, der mir mit wenigen aber guten Hinweisen weiterhalf. Durch ihn habe ich mit Schwarz-Weiß-Arbeiten begonnen. Es waren Kohlezeichnungen, die aber eine stark malerische Wirkung hatten.

Linossiartstory: Du hast Malerei studiert und bist bei der Licht-Kunst und Fotografie gelandet. Ich bin auf eine einzige Malerei bei Recherchieren im Netz gestoßen. Wenn man das Bild betrachtet, deutet es schon in die Richtung Licht – Schatten. Was war die Faszination, sich mit Lichtkunst auseinanderzusetzen?  

Hermann Präg: In meinen frühen Kohlezeichnungen interessierte mich immer mehr die Restfläche, das weiße Papier. Ich versuchte sie durch den schwarzen Kontrast zum Leuchten zu bringen. Das setzte sich nach meinem Studium in den Malereien mit schwarzer Tinte fort. Das war eine intensive Zeit. Ich versuchte bis an die Grenze des Möglichen zu gehen. Es entstanden sehr kosmische Bilder. Ich war fasziniert vom unendlichen Raum. Leider endete diese Phase in einer Erschöpfung. Eine längere Pause des künstlerischen Schaffens war die Folge. Irgendwann suchte ich nach einer umgekehrten Arbeitsweise. Warum nicht gleich mit Licht arbeiten und das Dunkle ist einfach dann der Schatten? Es entstanden Lichtobjekte aus Leuchtstoffröhren, LEDs und Acrylglas. Ein schöner Erfolg war 2011 eine Lichtsäule, die im ZKM in Karlsruhe zu sehen war. 2008 entstand auch eine 20 Meter lange Lichtinstallation an der Herz-Jesu-Kirche in Bregenz. Über ein Jahr lang blitzte eine Lichtröhre in unregelmäßigen Abständen über Bregenz.

Linossiartstory: Zurück zu deinen Arbeiten in Anif. Immer wieder dieser Schwarzweiß Kontrast und man konnte an den Arbeiten nicht so vorbeimarschieren, man muss sich darauf einlassen. Es ist nie erkenntlich gewesen, was es war, schwarz: dominant und dann tauchen Formen auf, die sich in Licht tauchten. Was willst du mit diesen Kontrastformen aussagen?

Hermann Präg: Die Formen grenzen sich häufig von einem dunklen Hintergrund ab. Es geht also um eine Schwelle zwischen einem Hier und Dort, um eine Beziehung zu etwas anderem, zum ganz Anderen, dem nicht Bekannten, nicht Greifbaren. Der Philosoph Ernst Bloch würde sagen, es sei der Schritt vom Tatsächlichen zum Wirklichen. Für Ihn ist dort das „Noch-Nicht“, das „Noch-nie-Gewesen“. Es handelt sich um eine Selbstüberschreitung. Sie ist heute wichtiger denn je. In einer Zeit, in der die Welt immer mehr subjektiviert wird, brauchen wir wieder das Gegenüber, die Beziehung, die Anziehung.

Linossiartstory: Was bedeutet für dich der Begriff „Kunst“?

Hermann Präg: Das ist selbst – wenn ich sie nur auf meine Kunst beziehe – eine schwierige Frage. Für mich ist es die Arbeit mit Bildern. Ich brauche sie, weil ich mit der Sprache mich nicht gleichwertig ausdrücken kann. Vielleicht befinde ich mich gar in einem vorsprachlichen Bereich. Wörter werden sehr stark durch Konventionen bestimmt. In einem Bild kann ich mich davon befreien. Bilder können Entzugsstrukturen erzeugen. Sie haben keine vordergründige Mitteilung und es entsteht dadurch ein Vakuum. Ein Vakuum kann sehr anziehend wirken, ohne dem Betrachter gleich belehren zu wollen. Es wäre wichtig, dass wir uns diesem Vakuum immer wieder öffnen.

Linossiartstory: Fühlst du dich mit deiner Kunst verstanden?

Hermann Präg: Eigentlich selten. Meine Kunst schreit nicht, provoziert nicht und will nicht ständig auf sich aufmerksam machen. Ich arbeite autonom. Doch die autonome Kunst befindet sich in der Krise. Viele Künstler: innen stehen im Dienst einer bestimmten Haltung, um Teil einer sich abgrenzenden Peergroup zu sein. Andere verfolgen Strategien wie Irritation, Ironie und Subversion. Ihre Kunst bezieht sich immer auf Bestehendes. Sie schafft nicht mehr aus sich selbst heraus etwas Neues. Sie zirkuliert im großen Strom des Kunstbetriebes. Da nehme ich eine Außenseiterrolle ein.

Linossiartstory: Welche Erwartungen stellst du an eine Galerie, die deine neuen künstlerischen Ideen präsentieren soll?

Hermann Präg: Ich glaube, dass es Galerien nicht besonders leicht haben. Von einer Galerie würde ich gerne erwarten können, dass sie aus eigener Überzeugung Künstler: innen entdecken und ausstellen, dass sie sich für meine Ideen interessieren. Ich verstehe, wenn sie dieses Ideal nicht erfüllen können. Der Kunstbetrieb hat eben seine Gesetzmäßigkeiten. Problematischer sind Kuratoren, die ihre Konzepte mit den Werken verschiedener Künstler: innen dekorieren. Das erinnert mich an die Schulzeit, als der Lehrer ein Thema vorgab. Da stehen die Kuratorinnen und nicht die Kunstschaffenden im Vordergrund.

Mit mir würde eine Galerie sicher ein Wagnis eingehen, da mein künstlerischer Ansatz nicht dem allgemeinen Trend entspricht. Er ist vielmehr eine Reaktion darauf. Angesichts der heutigen Krisen wären Selbstüberschreitung, Anteilnahme und Sorge für das andere außerordentlich wichtig. Stattdessen begegnen wir selbstbezüglichen Systemen wie der Wirtschaft, des Kunstbetriebes, der Spaltungen, Polarisierungen, der Selbstgenügsamkeit und Selbstgefälligkeit.

Linossiartstory: Wir leben in einer virtuellen und zunehmend technisierten Welt. Wie ist dein Verhältnis zur virtuellen und technisierten Welt? Gibt es Vorbilder?

Hermann Präg: Da ich selbst die virtuelle Welt benutze bin ich vorsichtig mit einer Pauschalkritik. Sie bietet viele Chancen. Man sollte aber auch daran denken, dass sie zu Gesinnungsblasen führt. Man kann sich dort bekanntlich je nach Bedarf die „Fakten“ auswählen. Viele folgen wie Alice dem weißen Kaninchen und verlieren sich im Wunderland, weit abseits der realen Welt. Sie finden oft nicht mehr zurück. Der Film „Matrix“ zeigt, dass für viele Menschen die Traumwelt einfach schöner ist als die Wahrheit. Für letztere muss man kämpfen. Man muss die angenehmere Matrix verlassen. Matrix ist das lateinische Wort für Gebärmutter. Verlässt man sie nicht, verharrt man in einem embryonalen Zustand. Man wird von einem System bestens versorgt, ohne es zu kennen. Viele sehnen sich – wie im Film die Person Cypher – zurück in eine solche glückliche Bewusstlosigkeit. Diese beiden Geschichten stehen symbolisch für die heutige Anti-Aufklärung, dem reinen Subjektivismus.

Linossiartstory:  Was macht für dich einen Künstler aus? Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er mitbringen? Oder ist für dich, um es mit einem Ausspruch Joseph Beuys zu sagen, jeder Mensch ein Künstler?

Hermann Präg: Vielleicht hat jeder eine gewisse künstlerische Veranlagung. Um aber Künstler zu sein, braucht es mehr Intensität in der Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten und mehr Reflexion über unser Dasein.

LinossiartstoryWelches sind deine nächsten künstlerischen Ziele? Wann und wo sind neue Ausstellungen geplant?

Hermann Präg: Derzeit bin ich gerade noch bei einer Mitgliederausstellung im Künstlerhaus in Bregenz beteiligt. In der Auseinandersetzung mit unserem Dasein macht mir auch das ewige Versagen der Klimakonferenzen großes Kopfzerbrechen. Aus dem Gefühl der Verzweiflung und Ohnmacht habe ich während der Vernissage vor Publikum eines meiner Bilder übersprüht. Das ist jetzt noch keine Aktionskunst, vielleicht auch – angesichts der jüngsten Aktionen der Last Generation – nicht besonders originell. Wenn eine iranische Frau auf die Straße geht, ist das auch nicht mehr originell, aber unglaublich wichtig. Vorerst sind von mir keine Ausstellungen geplant. Das versuche ich demnächst aber zu ändern.

Linossiartstory:  Danke für das wunderbare Interview und die Einblicke in deinen Werdegang. Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit deinen interessanten Arbeiten.

Hermann Präg: Ich danke für das Interesse und deine Aufmerksamkeit!

https://praeg-lichtkunst.at/