GROSSE OPER – VIEL THEATER

Hofstallgasse, Festspielbezirk Salzburg – © Freda Fiala

Anlässlich des Großprojekts „Festspielbezirk 2030“ bringt die Initiative Architektur eine viel beachtete Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums zu europäischen Bühnenbauten nach Salzburg.

Lukas Crepaz (Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele)und Roman Höllbacher (Leiter der Initiative Architektur) © SF/Jan Friese

„Große Oper – Viel Theater“ Wo und was ist die Handlung?

Es geht hier um eine ursprünglich zur Diskussion über die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt und entwickelte Ausstellung „GROSSE OPER – VIEL THEATER“ die die europäischen Projekte der letzten Jahre vergleicht. Darunter sind Sanierungen historischer Anlagen ebenso wie spektakuläre Neubauten, die in manchen Fällen auch einen städtebaulichen Akzent gesetzt haben.

Dam Ausstellung Große Oper – Viel Theater? – © Moritz Bernoully

Die Projekte wurden sachlich aufbereitet und es wurden Fakten zu Größen, Kosten und Projektlaufzeiten verglichen.

Sie werden sich jetzt fragen, warum wurde diese Ausstellung nach Salzburg geholt und inwiefern könnte es die Salzburger Bevölkerung interessieren, was in europäischen Opernhäusern oder Theaters passiert?

Diese Ausstellung wurde deshalb nach Salzburg gebracht um das Projekt „Festspielbezirk 2030“ zu erweitern und um die entsprechenden Fakten zu ergänzen.

Da in Salzburg eine große Generalsanierung des Großen Festspielhaus ansteht, will man möglichst gute Vergleichsparameter mit den europäischen Projekten damit erzielen.

Visualisierung – © Jabornegg & Palffy

Insofern ist die Ausstellung auch für die Salzburger Bevölkerung wieder interessant geworden, denn es geht bei diesem Thema um Architektur, Denkmalpflege, Kunst und Kulturgeschichte bis hin zu Fragen der Logistik und der Nachhaltigkeit.

Das Projekt Festspielbezirk 2030 wurde schon im Laufe der Zeit immer wieder adaptiert, so die Felsenreitschule (zuletzt 2011, Architekturbüro HALLA 1) und das alte Festspielhaus (heute: Haus für Mozart, 2006, Holzbauer & Irrsberger und Hermann & Valentiny). Letzteres völlig neu gebaut, bleibt somit das Große Festspielhaus des Architekten Clemens Holzmeister, von marginalen Veränderungen abgesehen, seit seiner Eröffnung im Jahr 1960 unangetastet. Jedoch sind die Folge wie bühnen- und veranstaltungstechnischen Anlagen, sowie die Haustechnik und die Anforderungen eines modernen Konzert- und Festivalbetriebs längst am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Deshalb sind die zentralen Aspekte des Projekts die Behebung des eklatanten Mangels an Nutzflächen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsbereichen, die Modernisierung der technischen Ausstattung und die Neuorganisation der logistischen Abläufe innerhalb des Festspielbezirks notwendig.

Visualisierung – © jaborneggpalffy

So wurde für die gestalterische Ausprägung dieser komplexen Aufgabe Ende 2021 ein EU-weites Bewerbungsverfahren ausgeschrieben. 15 Architekturbüros mit einschlägigen Erfahrungen im Bereich des Theaterbaues wurden eingeladen. Als Sieger ging einschlägig das Projekt des österreichischen Architekturbüros Jabornegg & Pálffy hervor. Ihr Konzept beruht auf einem möglichst reduzierten Eingriff in den Felsen des Mönchsbergs und einer optimalen Organisation der funktionsbedingten Abläufe. Bei Laufendem Betrieb soll der Umbau 2025 starten und 2030 abgeschlossen sein.

Yorck Förster (Kurator), Mario Lorenz (Ausstellungsgestaltung), Andrea Jürges (Kuratorin), Lukas Crepaz (Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele) und Roman Höllbacher (Leiter der Initiative Architektur) – © SF/Jan Friese

Zu berücksichtigen galt auch, dass der Festspielbezirk seit 1997 unersetzbarer Bestandteil des UNESCO Welterbe Salzburg ist.

Projekte der Ausstellung werden in drei Themen unterteilt (von europäischen Kulturstätten) und präsentiert: Sanierungen, Neubauten und Stadtentwicklung.

Des Weiteren gibt es parallel zu dieser Ausstellung auch ein Rahmenprogramm siehe unter: https://initiativearchitektur.at/

Eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main. Die Kuratoren der Ausstellung sind Andrea Jürges und Yorck Förster.
Ausstellungsgestaltung von Mario Lorenz.

In Kooperation mit den Salzburger Festspielen.

Der bedeutendste BAUMEISTER des europäischen Barock –

Johann Bernhard FISCHER VON ERLACH

Johann Bernhard Fischer von Erlach ein Meisterwerk die Kollegien Kirche in Salzburg Foto: © Rudi Gigler

Johann Bernhard FISCHER VON ERLACH (*1656 in Graz und +1723 in Wien) war einer der bedeutendsten Baumeister des europäischen Barocks.

Zum 300. Todestag von Johann Bernhard Fischer von Erlach, nimmt das Salzburg Museum in Zusammenarbeit mit dem Wien Museum, eine großangelegte Ausstellung und präsentiert das faszinierende vielfältige Werk des großartigen Architekten.

Die Baukunst des europäischen Barocks ist ohne Johann Bernhard Fischer von Erlach nicht vorstellbar. Mit Bauten wie der Kollegienkirche in Salzburg, der Hofbibliothek und der Karlskirche in Wien schuf er Ikonen der Architektur, die schon zu Lebzeiten seinen Ruhm in Buchform in ganz Europa verbreitete, wurde Fischer von Erlach zu einem Weltarchitekten des Barock.

Ausstellungsansicht Fischer von Erlach im Salzburg Museum Foto: © Christa Linossi

Die in den Ausstellungen befindlichen Exponate stammen aus den reichhaltigen Beständen der beiden Partnermuseen, ergänzt um zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus österreichischen und internationalen Sammlungen. Inszeniert wird die Schau des österreichischen Künstlers (Bildhauer) Werner Feiersinger, der diese Ausstellung aus dem Blickwinkel eines Bildhauers zeigt. Zeichnungen, Stiche, Gemälde, Modelle und Fotografien, die Feiersinger selbst angefertigt hat, machen Fischers wichtige Bauten und Projekte anschaulich und vermitteln die Aktualität seines künstlerischen Denkens zwischen Körper, Raum und Bild. Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Salzburger Bauten, mit denen er das Gesicht der Stadt wie kein zweiter Architekt prägte.

2019 haben das Wien Museum und das Salzburg Museum bereits begonnen, gemeinsam ein kuratorisches Konzept zu entwickeln, um im Jubiläumsjahr 2023 in spezifischer Weise auf den jeweils herausragenden Stellenwert Fischer von Erlachs für das baukulturelle Erbe in Salzburg und in Wien zu reagieren.

Das Zusammenwirken der beiden Museen erweist sich als schlüssig, als Fischer von Erlach im Gegensatz zu den meisten großen europäischen Hofarchitekten seiner Generation über einen längeren Zeitraum parallel für zwei Dienstherren arbeitete. In Wien für den kaiserlichen Hof der Habsburger, und in Salzburg für den Hof des Fürsterzbischofs. Das Ziel der Ausstellung war, trotz ortspezifischer Schwerpunktsetzungen Fischer von Erlach als Gesamtphänomen begreifbar zu machen und sein Wirken aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Ausstellungsansicht Johann Bernhard Fischer von Erlach Salzburg Museum Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellungen in Wien und Salzburg möchten auch Fischers Gestaltungswillen in seiner Innovationskraft und seiner Universalität zum Ausdruck bringen, wo auch ein prägender Einfluss von Fischer, nach seinem langjährigen Aufenthalt in Italien, auf seine Architekturauffassung innehat und sichtbar wird.

Fischer von Erlach hat das Stadtbild von Salzburg wesentlich geprägt und innerhalb weniger Jahre, zwischen 1694 und 1709, konnte er im Auftrag von Erzbischof eine ganze Reihe hochrangiger Projekte realisieren und mit der Kollegienkirche die berühmte, von mittelalterlich und frühbarocken Bauten bestimmter Silhouette der Stadt durch eines seiner Hauptwerke vervollständigen. In Wien, wo er bis zu seinem Tode lebte, musste Fischer dagegen häufig auf die Gunst seiner Auftraggeber werben und selbst als Oberinspektor aller kaiserlichen Hof- und Lustgebäude (1705) noch am Wettbewerb um die Karlskirche teilnehmen.  

In Salzburg erhielt er vom Salzburger Erzbischof eine Reihe der bedeuteten Aufträge von fünf Kirchen – Dreifaltigkeitskirche und das Priesterhaus, Kollegienkirche, Ursulinenkirche, Johannesspitalkirche und die Wallfahrtskirche Maria Kirchental bei Lofer. Für die Franziskanerkirche entwarf Fischer einen neuen Hochaltar. Auch das Portal des Hofmarstalls, das Hoyos-Stöckl und das Schloss Kleßheim gehen auf seine Entwürfe zurück. Als Erzbischof Johann Ernst 1709 starb, war auch Fischers Tätigkeit beendet. Ein geplantes Stichwerk mit den Salzburger Aufträgen kam nicht mehr zustande.

Furtwängler Park Kollegienkirche von der Rückseite Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellung ist in fünf Kapiteln aufgeteilt: Von Rom Lernen, Casinos und Lustgebäude, Die Welt im Blick, Im kaiserlichen Wien.

Nachdem mich die Kollegienkirche immer wieder fasziniert, will ich auf dieses Bauwerk gerne noch kurz eingehen:

Es ist die bedeutendste Barockkirche Mitteleuropas mit ihren strengen Formen des Kirchenschiffs, das schmucklose Weiß der Raumschale ermöglichen eine absolute Konzentration auf die Architektur. Erst hinter den beiden mächtigen Säulen des Altarraums löst sich die klassische Strenge auf in ein verspieltes Barock. Als Frauenkirche befindet sich ihr Zentrum genau unter der Kuppel, dort verbinden sich Himmel und Erde, die vertikale und horizontale Energie des Raumes. Wer dort steht, kann es spüren. Vom Architekten und vom Bauherrn als Ort der Weisheit geschaffen, lädt die Kollegienkirche auch immer wieder zum Dialog der verschiedenen Künste mit dem Göttlichen, dessen Funke die Welt durchdringt ein.

Johann Bernhard Fischer von Erlach Hochaltar der Kollegienkirche, Salzburg, 2021, Farbfotografie, © Werner Feiersinger

Die Ausstellung läuft im Salzburg Museum bis zum 08.10.2023

Die Ausstellung im Wien Museum wird erst ab 1. Februar 2024 in einer adaptierten Version zur Wiedereröffnung des Wien Museum am Karlsplatz zu sehen sein.

STEPPING OUT!

Chinese Contemporary ART im MdM Salzburg

Das Museum der Moderne in Salzburg, macht mit der Ausstellung STEPPING OUT! ein Up Date in der zeitgenössischen Kunst Chinas.

Luo Yang aus der Serie „Girls“ 2018-16 Foto: © Lua Yang

Es ist nicht die erste China Ausstellung, aber die erste Ausstellung von 26 Künstlerinnen, die sowohl Pionierinnen als auch junge, kaum bekannte Positionen mit mehr als hundert Werken aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Performance und Installation auf zwei Aufstellungsebenen präsentiert werden. Ziel dieser Ausstellung ist es, das eklatante Ungleichgewicht in der Sichtbarkeit weiblicher Künstlerinnen aus China zu korrigieren und auf die enorme Vielfalt und Relevanz ihres künstlerischen Schaffens zu verweisen.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg

Ich mache einen Rückblick ins Jahr 2007. Da wurde im MdM Salzburg MAHJONG chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg gezeigt. China wurde einer der größten Global Player und versuchte hier auch den Sprung in die Kunst. Die rote Gefahr, die gelbe Hände hatte – und ihr großer „Steuermann“ war Mao Zedong (1893-1976). Doch Maos Herrschaft war gekennzeichnet durch Gewalt, Terror und Rechtlosigkeit. Der „Große Vorsitzende“ brachte das Reich der Mitte an den Rand des Abgrunds. Es gab nur Kunst für das Regime. Etwa vor 25 Jahren gelang es der Kunst, sich langsam vom Druck des Regimes zu befreien. Wer eigene Wege ging, galt als Untergrundkünstler. 1989, nach der blutigen Niederschlagung von Studentenprotesten auf dem Tiananmen-Platz des Himmlischen Friedens, setzten sich die Künstler immer kritischer mit ihrem Land und ihrer Tradition auseinander. Aber die Künstlerinnen blieben noch immer im unsichtbaren Hintergrund. In der Ausstellung MAHJONG stellten nur männliche Künstler aus. Zu dieser Ausstellung gab es auch ein internationales Symposium zum Thema „Chinas Kunst, zwischen Aufbruch und Kommerz“. Auf dieser Ebene wurden Themen wie die historische Verknüpfung zwischen China und Europa, die Globalisierung, die Entwicklung chinesischer Gegenwartskunst und die Frage „Was bleibt vom Hype?“ referiert und diskutiert.

Sun Shaokun, No Land II, 2010 aus der Serie „Bow and Rebuke – No Land“ Courtesy of Sun Shaokun Foto: © Sun Shaokun

Zurück in die Gegenwart! Die Ausstellung STEPPING OUT! ist eine Kooperation mit dem Lillehammer Kunstmuseum und Kunstforeningen GL Strand entstandene erste Ausstellung seit 25 Jahren, die einen umfassenden Überblick über die zeitgenössische künstlerische Produktion von Frauen aus Festlandchina gibt.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg

Es treten chinesische Künstlerinnen bereits seit den späten 1980er- Jahren mit offener und mitunter provozierender Haltung aus dem Schatten ihrer männlichen, die chinesische Gegenwartskunst dominierenden Kollegen, heraus. Sie fordern Gleichberechtigung, stellen traditionelle Rollen und Repräsentationsformen infrage und brechen Tabus, um aktuelle Gesellschaftsfragen selbstbewusst in die Öffentlichkeit zu tragen.  Das Museum der Moderne will somit den chinesischen Künstlerinnen eine Bühne bieten, um ihren vielfältigen Stimmen Gehör zu verschaffen und ihre Sichtbarkeit zu verstärken; dies insbesondere in Anbetracht dessen, dass sich zurzeit, nach vier Jahrzehnten zunehmender Öffnung und vorsichtiger Liberalisierung die Anzeichen mehren, dass sich China auf dem Weg in eine totalitäre Dystopie (Eine Dystopie ist eine meist in der Zukunft spielende Erzählung, in der eine erschreckende oder nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung dargestellt wird.) befindet.

Cao Yu Skulptur mit bissigem Humor und hämischer Kritik überkommene männlichen Erwartungen gegenüber weiblichen Rollen Foto:© Christa Linossi

Die Arbeiten der jüngsten Künstlerinnen sind dementsprechend radikal und widerständig. Sie zeigen Selbstverletzung, Wut und Ohnmacht, weibliche Sexualität, Mutterschaft, sexuelle Orientierung und Widerstand.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg
Liu Xi, Our God is Great, 2018-21 45 teilige Installation, Tapete, Porzellan, Eisenpulver Foto: © Liu Xi

Die Künstlerin Liu Xi, ebenfalls in der Ausstellung vertreten, ist auch als Kuratorin tätig gewesen in Zusammenarbeit mit dem weiteren Kurator: innen: Christina Penetsdorfer (Museum der Moderne Salzburg), Nils Ohlsen (Lillehammer Kunstmuseum) und Feng Boyi (Peking).

von li nach re: Kurator: innen: Christina Penetsdorfer (MdM Salzburg), Feng Boyi (Peking), Liu Xi (Shanghai) und Künstlerin Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Juni 2023

https://www.museumdermoderne.at/ausstellungen/detail/stepping-out-female-identities-in-chinese-contemporary-art/

BODO HELL                 

und die Literaturtage in Rauris 2023 sind schon wieder Geschichte!

Rauriser Literaturtage 2023 – Bodo Hell – Foto: © Christa Linossi

Eine Fahrt ins Rauris Tal lohnt sich immer wieder, allein schon wegen seiner 20 schönsten Gipfel rund um Rauris.

Rauris und seine Berge Foto: © Christa Linossi

Aber man fährt nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch einmal im Jahr wegen den Literaturtagen ins Rauris. Heuer fanden die 52. Literaturtage mit dem Thema „Aus dem Rahmen“ statt.

Es ist nichts „Aus dem Rahmen“ gefallen, diesmal gab es keine Beschränkungen, keine Pandemie und sonstige Nachteile. Es war wieder ein Zusammentreffen der Autoren und Autorinnen, der Veranstalter, des Publikums und der vielen Diskussionen rund um die Literatur.

Warum „Aus dem Rahmen“ das Motto für die Rauriser Literaturtage 2023? Aus der Sicht des Intendanten-Duo Ines Schütz und Manfred Mittermayer der beiden langjährigen Verantwortlichen für die Literaturtage wurden zuletzt viele Selbstverständlichkeiten durch Ereignisse wie die Pandemie und den Krieg in der Ukraine ins Wanken gebracht. Eine Motivation dazu, darüber nachzudenken, wie damit umzugehen ist, wenn einzelne Personen und Lebensmuster „aus dem Rahmen fallen“. Mentale und technologische Veränderungen unseres Zusammenlebens sind seit längerem im Gang und haben die Rahmenbedingungen für unsere Existenz erkennbar verschoben. Dazu gehören Phänomene wie die Globalisierung und die Digitalisierung, aber auch die Frage nach der Abgrenzbarkeit individueller Identität.

Die besten Gedanken dazu, hatte Bodo Hell, der es kurz und knackig in einer lustigen Anekdote – während dem Gespräch mit Mittermayer – dem Publikum präsentierte.

Rauriser Literaturtage 2023 Manfred Mittermayer im Gespräch mit Bodo Hell – Foto: © Christa Linossi

Für mich, war bei den heurigen Literaturtagen in Rauris, Schwerpunkt Bodo Hell, denn ich unbedingt, auch aus privaten Gründen, im Gespräch „sage und schreibe“ mit Manfred Mittermayer hören wollte. Es war ein Gespräch über Literatur. Kein Autor ist so sehr mit der Geschichte der Rauriser Literaturtage so verbunden wie Bodo Hell. Er war der erste Preisträger des Rauriser Literaturpreises 1972 und war insgesamt zehn Mal Gast bei den Literaturtagen. Anlass dieses Gespräches, war der 80. Geburtstags (15. März 2023) von Bodo Hell, der sehr viele interessante Details aus seinem Leben und seinem Kunstschaffen preisgab. Er gab Auskunft über die Literatur, die für sein eigenes Schreiben prägend gewesen sind. Es gab dann auch noch einen Ausschnitt aus einem neuen Dokumentarfilm von Carola Mair, die Bodo Hells Schaffen neu porträtierte.

Seine Literatur ist zeitgenössisch, er hinterfragt ständig die Geschichte der Religion und hat mit Landschaft und Berge sehr wenig zu tun. Obwohl er wieder im Sommer, es wird sein 45. Almsommer auf der Grafenbergalm im steirischen Dachsteingebiet. Wo er wieder als Halter und Senner Rinder, einige Pferde und Ziegen auf einer Almfläche von ca. 1300 Hektar betreuen wird. Als Senner produziert er auch in mühevoller Handarbeit einen begehrten Ziegenkäse. Er ist hier nicht nur Senner, sondern nebenbei ist er auch Schriftsteller und die vielen Gedanken, die ihm hier bei der Almarbeit durch den Kopf jagen, bringt er abends dann zu Papier. Diese Alm ist für ihn wichtig, hier kann er vom Großstadtgetriebe Abstand nehmen, seine Neugierde herausfordern und wieder neues entstehen lassen.

Bodo Hell ist ein vielseitiger Autor und Performer und mit seinen 80 Jahren kein bisschen leiser, im Gegenteil ein quicklebendiger, der körperlich und geistig gut drauf ist, wie ein Junger. Einfach beachtenswert. Aber seine Devise ist auch: „Beweglich bleiben im Geist und mit dem Körper, die Neugierde nicht verlieren und solange seine Schuhe gehen, wird auch er die nächsten 20 Jahre gehen“. Das nenne ich eine absolut gute Einstellung.  

Bodo Hell geboren 1943 in Salzburg, lebt in Wien und am Dachstein
Prosa (intertextuell und der Faktizität verpflichtet), Radio, Theater, Schrift im öffentlichen Raum, Text-Musik-Performances, Essais zur bildenden Kunst, Fotos, Film, Ausstellungen, Almwirtschaft.

https://www.bodohell.at/

Sein neuestes Buch „Begabte Bäume“ hier bewegt man sich konkret durch Österreichs Natur- und Kulturräume. Seine Texte kommen flink und leichtfüßig daher; verknüpfen botanisches Wissen mit historischem und kulturgeschichtlichem. ISBN: 9783990591307 erschienen im Literaturverlag Droschl. https://www.droschl.com/

Tannhäuser

Osterfestspiele Salzburg 2023

Richard Wagner (1813–1883)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Romantische Oper in drei Akten
Dichtung vom Komponisten

»Tannhäuser« – Tänzerinnen und Tänzer von BODHI PROJECT und SEAD Salzburg © Monika Rittershaus

Ich hatte die Gelegenheit bei den Proben von „Tannhäuser“ dabei zu sein. Ich schreibe über Opern sehr selten, ich bin keine Opernexpertin. Aber was reizte mich, eine der schwierigsten Opern von Richard Wagner, doch anzusehen und bei den Proben dabei zu sein? Es war das Bühnenbild und die Inszenierung, die mich in den Bann zogen.

„Tannhäuser“ Foto: © Wilfried Hösl

Das Bühnenbild setzte der Italiener Romeo Castellucci so großartig in Szene, dass er es schaffte, Bühne, Kostüme und Licht in einen Kontext zur Musik von Wagner zu stellen und die Leichtigkeit des Italieners spürbar machte.

Welche Gedanken machte sich Castellucci zum „Tannhäuser“? Seines Erachtens liegt Tannhäuser zwischen zwei Dimensionen, weil er keine eigene Dimension hat. Tannhäuser Dimension ist ein Irrtum, und sein Merkmal: Er ist immer zur falschen Zeit am falschen Ort und mit dieser Erkenntnis arbeitet Castellucci an Bildern, die universell sind und die sich jeder Erklärung entziehen. Tannhäuser ist ein getriebener Mann, Jemand, der es allen recht machen will und am Ende niemanden gefällt.

Andris Nelsons-Gewandhausorchester Foto: © Gert-Mothes

Mit feierlichen Tönen wird die Ouvertüre eröffnet und es beginnt mit dem Einzug der „Amazonen“ (könnten aber auch Bacchantinnen oder Nymphen sein?) ausgestattet mit Pfeil und Bogen. Damit ist schon die eine Kraft des Werkes vorgestellt, der die Welt der Venus gegenübertritt. Als Bühnenbild dient im Hintergrund ein als Videoeingespielter riesengroßer Kreis, in der Mitte ein Auge, dass auf die Amazonen blickt. Dieser groß eingeblendete Kreis – ändert immer wieder den Bildinhalt – und ist ein Wechselspiel zum Inneren des Venusberges.

LM0A1891 Tannhäuser@Bayerische Staatsoper Foto ©: Wilfried Hösl

Als weiteres Bühnenbild erschließt sich das Innere, wo sich Körper ineinander verschlungen, versuchen sich zu bewegen und die Stimme der Venus und des Tannhäuser erklingen lassen („Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen, gesungen laut sei nur dein Preis von mir!“

„Tannhäuser“ Emma Bell (Venus) Foto: © Monika Rittershaus

Das Bühnenbild ist auch Wechselspiel, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen seidigen Vorhängen mit der Choreinlage „Freudig begrüßen wir die edle Halle, wo Kunst und Frieden immer nur verweile‘…“

Jonas Kaufmann (Tannhäuser), Marlis Petersen (Elisabeth) Tänzerinnen und Tänzer von BODHI PROJECT und Seat / Foto: © Monika Rittershaus

Es ist vermutlich das Vorspiel, in dem noch einmal das Fluch Motiv der Venus aufklingt und in die Sängerhalle der Wartburg führt.

Das Bühnenbild im dritten Akt, ebenso schlicht gehalten, ein sichtbarer Pfeil, und am Ende sieht man den Zerfall des Körpers, den Prozess der Zersetzung.

Tannhäuser „Zerfall des Körpers“ Foto: Foto: © Rudi Gigler

Hier wurde immer wieder der Text mit Beginn „Hier vergehen ein Jahr“…usw bis zum Schluss „Hier vergehen eine Milliarde Milliarden Milliarden Milliarden Jahre“ eingeblendet.

Tannhäuser „Ebene in Atome umgewandelt“ Foto: Foto: © Rudi Gigler

Somit kann man hier die biologische Uhr sehen, die uns die Zeit aufzwingt, die aber auch die Zeit transzendiert. Erst wenn die Ebene in Atome umgewandelt ist, ist eine Begegnung möglich. Auch hier spürte man die Tiefenwirkung des Bühnenbild von Romeo Castellucci.

“ Der Staub des Tannhäuser und der Staub der Elisabeth können sich endlich umarmen und eins werden.“ Foto: © Rudi Gigler

Statement von: ANDRIS NELSONS (Musikalische Leitung)

„Liebe und Opfer sind die höchsten menschlichen Taten. Elisabeth opfert sich für Tannhäuser. Diese Chance, dass einem vergeben wird, rückt Tannhäuser für mich sehr nah an die christliche Religion.  Da ich katholisch erzogen und aufgewachsen bin spielen solche Gedanken wie Sünde und Vergebung, Oper und Liebe und all diese Gegensätze eine große Rolle. Und all das ist sehr präsent in TANNHÄUSER“

Statement von: JONAS KAUFMANN(Tannhäuser)

„Diese Tannhäuser-Expedition ist etwas, das man vielleicht als vorbereitende Besteigung des Mount Everest bezeichnen sollte. Es ist nicht der letzte, höchste Gipfel, aber natürlich ist es nicht weit davon entfernt.“

Statement von: ROMEO CASTELLUCCI (Bühnenbild)

„Die Verbindungen zwischen Italien und Deutschland sind sehr alt. Ich denke, dass man in gewisser Weise ein italienisches Herz braucht, um Wagner aufzuführen, ich meine im Allgemeinen, nicht mich, ich denke, eine italienische Mentalität macht Wagner etwas weicher. Diese Kombination kann also sehr gut sein.“

https://osterfestspiele.at/programm/2023/tannhaeuser

Rückblick zu Richard Wagner „TANNHÄUSER und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ Wagner wurde 1841 mit dem Stoff bekannt und schrieb am Textbuch bis 1843. Im April 1845 war die Komposition beendet, und die Oper konnte am 19. Oktober 1845 in Dresden uraufgeführt werden. Immer wieder hat Wagner an dem Werk gearbeitet. Zur Aufführung in Paris (1861) hatte er sogar eine Balletteinlage geschrieben, die allerdings wesentliche Umarbeitungen erforderlich machte. Mit dem „Tannhäuser“ schritt Wagner den Weg zum Musikdrama konsequent weiter. Die Szenen gehen ineinander über. Dem sinfonischen Gesamtstil fügt sich der deklamatorische Gesang ein. Mit den feierlichen Tönen des Pilgerchores wird die Ouvertüre eröffnet. Damit ist schon die eine Kraft des Werkes vorgestellt, der die Welt der Venus gegenübertritt. Doch der Glaube an das Gute trägt den Sieg davon: mit der Ausbreitung des Pilgerthemas schließt das Vorspiel

PING PONG Musiktheater für Kinder und Jugendliche

Jung & Jede*r Salzburger Festspiele 2023

Ping Pong 2023: Sophie Oberleitner (Action), Sophie Negoïta (Esra), Greta Franzelin (Star)
© SF / Marco Borrelli

PING PONG ist ein Musiktheater für Kinder- und Jugendliche

Musik von Mischa Tangian

Libretto von Stephanie Schiller

Nach einer Idee von Annika Haller und Stephanie Schiller

Die Uraufführung und Premiere ging am 24.03.2023 der Salzburger Festspiele jung & jede*r in Hallein/Alte Schmiede mit dem neuen Stück PING PONG für Kinder- und Jugendliche mit großem Erfolg über die Bühne.

Schüler und Schülerinnen erlebten mit diesem Musiktheater ein einzigartiges Stück, dass alle in den Bann zog.

Ping Pong 2023: Sophie Negoïta (Esra)
© SF / Marco Borrelli

Mit dieser Produktion, die ohne Vorlagen passierte, wurde ein Meisterstück auf die Beine gestellt. In diesem Stück will man den schwierigen Prozess vom Kind zum Teenager hervorheben. Ein Prozess den wir alle kennen, nur die Zeiten haben sich gewaltig geändert, was vielleicht im 20. Jahrhundert auch schon schwierig aber noch überschaubar war, hat sich die Welt im 21. Jahrhundert durch die Digitalisierung rasant verändert.

In unserer Zeit ist alles viel schnelllebiger, die Teenager besitzen alle (fast) schon ein Handy, sind mit dem Internet und mit einem Überfluss an Informationen konfrontiert. Alles läuft übers Handy, Internet und social Media, wo ist der persönliche Bezug? Man kann sich dieser Technik auch nicht entziehen, man will ja dazugehören. Vieles prasselt auf die Jugendlichen ein: Ist mein Outfit cool und komme ich damit gut an? Wieviel Superheld: in steckt in mir? Bin ich stark genug? Wie umgehen mit Gefühle und Einsamkeit? Was brauche ich als Geborgenheit usw…

Bühnenbild: bestückt mit einem Tischtennistisch (logisch Ping Pong) im Hintergrund drei Paneelen Wände die später mit Videos bespielt wurden.

Bühnenbild für das Musiktheaterstück PING PONG Foto: © Christa Linossi

Der Einstieg in die Aufführung beginnt mit einer fetzigen Pop Musik und hier wirft es gleich die Frage auf: Worum geht es in dem Stück?  Ein Junge Namens Vlad lehnt an der Tischtennisplatte und hat ständig den Blick auf sein Handy gerichtet, er hätte eine Verabredung, die jedoch nicht stattfindet. Er hat neue goldene Kopfhörer, ein Highlight unter den Jugendlichen, mit der lauten Musik in den Ohren träumt er sich auch gerne weg.

Ping Pong 2023: Máté Herczeg (Vlad), Greta Franzelin (Star), Sophie Negoïta (Esra)
© SF / Marco Borrelli

Versunken in die Musik bemerkt Vlad nicht, dass da noch jemand gekommen ist. Es ist Esra ebenfalls aus seiner Schule und sie ist sehr gestresst. Sie will in die Mädchen Gang, zu den Mädchen aus der Parallelklasse. Um von Action und Star aufgenommen zu werden muss Esra „was Krasses“ machen, um aufgenommen zu werden, um auch endlich cool zu sein. Da kommt ihr Vlad mit seinen neuen goldenen Kopfhörern an der Tischtennisplatte gerade recht. Sie entdeckt die coolen Kopfhörer von Vlad und an diese will sie herankommen, egal wie. Es kommt zu Dialogen, zu Streit und die Situation beginnt zu eskalieren, es fallen zwei Faustschläge, irgendjemand macht davon ein Video und es beginnt ein erbittertes Tischtennisduell, in dem es um (fast) alles geht.

Ping Pong 2023: Sophie Negoïta (Esra), Máté Herczeg (Vlad)
© SF / Marco Borrelli

Zwischen Gesang, Gitarre, Saxofon und Schlagwerk fliegen Unsicherheiten, Gemeinheiten und Gemeinsamkeiten der vier Teenager in schnellen Dialogen wie Ping-Pong-Bälle rasant-musikalisch über die Tischtennisplatte. Dazwischen sieht man auf den Paneelen Wänden gut inszenierte Videoeinspielungen.

Foto-ID: #192253
Ping Pong 2023: Sophie Negoïta (Esra)
© SF / Marco Borrelli
Ping Pong 2023: Augustas Būrė, Percussion, Greta Franzelin (Star), Máté Herczeg (Vlad), Sophie Negoïta (Esra), Sophie Oberleitner (Action)
© SF / Marco Borrelli

Das Publikum bedankte sich mit tobendem Applaus für diese Inszenierung.

Ping Pong Schlussapplaus 2023: v.l.n.r: Sophie Oberleitner (Action), Sophie Negoïta (Esra), Máté Herczeg (Vlad), Greta Franzelin (Star), Augustas Būrė, Percussion
© SF / Marco Borrelli
Ping Pong Schlussapplaus 2023: Ensemble
© SF / Marco Borrelli

Eine Produktion die unter der Leitung von Annika Haller und Giorgio Musolese mit dem fünf-köpfigen Musiker:innen-Ensemble, basierend auf der Musik von Mischa Tangian  (Mischa Tangian – Homepage), erarbeitet wurde. Das besondere daran ist, die in der Frage des Erwachsenwerdens einmal monsterhaft, einmal heldenhaft und einmal menschlich bearbeitet wird.

Prädikat: Sehr empfehlenswert nicht nur für Kinder- und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene.

Diese Produktion wird im März, April und Mai 2023 als mobile Produktion für Schulklassen von Abtenau bis Zell am See in Salzburger Schulen und in Kulturzentren im Bundesland Salzburg angeboten. Schülerinnen und Schüler kommen dank des Schulprogramms in direkten Kontakt mit Musik und Theater – ob in der eigenen Schule oder in einem Kulturzentrum im Bundesland Salzburg. Darüber hinaus können Schulklassen in Projektwochen selbst thematisch zu der Produktion der Salzburger Festspiele kreativ und vertiefend arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von Künstlerinnen und Künstlern sowie Pädagoginnen und Pädagogen in Workshops und Gesprächen. Aufgeführt wird diese Produktion auch zu den Salzburger Festspielen 2023 im Sommer.  

https://www.salzburgerfestspiele.at/jung-jeder

SCHAUPLATZ WECHSEL….        Hermann Nitsch – Miles Greenberg … Pace 510 West 25th Street Gallery in New York

über den Tellerrand zu schauen, das ist mein Ziel, um immer wieder interessante Kunstausstellungen auf meinem Blog zu präsentieren.

Miles Greenberg: Fountain IIPresented as part of Hermann Nitsch: Selected Paintings, Actions, Relics, andMusical Scores, 1962–2020510West 25thStreet, NewYork, NY 10001Performances on 17., 18., 24. und 25. März 2023Fotografie mit freundlicher Genehmigung von Pace Gallery •

Diesmal gilt mein Blick nach New York, genauer gesagt ich besuchte – virtuelles Meeting – die Pace Gallery 510 West in New York.

HN_Trypichon_2003_copy.width-1100 Hermann Nitsch, Action Painting (Triptychon), 2003, Acryl auf Sackleinen, 300 x 600 cm © Hermann-Nitsch-Stiftung

Es ist die erste geplante posthume Ausstellung die Hermann Nitsch gewidmet ist. Hermann Nitsch der Gründer des Wiener Aktionismus, der letztes Jahr im Alter von 83 Jahren verstorben ist und wird mit Sicherheit auch in New York für Aufsehen sorgen.

Die Präsentation der Galerie umfasst eine Auswahl von Nitschs großformatigen Gemälden sowie zwei lebendige Arbeiten auf Papier, die der Künstler 2020 geschaffen hat – diese dynamischen Abstraktionen mit hypnotischen Farb- und Linienspielen sprechen für Nitschs formale Erkundungen in seiner späten Karriere.

13_17_copy.width-2000 Hermann Nitsch, Action Painting, 2017, Acryl auf Leinwand, 200 x 300 cm © Hermann Nitsch Stiftung

Für mich ist die Ausstellung insofern interessant, weil hier – der in Europa noch weniger bekannte Künstler – Miles Greenberg mit einer Performance als Gegenüberstellung zu Nitsch-Werke mitmischt.

Nitsch der in Europa für seinen Wiener Aktionismus bekannt ist und immer wieder respektlose Performance-Arbeiten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Vordergrund der Wiener Kunstszene stellte, ist trotz allem eine wichtige kunsthistorische Figur in Europa und wurde von Paul McCarthy, Mike Kelley, Chris Burden und anderen großen amerikanischen Künstlern immer als Einfluss zitiert.

Nitschs umfangreiche Performance-Arbeit zeigt oft Nacktheit, vielfältige Geräusche und Inszenierungen von Tragödien in der Erforschung von Ritualen und Urtrieben. Das wegweisende Werk des Künstlers ist das groß angelegte sechstägige Orgies Mysteries Theatre, dass er Mitte der 1950er Jahre zu entwickeln begann. Für diese Arbeit ließ sich der Künstler von Literatur, Kunst, Musik und Philosophie inspirieren, um „ein Gesamtkunstwerk“ zu schaffen, das alle fünf Sinne anspricht. Im Orgies Mysteries Theatre integriert Nitsch Substanzen wie Blut und Fleisch, um intensive und vielfältige Reaktionen bei den Zuschauern hervorzurufen.

Miles Greenberg: Fountain IIPresented as part of Hermann Nitsch: Selected Paintings, Actions, Relics, and Musical Scores, 1962–2020510West 25thStreet, NewYork, NY 10001Performances on 17., 18., 24. und 25. März 2023 Fotografie mit freundlicher Genehmigung von Pace Gallery •

Anlässlich der Ausstellung in New York findet eine interessante Live-Kunst-Performances Gegenüberstellung zu Nitsches Werk statt. Es handelt sich um FOUNTAIN II, eine neue Dauerperformance und Installation von Miles Greenbergs Uraufführung. In den ersten Wochen der Ausstellung neben Nitschs Werk wurde Greenbergs erste Performance – aus dem Jahr 2022 – erweitert, stark inspiriert vom Wiener aktionistischen Maler, führte es zu Skulpturen, die im Herbst 2022 in einer Zwei-Personen-Ausstellung im New Museum in New York präsentiert wurden. Greenberg der stark von Nitsch beeinflusst wurde, inszenierte diese Performance für diese Nitsch Ausstellung.

Fountain II ist ein Dauerwerk für zwei Performer. 

Miles Greenberg: Fountain IIPresented as part of Hermann Nitsch: Selected Paintings, Actions, Relics, andMusical Scores, 1962–2020510West 25thStreet, NewYork, NY 10001Performances on 17., 18., 24. und 25. März 2023Fotografie mit freundlicher Genehmigung von Pace Gallery •

Nun wie wurde die Gegenüberstellung inszeniert und wie sieht sie aus? In FOUNTAIN II stehen zwei Darsteller auf einem Sockel und sind von einem Pool aus blutrotem Wasser umgeben. Diese Inszenierung die 6 Stunden dauert, werden sich die Darsteller in einer anhaltenden und choreografierten Umarmung engagieren, wobei gefärbtes Wasser aus ihren Körpern auf den Sockel und in den darunter liegenden Pool blutet. Am Rande erwähnt, hier erfolgen keine Tierschlachtungen wie bei Nitsch, der mit echtem Blut arbeitete. Das Werk dient als Gedicht über die letzten Stadien des Herzschmerzes – wenn man seinen ganzen Körper auf den Kopf stellt, um eine Art Ekstase zu erreichen. Die viszerale, poetische und grafische Arbeit transzendiert das Blut, existiert im Raum des Surrealen. Vier Aufführungen von FOUNTAIN II finden in der Pace statt, wobei Greenberg in einer Auswahl dieser Präsentationen vertreten ist.

Die Dauerperformance findet vor dem Hintergrund von Nitschs Gemälden statt und beschwört eine neue Verbindung – zwischen zeitgenössischer und 20. Jahrhundert-Performance – herauf. Die Inszenierung von FOUNTAIN II im Rahmen der Nitsch-Ausstellung setzt ihr anhaltendes Interesse an und die Unterstützung experimenteller Performances, sowohl zeitgenössischer als auch historischer Art, fort.

Wer ist der Künstler Miles Greenberg? Er wurde *1997 in Montreal, Kanada geboren und ist ein in New York lebender Performancekünstler und Bildhauer. Seine Arbeit besteht aus großformatigen, sensorisch immersiven und ortsspezifischen Umgebungen, die sich um den physischen Körper im Raum drehen. Diese Installationen werden mit oft langen Performances aktiviert, die den Körper als skulpturales Material aufrufen. Diese Performances werden dann in Echtzeit vor dem Publikum festgehalten, um spätere Video Arbeiten und Skulpturen zu generieren. Greenberg verlässt sich rigoros und rituell in seiner Methodik im Universum auf Langsamkeit und den Verfall der Form, um die Sensibilität des Publikums zu erhöhen. Im Alter von siebzehn Jahren verließ Greenberg die formale Ausbildung und begann vier Jahre lang unabhängige Forschung über Bewegung und Architektur.

Er arbeitete unter der Mentor Schaft von Édouard Lock, Robert Wilson und Marina Abramović und war Artist in Residence bei Fountainhead Arts, Miami (2023); La Manutention im Palais de Tokyo (2019) und The Watermill Center Residency, NY (2017 & 2018) unter anderem. Im Jahr 2023 wurde Greenberg in den Forbes 30 Under 30 in der Kategorie Art & Style vorgestellt. Er hat international in Museen und Galerien ausgestellt und performt, darunter The Louvre (Paris), Neue Nationalgalerie (Berlin), The New Museum (New York), Arsenal Contemporary (Toronto), Jeffrey Deitch Gallery (New York), Galleria Continua (Les Moulins) und mehr. Greenbergs Arbeiten wurden auch in zahlreiche internationale Kunststudien aufgenommen, darunter die Athen Biennale, BoCA Lissabon und die Bangkok Art Biennale.

Miles Greenberg Arbeiten sollten auch verstärkt in Europa gezeigt werden.

Pace Live

Miles Greenberg

Brunnen II

Noch an diesen Tagen:

Freitag, März 24 12:6 –
<>:<> Uhr
Performer: Raymond Pinto + Ms. Z tye

Samstag, 25. März 12:
6 – <>:<> Uhr
gespielt von Kellian Delice + Niall Jones

jung & jede*r 2023

Jugendprogramm Salzburger Festspiele

Kostüm-Entwurf von Jenny Schleif: „Fiesta“
© SF / Christian Leopold

Die Salzburger Festspiele bieten auch heuer wieder ein breites Angebot – mit 53 Vorstellungen sowie zahlreichen Schulworkshops – für Kinder und Jugendliche vom März bis Ende August 2023 im ganzen Salzburger Land an.

Zum neuen festen Spielort für jung & jede*r wurde das Schauspielhaus mit seinen drei Spielstätten Saal, Studio und Säulenfoyer ein Fixpunkt.

Ursula Gessat, Annika Haller, Joachim Gottfried Goller, Armela Madreiter
© SF / Christian Leopold

Was sich schon bereits Bewährte ist, dass man mit zwei mobilen Produktionen wieder auf Tour im ganzen Bundesland Salzburg gehen wird und somit wirklich ein breites Publikum in der Jugend erreichen kann. Für die Salzburger Festspiele ist dies ein sehr wichtiger Bestandteil. Es sind Produktionen, die in einen 33 Tonner Truck passen müssen. Es geht auch darum, dass man die Kulisse und das rundherum schnell aufbauen und wieder schnell einpacken kann. Diese mobilen Produktionen sind: Ping Pong und Fiesta und werden in Schulklassen und in Kulturzentren im Bundesland Salzburg angeboten.

Bühnenbild-Modell von Annika Haller: „Ping Pong“
© SF / Christian Leopold

Bei den beiden Produktionen von Ping Pong und Fiesta geht es um mutiges Handeln. Bei Ping Pong gibt es keine Vorlagen, es gab hier den ausdrücklichen Wunsch mit Jugendlichen zu arbeiten, die auch schon auf dem Weg in die Pubertät sind, wo Kind sein, eigentlich oft schon vorbei ist. Es geht aber um viele Prozesse, die körperliche Umstellung von Kind zum Teenager, die Stimmungsphasen einer Achterbahnfahrt, sich neu ordnen und das ist die Grundlage zum Ping Pong, um ein Stück zu entwickeln, dass sich ganz stark mit Wünschen und Sehnsüchten beschäftigt, die Teenager betreffen; was wünsche ich mir, wie möchte ich sein, wo möchte ich hin, was brauche ich als Geborgenheit usw…

Bühnenbild-Modell von Jenny Schleif: „Fiesta“
© SF / Christian Leopold

Es entstehen Gruppen, die sich in unterschiedlicher Weise behaupten wollen, wie zum Beispiel, das Mädchen Esra, die einer Gruppe angehören will und die sich gegenüber Mädchen aus der Parallelklasse beweisen muss.

Wie ihr das gelingt, erzählt Mischa Tangian (aus Moskau stammende Komponist und Geiger) in seiner Musik theatralen Spiel Ping Pong auf das Libretto von Stephanie Schiller (freie Journalistin, Buchautorin und Librettistin), Annika Haller (Regie und Bühnenbild) hat es in Szene gesetzt. Die Tour-Premiere dieser Uraufführung im Auftrag der Salzburger Festspiele findet bereits am 24. März 2023 (Alte Schmiede/Hallein) statt, die Premiere im Sommer am 20.Juli 2023 (Salzburg).

Kostüm-Entwürfe von Eva-Mareike Uhlig: „Ping Pong“
© SF / Christian Leopold

Viel Gegenwind im wahrsten Sinne des Wortes bläst den Kindern in Fiesta entgegen. Was sie sich einfallen lassen, um Nonos – der seinen 10. Geburtstag feiern will – Geburtstagsparty mit Zitronenbaiser-Smarties-Torte und goldenen Papiergirlanden zu retten, es kommt dazu, dass diese 10. Geburtstagsfeier verhindert wird, weil nämlich ein Sturm durch die Stadt zieht. Maria Theresia heißt dieser Sturm oder handelt es sich sogar um einen Orkan? Genau dieser Orkan ist so stark, dass niemand mehr vor die Türe gehen kann, aber es gibt Menschen, die es trotzdem ermöglichen wollen und sie finden Wege, damit die Geburtstagsparty doch noch stattfinden kann und dies ist in Gwendoline Soublins (Theaterautorin) Schauspiel genau zu erleben.

Joachim Gottfried Goller führt Regie in der von Corinna Popp (Theaterwissenschaft (Arts du spectacle) und Germanistik, Übersetzerin) aus dem Französischen übertragenen deutschsprachigen Erstaufführung, die Tour-Premiere findet am 19. April 2023 statt, die Premiere im Sommer am 23. Juli

Ping Pong und Fiesta werden im März, April und Mai 2023 als mobile Produktionen für Schulklassen von Abtenau bis Zell am See in Salzburger Schulen und in Kulturzentren im Bundesland Salzburg angeboten. Schülerinnen und Schüler kommen dank des Schulprogramms in direkten Kontakt mit Musik und Theater – ob in der eigenen Schule oder in einem Kulturzentrum im Bundesland Salzburg. Darüber hinaus können Schulklassen in Projektwochen selbst thematisch zu einer Produktion der Salzburger Festspiele kreativ und vertiefend arbeiten. Unterstützt werden sie dabei von Künstlerinnen und Künstlern sowie Pädagoginnen und Pädagogen in Workshops und Gesprächen.

Das Jugendprogramm der Salzburger Festspiele 2023

54 Vorstellungen im Jugendprogramm „jung & jede*r“ an 20 Spielorten

MUSIK-THEATER

Das Kind und die Zauberdinge (ab 6 Jahren)

Ping Pong (ab 10 Jahren)

SCHAUSPIEL

Fiesta (ab 8 Jahre)

SCHULPROGRAMM

„Von Abtenau bis Zell am See“

Mobile Produktionen Ping Pong und Fiestazwischen 24. März und 26. Mai 2023 Schulworkshops

4 Operncamps für 9- bis 17-Jährige

Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor

FESTSPIELPATENSCHAFTEN

16- bis 26-jährige Erstbesucher: innen mit erfahrenen Festspielgästen

6000 Jugendkarten

Vermittlungsangebote Einführungen und Künstlergespräche

https://www.salzburgerfestspiele.at/jung-jeder

MINING PHOTOGRAPHY

Lake_Bed_Developing_Process_2013_© Optics Division of the Metabolic Studio

Auch im KUNST HAUS WIEN ist der Klimawandel angekommen und man geht der Frage in der Ausstellung MINING PHOTOGRAPHY nach: „Was trägt die Produktion von Fotografien zum menschengemachten Klimawandel bei“? Es wirft auch die Frage auf, wie nachhaltig ist der „ewige Moment“?

Der ökologische Fußabdruck der Bildproduktion beleuchtet aus Perspektiven der Kunst und der Wissenschaft die Gewinnung zentraler Rohstoffe der Fotografie: die Genese ihres Abbaus, ihre Entsorgung und den verursachten Einfluss auf unsere Umwelt. Es ist eine Geschichte des Materials in fünf Akten!

Das KUNST HAUS WIEN, welches sich als Grünes Museum präsentiert, wird mit der Ausstellung „Mining Photography“ einmal mehr seiner Rolle als Schnittstelle von Ökologie, Nachhaltigkeit und Kunst gerecht und die Ausstellung vollzieht einen spannenden Perspektivenwechsel. Die Ausstellung stellt die Fotografie nicht als Medium zur Abbildung, Dokumentation und Vermittlung des Klimawandels in den Mittelpunkt. Nein, sie fragt vielmehr danach, was uns die Kunstform über eine Zukunft jenseits des Klimawechsel sagen kann – nicht in ihrer Funktion der abgebildeten Fotos, sondern zeigt auf, wie grundlegend sich die Natur verändert hat. In diesem selbstreflexiven Moment liegt die besondere Stärke der Ausstellung.


KHW_MINING_PHOTOGRAPHY_UnbekanntSilberbarren_im_Tresor_1945_KodakCollectio © Courtesy: Rare Books, Special Collections and Preservation, University of Rochester

Kuratorin Esther Ruefls erläutert die Ausstellung: „Bei der Ausstellung ging es nicht darum, die ‚böse‘ Fotografie anzuklagen, sondern darum, am Beispiel der Fotografie, erst mal vor der eigenen Tür zu kehren. Es gibt eine Vielzahl von Projekten über den Klimawandel, der uns alle so beschäftigt. Fotografie hat meistens die Rolle, die Auswirkungen zu dokumentieren – die Dürren und Überschwemmungen aufzuzeichnen. In der Ausstellung hingegen wollten wir die Verwicklung von der Erfindung der Fotografie und der Industrialisierung aufzeigen und darlegen wie ihr Aufstieg als Massenmedium mit der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen verknüpft ist.“

KHW_MINING_PHOTOGRAPHY_Ignacio_Acosta_Inverted_Pyramide_2022_Detail_© Ignacio Acosta

Seit es Fotografie gibt, ist die Herstellung von Fotos auch von der Gewinnung und Ausbeutung natürlicher Rohstoffe abhängig. Im 19. Jahrhundert wurden Salz, Kupfer und Silber für die ersten Abbildungen auf Kupferplatten und für Salzpapierabzüge genutzt und nach Aufkommen der Silbergelatineabzüge entwickelte sich die Fotoindustrie im späten 20. Jahrhundert zur wichtigsten Abnehmerin für Silber. Im Zeitalter digitaler Fotografien und Smartphones ist die Bildproduktion auf Seltenen Erden und Metalle wie Koltan, Kobalt und Europium angewiesen. Die Speicherung der Bilder und ihre Distribution produzieren zudem große Mengen an CO2.

KHW_MINING_PHOTOGRAPHY_Mary_Mattingly_Mineral_Seep_2016__© Mary_Mattingly_

Auch hier setzt die Ausstellung MININ PHOTOGRAPHY an und begibt sich auf die Spuren einzelner Handels- und Produktionsketten. Die Ausstellung macht einem auch bewusst, dass auch die Fotografie in dem Teufelskreis KLIMA miteingebunden ist. Für das bloße Auge oftmals nicht erkennbare, wie sich auch hier die Materialität von Fotografien im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Es handelt sich um Materialien, die in der fotografischen Produktion Verwendung finden: Kupfer, Kohle, Silber, Papier und *Seltene Erden: die verwendet werden als Trägermedium, in Druckverfahren oder in der digitalen Fotografie. Kupfer für die Daguerreotypien; fossile Brennstoffe wie Kohle und Bitumen im Fotodruck; Silber für die weitverbreiteten Silbergelatineabzüge des 20. Jahrhunderts; Papier als Trägermaterial und Seltene Erden für die immer kleiner werdenden Kameras und Smartphones.

Die Ausstellung MINING PHOTOGRAPHY macht hier sichtbar, was uns noch gar nicht so bewusst war. Ich stelle mir hier die Frage: Müssen wir auch in Zukunft die Fotografie verändern? Wie soll dies funktionieren, wo wir doch im 21. Jahrhundert hauptsächlich von der Bildersprache leben? Was ist die Alternative und wie kann sich die Fotografie aufgrund anderer Materialien weiterentwickeln?

In dieser Ausstellung widmen sich die Künstler: innen mit den unterschiedlichsten Materialien und Verfahren und nähern sich der Thematik verschiedener Formen der Bildproduktion aus teils sehr unterschiedlichen Perspektiven. Es gibt auch Interviews von Experten: Innen die aus verschiedenen Gesichtspunkten der Forschung und Wissenschaft den ökologischen Fußabdruck von Materialien und ihrer Gewinnung Einblick gewähren.

Eine Ausstellung die jedem von uns etwas angeht.

*Seltene Erden sind relativ weiche Metalle mit einer steinigen bis silbrigen Farbe. Die ersten dieser Metalle wurden Ende des 18. Jahrhunderts in Schweden entdeckt. Sie kommen in seltenen Mineralien vor und wurden in Form ihrer Oxide – Sauerstoffverbindungen, die früher auch „Erden“ genannt wurden – isoliert.

Neuer Schauplatz……         

Ausstellung „Ooooooooo-pus“     im    Haus der Kunst München

Katalin Ladik
Poemim, 1978 Photo: Imre Póth
Courtesy of the artist and acb Gallery

Eine sehr interessante Ausstellung zeigt diesmal das HAUS DER KUNST München bis 10. September 2023. Es ist die erste Überblicksausstellung von Katalin Ladiks Werk.

Katalin Ladik, 1942 im serbischen Novi Sad geboren, ist Poetin und der Körper ist für Ladik der Ursprung von Poesie. Er ist ein Ort der Selbstdarstellung, den sie in ihren Performances seit den 1960er Jahren immer wieder erkundet hat. Die Künstlerin war in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur der literarischen und künstlerischen Avantgarde von Novi Sad, einer Stadt an der Verbindungstelle von Balkan und Teilen Mittel- und Osteuropas.

Folkloristische und mythologische Themen hinterfragt sie mit ihrer Kunst konventionelle Geschlechterrollen, wobei sie immer wieder ihren Körper und ihre Stimme als Instrument und Medium einsetzt.

Katalin Ladik. Ooooooooo-pus
Installationsansicht / Installation view
Haus der Kunst, 2023
Foto: Julian Baumann

Ihre visuellen Gedichte – Collagen aus Schnittmustern und verschiedene Objekte funktionieren oft auch als Partituren. Sie erforscht damit die Verbindungen zwischen Stimme und Bild und erweitert die Sprache durch phonetische Experimente. Sprache ist das Herz Ladiks künstlerischer Arbeit.

Katalin Ladik. Ooooooooo-pus
Installationsansicht / Installation view
Haus der Kunst, 2023
Foto: Julian Baumann

Sound ist ein Bindeglied in Ladiks vielseitigem Werk: Jeder der drei Ausstellungsräume eröffnet eine eigene Klanglandschaft, die alle auf Ladiks visueller und phonischer Poesie basieren und „Ooooooooo-pus“ zu einer Ausstellung machen, die ebenso gehört wie gesehen werden will.

Für die Ausstellung am Haus der Kunst schafft Katalin Ladik zwei neue Werke: ein skulpturales Gedicht mit Klang und eine Installation, die auf ihrer Multimedia-Performance Alice in Codeland basiert.

Betritt man den Ausstellungsraum, wird man von großformatigen Bildern, die auf einer Art von Raumteiler installiert sind, empfangen. Die Porträts haben unterschiedliche Gesichtsausdrücke. An der Wand entlang, sind kleine Fotoarbeiten (Menschen) als unendliche Geschichte dargestellt, die wiederum von einem in rechteckiger Form gezeigten Porträt in gewissen Abständen, die unendliche Geschichte, wiederum trennen.

Katalin Ladik. Ooooooooo-pus
Installationsansicht / Installation view
Haus der Kunst, 2023
Foto: Julian Baumann

Beeindruckend sind auch die Fotoarbeiten, wo sie sich in einem Porträt mit halber Gesichtshälfte, diese jedoch wiederum mit dem Spiegelbild, wieder zusammenfügte und als anderes Bild und befremdend aussieht.

Katalin Ladik
Androgyn 3., 1978
Courtesy of the artist and acb Gallery

Katalin Ladik Statement Wenn wir in unserer Poesie am verletzlichsten sind, sollten wir unseren ganzen Körper mit jeder Faser und vollem Herzblut hineinstecken.“