DER LUNGAU ALS SUPERGAU?

zeitgenössische Künste

vom 26. Mai–4. Juni 2023 | Tausend Quadratkilometer | ein Festival

Karawane Freiraum © Karawane Freiraum

Heuer wird der LungauSalzburg hat fünf Gaue = Flachgau, Tennengau, Pongau, Pinzgau und den Lungauzum SUPERGAU!

Dieses Wort Supergau ist mir 2021 schon ein Dorn im Auge gewesen. Denn dieses Wort ist im Grunde negativ behaftet. Ein Supergau ist für mich eine Naturkatastrophe wie zum Beispiel es TSCHERNOBYL oder FUKUSHIMA es waren.

Abgesehen davon, war das Wort „Gau“ auch im Nationalsozialismus sehr stark vertreten und diese Namensgebung „Supergau“ kritisierte 2021 die Geschäftsführung des Literaturhauses Salzburg schon sehr stark.

Aber Tina Heine, die die künstlerische Leitung dieses zeitgenössischen Events über hat, scheint dies ziemlich egal zu sein. Sie macht mit Supergau weiter.

LH-Stv.-Martina-Berthold_Tin-a-Heine-©-Julius-Weiskopf

Also beachten Sie, wenn sie PLAKATE mit SUPERGAU im Lungau oder rund um Salzburg sehen, erschrecken sie nicht, es handelt sich hier nur um zeitgenössische Kunst und diesmal ist der LUNGAU an der Reihe.

Ich kann nur hoffen, dass dieser „Supergau“ 2023 im Lungau besser wird als 2021 der Flachgau es war!  2021 war eher : „Viel Lärm um Nichts!“

Suppengau (c) LKV

Bei der letzten Pressekonferenz wurden uns die Themen und wie man Landschaft und neue Räume in Kunst umwandeln wird, vorgestellt. Diesmal wird der Lungau/Supergau mit seiner Wald- und Wiesenlandschaft, Berg- und Seelandschaft, Häuserlandschaft, Asphalt- und Betonlandschaft zur Bühne. 10 Tage lang werden diese Räume durch KünstlerInnnen neu eingerichtet und bespielt.

Stiflerhupfn_©-ExperimentalSetup

Die Landschaft wird zum Kunstraum und dazu wurden KünstlerInnen unterschiedlicher Sparten dazu eingeladen, mit ihren Arbeiten zu zeigen, dass auch der ländliche Raum und außergewöhnliche Orte zu zeitgenössischer Kunst werden können. Es geht dabei gerade nicht um Konkurrenz zur Stadt, sondern um die Erweiterung des künstlerischen Handlungsfeldes. Durch die Zusammenarbeit von Gemeinden, BewohnerInnen und KünstlerInnen entsteht für die Dauer von 10 Tagen der „Supergau“, ein neuer künstlerischer Bezirk im Land Salzburg. Und dieses Wort „Supergau“ kommt immer wieder X-Mal vor und stoßt mir jedes Mal auf.

Mehr als 18 künstlerische Projekte vom Lungau zum Supergau laden zu Ackerei, Autobahnmassagen, Sirenengesänge, Techno-Traktor-Strick Performances, Orgelklänge aus einem Holzpolter, Heilanwendungen an einem Entlüftungsschacht und eine Sternenfabrik zum Mitmachen ein. Es sind nur ein paar Beispiele für das, was alle Neugierigen im Lungau erwarten wird und dieses Festival für zeitgenössische Künste lädt zu einer eigenwilligen Entdeckungsreise durch den Lungau ein. Welche Zukünfte liegen im Lungau, wieviel Potential für ein nachhaltiges und lebenswertes Miteinander und wieviel Raum gibt es hier für die Kunst?

Die KünstlerInnen die für dieses Festival von einer Jury ausgewählt wurden, werden sich mit den Themen Umwelt und Landwirtschaft, mit Abwanderung, Räumen für die Jugend und der Frage „was gute Orte des Lernens sind“ auseinandersetzen. Dabei laden sie zu Konzerten und Performances, in temporäre Wirtshäuser oder auf den Camping Campus ein. Dieses zeitgenössische Festival steht allen offen und lädt ein, sich mit Zeit und Neugierde auf den Weg zu machen.

Man kann nur hoffen, dass es vieles und Interessantes zu entdecken gibt und es ein Festival der Superlative wird und nicht ein „Supergau“ wie der Flachgau.

„Who Owns the Truth? Wem gehört die Wahrheit?“

ARS ELECTRONICA 2023 LINZ

Sujet © Ars Electronica

2023 ist ARS Electronica auf einer herausfordernden Suche nach Antworten auf die Widersprüchlichkeiten unserer Zeit im 21. Jahrhundert und stellt sich die Frage „Who Owns the Truth? Wem gehört die Wahrheit?“

Weder der naive Eskapismus (Flucht vor der Wirklichkeit) in virtuelle Welten, noch die technologische Ultra-Utopie werden uns davor bewahren, uns den großen unangenehmen Fragen zu stellen und dazu wurde heuer ein Festival entwickelt, welches zwischen den Bereichen Kunst, Technologie und Gesellschaft alles wieder neu zusammenzusetzen versucht. Es wird nicht nur damit gearbeitet, sondern es geht auch darum, zu beobachten, wie neue Technologien die Welt unserer Gesellschaft und eine Veränderung herbeiführen wird. Dementsprechend auch das heurige Festival wird eine Expedition sein, die sich gleichermaßen mit philosophischen, technologischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Fragen auseinandersetzen wird.

Die technologischen autonomen KI-Systeme der großen Sprachmodelle, die uns im Moment so beherrschen werden ein Riesenthema sein. Open Ai der Erfinder dieser Systeme, wurde erst vor 7 Jahren gegründet und hat mittlerweile sehr viel verändert. Wie zum Beispiel als vor viereinhalb Monaten das ChatGPT veröffentlich wurde, ist innerhalb von 5 Tagen die Zuwachsrate an 10.000.000 Usern dieses ChatGPT überschritten worden. Das ist absoluter Rekord in der ohnedies Rekord orientierten Erfolgsgeschichte der ganzen IT-Branche.

Es stellt sich auch die Frage, wie können wir diese neue Technologie nutzen und nützlich für alle Menschen machen? Dies wird auch eine zentraler Schwerpunkt der Diskussion im Rahmen des Festivals sein. Wir müssen darüber diskutieren, wie wir verhindern können, dass diese neue Technologie und diese KI-Systeme den Menschen nicht schaden, sondern wie können wir sie richtig einsetzen und positiv nutzen.

Foto: Ars Electronica Martin Hieslmair

Eine große Anzahl von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Entwickler*innen, Designer*innen, Unternehmer*innen und Aktivist*innen aus aller Welt werden wieder nach Linz, Österreich kommen. Die Frage, die Europas größtes Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft dabei in den Fokus nimmt, lautet: Who Owns the Truth? – Wem gehört die Wahrheit? Zentraler Schauplatz wird – noch einmal – die legendäre POSTCITY, in der das Festival schon von 2015 bis 2019 gastieren durfte. Nachdem man sich 2019 „endgültig“ von ihr verabschiedet hatte, wird die legendäre POSTCITY 2023 doch noch einmal zur Bühne für Europas größtes Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft. „Die Post AG ist seit vielen Jahren ein Partner der Ars Electronica“, sagt Christl Baur, Head of Ars Electronica Festival. „Als wir unsere diesjährigen Kooperationsgespräche aufnahmen, stand plötzlich die Möglichkeit einer nochmaligen Bespielung der POSTCITY im Raum – ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten!“ Warum, ist leicht erklärt: Die POSTCITY ist groß, sie ist spektakulär und sie liegt mitten in der Stadt. Mit 80.000 Quadratmetern Nutzfläche auf mehreren Ebenen, einer 4.000 Meter langen Paketverteilanlage, dem Speicher für 10.000 Pakete, einer ganzen Batterie von 12 Meter hohen Wendelrutschen und einer rund 240 Meter lange Gleishalle für ein- und ausfahrende Eisenbahnen bietet das 2014 aufgelassene Postverteilerzentrum schier unbegrenzte Möglichkeiten für künstlerische Inszenierungen Marke Ars Electronica.

„Nirgends sonst konnte sich das Festival so entfalten und weiterentwickeln wie in der POSTCITY“, sagt Martin Honzik, Chefkurator des Ars Electronica Ausstellungs- und Festivalteams. „Die riesigen Hallen und weitläufigen Katakomben fordern Kurator*innen und Künstler*innen geradezu heraus, sich besondere Dinge einfallen zu lassen. Es gilt, einen stillgelegten, unproduktiven und kalten Industriebau in ein lebendiges und inspirierendes Labor der Zukunft zu verwandeln, in dem sich ein breites Publikum und Expert*innen aus allen möglichen Disziplinen, Branchen, Kulturen und Ländern treffen und ins Gespräch kommen können.“ Festivalmeile in der Linzer Innenstadt Die POSTCITY wird die zentrale und zugleich südlichste Location einer Festivalmeile bilden, die entlang der Landstraße quer durch die Linzer Innenstadt führen wird. Bespielt werden der Mariendom im Domviertel, die Tabakfabrik, die Kunstuniversität am Hauptplatz, das LENTOS Kunstmuseum an der Donaulände, das Atelierhaus Salzamt, die Anton Bruckner Privatuniversität am Fuß des Pöstlingbergs sowie die Stadtwerkstatt und das Ars Electronica Center am nördlichen Ufer der Donau. Festival-Partner*innen aus aller Welt An all diesen Locations werden Ausstellungen, Konzerte, Performances, Screenings, Vorträge und Konferenzen zu erleben sein, die wiederum von Künstler*innen und Institutionen aus aller Welt gestaltet und nach Linz gebracht werden.

Das Ars Electronica Festival wird uns die Zukunft zeigen, mit neuen Ideen, Technologien und viel spannenden Entwicklungen. Bleiben wir neugierig und freuen uns auf dieses Festival. Stattfinden wird es vom 6. bis 10. September 2023, Karl Farkas (österreichischer Kabarettist 1965-1971) hätte gesagt: „Schauen sie sich das an!“

MARINELLA SENATORE

We Rise by Lifting Others

Künstlerin Marinella Senatore Foto: © Christa Linossi

Marinella Senatore ist eine zentrale Figur der Gegenwartskunst und ihr wird eine der bisher größten Einzelausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum der Moderne Salzburg, der Generali Foundation (Salzburg) und dem Museum VILLA STUCK (München) gewidmet. Es ist ein Projekt welches in zwei Kapiteln geteilt und in beiden Städten zur gleichen Zeit zu sehen sein wird. Beide Präsentationen ergänzen sich und bieten einen Überblick über Senatores Gesamtwerk.

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Die Ausstellung wirft Fragen auf und je nach der Spannung zwischen Individuum und Kollektiv, nach Sehnsüchten und Zugehörigkeit, nach gesellschaftspolitischer Inklusion und alternativen Organisationsformen werden sie erörtert wie das transformative Potenzial der Kunst.

Senatores Schaffen umfasst Neuproduktionen ebenso wie Arbeiten aus den letzten fünfzehn Jahren: Lichtinstallationen, Neonskulpturen, Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Malereien, textile Arbeiten, partizipatorische Installationen, Filme und Hörspiele.

Senatore wendet sich in all ihren Werken und Projekten an das Publikum und sie spricht es als emotionales, soziales und politisches Wesen an. So schafft sie ein Rahmenwerk, das Offenheit und Diversität garantiert und des Weiteren führt sie verschiedenste künstlerische Sprachen, Medien und Disziplinen zusammen.

Betritt man den Ausstellungsraum wird man von einer überwältigten Lichtinstallation in den Bann gezogen. Die Installation ruft die Atmosphäre eines Jahrmarktes wach und mit großen Lettern steht auf der Installation „Dance First Think Later“ – „Tanze zuerst, denke später“. Dies ist ein Appell, Hemmschwellen zu überwinden und sich auf die sinnliche Wahrnehmung einzulassen. Die Verbindung des Sinnlich-Ästhetischen mit dem Sozialen ist in Senatores Werken von zentraler Bedeutung.

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Senatore unterscheidet zwar klar zwischen Kunst und Aktivismus, dennoch fließen Motive und Strategien aus Protestbewegungen in ihre künstlerische Arbeit ein. Da gibt es zum Beispiel in der Ausstellung ein Protest Bike, welches 2016 sowohl als Skulptur als auch als öffentliche Intervention konzipiert wurde. Das mit Megafonen ausgestattete Fahrrad verleiht Protestierenden eine laute Stimme und steht für die Möglichkeit, an fast jedem Ort eine „Beschwerde“ vorzubringen.

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So lautet auch ihr Motto: „We Rise by Lifting Others” – “Wir erheben uns, indem wir andere heben“.

In der Ausstellung befinden sich auch eine große Anzahl von Zeichnungen, aus Protestbewegungen und Paraden. Sie ist auch eine exzellente Zeichnerin und fertigt auch ihre Skulpturen selbst an. Was heute nicht immer der Fall bei Künstlern ist! In ihren Zeichnungen untersucht Sanatore die choreografierten Aufmärsche aus der Vergangenheit und Gegenwart autoritärer Herrschaftssysteme. In den dargestellten Massenkonfigurationen erscheinen die Menschen als gleichgeschaltete Körper, die totaler Kontrolle und Disziplinierung unterworfen sind.

Ein weiterer Schwerpunkt in ihrer Kunst ist die Parade, die sie selbst inszeniert.

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Seit über zehn Jahren wird „The School of Narrative Dance“ weltweit aufgeführt. Das ist in Salzburg und München ebenfalls ein zentraler Bestandteil des Ausstellungsprojekts von Marinella Senatore. Am Anfang steht immer ein öffentlicher Aufruf. Die Künstlerin sucht Menschen jeden Alters und Hintergrunds und sie lädt gezielt Gruppen ein, die selten auf dem Radar der Kulturinstitutionen sind oder um soziale Anerkennung kämpfen müssen. Dadurch lenkt sie die Bahnen der öffentlichen Aufmerksamkeit auf Menschen, die jenseits der Spielregeln heteronormativer Gesellschaften stehen. Diese offene, allen zugängliche „Schule“ besteht aus verschiedenen Workshops, die sich um Musik, Tanz Parkour, Storytelling, und vieles mehr drehen. Es handelt sich hier dann um Menschen, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten, die Lust haben zu performen, zu tanzen, zu singen und zu inszenieren und die sich auf einen Prozess des choreographischen Erzählens einlassen wollen.

Die Ausstellung ist sehenswert und die Parade könnte ein Highlight werden!

Die Parade in Salzburg findet am 24.06.2023, in München am 23.07.2023 statt. Alle sind herzlich willkommen, sich daran zu beteiligen. Infos zu den vorbereitenden Workshops

Die Parade in München findet am 23.7.23, in Salzburg am 24.6.23 statt. Alle sind herzlich willkommen, sich daran zu beteiligen. Infos zu den vorbereitenden Workshops zu aktuellen Informationen: www.sond@szene-salzburg.net (In Salzburg findet die Parade in Zusammenarbeit mit der Szene Salzburg statt.

In München unter: https://www.villastuck.de/kalender/detail/einblicke-marinella-senatore-563

Porträt Marinella Senatore:

Marinella Senatore (*1977 in Cava de’Tirreni, IT-Rom) ist eine zentrale Figur der italienischen Gegenwartskunst. Bereits in jungen Jahren besucht sie das Conservatorio Domenico Cimarosa in Avellino und spezialisiert sich auf Violine. Von 1994 bis 1998 studierte sie bildende Kunst an der Accademia delle Belle Arti in Neapel. Von 1999 bis 2002 studierte sie Kinematografie am Centro Sperimentale die Cinematografia in Rom. Seit 2006 unterrichtet sie u.a. an der Universität von Kastilien-La Manca, der Universität Complutense in Madrid, der NABA Nuova Accademia di Belle Arti in Mailand und online bei The Alternative Art School (TAAS).

https://www.museumdermoderne.at/ausstellungen/detail/marinella-senatore-we-rise-by-lifting-others/ Die Ausstellung läuft bis 8. Oktober 2023

KIRCH’KLANG

festival salzkammergut 2023

Vom KIRCH’KLANG Festival schon einmal was gehört? Nein? Es ist der Verein Kirchenklang und Gründer und Ausführender des Festivals KIRCH’KLANG ist Martin Haslböck, welcher sich zur Aufgabe gesetzt hatte, historische Orte der Region Salzkammergut mit Musik zu erfüllen und ein vielfältiges kulturelles Programm sowohl für Einheimische wie auch für Urlaubsgäste anzubieten. In einer Serie von Wochenendkonzerten werden von Mai bis Ende September die schönsten Kirchen und Schlösser des Salzkammerguts und Salzburgs besucht.

Das Team KIRCH’KLANG von li nach re: Roland Rasser, Generalvikar der Erzdiözese Salzburg, Michael Haas, Mitbegründer Exilarte Zentrum der mdw, Senior Researcher, Gerold Gruber, Gründer von exil.arte, wissenschaftlicher Leiter und administrativer Direktor
Exilarte Zentrum der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Martin Weiss, Präsident und CEO Salzburg Global Seminar, Martin Haselböck, Gründer und künstlerischer Leiter KIRCH’KLANG Foto: © Rudi Gigler

Der Künstlerische Leiter Martin Haselböck legt bei seiner Programmierung außerordentlichen Wert auf die Einbeziehung der jeweiligen sakralen Räume sowie ihrer unmittelbaren Umfelder. Auch die Stadt Salzburg wird heuer ein Teil des Festivals sein. Vom 2.-4. August 2023 werden folgende Themen über Exil, Vertreibung und kultureller Austausch angesprochen. Es gibt eine Lesung des Briefromans „Address Unknown“ mit John Malkovich und Thomas Hampson am 3. August 2023 im Schloss Leopoldskron. Zu beiden Künstlern besteht eine langjährige, viel beachtete Zusammenarbeit. Thomas Hampson wirkte vielfach als Pionier künstlerischer Verständigung zwischen Österreich und den USA.

Thomas Hampson (US-amerikanischer Opernsänger (Bariton)) und Martin Haselböck Künstlerischer Leiter und Gründer des Wiener Akademie Orchester Foto: © Rudi Gigler
John Gavin Malkovich ist ein US-amerikanischer Schauspieler und Filmproduzent Foto: © KIRCH’KLANG Festival

Seit drei Jahren bietet das KIRCH’KLANG Festival Programminhalte, die weit über Musikgenuss hinaus aktualitätsbezogene, kritische Auseinandersetzungen auch mit den dunklen Kapiteln europäischer Geschichte ermöglichen – von den Konfessionskriegen der Barockzeit bis hin zur künstlerischen Sublimierung der Themen von Vertreibung, Exil und kulturellem Austausch. Ausgehend vom Salzkammergut und Salzburg greift Verbundenheit gerade in diesem Jahr in die USA ebenso wie in die Ukraine.

Dieses Jahr steht das KIRCH’KLANG Festival unter dem Motto „Confessiones“ und stellt musikalische, menschliche sowie politische (Glaubens-) Bekenntnisse ins Zentrum seines Programms und deshalb sind auch historische Kirchenräume des Salzkammerguts für dieses Festival vorgesehen. Kirchen sind nicht nur Begegnungsräume, sondern sind auch etwas besonderes bei Musikklängen und dies betrifft das Gehör. Es ist ein Erleben nach innen hinein. Genauso ist das musikalische zusammengestellte Programm auch ein Kulturdokument, dass auch auf Kirchengeschichte verweist und Botschaften überbringt.

Hallstatt- Kirche Foto: © Oekumene / Kirch’Klang

Thomas Hampton wird an drei Abenden auftreten, die Wiener Sängerknaben werden in St. Wolfgang das letzte Sakralwerk des Salzburger Komponisten Michael Haydn zu Gehör bringen, und neben den Stars wird auch jungen Musikerinnen und Musikern ein großes Podium geboten.

Veranstaltungsorte: des KIRCH’KLANG Festivals 2023 sind: Bad Ischl, Altmünster, Schörfling, Mondsee, Traunkirchen, Bad Goisern, Hallstatt, Abtsdorf, Attersee, St. Wolfgang, Salzburg, Oberwang, Straß i. Attergau, St. Gilgen.

Für das Jahr 2024 (Kulturhauptstadt Salzkammergut) ist mit Stadt und Land Salzburg ein großes SAKRALWERK mit einem theologisch-musikalischen Symposium eingeplant. Es wird sich dabei um Johann Sebastian Bachs MATTHÄUSPASSION im Salzburger Mozarteum handeln.

https://www.kirchklang.at/

VIELGEPRÜFTES ÖSTERREICH

Foto: © Christa Linossi

Paul Lendvai zieht mit diesem Buch eine gedankliche Linie von der Zeitgeschichte ins Hier und Heute!

Seine Gesprächspartner waren immer die Mächtigsten der Welt. Nun hat er nach seinem letzten Buch „Die verspielte Welt“ einen weiteren Band mit dem Titel „Vielgeprüftes Österreich“ (2022 erschienen) herausgebracht.

Paul Lendvai ist ein unermüdlicher und einer der bedeutendsten österreichischen Journalisten und ein eiskalter Analytiker.

Paul Lendvai Foto: © Rudi Gigler

Worum geht es in diesem Buch?

Österreich-Insider und Journalist Paul Lendvai liefert in diesem Buch wieder einmal eine messerscharfe Analyse der politischen Geschichte seiner Wahlheimat. Dabei schlägt er den Bogen von den Habsburgern, Persönlichkeiten wie Bruno Kreisky und Wolfgang Schüssel über den Aufstieg und Fall der FPÖ bis hin zum Ukraine-Krieg und der damit zusammenhängenden Gas Krise. Paul Lendvai als Zaungast der österreichischen Politik mit „Blick hinter die Kulissen der Macht“.

Sein Statement: „In diesem Buch habe ich eine kritische Bilanz der prägenden Persönlichkeiten und politischen Persönlichkeiten und politischen Parteien nicht nur auf der Grundlage von Fachliteratur und Autobiografien, sondern auch nach spannenden Erfahrungen und zahlreichen persönlichen Hintergrundgesprächen mit früheren und gegenwärtigen Politikern und Politikerinnen gezogen“.

Dieses Buch ist es wert zu lesen?

Paul Lendvai’s Bücher sind immer interessant zu lesen. Jeder der sich für Politik interessiert, sollte dieses Buch lesen. Man blickt mit ihm, sozusagen hinter die Kulissen der Mächtigen und versteht vielleicht das eine oder andere besser.

DER AUTOR

Paul Lendvai, geboren 1929 in Budapest, lebt seit 1957 in Wien. Er ist Leiter des ORF-Europastudios, Kolumnist für den Standard und Autor von 18 Sachbüchern. Sein Wirken wurde vielfach preisgekrönt, u.a. mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik.

Erschienen ist das Buch

ecowin Verlag (freytagberndt.com)

EAN: 9783711002693

GROSSE OPER – VIEL THEATER

Hofstallgasse, Festspielbezirk Salzburg – © Freda Fiala

Anlässlich des Großprojekts „Festspielbezirk 2030“ bringt die Initiative Architektur eine viel beachtete Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums zu europäischen Bühnenbauten nach Salzburg.

Lukas Crepaz (Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele)und Roman Höllbacher (Leiter der Initiative Architektur) © SF/Jan Friese

„Große Oper – Viel Theater“ Wo und was ist die Handlung?

Es geht hier um eine ursprünglich zur Diskussion über die Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt und entwickelte Ausstellung „GROSSE OPER – VIEL THEATER“ die die europäischen Projekte der letzten Jahre vergleicht. Darunter sind Sanierungen historischer Anlagen ebenso wie spektakuläre Neubauten, die in manchen Fällen auch einen städtebaulichen Akzent gesetzt haben.

Dam Ausstellung Große Oper – Viel Theater? – © Moritz Bernoully

Die Projekte wurden sachlich aufbereitet und es wurden Fakten zu Größen, Kosten und Projektlaufzeiten verglichen.

Sie werden sich jetzt fragen, warum wurde diese Ausstellung nach Salzburg geholt und inwiefern könnte es die Salzburger Bevölkerung interessieren, was in europäischen Opernhäusern oder Theaters passiert?

Diese Ausstellung wurde deshalb nach Salzburg gebracht um das Projekt „Festspielbezirk 2030“ zu erweitern und um die entsprechenden Fakten zu ergänzen.

Da in Salzburg eine große Generalsanierung des Großen Festspielhaus ansteht, will man möglichst gute Vergleichsparameter mit den europäischen Projekten damit erzielen.

Visualisierung – © Jabornegg & Palffy

Insofern ist die Ausstellung auch für die Salzburger Bevölkerung wieder interessant geworden, denn es geht bei diesem Thema um Architektur, Denkmalpflege, Kunst und Kulturgeschichte bis hin zu Fragen der Logistik und der Nachhaltigkeit.

Das Projekt Festspielbezirk 2030 wurde schon im Laufe der Zeit immer wieder adaptiert, so die Felsenreitschule (zuletzt 2011, Architekturbüro HALLA 1) und das alte Festspielhaus (heute: Haus für Mozart, 2006, Holzbauer & Irrsberger und Hermann & Valentiny). Letzteres völlig neu gebaut, bleibt somit das Große Festspielhaus des Architekten Clemens Holzmeister, von marginalen Veränderungen abgesehen, seit seiner Eröffnung im Jahr 1960 unangetastet. Jedoch sind die Folge wie bühnen- und veranstaltungstechnischen Anlagen, sowie die Haustechnik und die Anforderungen eines modernen Konzert- und Festivalbetriebs längst am Ende ihres Lebenszyklus angekommen. Deshalb sind die zentralen Aspekte des Projekts die Behebung des eklatanten Mangels an Nutzflächen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsbereichen, die Modernisierung der technischen Ausstattung und die Neuorganisation der logistischen Abläufe innerhalb des Festspielbezirks notwendig.

Visualisierung – © jaborneggpalffy

So wurde für die gestalterische Ausprägung dieser komplexen Aufgabe Ende 2021 ein EU-weites Bewerbungsverfahren ausgeschrieben. 15 Architekturbüros mit einschlägigen Erfahrungen im Bereich des Theaterbaues wurden eingeladen. Als Sieger ging einschlägig das Projekt des österreichischen Architekturbüros Jabornegg & Pálffy hervor. Ihr Konzept beruht auf einem möglichst reduzierten Eingriff in den Felsen des Mönchsbergs und einer optimalen Organisation der funktionsbedingten Abläufe. Bei Laufendem Betrieb soll der Umbau 2025 starten und 2030 abgeschlossen sein.

Yorck Förster (Kurator), Mario Lorenz (Ausstellungsgestaltung), Andrea Jürges (Kuratorin), Lukas Crepaz (Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele) und Roman Höllbacher (Leiter der Initiative Architektur) – © SF/Jan Friese

Zu berücksichtigen galt auch, dass der Festspielbezirk seit 1997 unersetzbarer Bestandteil des UNESCO Welterbe Salzburg ist.

Projekte der Ausstellung werden in drei Themen unterteilt (von europäischen Kulturstätten) und präsentiert: Sanierungen, Neubauten und Stadtentwicklung.

Des Weiteren gibt es parallel zu dieser Ausstellung auch ein Rahmenprogramm siehe unter: https://initiativearchitektur.at/

Eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main. Die Kuratoren der Ausstellung sind Andrea Jürges und Yorck Förster.
Ausstellungsgestaltung von Mario Lorenz.

In Kooperation mit den Salzburger Festspielen.

Der bedeutendste BAUMEISTER des europäischen Barock –

Johann Bernhard FISCHER VON ERLACH

Johann Bernhard Fischer von Erlach ein Meisterwerk die Kollegien Kirche in Salzburg Foto: © Rudi Gigler

Johann Bernhard FISCHER VON ERLACH (*1656 in Graz und +1723 in Wien) war einer der bedeutendsten Baumeister des europäischen Barocks.

Zum 300. Todestag von Johann Bernhard Fischer von Erlach, nimmt das Salzburg Museum in Zusammenarbeit mit dem Wien Museum, eine großangelegte Ausstellung und präsentiert das faszinierende vielfältige Werk des großartigen Architekten.

Die Baukunst des europäischen Barocks ist ohne Johann Bernhard Fischer von Erlach nicht vorstellbar. Mit Bauten wie der Kollegienkirche in Salzburg, der Hofbibliothek und der Karlskirche in Wien schuf er Ikonen der Architektur, die schon zu Lebzeiten seinen Ruhm in Buchform in ganz Europa verbreitete, wurde Fischer von Erlach zu einem Weltarchitekten des Barock.

Ausstellungsansicht Fischer von Erlach im Salzburg Museum Foto: © Christa Linossi

Die in den Ausstellungen befindlichen Exponate stammen aus den reichhaltigen Beständen der beiden Partnermuseen, ergänzt um zahlreiche hochkarätige Leihgaben aus österreichischen und internationalen Sammlungen. Inszeniert wird die Schau des österreichischen Künstlers (Bildhauer) Werner Feiersinger, der diese Ausstellung aus dem Blickwinkel eines Bildhauers zeigt. Zeichnungen, Stiche, Gemälde, Modelle und Fotografien, die Feiersinger selbst angefertigt hat, machen Fischers wichtige Bauten und Projekte anschaulich und vermitteln die Aktualität seines künstlerischen Denkens zwischen Körper, Raum und Bild. Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Salzburger Bauten, mit denen er das Gesicht der Stadt wie kein zweiter Architekt prägte.

2019 haben das Wien Museum und das Salzburg Museum bereits begonnen, gemeinsam ein kuratorisches Konzept zu entwickeln, um im Jubiläumsjahr 2023 in spezifischer Weise auf den jeweils herausragenden Stellenwert Fischer von Erlachs für das baukulturelle Erbe in Salzburg und in Wien zu reagieren.

Das Zusammenwirken der beiden Museen erweist sich als schlüssig, als Fischer von Erlach im Gegensatz zu den meisten großen europäischen Hofarchitekten seiner Generation über einen längeren Zeitraum parallel für zwei Dienstherren arbeitete. In Wien für den kaiserlichen Hof der Habsburger, und in Salzburg für den Hof des Fürsterzbischofs. Das Ziel der Ausstellung war, trotz ortspezifischer Schwerpunktsetzungen Fischer von Erlach als Gesamtphänomen begreifbar zu machen und sein Wirken aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Ausstellungsansicht Johann Bernhard Fischer von Erlach Salzburg Museum Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellungen in Wien und Salzburg möchten auch Fischers Gestaltungswillen in seiner Innovationskraft und seiner Universalität zum Ausdruck bringen, wo auch ein prägender Einfluss von Fischer, nach seinem langjährigen Aufenthalt in Italien, auf seine Architekturauffassung innehat und sichtbar wird.

Fischer von Erlach hat das Stadtbild von Salzburg wesentlich geprägt und innerhalb weniger Jahre, zwischen 1694 und 1709, konnte er im Auftrag von Erzbischof eine ganze Reihe hochrangiger Projekte realisieren und mit der Kollegienkirche die berühmte, von mittelalterlich und frühbarocken Bauten bestimmter Silhouette der Stadt durch eines seiner Hauptwerke vervollständigen. In Wien, wo er bis zu seinem Tode lebte, musste Fischer dagegen häufig auf die Gunst seiner Auftraggeber werben und selbst als Oberinspektor aller kaiserlichen Hof- und Lustgebäude (1705) noch am Wettbewerb um die Karlskirche teilnehmen.  

In Salzburg erhielt er vom Salzburger Erzbischof eine Reihe der bedeuteten Aufträge von fünf Kirchen – Dreifaltigkeitskirche und das Priesterhaus, Kollegienkirche, Ursulinenkirche, Johannesspitalkirche und die Wallfahrtskirche Maria Kirchental bei Lofer. Für die Franziskanerkirche entwarf Fischer einen neuen Hochaltar. Auch das Portal des Hofmarstalls, das Hoyos-Stöckl und das Schloss Kleßheim gehen auf seine Entwürfe zurück. Als Erzbischof Johann Ernst 1709 starb, war auch Fischers Tätigkeit beendet. Ein geplantes Stichwerk mit den Salzburger Aufträgen kam nicht mehr zustande.

Furtwängler Park Kollegienkirche von der Rückseite Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellung ist in fünf Kapiteln aufgeteilt: Von Rom Lernen, Casinos und Lustgebäude, Die Welt im Blick, Im kaiserlichen Wien.

Nachdem mich die Kollegienkirche immer wieder fasziniert, will ich auf dieses Bauwerk gerne noch kurz eingehen:

Es ist die bedeutendste Barockkirche Mitteleuropas mit ihren strengen Formen des Kirchenschiffs, das schmucklose Weiß der Raumschale ermöglichen eine absolute Konzentration auf die Architektur. Erst hinter den beiden mächtigen Säulen des Altarraums löst sich die klassische Strenge auf in ein verspieltes Barock. Als Frauenkirche befindet sich ihr Zentrum genau unter der Kuppel, dort verbinden sich Himmel und Erde, die vertikale und horizontale Energie des Raumes. Wer dort steht, kann es spüren. Vom Architekten und vom Bauherrn als Ort der Weisheit geschaffen, lädt die Kollegienkirche auch immer wieder zum Dialog der verschiedenen Künste mit dem Göttlichen, dessen Funke die Welt durchdringt ein.

Johann Bernhard Fischer von Erlach Hochaltar der Kollegienkirche, Salzburg, 2021, Farbfotografie, © Werner Feiersinger

Die Ausstellung läuft im Salzburg Museum bis zum 08.10.2023

Die Ausstellung im Wien Museum wird erst ab 1. Februar 2024 in einer adaptierten Version zur Wiedereröffnung des Wien Museum am Karlsplatz zu sehen sein.

STEPPING OUT!

Chinese Contemporary ART im MdM Salzburg

Das Museum der Moderne in Salzburg, macht mit der Ausstellung STEPPING OUT! ein Up Date in der zeitgenössischen Kunst Chinas.

Luo Yang aus der Serie „Girls“ 2018-16 Foto: © Lua Yang

Es ist nicht die erste China Ausstellung, aber die erste Ausstellung von 26 Künstlerinnen, die sowohl Pionierinnen als auch junge, kaum bekannte Positionen mit mehr als hundert Werken aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Performance und Installation auf zwei Aufstellungsebenen präsentiert werden. Ziel dieser Ausstellung ist es, das eklatante Ungleichgewicht in der Sichtbarkeit weiblicher Künstlerinnen aus China zu korrigieren und auf die enorme Vielfalt und Relevanz ihres künstlerischen Schaffens zu verweisen.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg

Ich mache einen Rückblick ins Jahr 2007. Da wurde im MdM Salzburg MAHJONG chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg gezeigt. China wurde einer der größten Global Player und versuchte hier auch den Sprung in die Kunst. Die rote Gefahr, die gelbe Hände hatte – und ihr großer „Steuermann“ war Mao Zedong (1893-1976). Doch Maos Herrschaft war gekennzeichnet durch Gewalt, Terror und Rechtlosigkeit. Der „Große Vorsitzende“ brachte das Reich der Mitte an den Rand des Abgrunds. Es gab nur Kunst für das Regime. Etwa vor 25 Jahren gelang es der Kunst, sich langsam vom Druck des Regimes zu befreien. Wer eigene Wege ging, galt als Untergrundkünstler. 1989, nach der blutigen Niederschlagung von Studentenprotesten auf dem Tiananmen-Platz des Himmlischen Friedens, setzten sich die Künstler immer kritischer mit ihrem Land und ihrer Tradition auseinander. Aber die Künstlerinnen blieben noch immer im unsichtbaren Hintergrund. In der Ausstellung MAHJONG stellten nur männliche Künstler aus. Zu dieser Ausstellung gab es auch ein internationales Symposium zum Thema „Chinas Kunst, zwischen Aufbruch und Kommerz“. Auf dieser Ebene wurden Themen wie die historische Verknüpfung zwischen China und Europa, die Globalisierung, die Entwicklung chinesischer Gegenwartskunst und die Frage „Was bleibt vom Hype?“ referiert und diskutiert.

Sun Shaokun, No Land II, 2010 aus der Serie „Bow and Rebuke – No Land“ Courtesy of Sun Shaokun Foto: © Sun Shaokun

Zurück in die Gegenwart! Die Ausstellung STEPPING OUT! ist eine Kooperation mit dem Lillehammer Kunstmuseum und Kunstforeningen GL Strand entstandene erste Ausstellung seit 25 Jahren, die einen umfassenden Überblick über die zeitgenössische künstlerische Produktion von Frauen aus Festlandchina gibt.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg

Es treten chinesische Künstlerinnen bereits seit den späten 1980er- Jahren mit offener und mitunter provozierender Haltung aus dem Schatten ihrer männlichen, die chinesische Gegenwartskunst dominierenden Kollegen, heraus. Sie fordern Gleichberechtigung, stellen traditionelle Rollen und Repräsentationsformen infrage und brechen Tabus, um aktuelle Gesellschaftsfragen selbstbewusst in die Öffentlichkeit zu tragen.  Das Museum der Moderne will somit den chinesischen Künstlerinnen eine Bühne bieten, um ihren vielfältigen Stimmen Gehör zu verschaffen und ihre Sichtbarkeit zu verstärken; dies insbesondere in Anbetracht dessen, dass sich zurzeit, nach vier Jahrzehnten zunehmender Öffnung und vorsichtiger Liberalisierung die Anzeichen mehren, dass sich China auf dem Weg in eine totalitäre Dystopie (Eine Dystopie ist eine meist in der Zukunft spielende Erzählung, in der eine erschreckende oder nicht wünschenswerte Gesellschaftsordnung dargestellt wird.) befindet.

Cao Yu Skulptur mit bissigem Humor und hämischer Kritik überkommene männlichen Erwartungen gegenüber weiblichen Rollen Foto:© Christa Linossi

Die Arbeiten der jüngsten Künstlerinnen sind dementsprechend radikal und widerständig. Sie zeigen Selbstverletzung, Wut und Ohnmacht, weibliche Sexualität, Mutterschaft, sexuelle Orientierung und Widerstand.

Stepping Out! Ausstellungsansicht MdM 2023 Foto: Rainer Iglar © MdM Salzburg
Liu Xi, Our God is Great, 2018-21 45 teilige Installation, Tapete, Porzellan, Eisenpulver Foto: © Liu Xi

Die Künstlerin Liu Xi, ebenfalls in der Ausstellung vertreten, ist auch als Kuratorin tätig gewesen in Zusammenarbeit mit dem weiteren Kurator: innen: Christina Penetsdorfer (Museum der Moderne Salzburg), Nils Ohlsen (Lillehammer Kunstmuseum) und Feng Boyi (Peking).

von li nach re: Kurator: innen: Christina Penetsdorfer (MdM Salzburg), Feng Boyi (Peking), Liu Xi (Shanghai) und Künstlerin Foto: © Christa Linossi

Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Juni 2023

https://www.museumdermoderne.at/ausstellungen/detail/stepping-out-female-identities-in-chinese-contemporary-art/

BODO HELL                 

und die Literaturtage in Rauris 2023 sind schon wieder Geschichte!

Rauriser Literaturtage 2023 – Bodo Hell – Foto: © Christa Linossi

Eine Fahrt ins Rauris Tal lohnt sich immer wieder, allein schon wegen seiner 20 schönsten Gipfel rund um Rauris.

Rauris und seine Berge Foto: © Christa Linossi

Aber man fährt nicht nur wegen der schönen Landschaft, sondern auch einmal im Jahr wegen den Literaturtagen ins Rauris. Heuer fanden die 52. Literaturtage mit dem Thema „Aus dem Rahmen“ statt.

Es ist nichts „Aus dem Rahmen“ gefallen, diesmal gab es keine Beschränkungen, keine Pandemie und sonstige Nachteile. Es war wieder ein Zusammentreffen der Autoren und Autorinnen, der Veranstalter, des Publikums und der vielen Diskussionen rund um die Literatur.

Warum „Aus dem Rahmen“ das Motto für die Rauriser Literaturtage 2023? Aus der Sicht des Intendanten-Duo Ines Schütz und Manfred Mittermayer der beiden langjährigen Verantwortlichen für die Literaturtage wurden zuletzt viele Selbstverständlichkeiten durch Ereignisse wie die Pandemie und den Krieg in der Ukraine ins Wanken gebracht. Eine Motivation dazu, darüber nachzudenken, wie damit umzugehen ist, wenn einzelne Personen und Lebensmuster „aus dem Rahmen fallen“. Mentale und technologische Veränderungen unseres Zusammenlebens sind seit längerem im Gang und haben die Rahmenbedingungen für unsere Existenz erkennbar verschoben. Dazu gehören Phänomene wie die Globalisierung und die Digitalisierung, aber auch die Frage nach der Abgrenzbarkeit individueller Identität.

Die besten Gedanken dazu, hatte Bodo Hell, der es kurz und knackig in einer lustigen Anekdote – während dem Gespräch mit Mittermayer – dem Publikum präsentierte.

Rauriser Literaturtage 2023 Manfred Mittermayer im Gespräch mit Bodo Hell – Foto: © Christa Linossi

Für mich, war bei den heurigen Literaturtagen in Rauris, Schwerpunkt Bodo Hell, denn ich unbedingt, auch aus privaten Gründen, im Gespräch „sage und schreibe“ mit Manfred Mittermayer hören wollte. Es war ein Gespräch über Literatur. Kein Autor ist so sehr mit der Geschichte der Rauriser Literaturtage so verbunden wie Bodo Hell. Er war der erste Preisträger des Rauriser Literaturpreises 1972 und war insgesamt zehn Mal Gast bei den Literaturtagen. Anlass dieses Gespräches, war der 80. Geburtstags (15. März 2023) von Bodo Hell, der sehr viele interessante Details aus seinem Leben und seinem Kunstschaffen preisgab. Er gab Auskunft über die Literatur, die für sein eigenes Schreiben prägend gewesen sind. Es gab dann auch noch einen Ausschnitt aus einem neuen Dokumentarfilm von Carola Mair, die Bodo Hells Schaffen neu porträtierte.

Seine Literatur ist zeitgenössisch, er hinterfragt ständig die Geschichte der Religion und hat mit Landschaft und Berge sehr wenig zu tun. Obwohl er wieder im Sommer, es wird sein 45. Almsommer auf der Grafenbergalm im steirischen Dachsteingebiet. Wo er wieder als Halter und Senner Rinder, einige Pferde und Ziegen auf einer Almfläche von ca. 1300 Hektar betreuen wird. Als Senner produziert er auch in mühevoller Handarbeit einen begehrten Ziegenkäse. Er ist hier nicht nur Senner, sondern nebenbei ist er auch Schriftsteller und die vielen Gedanken, die ihm hier bei der Almarbeit durch den Kopf jagen, bringt er abends dann zu Papier. Diese Alm ist für ihn wichtig, hier kann er vom Großstadtgetriebe Abstand nehmen, seine Neugierde herausfordern und wieder neues entstehen lassen.

Bodo Hell ist ein vielseitiger Autor und Performer und mit seinen 80 Jahren kein bisschen leiser, im Gegenteil ein quicklebendiger, der körperlich und geistig gut drauf ist, wie ein Junger. Einfach beachtenswert. Aber seine Devise ist auch: „Beweglich bleiben im Geist und mit dem Körper, die Neugierde nicht verlieren und solange seine Schuhe gehen, wird auch er die nächsten 20 Jahre gehen“. Das nenne ich eine absolut gute Einstellung.  

Bodo Hell geboren 1943 in Salzburg, lebt in Wien und am Dachstein
Prosa (intertextuell und der Faktizität verpflichtet), Radio, Theater, Schrift im öffentlichen Raum, Text-Musik-Performances, Essais zur bildenden Kunst, Fotos, Film, Ausstellungen, Almwirtschaft.

https://www.bodohell.at/

Sein neuestes Buch „Begabte Bäume“ hier bewegt man sich konkret durch Österreichs Natur- und Kulturräume. Seine Texte kommen flink und leichtfüßig daher; verknüpfen botanisches Wissen mit historischem und kulturgeschichtlichem. ISBN: 9783990591307 erschienen im Literaturverlag Droschl. https://www.droschl.com/

Tannhäuser

Osterfestspiele Salzburg 2023

Richard Wagner (1813–1883)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg
Romantische Oper in drei Akten
Dichtung vom Komponisten

»Tannhäuser« – Tänzerinnen und Tänzer von BODHI PROJECT und SEAD Salzburg © Monika Rittershaus

Ich hatte die Gelegenheit bei den Proben von „Tannhäuser“ dabei zu sein. Ich schreibe über Opern sehr selten, ich bin keine Opernexpertin. Aber was reizte mich, eine der schwierigsten Opern von Richard Wagner, doch anzusehen und bei den Proben dabei zu sein? Es war das Bühnenbild und die Inszenierung, die mich in den Bann zogen.

„Tannhäuser“ Foto: © Wilfried Hösl

Das Bühnenbild setzte der Italiener Romeo Castellucci so großartig in Szene, dass er es schaffte, Bühne, Kostüme und Licht in einen Kontext zur Musik von Wagner zu stellen und die Leichtigkeit des Italieners spürbar machte.

Welche Gedanken machte sich Castellucci zum „Tannhäuser“? Seines Erachtens liegt Tannhäuser zwischen zwei Dimensionen, weil er keine eigene Dimension hat. Tannhäuser Dimension ist ein Irrtum, und sein Merkmal: Er ist immer zur falschen Zeit am falschen Ort und mit dieser Erkenntnis arbeitet Castellucci an Bildern, die universell sind und die sich jeder Erklärung entziehen. Tannhäuser ist ein getriebener Mann, Jemand, der es allen recht machen will und am Ende niemanden gefällt.

Andris Nelsons-Gewandhausorchester Foto: © Gert-Mothes

Mit feierlichen Tönen wird die Ouvertüre eröffnet und es beginnt mit dem Einzug der „Amazonen“ (könnten aber auch Bacchantinnen oder Nymphen sein?) ausgestattet mit Pfeil und Bogen. Damit ist schon die eine Kraft des Werkes vorgestellt, der die Welt der Venus gegenübertritt. Als Bühnenbild dient im Hintergrund ein als Videoeingespielter riesengroßer Kreis, in der Mitte ein Auge, dass auf die Amazonen blickt. Dieser groß eingeblendete Kreis – ändert immer wieder den Bildinhalt – und ist ein Wechselspiel zum Inneren des Venusberges.

LM0A1891 Tannhäuser@Bayerische Staatsoper Foto ©: Wilfried Hösl

Als weiteres Bühnenbild erschließt sich das Innere, wo sich Körper ineinander verschlungen, versuchen sich zu bewegen und die Stimme der Venus und des Tannhäuser erklingen lassen („Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen, gesungen laut sei nur dein Preis von mir!“

„Tannhäuser“ Emma Bell (Venus) Foto: © Monika Rittershaus

Das Bühnenbild ist auch Wechselspiel, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen seidigen Vorhängen mit der Choreinlage „Freudig begrüßen wir die edle Halle, wo Kunst und Frieden immer nur verweile‘…“

Jonas Kaufmann (Tannhäuser), Marlis Petersen (Elisabeth) Tänzerinnen und Tänzer von BODHI PROJECT und Seat / Foto: © Monika Rittershaus

Es ist vermutlich das Vorspiel, in dem noch einmal das Fluch Motiv der Venus aufklingt und in die Sängerhalle der Wartburg führt.

Das Bühnenbild im dritten Akt, ebenso schlicht gehalten, ein sichtbarer Pfeil, und am Ende sieht man den Zerfall des Körpers, den Prozess der Zersetzung.

Tannhäuser „Zerfall des Körpers“ Foto: Foto: © Rudi Gigler

Hier wurde immer wieder der Text mit Beginn „Hier vergehen ein Jahr“…usw bis zum Schluss „Hier vergehen eine Milliarde Milliarden Milliarden Milliarden Jahre“ eingeblendet.

Tannhäuser „Ebene in Atome umgewandelt“ Foto: Foto: © Rudi Gigler

Somit kann man hier die biologische Uhr sehen, die uns die Zeit aufzwingt, die aber auch die Zeit transzendiert. Erst wenn die Ebene in Atome umgewandelt ist, ist eine Begegnung möglich. Auch hier spürte man die Tiefenwirkung des Bühnenbild von Romeo Castellucci.

“ Der Staub des Tannhäuser und der Staub der Elisabeth können sich endlich umarmen und eins werden.“ Foto: © Rudi Gigler

Statement von: ANDRIS NELSONS (Musikalische Leitung)

„Liebe und Opfer sind die höchsten menschlichen Taten. Elisabeth opfert sich für Tannhäuser. Diese Chance, dass einem vergeben wird, rückt Tannhäuser für mich sehr nah an die christliche Religion.  Da ich katholisch erzogen und aufgewachsen bin spielen solche Gedanken wie Sünde und Vergebung, Oper und Liebe und all diese Gegensätze eine große Rolle. Und all das ist sehr präsent in TANNHÄUSER“

Statement von: JONAS KAUFMANN(Tannhäuser)

„Diese Tannhäuser-Expedition ist etwas, das man vielleicht als vorbereitende Besteigung des Mount Everest bezeichnen sollte. Es ist nicht der letzte, höchste Gipfel, aber natürlich ist es nicht weit davon entfernt.“

Statement von: ROMEO CASTELLUCCI (Bühnenbild)

„Die Verbindungen zwischen Italien und Deutschland sind sehr alt. Ich denke, dass man in gewisser Weise ein italienisches Herz braucht, um Wagner aufzuführen, ich meine im Allgemeinen, nicht mich, ich denke, eine italienische Mentalität macht Wagner etwas weicher. Diese Kombination kann also sehr gut sein.“

https://osterfestspiele.at/programm/2023/tannhaeuser

Rückblick zu Richard Wagner „TANNHÄUSER und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ Wagner wurde 1841 mit dem Stoff bekannt und schrieb am Textbuch bis 1843. Im April 1845 war die Komposition beendet, und die Oper konnte am 19. Oktober 1845 in Dresden uraufgeführt werden. Immer wieder hat Wagner an dem Werk gearbeitet. Zur Aufführung in Paris (1861) hatte er sogar eine Balletteinlage geschrieben, die allerdings wesentliche Umarbeitungen erforderlich machte. Mit dem „Tannhäuser“ schritt Wagner den Weg zum Musikdrama konsequent weiter. Die Szenen gehen ineinander über. Dem sinfonischen Gesamtstil fügt sich der deklamatorische Gesang ein. Mit den feierlichen Tönen des Pilgerchores wird die Ouvertüre eröffnet. Damit ist schon die eine Kraft des Werkes vorgestellt, der die Welt der Venus gegenübertritt. Doch der Glaube an das Gute trägt den Sieg davon: mit der Ausbreitung des Pilgerthemas schließt das Vorspiel