„steirischer herbst – ein Festival, das mich zum Nachdenken brachte, …und was ein Boot im Keller damit zu tun hat!“

„Installation im BAU Graz – Teil der Performance von Gelitin beim steirischen herbst 2025.“ Foto: © Christa Linossi 2025

NEVER AGAIN PEACE

Der steirische herbst ist wieder da – und ich mittendrin. Nicht laut, sondern tastend, suchend. Graz empfängt mich mit einem leisen Flirren – zwischen Fassaden, Konzepten und Fragen, die das Festival stellt, ohne sie zu beantworten.

Das Motto „Never Again Peace“ klingt provokant – und ist es auch. Inspiriert von Ernst Tollers Exiltext aus den 1930er Jahren zeigt das Festival, wie schnell friedliebende Gesellschaften in Krieg und Hass kippen können. Intendantin Ekaterina Degot verweist auf aktuelle Konflikte und die Pervertierung antifaschistischer Begriffe durch neue Diktaturen. 42 Auftragsarbeiten hinterfragen die Idee eines endlosen Krieges – düster, aber nie ohne Humor.

Modell des C.P. Paul Lemerle – ein Schiff, das Flucht und Rettung symbolisiert. Ein stiller Zeuge zwischen Konzept und Kontur Foto: © Christa Linossi 2025

Wenn das Finanzsystem pelzig wird – Banker als Wiesel im Kunstlicht Fotos: © Christa Linossi 2025

Mein Streifzug beginnt im BAU – einer ehemaligen Destillerie, die zum Labyrinth der Geschichte wird. Ein Schiff erinnert an Flucht und Rettung, ein ruinierter Banker liegt zwischen Spirituosen, während künstliche Intelligenz das System übernimmt. Und dann Gelitin: Ich steige allein in den düsteren Keller, werde von einer Lumpenfigur in ein Boot geladen und lande in einem Feuerkreis aus Lampen. Große Gipsköpfe starren sich gegenseitig an – und ich frage mich: War das einst ein Verlies?

Im Kunsthaus Graz zeigt „Unseen Futures to Come“ zwölf Positionen zur Unsicherheit unserer Zeit. Keine Antworten, aber Fragen, die bleiben. Im Forum Stadtpark geht es um „Besessene Berge“ – Besitz, Ausbeutung, juristische Magie. Wem gehört die Natur? Und was bedeutet Besitz in Zeiten des Extraktivismus?

Der Weg zur Kunst – eine Rolltreppe ins Ungewisse. Zwischen Beton und Bild, Alltag und Ausstellung Foto: © Christa Linossi 2025
Wenn Berge sprechen und Bildschirme zuhören – Forum Stadtpark als Denkraum im steirischen herbst. Foto: © Christa Linossi 2025

Für mich bleibt die Frage: Warum immer wieder die Vergangenheit? Warum nicht endlich ein Festival, das sich dem FRIEDEN widmet? Künstler:innen könnten Konzepte entwerfen – für Gerechtigkeit, für Natur, für ein Leben in Zufriedenheit. Themen gäbe es genug.

Ich fühlte mich oft wie eine Suchende – zwischen Installationen, die mich zum Lachen brachten, und Räumen, die mich frösteln ließen. Der steirische herbst ist kein Spaziergang, sondern ein Gang durch die Gegenwart. Er bleibt für mich ein Ort der Reibung – zwischen Kunst und Welt, zwischen Konzept und Gefühl. Vielleicht braucht es gerade jetzt ein neues Flirren: nicht zwischen Krieg und Frieden, sondern zwischen Menschlichkeit und Mut.

„Zwischen Schaukel und Sandkasten – Kleine Menschen, große Lektionen“

Ein stiller Blick vom Balkon auf den Kindergarten-Garten – ein Ort voller Fantasie, kindlicher Energie und leiser Lektionen für uns Erwachsene. Warum Kinderlachen mehr ist als nur Geräuschkulisse. Hat dich dieser Text berührt oder zum Nachdenken gebhatht? Denn manchmal reicht ein Blick vom Balkon, um die Welt neu zu sehen.
Ein stiller Blick vom Balkon auf den leeren Garten des Kindergartens. Im Hintergrund zeichnen sich zwei Wohnblöcke schemenhaft ab – verborgen hinter Bäumen, fast wie Kulissen einer Bühne, die gerade Pause macht, Foto: © Christa Linossi 2025

Als Künstlerin bin ich oft auf der Suche nach Ausdrucksformen jenseits der Leinwand. Dieser Blick vom Balkon war einer davon – ein Bild, das keine Farbe braucht, um zu wirken. Manchmal reicht ein Blick vom Balkon, um sich daran zu erinnern, was im Leben wirklich zählt. Täglich beobachte ich das bunte Treiben eines Kindergartens – voller Lachen, Fantasie und kleinen Dramen. Zwischen Schaukel und Sandkasten entfaltet sich eine Welt, die uns Erwachsenen viel zu sagen hätte, wenn wir nur wieder zuhören würden. Dieser Text ist eine Einladung, das Kindsein neu zu entdecken – und vielleicht auch ein Stück davon zurückzuholen.

Ich wohne in einem ruhigen Wohngebiet. Tag für Tag sehe ich einen Kindergarten, der voller Fantasie und kindlicher Energie lebt.

Der große Garten, der den Kindern zur Verfügung steht, ist ein kleines Paradies. Hier wird gelacht, gestritten, getröstet und gemeinsam gespielt. Es gibt Dreiräder, auf denen sie herumtollen, ein hölzernes Pferd, das sie durch imaginäre Wiesenlandschaften trägt, und einen kleinen Hügel, umgeben von Bäumen, der zum Herumtollen einlädt. Mehrere Schaukeln, eine ausrangierte Gondel, Sandkästen und viele weitere Spielmöglichkeiten machen diesen Ort zu einem Abenteuerland.

Täglich dürfen die Kinder hinaus in diesen Garten. Sie leben ihre Fantasie aus, spielen, schreien, lachen – und manchmal auch weinen. Weil sie von der Schaukel gefallen sind, gestolpert sind oder ein anderes Kind sie aus Versehen gestoßen hat. All das gehört dazu. Hier dürfen Kinder noch Kinder sein.

Ich beobachte dieses bunte Treiben mit Freude. Es ist berührend zu sehen, wie sie miteinander umgehen, sich zu kleinen Gemeinschaften zusammenschließen, neugierig auf alles Neue sind und immer wieder auf Entdeckungsreise gehen – selbst wenn sie den Garten schon in- und auswendig kennen. Denn für Kinder gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

Doch sobald sie in die Schule kommen, scheint diese Unbeschwertheit zu enden. Der „Ernst des Lebens“ beginnt. Wir Erwachsenen drillen sie auf Muster, auf Leistung, auf System. Warum eigentlich? Um ein System zu erhalten? Um erfolgreich zu sein? Um zu funktionieren wie kleine Roboter?

Warum haben wir unsere eigene Unbeschwertheit verloren? Warum können wir nicht auch mit mehr Leichtigkeit durch unseren Alltag gehen? Müssen wir immer nach Höherem streben – vielleicht, um in unserer materiellen Gesellschaft zu überleben?

Vielleicht sollten wir wieder von den Kindern lernen. Dass man mit wenig viel machen kann. Dass Lachen, Neugier und Fantasie keine Kindheitssymbole sind, sondern Lebenselixiere. Denn wer das Kindsein nicht vergisst, verliert nie ganz den Zugang zur eigenen Lebendigkeit.

„In die Höhe gefallen – Leselust mit Meyerhoff“ Wortkunst in Gmunden

Salzkammergut Festwochen Gmunden 2025. Zwischen Traunsee und Theaterbühne vermischen sich Stimme und Text zu einem Erleben der besonderen Art – Joachim Meyerhoff liest, lebt, berührt.

Lesung Stadttheater Gmunden – Joachim Meyerhoff liest aus „Man kann auch in die Höhe fallen“ Foto: © Rudi Gigler 2025

Ein Schauplatzwechsel von der Festspielstadt Salzburg nach Gmunden! Das Salzkammergut zählt mit seiner landschaftlichen Schönheit zu den berühmtesten Regionen Österreichs. In dieser eindrucksvollen Naturkulisse präsentieren die Salzkammergut Festwochen Gmunden ihr vielfältiges Kulturprogramm von Anfang Juni bis Anfang August.

Ich beobachte Gmunden und seine Festwochen seit Jahren und stelle fest: Gmunden wächst heran – fast zur kulturellen Konkurrenz Salzburgs

Das Stadttheater in Gmunden / Foto: © Rudi Gigler 2025

Heuer entschied ich mich, eine Veranstaltung der Salzkammergut Festwochen in Gmunden zu besuchen – eine Lesung im Stadttheater. Schon beim Betreten dieses Hauses hat man ein gutes Gefühl: klein, aber fein.

Das Stadttheater in Gmunden Innenansicht / Foto: © Rudi Gigler 2025

Meine Wahl fiel auf Joachim Meyerhoff und sein Buch „Man kann auch in die Höhe fallen“. Ich kannte ihn weder als Autor noch als Schauspieler und ließ mich auf dieses Abenteuer ein.

Literatur mit Tiefgang und Höhenflug: Wenn Schauspielkunst auf Wortmagie trifft und Gmunden zur Bühne großer Erzählkunst wird – Joachim Meyerhoff liest, lebt und bewegt. Ein Abend ohne Pomp, aber mit umso mehr Gefühl.
Lesung Stadttheater Gmunden – Joachim Meyerhoff liest aus „Man kann auch in die Höhe fallen“ Foto: © Rudi Gigler 2025

Wer ist Joachim Meyerhoff? Er ist deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. 2018 erlitt er einen Schlaganfall, den er literarisch in „Hamster im hinteren Stromgebiet“ verarbeitete.

Es war eine sehr gute Entscheidung, ihn live zu erleben. Da er auch Schauspieler ist, verstand er es meisterhaft, seinen Text zu präsentieren. Man lebte mit dem Text – im Kopf entstanden Bilder, etwa wenn er humorvoll Szenen mit seiner Mutter beschrieb. Das Publikum schmunzelte und lachte.

Er las aus seinem neuen Roman „Man kann auch in die Höhe fallen“. Worum geht es?

„Mit Mitte fünfzig zieht es Joachim Meyerhoff zu seiner Mutter aufs norddeutsche Land, um dort an einem Roman über das Theater mit dem Titel Scham und Bühne zu schreiben. Es werden unvergleichliche, ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet.“

Während er las und erzählte – eben nicht nur als Autor, sondern als Schauspieler – hatte man das Gefühl, einem Menschen beim Leben zuzusehen.

Der Roman ist mit Sicherheit gelungen. Die deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT lobte ihn in höchsten Tönen: Es sei das literarischste und anspruchsvollste Werk, das Meyerhoff bislang geschrieben hat.

Zum Abschluss präsentierte er noch eine Kurzgeschichte, die in Zusammenarbeit mit Claus Peymann entstand – der kürzlich verstarb. Diese Geschichte, ursprünglich am Berliner Theater aufgeführt, brachte viel Witz und Charme mit sich.

Ein Abend, der zeigte: Gute Literatur braucht keine großen Kulissen, sondern große Erzähler – wie das Salzkammergut selbst: charmant, vielschichtig.

Secret Garden – Jaume Plensa’s Dreaming Sculptures on Salzburg’s Residenzplatz

View of Residenzplatz, encircled by sculptures Jaume Plensa that whisper history. Photo: © Christa Linossi 2025

Introduction & Personal Perspective Since Sunday, July 27, 2025, the Residenzplatz in Salzburg has been transformed by the artist Jaume Plensa into a silent garden of reflection, graced with his monumental, dreaming heads made of metal. “A mesmerizing sight: The monumental sculptures redefine the Residenzplatz and attract visitors like moths to a flame.”

Left to right: Dr. Kristina Hammer (President of the Salzburg Festival), Jovanka Porsche (entrepreneur and co-founder of Global Neighbours), Christian Kern (former Austrian Chancellor), Jaume Plensa (artist), Daniel Richter (artist, with his wife Hanna Putz), Prof. Walter Smerling (Chairman of the Foundation for Art and Culture, Bonn), Thaddaeus Ropac (gallerist), and Philipp Hochmair (actor, currently starring as “Jedermann”). Photo: © Christa Linossi 2025

Artistic Reflection and Dialogue with Mozart “This time I’m not encountering this artwork as an online journalist, but as an artist – with a keen eye for the invisible space between form and emotion.” The Residenzplatz breathes history – but today, a new language floats above its cobbled stones: the language of Jaume Plensa’s sculptures. Faces without words, bodies without movement – and yet a silence that speaks. In the background, unmoved but eternally present, Mozart – the genius of music – witnesses this dialogue of forms. What does he see? What does he hear? Perhaps the sound of thoughts that art awakens within us. How does he feel? Pushed into the background, yet present, his gaze meets these monumental sculptures. A quiet dialogue with the “five women of differing origins and nationalities who, with closed eyes, might be guarding their dreams and longings?” “Mozart, the eternal poet of sound, observes this new language of forms from afar. Does he listen to the inner dialogues of the sculptures? Or hear the thoughts they awaken in us?”

The installation around the Residenzbrunnen – a magnificent baroque fountain with its own story – was a brilliant idea. Crafted from Untersberg marble by Tommaso di Garona, though not without controversy, the fountain consists of three basins and four sculptural groups. Past and future converge in a dialogue between the five women’s heads and the fountain. A moment of reflection: what is history, what is the future?

Technical Details of the Sculptures Created in 2023 in the Plensa Studio Barcelona, the work consists of five oversized heads, each measuring 11 meters in height and weighing approximately 30 tons. The sculptures – named Minna, Rui Rui, Wilsis, Rose, and Soribel – are arranged in an open grid measuring 24 × 24 meters. Each figure is made up of 22 to 26 individual fragments connected by stainless steel bolts. Thanks to their modular structure, the sculptures can be assembled piece by piece.

Artistic Reflection and Dialogue with Mozart “This time I’m not encountering this artwork as an online journalist, but as an artist – with a keen eye for the invisible space between form and emotion.” The Residenzplatz breathes history – but today, a new language floats above its cobbled stones: the language of Jaume Plensa’s sculptures.
Jaume Plensa beside one of his dreaming sculptures – a quiet encounter between creator and creation. Photo: © Christa Linossi 2025

Plensa’s Concept of the Secret Garden Jaume Plensa’s statement resonates: “Five women of different origins and nationalities who, with closed eyes, speak to us through inner paths, of all the beauty we hold within ourselves. An unknown and unique landscape that remains hidden deep within our being – the secret garden of our lives, the most valuable place, the center of our dreams and longings.”

Walk of Modern Art “Secret Garden” continues the acclaimed project Walk of Modern Art, established between 2002 and 2011 in Salzburg. It brings contemporary international art into the public space, creating a vibrant dialogue with the historic city center. Statement from Walter Smerling, Chairman of the Stiftung für Kunst und Kultur e.V. and curator: “With Secret Garden, the Walk of Modern Art continues impressively: art that belongs to everyone – in the midst of life, in the heart of Salzburg. Jaume Plensa creates space for humanity through silence and beauty.”

Jaume Plensa became internationally known through works like the “Crown Fountain” in Chicago and the “Behind the Walls” installation at Rockefeller Center in New York. He also designed acclaimed stage sets, for example at the Liceu Barcelona. In Salzburg, he’s already part of the Walk of Modern Art with his work “Awilda” in the arcaded courtyard of the university (2010).

During the Salzburg Festival, Plensa’s sculptures transform the Residenzplatz into a site of silent poetry. Visitors approach them with awe – sitting down, lingering, capturing the moment. And in the heart of Salzburg, the secret garden unfolds – open, universal, deep within us.

🗓 The sculptures are freely accessible during the Salzburg Festival, from July 27 to August 29 – located in the historic old town – turning Residenzplatz into a place of silent poetry and universal encounter.

70 Jahre documenta – Ein Rückblick auf die größte Schau zeitgenössischer Kunst

© documenta und Museum Fridericianum gGmbH: Mockups of the new Website 2025

Was 1955 im Fridericianum begann, damals noch an der Seite der Bundesgartenschau, ist heute weltweit eine der bedeutendsten Ausstellungsreihen für zeitgenössische Kunst. Am 15. Juli 1955 wurde die von Arnold Bode gegründete documenta zum ersten Mal in Kassel eröffnet. Insgesamt 15 Ausgaben der documenta haben seitdem stattgefunden.

Die documenta hat in den vergangenen 70 Jahren auf vielfältigste Art und Weise ihre Spuren im Kasseler Stadtraum hinterlassen und es ist Wunsch jedes Künstlers, einmal auf der documenta vertreten zu sein.

„Die Anfänge der documenta

Der Kasseler Maler Arnold Bode (* 23.12.1900 in Kassel und + 3. Oktober 1977) realisierte 1955 die erste documenta, die als Überblickschau zur Kunst des 20. Jahrhunderts mit raumgreifenden, neuen Inszenierungsformen ein bahnbrechender Erfolg wurde. Sie war eine Retrospektive mit Arbeiten (Fauvismus, Expressionismus, Kubismus, Blauer Reiter, Futurismus) aller bedeutenden Gruppierungen. Geniale Einzelgänger wie Pablo Picasso, Max Ernst, Hans Arp, Henri Matisse und Wassily Kandinsky wurden präsentiert. Ein Durchgang durch die Kunstgeschichte der ersten 50 Jahre des Jahrhunderts, wo neben den Klassikern der Moderne auch die deutschen Begründer der modernen Kunst wie Klee, Schlemmer oder Beckmann vorgestellt wurden.

Aufgrund des unerwarteten Erfolges wagte Bode für 1959 eine zweite Ausstellung und installierte damit den Ausstellungszyklus der Kasseler documenta, die seit 1959 alle 5 Jahre stattfindet (ursprünglich alle vier Jahre) und durch eine GmbH mit den Gesellschaftern Stadt Kassel und Land Hessen organisiert wird.

Wer es als Künstler in die documenta schafft oder geschafft hatte, hat schon sehr viel am Kunstmarkt erreicht und verschwindet nicht mehr von der Bildfläche.

„Das Jubiläumsjahr 2025“

Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der documenta laden das gesamte Jahr 2025 über Ausstellungen, Talk- und Vortragsreihen ein. Darüber hinaus sind Konzerte und Performances sowie Buchpräsentationen und Social Media Kampagnen geplant. Diese Veranstaltungen laden dazu ein, sich mit der wechselvollen Geschichte und der Zukunft der international einzigartigen Ausstellungsreihe auseinanderzusetzen.

Mit einem Festakt am 7. Juni 2025 wird an die Gründung der documenta erinnert und zugleich eine stadtweite Intervention der documenta-12-Künstlerin Cosima von Bonin eröffnet.

Sven Schoeller, Vorsitzender des documenta-Aufsichtsrats und Oberbürgermeister der Stadt Kassel, betont die internationale Ausstrahlung der documenta. Ihre positive Energie wirkt in die Stadtgesellschaft hinein. “Die documenta ist nicht nur eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie spielt auch eine zentrale Rolle für den Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein der Kasseler Stadtbevölkerung. Als wiederkehrendes kulturelles Großereignis zieht sie internationale Aufmerksamkeit auf sich und verwandelt Kassel in ein Zentrum des künstlerischen Austauschs. Die Vorfreude auf die kommende documenta 16 im Jahr 2027 ist besonders groß. Die künstlerische Leitung wird von Naomi Beckwith übernommen. Sie ist kuratorisch vielversprechend und international sehr vernetzt.”

Im Jubiläumsjahr 2025 bietet sich die Gelegenheit, aus allen Perspektiven über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der documenta zu diskutieren.

Das Besondere an der documenta ist, dass sie in einem kritischen Diskurs mit ihrer eigenen Geschichte und den künstlerischen Referenzen fortgeschrieben wird, während parallel dazu eine die gesamte Kunst- und Kulturszene beeinflussende Rezeptionsgeschichte entstanden ist, die eine permanente Neubefragung vornimmt.

„Ausblick auf die documenta 16

Die Vorfreude auf die kommende documenta 16 im Jahr 2027 ist besonders groß, da mit Naomi Beckwith eine kuratorisch vielversprechende und international sehr vernetzte Persönlichkeit die künstlerische Leitung übernehmen wird.

„Mein Interesse für die documenta“

„Mein Interesse für die documenta geht über die bloße Bewunderung hinaus. Sie ist nicht nur die Top-Adresse für Künstlerinnen und Künstler, die sich international positionieren möchten, sondern auch ein einzigartiger Spiegel unserer Zeit. Jede Ausgabe bietet faszinierende Momentaufnahmen und zeigt, wie Künstler*innen die Welt in ihren Werken wahrnehmen und interpretieren. Seit der 12. Ausgabe im Jahr 2007 hat mich dieses Zusammenspiel aus Kunst und Zeitgeschehen immer wieder aufs Neue begeistert.

Als jemand, der selbst künstlerisch tätig ist, hat die documenta eine besondere Bedeutung. Jahrzehntelang widmete ich mich der Aktzeichnung, bevor ich zur experimentellen Fotografie wechselte. Hier nutze ich meine Leidenschaft für grafisches Arbeiten. Ich erschaffe Kunstwerke, indem ich fotografische Elemente wie Steine, Berge oder Landschaften aufgreife. Dann verändere ich sie gezielt. Ich integriere Details wie Kabel oder meinen eigenen Schatten. So schaffe ich Verbindungen zwischen grafischen Kompositionen und der Natur. Photoshop verwende ich als mein Werkzeug. Diese Herangehensweise hat meine Perspektive auf die Kunst enorm erweitert. Sie inspiriert mich, die Vielfalt der zeitgenössischen Kunst immer wieder neu zu entdecken.“

Die documenta ist nicht nur ein Fenster in die Welt der Kunst, sondern auch ein Ort, an dem Kunstgeschichte geschrieben wird – immer wieder aufs Neue

https://www.documenta.de/en

Hier finden Sie die Links zu meinen Berichten über die vergangenen sechs documenta-Ausgaben, die ich leidenschaftlich begleitet habe:

https://www.kultura-extra.de/kunst/portrait/vorschau_documenta13.php

https://www.kultura-extra.de/kunst/feull/vorschau_documenta_12.php

HOFFNUNG, die das Blatt wenden wird!

HOPE – who will turn the tide ist das Motto von Ars Electronica 2024, einem weiteren Schritt in Richtung Zukunft 2040.

Hoffnung und Optimismus sind nicht der Glaube, dass alles schon irgendwie gut wird, sondern das Vertrauen in unsere Fähigkeit, Einfluss zu nehmen und Verbesserungen herbeizuführen.

Homodyne / Erick Aguirre (MX), Kevin Blackistone (US), Jiaji Cheng (CN), Danica Golić (RS), Kathrine Hardman (US), Eunji Ji (KR), Polina Kliuchnikova (RU), Kateryna Pomeichuk (UA) Photo: Markus Schneeberger

Wir dürfen Hoffnung nicht als passive Haltung verstehen, sondern als aktive Kraft. Sie motiviert uns, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen.

Eine Auseinandersetzung mit den psychologischen oder gar evolutionären Grundlagen des Prinzips Hoffnung ist nicht das Anliegen des Festivals Ars Electronica. Es wird auch keine Reflexion über unser ständiges Schwanken zwischen Hoffnung und Pessimismus geben.

Im Rahmen der Pressekonferenz und Präsentation des Ars Electronica Festival 2024 wurden von Gerfried Stocker folgende Statements abgegeben.

Gerfried Stocker, Artistic Director of Ars Electronica / Gerfried Stocker ist seit 1995 der künstlerische Leiter und Geschäftsführer von Ars ElectronicaEr hat maßgeblich zur Entwicklung der Ausstellungsstrategien des Ars Electronica Centers beigetragen und war für den Aufbau des Ars Electronica Futurelab verantwortlich Foto: © Christa Linossi

„HOPE“ als Festivalthema ist keine resignative Aussage, dass uns nichts anderes übrigbleibt, als zu hoffen, dass irgendjemand oder irgendetwas unsere Probleme lösen wird. Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass es tatsächlich viele Gründe zur Hoffnung gibt. Im Untertitel „who will turn the tide“ geht es nicht darum, wie die Wende erreicht werden kann, sondern wer die treibenden Kräfte dafür sind.

Ziel des Festivals ist es, möglichst viele Menschen ins Rampenlicht zu rücken, die sich bereits auf den Weg gemacht haben und mit ihren Aktivitäten – so groß oder klein sie auch sein mögen – einen ganz konkreten Anlass zur HOFFNUNG geben.

1979, also vor genau 45 Jahren, wurde die Ars Electronica in Linz/Österreich von den Gründungsvätern Hannes Leopoldseder, Hubert Bognermayr, Herbert W. Franke und Ulrich Rützel ins Leben gerufen. Es war die Geburtsstunde jenes erfolgreichen Denkmodells, das die Ars Electronica immer wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Es ist gerade das Festival der Kunst in Verbindung mit Technologie und Gesellschaft, der Alternativen und neuen Perspektiven, die sich daraus ergeben, wenn auch mit den Mitteln der Kunst und dem Blick der Künstler*innen auf die gesellschaftlichen und kulturellen Aspekte und auf die technologischen Fragestellungen und Entwicklungen.

Technologie ist nicht die Lösung unserer Probleme, aber wir werden viel Technologie brauchen, um unsere Probleme zu lösen. Dies erfordert jedoch ein anderes Verständnis von Technologie und unserer Verantwortung im Umgang mit Technologie.

Darüber hinaus wird sich das Festival HOPE einer weiteren wichtigen Frage und Aufgabe eines Festivals in herausfordernden Zeiten stellen: als klare Ansage gegen die dummen, kurzsichtigen Pseudokonzepte und Scheinargumente populistischer Politik, gegen das sinnlose Geschrei aus den massenmedialen Sümpfen (analog wie digital) ebenso wie gegen sinnstiftendes Schönreden und Ignorieren.

Die POSTCITY ist auch heuer wieder das Festivalgelände. Die Linzer Innenstadt wird wieder zur Festivalmeile. Ein Programm der Superlative wie zum Beispiel Events & Konzerte – vom Pre-Opening-Walk bis zum Abschlusskonzert wird die Besucher: innen ebenfalls wieder erwarten.

Wir dürfen gespannt sein, wie hier wieder ein zukunftsweisender Meilenstein gesetzt wird. Erst staunt man, was weltweit schon alles passiert, dann keimt die HOFFNUNG,die das Blatt wenden wird – HOP -who will turn the tide.

DER COUNTOWN LÄUFT!

Der Startschuss für die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 ist gefallen. Ein Jodler für die Welt!

© Titelbild Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Bad Ischl

Am Samstag, 20. Jänner 2024 wird die erste Kulturhauptstadt Europas im ländlichen Alpenraum eröffnet: Bad Ischl Salzkammergut 2024!

Zum ersten Mal in der Geschichte findet die Kulturhauptstadt 2024 in einer inneralpinen, ländlich geprägten Region statt. Die Bannerstadt Bad Ischl und 22 weitere Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark entwickeln eine Kulturregion, die sich neu erfindet: Kunst, Kultur, Wirtschaft und Tourismus werden zusammengeführt.

Die ganze Stadt – und die ganze Region – wird zur Bühne!

Am Samstag, 20. Jänner 2024 ab 11 Uhr wird in der Fahnenstadt Bad Ischl und der ganzen Region mit Hubert von Goisern und dem Chor der 1000, Tom Neuwirth aka Conchita Wurst, Doris Uhlich und dem Gastspiel der Komischen Oper Berlin mit der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Straus (Regie: Barrie Kosky) gefeiert und getanzt. Zahlreiche Kunstperformances und Installationen u.a. von Katharina Cibulka, Ruth Schnell | Martin Kusch, Camo & Krooked, die erste Club Night des New Salt Festivals, ein Konzert hosted by Anton Bruckner 2024 und viele weitere Veranstaltungen sind bei freiem Eintritt zu erleben.

Die zentrale Ausstellung „sudhaus – kunst mit salz & wasser“, kuratiert von Gottfried Hattinger, wird bereits am Nachmittag eröffnet.

Die Eröffnungsfeierlichkeiten enden am Sonntag, den 21. Januar 2024 mit einem Katerfrühstück, dem ersten Weltsalon „Europa im Umbruch“ mit Aleida Assmann, Nava Ebrahimi und Fiston Mwanza Mujila mit Herfried Münkler und dem „Großen Welt-Raum-Weg“.

Hier finden Sie einen Link zu einem kurzen Überblick über das Programm der Eröffnungsveranstaltung. Openingfolder_KHS_2024_Bad_Ischl_20-21-01-2024.pdf (salzkammergut-2024.at)

Ich werde wieder am Puls der Zeit sein. Ich werde für SIE über die verschiedensten Projekte der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 berichten.

In der Möglichkeit der ständigen kritischen Reflexion liegt für mich das Potential der Kunst.

AM FENSTER KLEBT NOCH EINE FEDER

Maria Lassnig

Foto: © Christa Linossi

Worum geht es in diesem Buch?

Maria Lassnig (1919-2014) pflegte Freundschaften mit zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern. Sie war eine große Leserin vor allem österreichischer Autorinnen und Autoren. Besonders verbunden fühlte sie sich Ingeborg Bachmann und Peter Handke, die beide in Kärnten geboren wurden.

Mit der Feder als Schwester des Pinsels – der Gegenstand kann derselbe sein, nur die künstlerischen Ausdrucksmittel unterscheiden sich – beschrieb Lassnig gerne die Verwandtschaft der beiden Kunstgattungen. Maria Lassnig konzentrierte sich ganz auf die bildende Kunst, daneben besaß sie literarische Fähigkeiten, die in den Texten zu ihren Filmen, in Briefen und Notizen zum Ausdruck kommen. Was Lassnig im Bereich der Literatur geschaffen hat, wird in diesem Band in Erinnerung gerufen. Möge der Leser, die Leserin eine Ahnung von der lichten Weite der Autorin Maria Lassnig bekommen.

Eine kleine Anekdote, die dem Buch entnommen ist: „Da ich der Ansicht bin, dass es ungeheuer viel mehr Dinge in der Welt gibt, Dinge, die man nicht mit Wörtern ausdrücken kann, die noch nicht in Wörtern ausgedrückt sind, also mehr Dinge gibt es als Wörter – will ich in der Kunst auch nicht mit viel Wörtern beginnen“.

Dieses Buch ist es wert zu lesen?

Wenn Sie sich für die Künstlerin Maria Lassnig interessieren. Dann wird Sie auch interessieren, wie sie sich in Worten ausgedrückt hat. In diesem Buch finden Sie eine Fülle von kleinen Anekdoten. Zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Wie sagte Peter Handke so treffend über Maria Lassnig: „Maria Lassnig war nicht nur eine Malerpersönlichkeit, sie war auch eine schreibende Persönlichkeit“.

Maria Lassnig Biografie:

Bildende Künstlerin, geboren 1919 in Kappel am Krappfeld/Kärnten, gestorben 2014 in Wien. 1940 fährt Maria Lassnig mit dem Fahrrad von Kärnten nach Wien, wo sie an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert. Ab den späten 1940er Jahren Arbeiten zum Körperbewusstsein, die ihr Lebenswerk prägen werden. Mit Arnulf Rainer reist Lassnig 1951 nach Paris und bringt die informelle Kunst nach Österreich.

In Paris (1960-1968) nimmt Lassnig Einflüsse der Pop-Art auf. In New York (1968-1980) experimentiert sie auch mit Film. Ab 1980 Professorin an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien: Sie unterrichtet Malerei und gründet ein Trickfilmstudio.

Ihre Ferien verbringt sie am liebsten in ihrem Kärntner Landatelier in Feistritz im Metnitztal. Lassnig vertrat Österreich 1980 auf der Biennale in Venedig und stellte ihre Werke auf der documenta, in Amsterdam, Paris, London und New York aus. Im Jahr 2013 wurde sie auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Herausgeber dieses Bandes:

Peter Handke: geb. 1942 in Griffen/Grebinj, Österreich, Schriftsteller

Barbara Maier: geb. 1961 in Gemmersdorf, Österreich, Kuratorin

Lojze Wieser: geb. 1954 in Klagenfurt/Celovec, Österreich, Verleger

Wieser Verlag (wieser-verlag.com)

Antony Gormley – Nightwatch –

in der Kollegienkirche Salzburg

großformatiger Skulpturen des britischen Bildhauers Antony Gormley / Foto: © Christa Linossi

Sie ist Salzburgs Kunstkirche, ein neuer Ort der Spiritualität, an dem die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst und Künstlerinnen immer wieder Teil des Programms ist.

Derzeit ist im Rahmen der Salzburger Festspiele 2023 bis zum 13. August 2023 eine wunderbare Ausstellung in der Kollegienkirche zu sehen.

Gezeigt wird eine Gruppe großformatiger Skulpturen des britischen Bildhauers Antony Gormley (*1950). Es handelt sich um fünf Skulpturen aus der Tanker-Serie des Künstlers, die in einen bildnerischen Dialog mit der Ouverture spirituelle zum Thema „Lux aeterna“ treten.

Die fünf Stahlskulpturen sind dem menschlichen Körper nachempfunden. Ihre Masse verwandelt sich in dunkle, sich ständig ausdehnende Hohlräume, die in hermetisch abgeschlossenen „Tanks“ gehalten werden. Die Figuren stehen in einer Reihe und wenden sich dem Betrachter beim Eintreten zu. Verbeugen sie sich vor Gott oder sind es Verbeugungen vor der Erde?

Skulptur die sich verneigt Antony Gormley / Foto: © Christa Linossi

Die dunklen, bis zu 387 kg schweren Stahlfiguren bilden einen optischen Kontrast zur luftigen „Weißen Kirche“, die 1696-1707 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaut wurde und den Wissenschaften gewidmet ist.

Die sich auftürmenden schwarzen Phänomene dringen in die geistige Sphäre ein und schaffen sich Raum.

Skulpturen des britischen Bildhauers Antony Gormley / Foto: © Christa Linossi

Nachsatz: Der britische Bildhauer Antony Gormley (*1950) gilt als einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, der die Skulptur neu definiert hat. Eine Auswahl seiner Zeichnungen schmückt das Programmheft der Salzburger Festspiele 2023, eine davon – Sight (1987) – wurde zum ikonografischen Emblem der diesjährigen Festspiele gewählt. In diesem Werk weitet sich ein Blick in die Ferne oder ein schmaler, laserartiger Strahl öffnet einen Spalt in die Ewigkeit.

Die Ausstellung findet im Rahmen der Salzburger Festspiele 2023 statt und ist eine Kooperation mit der Galerie Thaddaeus Ropac.

Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich!

Don’t Let me down!

experimental photo work by © Christa Linossi 2023 – From the series „Dreams“

I was inspired by the song „Don’t let me down! Don’t let me down, we encounter this statement constantly and daily. It is a jumble of language, a jumble of images and again and again this phrase appears in our vocabulary: „Don’t let me down“.

Brandneue Arbeit von Christa Linossi zum Theaterstück „Jedermann“ Christa Linossi 2023