DER SKANDAL bei der documenta fifteen

documenta fifteen: Dan Perjovshi, Generosity, Regeneration, Transparency, Independence, Sufficiency, Local Anchor and most of all Humor, 2022, Fridericianum, Kassel, 10. Mai 2022

Die documenta fifteen in der Krise! Am 18. Juni 2022 wurde sie eröffnet und seitdem tobt ein Skandal nach dem anderen, Schuld zu Weisungen sind an der Tagesordnung bis zum Köpfe rollen.

Worum geht es um den Skandal genau?

Auszug zu meinem Bericht vom 30.06.2022

Das Künstlerkollektiv Taring Padi machte sich als Intellektuelle von der Peripherie bereit, „die Macht im Zentrum (documenta) zu übernehmen“. Das Künstlerkollektiv Taring Padi zeigte am Kasseler Friedrichplatz ein Wimmelbild-Banner die auf antisemitische Motive hingewiesen hat.

„Unkommentierte pro-palästinensische Propagandafilme im Programm der Kasseler Kunstschau. Es sind Filme die in Verbindung mit der linksterroristischen und antisemitischen Gruppe Japanische Rote Armee – Anfang der 70er Jahre Anschläge in Israel – gebracht werden.

Die documenta wurde diesmal von einem Künstlerkollektiv aus Asien kuratiert, es handelt sich um die Gruppe Ruangrupa aus Indonesien. Die setzten ihre Vorstellungen natürlich verstärkt auf die Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika, um ihre Probleme ins Zentrum zu rücken. Des Weiteren vielleicht auch ein fehlendes Problembewusstsein für Antisemitismus in Indonesien.

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches, in Deutschland und global verbreitetes Problem. Das zeigt sich nun in Kassel: Antisemitische Bildsprache auf der globalen documenta fifteen. Wie konnte es dazu kommen? Was braucht es jetzt, damit die polarisierte Situation nicht noch weiter eskaliert? Wie denken wir das Vermeiden von Zensur und das Vermeiden antisemitischer Kunst zusammen?“

Aufgrund dieser Situation kam es zum Skandal, der sich bis heute noch nicht richtig erholt hat.

Köpfe rollen war auf der Tagesordnung, es war Fanal des künstlerischen und ein politisches Versagen. Experten hatten bereits seit Monaten schon vor den antisemitischen Tendenzen der Ausstellungsmacher gewarnt. Es folgten Endlose Debatten, die üblichen Solidaritätsbekundungen dem Zentralrat der Juden gegenüber und es gab keine einzige klare Handlungsanweisung, man gab den Hinweis auf die Kunstfreiheit. Aber bei Antisemitismus muss auch die Kunstfreiheit enden.

Auszug aus der Pressenachricht des Aufsichtsrats als Erklärung:

„Der Aufsichtsrat äußert seine tiefe Betroffenheit, dass am

Eröffnungswochenende der documenta fifteen eindeutig antisemitische Motive zu sehen waren. Die Präsentation des Banners „People‘s Justice“ des

Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache war eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt. Es ist nach Auffassung des Aufsichtsrates essenziell, diesen Vorfall zeitnah aufzuklären, Schlussfolgerungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Umgang mit antisemitischen Vorgängen in der Kultur und Kunstkontext zu ziehen und weiteren Schaden für die documenta abzuwenden. Durch die Aufhängung des Banners und auch im Zuge der Krisenbewältigung in den vergangenen Wochen ist leider viel Vertrauen verloren gegangen. Der Aufsichtsrat betrachtet es als essenziell, dass alles darangesetzt wird, dieses Vertrauen zurückzugewinnen“

Nun ist die Katze aus dem Sack! Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und Generaldirektorin Sabine Schormann verständigten sich einvernehmlich darauf, ihren Geschäftsführerdienstvertrag kurzfristig aufzulösen.

Alexander-Farenholtz_(c)KSB_Fotograf_Falk-Wenzel

Presseauszug von der documenta fifteen: Alexander Farenholtz übernimmt die Interims-Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum GmbH

„Alexander Farenholtz wurde heute einstimmig durch den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zum Interims-Geschäftsführer der documenta bestellt. Das erklärten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, am Montag. Die Gesellschafter der documenta sind froh und dankbar, in einer für die documenta herausfordernden Situation einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager für die bedeutende Weltkunstausstellung in Kassel gewonnen zu haben. Alexander Farenholtz übernimmt diese Aufgabe bereits am Dienstag, 19. Juli. Das Engagement ist zunächst bis zum 30. September 2022 befristet. Es ist der Wunsch von Herrn Farenholtz, nach der Abstimmung mit den Gesellschaftern nun zunächst mit der künstlerischen Leitung und dann selbstverständlich auch mit dem Team der documenta gGmbH Gespräche aufzunehmen. Kassel und die documenta sind Farenholtz seit Jahren gut vertraut: Nach dem Studium (Verwaltungswissenschaft in Konstanz) und ersten beruflichen Stationen war er 1989 unter anderem für die Realisierung der documenta 9 unter der künstlerischen Leitung von Jan Hoet zum Geschäftsführer der documenta GmbH berufen worden. 1993 wechselte er als Leiter des Ministerbüros ins Baden-Württembergische Kunstministerium und übernahm 1996 zusammen mit Tom Stromberg die Leitung des Kulturprogramms der Weltausstellung EXPO2000 in Hannover. Mit Beginn des Jahres 2002 wurde er zum Gründungsvorstand und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes bestellt. Dieses Amt übte er an der Seite von Hortensia Völckers als Künstlerischer Leiter bis zum Erreichen der Altersgrenze im Januar 2020 aus.“

Nun heißt es wieder nach vorne zu schauen und zu hoffen, dass man in Zukunft genauer hinsieht, um solche Unannehmlichkeiten gar nicht an das Tageslicht zu bringen. Kunst soll aufzeigen aber nicht „hetzen“.

Ein bitterer Beigeschmack wird bei der documenta fifteen mit Sicherheit bleiben. Diese documenta fifteen wird vielen im Gedächtnis bleiben. Es war ein Skandal, den man vermeiden hätte können, aber vielleicht war es gut, damit man sich in Zukunft besser vorbereitet, sowie auch die Kuratoren genauer unter die Lupe nimmt.  Kunst muss und soll schreien, aber auch ihr sind Grenzen gesetzt!