MAX PECHSTEIN IM LENTOS – Farbe, Freiheit und ein Blick, der bis heute wirkt

Max Pechstein, Gardasee, 1924. Öl auf Leinwand. LENTOS Kunstmuseum Linz. Ein nächtlicher Blick über den See – Farbe, Rhythmus und eine stille Intensität, die Pechsteins Reisen prägt.
Die gezeigten Werke stammen aus der Sammlung des LENTOS Kunstmuseum Linz.

Diesmal tauchte ich im Lentos Museum in eine Ausstellung ein, die einem der bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker des Expressionismus gewidmet ist: Max Pechstein. Die Schau zeigt über 100 Werke aus der Kunstsammlung Zwickau – eine internationale Retrospektive, die Pechsteins Weg von den frühen Jahren in der Künstlergruppe Brücke bis in das Spätwerk nach 1945 nachzeichnet.

Ein kurzer Blick auf den Künstler

Max Pechstein (1881–1955), in Zwickau geboren, entstammte einer Arbeiterfamilie und begann seine Laufbahn als Dekorationsmaler. Nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule und der Dresdner Akademie wurde er 1906 Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“, wo er eine zentrale Rolle in der Entwicklung des deutschen Expressionismus einnahm. Seine Werke verbinden kraftvolle Farbigkeit, exotische Motive und eine unmittelbare, emotionale Bildsprache.

Was Expressionismus bedeutet

Der Begriff „Expressionismus“ leitet sich von expressio – „Ausdruck“ – ab. Im Zentrum steht nicht die äußere Realität, sondern das Innere des Künstlers: Gefühle, Wahrnehmungen, seelische Zustände. Zu den bedeutenden Vertretern zählen u. a. Kandinsky, Marc, Macke, Munch, van Gogh und Gauguin. Der Expressionismus entstand als Gegenbewegung zu Impressionismus und Naturalismus – und Pechstein war einer seiner prägendsten Stimmen.

Die Ausstellung im Lentos

Die Retrospektive zeigt Pechstein nicht nur als Maler, sondern auch im Spannungsfeld von Förderung, Vermarktung und künstlerischer Selbstbehauptung – besonders sichtbar in seiner komplexen Beziehung zum Galeristen Wolfgang Gurlitt. Förderung und Abhängigkeit, Erfolg und Konflikt: Diese Dynamik zieht sich wie ein roter Faden durch Pechsteins Karriere.

Mich persönlich faszinierten besonders die Werke seiner Südseereise und späteren Aufenthalte an der Ostsee. Diese Bilder tragen eine farbliche Intensität, die sofort berührt.

Max Pechstein, Abend im Hafen von Leba, 1951. Öl auf Leinwand. LENTOS Kunstmuseum Linz. Ein spätes Werk voller Licht, Bewegung und mediterraner Farbenergie – Boote, Wasser und Himmel verschmelzen zu einem vibrierenden Küstenmoment.

„Abend im Hafen von Leba“ (1951)

Ein tiefes, vibrierendes Blau dominiert die Szene. Grün‑Gelb‑Töne und die untergehende Sonne schaffen eine Atmosphäre zwischen Ruhe und Bewegung. Die Boote spiegeln sich im Wasser, und beim näheren Hinsehen meint man fast, die Wellen gegen die Rümpfe schlagen zu hören.

Max Pechstein, Unterhaltung, o. J. Öl auf Leinwand. LENTOS Kunstmuseum Linz. Ein intimer Moment im Freien – drei Figuren im Gespräch, begleitet von einem Hund. Ein Blick auf Pechsteins menschliche, warme Seite.

„Abschied am Abend“ (1950)

Fischer und Frauen am Strand, vielleicht nach einem langen Tag. Wieder diese kräftigen Farben – Blau, Gelb, das Licht am Horizont. Der Strand spiegelt sich im Wasser, und man spürt die Stimmung eines Moments, der vergeht und doch bleibt.

„Am Garder See“ (1924)

Ein Werk voller Ruhe: tiefes Blau, Schilf, Landschaft, ein grauer Sonnenkreis, der dennoch strahlt. Man spürt, wie sehr Pechstein in der Natur aufging – umgeben von Wasser, Licht und Weite. Ein Blick, den er unbedingt festhalten musste.

Biografische Brüche

Pechstein erlebte nicht nur künstlerische Höhen, sondern auch schwere Einschnitte: Internierung im Ersten Weltkrieg, Geldnot, erzwungene Rückkehr aus der Südsee, später Kriegsdienst. In der NS‑Zeit wurden über 500 seiner Werke als „entartet“ beschlagnahmt, viele gingen verloren oder wurden zerstört.

Die Ausstellung zeigt neben Gemälden und Grafiken auch Fotografien, Briefe, Holzstöcke, Malutensilien und die Reisetagebücher von Max und Lotte Pechstein – Dokumente, die auch die kolonialen und rassistischen Sichtweisen ihrer Zeit sichtbar machen.

Zum Ausklang

Pechstein nimmt innerhalb der deutschen Avantgarde eine zentrale Rolle ein. Die Retrospektive im Lentos vereint Schlüsselwerke aus allen Schaffensphasen und legt einen besonderen Fokus auf seine Beziehung zu Wolfgang Gurlitt, dem Gründer der Vorgängerinstitution des Lentos.

Diese Ausstellung ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

LEHÁR FESTIVAL BAD ISCHL 2026 – Operette im Höhenflug – Ein Festival zwischen Tradition, Glanz und neuen Operettenimpulsen.

Offizielles Sujet des Lehár Festivals Bad Ischl 2026 – Operette zwischen Tradition, Humor und sommerlicher Leichtigkeit.

65 Jahre Operette – ein Jubiläumssommer voller Klassiker

2026 feiert das Lehár Festival Bad Ischl sein 65‑jähriges Bestehen – und damit eine Kunstform, die bis heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren hat. Nach dem großen Strauss‑Jubiläum im Vorjahr widmet sich dieser Sommer erneut der Operette in all ihren Facetten: mit Meisterwerken, Wiederentdeckungen und einem Programm, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch bringt.

Drei Operetten – drei Welten

Der Jubiläumssommer präsentiert drei große Produktionen, die jeweils eine eigene Farbe in die Operettenlandschaft bringen.

BOCCACCIO

Operette von Franz von Suppé Premiere: 11. Juli 2026, Kongress & TheaterHaus Bad Ischl

Franz von Suppés „Boccaccio“ ist ein Feuerwerk aus Witz, Tempo und musikalischer Raffinesse. Das mittelalterliche Florenz steht Kopf: Der Dichter Boccaccio bringt mit seinen freizügigen Novellen die ehrwürdigen Herren der Stadt zur Weißglut, während die Damenwelt seinem Charme nur allzu gerne verfällt. Eine Operette voller Schwung, Humor und melodischer Höhepunkte.

GRÄFIN MARIZA

Operette von Emmerich Kálmán Premiere: 18. Juli 2026, Kongress & TheaterHaus Bad Ischl

Allein der Titel verspricht ungarisches Flair, große Gefühle und musikalische Opulenz. Kálmáns „Gräfin Mariza“ verbindet Sentiment, Humor und Csárdás‑Feuer zu einem der beliebtesten Klassiker des Genres. Ein Abend voller Evergreens, Leidenschaft und Operettenzauber in Rot‑Weiß‑Grün.

DER GÖTTERGATTE

Operette von Franz Lehár Premiere: 14. August 2026, Kongress & TheaterHaus Bad Ischl

Eine echte Rarität im Repertoire: Lehárs „Göttergatte“ ist eine humorvolle, leichtfüßige Operette, die sich mit einem Augenzwinkern der griechischen Mythologie bedient. Gottvater Jupiter mischt sich – inkognito – unter die Sterblichen, nur um am Ende selbst in amouröse Verwicklungen zu geraten. Ein charmantes, selten gespieltes Juwel aus dem Jahr 1904.

Mehr als Operette – ein Festprogramm zum Jubiläum

Zum 65‑jährigen Bestehen bietet das Festival ein umfangreiches Rahmenprogramm:

  • Galakonzert „Ein Hoch der Operette!“
    1. Juni 2026, 20:00 Uhr, Kongress & TheaterHaus Moderation: Intendant Thomas Enzinger
  • Zwei Matineen über Komponistinnen und die Diven der Zwischenkriegszeit
  • Ein neues Schlagerprogramm von und mit Susanne Marik
  • Ein Symposium zur Operette
  • Kinderaufführung von „Boccaccio“
  • Eine Ausstellung zu Dichter Boccaccio und Suppés Meisterwerk

Bad Ischl bleibt damit, was es seit Jahrzehnten ist: ein Zentrum der sommerlichen Operettenkultur, ein Ort, an dem Tradition und Gegenwart einander begegnen.

Pressekonferenz zum Lehár Festival Bad Ischl 2026 im OÖ Presseclub – Programmvorstellung, Ausblick und ein starkes Team hinter Europas größtem Operettenfestival. Foto: © Christa Linossi 2026

Schlussgedanken

Auch wenn die diesjährige Pressekonferenz kurz und unspektakulär ausfiel – das Programm selbst verspricht einen abwechslungsreichen, festlichen Operettensommer. Wer Operette liebt, kommt 2026 in Bad Ischl auf seine Kosten.