Poesie der Landschaft: Wenn Klimt am Attersee neu erwacht

Pablo Meier‑Schomburg, „Tree of Memory“ (ohne offiziellen Titel). Acryl auf Leinwand Ausgestellt im Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Klimt Zentrum am Attersee, 22. Mai 2026

Poesie der Landschaft – Klimt, Teschner und ein zeitgenössischer Dialog

Richard Teschner (1879–1948), „Wald mit Anemonen“, 1917. Öl auf Holz, 54,4 × 51,4 cm Leihgabe: Theatermuseum, Wien/ Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Diesmal besuchte ich ganz bewusst die Vernissage im Klimt Zentrum am Attersee. Warum? Weil ein zeitgenössischer Künstler eingeladen wurde, seine Werke als Gegenpol zu Gustav Klimt und Richard Teschner zu präsentieren. Sich neben einem Weltkünstler wie Klimt zeigen zu dürfen – das hat Gewicht.

Frau Evelyn Obermaier (Obfrau des Vereins Klimt am Attersee) führte mich vorab durch die Ausstellung und stellte mir den Künstler vor: Pablo Meier‑Schomburg. Ein spannender Mensch – Maler und zugleich Spitzenkoch. Bevor er in der Küche Karriere machte, studierte er Malerei an der Angewandten in Wien. Sein Weg zur Kunst führte ihn über Farben, Formen und Zutaten: Kräuter, Gemüse, Obst – alles Inspirationen, die er in seine Bildsprache überführt und als Hommage an Klimt weiterdenkt.

Meier‑Schomburgs Arbeiten bewegen sich zwischen Klimts Wiener Jugendstil und zeitgenössischer abstrakter Malerei. So entfaltet sich die Ausstellung Poesie der Landschaft – Klimt und Teschner am Attersee als Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. In Meier‑Schomburgs Werk „Golden Dialogue“ treffen Farbe, Wasser und Natur aufeinander – eingebettet in die malerische Landschaft des Attersees.

Pablo Meier‑Schomburg vor seinem Werk „Golden Dialogue“. Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi

Im Gespräch mit Pablo Meier‑Schomburg

1. Brückenschlag zu Klimt

Meine Frage: Ihre Arbeiten werden als zeitgenössischer Dialog mit Gustav Klimt präsentiert. Was verbindet Sie persönlich mit Klimts Werk – und welche Aspekte haben Ihre eigene Malerei besonders inspiriert?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Es sind verschiedene Techniken, die Klimt eingesetzt hat, die mich mit ihm verbinden. Besonders der Pointillismus: Klimt hat seine Landschaftsbilder mit kleinen, kurzen Strichen gemalt. Ich arbeite hingegen gerne im Stil des Action Paintings und male am Boden liegend mit Spritztechnik. Am Ende ähneln sich die Ergebnisse dennoch.“

2. Zwei Werke im Fokus

Meine Frage: Zwei Ihrer Arbeiten haben mich besonders angesprochen: der Baum und Ihr abstrakt interpretierter „Kuss“ als Hommage. Welche Gedanken oder Emotionen stehen hinter diesen beiden Werken?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Neben Klimts Pointillismus berühren mich seine ornamentalen Bilder und die häufige Verwendung von Gold. Ich liebe Der Kuss und habe ihn in meiner abstrakten Welt in Einzelteile zerlegt und neu zusammengesetzt – daher der Titel Zerstörter Kuss. Klimt hat mehrere Lebensbäume gemalt, und es hat mir Freude gemacht, mit meinen eigenen Techniken Ornamentik, Gold und Pointillismus zu vereinen.“

3. Kochen & Kunst

Meine Frage: Sie sind sowohl Koch als auch Maler – zwei kreative Felder, die viel mit Intuition und Komposition zu tun haben. Entstehen beim Kochen manchmal Ideen, die später in Ihre Malerei einfließen?

Antwort von Pablo Meier‑Schomburg:

„Ich bin leidenschaftlicher Koch – und ganz trennen kann man die Dinge nicht. Kochen wie Malen regt alle Sinne an. Es hat mit Leidenschaft, Präzision, Kreativität und einem eigenen Stil zu tun. Je ausgeprägter diese Eigenschaften sind, desto mehr hebt man sich von der Masse ab – als Koch, Restaurantleiter oder Maler.“

Klimt am Attersee: Ein Meisterwerk kehrt heim

Gustav Klimt, „Gertrude Flöge“, 1912. Leihgabe: Sammlung Villa Paulick Klimt Zentrum am Attersee, 2026 Foto: © Christa Linossi, 2026

Die Ausstellung feiert zugleich die Rückkehr einer besonderen Arbeit: Gustav Klimts Zeichnung „Gertrude Flöge“ (1912), die nach vielen Jahren erstmals wieder am Attersee zu sehen ist.

Klimt und Teschner – zwei Künstler, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch denselben Ort liebten. Der eine arbeitete in der Villa Paulick, der andere in einem Bauernhaus. Der eine malte in zarten, vielfarbigen Nuancen, der andere setzte kräftige Akzente. Beide schufen Landschaften, die bis heute nachwirken.

Pablo Meier‑Schomburg bringt nun einen frischen Blick auf Erinnerung, Natur und Klimts Erbe. Seine pointillistische Technik löst Motive in vibrierende Gefüge aus kleinen Elementen auf. Es geht nicht um Abbild, sondern um Wahrnehmung – um Nähe, Distanz und das bewusste Hinschauen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch eine junge Videokünstlerin, Christina Bernhard, die mittels KI ein Video entwickelte, in dem Klimts Bilder in Bewegung geraten.

Eine weitere Brücke führt zur ALBERTINA, die mit dem weltweit ersten digitalen Werkverzeichnis der Zeichnungen Gustav Klimts ein internationales Signal setzt. Was hier am Attersee als poetischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart sichtbar wird, entfaltet sich in Wien als digitale Zukunft der Kunst: dynamisch, interaktiv und wissenschaftlich fundiert. Die ALBERTINA macht Klimts zeichnerisches Erbe nicht nur zugänglich, sondern neu erfahrbar – ein lebendiges Archiv, das Forschung, Öffentlichkeit und Kunstvermittlung miteinander verbindet.

So entsteht ein Spannungsbogen vom historischen Attersee bis zur digitalen Gegenwart: Klimt in der Landschaft – Klimt im Netz – Klimt im kulturellen Gedächtnis.

Die Ausstellung ist bis 25. Oktober 2026 zu sehen. Öffnungszeiten: Mi–Fr 11–17 Uhr | Sa & So 10–17 Uhr.

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