FESTSPIELBEZIRK 2030 – Salzburg baut an seiner kulturellen Zukunft

Lukas Crepaz, Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele und Bauherr des Projekts Festspielbezirk 2030 am Informations-Pavillon Festspielbezirk 2030
© SF / Jan Friese

Bei der Pressekonferenz am 8. Mai 2026 wurde deutlich, wie konsequent Salzburg an seiner kulturellen Zukunft arbeitet. Der Festspielbezirk 2030 ist kein gewöhnliches Bauprojekt – er ist ein Eingriff in die kulturelle DNA der Stadt. Während die Festspiele 2026 noch laufen, beginnen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für den größten Umbau seit Jahrzehnten. Ein Stadtteil im Ausnahmezustand.

Warum der Umbau unvermeidlich ist

Das Große Festspielhaus ist ein ikonischer Ort – aber seine Technik stammt aus einer anderen Zeit. Vieles wirkt heute wie ein Museumsstück: veraltete Bühnentechnik, fehlende Sicherheitsstandards, ein Dach, das bereits einmal während einer Aufführung undicht wurde. Die Verantwortlichen formulieren es klar: Die Modernisierung ist nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig.

Zwei Jahre ohne Großes Festspielhaus – das wirft Fragen auf. Für die Festspiele, für die Stadt, für das Publikum. Doch die Logik hinter dem Umbau ist nachvollziehbar: Nur ein technisch erneuertes Festspielhaus kann langfristig bestehen.

Schnittdarstellung des geplanten Kavernenbaus im Mönchsberg – das neue „Haus im Berg“ verbindet künftig Montagehalle, Proberäume und Haustechnik unterirdisch miteinander. Grafik: © Festspielbezirk 2030 / Projektteam

Startschuss: Kavernenbau ab Herbst 2026

Sobald die Festspiele 2026 vorbei sind, beginnt die erste Hauptphase des Großprojekts: der Kavernenbau. Unter dem Mönchsberg entsteht ein neues „Haus im Berg“ – mit Montagehalle, Probesälen, Einspielräumen und Haustechnik. Gleichzeitig wird eine unterirdische Verbindung zwischen den Festspielhäusern geschaffen.

Der Felsabtrag erfolgt mittels Anbaufräse – erschütterungsarm, präzise und flexibel. Rund 108.000 m³ Material werden abgefräst, über Schutterschächte abtransportiert und im Umkreis von 15 Kilometern gelagert. 90 Prozent davon werden wiederverwendet – für Lärmschutzdämme, Straßenunterbau und andere Projekte. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Sanierung ist ein Kraftakt – aber einer, der sich rechnet. Eine aktuelle Wertschöpfungsstudie zeigt: Allein im Sommer generieren die Salzburger Festspiele 96 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Der Großteil der bisherigen Ausschreibungen ging an österreichische Unternehmen.

Mit dem Kavernenbau werden Arbeitsplätze gesichert und die Zukunft des Festspielbezirks langfristig stabilisiert. Die Kosten für die erste Projektphase liegen bei rund 395 Millionen Euro (±20 %). Bund, Land und Stadt tragen diese gemeinsam.

UNESCO: Grünes Licht für das Welterbe

Bauen im Welterbe ist komplex. Ein unabhängiges Gutachten, beauftragt von der Stadt Salzburg, kam Anfang 2026 zu einem klaren Ergebnis: Der Festspielbezirk 2030 ist mit dem UNESCO-Welterbe vereinbar – und viele Maßnahmen wirken sogar positiv auf den Schutzstatus.

Neutor-Sperre: Ein verkehrspolitischer Stresstest

Ab 14. September 2026 wird das Neutor für ein halbes Jahr komplett gesperrt. Danach ist eine einspurige Durchfahrt für Busse, Anrainer und Lieferverkehr möglich.

Das Thema ist brisant: Seit Jahren wird über eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt diskutiert – nun zwingt die Baustelle die Stadt zu Lösungen, die bisher politisch nicht durchsetzbar waren. Vielleicht entsteht hier ein Modell, das über die Bauzeit hinaus Bestand hat.

Interims-Konzerthalle für 2029 und 2030

Nach den Festspielen 2028 wird das Große Festspielhaus bis Frühjahr 2031 geschlossen. Für die Festspiele 2029 und 2030 sowie alle unterjährigen Konzertveranstaltungen entsteht eine temporäre Konzerthalle für rund 2.000 Personen.

Zwei Standorte werden geprüft:

  • das Stiegl-Areal in Maxglan
  • das ehemalige Kloster St. Josef im Nonntal

Die Diskussionen laufen bereits: Kosten? Standortnähe zur Altstadt? Wirtschaftsfaktor für Gastronomie und Hotellerie? Die Fragen sind berechtigt – und werden die Stadt noch beschäftigen.

Architektur als Vision

Der Festspielbezirk 2030 ist mehr als eine technische Modernisierung. Er ist ein städtebauliches Statement. Zwei architektonische Leitideen prägen das Projekt:

  • die Verbindung der Häuser im Berg
  • ein neues Werkstättengebäude im Zentrum des Bezirks

Architektur, Kunst und Stadtvision greifen hier ineinander – und formen einen Kulturraum, der Salzburg in die Zukunft führt.

Der Festspielbezirk 2030 ist ein Projekt voller Chancen und Risiken. Ein Kraftakt, der Salzburg verändern wird – technisch, kulturell und städtebaulich.

Eine Phase, die fordert, genauer hinzusehen.

Zwischen Fels und Himmel – wo Spuren im Schweigen bleiben

Der Dachstein im ersten Licht – ein Ort, der Fragen stellt, bevor er Antworten gibt. Offizielles Sujet der Dachstein Dialoge 2026 in Filzmoos · Ramsau. Thema: „Worauf kann ich vertrauen?“

Manchmal entscheidet der Berg. Schon 2025 wollte ich bei den Dachstein Dialogen dabei sein, doch Terminüberschneidungen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Und als ich heuer zur Präsentation am 12. Mai aufbrechen wollte, stoppte mich der Wettergott persönlich: Schneefall in der Ramsau, Sommerreifen am Auto – und ich musste umdrehen.

Vielleicht liegt es daran, dass mir die Dachsteinregion mehr bedeutet als ein Festivalort. Ich komme aus der Obersteiermark, ich kenne diese Berge, ihre Geschichten, ihre Eigenheiten. Und ich habe über die Region schon oft geschrieben – von Bill Fontanas Silent Echoes bis zu den Spuren von Ai Weiwei am Hohen Dachstein. Auch die Geschichte von Bodo Hell, der seit August 2024 in diesem Gebiet vermisst wird, begleitet mich seither wie ein Echo.

Umso mehr hoffe ich, 2026 endlich bei den Dachstein Dialogen dabei zu sein. Denn das Festival widmet sich heuer einer Frage, die uns alle betrifft: „Worauf kann ich vertrauen?“

Ein Festival im Zeichen der Unsicherheit

Vom 18. bis 24. September 2026 erkunden die Dachstein Dialoge in Filzmoos und Ramsau zentrale Fragestellungen unserer Gegenwart. In einer Welt, die von geopolitischen Machtkämpfen, Kriegen, digitalem Umbruch und KI‑Dynamiken geprägt ist, wird Vertrauen zur knappsten Ressource.

Eröffnet wird das Festival von der Philosophin Lisz Hirn, die ein Plädoyer für Urteilsfähigkeit in unsicheren Zeiten hält – ein Auftakt, den ich mir nicht entgehen lassen werde.

Der künstlerische Leiter Philipp Blom bringt es auf den Punkt: „Ohne Vertrauen gibt es keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft.“

Welche Basis braucht Vertrauen? Wem können wir glauben – Personen, Institutionen, Quellen? Welche Rolle spielt KI in der Wahrnehmung von Wahrheit? Und wie lässt sich Vertrauen wieder stärken?

Orte, die zu Bühnen werden

Die Dachsteinregion verwandelt sich erneut in einen Resonanzraum: Scheunen, Bauernstuben, Kirchen und historische Plätze werden zu Orten des Zuhörens und des Austauschs. Die Mützenhalle Filzmoos wird zum Kinosaal, wo Filme wie Boyhood und Die beste aller Welten gezeigt werden – beide erzählen vom Vertrauen als Prozess.

Eine historische Wanderung führt zu den Spuren der Bibelschmuggler im 17. und 18. Jahrhundert. Hier wird Dialog nicht nur geführt – er wird gegangen.

Impulse, Stimmen, Perspektiven

Diskussionen, Vorträge, Workshops und Seminare beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bei „Fakten, Daten, Leidenschaft – Wissenschaftler:innen und der Kampf um Vertrauen“ sprechen u. a. Eva Nowotny und Reinhard Steurer darüber, wie Vertrauen in einer komplexen Welt neu aufgebaut werden kann.

Erwartet werden u. a.:

  • Alexandra Föderl‑Schmid
  • Wolfgang Petritsch
  • Gerald Knaus
  • Christoph Ransmayr
  • Marlene Engelhorn
  • Wolfram Berger

Musikalisch begleiten das Simply Quartet, Christophe Coin, das Trio Bohémo, Peter Havlicek, die AUTländisch.family und Chöre der Region. Open Concerts laden Musiker:innen und Publikum zum gemeinsamen Musizieren ein.

Ein Festival aus der Region – für die Region

„Die Dachstein Dialoge wurden von Menschen aus der Region für die Region gegründet“, sagt Obfrau Regina Stocker. Der Leitgedanke: In die Zukunft schauen, aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart gestalten.

Gerade in einer Region, die lange von Konflikten geprägt war, ist Dialog nicht Luxus – er ist Notwendigkeit.

Die Dachstein Dialoge sind mehr als ein Festival. Sie sind eine Einladung, Vertrauen neu zu denken – an einem Ort, der selbst seit Jahrhunderten zwischen Fels, Geschichte und Zukunft steht.

Dachstein Dialoge