„JEDERMANN“ in Neubesetzung!

Salzburger Festspiele vom 17.Juli 2021 – 31.August 2021

Salzburger Festspiele Altenberger_Eidinger_Foto: by_sf_anne-zeuner

Tobias Moretti, verließ nach vier Saisonen, die Titelrolle von Hugo von Hofmannsthals Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Insgesamt stand Tobias Moretti 94-mal im „Jedermann“ der Salzburger Festspiele auf der Bühne.

Zeit aufzubrechen und die Rolle des „Jedermanns“ einem anderen Schauspieler zu überlassen. Lange wurde gerätselt wer dies übernehmen könnte. Für lange Zeit war auch Philipp Hochmair im Gespräch, 2018 sprang er doch bei den Salzburger Festspielen fünfmal für den erkrankten „Jedermann“ Tobias Moretti ein.

Dann wurde das Geheimnis gelüftet und mit Lars Eidinger als „Jedermann“ beginnt nun eine neue Zeitrechnung von Hugo von Hofmannsthals gleichnamigen Drama auf dem Salzburger Domplatz. Neu ist auch die Buhlschaft, es ist Verena Altenberger, bekannt geworden im Film „Die beste aller Welten“ von Adrian Goigingers Film, in dem sie vielfach ausgezeichnet wurde.

Salzburger Festspiele Lars Eidinger_Foto: by_sf_anne-zeuner

Mit einem Blitzlichtgewitter wurden am Montag, 14.06.2021 „Jedermann“ Lars Eidinger und die „Buhlschaft“ Verena Altenberger in Salzburg empfangen und von Regisseur Michael Sturminger und Schauspielleiterin Bettiny Hering zusammen mit dem Direktorium der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, Markus Hinterhäuser und Lukas Crepaz, als das neue Traumpaar auf der Presseterrasse präsentiert.

Verena Altenberger, die für ein Filmprojekt ihre Haarpracht fallen lassen musste, hat zurzeit ganz kurze Haare. Warum sollte man in unserer modernen Gesellschaft nicht auch einmal eine Buhlschaft mit kurzen Haaren darstellen. Muss es immer blond und wallend sein?

Salzburger Festspiele Verena Altenberger Foto: by_sf_anne-zeuner _

Mit Spannung blicken wir in Richtung „Jedermann“ 2021.

JANET CARDIFF – The Forty Part Motet

SommerSzene2021-JanetCardiff@SommerSzene_BernhardMueller

Die Sommerszene Salzburg ist in Bewegung und mit einem weiteren interessanten Projekt, nämlich mit der Installation „The Forty Part Motet“ in der Kollegienkirche – einer der schönsten Kirchen in Salzburg – kann die Szene damit punkten.

SommerSzene2021-JanetCardiff@SommerSzene_BernhardMueller

Die kanadische Künstlerin Janet Cardiff hat mit ihrem international gefeierten Projekt „The Forty Part Motet“ eine poetische Klanginstallation geschaffen.

Die Sommerszene präsentiert dieses Hörerlebnis im sakralen Raum der Kollegienkirche. Die Grundlage der Installation bildet ein vierzigstimmiges Chorstück, das aus vierzig Lautsprechern, die kreisförmig angeordnet sind, abgespielt wird.

Janet Cardiff hat die Stimmen der Motette Spem in Alium des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Tallis einzeln aufgenommen und die Lautsprecher in der Kirche wurden so im Raum platziert, dass die Besucher*innen sich zwischen den einzelnen Stimmen bewegen können oder man sich auch in der Mitte der Lautsprecher setzen und so den Chorgesang als gesamtes Wahrnehmen.

SommerSzene2021-JanetCardiff@SommerSzene_BernhardMueller

Die Kollegienkirche ist ein absoluter Klangraum und somit entsteht für das Publikum wieder ein virtueller archektonischer Klangraum, der die Besucher*innen emotional überwältigt und sich gehen lässt.

Lassen Sie sich dieses Erlebnis nicht entgehen.

Der Eintritt ist frei und kann bis zum 25. Juni 2021 von 10:00 – 19:00 besucht werden.

https://www.szene-salzburg.net/programm

Lost Money/Handful KÜNSTLERGRUPPE –– SUPERFLEX 

Kunsthaus Graz 23.08.2020–20.03.2022

SUPERFLEX, Lost Money / Handful, 2020 Foto: Kunsthaus Graz/Martin Grabner

SUPERFLEX wurde 1993 von Rasmus Nielsen, Jakob Fenger und Bjørnstjerne Christiansen in Kopenhagen gegründet. Ihre Projekte haben einen starken Bezug zu sozialem Engagement, alternativen Ökonomien und Selbstorganisation

Die dänische Künstlergruppe SUPERFLEX setzte in Graz und am Kunsthaus Graz in insgesamt fünf Jahren mehrere Projekte um. Den Auftakt machte „C.R.E.A.M.“ 2017, der Fetisch-Bankomat im Herzen des Kunsthaus-Foyers. 2018 realisierte SUPERFLEX in Graz „Free Shop “und 2019 „Number of Visitors”. „Lost Money/Handful“ wurde bereits 2020 eröffnet, jedoch kam es 2021 zu einem Vandalismus Schaden.

Das Kunstprojekt LOST MONEY/HANDFUL von SUPERFLEX ist Teil des Fünfjahresplans, den die Künstlergruppe für das Kunsthaus Graz entworfen hat. Die Installation wurde am Boden des Kunsthaus-Vorplatzes und im Inneren des Foyers Euro-Münzen verteilt und befestigt. Für Lost Money/Handful werden Münzen jeweils entsprechend der lokalen Währung ausgewählt und am Boden angebracht. Die Münzen verlocken dazu, stehenzubleiben und das vermeintlich verlorene Geld mitzunehmen. Sie sind allerdings fest in den Boden geschraubt und lassen sich nicht aufheben. So die Theorie.

SUPERFLEX, Lost Money / kunsthausgrazFoto: martingrabner_

Jedoch in der Praxis bewiesen Unbekannte bereits kurz nach der Montage das Gegenteil. Gewaltsam entfernten sie über Nacht drei der vier Münzen, die vor dem Kunsthaus installiert waren. Nur eine ließen sie deutlich beschädigt zurück. Nicht nur die Täter*innen, auch die Motive sind unbekannt. Da es sich um einen sehr niedrigen Geldbetrag (Münzen im Wert von 2 €, 1 €, 50 c und 5 c) handelt und die Münzen nach der Entfernung unbrauchbar gewesen sein müssen, vermutet SUPERFLEX, dass es sich dabei eher Vandalismus als um Diebstahl handelte.

Die jetzt wieder vollständige Installation LOST MONEY/HANDFUL ist Teil des Fünfjahresplans, den die Künstlergruppe für das Kunsthaus Graz entworfen hat und der ab 26.11.2021 mit der Ausstellung Sometimes As A Fog, Sometimes As A Tsunami seinen Abschluss findet.

Die Künstler nehmen den Konflikt als eine Form der Interaktion an und begrüßen diese Gelegenheit, um einige Fragen aufzuwerfen: Ist dieser Akt eine Kritik an Symbolen des Kapitalismus und der ökonomischen Ungleichheit? Ist es eine Kritik an der EU, die auf den Prinzipien des freien Marktes basiert? Oder ist es eine Kritik an der Kunst als Eventfaktor?

Auf jeden Fall zeigt die Aktion die beeindruckende Wirkung des Werkes. „Der Akt kann als Gesprächsanbahnung zu einer Reihe von Themen über Ökonomie, Kunst und natürlich SUPERFLEX selbst dienen“, finden die Künstler.

www.kunsthausgraz.at

DIVERSITY UNITED der Countdown läuft!

Das künstlerische Gesicht Europas

MARZIA MIGLIORA
Fil de Sëida, 2016 Ein-Kanal-HD-Farbvideo mit Ton, 4 Min. 21 Sek.
Courtesy the artist und Lia Rum- ma Gallery, Mailand/Neapel
MARZIA MIGLIORA
Fil de Sëida, 2016 Ein-Kanal-HD-Farbvideo mit Ton, 4 Min. 21 Sek.
Courtesy the artist und Lia Rum- ma Gallery, Mailand/Neapel

Schön langsam kommt auch International die Kunstszene wieder auf Schiene.

Wie zum Beispiel DIVERSITY UNITED – zeitgenössische Kunst aus Europa wäre die Eröffnung ursprünglich für 4. Mai 2021 angekündigt gewesen. Unser berühmter COVID Virus machte einen Strich durch die Rechnung.

Der Countdown läuft, am 8. Juni 2021 wird die Ausstellung „DIVERSITY UNITED“ im Flughafen Tempelhof mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet.

Die Ausstellung „DIVERSITY UNITED“ zeigt das künstlerische Gesicht Europas. 90 Künstler:innen, 34 Länder, 1 Kontinent im Dialog – „Diversity United“ ist ein künstlerisches Stimmungsbild der europäischen Gegenwart. Die Ausstellung versammelt Malerei, Skulptur, Video und New Media, Fotografie, Installation, Zeichnung und Objektkunst von rund 90 jungen und etablierten Künstler:innen aus 34 Ländern, die verschiedene Generationen, Geschlechter und Regionen abbilden. Sie stehen mit ihren Werken für die enorme Vielfalt und Vitalität der zeitgenössischen Kunstszene Europas, von Portugal bis Russland, von Norwegen bis in die Türkei.

MARZIA MIGLIORA
Fil de Sëida, 2016 Ein-Kanal-HD-Farbvideo mit Ton, 4 Min. 21 Sek.
Courtesy the artist und Lia Rum- ma Gallery, Mailand/Neapel
MARZIA MIGLIORA
Fil de Sëida, 2016 Ein-Kanal-HD-Farbvideo mit Ton, 4 Min. 21 Sek.
Courtesy the artist und Lia Rum- ma Gallery, Mailand/Neapel

Zu den Kuratoren gehört auch Walter Smerling (Sprecher des Kuratoriums/Vorsitzender Stiftung für Kunst und Kultur, Bonn). Warum erwähne ich dies? Walter Smerling hat in Salzburg die Salzburg Foundation ins Leben gerufen und über 10 Jahre jährlich international renommierte Künstler eingeladen. Statement seinerzeit von Walter Smerling: „Wir wollen nicht darauf warten, dass die Menschen zur Kunst kommen, sondern die Kunst zu den Menschen bringen. Das zwingt uns dazu, nachzudenken, Stellung zu beziehen, uns eine Meinung zu bilden. Natürlich gefällt das nicht jedem. Objektive Schönheit gibt es nicht. Schönheit findet in der individuellen Wahrnehmung statt und Kunst im öffentlichen Raum fordert uns in besonderem Maße dazu auf, Schönheitsbegriffe neu zu durchdenken, denn wir können vor ihr nicht die Augen verschließen.“ 

http://www.stiftungkunst.de/kultur/diversityunited/

Supergau 2021

Im Flachgau/Salzburg fand 10 Tage lang zeitgenössische Kunst statt

Bushaltestelle in Hof / Foto: Christa Linossi

Die Namensgebung war sehr unglücklich gewählt. Was bedeutet SUPERGAU? Der größte anzunehmende Unfall wie zum Beispiel Tschernobyl oder Fukushima?  Außerhalb Österreich denkt keiner an eine Region (Flachgau) in Salzburg! Das Wort „Gau“ kam auch im Nationalsozialismus vor und diese Namensgebung „Supergau“ wurde auch von der Geschäftsführung des Literaturhauses Salzburg sehr stark kritisiert.

Ich kann sie jedenfalls beruhigen, es handelte sich hier um keinen „SUPERGAU“ im üblichen Sinne, sondern dieser Supergau war eine imaginäre Landschaft, eine kulturelle Ur-Landschaft. Zeitgenössische Kunst auf 1000 Quadratkilometer mit 18 Projekten im Flachgau verteilt und Corona-Konform.

Der Flachgau wurde temporär zum künstlerischen Aktionsraum. Wald- und Wiesenlandschaft, Seelandschaft, Häuserlandschaft, Asphalt- und Betonlandschaft wurden während des 10-tägigen Festivals zur Bühne.

Die Projekte konnte man – wenn man viel Zeit hatte – umweltfreundlich mit Bus und Rad erkunden. Man brauchte aber gute Nerven, mit dem Bus und dem Rad viel Zeit und mit dem Auto ein gutes Navi. Denn die Beschilderung war zwar mit Plakaten vorhanden, aber wo waren die Plakate? Wo das Projekt selbst? Wer sucht der findet. Auch der Folder hatte so seine Tücken, die Telefonnummer, die auf dem Folder für Rückfragen gedacht war, wählte man die Nummer, sagte eine freundliche Stimme „die Nummer existiert nicht“. Auch wurde das Programm des Öfteren geändert, so dass der Folder seine Kompetenz verlor. Man musste auf das Internet zurückgreifen nur was tun, wenn man während des Besuches kein Internet hatte??

Strobl Tankstelle Projekt „Belvedere Flachgau“ Foto: Christa Linossi

Nun zu den Projekten, einige Projekte fand ich nach längerem Suchen und dann waren sie nicht wirklich das, was versprochen wurde. So zum Beispiel das Projekt „BELVEDERE FLACHGAU“ Das Künstlerpaar nutzte das Tankstellengebäude und machte den Raum nach oben frei.?? Hier wurde ein Baugerüst angebracht, wo man dann das Dach besteigen konnte. Von dort oben bediente man ein Fernrohr und konnte somit den Perspektivenwechsel und die Wahrnehmung zur Landschaft vornehmen. Leider war ich zum falschen Zeitpunkt dort, der Zugang zum Dach war gesperrt, weil der Künstler nicht anwesend war. Die „Sirrende Mücken im surrenden Licht“, ebenfalls am Wolfgangsee, ließ ich mal aus.

Das Projekt „STRAINING FIELD“ am Ort Abersee / Foto: Christa Linossi

Das Projekt „STRAINING FIELD“, hier beschäftigte sich die Künstlerin mit der Wahrnehmung vom Umgang mit der Natur. Die Baumkronen sollten mit einem Seil in ein Korsett gezwungen werden. Sprich die Seile wurden am Wipfel des Baumes angebracht und sollten dann so gebogen und am Erdboden wurde das Seil verankert. Das Projekt scheint gescheitert zu sein, denn die Bäume ließen sich nicht in ein Korsett zwängen, so hangen die Seile zwar schräg an den Bäumen und verankert im Boden. Diese beiden Projekte befanden sich in Strobl am Wolfgangsee und am Ort Abersee.

Projekt „Superort“ in Hof / Foto: Christa Linossi

Aufgrund dieser Enttäuschung von zwei nichts sagenden Projekten fuhr ich weiter nach Hof. Dort fand ich endlich ein Projekt vor, dass absolut einen Sinn ergab. Es war der „SUPERORT“. Gestaltet von den Künstlern Clemens Bauder, Alexander Römer und Patrik Hubmann. Es ist ein Künstlerkollektiv / ConstructLab die sich zwischen Architektur, Urbanismus, bildender Kunst und Design bewegen. Dieser „SUPERORT“ war eine begehbare Strohballenskulptur, die auch während des Festivals in Workshops partizipativ verändert, gestaltet und bespielt wurde. Das Projekt war ein Übergang zwischen der Stadt Salzburg und der Gemeinde Hof bei Salzburg (Flachgau)

Projekt „Superort“ in Hof mit den Künstlern: von r.n.l. Patrick Hubmann, Alexander Römer und Clemens Bauder Foto: Christa Linossi

Mein weiterer Besuch des „SUPERGAU führte mich nun in entgegengesetzte Richtung des Flachgau, nach Mattsee, Obertrum, Seekirchen. Als erstes wollte ich das Projekt „DAS GELBE VOM GAU“ aufsuchen. Mein Navi führte mich vorerst einmal quer durch Seekirchen, bis ich endlich auf dem angegebenen Bauernhof landete und von dort musste ich noch 15 Minuten Fußmarsch in Kauf nehmen, für mich Sportlerin aber kein Problem. Bei dem Projekt durch Zufall (keine Beschilderung) angekommen, lag die gelbe Nylonmembran flach am Boden. Eine Künstlerin war zwar anwesend, musste mir aber bedauernd mitteilen, dass das Gerät, mit dem man die Luft in den Ballon bläst, defekt ist und ein neues erst organisiert werden musste. Also so fiel die Besichtigung ins Wasser ohne Gebläse kein „GELBES VOM GAU“. Abgesehen davon, wäre dies ein interessantes Projekt gewesen, da es auf einem Hügel stand. Ich wollte es noch einmal besuchen, aber es fehlte mir einfach die Zeit.

Projekt “ Gelbes vom Gau“ liegt flach Foto: Christa Linossi
Projekt “ Gelbes vom Gau“ so sah es aus Foto: Christa Linossi

Besuch in Mattsee im Strandbad und herrschte gähnende Leere. Das angeführte Theaterstück würde erst am späten Abend aufgeführt. Außer einer Baustelle und zwei Bällen in einer Kiste, fand ich nichts vor. Weiter in Mattsee zum Projekt „ZUKUNFT MIT ZUKUNFT“ war wieder mit Suchen angesagt. Dort angelangt, saßen wohl Künstler, aber von der „Fahrrad – Erzählwerkstatt“ bekamen wir gar nichts mit, fand ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt statt.  Ich sprach mit einem Gastkünstler, der von diesem Projekt nicht sehr überzeugt war. Es fehlte an Besuchern und auch an der Umsetzung. Nach Rücksprache mit Einheimischen, teilten mir manche mit, sie haben schon was am Rande von dem „Supergau“ mitbekommen, aber was es genau ist, keine Ahnung.

Projekt „Here, Somewhere Else“ Mattsee Strandbad , Foto: Manfred Siebinger
Projekt „Here, Somewhere Else“ Mattsee Strandbad , Foto: Manfred Siebinger

In Obertrum dasselbe wieder. Man sah Plakate „Supergau“, aber man fand die Projekte nicht gleich auf Anhieb.  Abgesehen davon, war in Obertrum – aufgrund einer großen Baustelle – ein Megastau, egal ob man sich mit Bus oder mit dem Auto fortbewegte, man verlor einfach die Lust nach den Projekten zu suchen. Der Bus und das Auto stehen im Stau und mit dem Rad aus der Stadt anzureisen „keine Lust“. Hier wurde der Supergau zum Superstau.

Bushaltestelle Hinweis Supergau Obertrum / Foto: Christa Linossi

Fazit: es war ein Projekt was mehr über 450.000 Euro gekostet hat und man sich fragen muss, wo ist das Geld nun wirklich hingeflossen. Wenn man mit Einheimischen sprach, konnten viele mit dieser Kunst nicht viel anfangen, beziehungsweise bekamen sie oft gar nicht mit, dass in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Kunst stattfand. Jedenfalls es war ein Projekt, von dem man sich mehr erwartet hätte. Zu Hinterfragen wäre auch, warum wurden keine Künstler vor Ort eingeladen?

Das war der „Supergau“ im Flachgau / Foto: Manfred Siebinger

Das künstlerische Leitungsteam sind Tina Heine und Theo Deutinger, die nach einer internationalen Ausschreibung von einer Jury ausgewählt wurden.

Die Künstler_innen wurden ebenfalls von einer Jury ausgewählt und kamen aus Wien, Oberösterreich und aus Deutschland. Einheimische Künstler_innen war so gut wie gar nicht vertreten.

THIS WORLD IS WHITE NO LONGER

ODER

Diese Welt ist nicht mehr Weiß

Ausstellung im Rupertinum Salzburg bis 10. Oktober 2021

Ansichten einer dezentrierten Welt oder Views of a decentered world

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Ich besuchte heute die Ausstellung im Rupertinum/Salzburg und stellte fest, Rassismus ist heute noch genau so präsent wie vor XX Jahrzehnten.

Seinerzeit stellte der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin 1953 in seinem Essay Stranger in the Village fest: „Diese Welt ist nicht mehr weiß und wird es nie mehr sein“. (James Arthur Baldwin war einer der bedeutendsten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus bekannt wurde und er war schwarzer New Yorker)

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Baldwins prophetischer Satz steht für eine entschiedene Kritik am weißen westlichen Denken und zugleich für einen Aufruf zu einem universellen Humanismus. In seinem Essay reflektiert er seine Erfahrung als schwarzer New Yorker, der Anfang der 1950er-Jahre in einem Schweizer Dorf zu Besuch ist. Die ausschließlich weißen Bewohner_innen begegnen dem Schriftsteller nicht mit einer feindseligen, aber doch grundsätzlich abweisenden Haltung. Sein Aussehen, seine Sprache erscheinen ihnen fremd.

Die Ausstellung This World Is White No Longer. Ansichten einer dezentrierten Welt sieht in Baldwins Kernaussage, dass der machtpolitisch dominante weiße Blick seine Gültigkeit verloren hat, eine wesentliche Grundlage für die kritische Auseinandersetzung mit Rassismus. Die Ausstellung untersucht das Potenzial des Perspektivenwechsels als eine Methode zur Dezentrierung des eigenen Blicks auf die Welt.

Betritt man das Foyer stechen einem gleich drei chromogene Farbabzüge von der Künstlerin Belina Kazeem-Kaminski entgegen. Titel der Arbeit „In Search of Red, Black and Green” ins Auge. Diese Arbeit ist insofern interessant, man sieht die Person nur von Hinten, kann nicht feststellen ob weiblich oder männlich, aber es handelt sich um eine schwarze Person, die jeweils von einem roten, schwarzen und grünen Vordergrund posiert. Die Künstlerin, Autorin und Kulturtheoretikerin Belinda Kazeem-Kamiński ist in der Schwarzen feministischen Theorie verwurzelt. Ihre Arbeiten basieren oftmals auf Recherchen zu unterdrückten Geschichten und Sichtweisen Schwarzer Menschen, die sie in Archiven, Sammlungen und Bibliotheken in Europa vorfindet.

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Kara Walker definiert ihre Kunst als Widerstand gegen die Spuren, die Kolonialismus, Sklaverei, Rassismus und Apartheid in unserer Wahrnehmung hinterlassen haben. Die Künstlerin ist für ihre „historischen“ Schattenspiele bekannt, in denen sie in Form von einfachen schwarzen Scherenschnitten Bildgeschichten erzählt, die sich auf die düstere Geschichte des amerikanischen Südens vor dem Bürgerkrieg (1861–1865) und den Befreiungskampf der Schwarzen beziehen.

Künstlerin Kara Walker Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Christa Linossi

Das Interessante an dieser Arbeit, es wird von einem Projektor an die Wand geworfen und wenn man das Bild genau betrachtet, sieht man rechts unten, ganz kleine Figuren, die bewaffnet sind. Sind es Buschmänner, die auf Jagd nach Wild sind, ist es ein Ausdruck der Verfrachtung der Schwarzen als Sklaven von Afrika in den amerikanischen Süden?

Kara Walker, National Archives Microfilm, Bureau of Refuges, Freedman and Abandoned Lands: Lucy of Pulaski (Videostill) 2009 Video, Courtesy Sprüh Magers und Sikkema Jenkins & Co, © Kara Walker, Foto: Kara Walker

Samuel Fosso zählt zu den führenden zeitgenössischen Künstlern Zentralafrikas. Ausgehend von seiner Arbeit als kommerzieller Porträtfotograf, fand er fast zufällig zur Kunst. In Auseinandersetzung mit der Geschichte der Studiofotografie in Afrika entwickelte er ab den 1970er-Jahren einen eigenständigen Stil eines theatralischen Selbstporträts, in dem er sich mit afrikanischen Identitätskonzepten befasst.

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Es ist auch eine Kooperation in Zusammenarbeit mit der Universität Mozarteum Salzburg zustande gekommen. Ein Projekt mit der Klasse für Fotografie und Neue Medien, wo die Ausstellung Arbeiten von Studierenden präsentiert, die aus einer intensiven Beschäftigung mit verschiedenen Ausprägungen von Rassismus entstanden sind.

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Die Kritik an rassistischen Denk- und Verhaltensmustern ist dabei ebenso wichtig wie die Wahrnehmung und Reflexion unterschiedlicher Sichtweisen und der Wechsel zwischen verschiedenen Identitätskonstruktionen und Lebenswirklichkeiten.

Yinka Shonibare CBE End of Empire

MUSEUM DER MODERNE SALZBURG bis   12. September 2021

Eine sehr interessante Ausstellung bietet das Museum der Moderne in Salzburg des britisch-nigerianischen Künstler Yinka Shonibare CBE RA.

csm_Photo__ © __Royal_Academy_of_Arts__London__ photographer_Marcus_Leith_2014_

Yinka Shonibare CBE RA sieht sich aufgrund seiner multikulturellen Herkunft in der Rolle des „postkolonialen Hybriden“. Er wurde *1962 in London geboren und wuchs in Nigeria, dem Heimatland seiner Eltern, auf. Mit 17 Jahren kehrte er nach London zurück, wo er an der Byam Shaw School of Art (1984–1989) und am Goldsmiths College (1989–1991) studierte und wo er bis heute lebt.

Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Rainer Iglar

In den letzten drei Jahrzehnten entwickelte der Künstler ein vielseitiges Œuvre, in dem er das Erbe des ehemaligen Britischen Weltreichs und des westlichen Kolonialismus untersucht. Aus einer historischen Perspektive thematisiert er die Wechselbeziehungen zwischen Afrika und Europa und die Nachwirkungen des Kolonialismus im Kontext der Globalisierung. Shonibare stellt die Konstruktion von nationaler und kultureller Identität ins Zentrum seines Schaffens und kommentiert in den letzten Jahren verstärkt geschäftliche Phänomene wie Rassismus, Xenophobie und Migration.

Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Rainer Iglar

Das Material mit dem Shonibare arbeitet, sind farbenfrohe Dutch-Wax-Batikstoffe, die er seitdem auf vielseitige Weise in seinen Arbeiten verwendet, um seine Forschungen zu Kolonialismus und Postkolonialismus zur Darstellung zu bringen. Er kombiniert in seinen Arbeiten die Stoffe und Ornamente mit historischen Ereignissen und bekannten Vorbildern aus der westlichen Kunstgeschichte, um die kolonialen Verstrickungen insbesondere der europäischen Eliten aufzuzeigen. Shonibare wurde auf der documenta 11 durch sein monumentales Werk „Gallantry and Criminal Conversation”(2002) bekannt.

Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Rainer Iglar

Betritt man die Ausstellungsräume, so stechen die Lebensgroßen Figuren, die diesen farbenfrohe Dutch-Wax-Batikstoffe nach barocker Linie bekleidet sind, gleich ins Auge. Man bleibt bewusst vor den Skulpturen stehen und betrachtet sie. Ein Teil der Figuren hat als Kopf-Ersatz eine Art Globus auf und ein Teil ist kopflos. Bei der Arbeit END OF EMPIRE (2016) bringt der Künstler geschickt die Szene zum Ausdruck, in dem er auf einer Wippe zwei Figuren sitzen lässt, deren Köpfe ebenfalls durch Globen ersetzt wurden.

Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Rainer Iglar
Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Christa Linossi
Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Christa Linossi

Sie verkörpern die feindlichen Kriegsparteien des Ersten Weltkriegs mit ihren kolonialen Einflussspähren. Der Erste Weltkrieg war die erste grundlegende Erschütterung der imperialen Weltordnung und dies führte zum Erstarken antikolonialer Bewegungen weltweit.

Yinka Shonibare CBE, End of Empire Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Christa Linossi

Für die Besucher_innen wurde auch ein Creative Space Projektraum eingerichtet. Hier kann man sich mit dem Werk von Yinka Shonibare CBE auseinandersetzen und kreativ werden.

Es ist eine sehr gut gelungene Ausstellung eines großartigen Künstlers, eben Yinka Shonibare CBE. Die Ausstellung ist absolut empfehlenswert.

Publikation zur Ausstellung

Yinka Shonibare CBE End of Empire

Herausgegeben von Thorsten Sadowsky für das Museum der Moderne Salzburg

Mit Texten von Thorsten Sadowsky, Marijana Schneider und Antwaun Sargent sowie einem Interview von Paul Gilroy mit Yinka Shonibare CBE München: Hirmer Verlag  ISBN 978-3-7774-3589-3  € 36

http://www.museumdermoderne.at

STOP – GO

Sommerszene Salzburg 2021 vom 8. – 25. Juni 2021

Sommerszene2021_Christos-Papadopoulos_Elvedon_© Laurent Philippe

Wir können aufatmen! Die Sommerszene feiert ihr Comeback: Nach einem Jahr Zwangspause meldet sich das Performing Arts Festival vom 8. – 25. Juni 2021 wieder zurück.

18 Tage lang wird die Stadt Salzburg Bühne für 16 nationale und internationale Projekte an elf unterschiedlichen Orten sein. Aufgrund der einschneidenden Veränderungen, durch die Corona-Pandemie, wurden nicht nur die inhaltlichen und ästhetischen Konzepte einzelner Produktionen beeinflusst, sondern auch in den kuratorischen Überlegungen der heurigen Festivalausgabe.

Aufgrund dieser Pandemie, die ja noch immer nicht besiegt ist, setzen wir noch mehr auf Kollaborationen mit österreichischem Künstler*innen als in den vergangenen Jahren, dies hat auch mit einer besseren Planbarkeit zu tun. Somit wird auch der öffentliche Raum verstärkt als Open Air-Spielort genutzt. Im umfangreichen Programm finden sich zehn Uraufführungen bzw. Österreich-Premieren, aber auch drei hochkarätige internationale Projekte. Des Weiteren hat die Sommerszene 2021 ihren Schwerpunkt wieder in zeitgenössischem Tanz und Performance, aber setzt bewusst neue Akzente, die sich flexibel der aktuellen Situation schnell anpassen kann.

Ein paar interessante Projekte (siehe Programm: https://szene-salzburg.net/programm)  stelle ich hier ganz kurz vor:

  • JANET CARDIFF „The Forty Part Motet” findet in der Kollegienkirche Die kanadische Künstlerin Janet Cardiff hat mit ihrem international gefeierten Projekt „The Forty Part Motet” eine poetische Klanginstallation geschaffen. Dies ist wieder ein sehr interessantes Projekt wo ein virtueller architektonischer Klangraum entsteht und das Publikum emotional überwältigen wird. Die Kollegienkirche ist für solche Installationen der ideale Ort.
Sommerszene2021_Janet-Cardiff_The-Forty-Part-Motet_© Markus Tretter
  • THEATERNYX „über. morgen SALZBURG“ Im Stadtspiel von theaternyx flaniert das Publikum durch eine mögliche Zukunft von Salzburg. Via Kopfhörer von einer Erzählstimme geleitet, erleben die Besucher*innen die Stadt, im Jahr 2050. Im kollektiven Gehen öffnen sich Gestaltungsräume für die kommenden dreißig Jahre.
Sommerszene2021_theaternyx_ueber-morgen-SALZBURG_© Reinhard Winkler
  • CieLaroque/Helene Weinzierl „Rhythmus und Rausch“. Hier untersucht Helene Weinzierl die Frage, inwieweit zwischenmenschliche Nähe beziehungsweise die Reduktion körperlicher Distanz in einem performativen Setting Intimität schafft oder ob sich dadurch der Abstand zwischen Darsteller*innen und Publikum vergrößert?
Sommerszene2021_CieLaroque_Helene-Weinzierl_Rhythmus-und-Rausch_© Bahr Khalil
  • SALON EMMER „Jump“ 30.000 Sprünge über den Bahnhofsvorplatz gemeinsam mit tanzwütigen Salzburger*innen springt salon emmer zu pulsierenden Beats über den Bahnhofsvorplatz. Wie in einem lebendigen Lexikon der Sprünge mutieren deren zahlreiche Variationen und verschieben sich räumliche Formationen.
Sommerszene2021_salon-emmer_Jump_© Axel Wolf Bierbaum

Dies waren nur ein paar Highlights, die ich herausgesucht habe. Aber im Programm steckt noch viel mehr und es ist sicher, für jeden Geschmack etwas dabei. Trotz der hohen Auflagen punkto Corona, verspricht diese Sommerszene 2021 wieder ein perfektes Kunsterlebnis zu werden.

WONDERLAND

ALBERTINA MODERN bis 19. September 2021

Fiona Rae Wonderland, 2004 Acryl-Mischtechnik auf Leinwand ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection © Bildrecht 2021 © Foto: Buchmann Galerie, Köln

Wenn Sie WONDERLAND lesen, denken Sie vielleicht an „Alice in Wonderland“, dem berühmten Buch von Lewis Carroll. Die ALBERTINA hat diesen Titel vermutlich bewusst gewählt, um mit diesem Titel im Gepäck und mit einer entfesselten Fantasie bewaffnet, startet die Ausstellung in unbekannte Welten. Warum unbekannte Welten? Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit ist ein Ausflug in ein Wunderland, in dem die Vergangenheit unserer Gegenwart auf ihre eigene Zukunft stößt.

Es ist die dritte Ausstellung der ALBERTINA modern.  Aus 65.000 Werken wurden über hundert Meisterwerke ausgesucht. Diese wurden in sieben Kapiteln gegliedert und es ist eine Schausammlung zeitgenössischer Kunst.

Anselm Kiefer Wege der Weltweisheit: die Hermannsschlacht, 1993 Holzschnitt, Acryl und Schellack auf Papier, Collage auf Leinwand Albertina, Wien – Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft; © Anselm Kiefer und Albertina, WienFocal: 0
  • Pop oder die Brüchigkeit des Glücks mit Hauptwerken von Warhol, Liechtenstein, Wesselmann und Katz, aber auch die Neo-Pop-Bewegung des Marc Quinn und Harold Ancart.
  • Die Anarchie in der Kunst mit Werken von Franz West und Gelatin.
  • An den Rändern der Stadt oder Melancholie in der Kunst unserer Zeit mit zwei Räumen für Muntean und Rosenblum sowie dem Leipziger Christian Brandl und andererseits Markus Schinwald mit zwei Neuerwerbungen sowie Franz Zadrazils unscheinbare Fassadenbilder.
  • Formen der Abstraktion mit Werken von Ad Reinhardt, San Francis, Morris Lewis und Pierre Soulages sowie Hollegha, Prachensky und Staudacher sowie als jüngste Erwerbungen Cecily Brown und Katharina Grosse.
  • Maria Lassnig und Georg Baselitz. Der Maler, der das Motiv seiner Nützlichkeit und seiner Realität beraubt, der die Motive auf den Kopf stellt, zusammen mit der Künstlerin, die die Body-Awareness-Art erfunden hat.
  • Deutschland die Last der Vergangenheit. Deutschland mit den bedeutenden und seit den 1960er Jahren und bis heute dominierenden Individualisten Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Jörg Immendorff, Penck und Anselm Kiefer. Die alte Katastrophe, der Zweite Weltkrieg und die alte Teilung als gemeinsames Thema von Malern, die wie eine Gruppe waren und eine Bewegung und Schule gründeten.
  • Das Gesicht und seine Maske. Spektakuläre Porträtfotografie von Gottfried Helnwein, dem in den 1970er und 1980er Jahren Größen wie Andy Warhol und Keith Harring, Mick Jagger, Clint Eastwood und Michael Jackson Porträt gestanden sind.

Fasziniert haben mich persönlich die Arbeiten von Marc Quienn „The Selfish Gene“ der es auf die Spitze treibt, wie sich hier ein Skelettpaar in der Liebe ineinander verschlungen präsentiert. Es ist ein Liebesakt oder Sexualakt der der Fortpflanzung dient, von der Geburt bis zum Tod.

Marc Quinn The Selfish Gene, 2007 Patinierte Bronze ALBERTINA, Wien © Marc Quinn Studio

Georg Baselitz der seine Motive auf den Kopf stellt um es damit unbrauchbar und nutzlos macht, um die Konzentration des Betrachters auf das zu lenken, was das Kunstwerk eigentlich definiert. Er rückt somit seine Bilder durch die Farbenwirkung in den Vordergrund und nicht das Motiv. Gegenübergestellt ist Maria Lassnig mit ihren Arbeiten. Besonders die Werke von Maria Lassnig, die mit ihren eigenen Körperempfindungen zum Gegenstand der Malerei macht. Sie gibt somit der Figuration eine neue Wende.

Maria Lassnig Die Last des Fleisches, 1973 Öl auf Leinwand Albertina, Wien © Maria Lassnig Stiftung/Bildrecht, Wien 2021

Die Figuren Bild von Muntean/Rosenblum „Untitled (Before we know it..) zeigen Einsamkeit, Isolation und Entfremdung an den Rändern der Stadt im langen Schatten der Melancholie. Es gibt vielleicht Schlimmeres im Leben, aber manchmal auch viele Augenblicke im Leben dieser Jugendlichen ihr einziges Glück darin finden, am Leben zu sein. Textzeile des Bildes: „Before we know it, too much Time has passed, and we’ve Missed the chance to have that other People Hur us”.

Muntean/Rosenblum Untitled (Before we know it…), 2000 Acryl auf Leinwand
ALBERTINA, Wien – Familiensammlung Haselsteiner © Muntean/Rosenblum

WONDERLAND wartet darauf, dass Sie sie besuchen. Es ist absolut eine wunderschöne Ausstellung geworden.

ALBERTINA präsentiert Xenia Hausner. True Lies

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© Studio Xenia Hausner_bildrecht_wien_2021 Foto: Stefan Liewehr

Xenia Hausner, die Tochter von Rudolf Hausner (österreichischer Maler) und ihr Stil sind ebenso unverkennbar wie der Stil ihres Vaters. Bei ihrem Vater war es das Werk ADAM, sein Selbstporträt, stilisierte er es zu einem Spiegelbild. Während Xenia Hausners Bilder figurativ sind und Geschichten erzählen. Wie rätselhaft und fragmentarisch sie auch immer sein mögen.

Xenia Hausner wurde 1951 geboren, ihr Vater war Rudolf Hausner ein österreichischer Maler, Grafiker und bedeutender Vertreter der Wiener Schule des Fantastischen Realismus.

Sie studierte Bühnenbild an der Akademie der bildenden Künste in Wien und der Royal Academy of Dramatic Art in London. Von 1977 bis 1992 Setdesigns für Theater- und Opernproduktionen, darunter Werke für Covent Garden London, die Salzburger Festspiele und das Theâtre Royal de la Monnaie Brüssel. Seit 1981 Studio in Berlin. 1992 Verlagerung in Richtung Malerei. Sie ist auch Gründungsmitglied von Women Without Borders (= Frauen weltweit dazu bewegen, Zyklen struktureller, psychischer und physischer Gewalt zu beenden)

Die ALBERTINA widmet nun der großartigen Malerin Xenia Hausner eine umfassende Retrospektive. Sie ist nach Maria Lassnig eine der wichtigsten österreichischen Malerinnen unserer Zeit. Die sichtbar gemachte Fiktion spielt in ihrem Oeuvre eine entscheidende Rolle und True Lies verweist auf die Bedeutung der Inszenierung als Gestaltungs- und Kompositionsprinzip im Schaffen Xenia Hausners.

Für ihre großformatigen Gemälde konstruiert die Künstlerin vorab aufwendige räumliche Settings in ihrem Atelier: es sind Installationen, die sie als Vorlage für ihre Bilder zunächst fotografiert. Zerschnittene Autos oder Zugabteile aus Karton werden zur Bühne für die Figuren, die Hausner wie Schauspieler zu einem lebenden Bild arrangiert. Malerei und Fotografie sind im Entstehungsprozess eng verschränkt und treten in ein dialektisches Verhältnis.

Themen und Geschichten werden von Hausner vorrangig von Frauen verkörpert, die alle Rollen einnehmen und so stellvertretend für alle Genderkzugehörigkeiten agieren.

Die Überlebensgroßen Arbeiten, mit den intensiven Farben und den Figuren sind im Raum präsent und man wird gezwungen, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen.

xenia_hausner_exiles_2017_courtesy_of_xenia_hausner_© Studio Xenia Hausner_bildrecht_wien_2021 Foto: Stefan Liewehr

Wie zum Beispiel das Werk EXILES: es ist eine ausdrucksstarke Arbeit, was passiert hier, ist es Flucht? Verlassen Jugendliche oder Familienmitglieder ihre Heimat, um zu flüchten vor Krieg, oder ist ihre Heimat nicht mehr so attraktiv, um dort noch zu leben?

Der Abschied von den Hinterbliebenen, ist ebenfalls ausdrucksstark.  Aussage von Xenia, es könnten aber auch Gestalten, die sich hier an den geöffneten Fenstern drängen, wir selbst sein? Eine Fiktion in einer Realität? Oder ist der Mensch immer wieder ein entwurzelter Nomade, der nicht an einem festen Ort wohnt, um eine Lebensweise zu führen und von Gegend zu Gegend zu ziehen.

xenia_hausner_kopfschuss_2002-2004 (Schlossberghotel_Das Kunsthotel) _© Studio Xenia Hausner_bildrecht_wien_2021 Foto: Stefan Liewehr

KOPFSCHUSS eine ebenso ausdrucksstarke Arbeit. Warum richtet sie sich die Pistole an den Kopf? Ist es der Kuchen, der vor ihr steht? Weil sie sich nicht an eine Diät halten kann? Eine Resignation, eine aussichtslose Situation und stellt sie sich noch die Frage, soll ich abdrücken, ja oder nein?!

Xenia Hausner, Künstlerin, © Manfred Siebinger

Die Ausstellung ist sehenswert und ist noch bis zum 08. August 2021 zu sehen.