THIS WORLD IS WHITE NO LONGER

ODER

Diese Welt ist nicht mehr Weiß

Ausstellung im Rupertinum Salzburg bis 10. Oktober 2021

Ansichten einer dezentrierten Welt oder Views of a decentered world

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Ich besuchte heute die Ausstellung im Rupertinum/Salzburg und stellte fest, Rassismus ist heute noch genau so präsent wie vor XX Jahrzehnten.

Seinerzeit stellte der US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin 1953 in seinem Essay Stranger in the Village fest: „Diese Welt ist nicht mehr weiß und wird es nie mehr sein“. (James Arthur Baldwin war einer der bedeutendsten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, der weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus bekannt wurde und er war schwarzer New Yorker)

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Baldwins prophetischer Satz steht für eine entschiedene Kritik am weißen westlichen Denken und zugleich für einen Aufruf zu einem universellen Humanismus. In seinem Essay reflektiert er seine Erfahrung als schwarzer New Yorker, der Anfang der 1950er-Jahre in einem Schweizer Dorf zu Besuch ist. Die ausschließlich weißen Bewohner_innen begegnen dem Schriftsteller nicht mit einer feindseligen, aber doch grundsätzlich abweisenden Haltung. Sein Aussehen, seine Sprache erscheinen ihnen fremd.

Die Ausstellung This World Is White No Longer. Ansichten einer dezentrierten Welt sieht in Baldwins Kernaussage, dass der machtpolitisch dominante weiße Blick seine Gültigkeit verloren hat, eine wesentliche Grundlage für die kritische Auseinandersetzung mit Rassismus. Die Ausstellung untersucht das Potenzial des Perspektivenwechsels als eine Methode zur Dezentrierung des eigenen Blicks auf die Welt.

Betritt man das Foyer stechen einem gleich drei chromogene Farbabzüge von der Künstlerin Belina Kazeem-Kaminski entgegen. Titel der Arbeit „In Search of Red, Black and Green” ins Auge. Diese Arbeit ist insofern interessant, man sieht die Person nur von Hinten, kann nicht feststellen ob weiblich oder männlich, aber es handelt sich um eine schwarze Person, die jeweils von einem roten, schwarzen und grünen Vordergrund posiert. Die Künstlerin, Autorin und Kulturtheoretikerin Belinda Kazeem-Kamiński ist in der Schwarzen feministischen Theorie verwurzelt. Ihre Arbeiten basieren oftmals auf Recherchen zu unterdrückten Geschichten und Sichtweisen Schwarzer Menschen, die sie in Archiven, Sammlungen und Bibliotheken in Europa vorfindet.

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Kara Walker definiert ihre Kunst als Widerstand gegen die Spuren, die Kolonialismus, Sklaverei, Rassismus und Apartheid in unserer Wahrnehmung hinterlassen haben. Die Künstlerin ist für ihre „historischen“ Schattenspiele bekannt, in denen sie in Form von einfachen schwarzen Scherenschnitten Bildgeschichten erzählt, die sich auf die düstere Geschichte des amerikanischen Südens vor dem Bürgerkrieg (1861–1865) und den Befreiungskampf der Schwarzen beziehen.

Künstlerin Kara Walker Ausstellungsansicht © Mseum der Moderne Salzburg 2021 Foto: Christa Linossi

Das Interessante an dieser Arbeit, es wird von einem Projektor an die Wand geworfen und wenn man das Bild genau betrachtet, sieht man rechts unten, ganz kleine Figuren, die bewaffnet sind. Sind es Buschmänner, die auf Jagd nach Wild sind, ist es ein Ausdruck der Verfrachtung der Schwarzen als Sklaven von Afrika in den amerikanischen Süden?

Kara Walker, National Archives Microfilm, Bureau of Refuges, Freedman and Abandoned Lands: Lucy of Pulaski (Videostill) 2009 Video, Courtesy Sprüh Magers und Sikkema Jenkins & Co, © Kara Walker, Foto: Kara Walker

Samuel Fosso zählt zu den führenden zeitgenössischen Künstlern Zentralafrikas. Ausgehend von seiner Arbeit als kommerzieller Porträtfotograf, fand er fast zufällig zur Kunst. In Auseinandersetzung mit der Geschichte der Studiofotografie in Afrika entwickelte er ab den 1970er-Jahren einen eigenständigen Stil eines theatralischen Selbstporträts, in dem er sich mit afrikanischen Identitätskonzepten befasst.

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Es ist auch eine Kooperation in Zusammenarbeit mit der Universität Mozarteum Salzburg zustande gekommen. Ein Projekt mit der Klasse für Fotografie und Neue Medien, wo die Ausstellung Arbeiten von Studierenden präsentiert, die aus einer intensiven Beschäftigung mit verschiedenen Ausprägungen von Rassismus entstanden sind.

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Die Kritik an rassistischen Denk- und Verhaltensmustern ist dabei ebenso wichtig wie die Wahrnehmung und Reflexion unterschiedlicher Sichtweisen und der Wechsel zwischen verschiedenen Identitätskonstruktionen und Lebenswirklichkeiten.