
Manchmal entscheidet der Berg. Schon 2025 wollte ich bei den Dachstein Dialogen dabei sein, doch Terminüberschneidungen machten mir einen Strich durch die Rechnung. Und als ich heuer zur Präsentation am 12. Mai aufbrechen wollte, stoppte mich der Wettergott persönlich: Schneefall in der Ramsau, Sommerreifen am Auto – und ich musste umdrehen.
Vielleicht liegt es daran, dass mir die Dachsteinregion mehr bedeutet als ein Festivalort. Ich komme aus der Obersteiermark, ich kenne diese Berge, ihre Geschichten, ihre Eigenheiten. Und ich habe über die Region schon oft geschrieben – von Bill Fontanas Silent Echoes bis zu den Spuren von Ai Weiwei am Hohen Dachstein. Auch die Geschichte von Bodo Hell, der seit August 2024 in diesem Gebiet vermisst wird, begleitet mich seither wie ein Echo.
Umso mehr hoffe ich, 2026 endlich bei den Dachstein Dialogen dabei zu sein. Denn das Festival widmet sich heuer einer Frage, die uns alle betrifft: „Worauf kann ich vertrauen?“
Ein Festival im Zeichen der Unsicherheit
Vom 18. bis 24. September 2026 erkunden die Dachstein Dialoge in Filzmoos und Ramsau zentrale Fragestellungen unserer Gegenwart. In einer Welt, die von geopolitischen Machtkämpfen, Kriegen, digitalem Umbruch und KI‑Dynamiken geprägt ist, wird Vertrauen zur knappsten Ressource.
Eröffnet wird das Festival von der Philosophin Lisz Hirn, die ein Plädoyer für Urteilsfähigkeit in unsicheren Zeiten hält – ein Auftakt, den ich mir nicht entgehen lassen werde.
Der künstlerische Leiter Philipp Blom bringt es auf den Punkt: „Ohne Vertrauen gibt es keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft.“
Welche Basis braucht Vertrauen? Wem können wir glauben – Personen, Institutionen, Quellen? Welche Rolle spielt KI in der Wahrnehmung von Wahrheit? Und wie lässt sich Vertrauen wieder stärken?
Orte, die zu Bühnen werden
Die Dachsteinregion verwandelt sich erneut in einen Resonanzraum: Scheunen, Bauernstuben, Kirchen und historische Plätze werden zu Orten des Zuhörens und des Austauschs. Die Mützenhalle Filzmoos wird zum Kinosaal, wo Filme wie Boyhood und Die beste aller Welten gezeigt werden – beide erzählen vom Vertrauen als Prozess.
Eine historische Wanderung führt zu den Spuren der Bibelschmuggler im 17. und 18. Jahrhundert. Hier wird Dialog nicht nur geführt – er wird gegangen.
Impulse, Stimmen, Perspektiven
Diskussionen, Vorträge, Workshops und Seminare beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bei „Fakten, Daten, Leidenschaft – Wissenschaftler:innen und der Kampf um Vertrauen“ sprechen u. a. Eva Nowotny und Reinhard Steurer darüber, wie Vertrauen in einer komplexen Welt neu aufgebaut werden kann.
Erwartet werden u. a.:
- Alexandra Föderl‑Schmid
- Wolfgang Petritsch
- Gerald Knaus
- Christoph Ransmayr
- Marlene Engelhorn
- Wolfram Berger
Musikalisch begleiten das Simply Quartet, Christophe Coin, das Trio Bohémo, Peter Havlicek, die AUTländisch.family und Chöre der Region. Open Concerts laden Musiker:innen und Publikum zum gemeinsamen Musizieren ein.
Ein Festival aus der Region – für die Region
„Die Dachstein Dialoge wurden von Menschen aus der Region für die Region gegründet“, sagt Obfrau Regina Stocker. Der Leitgedanke: In die Zukunft schauen, aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart gestalten.
Gerade in einer Region, die lange von Konflikten geprägt war, ist Dialog nicht Luxus – er ist Notwendigkeit.
Die Dachstein Dialoge sind mehr als ein Festival. Sie sind eine Einladung, Vertrauen neu zu denken – an einem Ort, der selbst seit Jahrhunderten zwischen Fels, Geschichte und Zukunft steht.