
© SF / Jan Friese
Bei der Pressekonferenz am 8. Mai 2026 wurde deutlich, wie konsequent Salzburg an seiner kulturellen Zukunft arbeitet. Der Festspielbezirk 2030 ist kein gewöhnliches Bauprojekt – er ist ein Eingriff in die kulturelle DNA der Stadt. Während die Festspiele 2026 noch laufen, beginnen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für den größten Umbau seit Jahrzehnten. Ein Stadtteil im Ausnahmezustand.
Warum der Umbau unvermeidlich ist
Das Große Festspielhaus ist ein ikonischer Ort – aber seine Technik stammt aus einer anderen Zeit. Vieles wirkt heute wie ein Museumsstück: veraltete Bühnentechnik, fehlende Sicherheitsstandards, ein Dach, das bereits einmal während einer Aufführung undicht wurde. Die Verantwortlichen formulieren es klar: Die Modernisierung ist nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig.
Zwei Jahre ohne Großes Festspielhaus – das wirft Fragen auf. Für die Festspiele, für die Stadt, für das Publikum. Doch die Logik hinter dem Umbau ist nachvollziehbar: Nur ein technisch erneuertes Festspielhaus kann langfristig bestehen.

Startschuss: Kavernenbau ab Herbst 2026
Sobald die Festspiele 2026 vorbei sind, beginnt die erste Hauptphase des Großprojekts: der Kavernenbau. Unter dem Mönchsberg entsteht ein neues „Haus im Berg“ – mit Montagehalle, Probesälen, Einspielräumen und Haustechnik. Gleichzeitig wird eine unterirdische Verbindung zwischen den Festspielhäusern geschaffen.
Der Felsabtrag erfolgt mittels Anbaufräse – erschütterungsarm, präzise und flexibel. Rund 108.000 m³ Material werden abgefräst, über Schutterschächte abtransportiert und im Umkreis von 15 Kilometern gelagert. 90 Prozent davon werden wiederverwendet – für Lärmschutzdämme, Straßenunterbau und andere Projekte. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis.
Wirtschaftliche Bedeutung
Die Sanierung ist ein Kraftakt – aber einer, der sich rechnet. Eine aktuelle Wertschöpfungsstudie zeigt: Allein im Sommer generieren die Salzburger Festspiele 96 Millionen Euro an Steuern und Abgaben. Der Großteil der bisherigen Ausschreibungen ging an österreichische Unternehmen.
Mit dem Kavernenbau werden Arbeitsplätze gesichert und die Zukunft des Festspielbezirks langfristig stabilisiert. Die Kosten für die erste Projektphase liegen bei rund 395 Millionen Euro (±20 %). Bund, Land und Stadt tragen diese gemeinsam.
UNESCO: Grünes Licht für das Welterbe
Bauen im Welterbe ist komplex. Ein unabhängiges Gutachten, beauftragt von der Stadt Salzburg, kam Anfang 2026 zu einem klaren Ergebnis: Der Festspielbezirk 2030 ist mit dem UNESCO-Welterbe vereinbar – und viele Maßnahmen wirken sogar positiv auf den Schutzstatus.
Neutor-Sperre: Ein verkehrspolitischer Stresstest
Ab 14. September 2026 wird das Neutor für ein halbes Jahr komplett gesperrt. Danach ist eine einspurige Durchfahrt für Busse, Anrainer und Lieferverkehr möglich.
Das Thema ist brisant: Seit Jahren wird über eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt diskutiert – nun zwingt die Baustelle die Stadt zu Lösungen, die bisher politisch nicht durchsetzbar waren. Vielleicht entsteht hier ein Modell, das über die Bauzeit hinaus Bestand hat.
Interims-Konzerthalle für 2029 und 2030
Nach den Festspielen 2028 wird das Große Festspielhaus bis Frühjahr 2031 geschlossen. Für die Festspiele 2029 und 2030 sowie alle unterjährigen Konzertveranstaltungen entsteht eine temporäre Konzerthalle für rund 2.000 Personen.
Zwei Standorte werden geprüft:
- das Stiegl-Areal in Maxglan
- das ehemalige Kloster St. Josef im Nonntal
Die Diskussionen laufen bereits: Kosten? Standortnähe zur Altstadt? Wirtschaftsfaktor für Gastronomie und Hotellerie? Die Fragen sind berechtigt – und werden die Stadt noch beschäftigen.
Architektur als Vision
Der Festspielbezirk 2030 ist mehr als eine technische Modernisierung. Er ist ein städtebauliches Statement. Zwei architektonische Leitideen prägen das Projekt:
- die Verbindung der Häuser im Berg
- ein neues Werkstättengebäude im Zentrum des Bezirks
Architektur, Kunst und Stadtvision greifen hier ineinander – und formen einen Kulturraum, der Salzburg in die Zukunft führt.
Der Festspielbezirk 2030 ist ein Projekt voller Chancen und Risiken. Ein Kraftakt, der Salzburg verändern wird – technisch, kulturell und städtebaulich.
Eine Phase, die fordert, genauer hinzusehen.