Der Berg ruft – und ich entdecke ALPGEISTER

Berglandschaft im Nationalpark Berchtesgaden. Foto: © Christa Linossi 2026

Manchmal braucht es keinen Termin, keine Einladung, keinen Anlass – nur den Ruf der Natur. Mich rief der Berg, und ich folgte. Rucksack gepackt, Schuhe geschnürt, und hinaus ging es in die Bergwelt des Nationalparks Berchtesgaden. Bei strahlendem Wetter, umgeben von Fels, Schnee und frischem Grün, durfte ich tun, was für eine Kulturjournalistin selten möglich ist: den Kopf freipusten. Schließlich ist er sonst voll mit Texten, Eindrücken und PR-Terminen.

Ein Akku-Ladevorgang der besonderen Art

3½ Stunden bergauf, einige Höhenmeter, und dann dieser Blick über die Landschaft: Schneebedeckte Gipfel, saftige Wiesen, erste Alpenblumen – ein Genuss für die Seele. Ein Moment, der entschleunigt. Ein Moment, der erdet. Ein Moment, der auflädt – wie ein Handy, das endlich wieder auf 100 % springt.

Ein spontaner Abstecher

Doch damit war es nicht genug. Kaum im Tal angekommen, zog es mich weiter – neugierig wie immer. Ein Abstecher ins Haus der Berge in Berchtesgaden, das mit seinen wechselnden Ausstellungen rund um Natur und Wahrnehmung immer wieder überrascht. Und mein Bauchgefühl hatte recht: Ich tauchte in eine Ausstellung ein, die mich sofort fesselte.

Ausstellungsansicht „ALPGEISTER“ Blick in die Wechselausstellung „ALPGEISTER“ im Nationalparkzentrum Haus der Berge. Foto: © Haus der Berge

ALPGEISTER – Die Kunst des genauen Hinsehens

Im Mittelpunkt steht die Künstlerin und Architektin Angelika Blanz-Düsterfeld. Ihre Fotoausstellung verbindet Natur, Berge und Kunst zu einer stillen, intensiven Erzählung.

Die Kunst des Innehaltens

Der Impuls ihrer Arbeiten liegt im bewussten, langsamen Durchstreifen der Natur. Nicht der schnelle Gipfelsieg zählt, nicht die Zeit, nicht die Strecke. Es geht um das Innehalten. Erst wenn der Blick zur Ruhe kommt, beginnen sich in Holz, Steinen und natürlichen Strukturen verborgene Formen zu zeigen: Gesichter, Wesen, Geschichten.

Fotoarbeit von Angelika Blanz‑Düsterfeld Naturfund mit verborgenem Gesicht. Detailaufnahme eines Naturfundes – bei genauerem Hinsehen zeigt sich darin ein Gesicht. Foto: © Christa Linossi 2026

Suchen. Sehen. Staunen.

Im Suchen liegt die Neugier. Im Sehen das bewusste Wahrnehmen. Im Staunen das Öffnen für das, was sich erst auf den zweiten Blick zeigt.

Genau das tut Blanz-Düsterfeld: Sie findet in der Natur Figuren, die andere übersehen. Sie schaut anders – und lädt uns ein, es ebenfalls zu tun.

Fotografie aus der Natur heraus

Ihre Bilder entstehen fast ausschließlich mit dem Handy, direkt vor Ort. Sie holen den Betrachter aus der Reizüberflutung des Alltags heraus und führen ihn zurück zu Ruhe, Wahrnehmung und innerer Gelassenheit.

Natur als Heilraum

Wandern, draußen sein, atmen – das ist die beste Medizin. Kein Druck, kein Vergleich, kein „höher, schneller, weiter“. Nur der eigene Rhythmus. Vielleicht nimmt der eine oder andere Besucher genau diesen Gedanken mit nach Hause.

Ausstellungsinfos

ALPGEISTER – Fotoausstellung von Angelika Blanz-Düsterfeld Wechselausstellung im Erdgeschoss Nationalparkzentrum Haus der Berge, Berchtesgaden

Öffnungszeiten: täglich 9:00–17:00 Uhr Laufzeit: ab sofort bis Ende Juni 2026 Eintritt: frei

Wechselausstellungen im Erdgeschoss des Nationalparkzentrums Haus der Berge