Das Kuratoren-Team Teresa Präauer und Josef Kirchner präsentierten im Rahmen einer Pressekonferenz im Marionetten-Theater Salzburg das diesjährige Programm zum 14. Literaturfest Salzburg, welches vom 18. Mai bis 22. Mai 2022 in Salzburg stattfinden wird.
Teresa Präauer der Shootingstar der österreichischen Literaturszene, zeichnet sich heuer für das Programm des 14. Literaturfest Salzburg mitverantwortlich. Sie ist bekannt für ihren unkonventionellen Blick auf die Welt, ihren gesellschaftskritischen Humor und literarischen Stil.
Mitte Mai dreht sich in Salzburg wieder alles um Literatur. Es wird ein großes Fest für Literatur an verschiedenen Veranstaltungsorten. NEU IST der „Literaturwürfel“ als neu geschaffene Bühne im „Festzentrum im Kurgarten“ für Literatur, Musik und Kulinarik.
Auf dem Programm stehen Konzerte, Lesungen und künstlerische Interventionen. So präsentieren Katharina J. Ferner ihren neuen Lyrikband krötentage, Ivna Zic ihrem mehrfach ausgezeichneten Debütroman Die Nachkommende, Norbert Trawöger wird sein programmatische Essay Spiel präsentieren. Diese und weitere Lesungen werden musikalisch begleitet vom virtuosen Allround Künstler Chili Tomasson, dem modernen Folk von Dos and Dust, dem Soul-Duo Kardamom.T und vielem mehr.
Weitere Schwerpunkte dieses Literaturfestes sind STEFAN ZWEIG, der von 1919 bis 1933 in Salzburg lebte. Anlässlich seines 80.Todestages erinnert sich das Literaturfest Salzburg an ihn und sein Werk: mit den Schaufensterzitaten, auf die Sie wieder überall in der Stadt stoßen werden. Es gibt auch ein umfangreiches Filmprogramm im DAS KINO, mit Lesungen und Gesprächen. Seine gesellschaftspolitischen Analysen lesen sich dabei heute wieder zeitgenössisch.
Plakat Literaturfest Salzburg Norbert Trawöger-Spiel
Der zweite Schwerpunkt fällt auf FRIEDRIKE MAYRÖCKER „Um Gottes Willen nur keine Story, sondern einfach schauen. Die Dinge anschauen, die Welt anschauen, das Leben anschauen“. > So beschrieb eine der beeindruckendsten und eigenwilligsten österreichischen Autor*innen einmal ihren Zugang zum Schreiben. Unter http://www.ejournal.at (Gründer dieses e. journal war Franz Krahberger, der 2016 verstorben ist). Dort finden sie unter Literatur. Primär von Friedrike Mayröcker aus ihrem Hauptwerk „mein Herz mein Zimmer mein Name“ einen kurzen Auszug.
Das Literaturfest Salzburg schafft es auch diesmal wieder, Musiker*innen, Dichter*innen und Schauspieler*innen an einem Abend zusammen zu bringen.
Schluss Zitat von Literaturfest-Salzburg: „Die Welt von morgen ist eine, in der wir Bücher lesen, Autor*innen und Künstler*innen begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und uns am Erlebnis gemeinsam freuen“.
sie fanden vom 30. März 2022 bis 03. April 2022 statt
2020 fielen die Rauriser Literaturtage aufgrund der Pandemie ins „Wasser“ und 2021 fanden sie zwar statt, jedoch ohne Publikum und im Livestream und Online mit Autoren*innen, die nicht anreisen konnten.
2022 war es endlichso weit, die Rauriser Literaturtage konnten mit Publikum im Mesnerhaus eröffnet werden.
Die Rauriser Literaturpreise wurden heuer an Frauen vergeben. So wurde der Rauriser Literaturpreis 2022 (vergeben vom Land Salzburg, dotiert mit EUR 10.000, -) an Anna Albinus für ihr Romandebüt „Revolver Christi“ (edition. fotoTAPETA 2021) überreicht.
Alexandra Koch erhielt den Rauriser Förderungspreis 2022 (vergeben von Land Salzburg und Marktgemeinde Rauris, dotiert mit EUR 5.000, -) zum Thema „Alles auf Anfang“ erhält Alexandra Koch für ihren Text vattern muttern künd.
Was war das Thema heuer in Rauris? Es war ein brisantes Thema, es ging von Tieren und Menschen, die nicht nur in den Märchen vorkommen, sondern Tiere spielen auch in der Literatur eine bedeutende Rolle; es gibt eine Vielzahl an literarischen Beispielen, die sich mit ihnen beschäftigen. Dabei geht die Funktion von Tieren weit über die Vermittlung zoologischer Erkenntnisse hinaus: Sie werden als eigene literarische Figuren dargestellt, in Beziehung zu Menschen, oft als deren Partner, als Ergänzung menschlicher Existenzformen, aber auch als Träger unserer Sehnsüchte und Projektionen. Oftmals dienen Tiere als Vehikel für die Untersuchung menschlicher Verhaltensweisen und damit unserer Selbsterforschung. Man könnte auch sagen, Tiere werden in Texten dargestellt, damit wir etwas über uns Menschen lernen.
Die Frage, wie wir Menschen auf die Natur einwirken, wie wir mit unseren Lebensgrundlagen umgehen und sie gefährden, ist aktueller denn je. Wenn es in der Literatur um unser Verhältnis zur Natur geht, so ist das ohne gesellschaftlich-politische Themen, die sich darin spiegeln, nicht denkbar.
Es gab interessante Gespräche und Diskussionen wie zum Beispiel, die Diskussion zwischen Barbara Frischmuth (sie befasst sich in ihren Texten nicht nur mit unserem natürlichen Lebens-Umfeld, sondern auch speziell mit Tieren.) und Ludwig Huber (ist Leiter des Messerli Forschungsinstituts für Mensch-Tier-Beziehungen an der Veterinärmedizinischen Universität Wien; soeben ist seine umfangreiche Studie „Das rationale Tier“ erschienen.) Hier diskutierten zwei hochkarätige Gesprächspartner über das Leitthema „Von Tieren und Menschen“ der Rauriser Literaturtage.
Interessant war auch das Gespräch zwischen dem Autor Michael Köhlmeier und Tomas Friedmann (Literaturhaus Salzburg) Hier ging es um den Roman „Matou“ von Michael Köhlmeier, der zu den bedeutendsten Autoren der österreichischen Gegenwartsliteratur gehört. In seinem neuen Roman „Matou“ geht es um die fantastische Geschichte eines gewitzten Katers: der sieben Leben hat und diese von der Französischen Revolution bis in Hier und Jetzt schaffte.
Als interessant fand ich auch die Lesung von Teresa Präauer, sie ist Schriftstellerin und auch bildende Künstlerin. Sie schreibt Romane, Kolumnen und Erzählungen. Seit Beginn ihres Schreibens erforscht sie immer wieder das Animalische im Menschen und das Menschliche im Tier, so wie in ihrem Roman „Oh Schimmi“ der 2016 erschienen ist. Ihr zuletzt publizierter Geschichtenband „Das Glück ist eine Bohne“ (erschienen 2021)
Zum Abschluss traten samstags Abend im Mesnerhaus wieder die bekannte Wiener Akus-tik-Duo DIE STROTTERN & PETER AHORNER auf. Die Strottern vereinen ihre Kompositionen mit Wiener Tradition mit Jazz, Pop und Weltmusik, während Peter Ahorner ein virtuoser Sprachkünstler ist, der seine Texte nicht nur spricht, sondern auch singt.
Mit Spannung können wir auf 2023 blicken, wenn die Rauriser Literaturtage vom 29. März 2023 – 02. April 2023 wieder zum Stell Dich Ein bitten.
Das Jahr 2022 hält für das Salzburger Landestheater spannende Herausforderungen bereit. Die ersten drei Monate der Spielzeit 2022/2023 werden sie im Festspielbezirk und in anderen Spielstätten zu Gast sein.
Warum? Das Salzburger Landestheater ist zurzeit eine Baustelle. Die in die Jahre gekommenen Sessel haben längst das Haus verlassen. Der alte knarzende Podest Aufbau auf dem Balkon wird gemäß dem Zeitplan abgerissen und durch einen neuen, bestens gegen Störgeräusche gedämpften, ersetzt werden. Die historisch anmutenden Seilzüge im Bühnenhaus werden Geschichte sein. Mit all dem wird das Landestheater einen weiteren der unzähligen Schritte gehen, von denen die Kunstform „Theater“ seit ihrer Entstehung vor mehr als zweitausend Jahren geprägt und verändert wurde.
So wird ab Herbst die Besucher*innen mit neuen ästhetischen, funktionalen und technischen Veränderungen im Landestheater erleben können. Des Weiteren werden die ursprüngliche Farbgebung der Stuckaturen freigelegt und der Zuschauerraum – auch mit Unterstützung neuester Beleuchtungstechnologie – im goldenen Glanz erstrahlen.
Dies kurz zum Umbau und nun ein kurzes Intermezzo zum Spielplan des Landestheater:
Lichtgestalten heißt heuer das Motto zum Spielplan und was meint man damit? Menschliches Dasein, wie wir es kennen, ist ohne das Element des Lichts nicht denkbar. Im Sinne der Aufklärung auf Englisch „Enlightenment“, macht es uns als Menschen aus, dass wir uns die Vernunft erleuchten lassen. Das Licht der menschlichen Vernunft erhellt uns den Horizont, das Leben sinnvoll zu gestalten.
Worum geht es hier nun wirklich? Es geht um Licht und Wasser, den diese sind auch eng miteinander verbunden. So wurde die Architektur des benachbarten Paracelsus Bades (Landestheater), in dem Licht und Wasser ineinanderfließen, angeregt, das Spielzeitthema „Lichtgestalten“ für das Spielplanheft, an diesem Ort fotografisch einzufangen.
Zu Gast im Festspielbezirk, hier werden drei Neuinszenierungen in der Felsenreitschule die Spielzeit eröffnen. Auf dem Programm steht die Oper „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss. Das Musical „Hair“ das als Meilenstein der Popkultur in den späten 1960er Jahren in New York die Uraufführung erlebte, wird nun als Neuinszenierung ebenfalls in der Felsenreitschule präsentiert. Es passt in unsere bewegte Zeit, in der junge Menschen für den Frieden auf die Straßen gehen, um die Welt zu verändern. Oper, Ballett und Schauspiel verschmelzen in der Produktion „Die Entstehung des Lichts“, hier geht es um die Fragen: Wo hat alles begonnen? Im Paradies oder in der Ursuppe? Hat die Evolution den Menschen durch stetige Anpassung gebildet oder sind wir aufgrund eines göttlichen Masterplans entstanden?
Im runderneuerten Stammhaus können Besucher*innen dann das Schauspiel „Buddenbrooks“ und die Oper „La finta giardiniera“ als Auftakt im frisch renovierten Landestheater erleben. Weitere Entdeckungen verspricht auch die Tanzcompagnie mit Haydns „Schöpfung“, dem Doppelprojekt mit Tschaikowskys Oper „Jolanthe“ und „Der Nussknacker“sowie „Vom Lichten und Dunklen“ mit hochinteressanten und neuen Kreationen. Die Sparte „Junges Land“ bildet mit ihren Produktionen das Leben als bunt und divers ab und lädt mit Protagonisten wie dem „Pumuckl“ oder „Lorax“ als Figurenspielinszenierung zu Entdeckungen ein.
ARS ELECTRONICA im Aufbruch zu neuen UFERN im 21. Jahrhundert!
Photo showing Uniview 3.0. Photo: vog.photo
Diesmal heißt das Motto: „Zurück in die Zukunft oder alles beginnt mit dem CAVE…“ jedoch wurde für 2022 ein neues Kapitel aufgeschlagen und wir beginnen mit einem weiteren Zukunftsabschnitt, und zwar mit DEEP SPACE EVOLUTION
DEEP SPACE EVOLUTION Ars Electronica – Video Ars Electronica
Mit DEEP SPACE EVOLUTION schlägt das Team von Ars Electronica das nächste Kapitel in Sachen immersive Bildwelten auf. Es entstehen somit neue Veranstaltungsformate mit DEEP SPACE EVOLUTION und so startet das Ars Electronica Center auch neue Programmformate. Zusätzlich zu den halbstündlichen Präsentationen während des regulären Museumsbetriebs gibt es ab sofort die drei neuen Veranstaltungsformate „Deep Space Concert”, „Deep Space Experience” und „Deep Space Lecture”. Künstler*innen, Forscher*innen und Aktivist*innen laden dabei zu außergewöhnlichen Erlebnissen.
Photo showing a Uniview 3.0. Photo: vog.photo
mit CAVE begann 1996 und wurde zur Weltpremiere, hier handelte es sich noch um einen kleinen Raum mit 3x3x3 Meter. Dieser Innenraum diente als Projektionsfläche am Boden, Decke und Wände. Es war ein Netzwerk aus vier Rechnern und einem Trackingsystem, das ständig die Position der 3D-Brillen ausgestatteten Besucher*innen ermittelt, ermöglicht ein noch nie dagewesenes Eintauchen in virtuelle Welten. Dieser Raum wurde bald die Spielwiese für Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Entwickler*innen aus aller Welt, die hier ihre Ideen als Experimente weiterführten.
Entwicklung von Cave 1996 bis deep space EVOLUTION 2022 Ars Electronica Foto: Christa Linossi
…dies führte dann über den Deep Space…
Als Linz 2009 zur „Kulturhauptstadt Europas“ wurde, wurde das „Deep Space“ auf 6.500m² erweitert und avancierte zum Publikumsmagneten. Wand- und Bodenprojektionen hatten hier beachtliche 16 mal 9 Meter Maße und dank der Entwicklung zu Lasertracking, konnte hier auch interaktive Bildwelten inszeniert werden. Dieser Deep Space sorgte für international große Aufmerksamkeit.
…die Entwicklung ging weiter…und führte zum Deep Space 8K…
Das Ars Electronica Future lab nimmt 2015 den nächsten Meilenstein in Angriff. Aus dem Deep Space wird der Deep Space 8K. 8K verweist auf die Auflösung der projizierten Bilder, die jetzt für jeden der acht Projektoren 4096 mal 2160 Bildpunkte umfassten. Der Deep Space 8K garantierte visuelle Erlebnis, die wahrlich den Atem raubten.
Jetzt wurde wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen und
führt…zu Deep Space EVOLUTION
2020 Cubo Negro und 2021 JKU medSPACE ein neu implementiertes Content-Managementsystem eröffnet zahlreiche Zusatzfunktionen, den Präsentator*innen stand zudem ein neues Steuerungsinterface am Smartphone zur Verfügung. Zur 3D-Contententwicklung wurde nun die in den weltweit führenden Computerspielproduktionen verwendete Unreal Engine eingesetzt. Ein neues Lizenzmanagement für Content-Pakete garantiert darüber hinaus, dass Inhalte aus dem Deep Space 8K ganz einfach Partner*innen weitgegeben werden können. Zum Einsatz kommt dieses System bereits im JKU medSPACE am JKU MED Campus Linz genau wie im Cubo Negro im Centre de Ciencias in Culiacan, Sinaloa Mexiko.
Deep Space EVOLUTION – neue Programm-Highlights in 3D
Unser Sonnensystem erkunden und dabei erfahren, warum sich Leben auf der Erde überhaupt entfalten kann. Den komplexen anatomischen Aufbau von Homo Sapiens sehen und die Funktionsweise des menschlichen Organismus verstehen lernen. Ein faszinierendes Zusammenspiel von Kunst und Technologie mitverfolgen, das den Weg in die Zukunft von Menschen und Maschinen weist.
Deep Space EVOLUTiON steht auch für eine inhaltliche Weiterentwicklung, die dem Publikum spannende Stories, vielfältige Möglichkeiten der Interaktion und ein noch intensiveres immersives Erlebnis eröffnet.
DEEP SPACE EVOLUTION Ars Electronica – Video Ars Electronica
Spannende Stories wie:
Uniview 3.0 Warum besitzt die Erde ein Magnetfeld und wovor schützt es uns? Weshalb ist die Atmosphäre für uns lebensnotwendig? Wie ist der Mond entstanden und warum ist er für die irdische Evolution unverzichtbar? Und was ist die „habitable Zone“? „Die Erde – ein besonderer Planet“ entführt Besucher*innen auf eine spektakuläre virtuelle Reise, bei der sich alles darum dreht, warum wir und mehr als acht Millionen weitere Arten auf diesem Planeten überhaupt leben können. Wie wir Menschen uns auf immer längere Weltraummissionen vorbereiten und Exoplaneten in fremden Sternsystemen genauer unter die Lupe nehmen, wird mithilfe eines brandneuen 3D-Modells der ISS und des James Webb Space Telescope erzählt.
Photo showing a Uniview 3.0. Photo: vog.photo
Sounding Letters Welch Potential dem Zusammenspiel von Menschen und Maschine innewohnt, zeigt das 3D-Video „Sounding Letters“. Es basiert auf einem KI-System von Ali Nikrang (Künstler und Forscher am Ars Electronica Futurelab), dass die Anfangsbuchstaben von Ars Electronica Futurelab und Ars Electronica Center als Noten interpretiert hat. Mensch und Maschine komponierten dann ein Stück, das Ali Nikrang schließlich im Duett mit einem selbstspielenden Piano zur Aufführung brachte.
Sounding Letters Ars Electronica Foto: Robert Bauernhansl
Des Weiteren gibt es dann noch Virtual Anatomy zurück am Planeten Erde und den sich hier tummelnden Arten. Eine davon rückt „Virtual Anatomy“ ins Zentrum und macht dabei auf spektakuläre Weise sichtbar, welch komplexe Organismen die Evolution hervorbringt.
Photo showing „Virtual Anatomy“. Photo: vog.photo
Last not least Welcome to Planet B Auf ganz andere Weise thematisiert eine weitere, ebenfalls vom Ars Electronica Futurelab entwickelte Applikation die künftige Rolle von Menschen und Maschinen. „Welcome to Planet B“ ist ein interaktives Spiel, das danach fragt, was wir unternehmen wollen, um den Klimawandel und seine Auswirkungen zu begrenzen.
Photo showing the interactive game „Welcome to Planet B“. Photo: vog.photo
Sie kommen und gehen! Diesmal verabschiedet sich Dr. Thorsten Sadowsky vom Museum der Moderne. 2018 übernahm er als Direktor das international anerkannte Museum der Moderne in Salzburg. Zuvor führte er fünf Jahre lang in gleicher Position das Kirchner Museum in Davos und jetzt erfolgt die Rückkehr nach Norddeutschland.
Der gebürtige Westfale wird ab 1. Oktober 2022 neuer Wissenschaftlicher Vorstand der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen auf Schloss Gottorf und folgt Prof. Dr.Dr. h.c. Claus von Carnap-Bornheim – der sich mit 30.September 2022 in den Ruhestand verabschieden wird – nach. https://landesmuseen.sh/de/stiftung
Thorsten Sadowsky trug auch wesentlich zur internationalen Profilierung des Museums der Moderne Salzburg bei. Er versuchte ein dynamisches kulturelles Forum in der Mitte Europas, das aktuelle und gesellschaftlich relevante Themen diskutiert, im zeitgenössischen Kunstgeschehen als Akteur sichtbar zu machen. Teilweise gelang es ihm, teilweise war es aber auch schwierig, hier wirklich gute zeitgenössische Kunst zu präsentieren. Viele Ausstellung wurden aus dem Museumsbestand oder aus der Generali Foundation gestaltet. Überschattet war das Ganze auch durch die zweijährig dauernde Pandemie. Budget für Anschaffungen oder Ausstellungen, fehlten schlichtweg.
Mit der Ausstellung JASMINA CIBIC.MOST FAVOURED NATION, welche zurzeit im Museum der Moderne Salzburg bis Juni läuft, schaffte es Thorsten Sadowsky immerhin, dass die THE NEW YORK TIMES, über die Ausstellung in Europa MdM Salzburg berichtete.
Nun stellt sich wieder einmal die Frage, wer wird Dr. Thorsten Sadowsky Nachfolger*in? Ein kurzer Rückblick wer für das Museum der Moderne seinerzeit die Fäden zur zeitgenössischen Kunst zog!
1983-1998 Otto Breicha Gründer des Moderne Galerie und Graphische Sammlung – Rupertinum
1998-2001 Peter Weiermair, der das Rupertinum stärker international ausgerichtete.
2000-2005 Dr. Agnes Husslein, die 2004 das Museum der Moderne eröffnete und an die zeitgenössische Kunst heranführte.
2005-2013 Dir. Toni Stoss, der auch viele internationale Künstler präsentierte und 8 Jahre als Direktor verweilte.
2013-2018 Dr. Sabine Breitwieser, die die Generali Foundation (sie ist Gründerin dieser Foundation) nach Salzburg und in das MdM integrierte.
2018-2022 Dr. Thorsten Sadowsky
2022???
Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer dankt Herrn Direktor Dr. Thorsten Sadowsky für seine erfolgreiche Tätigkeit und wünscht ihm für seine neue berufliche Herausforderung weiterhin viel Erfolg. Ebenso dankte auch die Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Brigitta Pallauf und betont die gelungene Neuausrichtung des Museums der Moderne Salzburg: „Sowohl inhaltlich als auch organisatorisch wurden neue Wege eingeschlagen, die auch weiterhin fortgesetzt werden sollen. Im Namen des gesamten Aufsichtsrates danken wir für die profunde Arbeit und gute Zusammenarbeit mit dem Team und vielen Institutionen und Kooperationspartnern.
Nun heißt es wieder „Auf zu neuen Ufern“, zuversichtlich in die Zukunft schauen und hoffen, dass das Museum der Moderne auch in Zukunft in eine gute Richtung gelenkt wird.
Geboren wurde Kriesche 1940 in Wien, jedoch die Familie flüchtete 1944 ins Ennstal und ein Jahr später nach Feldbach. Von 1958-1962 studiert er an der Akademie der bildenden Künste in Wien Grafik und Malerei.
Richard Kriesche ist ein internationaler Pionier in der Medienkunst. Sein Interesse galt seit den 1960er-Jahren der Medien-, Informations- und Digitalisierung bis in die Gegenwart. Er analysierte und reflektierte und ging nebenbei der Frage nach dem Wesen der Kunst und deren Rolle und Funktion in der Gesellschaft und der Medienwelt. Für ihn sind Zusammenhänge von Wissenschaft, Forschung auch Allianzen zwischen Ökonomie und Politik.
Im Museum der Moderne wird der wichtigste Teil der Werkgruppen von 1963 bis 2022 gezeigt. Ausgehend von seiner kontinuierlichen Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien gibt die Ausstellung die Möglichkeit unterschiedliche soziotechnische Phasen und Umbrüche in den letzten sechs Jahrzehnten in den Blick zu nehmen.
Die Ausstellung ist so konzipiert, dass man mit dem 21. Jahrhundert (2022) beginnt und dann rückwärts bis in Jahr 1973 blicken kann. Beginnen wir gleich mit 2022, hier ist ein Kubus als Ausstellungsraum. Dieser Raum nennt sich self-space. Was bedeutet self-space? Man könnte dies auch so formulieren; es ist ein persönlicher Raum, die nur eine Person umgibt um dies als psychologisch zu betrachten. In diesem Raum wurde ein unsichtbarer Algorithmus installiert, auf den der Besucher oder die Besucherin treffen werden. So korrekt ist es auch wieder nicht, denn sie betreten den Raum, der dunkel ist und wenn sie den größeren Raum betreten, finden sie eine Art Fax- oder Kopiergerät vor, wo sich darin der Algorithmus vermutlich befindet. Den bei Knopfdruck erhalten sie eine Kopie Ausgabe, wo ihre persönliche hexadezimalzahl aus ihrer datenspur im self-space errechnet wurde.
Richard Kriesche self-space / Foto: Christa Linossi
Es ist eine interessante Erfahrung diesen Raum zu betreten und man stellt sich viele Fragen danach und hält seine eigene Datenspur in der Hand und weiß im Moment nicht recht, wie man damit umgehen soll.
Auf ein weiteres Projekt von Richard Kriesche will ich eingehen. Es handelt sich um den Kunstspots für HUMANIC 1973-75/86. Ausgangspunkt für diesen Kunstspot war eine Performance des Künstlers am Trafalgar Squire in London. Die Schuhfirma HUMANIC wollte mit einem Künstler in Kooperation einen Werbefilm gestalten. Die Wahl des Künstlers fiel auf Richard Kriesche der jedoch sich aushandelte, es kommen keine Schuhe vor, es muss ein Kunstfilm sein und bleiben, der nur 30 Sekunden lang dauern darf. http://www.medienblock-richard-kriesche.at/Projekt19/
Gezeigt wird in diesem Kunstfilm der Künstler und die Tauben am Markusplatz in Venedig. „Der Künstler, in einen Maiskörneranzug gehüllt, wird selbst zum lebenden Objekt.“ (“Projekt19 – Medienblock Richard Kriesche”) Im Werbeblock des ORF wurde er schließlich ein halbes Jahr lang als „Humanic-Werbespot“ ausgestrahlt. Regie: Richard Kriesche, Kamera: Xaver Schwarzenberger, Text: Klaus Hoffer. (Anmerkung: weder wird ein Produkt des Unternehmens gezeigt – Schuhe –, noch scheint der Unternehmens Claim auf, allein das Logo „HUMANIC“ nimmt Bezug auf das Wirtschaftsunternehmen als sponsor avancierter Kunst.)
Medienblog Richard Kriesche / Es ist dem Joanneum 2013 gelungen, ein aus etwa 60 Werken bestehendes Kompendium direkt vom Künstler zu erwerben.
In einem anderen Ausstellungsraum befinden sich 5 Monitore, hier wird eine Frau die 5 Tage lang jeden Tag denselben Handgriff macht, durch Vidoaufnahmen sichtbar gemacht. Diese Aufnahmen stammen aus den seinerzeitigen Puchwerken (heute Magna) in Graz. Durch die Video-Nutzung ist es auch möglich, soziale, gesellschaftliche Themen oder mechanisierte Arbeit sichtbar zu machen.
Richard Kriesche war auch auf 3x auf 36. Biennale di Venezia 46. Biennale di Venezia und 49. Biennale di Venezia, in Venedig und 2x auf der Documenta 6, documenta 8, in Kassel vertreten.
Diese Ausstellung gibt auf alle Fälle einen Einblick in die Medien-, Informations- und Digitalisierungsrevolutionen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. Die Ausstellung ist sehenswert!
Spanien Sprühende Kreativität – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022; Spanien – Ehrengast 2022 EN
Wenn Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse zu einer Pressekonferenz einberuft, kann es sich nur um eine Botschaft handeln.
Die Botschaft? Ehrengast auf der Buchmesse ist heuer Spanien, die ihre literarische Vielfalt unter dem Motto „Creatividad Desbordante/Sprühende Kreativität“ präsentieren wird.
Spanien Sprühende Kreativität – Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2022; Spanien – Ehrengast 2022 EN
Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse: „Es ist nun fast 30 Jahre her, seit dem ersten Auftritt von Spanien auf der Frankfurter Buchmesse 1991. Eine der zentralen Botschaften des spanischen Auftritts ist die Vielsprachigkeit des Landes: darunter regionale Sprachen wie Katalanisch, Galicisch und Baskisch, in denen es jeweils eigene Literaturen gibt. Diese Vielsprachigkeit ist perfekt zum Thema TRANSLATE TRANSFER TRANSFORM. Denn Übersetzen ist der einzige Weg für das Wort hinaus in die Welt, für die Verständigung zwischen Kulturen inmitten von Diversität. Die Übersetzung steht im Zentrum einer jeden Ehrengastpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse: In diesem Zusammenhang ist eines der größten Übersetzungsförderungsprogramme weltweit entstanden.“
Elvira Marco, Projektleiterin für den Ehrengastauftritt Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022: „2019 hat Spanien den ersten Schritt „auf den Weg nach Deutschland“ getan. (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Seitdem gab es viele Herausforderungen. Wir haben trotzdem viel auf die Beine gestellt, darunter ein großes Übersetzungsförderungsprogramm, um unseren Büchern auf die internationale Bühne zu verhelfen. „Übersetzungen bringen uns einander näher und das ist etwas, was wir gerade in diesen Zeiten besonders brauchen.“ (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Jetzt übergeben wir den Staffelstab an die Leser: innen weiter. Wir präsentieren viele zeitgenössische Werke, die deutlich zeigen, dass Spanien ein anderes Land ist als noch vor 30 Jahren, als Spanien erstmals Ehrengast der Frankfurter Buchmesse war.“
Luis García Montero, Direktor der Instituto Cervantes: „Die Buchmesse ist immer ein wichtiger Ort, um in den Austausch zu treten und sich zu treffen. Das Buch ist eine Metapher für die Freiheit. Das Gewissen des Autors verbindet sich mit dem Gewissen der Leser. Spanien glaubt an Europa. Der große Reichtum Europas zeigt sich in den Menschrechten und der Demokratie. Und in einer Sprache zeigt sich der Wertekanon der Gesellschaft. (“Ein Frühling voll sprühender Kreativität”) Wir wollen Kultur aus der gesamten spanisch-sprachigen Gemeinschaft vermitteln und kämpfen als Gemeinschaft für die Vielstimmigkeit. Deswegen bin ich dankbar, dass die Frankfurter Buchmesse diesen wichtigen Dialog fördert.“
Die Frankfurter Buchmesse ist die größte Fachmesse für das internationale Publishing und ein branchenübergreifender Treffpunkt für Player aus den Bereichen Bilding, Filmwirtschaft, Games, Wissenschaft und Fachinformation. Der jährlich wechselnde Ehrengast, der dem Messepublikum auf vielfältige Weise seinen Buchmarkt, seine Literatur und Kultur präsentiert. Die Frankfurter Buchmesse organisiert die Beteiligung deutscher Verlage an internationalen Buchmessen und veranstaltet ganzjährig Fachveranstaltungen in den wichtigen internationalen Märkten. Die Frankfurter Buchmesse ist ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.https://www.buchmesse.de/
Die ALBERTINA MODERN zeigt eine umfangreiche Retrospektive eines der bedeutendsten Künstler des 20./21. Jahrhundert, es handelt sich um Ai Weiwei und gibt Einblick in alle Schaffensphasen seiner mehr als vier Jahrzehnte währenden Laufbahn.
Ai Weiwei ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, er ist ein unermüdlicher Aktivist und Kritiker autoritärer Systeme. Seine Kunstwerke sind mächtige Symbole, die ein breites Publikum ansprechen und immer wieder für Kontroversen Sorgen.
Die Ausstellung In Search of Humanity befasst sich eingehend mit dem Aspekt der Menschlichkeit und der künstlerischen Stellungnahme in Ai Weiweis Schaffen. AI Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. (Von 1958–1976) Ai Weiweis Kindheit und Jugend verbrachte er in der Verbannung seines Vater Ai Qing, einer der berühmtesten Dichter Chinas, dieser galt als Regimekritiker und wurde als „Rechtsabweichler“ mit seiner Familie verbannt. Während Mao Zedongs „Kulturrevolution“ – der vor keiner Zerstörung und Unterdrückung zurückschreckenden, groß angelegten Umerziehung des chinesischen Volkes – lebten sie in einem Lager in der Provinz Xinjiang unter ärmlichsten Bedingungen in einem Erdloch. Ai Qing wurde für Reinigung der Latrinen zugeteilt, täglich ist er öffentlichen Demütigungen ausgesetzt. Nach dem Tod von Mao durfte Ai Qing (rehabilitiert) mit seiner Familie wieder zurück nach Peking kehren. Diese Auswirkungen die Ai Weiwei als Kind während der Kulturrevolution miterlebte, prägten auch seine frühesten Werke mit der Auseinandersetzung seines Heimatland China.
1978-1979 Ai Weiwei schreibt sich als junger Künstler an der Pekinger Filmakademie ein. Sein Jahrgang ist der erste, der seit der „Kulturrevolution“ zugelassen wird. Er verkehrte in den Kulturkreisen der Hauptstadt Peking. Er ist ein hervorragender Kenner der Geschichte und der kulturellen Traditionen seines Landes.
1981–1993 Künstlerische Prägung in den USA, 1993–1997 Rückkehr nach China: Umgang mit chinesischem Kulturgut 2000-2008 Tätigkeit als Architekt, 2005 Blog für Meinungsfreiheit, gegen Korruption und Zerstörung der chinesischen Kultur, Ab 2007 Erste internationale Erfolge, 2009-2011 Staatliche Repressalien und Festnahme 2009 wird Ai zum ersten Mal festgenommen, was ihn daran nicht hindert als Zeuge zugunsten des Aktivisten Tan Zuoren auszusagen. Nach der Verleihung des Friedensnobelpreises 2010 an den chinesischen Systemkritiker Liu Xiaobo greift die Kommunistische Partei Chinas hart gegen mehr als 200 Dissidenten durch: Anwälte, Aktivisten und Schriftsteller werden verhaftet und zum Schweigen gebracht. Auch Ais Studio wird wegen angeblich „nicht sachgemäßer Nutzung“ von den Behörden abgerissen. Die Geheimpolizei hält Ai ohne Anklage und ohne Verurteilung für unbestimmte Zeit an einem unbekannten Ort fest. 2011-2015 Dissident in China. Nach 81 Tagen und internationalen Protesten kommt Ai gegen Kaution frei, steht aber weiterhin unter strengster Überwachung. Es wird ihm untersagt zu reisen. Ai äußert weiterhin Kritik am Regime und macht mithilfe seiner Kunst selbst die Umstände seiner Gefangenschaft publik. Erst 2015 erhält Ai seinen Reisepass von den chinesischen Behörden zurück. Er zieht nach Berlin. Ab 2015 Internationaler Menschenrechtsaktivist und durch die Verlagerung seines Lebensmittelpunkts nach Europa positioniert Ai sich in seiner Rolle als Künstler und Aktivist noch stärker als Verfechter von Menschenrechten und demokratischen Grundwerten und bezieht immer wieder bei aktuellen Ereignissen Stellung.
Seine Arbeiten, die in der ALBERTINA MODERN gezeigt werden, geben Aufschluss zu seinen unvergleichbaren Gestaltungsprinzipien.
1994 schuf Ai Weiwei eines seiner bekanntesten Werke: Auf eine weisse Urne aus der Zeit der Han-Dynastie, ein rund 2000 Jahre altes Objekt malte er ein rotes Coca-Cola-Logo und verband der Gestalt symbolisch China und Amerika, Gestern und Heute, lokalen Basisnutzen und transnationales Marketing. Eine Urne aus der Han-Dynastie fallen lassen, wer bestimmt, was kostbar ist? Ist ein Gegenstand nur deshalb wertvoll, weil er eine bestimmte Zeit überdauert hat? Selbst wenn er zur Zeit seiner Herstellung ein Massenartikel war? Denn genau das trifft auf diese Urne aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) zu, die Ai Weiwei 1995 zerschmettert.
In den drei Schwarzweiß-Fotos ist diese subversive Aktion festgehalten.
Das Fahrrad hat in China eine eigene Bedeutung, denn das Land galt lange als Fahrradnation. Ai selbst hat als Kind erlebt, wie wichtig es war, ein eigenes Fahrrad als Fortbewegungsmittel zu besitzen. Noch in den späten 1980er-Jahren gibt es in China kaum motorisierte Privatfahrzeuge, die Fahrräder dominieren den Stadtverkehr. Ai montiert die Fahrräder so aneinander, dass sie nicht mehr funktionstüchtig sind, ohne Lenker, Pedale und Ketten, teils ohne Sattel. Er spielt damit auf die chinesische Bevölkerung an, auf deren Synchronisierung und Uniformierung, deren Zusammenspiel als Kollektiv, das jedoch dem Einzelnen kaum Bewegungsfreiheit ermöglicht.
Erste Verhaftung Im August 2009 reist Ai nach Chengdu, um bei einer Gerichtsverhandlung zugunsten von Tan Zuoren auszusagen. Der Aktivist hat zu den Baumängeln an Schulen recherchiert, die während des massiven Erdbebens in Sichuan 2008 eingestürzt sind, woraufhin ihm „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ vorgeworfen wird und er verhaftet wird, gelingt es ihm, mit seinem Handy das Spiegelbild der Szene zu fotografieren und zu posten. Dieses Selfie, wird über die sozialen Medien verbreitet, hinter ihm zu sehen die beiden Polizisten sowie sein Freund, der Musiker und Künstler Zuoxiao Zuzshou, der ihn nach Chengdu begleitet hat. Das Foto, das Ai später in Form dieser Lego-Arbeit umsetzt (somit verliert Lego, das berühmteste Spielzeug der Welt seine kindliche Unschuld) und verdeutlicht die zunehmende Bedeutung, wie Smartphones und soziale Medien für den Aktivismus spielen. Es markiert den für Ai buchstäblich erhellenden Moment, in dem der Künstler zum verfolgten Regimekritiker wird.
Möbelskulpturen Mit dem kulturellen Erbe und dem Umgang mit Kulturgütern befasst sich Ai Weiwei auch in seinen Arbeiten aus Holz. Für die Möbelskulpturen 40 Holzstühle, lässt er diese von versierten Tischlern nach seinen Vorstellungen umbauen. Dabei legt er Wert darauf, unsichtbare Steckverbindungen die einzelnen Teile zusammenhalten und die Arbeitsweise dem Material folgt. Nichts Neues wird hinzugefügt, nichts Altes, das entfernt wurde, geht endgültig verloren. Durch die Neuanordnung verlieren die Möbel ihre Funktionalität. Sie werden auf eine schockierende Weise zwecklos, indem sie vom realen Gebrauch ausgeschlossen werden. Als Kunstwerke erfüllen sie jedoch nun einen neuen Zweck.
Gefangennahme Am 3. April 2011 wird Ai Weiwei am internationalen Flughafen in Peking von der chinesischen Geheimpolizei verhaftet und eingesperrt. Die ganze Welt und die ganze Kunstwelt fragte sich seinerzeit „Wo ist Ai Weiwei“? Wo ist er?
81 Tage lang weiß er nicht, wo er sich befindet, weshalb er festgehalten wird, wie lange seine Inhaftierung andauern und ob er seine Familie je wiedersehen wird. Mehrmals täglich wird er mit Handschellen an einen Stuhl gefesselt und verhört. Zwei uniformierte Wachmänner stehen ununterbrochen in einem Abstand von 80 Zentimetern neben ihm und überwachen ihn rund um die Uhr, ohne zu sprechen und ohne jede Gesichtsregung.
Während der 81 Tage prägen sich Ai die Gegebenheiten der Zelle bis ins kleinste Detail ein. Er baut den Raum später nahezu in Originalgröße als begehbare Installation nach.
CHAT-INTERVIEW 2022 mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini
Südtiroler Künstler Markus Damini / Foto: Markus Damini
2016 führte ich mit dem Südtiroler Künstler Markus Damini das interessante Chat-Gespräch „di cuoio come forma astistica?“
Nun sind mittlerweile 6 Jahre verstrichen, der Künstler Damini kontaktierte mich und bat mich um ein neuerliches Chat-Interview, dem ich gerne zustimmte. Er ist ein Künstler, der interessante Ansätze in seiner Kunstform hat. Schwerpunkt in seinem Kunstschaffen ist das Leder aber auch Malerei die er als „Symbiose zwischen Kunst und Handwerk“ bezeichnet.
yinyang_markusdamini_Foto: Markus Damini
Linossiartstory: 2020 stürzte uns das Virus COVID 19 ins Abseits und Sie mussten auch noch mit einer schweren Krankheit fertig werden. Wie wurden Sie mit dieser Situation fertig und wo ist Ihre Kunst gestrandet?
Markus Damini:
Im August 2020 wurde bei mir eine Tumorerkrankung diagnostiziert. Es folgten neun schwierige Monate mit mehreren Chemotherapien. Das Schlimmste war für mich die Schwäche und vom Kunstschaffen war keine Rede mehr. Erst allmählich nach etwa einem halben Jahr nach Beendigung der Therapie begann ich langsam wieder kreativ zu sein.
Linossiartstory: Die aktuellen Arbeiten sind Malerei und was hat Sie inspiriert zum Pinsel zu greifen?
Markus Damini:
Ich benutze nicht nur Pinsel, sondern auch Stoff, Papier, Spachteln usw. Ich wollte wieder kreativ arbeiten, das mich begeistert, da war Malerei das Naheliegendste.
Linossiartstory: In Vergangenheit hatten Sie viel mit dem Material Leder gearbeitet. Werden Sie in Zukunft auch wieder mit Leder arbeiten?
Markus Damini:
Mit diesem Material habe ich absolutes Neuland in der Kunst betreten. Auch die Bildmotive waren neu, ich habe mich ja von niemandem inspirieren lassen. Was ich in Zukunft mit Leder machen werde, lasse ich noch offen.
Markus Damini_ohne Titel Öl auf Leder / Foto: Markus Damini
Markus Damini, Meerestier, Linoleum bemalt / / Foto: Markus Damini
Linossiartstory: Wie sehen Sie Ihr weiteres künstlerisches Schaffen und wohin geht die Reise?
Markus Damini:
Die Malerei ist für mich eine Methode mit meiner „Kleinheit“ und mit meiner „Begrenztheit“ zurecht zu kommen. Nicht umsonst ist die Grundstruktur aller meiner Werke, ein Aspekt der sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Schaffenszeit zieht: das Große und Wundervolle im Kleinen, die Nähe zum Dargestellten, sei es ein Grashalm, ein Blatt, ein Hund oder eine Pusteblume. Dabei verschwindet der Horizont. In meiner „Leder- Zeit“ faszinierte mich die subatomare Ebene, ich tauchte mit meiner Fantasie in diese Welt ein, wo sich anscheinend die Materie auflöst. Mich inspiriert mehr das Universum im Kleinen als das Weltall. In ihrer „Universalität“ (Alles in Einem) können ein Großteil meiner Bilder an allen vier Seiten aufgehängt werden. Ich male ausschließlich für mich selbst und insgeheim wünsch ich mir, dass meine Seele oder Geist, die ja in den Bildern sichtbar sind, meinen Körper überdauern werden.
Markus Damini, Plus-Minus / Foto: Markus Damini
Linossiartstory: Wann ist für Sie die Arbeit an Ihrem Kunstwerk abgeschlossen oder wirkungsvoll?
Markus Damini:
Im Bild brauche ich nur zwei Pole: z. B. Vordergrund und Hintergrund oder Hell und Dunkel oder Voll und Leer oder Geist und Materie; wenn diese zwei Gegensätze mit einer gewissen Spannung vorhanden sind, dann ist das Bild fertig. Aber die Entscheidung ist nicht immer einfach, es braucht viel Sensibilität und oft muss ich das Bild sogar einige Monate weglegen und dann erst wieder neu anschauen.
Linossiartstory: Sind Sie manchmal unsicher in Ihrer Kunst?
Markus Damini:
Natürlich, so wie in jeder Arbeit vollzieht sich auch in meiner eine Evolution, eine ständige Auslese, ich frage mich immer: was will ich und was nicht. Welches ist meine Haltung gegenüber der Malerei; das könnte man auch als Unsicherheit bezeichnen, die ich ständig habe. Ich sehe es aber als kontinuierliche Veränderung von Sichtweisen: Eine Kleinigkeit- etwas Gehörtes oder Gesehenes – können veranlassen, meine Sichtweise zu verändern. Die Grundstruktur bleibt aber dieselbe – jedenfalls bis jetzt.
Linossiartstory: Wie reagieren Sie auf Kritik
Markus Damini:
Kritik, negative, als auch positive, kann sehr inspirierend sein und neue Sichtweisen hervorbringen.
Linossiartstory: Wie kommen Sie zurecht mit den Umgangsformen im Kunstbetrieb, war für Sie der Umgang mit Presse, Galeristen und Kuratoren immer problemlos?
Markus Damini:
Oftmals spielen Beziehungen, Sympathien und Freundschaften gegenüber Entscheidungsträgern eine große Rolle. Allerdings habe ich erfreulicherweise auch gute Erfahrungen gemacht.
Markus Damini, Pusteblume, Acryl auf Leinwand/ Foto: Markus Damini
Linossiartstory: Gibt oder gab es eine Person in Ihrem Leben, die Ihr Denken und Ihre Einstellung gegenüber Ihrer Arbeit entscheidend beeinflusst oder geprägt hat?
Markus Damini:
Die Malerin Manuela Deghezzi hat mich zur Kunstarbeit Anfang der 90er Jahre angespornt. Auch der Kunstkritiker Fiorenzo Degasperi hat mich dazu animiert.
Linossiartstory: Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Markus Damini:
Naturliebend, pragmatisch, eigensinnig
Linossiartstory: Woran arbeiten Sie gerade?
Markus Damini:
Das gelb-grüne Farbspektrum fasziniert mich derzeit so sehr, dass ich hauptsächlich diese Farbtöne benutze. Die Motive liegen im Reich der Pflanzen und des Lichtes.
Linossiartstory: Unsere Welt ist im 21. Jahrhundert angekommen und mit ihr die Digitalisierung. Was bedeutet für Sie Digitalisierung und wie wichtig ist Social Media für Sie?
Markus Damini:
Social media ist für mich zu flüchtig und schnelllebig, dafür habe ich kein Interesse. Die Digitalisierung ist ein Fluch und ein Segen zugleich für die Menschheit, so wie natürlich alle Dinge zwei Seiten haben.
Linossiartstory: Herr Damini es war nett mit Ihnen diesen Chat zu führen. Es war ein offener ausführlicher Chat, mit vielen interessanten Einblicken in Ihre Kunst. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen noch viele atemberaubende und interessante Abenteuer auf Ihrem weiteren Weg.
Danke für das nette Chat-Gespräch und alles Gute für die Zukunft.
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.