CLAUDIA ROHRAUER

„Magnifications & Hallucinations“

underwater (HALLUCINATIONS) (PARNIDIS GRAIN STUDIES IV)2022Exhibition views „MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: @ Galerie Marenzi, Leibnitz, 2022

Diese interessante Ausstellung sah ich Mitte Oktober 2022 in Leibnitz in der Galerie Marenzi Leibnitz.

Was hat mich an dieser Ausstellung so beeindruckt? Waren es die Arbeiten der Künstlerin oder wie der Raum der Galerie bespielt wurde. Beides hatte mich fasziniert.

Künstlerin Claudia Rohrauer Ausstellung „MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Galerie Marenzi, Leibnitz, 2022 Foto: (c) Christa Linossi

Die Ausstellung wurde so konzipiert, dass die Bilder nicht an den Wänden hangen, sondern die Bilder befanden sich in Entwicklerschalen, wie man sie benötigt zum Entwickeln in der analogen Fotografie. Diese Installation allein fand ich schon spannend. Eine andere Betrachtung der Fotografien der Künstlerin.

Die Fotografien der Künstlerin ebenfalls spannend, zwischen Farbenrausch und Zurückhaltung.

Die Serie „Underwater Magnifications & Hallucinations“ ist die Fortführung der Werkgruppe PARNIDIS GRAIN STUDIS, die sich mit einem grundlegenden ästhetischen Aspekt der analogen Fotografie und der Materialität fotografischer Bilder auseinandersetzt – der Körnigkeit, was immer man auch darunter verstehen mag.

Die Parnidis-Düne an der Kurischen Nehrung in Litauen stand Pate für die Arbeiten von Claudia Rohrauers Fotografien. Die Fotografien wurden in seine Einzelteile zerlegt, um eine Analogie zwischen dem Sandkorn als Grundbestandteil der Düne und dem Silberkorn als Grundbestandteil der analogen Fotografie herzustellen. Neben der Körnigkeit sind die Begriffe Auflösung sowie Empfindlichkeit weitere Stichwörter aus der Fototechnik, die für die Entwicklung der Arbeit von zentraler Bedeutung waren.

Betrachtet man das nachstehende Bild genau, wird das Sandkorn und das Filmkorn in Anbetracht der Macro-Aufnahmen mit der Überlagerung sichtbar und das Filmkorn „larger than life“ tritt in Erscheinung. So werden Detailaufnahmen von Mustern im Sand auf der Oberfläche der Düne durch den Eingriff der Tonung zu Unterwasser-Aufnahmen umgedeutet und stellen somit das Verhältnis zwischen dem gesehenen und dem empfundenen auf poetische Weise in Frage. Man könnte aber die Bilder als Betrachter auch in einen anderen Blickwinkel stellen. Einstrahlung durch das Sonnenlicht und durch eine Blendeneinstellung in der Kamera, könnte der Sand auch als golden erstrahlen, dass Gras im Hintergrund verwaschen und als Blackout an den Rand gedrängt sehen.      

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi
„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Eine andere Arbeit, die Sand oder könnte es auch Wasser sein, in blau erscheinen lässt. Verschiedene Grashalme versuchen, sich aus dem Sand oder Wasser zu retten, um an der Oberfläche zu bleiben. Es könnte hier auch in einer Fiktion um Überleben gehen.

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Es ist ein Experiment mit dem Prozess der Bildkolorierung mittels Fotoätzfarben. Das Sichtbar werden ist die Grauzone zwischen den faktisch-dokumentarischen und den abstrakt-poetischen Qualitäten der Fotografie.

„MAGNIFICATIONS & HALLUCINATIONS“ Foto: (c) Christa Linossi

Biografisches: Claudia Rohrauer (*1984 in Wien) lebt und arbeitet als freie Künstlerin und Fotografin in Wien. Sie studierte bei Friedl Kubelka an der Schule für künstlerische Fotografie Wien und danach Bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2020 wurde sie mit dem Outstanding Artist Award für künstlerische Fotografie sowie dem Anerkennungspreis des Landes NÖ für Medienkünste/Fotografie ausgezeichnet.

https://www.claudiarohrauer.info/about/

BASQUIATS BILDSPRACHE in der ALBERTINA Wien

Jean-Michel Basquiat

Jean-Michel Basquiat
Untitled (Infantry), 1983
Acryl auf Leinwand
Nicola Erni Collection, Reto Pedrini Photography © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Die Albertina zeigt den bis heute berühmtesten afro-amerikanischen Superstar Jean-Michel Basquiat und es ist die erste Retrospektive in Österreich. Er wurde nur 27 Jahre alt und reiht sich nahtlos in die Riege jener verstorbenen Genies ein, die ihre Nachwelt von Grund auf verändert haben: Jean-Michel Basquiat ist der erste afro-amerikanische Künstler, der sich trotz vehementer Gesellschaftskritik in einem ausschließlich von Weißen dominierten Feld durch setzte und Weltruhm erlangte. Er setzte Zeichen und seine unverwechselbare Kritik gegen eine radikale Anklage gegen Besitz- und Machtverhältnisse gegen Ausbeutung und Kolonialismus, Rassenunruhen, Polizeigewalt und Unterdrückung.

Jean-Michel Basquiat
Self Portrait, 1983
Öl auf Papier und Holz
Collection Thaddaeus Ropac, London · Paris · Salzburg · Seoul | Photo: Ulrich Ghezzi | © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Basquiats schaffte in einer kurzen Zeitspanne, in den den Jahren 1980-88 so viele Werke, die ihm von Sammlern und Galeristen aus den Händen gerissen wurde und er kaum mehr mit dem Zeichnen nachkam. Sein kurzes Leben war gezeichnet von Rassenunruhen, dem Kampf um Gleichberechtigung bis hin zur Black-Power-Bewegung. Seine Heimatstadt New York ist in den 1970er und 1980ern Jahren in einer Finanzkrise, der Times Square, als heruntergekommenes Viertel, geprägt von Kriminalität, Porno-Shops und Massagesalons. Heute ist der Times Square das Aushängeschild und Touristenattraktion zu gleich.

Jean-Michel Basquiat
La Hara, 1981
Acryl und Ölkreide auf Holz
Courtesy of Arora Collection © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Folgendes Statement gibt der renommierte Basquiat Spezialist und Kurator der Ausstellung Dieter Buchhart ab:

„Alles Geplante und akribisch Organisierte in der Kunst wird bei ihm hinweggefegt: auch das ein Sinnbild seiner Kritik an der bestehenden Gesellschaftsordnung und zugleich ein Reflex der zerstreuten, ja in Stücke zersplitterten Wahrnehmung auf der Straße, von tausenden von Eindrücken, die auf uns hereinstürzen. Basquiat nimmt auf, was ihm in den Straßen New Yorks begegnet: Namen und Zeichen, Figuren und Bilder. „Jean-Michel Basquiat war radikal in seiner Kunst. Fragen von Identität, Diaspora, Sklaverei und Alltagsrassismus finden sich in einer einzigartigen Stilistik wieder, welche es Basquiat ermöglichte, die Vergangenheit mit seiner Gegenwart, bis in unsere Zeit hineinzuverbinden. Seine Copy-Paste-Technik nahm unsere heutige Form des Arbeitens und Kommunizierens in einer digitalen Welt vorweg. Er kreierte Wissensräume aus Zeichen, Symbolen, Worten und Figuren, schlichtweg aus allem, was ihn umgab, seien es Rezeptionen der Geschichte, der Kunstgeschichte, wissenschaftliche Fakten, Comics, Hitchcock Filme, Fernsehsendungen, Erzählungen, Musik, Sport oder auch Zeichen und Symbole von Menschen in Obdachlosigkeit“.

Jean-Michel Basquiat
Flesh and Spirit, 1982/83
Acryl, Ölkreide und Papier-Collage auf Leinwand, zwei Paneele
Parker Foundation, Photo: Courtesy of Fredrik Nilsen. On loan from the Parker Foundation © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

1982 traf Basquiat das erste Mal auf sein Vorbild Andy Warhol. Er war für ihn Mentor, Freund und Vaterfigur zu gleich. Andy Warhol ist zu diesem Zeitpunkt bereits eine Ikone der Pop-Art. Er ist ein gefeierter Superstar, der den Zenit seiner Karriere allerdings schon überschritten hat. Warhol ist jedoch von dem aufstrebenden und dynamischen Basquiat sofort fasziniert. Dessen Jugendlichkeit und die sprühende Lebensenergie faszinierte. Zwischen Warhole und Basquiat entwickelte sich auch eine enge Freundschaft. Warhol unterstützt Basquiat und fördert seinen rasanten Aufstieg in der New Yorker Kunstszene.

Jean-Michel Basquiat
Untitled, 1983
Siebdruck auf Leinwand
Nicola Erni Collection, Reto Pedrini Photography © Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York

Nach dem Tod von Warhol, stürzt sich Basquiat in die Arbeit und lässt eine Menge neuer Arbeiten entstehen. Er malt unermüdlich und verbringt einen großen Teil der Zeit allein in seinem Atelier. Bitterer Beigeschmack am Rande, war sein Drogenproblem, gegen das er immer wieder versucht anzukämpfen. Auch eine Entzugsklinik konnte ihm nicht helfen, der Versuch scheiterte. 1988 versuchte er sein Drogenproblem selbst in die Hand zu nehmen und übersiedelte nach Hawaii, da es dort fast unmöglich war, an Drogen zu kommen. Er kehrte jedoch nach einer Zeit wieder zurück nach New York und dort starb er dann an einer Drogenüberdosis und verliert somit den Kampf gegen die Sucht im Alter von nur 27 Jahren.

Sein kritischer Umgang und kompromisslose Stellung gegen Ausbeutung, Konsumgesellschaft, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt, spiegeln sich immer wieder in seinen Arbeiten wider. Er war ein Bahnbrecher, der nach den Jahren von Abstraktion, Minimalismus und Konzept-Kunst die Wiedergewinnung der gegenständlichen Kunst mit seinen unvergleichlichen und ausdrucksstarken Bildern und Zeichnungen betrieben hat. Sein künstlerisches Vermächtnis ist ungebrochen radikal und aktuell wie zu seinen Lebzeiten.

Mit Basquiat Bildern muss man sich einlassen und darf sie nicht nur im Vorübergehen an sich vorbeiziehen lassen. Den dann versteht man sie nicht, man muss sich einlassen, um die Arbeiten zu verstehen und dann weiß man, was er damit ausdrücken will, nämlich Ausbeutung, Konsumgesellschaft, Unterdrückung, Rassismus und Polizeigewalt. Ein Lernprozess für den Betrachter.

Die Ausstellung hat Tiefenwirkung und ist absolut sehenswert. Die Ausstellung läuft noch bis zum 08.01.2023 in der Albertina.  https://www.albertina.at/ausstellungen/basquiat/

steirischer herbst’22             Festival vom 22.9.2022 – 16.10.2022

das Festival „steirischer herbst‘22“ steht auch schon wieder in den Startlöchern!

Diesmal geht es um Krieg in der Ferne und dies in einem dichten Programm an Ausstellungen, Performances und Diskussionen der bedrohlichen Präsenz von Schlachten, die unsere Gesellschaft geistig abschirmt.

Sujet: Grupa Ee / steirischer herbst 2022

Ekarterina Degot die Chefkuratorin und Intendantin des „steirischen herbst‘22“ beschreibt in ihrer fünften Ausgabe wie folgt: „Kriege sind in die Geschichte des steirischen herbst eingeschrieben“. Der steirische herbst war immer politisch und wurde auch mit früheren Festivalausgaben vom Kalten Krieg überschattet, wie seinerzeit auch der Jugoslawienkrieg wütete. Der russische Angriff auf die Ukraine ruft auf schmerzhafte Weise verblichene Erinnerungen an den Ersten und Zweiten Weltkrieg wach und bildet den neuesten Eintrag in dieser langen Liste drohender Kämpfe in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Ekaterina Degot, Foto: Johanna Lamprecht

Der steirische herbst verurteilt den von Putin und seinen Gefolgsleuten angezettelten Krieg gegen die Ukraine aufs Schärfste. Angetrieben von Imperialismus, Gier und Rassismus haben sie eine schreckliche Tragödie über die Ukraine, über ganz Europa und über Russland selbst gebracht.

Der steirische herbst ist ein Festival an der Grenze zu Ost- und Südosteuropa. Er wurde 1968 gegründet, während des Kalten Krieges und unmittelbar nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei, in einem Land, das das faschistische Regime und dessen Untergang noch frisch in Erinnerung hatte. Der steirische herbst hat auch die Jugoslawienkriege der Neunzigerjahre miterlebt und aktiv reflektiert. Aus unserer Sicht hier in Mitteleuropa ist der aktuelle Krieg in der Ukraine ein neuer Höhepunkt der tragischen und komplexen innerkolonialen und imperialen Geschichte Europas. Als Festival setzen wir uns für die Erforschung komplexer Themen der europäischen Vergangenheit und ihrer Auswirkungen auf die Gegenwart ein. 

Des Weiteren umfasst der steirische herbst die Festivals-im-Festival musikprotokoll und Out of Joint – das Literaturfestival. Elke Tschaikner die das musikprotokoll 2022 leitet, beleuchtet vom 6.10.2022 bis 09.10.2022 mit Whodentity aktuelle Fragen nach Zugehörigkeit. „Out of Joint“ konzipiert von Klaus Kastberger, stellt die Frage in den Raum und vor dem Hintergrund großflächiger Zerstörung, kriegerischer Aggressionen und Ressourcenverschwendung: Wer wir waren? Welche Alternativen gibt es zum Bestehenden?

Der steirische herbst ’22 wird gestaltet von allen teilnehmenden Künstlern: innen, Partnerinstitutionen, Denker:innen, Philosoph:innen sowie Ekaterina Degot, Intendantin und Chefkuratorin, Henriette Gallus, stellvertretende Intendantin, Christoph Platz, Leiter der kuratorischen Belange, David Riff, Senior Curator, Dominik Müller, Kurator, Mirela Baciak, Kuratorin, Gábor Thury, Kurator, und dem gesamten Team des steirischen herbst. Mit kuratorischer Beratung von Goran Injac.

Ich werde ab 22. September 2022 vor Ort sein und den „steirischen herbst 2022“ genauer betrachten.  

Ein Krieg in der Ferne. Prolog. Die umkämpfte Ukraine in Videokunst und Film, Neue Galerie Graz, Foto: Johanna Lamprecht

WELCOME TO PLANET B

A different life is possible – but how?

Ein anderes Leben ist möglich – aber wie?

Plakat Foto: Zoe Goldstein / Ars Electronica Festival 2022

Willkommen bei Planet B! ARS ELECTRONICA befasst sich heuer mit dem Planet B und versucht wieder in die Zukunft zu schauen, um einen Plan B zu kreieren.

You are Source Projection and Reflection Sophia Bulgakova (UA) Photo: Jesus Canuto Iglesias

Betrachtet man das Plakat des heurigen Festivals ARS ELECTRONICA genau, bekommt man vielleicht eine gewisse Vorstellung, worum es beim Planet B gehen könnte.

Das besagte Plakat zeigt einen ausgetrockneten See oder Fluss, Schiffe sind im Sand gestrandet und keiner konnte sie retten. Auf dem Plakat auch Julie Andrews, die Darstellerin aus Sound of Music mit einer Virtual Reality Brille, tanzt sie auf dem Sand, vielleicht sieht sie in eine neue Zukunft?  Im Hintergrund des Plakates, startet eine Rakete mit „Jeff and Elon just left the Planet“ zum Plan B?

ARS Electronica erweckt wieder Visionen, die in die Zukunft schauen, Kunst und Wissenschaft wird wieder zusammenarbeiten. Ars Electronica 2022 will sich nicht im Kreis drehen, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, weiterzukommen. Man muss Prioritäten setzen, in einer Zeit, in der niemand mehr weiß, welche Krise die schwerwiegendere ist.

Es wird mit vielen Highlights zu einem Gedankenexperiment gebündelt. Folgende Fragen stellt ARS Electronica: „Wir hätten es geschafft, die Krisen unserer Zeit zu meistern und zu einer Gesellschaft gefunden, die sich durch ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit auszeichnet. Wie hätte unser Weg bis dorthin ausgesehen? Welche Entscheidungen hätten wir getroffen und wie wären wir zu diesen Entscheidungen gekommen? Wie hätten wir unser Freizeitverhalten verändert? Wie die Mobilität entwickelt? Wie die würde die neue Arbeitswelt aussehen? Welche Technologie und Businessmodelle wären am Ende die echten „Game Change“ gewesen?

All diese Fragen stellt die ARS Electronica an Künstler*innen, Forscher*innen, Entwickler*innen, Unternehmer*innen, Aktivist*innen und Studierende aus aller Welt.

Es ist ein DENK Modus für unseren Planeten Erde entstanden, was Denkmöglich oder Denkunmöglich ist. Das Denkunmögliche, was wir heute noch gar nicht kennen, sind Bilder die wir noch gar nicht kennen, wir aber alle werden stark von Bildern beeinflusst. Jeder von uns hat Bilder im Kopf und diese Bilder haben eine Rückwirkung auf unser Leben, unsere Gesellschaft und auf jeden Einzelnen. Somit zeigen wir zum einen unsere Erfahrungswelt, um neue Bilder zu kreieren und diese Bilder wollen wir zur Diskussion stellen. Es sind Bilder die ein Signal der Denkmöglichkeit, als auch der Denkunmöglichkeit setzen, um neues entstehen zu lassen.

Bei der Ars Electronica 2022 gibt es verdammt viele Highlights, insgesamt ca. 50, alle versprechen großartig zu sein, jedoch man muss filtern. Ich vorerst zwei herausgefiltert: eines davon ist INTERFACE CULTURES ein Beitrag der Kunstuniversität Linz. INTERFACE CULTURES, jene Abteilung, die die Zusammenarbeit der Kunstuniversität Linz mit dem Ars Electronica Festival initiierte, ist mit 22 Beiträgen von internationalen Studierenden und einem Leonardo Laser Talk (https://leonardo.info/history) präsent. 24 internationale Universitäten und Bildungseinrichtungen aus Ländern wie Deutschland, Tschechien oder Großbritannien werden präsent sein und so wird der Kunstunicampus zum großen Ars Electronica Festival Campus.

Es sind die Brückenbauer zu neuen Bildern und um diese auch zu überwinden und vom Schubladen Denken zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Realität und visuellen, zwischen Regional und International herauszufinden, ist es wichtig, dass die Komfortzone verlassen wird und sich die Kunst Uni auch hinausbewegt.

Off to new encountes / Credit: Ars Electronica Robert Bauernhansl

Ein weiteres Highlight was ich spannend finde, sind die Baumkronengespräche (off to new encountes) & Job-Buffet. Slow Dating trifft Speed Dating, was immer dies heißen mag jedenfalls geht es um Gespräche die sich in luftiger Höhe, fernab des quirligen Treibens in „Keplers Garden“ befinden. Gemeinsam mit dem auf Faserseile, Stahlseile und Umreifungsbände spezialisierten Familienunternehmen Teufelberger und professionellen Arborist*innen macht Ars Electronica die Baumkrone einer rund 40 Meter hohen Platane zur außergewöhnlichen Begegnungszone. Zwei Personen werden stets gleichzeitig ins Blätterdach hinauf gehievt und verlieren dabei kurzfristig den Boden unter den Füßen. Beide finden sich in einer völlig neuen Situation wieder, die mit ihrem Alltag nicht viel zu tun hat und es leichter machen sollen, eine gemeinsame Ebene zu finden.  Die Baumkronengespräche werden von 7. Bis 11. September in „Keplers Garden“ (in der Platane zwischen Learning Center und Uni-Center) angeboten.

Diesmal werden elf Locations in Linz und eine virtuelle Kunsthalle bespielt. Das Motto ihrer gemeinsamen Reise in die Zukunft und wieder zurück wird

„WELCOME TO PLANET B. A different life is possible – but now?“ lauten.

Die Spannung steigt, am 7. September 2022 wird die ARS ELECTRONICA eröffnet und findet bis 11. September 2022 in Linz, Österreich statt.

https://ars.electronica.art/planetb/de/

„FRAU LUNA“  Zwischen Berlin und dem Mond

Operette von Paul Lincke, Libretto von Heinz Bolten-Baeckers

Es muss nicht immer die Festspielstadt Salzburg sein, nein es kann auch mal Bad Ischl die zukünftige Kulturhauptstadt sein.

Lehár Festival Bad Ischl

Dort findet jeden Sommer das „LEHÁR FESTIVAL BAD ISCHL“ statt. Es ist das größte Operetten-Festival Österreichs, es hat Vielfalt und Qualität und ist weltweit einzigartig. Das Lehár Festival unterstützt auch die Wissenschaft im Musik- und Theaterwissenschaftlichen Fachbereich.

Für mich war dies ein Grund mehr, einmal nach Bad Ischl zu fahren und mir im letzten Abdruck (Ende August ist das Festival wieder beendet) noch eine Operette anzusehen, es war „FRAU LUNA“ von Paul Lincke.

Hier handelt es sich um eine Revueoperette eine der unverwüstlichen Welthits „Das ist Berliner Luft“ mit Kultstatus. Der Schauspieler Ramesh Nair zeichnete sich sowohl für die Inszenierung als auch für die Choreografie verantwortlich und stand selbst auf der Bühne als Prinz Sternschnuppe.

Frau Luna
Ramesh Nair als Prinz Sternschnuppe
(c) http://www.fotohofer.at

Intendant Thomas Enzinger hat das Stück dennoch vom jungen Komponisten und Dirigenten Christoph Huber ein wenig auffrischen lassen. Huber hat selbst dirigiert und dem Orchester wunderbare spritzige Rhythmen entlockt.

Zum Inhalt der Operette kurz erzählt: Frau Luna gehört zu den witzigsten und charmantesten Werken des Genres Operette und beinhaltet alle Zutaten einer großen Revue: Berühmte Schlager, große Tanzszenen, Humor und Leidenschaft. Steppke träumt davon als erster Mensch „uff’n Mond“ zu landen und bastelt mit seinen Kameraden Lämmermeier und Pannecke an einem Stratosphären-Expressballon, der eines Nachts mit allerlei Passagieren an Bord tatsächlich in den Berliner Himmel fliegt. Doch der Mann im Mond entpuppt sich als Frau Luna, die Gefallen an Fritz Steppke findet, sehr zum Leidwesen von Prinz Sternschnuppe, der bislang vergebens um die Mondgöttin warb. Die Erdlinge sorgen so für reichlich Verwirrung und Turbulenzen bei den Mondbewohnern.

Auf den Mond http://www.fotohofer.at

So der Inhalt und es gab endlich auch wieder einmal – was ja im 21. Jahrhundert schon eine Seltenheit ist – was zu Lachen und zum Schmunzeln. Die Musik und der Inhalt der Operette rissen das Publikum mit guter Laune und Fröhlichkeit einfach mit und kein Auge blieb trocken. Zum Schluss gab es einen riesengroßen Applaus für die Schauspieler, das Orchester und alle die hinter der Bühne mitgearbeitet hatten und diese wurde auch zum Schluss auf die Bühne gerufen, was ich als Wertschätzung fand. Kurz, es war ein gelungener Abend. Somit ist Bad Ischl nicht nur für die Konditorei ZAUNER eine Reise wert, sondern auch für seine Kultur.

CAMMINARE

Stadt Hallein Rathaus / Foto: © Christa Linossi

Heute war mir nach einem Spaziergang durch die engen und alten Gassen der Stadt Hallein zumute. Vor 2500 Jahren ließen sich die Kelten hier am Dürrnberg bei Hallein schon nieder und gruben nach dem „Weißen Gold“. Hallein hat somit das älteste Salzbergwerk, welches heute nur mehr ein Schaubergwerk ist, mit dem Keltendorf am Dürrnberg, welches spannende Einblicke in das Alltagsleben der prähistorischen Bergleute gibt.

So schlenderte ich mit einem Genuss durch die alten Gässchen dieser alten keltischen Salzstadt. Wenn man mit offenen Augen durch diese Stadt wandert, entdeckt man so vieles, sind es die alten Durchgänge, enge Gassen, alte Bauwerke, jedes von ihnen könnte uns eine Geschichte erzählen. Hallein hat das Flair einer geschichtsträchtigen Vergangenheit.

Heute lasse ich einfach ein paar Bilder sprechen.

151 Jahre Bildhauer Stadt Hallein

Wussten Sie, dass in Hallein nicht nur Salz abgebaut wurde, sondern es auch eine Bildhauer Stadt ist? Nein, dann haben Sie jetzt die Möglichkeit dazu. Die HTL Hallein feiert ihr 151-jähriges Jubiläum.

151 Jahre Bildhauerstadt Hallein / Foto: © Christa Linossi
Der „Salzachschiffer“ von Oliver Gogl, Thomas Lorber am Brückenpfeiler Kühbrücke Foto: © Christa Linossi

Interessant am Rande, dort wo Salz abgebaut wird, wurde, befinden sich auch die Bildhauer oder Holzschnitzer. Mit der Gründung der sogenannten „Schnitzer Schule“ durch die k. u. k. Monarchie vor knapp 150 Jahren wurde auch die Abteilung Kunst & Design installiert und ist somit die älteste Abteilung der HTL Hallein.

HTL HALLEIN / Foto: © Christa Linossi

In Hallein handwerkten schon die Kelten und später die Bergknappen. Die HTL Hallein entwickelte sich über viele Jahrzehnte als Fachschulausbildung nicht nur im Stein- und Bildhauerbereich, sondern auch im Metall- wie technischen Bereichen.

Tradition und Fortschritt bilden die Eckpunkte für DIE SCHULE DER VIELFALT!

Ferdinand Böhme „Maria mit Milchzitze“ 1998 Foto: © Christa Linossi

In der Vergangenheit ist die HTL Hallein nie so richtig im Blickfeld gestanden, aufgrund von engagierten Lehrern machte man Aufmerksam, dass diese Schule heuer ihr 151. Gründungsjahr feiert und so kam es zu dieser Sonderausstellung, was auch Einblick in die hohe Kunst der Bildhauerei gibt.

Jana Büttne „Awakening“ 2022 Foto: © Christa Linossi

Absolventen der Schule, legten sich ins Zeug und ließen schöne Kunstwerke entstehen. Die Kunst der jungen Bildhauer*innen sind zu sehen im Ziegel Stadl, Saline, und in der HTL Hallein, auch in der Brennerei Guglhof und eine Ausstellung findet in der Galerie Schloss Wiespach und im Kunstraum Pro Arte statt.

Ute Wilfing „Massenmanipulation“ 1989 Foto: © Christa Linossi

Viele bedeutende Bildhauerische Objekte von berühmten Künstlern, die ebenfalls in der HTL als Schüler begannen oder dort ein Lehramt innehatten sind in der Stadt Hallein zu sehen. Zum Beispiel: vom Bildhauer Josef Zenzmaier „Bronzemädchen“ am „Pflegerplatz“ vor dem Keltenmuseum oder von Bernhard Prähauser der „Salzträger“ an der Anton-Neumayer-Brücke. Der „Salzachschiffer“ von Oliver Gogl, Thomas Lorber am Brückenpfeiler Kühbrücke. Auch der mittlerweile weltberühmte Gilbert (Gilbert & George – zu besichtigen im Keltenmuseum), der ursprünglich aus St.Martin in Thurn in Südtirol stammt, war vor seiner Weltkarriere Schüler der Bildhauerschule Hallein.

Ferdinand Böhme „Ganga“ 2019 Foto: © Christa Linossi

Nehmen Sie sich die Zeit und besuchen Sie die Stadt Hallein, das Keltenmuseum und die Ausstellungen der insgesamt 78 Bildhauer*innen mit ca. 243 Objekten. Sie werden es nicht bereuen, die Ausstellung verdient das Prädikat: „Sehenswert“.

Dauer der Ausstellung: bis 25. August 2022

Foto: © Christa Linossi

Jeweils: Dienstag bis Sonntag, 13:00 – 19:00 Uhr (Montag geschlossen)

SALZBURGER FESTSPIELE 2022 – in unruhigen Zeiten wie diesen – ist eröffnet!

„Die Kunst ist eine Sprache, die Verborgenes aufdeckt, Verschlossenes aufreißt, Innerstes fühlbar macht, die mahnt – erregt – erschüttert – beglückt“ Zitat: Nikolaus Harnoncourt 1995

Die Salzburger Festspiele wurden am Dienstag, 26.07.2022 feierlich eröffnet.

Der Schriftsteller / Festredner: Ilija Trojanow
Foto: © Thomas Dorn

Festredner der diesjährigen Salzburger Festspiele war ILIJA TROJANOW. Der Titel der Festrede lautete: „Der Ton des Krieges, die Tonarten des Friedens“.

Intendant Markus Hinterhäuser sah – angesichts der aktuellen Weltsituation“ in Ilija Trojanow einen idealen Festredner. Er ist im besten Sinne eine Weltensammler – so auch der Titel seines bekannten, 2006 veröffentlichen Romans.

Trojanow begibt sich immer wieder auf die Suche – ständige Bewegung zwischen Sprachen, Kulturen und Epochen – nach komplexen Wahrheiten und Weltsichten, nach Wegen, Freiheit zu erfahren und zu einer humanen Übereinkunft zu gelangen. Gleichzeitig ist er Mahner für Toleranz und Diskurs, zählt zu einen den bedeutendsten und engagiertesten Schriftstellern unserer Zeit.

Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, 1971 Flucht aus Bulgarien, Asyl in Deutschland, aufgewachsen in Nairobi, studierte Jura, Ethnologie und Havarie in München. 1989 gründete er den Marino Verlag für Bücher über Afrika. Als Autor, Übersetzer und Publizist lebte Ilija Trojanow von 1998 bis 2003 in Bombay, von 2003 bis 2006 in Kapstadt. Seit 2008 ist er in Wien und Stuttgart zu Hause.

Eröffnungsansprache von Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen anlässlich der Salzburger Festspiele 2022. Video: Salzburger Festspiele 2022

Die Festspiele sind somit eröffnet, die Premieren der Opern, Schauspiel und Konzerte finden bereits täglich statt. Auftakt der Festspiele ist wie jedes Jahr: Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes JEDERMANN. Dieses Schauspiel wird im Jahr 2023 einen neuen JEDERMANN und eine neue BUHLSCHAFT benötigen. Lars Eidinger und Verena Altenberger werden sich verabschieden und nicht mehr zur Verfügung stehen. Lars Eidinger hat ein Angebot aus den USA bekommen und Verena Altenberger will sich dem Theater zu wenden.

Nun bekommt die Rotation wer wird der neue JEDERMANN sein? Der schon lange als „Jedermann“ gehandelte Schauspieler Philipp Hochmair? Wird er es diesmal schaffen? Wer die Buhlschaft verkörpern wird, hier ist noch nicht wirklich etwas durchgesickert.

Es bleibt spannend. Spannend deshalb auch, wie kommt die neue Präsidentin Dr. Kristina Hammer bei der Gesellschaft und bei der Presse an?

https://www.salzburgerfestspiele.at/

DER SKANDAL bei der documenta fifteen

documenta fifteen: Dan Perjovshi, Generosity, Regeneration, Transparency, Independence, Sufficiency, Local Anchor and most of all Humor, 2022, Fridericianum, Kassel, 10. Mai 2022

Die documenta fifteen in der Krise! Am 18. Juni 2022 wurde sie eröffnet und seitdem tobt ein Skandal nach dem anderen, Schuld zu Weisungen sind an der Tagesordnung bis zum Köpfe rollen.

Worum geht es um den Skandal genau?

Auszug zu meinem Bericht vom 30.06.2022

Das Künstlerkollektiv Taring Padi machte sich als Intellektuelle von der Peripherie bereit, „die Macht im Zentrum (documenta) zu übernehmen“. Das Künstlerkollektiv Taring Padi zeigte am Kasseler Friedrichplatz ein Wimmelbild-Banner die auf antisemitische Motive hingewiesen hat.

„Unkommentierte pro-palästinensische Propagandafilme im Programm der Kasseler Kunstschau. Es sind Filme die in Verbindung mit der linksterroristischen und antisemitischen Gruppe Japanische Rote Armee – Anfang der 70er Jahre Anschläge in Israel – gebracht werden.

Die documenta wurde diesmal von einem Künstlerkollektiv aus Asien kuratiert, es handelt sich um die Gruppe Ruangrupa aus Indonesien. Die setzten ihre Vorstellungen natürlich verstärkt auf die Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika, um ihre Probleme ins Zentrum zu rücken. Des Weiteren vielleicht auch ein fehlendes Problembewusstsein für Antisemitismus in Indonesien.

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches, in Deutschland und global verbreitetes Problem. Das zeigt sich nun in Kassel: Antisemitische Bildsprache auf der globalen documenta fifteen. Wie konnte es dazu kommen? Was braucht es jetzt, damit die polarisierte Situation nicht noch weiter eskaliert? Wie denken wir das Vermeiden von Zensur und das Vermeiden antisemitischer Kunst zusammen?“

Aufgrund dieser Situation kam es zum Skandal, der sich bis heute noch nicht richtig erholt hat.

Köpfe rollen war auf der Tagesordnung, es war Fanal des künstlerischen und ein politisches Versagen. Experten hatten bereits seit Monaten schon vor den antisemitischen Tendenzen der Ausstellungsmacher gewarnt. Es folgten Endlose Debatten, die üblichen Solidaritätsbekundungen dem Zentralrat der Juden gegenüber und es gab keine einzige klare Handlungsanweisung, man gab den Hinweis auf die Kunstfreiheit. Aber bei Antisemitismus muss auch die Kunstfreiheit enden.

Auszug aus der Pressenachricht des Aufsichtsrats als Erklärung:

„Der Aufsichtsrat äußert seine tiefe Betroffenheit, dass am

Eröffnungswochenende der documenta fifteen eindeutig antisemitische Motive zu sehen waren. Die Präsentation des Banners „People‘s Justice“ des

Künstlerkollektivs Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache war eine klare Grenzüberschreitung und der documenta wurde damit ein erheblicher Schaden zugefügt. Es ist nach Auffassung des Aufsichtsrates essenziell, diesen Vorfall zeitnah aufzuklären, Schlussfolgerungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse für den Umgang mit antisemitischen Vorgängen in der Kultur und Kunstkontext zu ziehen und weiteren Schaden für die documenta abzuwenden. Durch die Aufhängung des Banners und auch im Zuge der Krisenbewältigung in den vergangenen Wochen ist leider viel Vertrauen verloren gegangen. Der Aufsichtsrat betrachtet es als essenziell, dass alles darangesetzt wird, dieses Vertrauen zurückzugewinnen“

Nun ist die Katze aus dem Sack! Der Aufsichtsrat, die Gesellschafter und Generaldirektorin Sabine Schormann verständigten sich einvernehmlich darauf, ihren Geschäftsführerdienstvertrag kurzfristig aufzulösen.

Alexander-Farenholtz_(c)KSB_Fotograf_Falk-Wenzel

Presseauszug von der documenta fifteen: Alexander Farenholtz übernimmt die Interims-Geschäftsführung der documenta und Museum Fridericianum GmbH

„Alexander Farenholtz wurde heute einstimmig durch den Aufsichtsrat der documenta und Museum Fridericianum gGmbH zum Interims-Geschäftsführer der documenta bestellt. Das erklärten Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle, Aufsichtsratsvorsitzender der documenta, und seine Stellvertreterin im Aufsichtsrat, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn, am Montag. Die Gesellschafter der documenta sind froh und dankbar, in einer für die documenta herausfordernden Situation einen so erfahrenen und renommierten Kulturmanager für die bedeutende Weltkunstausstellung in Kassel gewonnen zu haben. Alexander Farenholtz übernimmt diese Aufgabe bereits am Dienstag, 19. Juli. Das Engagement ist zunächst bis zum 30. September 2022 befristet. Es ist der Wunsch von Herrn Farenholtz, nach der Abstimmung mit den Gesellschaftern nun zunächst mit der künstlerischen Leitung und dann selbstverständlich auch mit dem Team der documenta gGmbH Gespräche aufzunehmen. Kassel und die documenta sind Farenholtz seit Jahren gut vertraut: Nach dem Studium (Verwaltungswissenschaft in Konstanz) und ersten beruflichen Stationen war er 1989 unter anderem für die Realisierung der documenta 9 unter der künstlerischen Leitung von Jan Hoet zum Geschäftsführer der documenta GmbH berufen worden. 1993 wechselte er als Leiter des Ministerbüros ins Baden-Württembergische Kunstministerium und übernahm 1996 zusammen mit Tom Stromberg die Leitung des Kulturprogramms der Weltausstellung EXPO2000 in Hannover. Mit Beginn des Jahres 2002 wurde er zum Gründungsvorstand und Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung des Bundes bestellt. Dieses Amt übte er an der Seite von Hortensia Völckers als Künstlerischer Leiter bis zum Erreichen der Altersgrenze im Januar 2020 aus.“

Nun heißt es wieder nach vorne zu schauen und zu hoffen, dass man in Zukunft genauer hinsieht, um solche Unannehmlichkeiten gar nicht an das Tageslicht zu bringen. Kunst soll aufzeigen aber nicht „hetzen“.

Ein bitterer Beigeschmack wird bei der documenta fifteen mit Sicherheit bleiben. Diese documenta fifteen wird vielen im Gedächtnis bleiben. Es war ein Skandal, den man vermeiden hätte können, aber vielleicht war es gut, damit man sich in Zukunft besser vorbereitet, sowie auch die Kuratoren genauer unter die Lupe nimmt.  Kunst muss und soll schreien, aber auch ihr sind Grenzen gesetzt!

„Was ist noch Wirklichkeit, was ist schon Traum?“

Salzburger Festspiele 2022 Neueinstudierung

DIE ZAUBERFLÖTE

Terrassentalk mit:

Maurice Lenhard (Dramaturgie) im Gespräch mit Joana Mallwitz (Musikalische Leitung) und Lydia Steier (Regie)

von li nach re: Maurice Lenhard (Dramaturgie) Joana Mallwitz (Musikalische Leitung) und Lydia Steier (Regie) Foto: Christa Linossi

Fangen wir gleich mal mit einer Frage an: „Was ist der Unterschied zwischen Dramaturgen und Regisseur? Während der Regisseur also die künstlerische Leitung innehat, ist der Dramaturg Vermittler zwischen der Bühnenkunst und den weiteren organisatorischen Aufgaben am Theater.

So diese Frage ist einmal geklärt und nun zu dem interessanten Terrassentalk zur Neueinstudierung DIE ZAUBERFLÖTE.

Maurice Lenhard (Dramaturgie): Die Zauberflöte wurde 2018 zu den Salzburger Festspielen aufgeführt und nach ein paar Jahren können wir nochmal auf eine Produktion schauen. Das Genre, damit auch lebendig zu halten und das Stück neu zu inszenieren und zu hinterfragen, was erwartet uns hier im Gegensatz zu 2018?

Lydia Steier (Regie): Es ist eine Neueinstudierung zu Inszenierung von 2018. Es ist alles andere als das Gleiche. Die Grundkonstellation bleibt und es ist auch der Ausgangspunkt die vom Großvater erzählte Familiengeschichte, an seine 3 Enkelkinder. Das Haus für Mozart ist die neue Spielstätte und ist eine andere Version als im Zirkuszelt und hier ist auch die Überlegung zu einem komplett anderen Raumkonzept. Das geniale Bühnenbild von Katharina Schlip ermöglicht es auch, zwei Drehscheiben auf der Bühne ineinander zu drehen und es entsteht so eine Art Labyrinth aus diesem bürgerlichen Haus und so können wir immer tiefer in die Erzählung eintauchen – vergleichbar mit Alice im Wunderland, die durch verschiedene Türen immer neue Welten und Perspektiven entdeckt. Wir sind Markus Hinterhäuser für die Möglichkeit, die Oper unter neuen Bedingungen inszenieren zu können, sehr dankbar.

Maurice Lenhard: Die Zauberflöte wird eine große Herausforderung auf beiden Seiten Regie wie musikalisch. Frage an Joana wie geht man an ein Stück heran, das so bekannt und so viel gespielt wurde wie dieses und nun zu einer Neuneinstudierung kommt? Was hast du in einem Interview einmal gesagt? Für dich ist die Musik von Mozart wie ein Papierflieger, mit dem man fliegen lernen muss.

Joana Mallwitz (Musikalische Leitung):  Das Prinzip einer völligen Neubefragung trifft auch auf musikalischer Ebene zu. Die Zauberflöte ist wohl die meistinterpretierte und meisthinterfragte Oper und auch ich muss gestehen, dass ich mich erst einmal vom Blick auf bestimmte Traditionen freimachen musste.

Beispiel Papierflieger: hier muss auch das Format stimmen, jede Faltung muss exakt geglättet sein, damit er abheben kann und so ähnlich ist es bei Mozart Partituren, es reicht nicht, einfach auf die Noten zu schauen. Die allerhöchste Kunst besteht darin, zu sehen, wie beispielsweise Akzente und Tempoübergänge geformt sind, dass es wie ein perfekter Papierflieger ist, der einfach fliegt. Das ist für mich die Musik von Mozart.

Maurice Lenhard: 2018 passierte schon sehr viel auf der Welt. Mittlerweile wurde die unruhige Situation auf der Welt zu einem Aufruhr. Lydia in deiner Inszenierung geht es nie explizit um ein politisches Tagesgeschehen und doch setzt du dich ganz klar damit auseinander. Was unsere großen Fragen und Ängste zurzeit sind und wie setzt du diese in deiner Arbeit um?

Lydia Steier: Auf szenischer Ebene hatten sich natürlich auch die weltweiten Veränderungen seit 2018 ausgewirkt. Wir leben in einer Zeit, wo eigentlich das Wort „Frieden“ irgendwie am Ast schon am „faulen“ ist. Schon damals hatten wir den Blick auf eine Welt gerichtet, in der Kriege und anderes Elend vorgekommen sind. Die Jahreswende 1912/1913 war der Punkt, am dem wir standen, seitdem haben wir alle einen anderen Blickwinkel, wir haben alle etwas verloren – im günstigsten Fall nur Zeit und Geld, im schlimmsten Fall einen Menschen oder Gesundheit. Unsere Augen und auch die Augen der Sänger sehen es anders. Was vorher prognostiziert wurde, ist Wahrheit geworden.

Wir haben das Glück, ein junges Team zu haben, das sich engagiert und sich mit aktuellen Themen auseinandersetzt, nicht nur mit dem Thema Krieg, sondern beispielweise auch mit der Frage: ist die Rolle der Pamina frauenfeindlich? Man muss der neuen Generation erklären, was die Welt für sie bereithält – nicht nur im Hauptkonflikt des Stücks zwischen Sarastro und der Königin der Nacht, sondern auch mit Blick auf externe Konflikte.

Maurice Lenhard: Die Zauberflöte nimmt immer wieder einen besonderen Platz in unserem Schaffen ein und wir stellen uns wieder die Frage, wenn sich Mozart mit etwas neuem auseinandergesetzt hat, ist er wirklich bis auf den Grund gegangen? Wie geht man mit so einer offenen Form von Singspiel um? Wie ist die Funktion der hinzu erfundenen, von Roland Koch verkörperten Erzählerfigur des Großvaters?

Joana Mallwitz: Aspekt, es muss intensiv an der fließenden Grenze zwischen gesprochenem und gesungenem Text gearbeitet werden. Die Zauberflöte ist voller Rätsel, auf die es keine Antworten gibt. Dennoch ist es wichtig, die Reichweite der Themen aus der Perspektive dazustellen. Die Rolle von Roland Koch ist spannend – genau im Hinblick auf das, worauf wir hinarbeiten. Die Geschichte wird erzählt, der Zuhörer wird in sie hineingezogen.

Lydia Steier: Der Großvater ist nicht nur irgendeine Figur, er ist vielleicht sogar die zentrale Figur, er sieht Tamino als junges Abbild von sich selbst. Im Esszimmer hängt ein großes Porträt von Pamina als verstorbene Großmutter, die Kinder sehen in ihr die Prinzessin, gleichzeitig blickt der Großvater mit leidenschaftlicher Nostalgie auf die Frau, die er geliebt hat.

Maurice Lenhard: Wie ist die gemeinsame klare Zielsetzung zwischen Musikalischer Leitung und Regie zu einer guten Oper?

Lydia Steier: Joana und ich haben starke Ideen mit einem klaren Blick auf das Ganze. Die Inszenierung muss das Rückgrat der Musik sein. Im Hinblick auf das künstlerische Miteinander macht die Zusammenarbeit sehr viel Spaß. Als Wirkung der Inszenierung wünsche ich mir, dass sie nachhallt, dass der Zuschauer sich daran erinnert, dass er die Reise mit uns machte und mit der Zeit durch eine neue Perspektive sieht.

Joana Mallwitz: Beides muss Hand in Hand gehen, bei Mozart noch mehr: in dem Moment, in dem man eine Phrase singt, muss alles stimmen. Da merkt jeder Zuhörer sofort: stimmt der Impuls oder nicht. Worum gehe es, es ist ein frischer Blick, der vom Notenbild weggeht und am Ende jeder Note mit der Zielrichtung befragt „Warum stehst du da“?

Joana Mallwitz, Musikalische Leitung, Lydia Steier, Regie, Die Zauberflörte, Terrassentalk, Salzburger Festspiele, 20220706, (c) wildbild

Premiere: Samstag, 30. Juli 2022, 18:30 im HAUS FÜR MOZART