HAND.WERK.STADT 2026 – Zwischen Tradition, Technik und verborgenen Räumen der Stadt

Plakat der HAND.WERK.STADT in der Salzburger Altstadt. Foto: (c) Christa Linossi 2026

Die HAND.WERK.STADT, heuer bereits in ihrer 11. Ausgabe, verwandelte vom 15. bis 25. April 2026 die Salzburger Altstadt erneut in ein lebendiges Schaufenster handwerklicher Kultur. In einer Zeit, in der Digitalisierung und künstliche Intelligenz immer stärker in den Alltag drängen, zeigt dieses Format eindrucksvoll, dass es Bereiche gibt, in denen menschliche Präzision, Erfahrung und Materialkenntnis unersetzbar bleiben. Eine KI kann ein Brotrezept liefern – aber nicht den Duft, die Handgriffe, die Wärme. Genau hier beginnt Handwerk.

Handwerk in der Altstadt – gelebte Nachhaltigkeit

Das AltstadtMarketing Salzburg setzt seit Jahren auf die Sichtbarkeit jener Betriebe, die mit Tradition, Reparaturkultur und ressourcenschonenden Methoden arbeiten. Nachhaltigkeit ist hier kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis: Der Schirmmacher fertigt aus alten Sonnenschirmen Badetaschen, aus Holzresten entstehen Schlüsselanhänger, die Handweberei verwandelt Stoffreste in farbenfrohe Teppiche. So leisten die Handwerker:innen der Altstadt einen wichtigen Beitrag zur „klimaneutralen Stadt 2040“.

Ein Blick in die grafische Werkstatt im Traklhaus

Große Tiefdruckpresse in einer Werkstatt mit Drucktisch, Walze und typischen Materialien der Druckgrafik.
Copyright: Foto: Christa Linossi

Mein persönlicher Schwerpunkt führte mich in die grafische Werkstatt im Traklhaus, ein Ort, der seit 1945 als offenes Atelier für klassische Druckgrafik besteht. Im Rahmen eines Workshops konnten Besucher:innen in die Welt des Tiefdrucks eintauchen. Künstler Jöran Möller gab eine präzise Einführung in eines der ältesten Druckverfahren.

Tiefdruck – ein Spiel aus Druck, Vertiefung und Farbe

Beim Tiefdruck liegen die druckenden Stellen vertieft in der Platte. Die Vertiefungen werden eingefärbt, die Oberfläche sorgfältig gereinigt, und unter hohem Druck entsteht der Abdruck. Die Teilnehmer:innen arbeiteten konzentriert an ihren Kupferplatten, ritzen Linien, suchten Motive, experimentierten. Ich selbst verließ den Raum bald wieder – Herr Möller hatte mich als Journalistin vorgestellt, und ich wollte die Gruppe nicht unnötig nervös machen.

Ein persönlicher Exkurs: Lithografie

Obwohl im Workshop nicht angeboten, gehört die Lithografie zu jenen Techniken, die mich seit Jahren faszinieren. Ich habe sie selbst einmal erlernt – ein heikles, hochpräzises Verfahren, das auf einem einfachen chemischen Prinzip beruht: Wasser und Fett stoßen einander ab. Der Solnhofener Lithostein, seine Härte, seine Porosität, die Zeichnung mit fetthaltigen Stiften, das Ätzen, das Einfärben – all das verlangt Genauigkeit, Geduld und ein tiefes Verständnis für Material und Prozess. Vielleicht gerade deshalb begleitet mich diese Technik bis heute.

DENKMAL EINBLICK – Ein Haus mit vielen Leben

Mein zweites Ziel führte mich in die Steingasse 24, im Rahmen der Kooperation DENKMAL EINBLICK mit dem Bundesdenkmalamt. Anlässlich des Welterbetags öffnete sich ein Haus, das mehr Geschichte in sich trägt, als seine schmale Fassade vermuten lässt.

Fassade des „La Maison“ in der Steingasse – derzeit noch verhüllt. Foto: (c) Christa Linossi 2026

Vom mittelalterlichen Handwerkerhaus zum „Maison de Plaisir“

Das spätmittelalterliche Bürgerhaus war einst ein Lederer- oder Weißgerberhaus – die Nähe zur Salzach war essenziell. Über das 19. und 20. Jahrhundert hinweg wurde es als Bordell unter dem Namen „Maison de Plaisir“ geführt. Seit Corona stand es leer, vergessen, ungewollt.

Nun wird es vom Besitzer der Steinterrasse zu einem Boutiquehotel umgebaut. Bei der Restaurierung kamen wertvolle spätmittelalterliche Holzdecken zum Vorschein, dendrochronologisch auf 1471/1473 datiert. Der Architekt erzählte, dass die Pläne fünfmal umgeworfen werden mussten – zu viele Überraschungen, zu viele historische Befunde, zu viele technische Herausforderungen in einem Haus, das künftig digital geführt wird.

Ein Haus voller Enge, Geschichte und Widersprüche

Die Räume sind klein, die Stiegen steil und eng – Fluchtwege? Fehlanzeige. Man kann sich kaum vorstellen, wie hier einst Handwerk betrieben wurde, geschweige denn das spätere Bordellleben. Grotesk fast: Gleich nebenan befindet sich das renommierte Trachtenhaus Lanz.

Am Ende entstehen fünf modern ausgestattete Zimmer, gefrühstückt wird auf der Steinterrasse. Ein Haus, das viele Leben hatte – und nun ein neues beginnt.

Fazit

HAND.WERK.STADT 2026 bot heuer eine spannende Mischung aus traditionellem Handwerk, historischen Einblicken und künstlerischen Techniken. Vom offenen Atelier im Traklhaus bis zum verborgenen spätmittelalterlichen Bürgerhaus in der Steingasse – Salzburg zeigte einmal mehr, wie vielschichtig seine Handwerks- und Kulturgeschichte ist.