Die Kunst der Versöhnung – Spielzeit 2026/2027 am Landestheater Salzburg

Sujets Spielzeitheft 2026/2027 (c) SLT / Tobias Witzgall

Die Kunst der Versöhnung

Im April 2026 präsentierte das Landestheater Salzburg seinen neuen Spielplan für die Saison 2026/2027 – unter dem programmatischen Titel „Die Kunst der Versöhnung“. Ein Motto, das bewusst einen Raum jenseits des Lärms der Welt öffnen möchte: einen Ort, an dem Spannung und Entspannung, Konflikt und Annäherung gemeinsam erlebt und reflektiert werden können.

Doch was bedeutet eigentlich Versöhnung? Für mich ist es der Moment, in dem nach Konflikt, Verletzung oder innerer Zerrissenheit wieder Frieden möglich wird – ein Prozess, der Empathie, Mut und den Willen zu einem Neubeginn erfordert.

Und genau hier beginnt meine Frage: Wo findet man Versöhnung im Theater?

OPER – TOSCA

Premiere: 31. Oktober 2026 / Großes Festspielhaus

Puccinis „Tosca“ gilt als Opernthriller schlechthin – eine Geschichte voller Leidenschaft, Macht, Gewalt und Tod. Versöhnung? Auf den ersten Blick kaum.

Doch das Landestheater setzt einen neuen Akzent: Der Zeichner und Karikaturist Thomas Wizany wird die Aufführung mit live entstehenden Bildern begleiten. Seine Zeichnungen sollen Puccinis Klangwelt visuell erweitern und die Fantasie des Publikums auf neue Weise anregen.

Vielleicht liegt genau darin ein Moment der Versöhnung: in der Verbindung von Musik und Zeichnung, in einem künstlerischen Dialog, der neue Perspektiven öffnet – selbst in einer Oper, die keine harmonische Auflösung kennt.

Wie Wizany etwa die Szene interpretiert, in der Tosca ihren Geliebten Cavaradossi retten will, während Scarpia seine Macht ausspielt, bleibt spannend. Vielleicht ist die Versöhnung hier nicht in der Handlung zu finden, sondern im Erleben, im Nachdenken, im künstlerischen Prozess.

Sujets Spielzeitheft 2026/2027 © SLT / Tobias Witzgall

SCHAUSPIEL – SCHACHNOVELLE

Premiere: 21. November 2026 / Landestheater

Auch Stefan Zweigs „Schachnovelle“ scheint auf den ersten Blick wenig mit Versöhnung zu tun zu haben. Ein harmloses Schachspiel wird zur psychologischen Abgrunderkundung – zur Metapher für Isolation, Machtmissbrauch und seelische Zerrissenheit im Nationalsozialismus.

Regisseurin Alexandra Liedtke interpretiert das Schachbrett als Sinnbild der Welt: Jede Handlung provoziert eine Reaktion, jede Figur ist gefangen in einem System aus Zwang und Gegenzug. Eine musikalische Ebene bildet das Gegengewicht – sie erzählt von innerer Flucht, emotionaler Überforderung und dem Versuch, sich selbst zu retten.

Versöhnung? Vielleicht nicht im klassischen Sinn. Aber im Verstehen, im Erkennen, im Aushalten.

JUNGES LAND – RENNSCHWEIN RUDI RÜSSEL

Österreichische Erstaufführung: 3. November 2026 / Landestheater

Hier zeigt sich die Versöhnung im Alltag: humorvoll, warm, menschlich. Das Familienstück nach dem bekannten Kinderbuch erzählt von Zusammenhalt, erster Liebe und dem Umgang mit Extremismus-Erfahrungen – verpackt in die turbulente Geschichte eines Schweins, das plötzlich Teil einer Stadtfamilie wird.

Ein Stück, das zeigt: Versöhnung beginnt oft im Kleinen – im Miteinander, im Lachen, im Mut, anders zu sein.

Tschitti Tschitti Bäng Bäng: Tschitti Tschitti Bäng Bäng (c) SLT

MUSICAL – TSCHITTI TSCHITTI BÄNG BÄNG

Premiere: 5. Dezember 2026 / Landestheater

Ein Klassiker voller Fantasie, Abenteuer und Herz. Der exzentrische Erfinder Caractacus Potts verwandelt ein altes Auto in ein Wunderfahrzeug, das fliegen, schwimmen und träumen kann. Die Musik der Sherman‑Brüder, bekannt aus dem Film von 1968, trägt die Geschichte mit Leichtigkeit und Humor.

Vielleicht liegt die Versöhnung hier in der Fantasie: in der Möglichkeit, die Welt für einen Moment anders zu sehen – leichter, spielerischer, hoffnungsvoller.

FAZIT – DIE KUNST DER VERSÖHNUNG

Der Spielplan 2026/2027 zeigt: Versöhnung ist kein einfaches Thema. Sie ist nicht immer sichtbar, nicht immer erzählerisch eingebaut, nicht immer harmonisch. Manchmal ist sie ein Prozess, manchmal ein Gedanke, manchmal ein Gefühl, das erst im Publikum entsteht.

Das Landestheater lädt dazu ein, sich auf diese Suche einzulassen – in Oper, Schauspiel, Musical, Ballett und Jungem Land.

Versöhnung beginnt im Kleinen. Vielleicht finden wir sie gemeinsam – im Theater, im Alltag, in einer Welt, die sie dringend braucht.

Burg Hohenwerfen – Geschichte über dem Salzachtal

Burg Hohenwerfen über dem Salzachtal – Foto: © Christa Linossi, 2026

Zum Saisonstart im April 2026 eröffnet die Burg Hohenwerfen zwei neue Ausstellungen im historischen Zeughaus: „BURGZEITEN“ und „DER AUFSTAND“. Ich war zur Vernissage eingeladen – ohne zu wissen, ob ich darüberschreiben würde. Nun, ich tue es.

Ankunft – ein Tag, der schon im Licht beginnt

Die Sonne stand strahlend über dem Salzachtal, als ich Richtung Werfen fuhr. Burg Hohenwerfen ist für mich kein unbekannter Ort – und doch beeindruckt mich ihr Anblick jedes Mal aufs Neue. Wenn man von Tenneck her kommt und die Burg sich vor der Kulisse der Eisriesenwelt erhebt, wirkt sie wie ein stiller Wächter über dem Tal.

Eigentlich wollte ich vom Parkplatz aus noch ins Dorf hinuntergehen, verfehlte jedoch den Weg und landete auf dem Pfad, der direkt zur Burg führt. Ein glücklicher Irrtum. Mit der Eisriesenwelt im Blick und dem leichten Anstieg unter den Füßen wurde der Weg selbst schon zum Auftakt.

Ein unerwarteter Führer

Oben angekommen, suchte ich nach dem Ort der Vernissage. Ein junger Mann, offensichtlich Mitarbeiter der Burg, kam mir entgegen. Er stellte sich als Burgführer vor – und als ich mich als Journalistin outete, bot er spontan an, mir einige Räume zu zeigen. Er hatte gerade keine Führung. Ich nahm dankbar an.

Seine kleine Privatführung war ein Geschenk:

  • die Bronzeglocke des Innsbrucker Meisters Hans Christoph Löffler, deren Transport einst fast ein Jahr dauerte – Inn abwärts, Salzach aufwärts, über den Pass Lueg nach Werfen
  • das Uhrwerk von 1720/25, ursprünglich eine Spindeluhr, später unter Erzherzog Eugen zur Pendeluhr umgebaut
  • eine Originaltür aus dem 16. Jahrhundert im Fürstenzimmer
  • das romanische Fresko des Werfener Ritters in der Burgkapelle
  • und Anekdoten über Filme, die hier gedreht wurden
Originaltür aus dem 16. Jahrhundert im Fürstenzimmer – Foto: © Christa Linossi, 2026
Romanisches Fresko des Werfener Ritters in der Burgkapelle – Foto: © Christa Linossi, 2026

Ich hatte bereits eine Fülle an Eindrücken gesammelt – noch bevor ich die Ausstellungen überhaupt betreten hatte.

AUSSTELLUNG 1: BURGZEITEN

Eine facettenreiche Reise durch fast ein Jahrtausend

Die Ausstellung führt durch die wechselvolle Geschichte der Burg – vom Hochmittelalter bis in die frühe Neuzeit. Ein „Rad der Zeit“ ermöglicht es den Besucher:innen, entlang eines Zeitstrahls durch die Epochen zu navigieren und überraschende Fundstücke zu entdecken.

Einige markante Stationen:

  • 1070 – Hochmittelalter Erzbischof Gebhard von Salzburg errichtet die erste Burg zur Sicherung des Salzachtals. Unter Konrad von Abenberg wird sie Verwaltungs- und Gerichtszentrum des Pongau.
  • 1525–1586 – Umgestaltung zur Festung Die Burg dient als Landesgefängnis. Politische Gefangene verbringen hier teils viele Jahre.
  • 1618–1648 – Dreißigjähriger Krieg Erzbischof Paris Lodron verstärkt Hohenwerfen und Hohensalzburg mit mächtigen Vorbauten.
  • 1898–1938 – Fürstenresidenz Erzherzog Eugen kauft die Burg und gestaltet sie zu einer prunkvollen Residenz um.
  • 1945–1987 – Gendarmerieschule Nach dem Krieg wird Hohenwerfen Ausbildungsstätte der Landesgendarmerie, bevor der Ausbau zur touristischen Attraktion beginnt.

Die Ausstellung macht die Geschichte nicht nur sichtbar, sondern erlebbar.

Aufruhr in den Alpen – Der Salzburger Bauernkrieg

Die Burg im Salzburger Bauernkrieg 1525/26

Die zweite Ausstellung im Obergeschoss widmet sich einem dramatischen Kapitel der Regionalgeschichte: dem Salzburger Bauernkrieg.

Ausstellungsansicht zum Bauernaufstand in Werfen – Foto: © Christa Linossi, 2026

Bauern aus dem Pongau und Bergknappen aus dem Gasteiner Tal erhoben sich gegen Fürsterzbischof Matthäus Lang. Die Burg fiel zeitweise in die Hände der Aufständischen; adelige Geiseln wurden hier bis zum „Friedensschluss“ im Sommer 1525 festgehalten. Das Erzstift Salzburg geriet an den Rand seiner politischen Existenz.

Darstellung einer Figur im Kontext des Bauernaufstands – Foto: © Christa Linossi, 2026

Eine multimediale Installation lässt die Aufständischen selbst zu Wort kommen und ergänzt die überlieferte Siegergeschichte um neue Perspektiven. Die Ausstellung lädt ein, über Menschenrechte, Machtverhältnisse und Demokratiebewegungen nachzudenken – Themen, die bis heute relevant sind.

BURG HOHENWERFEN – Ein Erlebnisraum

Die Erlebnisburg Hohenwerfen thront hoch über dem Salzachtal und zählt zu den eindrucksvollsten historischen Anlagen Salzburgs. Neben den Ausstellungen lohnt sich ein Besuch des Landesfalkenhofs (seit 1994), wo Greifvögel ihre Kreise ziehen und Besucher:innen ihnen ganz nah kommen können.

Und dann dieser Ausblick: Die umliegenden Berge, das Tal, die Weite – ein Genuss für große und kleine Gäste.

Weitere Informationen: http://www.erlebnisburg-hohenwerfen.at