
Der Frühling hat Salzburg nicht nur geweckt, er hat die Stadt wachgeküsst und in jenes vibrierende Leuchten getaucht, das Kunst und Sprache miteinander verbindet. Beim 18. Literaturfest Salzburg wird genau dieses Leuchten hörbar: Worte treffen auf Musik, Stimmen auf Klangräume, und plötzlich entsteht ein Dialog, der weit über die Bühne hinausreicht. Unlängst war ich bei der Präsentation des Festivals, das heuer vom 27. bis 31. Mai 2026 die Stadt erneut in ein Resonanzfeld aus Literatur, Klang und lebendiger Begegnung verwandeln wird.
Neu an der Spitze: Birgit Birnbacher, Salzburgerin, Bachmann‑Preisträgerin 2019 – gemeinsam mit Carmen Schwarz und Nadine Samija bildet sie ein Leitungstrio, das frischen Wind verspricht. „Auf zu neuen Ufern“ heißt es so schön – und genau diese Frage schwebte im Raum: Was bleibt? Was verändert sich?
Das Literaturfest ist seit jeher ein Ort, an dem Gespräche, Lesungen, Diskussionen und Konzerte miteinander in Beziehung treten. Heuer steht alles unter einem großen, schimmernden Thema: die Wechselwirkung von Sprache und Musik.
Schon bei der Präsentation wurde klar, wie kraftvoll diese Verbindung sein kann: Das Künstlerduo Cassandra Rühmling und Stefan Fleming zeigte eine Performance, die mich mitten ins Herz traf. Rühmling – musikalisch, performativ, eigenständig, eine Wucht. Fleming – ein alter Theaterfuchs, präzise, rhythmisch, mit diesem typisch österreichischen Understatement, das plötzlich explodiert.

Gemeinsam präsentierten sie komponierte Musik zu Interviews von Thomas Bernhard. Fleming traf den Ton Bernhards mit verblüffender Genauigkeit, während Rühmling Klangräume öffnete, die zwischen Wucht und Zartheit schwebten. Wer Bernhard liebt – und wer Rühmlings Kompositionen kennt – wird hier goldrichtig sein.

Eröffnung im Marionettentheater – 27. Mai, 19:30 Uhr
Die Eröffnung verspricht ein starkes literarisches Trio:
- Nava Ebrahimi – UND FEDERN ÜBERALL (Luchterhand 2025): eine sensible, sozialkritische Erzählung über Ausbeutung und die Frage, wie wir menschlich bleiben.
- Daniel Wisser – UNTER DEM FUSSBODEN (Klever 2024): phonetisch pointierte Miniaturen, alphabetisch geordnet, präzise wie ein Metronom.
- Natascha Gangl – FRISCHE APPELLE (Ritter 2025): Schreiben „vom Ohr her gedacht“ – Avantgarde, Witz, Schmerz, alles in einem Atemzug.
Musikalisch begleitet von DIE STROTTERN, die das österreichische Schwarzmalen in ein klangvolles, entstaubtes Wienerlied verwandeln – Geige, Gitarre, Atmosphäre.
Edmundsburg – Literatur, Musik und ein Blick in die Tiefe
Besonders spannend wird die Matinee im Europasaal der Edmundsburg: Manfred Mittermayer und Susanne Kogler sprechen über Ingeborg Bachmann, anlässlich ihres 100. Geburtstags – über ihre intellektuellen und emotionalen Zugänge zur Musik. Cassandra Rühmling liest ausgewählte Textstellen und verleiht ihnen ihren ganz eigenen Klang.
Ein Satz aus dem Festivalprogramm blieb mir hängen:
„Irgendwann haben alle wieder ihr Ziel erreicht, selbst die, die keins hatten.“ (Jovana Reisinger, Spitzenreiterin)
Mein Statement:
Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung davon, was Literatur ist – und was ein Literaturfestival sein soll. Umso mehr lohnt sich ein Blick ins Programm, das heuer besonders reich an Stimmen, Klängen und überraschenden Begegnungen ist.
👉 Programm: www.literaturfest-salzburg.at