Seelische Ursachen und ganzheitliche Lösungen für 200 Beschwerden von Dr. Sabine Viktoria Schneider
Worum geht es in diesem Buch?
In einer Zeit, in der medizinische Diagnosen immer spezialisierter werden und dennoch oft Fragen offenlassen, setzt Dr. Sabine Viktoria Schneider einen wohltuenden Gegenakzent. Die in Salzburg und Rosenheim aufgewachsene Psychologin und Public-Health-Expertin öffnet mit diesem Werk eine Art moderne Hausapotheke – nicht für Medikamente, sondern für Verständnis. Verständnis für jene leisen, oft überhörten Botschaften, mit denen die Seele über den Körper spricht.
Viele kennen die Situation: Man wandert von Untersuchung zu Untersuchung, doch die Beschwerden bleiben rätselhaft. Genau hier setzt Schneider an. Ihr Nachschlagewerk zeigt auf verständliche Weise, welche seelischen Dynamiken hinter Symptomen wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Verdauungsproblemen stehen können – und welche einfachen, alltagsnahen Impulse helfen, wieder in Balance zu kommen
Was bietet dieses Buch?
Für rund 200 Symptome eröffnet die Autorin einen klar strukturierten Zugang:
mögliche seelische Ursachen
Fragen zur Selbstreflexion
unbewusste familiäre Aufträge
psychodynamische Lösungsansätze
neue, heilende Gedankenmuster
Akupressurpunkte zur Selbstanwendung
Nährstoff- und Ernährungsperspektiven
naturheilkundliche Impulse
Das Buch ist wissenschaftlich fundiert, aber nie schwer. Es lädt ein, den eigenen Körper aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die feinen Verbindungen zwischen Psyche und Soma ernst zu nehmen.
Ist dieses Buch lesenswert?
Ja – und zwar aus mehreren Gründen:
Es ist verständlich geschrieben, ohne an Tiefe zu verlieren.
Es bietet konkrete, alltagsnahe Impulse, die nicht überfordern.
Es schafft Orientierung, wo medizinische Befunde oft keine klare Sprache sprechen.
Es ist ein Nachschlagewerk, das man immer wieder zur Hand nimmt.
Es ersetzt keine ärztliche Diagnose, aber es erweitert den Blick – und genau darin liegt seine Stärke.
Über die Autorin
Dr. Sabine Viktoria Schneider ist Psychologin, Doktorin für Public Health (Dr. P.H.) und Buchautorin. Aufgewachsen in Salzburg und Rosenheim, unterrichtet sie an einer privaten bayerischen Hochschule und führt eine Privatpraxis für ganzheitliche Psychologie in Salzburg. Ihr Schwerpunkt liegt auf Psychosomatik und der Verbindung zwischen seelischen Mustern und körperlichen Beschwerden.
Ihr Buch erschien 2026 im Wiener Verlag edition a (ISBN 978‑3‑99001‑887‑3).
Die Jahreskonferenz 2026 des Salzburg Museum stand ganz im Zeichen eines Rückblicks – und eines Aufbruchs. 2025 war ein außergewöhnliches Jahr: Aufgrund umfassender Umbauarbeiten und der Erweiterung durch das Belvedere Wien blieb das Museum geschlossen und präsentierte stattdessen ein vielfältiges Gastspielprogramm in Kooperation mit Museen und Galerien im ganzen Land.
Den Auftakt bildete eine Vorschau auf das 60‑Jahr‑Jubiläum von The Sound of Music im Schloss Leopoldskron. Weitere Gastspiel‑Ausstellungen folgten in unterschiedlichen Häusern und wurden vom Publikum sehr gut angenommen. Das Finale dieser Reihe bildet die Ausstellung „Meisterwerke der Möbelkunst – Salzburg 1450–1500“ im Bergbau‑ und Gotikmuseum Leogang.
2026: Ein Jahr des Neubeginns
Nach langen Planungs‑ und Bauphasen eröffnet das Salzburg Museum heuer gleich zwei neue Standorte:
• Welterbezentrum Salzburg – Rückkehr des Salzburg Panoramas
Das historische Panorama von Johann Michael Sattler kehrt zurück in die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab entstehen digitale Vermittlungsangebote, die Besucher:innen die Altstadt neu erleben lassen.
• Museum Sound of Music Salzburg – Hellbrunn
Am authentischen Schauplatz des ikonischen Gazebo widmet sich das Museum erstmals umfassend dem weltweiten Kulturerbe The Sound of Music. Neben dem Film wird auch die reale Geschichte der Familie von Trapp beleuchtet.
Orangerie Salzburg – Eröffnung im Juni 2026
Zum Jubiläum „30 Jahre UNESCO‑Welterbe Salzburg“ eröffnet das Salzburg Museum die Orangerie im Mirabellgarten. Die erste Sonderausstellung trägt den Titel „Weltkulturerbe Salzburg: Wer kümmert sich um die Stadt?!“ Medieninstallationen sollen künftig eine filmische, atmosphärische und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Welterbe ermöglichen.
Großprojekt Salzburg Museum NEU & Belvedere Salzburg
Die Arbeiten in der Neuen Residenz schreiten voran. Der Rohbau soll bis Sommer 2026 fertiggestellt sein – ein wichtiger Schritt Richtung Eröffnung im zweiten Halbjahr 2027.
Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, betont die Bedeutung des Projekts: Die Architektur öffne neue Räume, verankere das Museum im Stadtraum und ermögliche eine Präsentation der Belvedere‑Sammlung, die Salzburg als „aktiven Resonanzraum“ einbezieht.
Ein Museum an den schönsten Orten Salzburgs – die neuen Standorte
Orangerie Salzburg – WelterbezentrumEröffnung Juni 2026
Museum Sound of Music – HellbrunnEröffnung Herbst 2026
Salzburg Museum NEU & Belvedere Salzburg – Neue ResidenzEröffnung 2027
Juvavum Archäologie Museum Salzburg – ResidenzplatzEröffnung 2028
Inklusive Zukunft: „Ein Objekt – viele Perspektiven!“
Mit dem Projekt Work in Progress entwickelt das Salzburg Museum eine inklusive Online‑Sammlung. Objekte werden so aufbereitet, dass sie für möglichst viele Menschen zugänglich sind – mit:
Texten in Leichter Sprache
Videos in Gebärdensprache
Bild‑ und Audiobeschreibungen
3D‑Modellen zum Download
Ziel ist ein barrierefreier Zugang zur Kunst‑ und Kulturgeschichte Salzburgs.
Gemeinsam mit Museumsdirektor Prof. Martin Hochleitner erhielten wir einen eindrucksvollen Einblick in die laufenden Bauarbeiten. Die Dimensionen des Projekts sind beeindruckend: Unter dem bestehenden Museum wurde tief gegraben, archäologische Funde kamen ans Licht, und die Baustelle zeigt sich als eines der ambitioniertesten Kulturvorhaben Österreichs.
„Das Salzburg Museum zeigt 2026, dass Wandel nicht nur Umbau bedeutet, sondern neue Räume für Geschichte, Erinnerung und Zukunft eröffnet.“
Das Frühjahr naht – und mit ihm die 55. Rauriser Literaturtage, die von 25. bis 29. März 2026 erneut das Raurisertal in einen Ort der Sprache, der Begegnung und der literarischen Reflexion verwandeln. Nach dem letztjährigen Thema „Konfliktfelder“ widmet sich das Festival heuer einem Begriff, der ebenso alltäglich wie unerschöpflich ist: LIEBEN.
Was bedeutet „Lieben“ im Jahr 2026?
Lieben ist ein Wort, das jeder kennt – und doch versteht es jede und jeder anders. Es kann Nähe bedeuten, Verantwortung, Erinnerung, Verlust, Mut oder Widerstand. Und es stellt sich die Frage: Wie verändert sich Lieben in einer Welt, die zunehmend digital, beschleunigt und politisch angespannt ist?
Wir leben im 21. Jahrhundert zwischen globalen Machtverschiebungen, technologischen Umbrüchen und einer digitalen Kultur, die Nähe oft simuliert, aber selten ersetzt. Gerade deshalb lädt das Festival dazu ein, das Menschliche neu zu erkunden – aufmerksam, kritisch und mit literarischer Tiefe.
Literatur als Raum für Dialog
Wie jedes Jahr bieten die Rauriser Literaturtage einen Rahmen für Austausch und Reflexion über gesellschaftliche Herausforderungen. Literatur wird hier zum Medium, das komplexe Themen beleuchtet, Brücken baut und Räume öffnet, in denen Sprache, Geschichte und Gegenwart miteinander in Dialog treten.
Rauriser Literaturpreis 2026
Der Rauriser Literaturpreis 2026 geht an Sophie Hunger für ihren Roman „Walzer für Niemand“ (Kiepenheuer & Witsch, 2025). Der Roman erzählt von einer besonderen Freundschaft zwischen einem Mädchen und ihrem Freund Niemand – getragen vom Rhythmus der Musik, zwischen Magie, Erschütterungen und dem Aufwachsen in einer Welt voller Klang. Die Jury würdigt das Werk als literarisches Debüt, das sich mit Empathie und formaler Klarheit gängigen Erzählmustern entzieht.
Sophie Hunger, international bekannt als Musikerin und Songwriterin, studierte Anglistik und Germanistik und lebt heute in Berlin. „Walzer für Niemand“ ist ihr erster Roman.
Rauriser Förderungspreis 2026
Der Förderungspreis geht an Andreas Neuhauser für seinen Text „Linz–Wegscheid“ zum Thema „Nähe“.
Autor:innen 2026 – ein breites Spektrum
Insgesamt 15 weitere Autorinnen und Autoren präsentieren ihre aktuellen Werke. Unter ihnen:
Marlene Streeruwitz, eine der wichtigsten Stimmen der Gegenwartsliteratur, mit ihrem Roman „Auflösungen“ (2025), der die politische Weltlage aus der Perspektive einer österreichischen Lyrikerin im New York vor der US‑Wahl reflektiert. In „Prinzessionenkunde“ (2025) setzt sie ihre kritische Auseinandersetzung mit Weiblichkeitsbildern fort.
Silke Scheuermann, die nach längerer Pause mit dem Lyrikband „Der Unruhe“ (2025) zurückkehrt. Ihre Gedichte spannen den Bogen von Mythen bis zur Frage, was Liebe im Zeitalter der Roboter bedeutet.
Norbert Gstrein, Rauriser‑Preisträger von 1989, stellt seinen neuen Roman „Im ersten Licht“ (2026) vor – die Geschichte von Adrian, dessen Lebensweg durch die Wirren des 20. Jahrhunderts führt, bis hin zu einer späten, kaum mehr erwarteten Liebe.
Gespräch über Literatur – Ingeborg Bachmann
Anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann findet ein Gespräch mit Heinz Bachmann, Ulrike Draesner und Irene Fußl statt. Im Zentrum steht die Rolle der Liebe im Werk der Autorin – in all ihrer Ambivalenz.
Ausstellung – 25 Jahre David Sailer
Dem Fotografen David Sailer, der die Literaturtage seit 25 Jahren begleitet, ist eine Ausstellung gewidmet. Die schönsten Fotografien der Jahre 2014 bis 2025 sind als Dauerausstellung im Gemeindeamt sowie online zu sehen.
„Die Literaturtage erinnern daran, dass Lieben viele Sprachen hat – und jede davon eine Geschichte erzählt.“
Drei Körper. Drei Haltungen. Drei Versuche, Stärke zu zeigen. Doch unter jeder Linie liegt etwas anderes: Nicht Härte, sondern Suche. Nicht Dominanz, sondern Orientierung. Nicht Unverwundbarkeit, sondern ein leiser Riss.
Die Muster in den Körpern erzählen von inneren Räumen: Spiralen, die sich verlieren. Geometrien, die Ordnung versprechen. Kreise, die mehr verbergen als zeigen. Sie sind keine Ornamente, sondern Spuren eines Menschbildes, das viele Männer in sich tragen mussten.
Diese Arbeiten sprechen nicht über Männer, sondern über ein Bild, das viele von ihnen tragen mussten: Stärke zeigen, funktionieren, stillhalten. Ein altes Bild, das noch immer Schatten wirft.
Besuch beim Bühnenbildner Andreas Ivancsics in Gosau
Bei der letzten Pressekonferenz zum Salzburger Adventsingen wollte ich nicht wieder über Darsteller, Musik und Szene sprechen – all das wurde bereits auf der Loferer Alm ausführlich erzählt. Mich interessierte etwas anderes: Wie entsteht eigentlich die Bühne, auf der all das stattfindet? Wer gestaltet die Welt, in der sich das Spiel entfaltet?
Und so führte mich mein Weg nach Gosau, in die Tischlerei Laserer, zu Bühnenbildner Andreas Ivancsics – einem Künstler, der sonst eher digital arbeitet, diesmal aber mit Holz, Farbe und Styropor eine ganze Bergwelt erschafft. Ich wollte sehen, wie das Bühnenbild für das diesjährige Adventsingen entsteht – und vor allem: den Menschen sichtbar machen, der es erschafft.
Seit nunmehr 34 Jahren stellt die Tischlerei Laserer ihre Werkhalle dem Salzburger Heimatwerk zur Verfügung – ein Ort, an dem das Bühnenbild für das Adventsingen entsteht. Ursprünglich war es Tobi Reiser, der das Salzburger Adventsingen ins Leben rief und prägte. Nach seinem Tod übernahm Hans Köhler die Leitung und führte die Tradition mit großer Hingabe weiter. Die Werkhalle in Gosau wurde dabei zu einem stillen Mitspieler – ein Ort, an dem Visionen Form annahmen und die Bühne ihre Seele erhielt.
Eine riesige Halle steht dem Bühnenbildner und seinen Gehilfen hier zur Verfügung. Zurzeit werden die Hausteile für die Bühne angefertigt – vier Hauswände liegen nebeneinander am Boden, bereits grundiert und bemalt, mit Styroporsteinen beklebt, die später wie echtes Mauerwerk wirken. Wenn diese fertig sind, wird der Hintergrund der Bühne, die Bergwelt des Dachsteins, bearbeitet. Auch Teile von Bühnenbildern aus früheren Produktionen werden hier umgearbeitet und weiterverwendet – Nachhaltigkeit trifft auf Kreativität.
Es ist sehr viel Handarbeit: Es wird zugeschnitten, grundiert, bemalt. „Mir ist besonders wichtig – gerade bei so einer Produktion wie dem Salzburger Adventsingen, das sehr auf Tradition setzt – ebenfalls auf traditionelles und auch regionales Handwerk zu achten“, sagt Andreas Ivancsics.
Verwendet werden wasserlösliche Farben, wie man sie auch für Außenanstriche kennt – sie sind flexibler und halten den Belastungen auf der Bühne besser stand. Aus Styropor werden Steine geschnitzt, die in der jeweiligen Steinfarbe bemalt werden. Latschen werden hergerichtet, die Häuser so bearbeitet, dass sie alt und etwas zerfallen wirken. Selbst die Steinblöcke aus Styropor dienen später als Sitzflächen für die Schauspieler. Türen und Fenster werden geschnitten und bemalt – lauter Einzelteile, die später auf der Bühne zu einem stimmigen Ganzen zusammengesetzt werden.
In der zweiten oder dritten Novemberwoche 2025 beginnt die nächste Etappe: Der Transport der gefertigten Bühnenbildteile ins Salzburger Festspielhaus wird vorbereitet. Der Aufbau erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Tischlerei Laserer und Bühnenbildner Andreas Ivancsics – jedes Element findet seinen Platz, jede Wand ihre Position. Dann ist die Bühne bereit für den Probenbeginn des Salzburger Adventsingens.
Es war meine Neugier, die mich in die Hallen der Entstehung und des Handwerks eines Bühnenbildes führte – dorthin, wo Visionen Form annehmen und Menschen sichtbar werden.Christa Linossi – unterwegs zwischen Bühne und Blick hinter die Kulissen.
Während in Gosau noch die letzten Pinselstriche gesetzt werden, bereitet sich Salzburg auf den großen Moment vor. Die Zeit läuft – denn am Freitag, dem 28. November 2025, um 19:30 Uhr hebt sich der Vorhang im Salzburger Festspielhaus. Dann wird das Bühnenbild, das in der Tischlerei Laserer geboren wurde, zum lebendigen Rahmen für Musik, Szene und Erzählung.
Salzburg swingt – nicht im Takt der Mozartkugeln, sondern im Puls von Saxophon, Stimme und Bass. Die Eröffnung von Jazz & The City 2025 war mehr als ein Konzert – sie war ein Versprechen: auf Begegnung, Klangräume und eine Stadt, die sich für ein paar Tage in improvisierte Bühnen verwandelt.
Ich war dabei, als sich der Saal in der Szene bis auf den letzten Platz füllte. Erwartung lag in der Luft, gespannte Stille vor dem ersten Ton – und dann: Musik, die nicht nur Ohren, sondern auch Zwischenräume füllte. Das Publikum? Begeistert, berührt, bewegt. Der erste Ton war wie ein Auftakt zur kollektiven Resonanz.
Das Markenzeichen des Trios ist und bleibt die Vielfalt der Instrumente. Der wilde Mix aus Helbocks herausragendem Klavierspiel, vertonten Gedichten von u.a. Emily Dickinson und Erich Fried, Alphorn, Tuba und jeder Menge anderer Klangkörper riss die Besucher:innen zu Standing Ovations hin. Ein vielumjubelter Auftakt, dem einer der wohl interessantesten Auftritte des Festivals folgen sollte.
Schon am ersten Abend zeigte sich, was dieses Festival ausmacht: die Nähe zwischen Künstler:innen und Publikum, die Offenheit für Klangexperimente, das Flanieren zwischen Konzerten und Cafés. Ich habe mir einige der Musiker:innen notiert – ihre Namen, ihre Klänge – und werde in den kommenden Tagen tiefer eintauchen. In ihre Geschichten, ihre Sounds, ihre Bühnen.
„Adam Ben Ezra & Michael Olivera – ein Groove-Duo zwischen Bass und Beat. Zwei Blickwinkel, ein Klangmoment.“
Besonders faszinierte mich der Auftritt von Adam Ben Ezra in der Szene. Er führt nicht nur ständig neue Elemente und Instrumente ein, sondern integriert auch immer mehr elektronische Komponenten in seine Show. Durch den Einsatz einer geschickten Kombination aus Effekten und Pedalen loopt Ben Ezra seine Noten regelmäßig, um eine authentische Klangwand zu erzeugen. In seinem aktuellen Projekt hat er sich mit dem kubanischen Schlagzeuger Michael Olivera zusammengetan. Es war ein perfekter Musikgenuss – die beiden entfachten ein wahres Groove-Feuerwerk und hoben ihre Drum&Bass-Beziehung auf ein völlig neues Level.
Ein weiterer Künstler, der mich faszinierte, war der Steirer Raphael Wressnig, der dem Publikum auf dem Residenzplatz einheizte. Wressnigs Hammond-Spiel lebt von einer fast unerschöpflichen Palette an Klangfarben – von vibrierenden Bässen bis zu leuchtendes, gospelgetränktes Höhen. Was so unheimlich groovig, funkig, soulig und bluesig klingt und das Bewusstsein im Nu auf „Good Times“ programmiert, braucht auch exzellente Musiker, die sämtliche Stile im kleinen Finger haben. Seit Jahren tourt Wressnig mit Gitarrist Enrico Crivellaro und Drummer Erich Cisbani.
Hiram Salsano hat sich als die junge „alte“ Stimme Kampaniens etabliert. Mit ihrer Musik pflegt sie die traditionelle Musik Süditaliens, insbesondere die ihrer Heimatregion in den Bergen des Cilento, südlich und östlich von Neapel. Mit Marcello De Carolis hat sie einen genialen Counterpart gefunden, der sie auf der Gitarra Battente, einer für die Region typischen Schlaggitarre, begleitet. Gemeinsam erforschen die beiden die ebenso beeindruckenden wie geheimnisvoll vibrierenden Klänge Süditaliens.
Es gab noch viele weitere großartige Konzerte – doch die hier beschriebenen haben mich am meisten beeindruckt. Jazz & The City 2025 hat gezeigt: Wenn Klangräume sich öffnen, wird die Stadt zur Bühne – und jede Begegnung zum Takt.
Erstmals zeichnete nicht nur ein Kurator, sondern ein Team für den Inhalt verantwortlich: Markus Deissenberger koordinierte die kuratorischen Inputs mehrerer Spezialist:innen, wodurch eine einzigartige Vielfalt entstanden ist.
Rund 60 Veranstaltungen an 20 Locations begeisterten vier Tage lang rund 25.000 Besucher:innen. Das vom Altstadtverband Salzburg alljährlich veranstaltete Festival für Jazz, Global Groove, Electronic Music und Improvisation schafft bei kostenfreiem Eintritt nicht nur Klangräume – sondern Begegnungen, die nachhallen.
Der steirische herbst ist wieder da – und ich mittendrin. Nicht laut, sondern tastend, suchend. Graz empfängt mich mit einem leisen Flirren – zwischen Fassaden, Konzepten und Fragen, die das Festival stellt, ohne sie zu beantworten.
Das Motto „Never Again Peace“ klingt provokant – und ist es auch. Inspiriert von Ernst Tollers Exiltext aus den 1930er Jahren zeigt das Festival, wie schnell friedliebende Gesellschaften in Krieg und Hass kippen können. Intendantin Ekaterina Degot verweist auf aktuelle Konflikte und die Pervertierung antifaschistischer Begriffe durch neue Diktaturen. 42 Auftragsarbeiten hinterfragen die Idee eines endlosen Krieges – düster, aber nie ohne Humor.
Mein Streifzug beginnt im BAU – einer ehemaligen Destillerie, die zum Labyrinth der Geschichte wird. Ein Schiff erinnert an Flucht und Rettung, ein ruinierter Banker liegt zwischen Spirituosen, während künstliche Intelligenz das System übernimmt. Und dann Gelitin: Ich steige allein in den düsteren Keller, werde von einer Lumpenfigur in ein Boot geladen und lande in einem Feuerkreis aus Lampen. Große Gipsköpfe starren sich gegenseitig an – und ich frage mich: War das einst ein Verlies?
Im Kunsthaus Graz zeigt „Unseen Futures to Come“ zwölf Positionen zur Unsicherheit unserer Zeit. Keine Antworten, aber Fragen, die bleiben. Im Forum Stadtpark geht es um „Besessene Berge“ – Besitz, Ausbeutung, juristische Magie. Wem gehört die Natur? Und was bedeutet Besitz in Zeiten des Extraktivismus?
Für mich bleibt die Frage: Warum immer wieder die Vergangenheit? Warum nicht endlich ein Festival, das sich dem FRIEDEN widmet? Künstler:innen könnten Konzepte entwerfen – für Gerechtigkeit, für Natur, für ein Leben in Zufriedenheit. Themen gäbe es genug.
Ich fühlte mich oft wie eine Suchende – zwischen Installationen, die mich zum Lachen brachten, und Räumen, die mich frösteln ließen. Der steirische herbst ist kein Spaziergang, sondern ein Gang durch die Gegenwart. Er bleibt für mich ein Ort der Reibung – zwischen Kunst und Welt, zwischen Konzept und Gefühl. Vielleicht braucht es gerade jetzt ein neues Flirren: nicht zwischen Krieg und Frieden, sondern zwischen Menschlichkeit und Mut.
Als Künstlerin bin ich oft auf der Suche nach Ausdrucksformen jenseits der Leinwand. Dieser Blick vom Balkon war einer davon – ein Bild, das keine Farbe braucht, um zu wirken. Manchmal reicht ein Blick vom Balkon, um sich daran zu erinnern, was im Leben wirklich zählt. Täglich beobachte ich das bunte Treiben eines Kindergartens – voller Lachen, Fantasie und kleinen Dramen. Zwischen Schaukel und Sandkasten entfaltet sich eine Welt, die uns Erwachsenen viel zu sagen hätte, wenn wir nur wieder zuhören würden. Dieser Text ist eine Einladung, das Kindsein neu zu entdecken – und vielleicht auch ein Stück davon zurückzuholen.
Ich wohne in einem ruhigen Wohngebiet. Tag für Tag sehe ich einen Kindergarten, der voller Fantasie und kindlicher Energie lebt.
Der große Garten, der den Kindern zur Verfügung steht, ist ein kleines Paradies. Hier wird gelacht, gestritten, getröstet und gemeinsam gespielt. Es gibt Dreiräder, auf denen sie herumtollen, ein hölzernes Pferd, das sie durch imaginäre Wiesenlandschaften trägt, und einen kleinen Hügel, umgeben von Bäumen, der zum Herumtollen einlädt. Mehrere Schaukeln, eine ausrangierte Gondel, Sandkästen und viele weitere Spielmöglichkeiten machen diesen Ort zu einem Abenteuerland.
Täglich dürfen die Kinder hinaus in diesen Garten. Sie leben ihre Fantasie aus, spielen, schreien, lachen – und manchmal auch weinen. Weil sie von der Schaukel gefallen sind, gestolpert sind oder ein anderes Kind sie aus Versehen gestoßen hat. All das gehört dazu. Hier dürfen Kinder noch Kinder sein.
Ich beobachte dieses bunte Treiben mit Freude. Es ist berührend zu sehen, wie sie miteinander umgehen, sich zu kleinen Gemeinschaften zusammenschließen, neugierig auf alles Neue sind und immer wieder auf Entdeckungsreise gehen – selbst wenn sie den Garten schon in- und auswendig kennen. Denn für Kinder gibt es immer etwas Neues zu entdecken.
Doch sobald sie in die Schule kommen, scheint diese Unbeschwertheit zu enden. Der „Ernst des Lebens“ beginnt. Wir Erwachsenen drillen sie auf Muster, auf Leistung, auf System. Warum eigentlich? Um ein System zu erhalten? Um erfolgreich zu sein? Um zu funktionieren wie kleine Roboter?
Warum haben wir unsere eigene Unbeschwertheit verloren? Warum können wir nicht auch mit mehr Leichtigkeit durch unseren Alltag gehen? Müssen wir immer nach Höherem streben – vielleicht, um in unserer materiellen Gesellschaft zu überleben?
Vielleicht sollten wir wieder von den Kindern lernen. Dass man mit wenig viel machen kann. Dass Lachen, Neugier und Fantasie keine Kindheitssymbole sind, sondern Lebenselixiere. Denn wer das Kindsein nicht vergisst, verliert nie ganz den Zugang zur eigenen Lebendigkeit.
Salzkammergut Festwochen Gmunden 2025. Zwischen Traunsee und Theaterbühne vermischen sich Stimme und Text zu einem Erleben der besonderen Art – Joachim Meyerhoff liest, lebt, berührt.
Ein Schauplatzwechsel von der Festspielstadt Salzburg nach Gmunden! Das Salzkammergut zählt mit seiner landschaftlichen Schönheit zu den berühmtesten Regionen Österreichs. In dieser eindrucksvollen Naturkulisse präsentieren die Salzkammergut Festwochen Gmunden ihr vielfältiges Kulturprogramm von Anfang Juni bis Anfang August.
Ich beobachte Gmunden und seine Festwochen seit Jahren und stelle fest: Gmunden wächst heran – fast zur kulturellen Konkurrenz Salzburgs
Heuer entschied ich mich, eine Veranstaltung der Salzkammergut Festwochen in Gmunden zu besuchen – eine Lesung im Stadttheater. Schon beim Betreten dieses Hauses hat man ein gutes Gefühl: klein, aber fein.
Meine Wahl fiel auf Joachim Meyerhoff und sein Buch „Man kann auch in die Höhe fallen“. Ich kannte ihn weder als Autor noch als Schauspieler und ließ mich auf dieses Abenteuer ein.
Wer ist Joachim Meyerhoff? Er ist deutscher Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. 2018 erlitt er einen Schlaganfall, den er literarisch in „Hamster im hinteren Stromgebiet“ verarbeitete.
Es war eine sehr gute Entscheidung, ihn live zu erleben. Da er auch Schauspieler ist, verstand er es meisterhaft, seinen Text zu präsentieren. Man lebte mit dem Text – im Kopf entstanden Bilder, etwa wenn er humorvoll Szenen mit seiner Mutter beschrieb. Das Publikum schmunzelte und lachte.
Er las aus seinem neuen Roman „Man kann auch in die Höhe fallen“. Worum geht es?
„Mit Mitte fünfzig zieht es Joachim Meyerhoff zu seiner Mutter aufs norddeutsche Land, um dort an einem Roman über das Theater mit dem Titel Scham und Bühne zu schreiben. Es werden unvergleichliche, ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet.“
Während er las und erzählte – eben nicht nur als Autor, sondern als Schauspieler – hatte man das Gefühl, einem Menschen beim Leben zuzusehen.
Der Roman ist mit Sicherheit gelungen. Die deutsche Wochenzeitung DIE ZEIT lobte ihn in höchsten Tönen: Es sei das literarischste und anspruchsvollste Werk, das Meyerhoff bislang geschrieben hat.
Zum Abschluss präsentierte er noch eine Kurzgeschichte, die in Zusammenarbeit mit Claus Peymann entstand – der kürzlich verstarb. Diese Geschichte, ursprünglich am Berliner Theater aufgeführt, brachte viel Witz und Charme mit sich.
Ein Abend, der zeigte: Gute Literatur braucht keine großen Kulissen, sondern große Erzähler – wie das Salzkammergut selbst: charmant, vielschichtig.
Introduction & Personal Perspective Since Sunday, July 27, 2025, the Residenzplatz in Salzburg has been transformed by the artist Jaume Plensa into a silent garden of reflection, graced with his monumental, dreaming heads made of metal. “A mesmerizing sight: The monumental sculptures redefine the Residenzplatz and attract visitors like moths to a flame.”
Artistic Reflection and Dialogue with Mozart “This time I’m not encountering this artwork as an online journalist, but as an artist – with a keen eye for the invisible space between form and emotion.” The Residenzplatz breathes history – but today, a new language floats above its cobbled stones: the language of Jaume Plensa’s sculptures. Faces without words, bodies without movement – and yet a silence that speaks. In the background, unmoved but eternally present, Mozart – the genius of music – witnesses this dialogue of forms. What does he see? What does he hear? Perhaps the sound of thoughts that art awakens within us. How does he feel? Pushed into the background, yet present, his gaze meets these monumental sculptures. A quiet dialogue with the “five women of differing origins and nationalities who, with closed eyes, might be guarding their dreams and longings?” “Mozart, the eternal poet of sound, observes this new language of forms from afar. Does he listen to the inner dialogues of the sculptures? Or hear the thoughts they awaken in us?”
The installation around the Residenzbrunnen – a magnificent baroque fountain with its own story – was a brilliant idea. Crafted from Untersberg marble by Tommaso di Garona, though not without controversy, the fountain consists of three basins and four sculptural groups. Past and future converge in a dialogue between the five women’s heads and the fountain. A moment of reflection: what is history, what is the future?
Technical Details of the Sculptures Created in 2023 in the Plensa Studio Barcelona, the work consists of five oversized heads, each measuring 11 meters in height and weighing approximately 30 tons. The sculptures – named Minna, Rui Rui, Wilsis, Rose, and Soribel – are arranged in an open grid measuring 24 × 24 meters. Each figure is made up of 22 to 26 individual fragments connected by stainless steel bolts. Thanks to their modular structure, the sculptures can be assembled piece by piece.
Plensa’s Concept of the Secret Garden Jaume Plensa’s statement resonates: “Five women of different origins and nationalities who, with closed eyes, speak to us through inner paths, of all the beauty we hold within ourselves. An unknown and unique landscape that remains hidden deep within our being – the secret garden of our lives, the most valuable place, the center of our dreams and longings.”
Walk of Modern Art “Secret Garden” continues the acclaimed project Walk of Modern Art, established between 2002 and 2011 in Salzburg. It brings contemporary international art into the public space, creating a vibrant dialogue with the historic city center. Statement from Walter Smerling, Chairman of the Stiftung für Kunst und Kultur e.V. and curator: “With Secret Garden, the Walk of Modern Art continues impressively: art that belongs to everyone – in the midst of life, in the heart of Salzburg. Jaume Plensa creates space for humanity through silence and beauty.”
Jaume Plensa became internationally known through works like the “Crown Fountain” in Chicago and the “Behind the Walls” installation at Rockefeller Center in New York. He also designed acclaimed stage sets, for example at the Liceu Barcelona. In Salzburg, he’s already part of the Walk of Modern Art with his work “Awilda” in the arcaded courtyard of the university (2010).
During the Salzburg Festival, Plensa’s sculptures transform the Residenzplatz into a site of silent poetry. Visitors approach them with awe – sitting down, lingering, capturing the moment. And in the heart of Salzburg, the secret garden unfolds – open, universal, deep within us.
🗓 The sculptures are freely accessible during the Salzburg Festival, from July 27 to August 29 – located in the historic old town – turning Residenzplatz into a place of silent poetry and universal encounter.