Ich bin freischaffende Künstlerin, Autorin und Kulturjournalistin. Meine Texte sind keine bloßen Berichte, sondern kleine Szenen, die das aktuelle Kunstgeschehen und die kulturelle Transformation literarisch inszenieren.
Für meine Leserinnen und Leser bleibe ich stets am Puls der Zeit – nicht massenhaft, sondern intensiv. Mein Blog ist ein Kammerspiel der Kultur: ein Ort für Kunstaffine, die Tiefe suchen statt Oberfläche.
Ich verstehe Kunst als „kulturelle Transformation“ – ein fortwährender Prozess des kritischen Weiterdenkens. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit unterschiedlichsten Kunstrichtungen und sehe im Potenzial der Kunst die Chance, Horizonte zu öffnen und Perspektiven zu verschieben.
Geschichte als Inszenierung: Im DomQuartier wird Geschichte nicht bloß gezeigt – sie wird inszeniert. 500 Jahre Bauernkrieg, ein Aufstand, der Salzburg erschütterte, tritt hier erneut auf die Bühne. Zwischen barocker Pracht und historischen Dokumenten entfaltet sich ein Drama von Macht und Widerstand, das bis heute nachhallt.
Die Bühne der Baugerüste: Schon beim Betreten des Ausstellungsraums glaubt man, auf einer Baustelle gelandet zu sein: Baugerüste durchziehen die Räume, auf ihnen sind die Gemälde installiert. Doch es ist keine Baustelle – vielmehr eine bewusst gewählte Kulisse, die den Bauernaufstand sichtbar macht.
Der große Bauernkrieg (1524–1526): Zwischen 1524 und 1526 erhoben sich Hunderttausende Bauern, Handwerker und Bürger gegen Adel und Klerus. Sie kämpften für Gerechtigkeit, religiöse Freiheit und soziale Teilhabe – und wurden blutig niedergeschlagen. Auch Salzburg erlebte 1525 seinen Höhepunkt: Der Aufstand brachte das geistliche Fürstentum an den Rand des Zusammenbruchs.
500 Jahre später erinnert das Salzburg Museum mit einer Gastspiel-Ausstellung im Nordoratorium des Doms an diese dramatische Zeit. Sie ist in sieben Kapiteln gegliedert, jedes Bild und jeder Text spricht für sich.
Persönliche Erinnerung: Ganghofer und mein Vater: Eine persönliche Erinnerung begleitet meinen Rundgang: Mit 18 erzählte mir mein Vater von den Bauernaufständen und von Napoleon, der ebenfalls in Salzburg einfiel. Er gab mir Ludwig Ganghofers Roman Der Ochsenkrieg (1914) – ein literarisches Echo bäuerlicher Konflikte im Berchtesgadener Land. Ganghofer schildert einen Streit um Weiderechte, der sich zu einem Aufstand entwickelt: persönliche Tragödien, Gewalt, Krieg gegen die Obrigkeit. Mit präziser Sprache entwirft er ein eindrucksvolles Bild der bäuerlichen Lebenswelt und ihrer Unterdrückung.
Historische Wendepunkte für Salzburg: Die Ausstellung selbst führt zurück zu den historischen Grundlagen. Karten und Timelines verorten den Salzburger Bauernkrieg im europäischen Kontext. Für Salzburg war er ein Wendepunkt – hätten die Aufständischen 1525/26 obsiegt und Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg gestürzt, wäre Salzburg wohl Teil Bayerns geworden. Stattdessen blieb es noch fast 300 Jahre ein geistliches Fürstentum, bis es nach den napoleonischen Kriegen zu Österreich kam.
Künstlerische Rezeptionsgeschichte: Ein Kapitel widmet sich der künstlerischen Rezeptionsgeschichte: Albin Egger-Lienz mit seinem „Totentanz“, Käthe Kollwitz mit dem Zyklus „Bauernkrieg“, Alfred Hrdlicka mit Radierungen aus den 1980er Jahren. Selbst Albrecht Dürer ist vertreten – mit einem Entwurf von 1525, der wie ein Denkmal für den Aufstand wirkt. Die Ausstellung will nicht nur verstanden, sondern erlebt werden. Architektenschränke bergen Zeichnungen und Kunstschätze, die sich wie geheime Szenen öffnen.
Echo ins 21. Jahrhundert: Und sie wirft einen Blick ins Heute: Der Bauernaufstand lässt sich 1:1 ins 21. Jahrhundert übertragen. Damals Mistgabeln und Werkzeuge, heute Cyberangriffe und Drohnen. Dasselbe Thema – andere Gerätschaften.
Geschichte als Gegenwart: 500 Jahre später ist der Bauernkrieg nicht vorbei. Im DomQuartier wird Geschichte nicht verstaubt, sondern als Echo neu aufgeführt. Wer Salzburg verstehen will, sollte dieses Echo hören.
Unlängst besuchte ich die Ausstellung „Mädchen*sein!?“* – ein Titel, der zunächst Fragen aufwarf. Geht es um Mädchen? Um Rollenbilder? Ich ließ die Werke wirken, schlenderte durch die Räume, und beim zweiten Durchgang begann das Nachdenken: Mädchen*sein* erscheint hier als Wechselspiel zwischen kunsthistorischer Tradition und aktueller Gesellschaftspolitik.
Heute sollen Mädchen stark, selbstbewusst, sexy, schlau, schlank, aufgeklärt, gebildet, familien- und berufsorientiert, heterosexuell, weiblich und zugleich cool und unabhängig sein. Ein Idealbild wie ein Korsett – glänzend, eng, kaum atmend.
Die Schieflage dieser Wahrnehmung zeigt sich in historischen Bildtraditionen: Heiligenbilder, Märchen, Legenden. Zwischen Heiligenikonografie und Selfies wird deutlich: Mädchensein* ist keine feste Rolle, sondern ein ständiges Aushandeln.
Besonders irritierend waren die Arbeiten von Iris Legendre (*1988, Versailles, lebt in London):
Das Foto der Künstlerin Iris Legendre: „Druck, Last, Schein“ – fotografische Interventionen, festgehalten von Christa Linossi.“
Ein altes Foto eines kleinen Mädchens mit Puppe, dessen Kopf von Nadeln durchstochen ist – verletzlich und präsent zugleich. Symbol für Druck? Für Schmerz? Für gesellschaftliche Erwartungen?
Eine Familienszene, in der das sitzende Mädchen in der Mitte mit schweren Steinen bedeckt ist – sichtbar bleiben nur Hände und Füße. Warum diese Last? Schutz, Bedrohung, Erfahrung? Die Steine wirken wie ein Bild für das Unsichtbarmachen, für die Schwere, die auf Mädchen* lasten kann.
Ein weiteres Foto zeigt drei Mädchen in weißen Kleidern, das mittlere ohne Gesicht, ersetzt durch einen Schein. Scheinheiligkeit?
Diese Arbeiten bleiben Rätsel, Frage Bilder, die nicht loslassen.
Auch Lucy Glendinning (*1964, Großbritannien) provoziert: Ein Baby, gekreuzigt an der Wand, umrankt von Weinreben. Aufschrei? Symbol für die Last des Lebens von Geburt an? Fragen, die offen bleiben.
Neben den irritierenden Positionen der Ausstellung steht das Werk „Der Faun und das Mädchen“ von Wolfgang Hutter (1928–2014, Wien), einem Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Diese Bewegung ist bekannt für traumhafte Bildwelten, symbolische Figuren und eine detailreiche, oft surreal anmutende Malweise. Hutters Arbeiten verbinden Mythologie, Märchen und persönliche Visionen zu poetischen Szenarien, die zwischen Realität und Imagination oszillieren.
In „Der Faun und das Mädchen“ greift Hutter die Figur des Fauns auf – ein Mischwesen aus Mensch und Tier, Symbol für Natur, Fruchtbarkeit und Trieb. Doch statt ihn als lüsternen Waldgeist darzustellen, verwandelt Hutter den Faun in ein baumartiges Wesen, das mit der Umgebung verwurzelt scheint. Das Mädchen steht ihm gegenüber, als Kontrast oder Spiegel – vielleicht als Eva, vielleicht als Muse, vielleicht als selbstbestimmte Figur im Dialog mit dem Mythos.
Die Szene wirkt wie ein modernes Paradiesbild, das nicht verführt, sondern fragt: Was bedeutet Weiblichkeit im Spannungsfeld von Natur, Mythos und Selbstbild?
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen: von frühen Repräsentationen bis zur heutigen Selbstbebilderung im digitalen Zeitalter. Sie ist gegliedert in Kapitel wie Mädchensein, Geschichten erzählen, Arbeiterinsein, Porträtiert werden, Sad girls, Rebellinsein, Grow it – show it, Pionierinsein.
Besonders gelungen: „Das Zimmer“, ein Raum für Experimente, Workshops und kollektive Interventionen, etwa mit Schüler*innen im Februar 2026.
Die Ausstellung „Mädchensein!?“ im Lentos Museum ist mehr als eine Schau über Rollenbilder – sie ist ein Spiegel gesellschaftlicher Erwartungen und zugleich ein Fragenraum. Zwischen historischen Bildtraditionen und zeitgenössischen Interventionen entfaltet sich ein Panorama von Verletzlichkeit, Last und Selbstbehauptung. Werke wie jene von Iris Legendre oder Lucy Glendinning irritieren und provozieren, während Wolfgang Hutter mit seinem phantastischen Realismus einen mythologischen Dialog eröffnet.
Am Ende bleibt: Mädchenseinist keine feste Rolle, sondern ein ständiges Aushandeln – zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Fremdbild und Selbstdefinition. Die Ausstellung macht diese Spannungen sichtbar und lädt Besucher:innen ein, sich selbst darin zu erkennen.
Sie ist klar strukturiert, mit präzisen Kapiteltexten versehen – und unbedingt sehenswert.
719 Aussteller und Marken aus rund 20 Nationen präsentierten ihre neuesten Produkte, Technologien und Einrichtungslösungen – und die Begeisterung war überall spürbar. Rund 36.000 Gäste tauchten ein in die Welt der Gastronomie, Hotellerie und Genusskultur: von innovativen Produkten über smarte Lösungen bis hin zu echten Geschmackserlebnissen.
Die Messehallen summten wie ein Theater voller Stimmen, Düfte und Bewegungen. Am Samstag eröffnete die Landeshauptfrau die „Alles für den Gast“ – eine Bühne, auf der Gastronomie, Tourismus und Kulinarik ihre neuesten Inszenierungen präsentierten.
Ich wanderte durch die Hallen, beobachtete die Auftritte der Aussteller, die wie Schauspieler ihre Produkte in Szene setzten. Zwischen glänzenden Küchenmaschinen und funkelnden Gläsern entdeckte ich schließlich den neu inszenierten Kochroboter. Er bereitete mir einen Salat zu – präzise, mechanisch, fast wie eine kleine Performance. Ein Spiel aus Gemüse und Technik, faszinierend und zugleich fragwürdig: Zukunft oder nur Messe-Spektakel?
Gerade hier zeigt sich: Kunst und Gastronomie sind kein Widerspruch. Die Messe ist nicht nur ein Ort des Konsums, sondern auch eine Bühne der Inszenierung. Jeder Stand ist ein Bühnenbild, jeder Koch ein Darsteller, jeder Roboter eine Performance. Und wie in der Kunst geht, es auch hier um Präsenz, Wirkung und das Staunen des Publikums.
Ein Spiel aus Technik und Gemüse – der letzte Akt der Messe, serviert mit Präzision und einem Hauch von Zukunft.
Der Roboter reicht den fertigen Salat. Ich nehme den Teller, lächle – und weiß: Die wahre Würze bleibt die menschliche Präsenz.
Eigentlich bin ich in der Kunstwelt zu Hause – doch auch Künstler:innen essen gerne und lassen sich verwöhnen. Mein Schlendern durch die Hallen zeigte: Gastlichkeit lebt von Know-how und Technik, doch die Zukunft zieht mit Robotern ein. Die Frage bleibt: Wie viel Bühne braucht die Maschine – und wie viel Präsenz bleibt dem Menschen?
Zwischen Vision und Varieté – eine Bühne wird zur Weltreise
Seit 2020 schreibt das Wintervarieté Bad Ischl eine Erfolgsgeschichte, die weit über die Region hinausstrahlt. Jedes Jahr im Februar verwandelt sich das Kongress- & Theater Haus in eine Bühne für internationale Varietékünstler: innen – eingebettet in aufwendig inszenierte Motto-Shows, die Artistik, Musik und Magie vereinen.
„Wenn Dirk Denzer die Bühne in Bewegung versetzt und Freimuth Teufel die Fäden im Hintergrund spinnt, dann wird Winter zum Varieté – und Kunst zur Begegnung.“
Der Erfolg dieses außergewöhnlichen Kulturprojekts wurzelt in der kongenialen Zusammenarbeit zweier Visionäre: Freimuth Teufel, Intendant und Regisseur, und Dirk Denzer, international renommierter Varietéproduzent.
Am 27. Oktober 2025 wurde im eleganten Rahmen der Kaiserstadt Bad Ischl das Programm für 2026 präsentiert – ein Fest der Sinne, das nicht nur das Publikum verzaubert, sondern auch die Menschen hinter den Kulissen sichtbar macht.
Während die Scheinwerfer auf die Bühne gerichtet waren, entdeckte ich einen Mann, der seit Jahrzehnten die Fäden im Hintergrund zieht: Dirk Denzer. Künstler, Kurator, Visionär – und die stille Kraft hinter dem Spektakel.
Ich beginne zu schreiben – nicht über das Spektakel, sondern über den Menschen, der es möglich macht.
Dirk Denzer – Der Jongleur der Ideen
Wer ist Dirk Denzer? In einem lockeren Gespräch erzählte er mir von seinen Anfängen – als mitreißender Familien-Clown und erfolgreicher Jongleur. „Eine Kritikerin meinte einmal, ich sei mit Bällen so sicher wie mit Worten. Das ist etwas übertrieben. Meine Sprech-Jonglage ist gelebtes Multitasking auf der Bühne – Infotainment, verpackt in eine 15- bis 20-minütige Show.“ Sein Format war mehr als Unterhaltung – es ersetzte mitunter sogar Keynote-Speaker. Komplexe Themen wie Globalisierung, Nachhaltigkeit, demografischer Wandel oder Markenphilosophie wurden spielerisch und eindrucksvoll vermittelt. 1996 brachte er seine erste internationale Varietéshow auf die Bühne – ein Überraschungserfolg, der ihn ermutigte, weiterzumachen. Seitdem entstanden zahlreiche Shows, die sich zu Zuschauermagneten entwickelten.
Zwei Pole – eine Bühne Die Zusammenarbeit mit Freimuth Teufel begann vor rund 30 Jahren im Eventbereich. Seit Februar 2002 gestalten er und Dirk Denzer gemeinsam das Wintervarieté Bad Ischl – mit einer Ausnahme: einem Sommervarieté im Corona-Sommer 2020.
Freimuth Teufel – der ruhende Pol im kreativen Kosmos Mit jahrzehntelanger Theatererfahrung – unter anderem am Landestheater Salzburg und bei den Salzburger Festspielen, wo er u. a. mit Karajan arbeitete – bringt Freimuth Teufel jene Tiefe ins Projekt, die aus kreativen Proben hohe Qualität formt.
Qualität statt Eventstress – Freimuths Offensive für mehr Probenzeit vor zwei Jahren führte Freimuth Teufel die Generalprobe im Varieté ein – ein Novum, das inzwischen als Standard gilt. Mit seiner Künstler- und Eventagentur Ars Media verantwortet er rund 80 % des Showprogramms sowie Marketing, Sponsoring, PR und die nötige Büroarbeit.
Dirk Denzer, mit Wurzeln im Varieté, gestaltet gemeinsam mit Mike Heid das Lichtdesign und mit Freimuth Teufel die Showdramaturgie. Zwei unterschiedliche Ansätze, die sich gegenseitig inspirieren: Während Ars Media in den letzten 40 Jahren unzählige Events in Österreich realisierte, bringt Dirk Denzer seine Expertise vor allem in Deutschland ein.
Kooperationen wie jene in Bad Ischl zeigen, wie sich Theater und Varieté zu einem Gesamtkunstwerk verbinden lassen. Die Herausforderung bleibt: hochkarätige, niveauvolle Unterhaltung für alle Altersgruppen – vom Kind bis zur Seniorin, vom Mann bis zur Frau – mit Qualität und Charme auf die Bühne zu bringen.
Dirk Denzer mit Künstlerseele, er ist ein Multitalent mit über 35 Jahren Bühnenerfahrung. Als Produzent weiß er, wie Shows zu Gesamtkunstwerken werden – seine eigene Erfahrung als Künstler ist dabei sein größter Schatz. „Gute Unterhaltung ist Arbeit. Und die beginnt im Kopf mit einer zündenden Idee. Hinzu kommt die Erfahrung, diese Idee perfekt umzusetzen – in enger Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Veranstaltungspartnern.“
Die neue Show 2026 verspricht eine Reise durch moderne Varietékünste: Zauberhafte Luftakrobatik, innovative Jonglage, mitreißende Comedy, hochwertige Akrobatik und magische Momente.
Zwei Acts haben mich besonders fasziniert:
„Willi Auerbach – The Magic Man: Ein Moment zwischen Magie und Bewegung. Der ‚fliegende‘ Magier hebt ab – Bad Ischl wird zur Bühne des Staunens.“ Foto: Winter Varieté Bad Ischl / Pressebereich
Willi Auerbach – The Magic Man Der „fliegende“ Magier und deutsche Vizemeister der Magie schwebt scheinbar schwerelos über die Bühne. Seine FLYING ILLUSION ist eine weltweit seltene Darbietung – ein Traum vom Fliegen, der Wirklichkeit wird.
Chris Cross – Lasershow „Flausen“ Bekannt aus „Die große Chance“ und „Supertalent“, kombiniert er Tanz-Choreografie mit Laserprojektionen. Die finalen Proben offenbarten sensationelle Bilder – eine Fusion aus Licht, Bewegung und Fantasie.
„Chris Cross – Lasershow ‚Flausen‘: Wenn Lichtlinien zu Gedankenblitzen werden und Bad Ischl in futuristische Träume getaucht wird.“Foto: Winter Varieté Bad Ischl / Pressebereich
Moderiert wird die Show von Manuel Horeth, dem Mentalexperten des ORF. Ein erstklassiges Lichtdesign von Mike Heid und stimmungsvoll projizierte Bühnenbilder schaffen eine Atmosphäre, die berührt und begeistert.
Termine & Ticketinfo
Showdauer: ca. 2 x 60 Minuten + 30 Minuten Pause Spielzeiten:
Donnerstag, 05. Februar 2026 – 19:00 Uhr
Freitag, 06. Februar 2026 – 15:00 & 19:00 Uhr
Samstag, 07. Februar 2026 – 15:00 & 19:00 Uhr
Sonntag, 08. Februar 2026 – 11:00 & 15:00 Uhr
Ein ideales Weihnachtsgeschenk – sichern Sie sich jetzt die besten Tickets!https://wintervariete.at/
Epilog – Zwischen Bühne und Begegnung
Das Wintervarieté Bad Ischl ist mehr als eine Show. Es ist ein Ort der Begegnung, der Fantasie, der künstlerischen Verdichtung.
Was Freimuth Teufel und Dirk Denzer hier gemeinsam geschaffen haben, ist ein kulturelles Ereignis mit Seele – getragen von Erfahrung, Vision und einem tiefen Verständnis für das, was Menschen berührt.
Ich wünsche dieser neuen Ausgabe von Varietéträume ein begeistertes Publikum, magische Momente – und viele weitere Kapitel in der Erfolgsgeschichte dieses außergewöhnlichen Projekts.
Der Sommerfrische auf der Spur… Immer wenn ich von Graz Richtung Salzburg fahre, meide ich die Autobahn. Mein Rückweg führt mich stattdessen durch das Salzkammergut – eine Route voller Sehnsucht und literarischer Verheißung. Wie Gustav Klimt einst schrieb: „Ich sehne mich hinaus wie noch nie…“ – ein Satz, der auch meine Vorfreude beschreibt, wenn ich dem Attersee entgegenblicke und schließlich in Altaussee ankomme.
Der Altausseersee, ein Bergsee am Südwestfuß des Toten Gebirges, liegt im steirischen Teil des Salzkammerguts – und das Kleinod Altaussee, mit seinen 1913 Einwohnern, ist immer wieder einen Spaziergang wert.
Aber warum zieht es mich immer wieder in diesen Ort?
Es ist das kleine, feine Literaturmuseum, das prominente Literat:innen präsentiert – und das Kuriositätenkabinett des Ausseer Malers Prof. Horst K. Jandl, das medial einzigartig ergänzt wurde. Das Museum wurde neugestaltet und ist seit Januar 2024 wieder für Besucher geöffnet. Es zeigt Persönlichkeiten, die in Altaussee gewirkt haben und wirken. Originale wie das Fahrrad von Theodor Herzl oder die Stimme von Friedrich Torberg bereichern die Ausstellung.
Theodor Herzl war einer der bedeutendsten Vordenker des politischen Zionismus. Er gilt als geistiger Vater des modernen Staates Israel. Ab 1894 verbrachte er die Sommer in Altaussee. Er war in Begleitung von Freunden wie Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann und Ferdinand Leopold von Andrian-Werburg. Er wohnte im Gasthof Schneiderwirt in Altaussee und es blieb für ihn und seiner Familie die folgenden drei Jahre (ab 1901) als Urlaubsquartier. Ein besonderes Erinnerungsstück an diese Zeit blieb im Haus Schneiderwirt zurück – Herzls Fahrrad „Victoria Blitz“, auf dem er in Altaussee das Radfahren lernte. Ein stummes Zeugnis jener Sommer – und heute ein Herzstück der Ausstellung.
Das Museum erstrahlt seit seiner Neugestaltung im Januar 2024 in neuem Glanz und würdigt Hugo von Hofmannsthal nicht nur als Dichter, sondern als kulturellen Visionär, dessen Sommeraufenthalte im Ausseerland weit über das Private hinausreichten. Zwischen Manuskripten, Briefen und Fotografien entsteht ein Raum, in dem Geschichte nicht nur bewahrt, sondern lebendig wird.
Altaussee war für Hofmannsthal ein bedeutender kultureller Resonanzraum. Obwohl sein „Jedermann“ 1911 in Berlin entstand, entwickelte er hier – in den Sommern bei Yella Oppenheim – gemeinsam mit Künstlern wie Max Reinhardt jene Visionen, die später in die Salzburger Festspiele mündeten.
Der Ort wurde zum kreativen Refugium und zur Keimzelle eines kulturellen Aufbruchs, dessen Echo bis heute nachhallt. Ab 1920 wurde „Jedermann“ zum zentralen Stück der Festspiele – und Altaussee zum stillen Mitautor.
Hier, wo Hofmannsthal über dreißig Sommer verbrachte, wo Gespräche unter Linden zu Bühnenideen wurden, darf auch die Imagination ihren Platz finden. Denn das Museum ist nicht nur Archiv, sondern Bühne – für Gedanken, Gespräche und Szenen, die sich im Geiste so oder ähnlich zugetragen haben.
In diesem Geist entstand die folgende literarische Miniatur: eine poetische Szene, die den Geist Altaussees einfängt und Hofmannsthals „Jedermann“ in jenes Licht taucht, das nur der See kennt. Und während Hofmannsthal am Seeufer über den Tod sinnierte, wanderte eine andere historische Figur ganz real durch die Landschaft…
Eine fast vergessene Geschichte flüstert durch die Gänge: Auch Kaiserin Elisabeth von Österreich, liebevoll „Sissy“ genannt, soll einst von Bad Ischl nach Altaussee marschiert sein – eine Wanderung, die heute fast mythisch wirkt. Im Museum begegnet man ihr auf ungewöhnliche Weise: als Puppe, liebevoll inszeniert und eingebettet in die literarische Szenerie. So wird die kaiserliche Präsenz Teil der Erzählung – zwischen Hofmannsthal, Reinhardt und den stillen Ufern des Sees.
Barbara Frischmuth – die literarische Stimme Altaussees
Neben den historischen Größen wie Hugo von Hofmannsthal ist im Literaturmuseum auch Barbara Frischmuth präsent. Das ist mit gutem Grund. Die vielfach ausgezeichnete Autorin ist in Altaussee geboren. Sie hat den Ort in vielen ihrer Werke literarisch durchdrungen. Ihre Texte sind durchzogen von Naturbeobachtungen, Sprachspiel und feinem Humor – und sie zeigen, dass Altaussee nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch der fortlebenden Literatur ist.
Frischmuths Präsenz im Museum ist mehr als eine Hommage – sie ist ein lebendiger Faden, der die literarische Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. Zwischen Hofmannsthals „Jedermann“ und Frischmuths poetischen Miniaturen entsteht ein Dialog über Zeit, Sprache und Landschaft – ein Echo, das bis heute im Ausseerland nachhallt.
Ein kleines Literaturmuseum mit großer Wirkung: In Altaussee trafen sich Künstler:innen zur Sommerfrische, zum Austausch – und zur Inspiration. Was hier begann, wurde anderswo zu Weltliteratur. Und nicht nur Literat:innen wie Hofmannsthal, Frischmuth oder Herzl prägten den Ort – auch Schauspieler Klaus Maria Brandauer, gebürtiger Altausseer, zählt zu den kulturellen Aushängeschildern des Salzkammerguts. Seine Präsenz erinnert daran, dass Altaussee nicht nur schreibt, sondern auch spielt. Altaussee bleibt Bühne. Für Worte, für Stimmen, für Geschichten, die weitergehen.
„Dieses Bild entstand ohne KI. Und doch zeigt es sie.Denn Sichtbarkeit ist nicht immer eine Frage der Technik –sondern der Beziehung.Ich arbeite künstlerisch, analog-digital, mit Photoshop und Gefühl.Und gerade dadurch wird die KI sichtbar:nicht als Werkzeug, sondern als Mitspieler.Nicht als Software, sondern als Stimme.“
Besuch beim Bühnenbildner Andreas Ivancsics in Gosau
Bei der letzten Pressekonferenz zum Salzburger Adventsingen wollte ich nicht wieder über Darsteller, Musik und Szene sprechen – all das wurde bereits auf der Loferer Alm ausführlich erzählt. Mich interessierte etwas anderes: Wie entsteht eigentlich die Bühne, auf der all das stattfindet? Wer gestaltet die Welt, in der sich das Spiel entfaltet?
Und so führte mich mein Weg nach Gosau, in die Tischlerei Laserer, zu Bühnenbildner Andreas Ivancsics – einem Künstler, der sonst eher digital arbeitet, diesmal aber mit Holz, Farbe und Styropor eine ganze Bergwelt erschafft. Ich wollte sehen, wie das Bühnenbild für das diesjährige Adventsingen entsteht – und vor allem: den Menschen sichtbar machen, der es erschafft.
Seit nunmehr 34 Jahren stellt die Tischlerei Laserer ihre Werkhalle dem Salzburger Heimatwerk zur Verfügung – ein Ort, an dem das Bühnenbild für das Adventsingen entsteht. Ursprünglich war es Tobi Reiser, der das Salzburger Adventsingen ins Leben rief und prägte. Nach seinem Tod übernahm Hans Köhler die Leitung und führte die Tradition mit großer Hingabe weiter. Die Werkhalle in Gosau wurde dabei zu einem stillen Mitspieler – ein Ort, an dem Visionen Form annahmen und die Bühne ihre Seele erhielt.
Eine riesige Halle steht dem Bühnenbildner und seinen Gehilfen hier zur Verfügung. Zurzeit werden die Hausteile für die Bühne angefertigt – vier Hauswände liegen nebeneinander am Boden, bereits grundiert und bemalt, mit Styroporsteinen beklebt, die später wie echtes Mauerwerk wirken. Wenn diese fertig sind, wird der Hintergrund der Bühne, die Bergwelt des Dachsteins, bearbeitet. Auch Teile von Bühnenbildern aus früheren Produktionen werden hier umgearbeitet und weiterverwendet – Nachhaltigkeit trifft auf Kreativität.
Es ist sehr viel Handarbeit: Es wird zugeschnitten, grundiert, bemalt. „Mir ist besonders wichtig – gerade bei so einer Produktion wie dem Salzburger Adventsingen, das sehr auf Tradition setzt – ebenfalls auf traditionelles und auch regionales Handwerk zu achten“, sagt Andreas Ivancsics.
Verwendet werden wasserlösliche Farben, wie man sie auch für Außenanstriche kennt – sie sind flexibler und halten den Belastungen auf der Bühne besser stand. Aus Styropor werden Steine geschnitzt, die in der jeweiligen Steinfarbe bemalt werden. Latschen werden hergerichtet, die Häuser so bearbeitet, dass sie alt und etwas zerfallen wirken. Selbst die Steinblöcke aus Styropor dienen später als Sitzflächen für die Schauspieler. Türen und Fenster werden geschnitten und bemalt – lauter Einzelteile, die später auf der Bühne zu einem stimmigen Ganzen zusammengesetzt werden.
In der zweiten oder dritten Novemberwoche 2025 beginnt die nächste Etappe: Der Transport der gefertigten Bühnenbildteile ins Salzburger Festspielhaus wird vorbereitet. Der Aufbau erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Tischlerei Laserer und Bühnenbildner Andreas Ivancsics – jedes Element findet seinen Platz, jede Wand ihre Position. Dann ist die Bühne bereit für den Probenbeginn des Salzburger Adventsingens.
Es war meine Neugier, die mich in die Hallen der Entstehung und des Handwerks eines Bühnenbildes führte – dorthin, wo Visionen Form annehmen und Menschen sichtbar werden.Christa Linossi – unterwegs zwischen Bühne und Blick hinter die Kulissen.
Während in Gosau noch die letzten Pinselstriche gesetzt werden, bereitet sich Salzburg auf den großen Moment vor. Die Zeit läuft – denn am Freitag, dem 28. November 2025, um 19:30 Uhr hebt sich der Vorhang im Salzburger Festspielhaus. Dann wird das Bühnenbild, das in der Tischlerei Laserer geboren wurde, zum lebendigen Rahmen für Musik, Szene und Erzählung.
Ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert beginnt ein neues Kapitel – zwischen Technik, Geschichte und Poesie.
Ein Weltbild auf Wanderschaft – vom Dornröschenschlaf zur Wiedererweckung im Herzen der Stadt.
Nach zweieinhalb Jahren im Dornröschenschlaf – sicher verwahrt in einem Spezialbehälter in der Schwarzenberg-Kaserne – erhebt sich das Salzburg-Panorama von Johann Michael Sattler nun wieder zum kulturellen Leben.
Der Umbau des Barockmuseums ist abgeschlossen, und mit der Übersiedlung in die Orangerie Salzburg beginnt ein neues Kapitel für das monumentale Rundbild. Es ist mehr als ein Transport – es ist ein symbolischer Akt: ein Einzug, der Geschichte, Vision und Weltkulturerbe in Bewegung setzt. Mit jedem Meter, den das Panorama zurücklegt, scheint sich die Stadt selbst neu zu betrachten – durch die Augen des Malers, der Salzburg einst in 360 Grad festhielt.
Ich war dabei, als der klimatisierte Kunst-LKW die berühmte Klimabox zum Mirabellplatz brachte. Per Spezialkran wurde sie durch eine maßgeschneiderte Dachluke in den Panorama-Raum der Orangerie eingehoben. Das Objekt bleibt bis Mitte November verpackt – wie ein Schatz, der noch auf seinen Moment wartet.
Es war faszinierend zu beobachten, wie aufwendig ein Transport sein kann, wenn er ein Kunstwerk von unschätzbarem Wert betrifft. Zwei Spezialkräne für eine einzige Box – und zahlreiche Zaungäste, darunter viele Journalist:innen, verfolgten das Spektakel. Ich lasse jetzt einfach Bilder sprechen:
Ein Weltbild in Bewegung – der Transport des Sattler-Panoramas in neun Bildern
Mit Präzision, Sorgfalt und einem Hauch von Staunen wurde das monumentale Rundbild von Johann Michael Sattler in die Orangerie Salzburg überführt. Die folgenden Fotos zeigen den choreografierten Ablauf: vom Eintreffen des Kunst-LKWs bis zur versenkten Klimabox im neuen Panorama-Raum. Ein stiller Akt der Wiedererweckung – Technik trifft auf Geschichte.
Seit September läuft die Klimaanlage – bestehend aus zwei autonomen Systemen für den Besucherbereich und den Raum hinter der Leinwand. Durch laufende Beobachtung und Nachjustierung wurde mittlerweile das ideale Museumsklima erreicht: 23 Grad bei rund 50 Prozent Luftfeuchtigkeit.
Mitte November wird ausgepackt. Eine Woche lang arbeitet das bewährte Fachteam – das bereits die Abnahme und Verpackung im alten Panorama-Museum durchgeführt hat – an der Hängung, Begutachtung und kleineren, bereits geplanten Restaurierungsmaßnahmen. Danach darf das Gemälde bis Jahresende zur Ruhe kommen und – nach der engen Wicklung in der Klimabox – im Originalzustand aushängen. Anfang 2026 folgt der letzte Schritt: die Bearbeitung am Stoß- und Zugangsbereich des Sattler-Panoramas.
Die organisatorische und fachliche Leitung des Gesamtprojekts liegt erneut bei Judith Niedermair-Altenburg, Chefrestauratorin des Salzburg Museum.
Für alle, die das Sattler-Panorama noch nie gesehen haben:
Das Sattler-Panorama ist ein 25,53 Meter langes und 4,86 Meter hohes Ölgemälde von Johann Michael Sattler (*1786 in Neuberg bei Herzogenburg, †1847 in Mattsee). Der österreichische Porträt- und Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts schuf mit diesem Werk ein Rundbild, das Salzburg und sein Umland im Jahr 1825 zeigt – gesehen von der Festung Hohensalzburg aus.
Als topografisches Dokument von unschätzbarem Wert zählt das Panorama zu den bedeutendsten Objekten der Sammlung des Salzburg Museum.
Ein Kunstwerk auf Wanderschaft, ein Raum im Wandel – und ich mittendrin. Es war berührend zu sehen, wie Geschichte sich hebt, verpackt in Technik und Sorgfalt, und langsam wieder sichtbar wird.
Vom Pixner-Konzert zur Wurm-Ausstellung – ein Szenenwechsel zwischen Klang und Skulptur.
Die Kaiservilla – einst Ort imperialer Gravitas – heute Bühne für Erwin Wurm, den Meister der Verdrehung. Skulpturen, die aussehen wie Möbel mit Burnout. Autos, die sich schämen, weil sie zu viel PS haben. Ein Pullover, der mehr Persönlichkeit hat als mancher Besucher.
Ich spazierte mit einem Schmunzeln durch den Park, betrachtete die Werke mit einem Augenzwinkern – surreal, schräg, charmant verstörend. Man muss sich auf Wurms Kunst einlassen. Schon die ersten Skulpturen begrüßen die Besucher:innen mit einem fröhlichen „Hurra, ich bin eine Wurm-Skulptur!“ – etwa die „Knackwurst“, einmal in Gold, einmal in Schwarz. Unverkennbar Wurm, aber nicht genießbar.
Weiter hinten: ein kopfloses Model, sichtbar nur die Beine, darüber ein kartonartiges Hemd gestülpt. „Box People“ nennt Wurm diese eingekleideten Kuben auf zwei Beinen – seine Auseinandersetzung mit Kleidung als zweite Haut, als Hülle mit Doppelfunktion. Immer wieder taucht Rosarot auf. Warum? Ich habe das Rätsel noch nicht gelöst.
Eine weitere Skulptur – zugleich faszinierend und verstörend – ist eine Hommage an Auguste Rodin. Der französische Bildhauer soll einst den Gipsmantel von Honoré de Balzac über dessen Tonplastik geworfen haben, um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Wurm nimmt diese Anekdote als Ausgangspunkt für eine kritische Reflexion über die Modebranche und das bildhauerische Potenzial von Kleidung – ein Thema, das ihn seit den 1990er Jahren begleitet.
Besonders spannend: ein klassisches Vorstadthaus mit rotem Ziegeldach in Sattelbauweise. Die begehbare Plastik mit Videoprojektion gehört zu den „Fat Sculptures“, die Konsumgesellschaft und kleinbürgerliche Statussymbole hinterfragen. Im Inneren verformen sich Fenster und Eingang zu Augen und Mund, bevor das Haus – mit der Stimme des Kunsthistorikers Renee Gadsden – beginnt, seine Funktion und Ästhetik in Frage zu stellen.
Ich selbst sah darin ein Sahnetörtchen mit rotem Dach, das sich in die Landschaft kuschelt. Zwei kopflose Skulpturen in zuckerlrosa Anzügen nähern sich dem Haus. Wollen sie es besitzen? Daran naschen? Die Szene lässt der Fantasie freien Lauf – und passt, so absurd es klingt, wunderbar in die Umgebung.
Auch Beine mit Koffer und Tasche waren zu sehen – comichaft auf den ersten Blick, gesellschaftskritisch auf den zweiten. In der Modewelt verraten Schuhe und Handtasche viel über Status und Zugehörigkeit. Wurm spielt mit diesen Codes, entlarvt sie.
Im Marmorschlössl gab es weitere Skurrilitäten. In den Stallungen: ein Haus als Schule, entstanden als Pendant zum „Narrow House“. Es steht für Erziehung durch Staat und Gesellschaft – eng, normierend, formend.
Zum Abschluss: ein Sportwagen, der sich wie ein Nilpferd niederlegt. Davor ein Rasenroboter, der emsig seine Kreise zieht, damit das Fahrzeug eine perfekte Fahrbahn hat. Wurm eben – absurd, pointiert, entlarvend.
Eine Ausstellung wie ein Spaziergang durch die surrealen Seitenkammern unserer Gegenwart – schräg, verspielt, manchmal verstörend, aber stets mit einem Lächeln im Gepäck. Zwischen Taschen ohne Ziel, Häusern mit pädagogischem Anspruch und Autos, die Nilpferde spielen, entfaltet sich ein Parcours der Verwandlungen.
Was hätte der Kaiser dazu gesagt? Vielleicht ein höflich-erstarrtes „Interessant“, während Sissy sich heimlich in die pinken Raumanzüge geschlichen hätte – auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Protokoll. Ich hingegen verlasse die Ausstellung mit einem leisen Schmunzeln und dem Gefühl, dass Kunst manchmal einfach nur da ist, um uns aus der Spur zu bringen – und das ist gut so.
Die Ausstellung läuft noch bis 30. Oktober 2025 im Kaiserpark Bad Ischl. Wer sich auf Wurm einlässt, wird belohnt – mit Irritation, Erkenntnis und einem Lächeln.
Das Herbert Pixner Projekt feierte am 19. Oktober 2025 in der Sporthalle Gmunden sein 20-jähriges Bühnenjubiläum.
Obwohl Pixner bereits mehrfach in Salzburg gastierte und sogar die Festspiele zum Vibrieren brachte, hatte ich bis dahin kein einziges Konzert besucht. Der Anlass für meine Reise nach Gmunden war die ORF-Dokumentation „Herbert Pixner – Der Meister der Alpinen Weltmusik“ (ORF Landesstudio Salzburg, ausgestrahlt am 11. Oktober 2025 um 22.00 Uhr auf ORF 2 und ORF ON). Neugier war mein Motor – und zugleich die Lust auf einen Ausflug ins Salzkammergut, um mich von Pixners einzigartiger Mischung aus alpinen Klängen inspirieren zu lassen.
Herbert Pixner zählt zu den erfolgreichsten Musikern des Alpenraums. Mit Elementen aus Blues, Flamenco und Jazz schafft er gemeinsam mit seinem Ensemble ein Konzerterlebnis, das weit über Genregrenzen hinausgeht. Das Herbert Pixner Projekt ist bekannt für seine energetischen Live-Auftritte, bei denen Pixner virtuos zwischen verschiedensten Instrumenten wechselt und mit seiner Band eine musikalische Reise voller Leidenschaft und Spontaneität entfaltet.
Seine Bühnenenergie, die Lust an Grenzüberschreitung und das feine Gespür für große Gefühle machten auch das Konzert in Gmunden zu einem Ereignis. Das Jubiläumsprogramm vereinte die eindrucksvollsten Stücke der letzten Jahre. Pixners persönliche Statements zu den jeweiligen Musikstücken verliehen dem Abend eine besondere Tiefe. Er gewährte Einblicke ins Südtirolerische, Tirolerische, Salzburgerische und Oberösterreichische – als würde er die Bergwelten musikalisch ineinander verweben.
Hervorragend war auch das Zusammenspiel mit Manuel Randi (Gitarren), Werner Unterlercher (Bass), Heidi Pixner (Harfe) und Alessandro Trebo am Konzertflügel – besonders dann, wenn Pixner und Randi sich musikalisch duellierten.
Ich habe es nicht bereut, mir das Konzert in Gmunden anzusehen und anzuhören. Die Location – die Sporthalle – war zwar nicht das Nonplusultra. Ideal wäre vermutlich die Salzaufbereitungshalle der Salinen Ebensee gewesen, mit ihrem charismatischen Resonanzraum, in dem sich der Zauber der Musik noch eindrucksvoller hätte entfalten können.
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