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Über Christa Linossi

Ich bin freischaffende Künstlerin, Autorin und Kulturjournalistin. Meine Texte sind keine bloßen Berichte, sondern kleine Szenen, die das aktuelle Kunstgeschehen und die kulturelle Transformation literarisch inszenieren. Für meine Leserinnen und Leser bleibe ich stets am Puls der Zeit – nicht massenhaft, sondern intensiv. Mein Blog ist ein Kammerspiel der Kultur: ein Ort für Kunstaffine, die Tiefe suchen statt Oberfläche. Ich verstehe Kunst als „kulturelle Transformation“ – ein fortwährender Prozess des kritischen Weiterdenkens. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit unterschiedlichsten Kunstrichtungen und sehe im Potenzial der Kunst die Chance, Horizonte zu öffnen und Perspektiven zu verschieben.

When the psyche collapses!

experimental photo work by © Christa Linossi 2024 – From the series “ Psyche“              

My new work is dedicated to the human psyche in the 21st century. More and more people are becoming mentally ill. When the psyche collapses! What to do? Depression, alcoholism, bipolar disorder and schizophrenia are among the most common illnesses worldwide. They can be accompanied by changes in perception, thinking, feeling or even self-image (self-perception)…

Motoi Yamamoto

im SUDHAUS Bad Ischl zum Thema KUNST MIT SALZ UND WASSER

Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi

Das SUDHAUS ist die zentrale Kunstausstellung der Kulturhauptstadt. Ein breites Themenspektrum, eingeleitet durch Dokumente der Regionalgeschichte, wird mit internationaler und überregionaler Beteiligung renommierter Künstler präsentiert.

Man nannte es das „weiße Gold“: Salz prägte die gesamte Region des Salzkammergutes. Bis heute ist es ein wichtiges Handelsgut, das manchen zu Wohlstand und anderen zu Reichtum verhalf.

Einer der zahlreichen internationalen Künstler, die für ein Projekt nach Bad Ischl eingeladen wurden, ist Motoi Yamamoto ein japanischer Künstler, der mit seinem Kunstwerk im SUDHAUS Bad Ischl Salzkammergut 2024 vertreten ist. Er wurde 1966 in Onomichi in der Provinz Hiroshima geboren. 1995 schloss er sein Studium am Kanazawa College of Art ab. Zurzeit wohnt er in Kanazawa, Präfektur Ishikawa.

Seine Arbeit im SUDHAUS Bad Ischl ist sehr interessant. Er arbeitet mit Salz und verwendet eine Art grafisches Muster. Man muss diese Art von Kunst auf sich wirken lassen. Im Hintergrund sieht man eine Art Berglandschaft in Weiß, sind das Berge mit Schnee oder Gletscher? Nein, das ist Salz. Es ist in Form eines Berges dargestellt. Es erstreckt sich in einer Art Labyrinth über die gesamte Fläche.  Salz ist seit jeher eng mit dem Leben der Menschen in Ost und West verbunden. In Japan ist Salz ein unverzichtbarer Bestandteil von Bräuchen wie Beerdigungen.

Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi
Ausschnitt der Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich Yamamoto nur mit einem einzigen Material – nämlich mit Salz.

Mit dem weißen Mineral, das wie Tinte aus einer Feder aus einem kleinen Fläschchen fließt, zeichnet der Künstler gegen das Vergessen wertvoller Erinnerungen an seine jüngere Schwester, die 1994 im Alter von 24 Jahren starb. Die Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen, sind nicht an Fotos oder Texte gebunden, sondern an das weiße Salz, das in Japan wegen seiner Reinheit verehrt wird.

Salt-Lake-City-Motoi-Yamamoto_©-Mitchell-Kearney (1)

Statement von Motoi Yamamoto: „Zur Reinigung und Entschlackung mache ich Salzinstallationen und schaffe weiterhin Erinnerungen an meine Familie, die ich nicht vergessen möchte, um den Kern meiner Erinnerungen wieder tief in mir zu spüren. Ich brauche einige Tage bis mehrere Wochen, um diese riesigen Muster auf den Boden zu zeichnen. Am letzten Tag der Ausstellung zerstöre ich gemeinsam mit den Besuchern die Arbeit und bringe das Salz zurück ins Meer.

Auf dem Boden ergießt sich das Salz buchstäblich in großen, labyrinthischen Strukturen. Beim Zeichnen dieser komplexen Strukturen begibt sich Yamamoto auf eine Reise durch seine eigene Erinnerung, deren endgültige Form sowohl von Yamamotos geistiger und körperlicher Verfassung als auch von der Beschaffenheit des Bodens oder der Luftfeuchtigkeit am Ausstellungsort beeinflusst wird.

Viele seiner Werke sind Installationen. Sie bestehen aus riesigen, mit Salz gezeichneten Mustern. Er verbringt viele Stunden damit, auf den Boden zu zeichnen, vielleicht um seine Erinnerungen festzuhalten, die mit der Zeit verblassen. Seine Arbeit ist eine Art Selbstverteidigung gegen das Vergessen, und auf der Suche nach einer überzeugenden Form der Akzeptanz, um die Trennung zu verarbeiten, ist diese Art von Kunst für ihn genau das Richtige.

Ein weiterer interessanter Aspekt könnte am Ende der Ausstellung – die Ausstellung ist noch bis 30. Oktober 2024 im Sudhaus in Bad Ischl zu sehen – sein, wenn er vielleicht in Bad Ischl auftritt. Am letzten Ausstellungstag könnte er gemeinsam mit den Besuchern das Werk zerstören und das Salz dem Naturkreislauf (ins Meer) zurückgeben. Diese Art des Abschlusses praktiziert er immer wieder in vielen seiner großen Ausstellungen.

Prädikat: SEHENSWERT

SICHTWEISE!

Am Samstag, den 20. Januar 2024 wurde die KULTURHAUPTSTADT SALZKAMMERGUT 2024 feierlich eröffnet – ganz ohne Wow-Effekt.

Die OPENING CEREMONY begann um 17:00 Uhr mit dem Einzug der Lichtmenschen“ (choreographiert von Isa Stein) auf die große Bühne. Sie stehen symbolisch für die 23 Gemeinden der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024.

Die Eröffnungsreden bildeten den Auftakt der Veranstaltung: Der Melina-Mercuri-Preis wurde von Martin Selmayr (Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien) an Bürgermeisterin Schiller und MEP Hannes Heide verliehen. Vizekanzler und Bundesminister für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport Werner Kogler sowie Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und die Landeshauptmänner Thomas Stelzer (OÖ) und Christopher Drexler (Stmk) gaben ihre Statements zur Kulturhauptstadt ab.

Die Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 wurde von Dr. Elisabeth Schweeger (künstlerische Leitung) eröffnet und nicht wie im Jahresprogramm angekündigt: Eröffnung durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen! Auch dies lässt aufhorchen und wurde nicht begründet.

Salzkammergut 2024 Kulturhauptstadt Europas

Dann hieß es: Bühne frei für die Kunst! Hubert von Goisern und der Chor der 1000 Stimmen verschmelzen im Einklang mit Kirchenglocken und Hubert von Goisern jodelt einmal solo und dann wieder mit den 1000 Chorstimmen zusammen. Eine eigentümliche Mischung aus traditionellem und modernem Klangmaterial wird zusammengeführt, aber ist nicht wirklich weltbewegend.

Salzkammergut 2024 Kulturhauptstadt Europas

Dann kam Tom Neuwirth alias Conchita Wurst, (auch hier kann ich nicht sagen, dass es umwerfend war.) Aber es war gut zu hören, wie Tom Neuwirth sagte, dass bei den bevorstehenden Wahlen die Menschlichkeit nicht vergessen werden dürfe.

Conchita 59 © Henrieke Iring, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Die Modeschule Ebensee hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine Neuinterpretation der Tracht – und zwar aus weißem Papier. Schade, manche Modelle sahen ganz gut aus, aber es fehlte die Farbenvielfalt oder wurde bewusst weiß gewählt, wegen des Salzes?

Modeschule Ebensee 54 © Henrieke Iring, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Als letzte Performance trat die Choreografin Doris Uhlich mit ihrem Ensemble „Pudertanz“ auf. Sie tanzte mit ihrem Ensemble (4 Männer und 4 Frauen) nackt auf der Bühne.  Körper, die in Puderwolken tanzen, Wellen schlagen, vibrieren, ihr Fett tanzen lassen. Sie feiern die Vielfalt des Körpers und die individuelle Schönheit. Für mich war es ein absolutes No-Go. Warum war es für mich ein No Go? Weil ich der Meinung bin, dass das nicht zu einem Kulturhauptstadtfestival im Rahmen einer Eröffnung passt. Ich bin mir sicher, dass es eine Provokation der Choreografin war.

Doris Uhlich & Ensemble (4) @ Daniel Mayer, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Die Eröffnungsfeier war etwas holprig. Ich bin mir sicher, dass ich die Projekte, die über das ganze Jahr 2024 verteilt sind, kritisch hinterfragen werde.

Ein Projekt habe ich bereits am Eröffnungstag im SUDHAUS gesehen: Es ist die Arbeit des japanischen Künstlers Motoi Yamamoto, der sich schon sehr lange mit dem Thema SALZ auseinandersetzt. Weil ich finde, dass diese Art von Kunst eine Tiefenwirkung hat, widme ich einen eigenen Bericht.

SUDHAUS Bad Ischl / Motoi-Yamamoto /Foto: ©-Christa Linossi

DER COUNTOWN LÄUFT!

Der Startschuss für die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 ist gefallen. Ein Jodler für die Welt!

© Titelbild Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Bad Ischl

Am Samstag, 20. Jänner 2024 wird die erste Kulturhauptstadt Europas im ländlichen Alpenraum eröffnet: Bad Ischl Salzkammergut 2024!

Zum ersten Mal in der Geschichte findet die Kulturhauptstadt 2024 in einer inneralpinen, ländlich geprägten Region statt. Die Bannerstadt Bad Ischl und 22 weitere Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark entwickeln eine Kulturregion, die sich neu erfindet: Kunst, Kultur, Wirtschaft und Tourismus werden zusammengeführt.

Die ganze Stadt – und die ganze Region – wird zur Bühne!

Am Samstag, 20. Jänner 2024 ab 11 Uhr wird in der Fahnenstadt Bad Ischl und der ganzen Region mit Hubert von Goisern und dem Chor der 1000, Tom Neuwirth aka Conchita Wurst, Doris Uhlich und dem Gastspiel der Komischen Oper Berlin mit der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Straus (Regie: Barrie Kosky) gefeiert und getanzt. Zahlreiche Kunstperformances und Installationen u.a. von Katharina Cibulka, Ruth Schnell | Martin Kusch, Camo & Krooked, die erste Club Night des New Salt Festivals, ein Konzert hosted by Anton Bruckner 2024 und viele weitere Veranstaltungen sind bei freiem Eintritt zu erleben.

Die zentrale Ausstellung „sudhaus – kunst mit salz & wasser“, kuratiert von Gottfried Hattinger, wird bereits am Nachmittag eröffnet.

Die Eröffnungsfeierlichkeiten enden am Sonntag, den 21. Januar 2024 mit einem Katerfrühstück, dem ersten Weltsalon „Europa im Umbruch“ mit Aleida Assmann, Nava Ebrahimi und Fiston Mwanza Mujila mit Herfried Münkler und dem „Großen Welt-Raum-Weg“.

Hier finden Sie einen Link zu einem kurzen Überblick über das Programm der Eröffnungsveranstaltung. Openingfolder_KHS_2024_Bad_Ischl_20-21-01-2024.pdf (salzkammergut-2024.at)

Ich werde wieder am Puls der Zeit sein. Ich werde für SIE über die verschiedensten Projekte der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 berichten.

In der Möglichkeit der ständigen kritischen Reflexion liegt für mich das Potential der Kunst.

Dancing on the blue volcano or on the blue planet Earth?

experimental photo work by © Christa Linossi 2023 – From the series „Dreams“

Tanz auf dem blauen Vulkan? Warum blauer Vulkan? Ich würde den Vulkan auch Erde nennen. Die Erde ist doch der blaue Planet, oder? Wir Frauen tanzen immer

auf diesem Vulkan oder auf dieser Erde. Wir haben Fortschritte gemacht, aber noch nicht genug. Die Gewalt hat im Jahr 2023 zugenommen, wie soll es weitergehen, wo ist die Harmonie, wo ist der Frieden, den wir uns so sehr wünschen?

The year 2023 is already drawing to a close.

Das Jahr 2023 neigt sich schon wieder dem Ende zu.

Ein spannendes, abwechslungsreiches, schönes Jahr mit vielen interessanten Themen, Diskussionen und Neuigkeiten neigt sich dem Ende zu. Höchste Zeit also, sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu nehmen: Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr 2024.

„Fürchte dich nicht!“ – Gedanken zum Salzburger Adventsingen 2023

Großes Festspielhaus Salzburg, Salzburger Adventsingen 2023 „Fürchtet euch nicht!“ Foto: © Christa Linossi

Ist Ihnen die Zeit auch zu schnell vergangen?  Anfang November hatten wir noch Temperaturen um die 25 Grad. Seit ein paar Tagen hat der Winter mit Väterchen Frost Einzug gehalten und wir befinden uns schon wieder in der Adventszeit. Die Christkindlmärkte haben wieder ihre Pforten geöffnet und laden zum gemütlichen Beisammensein an den verschiedenen Glühweinständen ein.

Das beliebte „Salzburger Adventsingen“ findet wieder im Großen Festspielhaus in Salzburg statt. Das diesjährige Adventsingen steht unter dem Motto „Fürchte dich nicht! Die Sehnsucht des Menschen, frei von Angst zu sein, ist ein Urmotiv. Es ist auch ein Motiv, das tief in der jüdisch-christlichen Tradition unserer Region verankert ist. Es ist auch die erste Botschaft der Engel an die Hirten von Bethlehem: „Fürchtet euch nicht! So erzählt es uns die Weihnachtsgeschichte, wie sie uns der Evangelist Lukas überliefert hat.

Es ist auch ein Salzburger Adventsingen mit neuen Denkanstößen. Es trägt in sich die ungebrochene Kraft der Hoffnung auf Frieden unter den Menschen auch in unruhigen Zeiten. Mit Kompositionen aus der Feder von Shane Woodborne, Musik von Tobi Reiser und vielen Schätzen alpenländischer Volksmusik.

g.o.v.li n. re. Gerda Gratzer (Schauspielregie), Brigitte Schiebler (Kostüme), Shane Woodborne (Musik), Dietmar Solt (Bühnenbild), Hans Köhl (Gesamtleitung) 2.Reihe Mitte Schauspielerin Marcella Wieland (Anna), Schauspielerin Eva Schinwald (Maria), 3. Reihe unten, Schauspieler Edwin Hochmuth (Rabbi Jakob) und last not least Dirigat Herbert Böck/ Foto: © Christa Linossi

Ich möchte aber auch eine Person hervorheben, die für das Bühnenbild verantwortlich ist. Sie sorgt dafür, dass das Adventssingen auch sehr stimmig ist und dass das Publikum in die Aufführung mit einbezogen wird.

Salzburger Adventsingen 2023 in Großen Festspielhaus Salzburg „Fürchte dich nicht“ Bühnenübersicht Foto: Franz Neumayr 24.11.2023 Probenfoto

Seit 2001 gestaltet der Bühnenbildner Dietmar Solt mit einem bewährten Team das Bühnenbild und die Lichtprojektionen des Salzburger Adventsingens im Großen Festspielhaus. Ihm steht nur die kleine Bühne im Orchestergraben zur Verfügung. Die große Bühne befindet sich hinter dem Eisernen Vorhang. Diese Bühne ist 40 Meter breit und wird links und rechts von den jeweils 10 Meter breiten Chorgassen begrenzt. Doch als versierter Bühnenbildner lässt er seine internationale Erfahrung, in die jährlich neu zu gestaltende Bühne für das Adventsingen einfließen.

Das „Salzburger Adventsingen“ im Großen Festspielhaus ist in seiner schlichten, aber tiefgründigen Darstellung des Adventsgeschehens einzigartig und Vorbild für viele Adventsingen im gesamten deutschsprachigen Raum.

Das Salzburger Adventsingen 2023 findet bis zum 17. Dezember 2023 im Großen Festspielhaus Salzburg statt. Die Aufführungen finden an den drei Adventwochenenden statt.

https://shop.salzburgeradventsingen.at/webshop/webticket/eventlist

ORF-AUSSTRAHLUNG
Der ORF wird heuer zum zweiten Mal das Salzburger Adventsingen im Fernsehen übertragen,
und zwar an folgenden Sendeterminen:
ORF 2, Freitag, 8. Dez., 15.55 Uhr – eine leicht gekürzte Version von 60 Min. Spieldauer
ORF III, Sonntag, 10. Dez., 18.30 Uhr – das Originalwerk mit einer Spieldauer von ca. 1 Std. 40 Min.

CULTURE IS THE NEW SALT

Weltsalon © Thinkstock, courtesy ECoC Bad Ischl Salzkammergut 2024

Pressekonferenz vom 27. November 2023

Geht es Ihnen auch so wie mir? Die Zeit tickt und tickt. Das Jahr 2024 rückt immer näher und damit auch der Countdown für die „Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024“. Noch 52 Tage und es ist so weit! Am 20. Jänner 2024 wird in Bad Ischl die erste der drei Kulturhauptstädte Europas 2024 eröffnet. Am 26. Jänner 2024 folgt Tartu in Estland und am 8. Februar 2024 Bodo in Norwegen.

Zum ersten Mal seit 40 Jahren widmet sich eine Europäische Kulturhauptstadt dem Wandel eines ländlichen Raums in den Alpen. Eine besondere Herausforderung von europäischer Dimension, der durch die Zusammenarbeit von Kultur, Politik und Wirtschaft Rechnung getragen wird. Im oberösterreichischen Gmunden fand dieser Tage im November die letzte Pressekonferenz für 2023 statt. Im Beisein von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Mag. Andrea Mayer und den Landeshauptleuten Mag. Thomas Stelzer (Oberösterreich) und Landeshauptmann Mag. Christopher Drexler (Steiermark) gaben die Organisatoren in Gmunden einen Ausblick auf das Eröffnungsprogramm und den soeben erschienenen Programmkatalog für alle Veranstaltungsorte in den 23 Gemeinden des Salzkammerguts. 

Dr. Elisabeth Schweeger (Künsterlisches Management) Foto: ©Anette Friedl_4

Eine klare Botschaft kam von Dr. Elisabeth Schweeger (Künsterlisches Management): „Kultur ist Motor und Treiber für eine sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Entwicklung im Salzkammergut. Kultur bietet innovative Lösungsansätze, denkt interdisziplinär, inklusiv, schafft internationalen Austausch und Vernetzung. Die österreichische Kulturhauptstadt 2024 verfolgt ein breites Kulturverständnis, das Synergien für alle Bereiche schafft – unter anderem für Wirtschaft, Arbeit, Freizeit und Mobilität“.

v.l.n.r. LH Mag. Mag. Christopher Drexler/ LH Mag. Thomas Stelzer/ Kulturstaatssekretärin Mag. Andrea Mayer/ 2023_11_27_PK_K24_HausSalzkammergut_FOTO: PiaFronia_web-23.jpg

Landeshauptmann Drexler: „Dass mit dem Salzkammergut 2024 erstmals eine inneralpine ländliche Region Kulturhauptstadt Europas wird, ist ein Meilenstein und eine große Chance für die Kultur- und Regionalentwicklung, auch und gerade für die steirischen Gemeinden des Salzkammergutes. Die Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 ist jung, zeitgemäß und stellt ganz entscheidende Fragen unserer Zeit in den Mittelpunkt.

Die Steiermark ist mit Altaussee, Bad Aussee, Bad Mitterndorf und Grundlsee prominent vertreten.  Die vier steirischen Gemeinden werden ein besonders starker Teil der Kulturhauptstadt sein und nachhaltige Impulse für die gesamte Region setzen“. Bereits im Jahr 2003 war Graz Kulturhauptstadt Europas.

Landeshauptmann Stelzer: „Wir sind uns bewusst, dass unser ganzes Land mit der Kulturhauptstadt im kommenden Jahr im Mittelpunkt der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit stehen wird. Das Kulturhauptstadtjahr im Salzkammergut, das das Land Oberösterreich gemeinsam mit den 23 Gemeinden, der Steiermark und dem Bund umsetzt, ist eine einmalige Chance, aus dieser Zusammenarbeit innovative Impulse für die Zukunft zu gewinnen. Impulse, die zeigen, wie mit Kunst und Kultur eine Region vorangebracht und zukunftsorientiert gestaltet werden kann. Das ist auch der Grund, warum das Land Oberösterreich dieses Projekt unterstützt. Wir freuen uns auf 2024“. Auch die Stadt Linz war bereits im Jahr 2009 Kulturhauptstadt Europas.

Kurze Ansprache von der Kulturstaatssekretärin Mag. Andrea Mayer (Kunst- und Kulturstaatssekretärin BMKÖS) „Ich freue mich auf ein fulminantes künstlerisches Programm, das auch viele wichtige gesellschaftliche Fragen aufwirft. Ich wünsche mir, dass dieses Kulturhauptstadtjahr ein Forum wird, das weit über die unmittelbare Kulturszene hinaus in die Gesellschaft hineinwirkt. Die bisherigen Diskussionen um Programm und Ausrichtung zeigen deutlich, wie sehr das Thema die Menschen bewegt – und das ist gut so! Ich bin der Überzeugung, dass die Kulturhauptstadt Europas über die Region hinaus eine große Chance für ganz Österreich ist, sich von seiner besten Seite zu zeigen: Als weltoffenes Land, als guter Gastgeber für ganz Europa und als Kulturnation im besten Sinne, die Tradition und zeitgenössische Strömungen nicht als Gegensätze, sondern als sich gegenseitig ergänzende und bereichernde Positionen begreift“.

Die Veranstaltungsorte sind über die gesamte Region Salzkammergut verteilt. Bespielt werden ungewöhnliche und neue Orte, temporär genutzte Räume, der öffentliche Raum selbst sowie Galerien und sogar Gasthäuser. Die verschiedenen Programmangebote beinhalten künstlerische Positionen renommierter, hochaktueller, österreichischer und internationaler Künstler*innen zu ökologischen Fragestellungen im Angesicht des Klimawandels, zur Transformation von Lebensräumen und Lebensformen, zu Resilienz und Nachhaltigkeit. 7000 Jahre Salzgewinnung, u.a. in Hallstatt (UNESCO Weltkulturerbe), haben Landschaft und Menschen geprägt. Zahlreiche Symposien und Workshops vermitteln Wissen und laden zum Austausch ein.

Damit teilen sich die Bundesländer Steiermark und Oberösterreich 2024 erneut die Kulturhauptstadt Europas.

ERÖFFNUNGSFEIER:

Am 20. Jänner 2024 wird in der Bannerstadt Bad Ischl und der gesamten Region u.a. mit dem Chor der 1000 und Hubert von Goisern getanzt und gefeiert. Mit zahlreichen Kunstperformances, Installationen und vielen weiteren Events wird die ganze Stadt zur Bühne.

An dieser Stelle möchte ich bereits auf ein großes Highlight von Salzkammergut 2024 hinweisen:

AI WEIWEI – RESURGENT ECHOS im Juni 2024 in Bad Ischl

Es ist ein Dialog mit der Geschichte und der Kultur von Hallstatt. Was trennt und was verbindet unsere Kultur und Geschichte mit jener der frühchinesischen Dynastien? Im Kaiserpark in Bad Ischl kommt es zu einer spannenden Begegnung zwischen dem Marmorschlössl und einem original chinesischen Tempel.

Warum Ai WeiWei? Er gilt als der bedeutendste chinesische Künstler der Gegenwart. Mit seinem Projekt „fairytale“, dem Publikumsmagneten der documenta 2007 in Kassel, hat er sich international einen Namen gemacht: 1001 Chinesinnen und Chinesen ließ er für „fairytale“ einfliegen, sie wurden Teil der Ausstellung und ihre Erfahrungen Teil der Kunst.

2010 wurde am Hohen Dachstein (Ramsau/Steiermark) ein Stein aus China von Ai WeiWei inszeniert und integriert.

Sie wollen mehr über Ai WeiWei wissen? Dann klicken Sie hier:

https://www.kultura-extra.de/kunst/feull/regionale10_ai_weiwei.php

https://www.salzkammergut-2024.at/veranstaltungen/

From the series “SEARCH”

experimental photo work by © Christa Linossi 2021/2023 – From the series “SEARCH”
experimental photo work by © Christa Linossi 2021/ 2023 – From the series “SEARCH”

In 2021, I searched for clues and didn’t find what I was looking for. It remained hidden.

GOTTFRIED VON EINEM 1918 – 1996

DAS STUNDENLIED, op 26 mit Texten von Bertolt Brecht

Konzert in der Kollegienkirche Salzburg

Konzert „Gottfried von Einem“ in der Kollegienkirche Salzburg Foto: © Christa Linossi

Ende Oktober 2023 wurde ich zu einem Chor-Orchester-Konzert (IMP-Orchester, Chor Salzburg Vokal) in die Kollegienkirche Salzburg eingeladen. Es handelte sich um DAS STUNDENLIED op. 26 nach Texten von Bertolt Brecht. Dirigent war Hans-Josef Knaust.

Konzert „Gottfried von Einem“ in der Kollegienkirche Salzburg (IMP-Orchester, Chor Salzburg Vokal) Foto: © Christa Linossi

Es war ein wunderschönes Konzert, aber ich muss ehrlich sagen, dass ein Konzert dieser Art, das man Oratorium nennt, für mich doch etwas Unbekanntes ist, schließlich bin ich in der bildenden Kunst zu Hause und nicht in der klassischen Musik.

Trotzdem möchte ich über dieses schöne Konzert berichten und habe mir vorgenommen, mit dem künstlerischen Leiter Hans-Josef Knaust darüber zu sprechen und ihn zu fragen, was ein Oratorium ausmacht, warum er dieses Stück von Gottfried von Einem und den Text von Bertolt Brecht unbedingt aufführen wollte.

Linossiartstory: Was hat Sie gereizt, dieses Werk von Gottfried von Einem auf die Bühne zu bringen? Gottfried von Einem, 1918 in Bern geboren, feierte 1947 bei den Salzburger Festspielen mit „Dantons Tod“ seinen internationalen Durchbruch und war in der Saison 1976/77 der international meistgespielte zeitgenössische Opernkomponist.

Konzert „Gottfried von Einem“ in der Kollegienkirche Salzburg Hans-Josef Knaust Dirigent des IMP-Orchester und Chor Salzburg Vokal Foto: © Christa Linossi

Hans-Josef Knaust: …seit Februar 2022, seit Putins Angriffskrieg auf die Ukraine, hat mich bis heute eine tiefe innere Unruhe erfasst – ich habe mich gefragt, was ich als Musiker überhaupt noch tun soll? Oder welche Musik ich überhaupt noch spielen kann?

So rückten Passionsmusiken und experimentelle Musik der Gegenwart in den Mittelpunkt; das „Stundenlied“ von Gottfried von Einem mit dem Text von Bert Brecht zog mich förmlich an, denn der Text aus Brechts „Mutter Courage“ stammt direkt aus dem Dreißigjährigen Krieg, einem der sinnlosesten und grausamsten Kriege. Die hochexpressive Musik mit ihren teilweise ins Ekstatische gesteigerten Rhythmen überhöht Brechts Lyrik ungeheuerlich, – mit Kernsätzen wie: „…, weil er die Wahrheit g’sprochn hat…“ „…seht ihn dort zwischen den Folterknechten…“ „…g’schieht ihm recht…“ ziehen sich diese Textpassagen leitmotivisch durch das gesamte Werk und zielen im Falle G. v. Einems natürlich auf die NS-Zeit, die der Komponist nur knapp unbeschadet überlebte.

Das Stundenlied entstand 1958. Ende der 1940er Jahre trafen sich hier Gottfried von Einem (der Komponist lebte damals in Salzburg) und Bertolt Brecht. Laut Dr. Manfred Schmid von der Internationalen Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch Gesellschaft „… hatte Gottfried von Einem ursprünglich vor, Brecht für die Salzburger (Festspiele) zu gewinnen und mit ihm ein großes musikdramatisches Werk unter dem Arbeitstitel „Totentanz“ zu schaffen, das eventuell sogar den „Jedermann“ ablösen sollte.

Bekanntlich lieferte Brecht, nachdem ihm Gottfried von Einem zur österreichischen Staatsbürgerschaft verholfen hatte, nicht das gewünschte Libretto. So kam es zur Vertonung seines STUNDENLIEDES und zur Verwendung weiterer Brecht-Gedichte in der Kantate „An die Nachgeborenen“.

Konzert „Gottfried von Einem“ in der Kollegienkirche Salzburg (IMP-Orchester, Chor Salzburg Vokal) Foto: © Christa Linossi

Linossiartstory: Warum haben Sie das Konzert mit der Uraufführung von Martin Torps 3. Sinfonie, seiner „Sinfonie der Farben“ begonnen? Der Komponist, geb. 1957, lebt in Berlin.

Hans-Josef Knaust: Nachdem ich bereits einige Werke für Orgel und Marimbaphon aufgeführt hatte, bat mich der Komponist, eine seiner Sinfonien uraufzuführen. Ich war begeistert von der 3. Sinfonie, die mit ihren farbenreichen Konnotationen für die Zuhörer leicht aufzunehmen ist. Die Komposition ist an der Romantik geschult – man fühlt sich an Brahms und Bruckner erinnert, aber auch an den Impressionismus (Ravel). Martin Torps Œuvre umfasst Orchesterwerke, Vokalwerke (Oratorien, Kantaten, Motetten und Lieder) sowie Kammermusik, Klavier- und Orgelwerke. Stilistisch ist sein Schaffen seit Mitte der 1990er Jahre wesentlich geprägt von einer Vorliebe für harmonische Klänge, gesangliches Melos, pulsierende Rhythmik und formale Klarheit.

Linossiartstory: Die Kollegienkirche, so empfinde ich als Laie, ist der richtige Ort für dieses Chor-Orchester-Konzert. Vom Architekten und Bauherrn Johann Fischer von Erlach als Weisheitskirche geschaffen, lädt die Kollegienkirche zum Dialog der verschiedenen Künste mit dem Göttlichen ein, dessen Funke die Welt durchdringt. Sie ist Salzburgs Kunstkirche, in der immer wieder wunderbare Konzerte und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst stattfinden. Wurde die Kollegienkirche bewusst gewählt, da es sich bei Einems Stundenlied im weitesten Sinne um sakrale und bei Torps Sinfonie um zeitgenössische Musik handelt?

Hans-Josef Knaust: Wie Sie schon sagten, ist diese Kirche der Philosophie und der Spiritualität ‚geweiht‘, wodurch die Verbindung zu Musik und Kunst immanent ist. Die Kollegienkirche ist ein sakraler und zugleich abstrakter Raum, in dem nur wenige Kunstwerke Akzente setzen. Im Vordergrund steht die geniale Architektur Fischer von Erlachs, die den Besucher in ihren Bann zieht. Auch wenn die Akustik teilweise problematisch ist, kann sich der Zuhörer ganz auf die Musik konzentrieren. Die Kollegienkirche liegt mir besonders am Herzen, auch wegen der außergewöhnlichen Mauracher-Orgel und der seit sieben Jahren bestehenden Konzertreihe mit experimentellen Klanginstallationen in Verbindung mit dem Orgelklang, bei der ich im Team mitarbeite.

Linossiartstory:  Was ist mit innovativer Musik gemeint?

Hans-Josef Knaust: Innovative Musikprojekte wurden von mir ins Leben gerufen, um großartigen Werken der jüngeren Musikgeschichte und der Gegenwart ein Podium zu geben, die im allgemeinen Konzertleben – zum Teil aus Kostengründen etc. – nicht in Erscheinung treten. Wenn man bedenkt, dass schätzungsweise weniger als 5% des zeitgenössischen Musikschaffens den Weg in die Konzertsäle findet, gibt es hier viel zu tun und unzählige musikalische Entdeckungsreisen warten auf uns.

Linossiartstory: Welche Projekte planen Sie in der Zukunft?

Hans-Josef Knaust: Ich habe viele Projekte auf meiner Agenda. Aber eines meiner Herzensprojekte ist ‚Jesu Hochzeit‘ – die Mysterien Oper von Gottfried von Einem mit dem Libretto von Lotte Ingrisch. Gemeinsam mit der Dichterin war ich beim Herrn Erzbischof von Salzburg, um die Erlaubnis zu erhalten, diese Oper, um die sich ein Skandal, viele Mythen und Vorurteile ranken, zum ersten Mal in einer Kirche – in der Kollegienkirche – szenisch aufzuführen.

Linossiartstory: Sehr geehrter Herr Hans-Josef Knaust, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin viele interessante Musikprojekte.