documenta fifteen

steht kurz vor dem Startschuss …

01_documenta-fifteen_documenta-Halle_2021_Foto-Nicolas-Wefers_HQ

…und der beginnt am 18. Juni 2022, und die fünfzehnte Ausgabe der documenta fifteen wird eröffnet und gilt die als weltweit bedeutendste Reihe von Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Sie dauert bis 25. September 2022 und ist an 32 Standorten in Kassel vertreten.

02_documenta-fifteen_ruruHaus_Kassel_2021_photo-Nicolas-Wefers_HQ

Die Künstlerische Leitung liegt bei der ruangrupa. Das Kollektiv aus Jakarta (Indonesien) hat der fünfzehnten Ausgabe der documenta die Werte und Ideen von lumbung zugrunde gelegt, dem indonesischen Begriff für eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune. Auf Grundsätze wie Kollektivität setzt das künstlerische und ökonomische Modell von lumbung als gemeinschaftlichen Ressourcenaufbau und gerechter Verteilung und verwirklicht somit in allen Bereichen der Zusammenarbeit und der Ausstellungskonzeption. lumbung wird die gemeinschaftliche Praxis von ruangrupa und dem Künstlerischen Team, den lumbung member und lumbung-Künstler*innen und allen Teilnehmenden auf dem Weg zur documenta fifteen im Jahr 2022 sein. 

d15_KAZ-im-Kuba_©Nicolas_Wefers-2_HQ

Was bedeutet lumbung? Es ist die konkrete Praxis und aus dem Indonesischen übersetzt bedeutet es „Reisscheune“. In indonesischen ländlichen Gemeinschaften wird die überschüssige Ernte in gemeinschaftlich genutzten Reisscheunen gelagert und zum Wohle der Gemeinschaft nach gemeinsam definierten Kriterien verteilt. Dieses Prinzip steht für die Lebens- und Arbeitspraxis von ruangrupa und wird für ein interdisziplinäres und gemeinschaftliches Arbeiten an künstlerischen Projekten genutzt.

Was bedeutet ruangrupa? Ruangrupa (bedeutet frei übersetzt „Kunstraum“ oder „Raumform“) wurde 2000 in Jakarta, Indonesien, gegründet als ansässiges Kollektiv.Sie ist eine global ausgerichtete, kooperative und interdisziplinäre Kunst- und Kulturplattform, die über die 100 Tage der documenta fifteen hinaus wirksam bleiben wird. Der kuratorische Ansatz der auf ein anders geartetes, gemeinschaftlich ausgerichtetes Modell der Ressourcennutzung zielt auf ökonomisch, aber auch im Hinblick auf Ideen, Wissen, Programme und Innovationen ab.

04_documenta-fifteen_ruruHaus_2020_photo_Nicolas-Wefers_HQ (1)

Viele Begriffe aus unterschiedlichen Sprachen sowie Wortneuschöpfungen prägen das Vokabular der documenta fifteen. Zentrale Bestandteile der lumbung-Praxis sind der Aufbau sozialer Beziehungen und das Hinterfragen von (Macht-) Verhältnissen. Dazu gehört auch, die Verwendungsweise von Sprache zu reflektieren und sie als Werkzeug für die Entwicklung neuer Perspektiven und Ideen zu begreifen. Abgesehen davon ist die documenta fifteen vor der Eröffnung schon in Kritik geraten, da ihr Leitungskollektiv ruangrupa einen laschen Umgang mit der umstrittenen Israel-Boykott-Kampagne BDS pflege.

d15_Unterführung_Frankfurterstrasse_©Nicolas_Wefers-10_HQ

Eines ist gewiss, mit dieser documenta fifteen muss man sich Zeit nehmen und sich mit den Themen wirklich auseinandersetzen. Auch ich musste mich durch den Papierkram wühlen, um einen Durchblick zu bekommen. Die Zeiten, wo man nur eine Ausstellung besichtigen musste, sind schon lange vorbei. Es geht um politische, philosophische, ökonomische, ethnische Fragen etc. Die Welt verändert sich eben.

https://universes.art/de/documenta/2022

Khalil Rabah

RELOCATION, AMONG OTHER THINGS

Die etwas andere Ausstellung im Künstlerhaus Salzburg

Khalil Rabah RELOCATION, AMONG OTHER THINGS / Foto: © Christa Linossi

Khalil Rabah präsentiert im Großen Saal des Künstlerhaus Salzburg eine neue große Installation mit vielfältigen Formen performativer Aktionen, um die Geschichte von Auslöschung, Vertreibung und Marginalisierung zu hinterfragen.

Vorsicht, wenn Sie den Großen Saal betreten, Sie könnten enttäuscht sein! Ich war es am Anfang!

Als ich den Großen Saal betrat, sah ich, zwar ordentlich arrangierte alte Utensilien, wie alte Bilder, Koffer, Spielzeug, Brillengläser, Kochtöpfe, Plastiken, Kinderdreiräder und alte Rollschuhe, Lampen und Kronleuchter usw. okay dachte ich, sieht aus wie auf einem Flohmarkt, wo man das „Gerümpel“ vielleicht aus Verlassenschaften, oder aus seinem eigenen Keller wieder loswerden wollte und dies auf einen Flohmarkt – es gibt viele Flohmarkt-Liebhaber – abgab.

Khalil Rabah RELOCATION, AMONG OTHER THINGS / Foto: © Christa Linossi
Khalil Rabah RELOCATION, AMONG OTHER THINGS / Foto: © Christa Linossi

Fehlanzeige! Hier handelt es sich um Kunst, Kunst die allerdings einen tiefem Hintergrund hat und diesen Hintergrund muss man im Begleittext lesen, um sich Klarheit zu verschaffen. Ohne Hintergrund Wissen kein Verständnis für diese Ausstellung. Diese Ausstellung ist tiefgründig, betrifft das Land Palästina und ist ein bahnbrechendes Projekt es fördert das Staunen, das Wissen und letztlich ein Gefühl der Wiederherstellung für und von Palästina. Rabahs Praxis zielt darauf ab, die vorherrschenden Narrative unserer Zeit in Frage zu stellen, insbesondere westliche Konzepte der Museologie und Ethnografie, und die unterschiedliche Poetik menschlicher Beziehungen innerhalb dieser Sphären zu erforschen.

Khalil Rabah RELOCATION, AMONG OTHER THINGS / Foto: © Christa Linossi

Rabahs The Palestinian Museum of Natural History and Humankind ist seit 2003 eine fortlaufende Arbeit. Es handelt sich hier um ein Projekt, das einem Gesamtkunstwerk am nächsten kommt. Aus verlassenen Geschäften, Häusern und Industrieräumen wurden die verschiedenen gesammelten Objekte zusammengetragen und verändern somit ständig die Choreografie, wenn sie ausgestellt werden. Die Besucher_innen haben die Möglichkeit, sich mit dem, was sie sehen, eng zu verflechten, wobei jedes Objekt in einer anderen Sprache spricht.

Khalil Rabah RELOCATION, AMONG OTHER THINGS / Foto: © Christa Linossi

Die inhärent unvernünftige Aufgabe enzyklopädischer Museen, den Anspruch zu erheben, über Geschichte universell sprechen zu wollen, das Scheitern eines solchen Aktes ist eine der durchlässigen Offenbarungen der Ausstellung. Das Projekt ist eine Struktur des Gefühls, der verstreuten Geschichte, und eine Einladung, ständig hin- und herzupendeln – zwischen dem Hier und Jetzt und der Ewigkeit.

Rabahs konzeptionelle Kunstpraktiken umfassen Multimedia-Installationen und Performances und erforschen häufig weitreichende philosophische Fragen der Zugehörigkeit, Vertreibung und Hybridität sowie dringende, konkrete Themen wie Asyl und Einbürgerung.

Künstler Khalil Rabah imSalzburger Kunstverein, Künstlerhaus / Foto: © Christa Linossi
Omer Fast, Dir Seamus Kealy, Khalil Rabah, Palestinian Museum of Natural History and Humankind, Presseführung, Salzburger Kunstverein, Künstlerhaus, © Manfred Siebinger

Khalil Rabah ist ein palästinensischer Konzeptkünstler, der 1961 in Jerusalem, Palästina, in einer Familie aus Ramallah geboren wurde. Er studierte Architektur und Bildende Kunst an der University of Texas in Arlington und lebte mehr als ein Jahrzehnt in den Vereinigten Staaten. Als Palästinenser, der in den 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten lebte, musste sich der Künstler mit der Komplexität von Immigration und Vertreibung auseinandersetzen und mit einer neuen Kultur zurechtkommen, während seine eigene belagert wurde.

Es handelt sich hier um eine Ausstellung, die viele Fragen aufwirft.