
Das Frühjahr naht – und mit ihm die 55. Rauriser Literaturtage, die von 25. bis 29. März 2026 erneut das Raurisertal in einen Ort der Sprache, der Begegnung und der literarischen Reflexion verwandeln. Nach dem letztjährigen Thema „Konfliktfelder“ widmet sich das Festival heuer einem Begriff, der ebenso alltäglich wie unerschöpflich ist: LIEBEN.
Was bedeutet „Lieben“ im Jahr 2026?
Lieben ist ein Wort, das jeder kennt – und doch versteht es jede und jeder anders. Es kann Nähe bedeuten, Verantwortung, Erinnerung, Verlust, Mut oder Widerstand. Und es stellt sich die Frage: Wie verändert sich Lieben in einer Welt, die zunehmend digital, beschleunigt und politisch angespannt ist?
Wir leben im 21. Jahrhundert zwischen globalen Machtverschiebungen, technologischen Umbrüchen und einer digitalen Kultur, die Nähe oft simuliert, aber selten ersetzt. Gerade deshalb lädt das Festival dazu ein, das Menschliche neu zu erkunden – aufmerksam, kritisch und mit literarischer Tiefe.
Literatur als Raum für Dialog
Wie jedes Jahr bieten die Rauriser Literaturtage einen Rahmen für Austausch und Reflexion über gesellschaftliche Herausforderungen. Literatur wird hier zum Medium, das komplexe Themen beleuchtet, Brücken baut und Räume öffnet, in denen Sprache, Geschichte und Gegenwart miteinander in Dialog treten.
Rauriser Literaturpreis 2026
Der Rauriser Literaturpreis 2026 geht an Sophie Hunger für ihren Roman „Walzer für Niemand“ (Kiepenheuer & Witsch, 2025). Der Roman erzählt von einer besonderen Freundschaft zwischen einem Mädchen und ihrem Freund Niemand – getragen vom Rhythmus der Musik, zwischen Magie, Erschütterungen und dem Aufwachsen in einer Welt voller Klang. Die Jury würdigt das Werk als literarisches Debüt, das sich mit Empathie und formaler Klarheit gängigen Erzählmustern entzieht.
Sophie Hunger, international bekannt als Musikerin und Songwriterin, studierte Anglistik und Germanistik und lebt heute in Berlin. „Walzer für Niemand“ ist ihr erster Roman.
Rauriser Förderungspreis 2026
Der Förderungspreis geht an Andreas Neuhauser für seinen Text „Linz–Wegscheid“ zum Thema „Nähe“.
Autor:innen 2026 – ein breites Spektrum
Insgesamt 15 weitere Autorinnen und Autoren präsentieren ihre aktuellen Werke. Unter ihnen:
- Marlene Streeruwitz, eine der wichtigsten Stimmen der Gegenwartsliteratur, mit ihrem Roman „Auflösungen“ (2025), der die politische Weltlage aus der Perspektive einer österreichischen Lyrikerin im New York vor der US‑Wahl reflektiert. In „Prinzessionenkunde“ (2025) setzt sie ihre kritische Auseinandersetzung mit Weiblichkeitsbildern fort.
- Silke Scheuermann, die nach längerer Pause mit dem Lyrikband „Der Unruhe“ (2025) zurückkehrt. Ihre Gedichte spannen den Bogen von Mythen bis zur Frage, was Liebe im Zeitalter der Roboter bedeutet.
- Norbert Gstrein, Rauriser‑Preisträger von 1989, stellt seinen neuen Roman „Im ersten Licht“ (2026) vor – die Geschichte von Adrian, dessen Lebensweg durch die Wirren des 20. Jahrhunderts führt, bis hin zu einer späten, kaum mehr erwarteten Liebe.
Gespräch über Literatur – Ingeborg Bachmann
Anlässlich des 100. Geburtstags von Ingeborg Bachmann findet ein Gespräch mit Heinz Bachmann, Ulrike Draesner und Irene Fußl statt. Im Zentrum steht die Rolle der Liebe im Werk der Autorin – in all ihrer Ambivalenz.
Ausstellung – 25 Jahre David Sailer
Dem Fotografen David Sailer, der die Literaturtage seit 25 Jahren begleitet, ist eine Ausstellung gewidmet. Die schönsten Fotografien der Jahre 2014 bis 2025 sind als Dauerausstellung im Gemeindeamt sowie online zu sehen.
„Die Literaturtage erinnern daran, dass Lieben viele Sprachen hat – und jede davon eine Geschichte erzählt.“