EINE HOMAGE AN

akte31friedrike mayröcker

Friedricke Mayröcker als Marionettenpuppe Foto: © Christa Linossi

Der 1. – 31. Mai 2022 gehörte Friederike Mayröcker. Jeden Tag eine Premiere und dies an verschiedensten Orten in Stadt und Land Salzburg. Mit jeweils einem Akt würdigten zahlreiche Künstlerinnen und Künstler quer durch alle Sparten die eigenwillige „Grande Dame“.

Es war ein sehr interessantes Projekt mit eigenwilligen Aktionen, eben wie die „Grande Dame“ Friederike Mayröcker. Entstanden ist dieses Projekt von „ohnetitel“ – ein Netzwerk für Theater & Kunstprojekte, koproduziert von SZENE Salzburg.

Ich besuchte einige Aktionen – jeden Tag eine Premiere zu besuchen, ein Ding der Unmöglichkeit, da man ja auch noch was anderes zu tun hat. Die Premieren, die ich besuchte, waren gut und ich stelle sie hier kurz vor:

Auftakt und Eröffnung für das Projekt akte31mayröcker war der

01. MAI 11:00 AKTE 1: INTERVIEWS MARIONETTENTHEATER

AKTE 1: INTERVIEWS MARIONETTENTHEATER v.l.n.r. Dorit Ehlers, Michaela Obermayr Foto: © Christa Linossi

Der Besucher tauchte hier in die Sprach- und Gedankenwelt der Autorin Friederike Mayröcker – im Gespräch mit ihren eigenen Texten – und dazu einem behutsamen Fadenspiel zwischen Bühne und Backstage ein. Ihre eindrückliche Erscheinung machte dabei eine gute Figur …

Von und mit: Michaela Obermayr, Dorit Ehlers, Arthur Zgubic
Gast: Yoko Yagihara

08. MAI 15:30 AKTE 8: STÖR- UND NEBENGERÄUSCHE GALERIE SOPHIA VONIER

AKTE 8: STÖR- UND NEBENGERÄUSCHE GALERIE SOPHIA VONIER v.l.n.r.Anna Hauf, Renald Deppe, Tobias Leibetseder, Foto: © Christa Linossi

In der Galerie Sophia Vonier inszenierte man eine Musik Performance. Der Klarinettist, Komponist und Zeichner Renald Deppe – er hatte jahrelang mit Friedrike Mayröcker zusammengearbeitet – hat zu Textfragmenten Mayröckers kalligraphische Partituren angefertigt, die einmalig live vertont wurden. Die Nebengeräusche waren auf alle Fälle gewöhnungsdürftig, die mit der Klarinette und dem Gesang wieder auf eine hörbare Welle gebracht wurde.

Mitwirkende: Renald Deppe, Anna Hauf, Tobias Leibetseder

11. MAI 16:00-18:00 AKTE 11: IN UND UM GETREIDEGASSE

AKTE 11: IN UND UM GETREIDEGASSE Cornelia Fischberger Foto: © Christa Linossi


Viele Personen in der Getreidegasse – Touristen wie Einheimische – wussten im ersten Moment nicht was hier geschah. Eine durchsichtige Kugel, in dem ein Schreibtisch und eine Person befand, die aus Büchern von Mayröcker las und die Texte auch für Passanten hörbar machte. Eine stille – oder doch nicht – Installation für Gehende, Stehenbleibende und Zuhörende, wobei Gehende mehr waren als Stehenbleibende und Zuhörende.

Mitwirkende: Dominik Jellen, Cornelia Fischberger

14. MAI 16:00 AKTE 14: ICH NEHME ÜBERHAND! BUSHALTESTELLE KÜNSTLERHAUS

AKTE 14: ICH NEHME ÜBERHAND! BUSHALTESTELLE KÜNSTLERHAUS Foto: © Christa Linossi
AKTE 14: ICH NEHME ÜBERHAND! BUSHALTESTELLE KÜNSTLERHAUS Mitwirkende: Bernhard Müller / Annette Rollny Foto: © Christa Linossi

Diese Performance und Installation erfolgte an der Bushaltestelle vorm Künstlerhaus mit fragmentarischen Texten (gestaltet von Annette Rollny und Bernhard Müller), die persönlich geklebt und sukzessive weiterwuchern sollten oder auch nicht? So mancher Fahrgast, der an der Haltestelle wartete, konnte nicht viel damit anfangen oder registrierte die Installation gar nicht. Ich interviewte einen Jugendlichen an der Bushaltestelle und dieser meinte: wir Menschen sind träge geworden, wir schauen nur mehr auf unser Handy. Eine starke Aussage, soviel zur Registrierung einer Performance und Installation.

Mitwirkende: Bernhard Müller / Annette Rollny und CieLAROQUE
Choreografie: Helene Weinzierl
in Kooperation mit dem Performer*innen: Azahara Sanz Jara, Alberto Cissello, Luan de Lima

28. MAI  10:00-18:00 AKTE 28: MAYRÖCKERS KATZE ATELIER III, HALLEIN

AKTE 28: MAYRÖCKERS KATZE ATELIER III, HALLEIN Foto: © Christa Linossi

Diese Performance im atelier III ist auch eine eigenartige Geschichte. Zuerst musste man das Haus, in dem sich die Atelierräumlichkeiten befanden, finden. Dort angekommen, stand man zwar in einem schönen hellen Atelierraum und kam sich etwas verloren vor. Aber man stand doch nicht lange im Raum, ein junger Mann begann das Gespräch und erklärte, worum es ging. Im Zuge einer Performance wurden mit handelsüblichen Tätowier Nadeln ausgewählte Katzenmotive, welche von der Autorin Friederike Mayröcker in ihrem Buch Blaue Erleuchtung gezeichnet hatte, per Hand auf die Haut fixiert. Jede*r konnte sich an diesem Tag das kostenfrei diese Katzen tätowieren lassen.

29. MAI 16:00 AKTE 29: CAFÉ MAYRÖCKER im PAN CAFÉ, HALLEIN

Das Publikum bekam, bevor die Lesung begann eine Speisekarte zur Verfügung gestellt, hier heraus ergab sich das Erzählmenü und folgendes wurde angeboten:

AKTE 29: CAFÉ MAYRÖCKER im PAN CAFÉ, HALLEIN Erzählmenü Foto: © Christa Linossi

Diese Lesung im Pan Café war ein gelungener Beitrag zu Friederike Mayröcker. Die Theatermacherin Christa Hassfurther fängt mit Mareike Tiede die laute Zeit der 60er-Jahre ein, in der die Stille der F. Mayröcker hörbar wurde.

AKTE 29: CAFÉ MAYRÖCKER im PAN CAFÉ, HALLEIN Christa Hassfurther erzählte aus ihrer Studentenzeit Foto: © Christa Linossi

Die Theatermacherin Christa Hassfurther erzählte aus ihrer Studentenzeit in den 60iger Jahren und Mareike Tiede (Sprecherin und Sprachtrainerin) las aus Friederike Mayröckers Werken. Hassfurther und Tiede brachten aufgrund ihrer Sprachgewalt, die Erzählungen so gut rüber, sodaß es im Café absolute Stille herrschte und das Publikum den beiden mit Begeisterung zuhörten.

AKTE 29: CAFÉ MAYRÖCKER im PAN CAFÉ, HALLEIN Christa Hassfurther, Mareike Tiede Foto: © Christa Linossi

Mitwirkende: Christa Hassfurther, Mareike Tiede

31. MAI 19:00 AKTE 31: DER KATALOG – REVIEW SZENE SAAL

AKTE 31: DER KATALOG – REVIEW SZENE SAAL Dorit Ehlers Foto: © Christa Linossi

Am 31. Mai 2022 fand in der SZENE Salzburg eine lebendige Rückschau auf großer Leinwand zu den im Mai stattfindenden 31 Premieren. Zahlreiche Künstler*innen widmeten sich dem Werk und der Person Friederike Mayröcker, eine eigenwillige Grande Dame zeitgenössischer Literatur. Im letzten Akt hebt sich noch einmal der Vorhang für Mayröcker: es war ein Spaziergang durch die Projekte der letzten 30 Tage. Geblättert wurde in einem multimedialen Katalog, in dem die überraschenden Premieren an ungewöhnlichen Orten dokumentarisch festgehalten wurden. Es war ein Kaleidoskop an unterschiedlichen Zugängen zu dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin.

In einem kurzen Gespräch mit den Kuratoren DORIT EHLERS und ARTHUR ZGUBIC erfuhr ich, was das Ziel dieser Veranstaltung war. 31 Tage Mayröcker, hier wollte man erreichen, dass das Publikum nicht gezwungen wurde sich die eine oder andere Premiere anzusehen (nicht kostenfrei), es sollte freiwillig passieren,(deshalb freier Eintritt) so wollte man Mayröcker der Bevölkerung etwas näherbringen. So eine Art Streuung und daher ist man mit der einen oder anderen Premiere auch aufs Land gegangen, um nicht nur in der Stadt zu agieren. Die Kuratoren sind zufrieden und haben ihr Ziel erreicht.

Es waren interessante 31 Tagespremieren und Friederike Mayröcker ist mit Sicherheit dem einen oder anderem im Ohr hängengeblieben. Die Veranstaltungen waren sehr gut ausgerichtet und man konnte sich, musste aber nicht sich mit Mayröcker auseinandersetzen. Ich fand die Veranstaltung für Prädikat wertvoll, leider konnte ich aus Termingründen nicht alle 31 Premieren miterleben.