
Der 6. Juni 2026 war einer dieser Tage, an denen der Himmel über Salzburg so weit wirkt, als hätte jemand die Grenzen der Welt ein Stück nach außen geschoben. Ich entschloss mich, auf den Untersberg, den Hausberg der Salzburger, zu fahren — nicht nur, weil er mich immer wieder ruft, sondern weil dort oben eine Buchpräsentation stattfinden sollte: Siegfried Siller stellte sein neues Werk „Der Untersberg“ vor.
Die Idee, ein Buch am Berg selbst zu präsentieren, war mehr als charmant. Sie war stimmig. Fast selbstverständlich. Ein Buch über den Untersberg gehört nicht in eine Buchhandlung — es gehört in den Wind, in die Höhenluft, in die Steinadern dieses Bergstocks.
Doch bevor ich zur Lesung komme, wollte ich den Leserinnen und Lesern zeigen, was dieser Berg wirklich ist — abseits der Touristenpfade.
Der Berg, der alles zeigt – und nichts preisgibt
Ich nahm nicht den üblichen Weg. Die Gondel spuckt täglich Scharen von Menschen aus, die in sieben Minuten auf 1.900 Meter schweben und dort oben staunend stehen bleiben, als hätten sie gerade eine neue Welt entdeckt. Und ja — der Blick ist überwältigend:

- die Stadt Salzburg, die Festung wie ein weißer Wächter
- das Seengebiet, das in der Ferne glitzert
- der Watzmann, der Hohe Staufen, bei klarer Sicht sogar ein Stück vom Chiemsee
- und auf der anderen Seite die Salzburger Bergwelt, der Berchtesgadener Nationalpark, die 2000er wie eine steinerne Armee
Ein Panorama, das niemand vergisst. Und in unserer digitalen Zeit wird es festgehalten, geteilt, vervielfältigt — ein Berg, der tausendfach in die Welt hinausgeschickt wird und doch immer derselbe bleibt.

Der Untersberg ist schön, ja. Aber er ist auch zerklüftet, steinig, durchzogen von Latschenfeldern, die ihre eigenen Gefahren bergen. Er ist ein Berg voller Mythen, voller Geschichten, voller Echos. Doch heute wollte ich nicht über Sagen sprechen — sondern über das, was ich sah.
Die Buchpräsentation – schlicht, ehrlich, bergnah

Beim Zeppezauerhaus, auf etwa 1.600 Metern, fand die Lesung statt. Ein Ort, an dem Wanderer und Bergsteiger Rast machen, bevor sie weiterziehen. Ein Ort, der passt.
Siegfried Siller, Bergsteiger, Musiker, Untersberg‑Kenner, las Passagen aus seinem Buch. Zwischen Windböen und Sonnenflecken auf der Terrasse entstand eine Präsentation, die nichts brauchte außer sich selbst: schlicht, authentisch, bergnah.

Mit dabei: Wolfgang Greiner, Musiker und Maler, der Blues spielte und einen selbst komponierten Song über den Untersberg und die Kaiser‑Karl‑Legende. Es war ein Moment, in dem Musik und Berg sich gegenseitig verstärkten.
Ein Gespräch am Rande – die Social‑Media‑Welt am Berg
Zwischendurch kam ich mit einer jungen Social‑Media‑Dame ins Gespräch. Sie filmte eifrig, erzählte mir, sie kenne meinen Blog — „diese anderen Texte“, wie sie sagte. Ihr Kompliment war ehrlich, ihre Offenheit erfrischend.
Sie berichtete stolz von 80.000 Klicks auf ihrem Video zur Buchpräsentation. Ich musste schmunzeln. In der digitalen Welt gilt ein Klick schon als Interesse. Der Untersberg zieht viele Blicke an — aber nicht alle bleiben hängen.
Ein leiser Moment des Irritierens
Etwas irritiert war ich, als der Autor darauf hinwies, dass sein Projekt ohne freiwillige Unterstützung kaum realisierbar sei. Ein Zeichen der Zeit. Viele Kunstschaffende sind inzwischen zu Bittstellern geworden — nicht aus Mangel an Talent, sondern aus Mangel an Strukturen.
Beobachtungen am Berg – und ein stiller Appell
Der Untersberg ist ein hochalpines Gebiet. Und doch sieht man Menschen mit Flipflops, mit Kinderwagen, mit einer Sorglosigkeit, die fast rührend ist — und gleichzeitig gefährlich. Viele wissen nicht, was ein Berg ist. Dass er nicht nur Aussicht bedeutet, sondern auch Verantwortung.
Salzburg ist weltbekannt. Die Touristen kommen aus Ländern ohne Berge, ohne alpine Erfahrung. Sie sehen die Gondel und glauben, oben sei es wie unten. Doch hier gilt: Fehlalarm.
Zum Glück wird inzwischen besser informiert — durch Tourismusstellen, durch die Seilbahn selbst.

Ein Tag, der bleibt
Es war ein Tag voller Eindrücke: Berg, Buch, Menschen, Musik, Gespräche, Beobachtungen. Ein Tag, der zeigt, wie vielschichtig der Untersberg ist — und wie sehr er uns spiegelt.
Ein Berg, der nie nur Kulisse ist. Ein Berg, der immer antwortet, wenn man ihn besucht.




