Ausstellung Anti-These: Hallein – Kunst und Geschichte im Spannungsfeld der Identität

Hallein ist eine Stadt, die im Spannungsfeld von Ausbeutung, Unterdrückung und selbstgewähltem Antiheldentum steht.

Es handelt sich hierbei um die renovierten Räumlichkeiten der Saline und eine Ausstellung, die vor Kurzem auf der Pernerinsel eröffnet wurde. Foto: © Christa Linossi 2024

Bad Ischl und 23 andere Gemeinden haben im Rahmen ihrer Kandidatur zur Kulturhauptstadt Europas 2024 den Slogan „Kultur ist das neue Salz“ geprägt. Ein Leitsatz, den Hallein zwar nie explizit so formuliert hat, aber seit über drei Jahrzehnten verkörpert. Dabei wächst die Zuversicht, dass dieser Satz wahr ist, und die Freude darüber, dass er zutreffend ist.

Ja, Hallein hat so viel Selbstvertrauen entwickelt, dass es eine Ausstellung mit dem Titel „Antithese“ wagt, welche die dunklen Kapitel der mehr als 2500 Jahre alten Stadtgeschichte eindrucksvoll darstellt und das Spannungsverhältnis von Ausbeutung, Unterdrückung und selbstgewähltem Antiheldentum künstlerisch zur Diskussion stellt.

Pernerinsel Hallein zur Ausstellung Anti – These – Hallein „Fürsterzbischof Paris Lodron“ von Giacomo Manzù Foto: © Christa Linossi 2024
Ausstellung ANTI – THESE – HALLEIN Foto: © Christa Linossi 2024

Hallein, bekannt als Stadt der Arbeiter, Industrie und des Handwerks, war schon immer eine Quelle der Inspiration und des künstlerischen Schaffens.

Ausstellung ANTI – THESE – HALLEIN Foto: © Christa Linossi 2024

Im Sommer 2024 wird diese Tatsache im Zuge einer umfassenden Kulturinitiative sowohl historisch als auch künstlerisch untersucht. Die Initiative erstreckt sich über die Themen Ablehnung, Ignoranz und Identität.

Ausstellung ANTI – THESE – HALLEIN Foto : © Christa Linossi 2024

Die Historie Halleins fungiert vorrangig als Projektionsfläche für menschlich-psychologische Aspekte, die in einer von Ausbeutung und Niederlagen bestimmten Stadt besonders hervortreten. Die durchgängigen Strukturen und Grundpfeiler der Ausstellung gründen auf den Konzepten von These und Antithese sowie auf dem Gegensatzpaar des Heroischen und Antiheroischen, welches die menschliche Existenz charakterisiert.

Während Salzburg durch die Blütezeit der Salzproduktion zu Reichtum gelangte, verarmte das ausgebeutete und unterdrückte Hallein. Historische Dokumente beschreiben Hallein häufig als düster und unwirtlich.

Bereits beim Betreten der Ausstellung auf der Pernerinsel war ich von einem „WOW“ ergriffen. Heute möchte ich keine großen Worte machen, sondern die Bilder für sich selbst sprechen lassen. Besucher der Ausstellung auf der Pernerinsel in Hallein stehen vor zwei Reaktionen: Begeisterung oder ein Kopf voller Fragen.

Als Teil einer Kunstinitiative wurde die Skulptur „Fürsterzbischof Paris Lodron“ von Giacomo Manzù von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Stadt Salzburg nach Hallein auf die Pernerinsel verlegt. Dort wird sie über den Sommer hinweg, überragt vom Dürrnberg in Hallein, die früheren Herrscher des Fürsterzbistums Salzburg darstellen.

Die Ausstellung ist bis zum 29. August 2024 von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 13 bis 19 Uhr, auf der Pernerinsel in Hallein zugänglich.

https://www.hallein.gv.at/Anti-These_Hallein

Robert Carsen: Neue Inszenierung von ‚Jedermann‘ für das 21. Jahrhundert

am 02.07.2024 – während des Gesprächs in der SalzburgKulisse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –

Das Gespräch führte David Tushingham (= David Tushingham ist ein englischer Dramaturg) mit Regisseur Robert Carsen, es ging um die Neuproduktion von JEDERMANN.

am 02.07.2024 – während des Gesprächs in der SalzburgKulisse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –

Wird es Robert Carsen gelingen, den JEDERMANN endlich ins 21. Jahrhundert zu bringen?

Auf die Frage von Tushingham: „Hättest du jemals gedacht, dass du dieses Stück einmal bei den Salzburger Festspielen inszenieren würdest?“

Robert Carsen: „Nicht in meinen kühnsten Träumen – aber ich freue mich sehr darüber. Als Markus Hinterhäuser mich fragte, ob ich JEDERMANN inszenieren würde, war ich erstaunt, dass er sich noch an das lange, intensive Gespräche erinnerte, dass wir ein paar Jahre zuvor über Hugo von Hofmannsthal geführt hatten. Seit ich das erste Mal mit Hofmannsthals Werk in Berührung gekommen bin, begeistert es mich, und ich habe fünf der sechs Opern, die er mit Richard Strauss geschrieben hat, auf die Bühne gebracht. Außerdem habe ich mich lange mit Hofmannsthals Werke in der breibändigen englischen Übersetzung beschäftigt – wobei JEDERMANN interessanterweise darin gar nicht enthalten ist! Auch die englische Moralität EVERYMAN war mir vertraut, da ich sie an der Schauspielschule studiert hatte“.

Soweit der Einstieg in den Talk. Ich habe mir die Frage gestellt, was Carsen besser machen könnte, um dieses Stück JEDERMANN nicht verstaubt und interessant ins 21.Jahhundert zubringen. Schließlich wird dieses Stück seit 100 Jahren immer wieder bei den Salzburger Festspielen gespielt und von vielen Regisseuren immer wieder neu und anders inszeniert.

„Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal fand 1911 in Berlin als Uraufführung, jedoch nicht erfolgreich, war es für Salzburg eine Verlegenheitslösung. Denn das ursprünglich vorgesehene Auftragswerk war nicht fertig geworden. Max Reinhardt bat den Salzburger Erzbischof Ignatius Rieder, das „Spiel von dem Sterben des reichen Mannes“ vor dem Dom aufführen zu dürfen. Somit wurde „Jedermann“ – Regie führte Max Reinhardt – im August 1920 einmal in Salzburg aufgeführt und aus einer Verlegenheitslösung wurde es ein Jahrhundert Stück. Dies ist einmalig, denn es gab noch nie in der Geschichte der Kunst, dass ein Stück so lange gespielt wurde wie „Jedermann“. Obwohl „Jedermann“ 8 Jahre lang in der Zeit von 1938 bis 1946 nicht mehr gespielt wurde, Max Reinhardt ging 1937 nach New York und 1938 wurde das Stück von den Nationalsozialisten gestrichen.  Erst als 1946 Helene Thimig, die Witwe von Max Reinhardt, nach Salzburg/Österreich zurückkehrte – Max Reibhardt verstarb 1943 im amerikanischen Exil – steht seit 1946 das Stück Hofmannsthals JEDERMANN wieder auf dem Programm.

Ich persönlich konnte den Jedermann nicht mehr hören, aber als ich Carsen zuhörte, kam ich ins Nachdenken. Robert Carsen hat einen neuen Blick auf den “Jedermann” geworfen und betont, dass hinter dem Stück mehr steckt, als wir oft wahrhaben wollen. Die Bedeutung des Titels “Jedermann” ist vielschichtig und regt zum Nachdenken an. Hofmannsthals Texte sind in der Tat reich an Symbolen und Intentionen, aber Carsen betont, dass noch weitere Facetten im Text verborgen sind. Es ist spannend zu sehen, wie ein klassisches Werk immer wieder neue Perspektiven eröffnet!

Carsen unterstreicht die Wichtigkeit, das Stück neu zu überdenken und einen innovativen Ansatz zu wählen. Der „Jedermann“ wurde in der Vergangenheit oft zu traditionell dargestellt. Durch ein frisches Team und eine Bühnenarchitektur, die sich stärker in die Darbietung einfügt und sogar die Fassade des Salzburger Doms miteinbezieht, soll das Stück auf eine interessante Art und Weise in das 21. Jahrhundert geholt werden. Carsen ist es wichtig, dass das Publikum eine Verbindung zur Hauptfigur aufbauen kann und hebt die Relevanz des zentralen Themas hervor: den Tod, der uns alle eint. Philipp Hochmair wird in dieser fesselnden Neuinszenierung die Hauptrolle des Jedermann spielen. Es ist ebenso beeindruckend zu beobachten, wie ein klassisches Werk kontinuierlich neu interpretiert wird, um es für das heutige Publikum bedeutsam zu gestalten.

Salzburger Festspiele Shooting mit Deleila Piasko (Buhlschaft) und Philipp Hochmair (Jedermann) in Salzburg Foto: Neumayr/Leopold 24.06.2024

Robert Carsen hat mir auch geholfen, den „Jedermann“ anders zu sehen, man muss sich viel mehr damit auseinandersetzen, ihn öfter lesen, um zu verstehen, wie die vielen einzelnen Szenen zusammenhängen. Laut Carsen: „Hofmannsthal hat ein „Mysterienspiel“ geschrieben, das viele „mysteriös“ in sich birgt, die jede Inszenierung zu entschlüsseln.“

Robert Carsen, geboren in Kanada, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School und wandte sich anschließend der Regie sowie dem Bühnenbild zu. Er hat zahlreiche Opernproduktionen inszeniert. Im Jahr 2024 führte er bei Mozarts „La Clemenza di Tito“ während der Salzburger Pfingstfestspiele Regie.

Wir freuen uns auf die Neuinszenierung des „Jedermann“ und hoffen, dass sie mehr als nur ein flüchtiger Trend sein wird.

Premiere des Stücks ist am 20. Juli 2024 am Domplatz in Salzburg.

https://www.salzburgerfestspiele.at/p/jedermann-2024

Reflexion über Technologie und Herdenverhalten in Bad Ischl 2024

Remote Bad Ischl ist eine ungewöhnliche Stadtführung Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Foto: © Christa Linossi 2024

Remote Bad Ischl ist eine ungewöhnliche Stadtführung. Sie wurde von der Berliner Künstlergruppe Rimini Protokoll konzipiert und realisiert. Das Kollektiv entwickelt Bühnenstücke, Interventionen, szenische Installationen und Hörspiele, oft in Zusammenarbeit mit Expert*innen, die ihr Wissen und Können jenseits des Theaters erprobt haben.

Wem folgen wir, wenn wir uns von einem Computerprogramm leiten lassen? Die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 lud die Künstlergruppe Rimini Protokoll ein, einen ungewöhnlichen Stadtrundgang durch Bad Ischl zu realisieren.

Ich habe an einer außergewöhnlichen Stadtführung teilgenommen und möchte darüber berichten. Die Audiotour dauerte ungefähr 90 Minuten und führte zu Fuß durch Bad Ischl. Angeleitet von einer künstlichen Stimme, wurden wir zu Experimenten angeregt: Wie treffen wir gemeinsam Entscheidungen? Wem folgen wir? Die künstliche Intelligenz beobachtete aus der Ferne menschliches Verhalten, während ihre Stimme mit jedem Schritt vertrauter wurde. Unterwegs belebten Kunstkopfaufnahmen und filmische Kompositionen die städtische Umgebung.

Wir erhielten Kopfhörer und folgten einer synthetischen Stimme, die uns durch Bad Ischl leitete.

Am Anfang stand der Stadtfriedhof von Bad Ischl, was ich zunächst makaber fand. Eine Stimme im Ohr erläuterte, dass hier Menschen ruhen, die einst lebten und nun begraben, unsichtbar und ungreifbar sind. Sie instruierte uns, über den Friedhof zu schlendern, jedoch nicht zu weit, und einen Grabstein auszuwählen, den wir für uns selbst wünschen würden. Es ist faszinierend, wie die Künstlergruppe Rimini Protokoll das Thema Tod und Erinnerung in ihre Führung integriert.

Dann verließen wir den Friedhof und begaben uns auf einen Parkplatz. Wir stellten uns im Kreis auf und beobachteten einander. Wie reagierten wir? Verschieden? Zurückhaltend? Selbstsicher? Es schien mir, als wäre alles in Bewegung, und jeder beobachtete den anderen, sei es bewusst oder unbewusst.

Die Aufforderung der Stimme, das Tempo zu erhöhen und sich zu gruppieren, ähnelt in der Tat dem Verhalten einer Herde. Es ist faszinierend zu sehen, wie wir in solchen Momenten agieren und wie eine künstliche Stimme unsere Aktionen steuern kann.

Es glich einem Herdentrieb. An einer Kreuzung mit zwei Rückspiegeln hielten wir an und positionierten uns so, dass wir im Spiegel sichtbar waren. Die Aufforderung, unsere Handys zu zücken und den Spiegel zu fotografieren, regt zum Nachdenken an. Es könnte eine Reflexion über unsere Selbstwahrnehmung und die Darstellung unserer selbst in der digitalen Welt sein.

Der Marsch setzte sich fort und führte uns über eine Straße, durch einen Park, eine weitere Straße entlang und schließlich zur Kirche. Dort sollten wir eintreten, also nahmen wir Platz und warteten auf neue Anweisungen. Unsere Gruppe spaltete sich in zwei Teile, und wir sammelten uns erneut vor der Kirche. Immer wieder erhielten wir Anweisungen, die uns durch die Stadt zu verschiedenen Gebäuden, Parks oder über bunte Zebrastreifen leiteten. An einem Punkt sollten wir eine Demonstration durchführen, was wir auch umsetzten. Als Höhepunkt des Tages führte der Weg unsere Gruppe auf den Kalvarienberg, wo wir etwa 100 Stufen erklommen. Oben angekommen, machten wir ein Gruppenfoto, bevor sich die Gruppe auflöste.

Ende der ungewöhnlichen Stadtführung am Kalvarienberg von Bad Ischl / Remote Bad Ischl Foto: © Christa Linossi 2024

Mein Kommentar zu dieser merkwürdigen Wanderung: Wir Menschen lassen uns von unverständlichen Informationen verleiten, ähnlich einer Schafherde, was zum Nachdenken anregen sollte. Ist das nicht auch ein Thema für die Psychologie?

Diese Führung zeigt auch, dass wir tatsächlich in einem Zeitalter der digitalen Informationsüberflutung angekommen sind, in dem wir oft unbewusst von Algorithmen und künstlicher Intelligenz beeinflusst werden. Die Frage der bewussten Reflexion darüber, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten, ist äußerst relevant.

Die Abhängigkeit von Mobiltelefonen und der ständige Zugang zu Informationen können dazu beitragen, dass wir weniger Zeit für tiefgehende Diskussionen und Reflexionen aufwenden. Es ist wesentlich, sich der Verteilung unserer Zeit und Aufmerksamkeit bewusst zu sein und zu erkennen, welche Rolle Technologie dabei einnimmt.

Es ist faszinierend zu bedenken, dass wir uns gelegentlich wie eine Herde benehmen. In der digitalen Welt können Trends und Meinungen rasch viral werden, und es ist wesentlich, kritisch zu reflektieren, ob wir uns lediglich mitreißen lassen oder ob wir bewusste eigene Entscheidungen fällen.

Vielleicht ist es ratsam, dass wir uns häufiger Zeit nehmen, um innezuhalten und zu reflektieren. Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, wie wir Informationen verarbeiten und welchen Einfluss sie auf unsere Gedanken und Handlungen haben. Der Diskurs und der Austausch verschiedener Sichtweisen sind dabei äußerst wertvoll.

Das erscheint als eine faszinierende Erfahrung. Die Vorstellung, Menschen durch eine Stadt zu leiten und ihre Reaktionen zu beobachten, ist wirklich außergewöhnlich. Es wirkt so, als ob die Künstlergruppe Rimini Protokoll absichtlich mit unserer Wahrnehmung und unserem Verhalten experimentiert. Es handelt sich um eine einzigartige Erfahrung, die zum Nachdenken über unsere Interaktion mit der Technologie und mit anderen Menschen anregt.

Als Leserinnen und Leser meines Blogs ermutige ich Sie, sich an dieser Tour zu beteiligen, falls Sie Ihren Sommer in Bad Ischl, der Kulturhauptstadt Europas 2024, verbringen. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite. https://www.salzkammergut-2024.at/projekte/remote-bad-ischl/

Sollten Sie Interesse an dieser eigenartigen Führung haben, sie findet noch bis 28. Juli 2024 statt.

Xenia Hausner: Internationale Künstlerin und ihre Skulptur „Atemluft“

EINE BERÜHRUNG – ENTRÜCKT UND DOCH GANZ NAH

Vorschau im neuen Tab

Skulptur von Xenia Hausner „Atemluft“ in Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Foto: © Christa Linossi 2024

Xenia Hausner, die Tochter des vor 25 Jahren verstorbenen renommierten Malers Rudolf Hausner, ist in seine Fußstapfen getreten. Er war ein Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Seine bekanntesten Werke, „Adam“ und „Odysseus“, wurden weltweit ausgestellt.

Sie gilt als international renommierte Künstlerin, Malerin und Bühnenbildnerin, die eine enge Verbindung zum Salzkammergut hat. Ihre dynamischen, großformatigen Frauenporträts mit ausgeprägten Mustern sind weltweit bekannt. 

Künstlerin Xenia Hausner Ausstellung Photo 2021 im Stadtgarten Gmunden, Foto: © Rudi Gigler

Über Ihr neues Projekt in Bad Ischl:

Skulptur von Xenia Hausner „Atemluft“ in Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Foto: © Christa Linossi 2024

Mit „Atemluft“ hat sie erstmals eine Skulptur geschaffen

Skulptur von Xenia Hausner „Atemluft“ in Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Foto: © Christa Linossi 2024

Im Kontext der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 enthüllt die weltweit anerkannte Künstlerin, Malerin und Bühnenbildnerin Xenia Hausner ihre erste skulpturale Arbeit im öffentlichen Raum, betitelt „Atemluft“. Die drei Meter hohe Skulptur aus Aluminium und Bronze thematisiert gesellschaftliche und existenzielle Herausforderungen unserer Epoche.

Skulptur von Xenia Hausner „Atemluft“ in Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Foto: © Christa Linossi 2024

Der Platz ist gut gewählt, hier herrscht Autoverkehr und ihre Skulptur „Atemluft“ ist ein sinnliches Bild, wie eine dunkle Wolke lastet die schwere Sauerstoffflasche auf dem Kopf der schreienden Frauenfigur. Der Verdrängungshaltung unserer Gesellschaft wird der Spiegel vorgehalten – in der hochglanzpolierten Oberfläche der Skulptur sehen wir das Spiegelbild unserer selbst, in dem wir uns als Täter*in und Opfer wiedererkennen.

Es symbolisiert die Verzweiflung, den Kampf um das, was wir zum Leben brauchen. Was bleibt? Was verlieren wir? Was haben wir aufs Spiel gesetzt? Eine Berührung – weit weg von uns und doch so nah.

Sie drückt mit Nachdruck und großer Bestürzung den Zynismus und den fehlenden Realitätssinn aus, der sich im Umgang mit unseren schwindenden Ressourcen zeigt.

Besucher: innen der Kulturhauptstadt Bad Ischl sollten es nicht versäumen, die Skulptur von Xenia Hausner zu betrachten. Diese wird bis Ende November 2024 auf dem Bahnhofsplatz ausgestellt sein.

Salzburger Festspiele: Jedermann Generalprobe, Fackeltanz und Auftaktveranstaltung 2024

Kristina Hammer, Präsidentin der Salzburger Festspiele und Renate Stelzl, Organisatorin des Fests zur Festspieleröffnung © SF/Jan Friese

„Wenn das Haus durchsichtig wird, gehören die Sterne zum Fest“.

Mit diesem Zitat öffnen die Salzburger Festspiele die Pforten des Theaters und laden Bevölkerung und Gäste zu einem umfangreichen Programm ein. An drei Tagen werden in der Stadt Salzburg 76 Vorstellungen in 32 Spielstätten geboten.

Dr. Renate Stelzl erklärte: „Das zentrale Motiv des diesjährigen Festivals ist das Überschreiten von Grenzen. Die Musik von Johann Sebastian Bach begegnet modernsten Soundsystemen, Streichensembles treffen auf Pop und Loops, und die Band Neuschnee konfrontiert sich mit sommerlichen Temperaturen. Es sind diese vielfältigen spielerischen Möglichkeiten, die den Charme der Eröffnungsveranstaltung der Salzburger Festspiele ausmachen.“

Drei Tage lang können sich die Salzburgerinnen und Salzburger sowie die Gäste der Salzburger Festspiele beim Festspieleröffnungsfest auf den Festspielsommer einstimmen. Das Fest findet parallel zur konzertanten Ouverture spirituelle am 19., 20. und 26. Juli statt.

Das Programm reicht von der Generalprobe über Führungen, Workshops und Diskussionen bis hin zu Open-Air-Konzerten.

Anlässlich des Eröffnungsfestes des Festivals lädt die Kollegienkirche zu einer öffentlichen Generalprobe von ET EXSPECTO aus der Konzertreihe Ouverture spirituelle ein. Die Künstler des entsprechenden Konzerts haben zugestimmt, diese Probe für das Publikum zugänglich zu machen.

Seit 2008 bietet das Young Singers Project der Salzburger Festspiele jungen, talentierten Sängerinnen und Sängern aus aller Welt ein herausragendes Weiterbildungsprogramm im besonderen Rahmen der Festspiele. Ihren ersten öffentlichen Auftritt haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des YSP 2024 im Rahmen der Festspieleröffnung im Großen Saal des Mozarteums.

Die Neuinszenierung des Jedermann mit Philipp Hochmair in der Titelrolle und das Ensemble haben zugestimmt, die Generalprobe am 19. Juli für einen wohltätigen Zweck zu öffnen. Der Online-Verkauf für die Generalprobe des Jedermann zu ermäßigten Preisen startet am 9. Juli 2024 um 9:30 Uhr.

Interessante weitere Veranstaltungen sind: Salzburger Strassentheater Robin Hood im Innenhof der Alten Residenz. Die Autogrammstunde im Großen Festspielhaus – Eingangsfoyer. Konzert Thomas Gansch – Blasmusik Supergroup im Haus für Mozart

Am Freitag, dem 26. Juli 2024, werden in Salzburg viele Veranstaltungen geboten, darunter das Salzburger Turmblasen, Auftritte der Salzburger Bürgergarde, der Lessacher Alphornbläser, sowie Konzerte der Salzburger Polizeimusik und Militärmusik, D’Untersberger und des Salzburger Volksliedkreises.

Ein weiteres volkskulturelles Highlight ist der berühmte Salzburger Fackeltanz, dem ein eigener Tag gewidmet ist. Er findet am 26. Juli 2024 von 22.30 bis 23.20 Uhr statt. Rund 100 Paare der verschiedenen Brauchtumstanzgruppen aus Stadt und Land Salzburg zeichnen mit ihren Fackeln 13 verschiedene Figuren in die Nacht und lassen so den Tag ausklingen.

Das Fest zur Eröffnung der Festspiele markiert traditionell den Beginn des Festspielsommers: Es wird gefeiert, musiziert, getanzt und performt in der Altstadt. Genießen Sie die Kultur und das Ambiente der Salzburger Altstadt und feiern Sie gemeinsam mit uns.

https://www.salzburgerfestspiele.at/karten/kalender?season=143

Ein interessanter Hinweis: Ihre Festspielkarte dient auch als Busticket – kostenlos, bequem und umweltfreundlich zu den Salzburger Festspielen. Der Verein der Freunde der Salzburger Festspiele unterstützt auch dieses Jahr wieder die umweltfreundliche und kostenfreie Mobilität der Festspielbesucher zu den Veranstaltungen. Diese Vorteile sind bereits für das Eröffnungsfest der Festspiele gültig.

Gottfried Helnwein: Atemlos – Hyperrealistische Darstellungen und provokante Kunst

Gottfried Helnwein, der bereits im Frühjahr in Gmunden mit seinen großformatigen Bildern an der Fassade des Rathauses und des Stadttheaters für Aufsehen gesorgt hat, zeigt eine Einzelausstellung im Kammerhofmuseum in Gmunden/Oberösterreich.

Pressekonferenz am 13.06.2024 zur Ausstellung Gottfried Helnwein „Atemlos“ im Kammerhofmuseum Gmunden, Werk: „The Disasters of War 28“ und dem Künstler Gottfried Helnwein Foto: © Christa Linossi 2024

Gottfried Helnwein ist bekannt für seine provokanten und oft kontroversiellen Arbeiten, die sich mit Themen wie Schmerz, Verletzung und Gewalt auseinandersetzen.

Es ist eine beeindruckende Werkschau, die Helnweins hyperrealistische, oft düstere Darstellungen von Kindern zeigt.

Darunter sind auch die ikonischen Bilder des verletzten Kindes – großformatige Porträts, die einen erschütternden Blick in die Seele des Menschen werfen.

In seinen Werken verwendet er oft eine hyperrealistische Darstellungsweise, die eine fast fotografische Qualität erzeugt. Es sind fotorealistische Porträts, in denen jedes Detail akribisch ausgearbeitet ist, um eine intensive Wirkung zu erzielen. Helnwein bedient sich verschiedener Techniken, um seine künstlerischen Ziele zu erreichen und nicht, um mit vordergründigen Effekten zu verblüffen.

Pressekonferenz am 13.06.2024 zur Ausstellung Gottfried Helnwein „Atemlos“ im Kammerhofmuseum Gmunden, Werk: „The Disasters of War 28“ P Foto: © Salzkammergut Festwochen Gmunden 2024

Das Kind, vor allem das elfengleiche Mädchen, ist für Gottfried Helnwein eine Metapher der Menschlichkeit. Er ist ein zutiefst in der Gegenwart verankerter Künstler, dessen Malerei unsere Zeit zum Thema hat: Gewalt, Grausamkeit, Krieg, Unterdrückung.

„Das Porträt eines Mädchens mit geschlossenen Augen packt den Betrachter unmittelbar mit seiner intensiven Ausdruckskraft. Die linke Gesichtshälfte des Mädchens ist blutverschmiert, und auf ihrer Schulter zeichnet sich ein deutlicher Blutfleck ab. Dunkle Farbtöne und der starke Kontrast zwischen Licht und Schatten verleihen dem Bild eine düstere Stimmung, die den emotionalen Schmerz und die Verletzlichkeit der dargestellten Figur unterstreicht. Ihre geschlossenen Augen scheinen eine innere Resilienz widerzuspiegeln – ein stilles Ertragen des Schmerzes in der Hoffnung auf dessen Ende.

Das Kunstwerk fordert den Betrachter heraus, sich mit den tiefgründigen Themen von Gewalt und Leid auseinanderzusetzen und reflektiert zugleich über die Würde des Menschen. Die sorgfältige Komposition lenkt die Aufmerksamkeit gezielt auf die zentralen Elemente des Bildes und regt dazu an, über die Geschichte nachzudenken, die hinter dieser kraftvollen Darstellung steht.“

Ein anderes Werk, das einen Kopf darstellt, der mit einem weißen Verband umhüllt ist, während das Gesicht selbst mit weißer Farbe bedeckt wurde. An den Stellen, wo sich normalerweise die Augen befinden, zieht die brutale Anbringung von klammerartigen Objekten die Aufmerksamkeit auf sich. Diese Klammern, die durchbohren den Raum, wo die Augen sein sollten. Der Mund ist ebenfalls aufgespalten und mit einer ähnlichen Klammer, die an eine Brille erinnern, fixiert, was ein Gefühl von Gewalt und Zwang vermittelt.

Pressekonferenz am 13.06.2024 zur Ausstellung Gottfried Helnwein „Atemlos“ im Kammerhofmuseum Gmunden, Werk: „The Last Days of Pompeii“ Foto: © Christa Linossi 2024

Diese Darstellung ruft eine tiefe Abneigung gegen Grausamkeit hervor und konfrontiert den Betrachter mit einer verstörenden Vision von Entmenschlichung und Schmerz. Die Verwendung von Weiß könnte symbolisch für Unschuld oder Reinheit stehen, die durch die gewaltsamen Eingriffe kontrastiert und entweiht wird. Das Bild fordert dazu auf, über die Auswirkungen von Gewalt und die Verletzung der menschlichen Würde zu reflektieren.“

Das Werk präsentiert eine weinrote Pistole, die so positioniert ist, dass sie die ungeteilte Aufmerksamkeit jedes Betretenden des Ausstellungsraums erzwingt. Diese Darstellung könnte als abschreckendes Beispiel dienen, das die allgegenwärtige Präsenz von Schusswaffen in unserem globalen Alltag hinterfragt. Warum wird das Instrument des Tötens so oft von Menschen benutzt, um Leben zu beenden? Die Fragen nach dem ‘Warum’ des Mordens und der menschlichen Neigung zur Gewalt werden eindringlich gestellt. Im Gegensatz zur Tierwelt, wo das Töten ein Akt des Überlebens ist, scheint der Mensch aus einer perversen Lust heraus zu handeln. Das Werk fordert uns auf, über unsere moralischen Werte und die Konsequenzen unserer Handlungen nachzudenken.

Pressekonferenz zur Ausstellung „Atemlos“ des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein, im Kammerhofmuseum in Gmunden, im Rahmen der Salzkammergut Festwochen Gmunden, am 13.06.2024. Das Bild zeigt den Künstlers Helnwein mit einem seiner Werke Foto: © Rudolf Gigler, Salzkammergut Festwochen Gmunden 2024

Das Foto von mir und dem renommierten Künstler Gottfried Helnwein vor seinem provokativen Werk dient als stilles, aber kraftvolles Statement gegen Gewalt. Es stellt eine Frage, die über das Bild hinausgeht und direkt an die Besucher gerichtet ist: „Muss Gewalt sein?“ Durch diese visuelle und persönliche Verbindung mit dem Kunstwerk lade ich die Betrachter ein, über die Präsenz und Auswirkungen von Gewalt in unserer Gesellschaft nachzudenken und zu hinterfragen, ob sie jemals gerechtfertigt sein kann.”

Pressekonferenz zur Ausstellung „Atemlos“ des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein, im Kammerhofmuseum in Gmunden, Künstler Gottfried Helnwein und Online Journalistin und Kunst-Bloggerin Christa Linossi Foto: © Christa Linossi 2024

Einer der bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs ist Gottfried Helnwein. Er studierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Meisterklasse von Rudolf Hausner, dem Vertreter des Phantastischen Realismus. Inspiriert durch performative Kunst auf der Straße und durch Fotoaktionen im Atelier und im öffentlichen Raum. Er sieht sich in der Tradition von Künstlern wie Goya und Picasso, die die Kriege ihrer Zeit in ihrer Kunst festhielten und sich mit den elementaren Fragen der menschlichen Existenz und ihren Abgründen auseinandersetzten.

Zitat von Gottfried Helnwein: „Durch die Kunst verliert der Tod seine Macht. Die Unentrinnbarkeit des Schreckens wird durch die Ästhetik transzendiert und relativiert“.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Juli 2024 im Kammerhofmuseum in Gmunden/Oberösterreich

Prädikat: Sehenswert

https://www.festwochen-gmunden.at/de/aktuelles-programm

https://www.festwochen-gmunden.at/de/festival/detail/gottfried-helnwein

Ai Weiwei:

Transcending Borders and Dialog with Hallstatt Culture

„Transcending Borders – Dialog mit der Hallstattkultur” Ai Weiwei in der Kaiservilla in Bad Ischl Foto: © Christa Linossi 2024
Künstler Ai Weiwei und wartet geduldig auf die Fragen der Journalisten (Kaiserpark) Foto: © Christa Linossi 2024

Die Ausstellung findet im Marmorschlössl und im Kaiserpark statt und bietet die einmalige Gelegenheit, die Werke von Ai Weiwei in Verbindung mit historischen Funden aus der Hallstattzeit zu erleben.

Ai Weiwei im Dialog mit der Hallstattkultur. Der Titel der Ausstellung lautet “Transcending Borders – Dialog mit der Hallstatt Kultur”.

Foto : © Christa Linossi 2024

Es ist eine Einladung von Ai Weiwei, über die Grenzen von Zeit, Kultur und Geschichte hinauszudenken.  

Der Künstler präsentiert Werke, die auf die frühesten chinesischen Dynastien Bezug nehmen und führt sie in einen Dialog mit wichtigen archäologischen Entdeckungen aus der Hallstattzeit. (800-450 v. Chr.).

Durch diesen Dialog schafft Ai Weiwei einen einzigartigen Raum, der die Verbindung zwischen Kunst und Geschichte betont und eine faszinierende Begegnung zweier Welten ermöglicht. Die Ausstellung soll zeigen, was unsere Kultur und Geschichte, mit der der frühen chinesischen Dynastien verbindet und was sie trennt.

Dabei geht es nicht nur um die Überwindung geografischer Grenzen, sondern auch um die Überwindung zeitlicher und kultureller Barrieren, um eine universelle Sprache der Kunst zu schaffen, die zum Nachdenken und Reflektieren anregt.

Ai Weiwei nutzt seine Kunst als Medium, um politische und gesellschaftliche Themen aufzugreifen und einen Diskurs über Freiheit, Menschenrechte und gemeinsame Menschlichkeit zu fördern.

Die Ausstellung umfasst 42 Werke von Ai Weiwei, die in einen Dialog mit der Hallstattkultur treten. Es entsteht ein faszinierender Austausch von Farben, Formen und unterschiedlichen Kulturen. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen

  • „With Wind“: Eine große, bunte Drachen-Installation, deren 30 Glieder für Länder stehen, in denen die Menschenrechte eingeschränkt werden.
  • „Weiße Helme“: Eine Installation aus 175 weißen Helmen, die an Wehrmachtshelme aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern und von Ai Weiwei direkt in Gmunden aus weißer Gmundner Keramik gefertigt wurden.
  • “Zodiac Heads”:  Zwölf monumentale Tierkreisköpfe wurden rund um den Brunnen vor der Kaiservilla aufgestellt. Sie sind den im ersten Opiumkrieg zerstörten Tierkreisköpfen vor dem kaiserlichen Sommerpalast in Peking nachempfunden.

Es gibt jedoch noch einige Werke des Künstlers zu bewundern. Im Kaiserpark befinden sich noch die interessanten „Bubbles, 2008“, ein Kunstwerk, das noch in den alten Brennöfen von Jingdezhen, der historischen Hauptstadt der kaiserlichen Porzellanmanufaktur, hergestellt wurde.

Ai Weiwei „Bubbles, 2008“ Foto: © Christa Linossi 2024

„Coloured House, 2013“, ebenfalls im Park. Es handelt sich um ein fast 400 Jahre altes Haus, das zu Beginn der Qing-Dynastie (1644-1911) im Besitz einer wohlhabenden Familie aus der Provinz war. Es ist vollständig aus Holz gebaut und basiert auf einem traditionellen Pfosten-Riegel-System. Die meisten Häuser aus dieser Zeit wurden abgerissen, was dem Gebäude eine gespenstische Aura verleiht. Ai Weiwei hat das Haus mit Industriefarben gestrichen, was diesem scheinbar unwirklichen Überlebenden seiner Zeit eine zeitlose und zugleich moderne Ausstrahlung verleiht.

Ai Weiwei „Coulred House 2013“ Foto: © Rudi Gigler 2024

Im Marmorschlössl sind auch archaische Kunstwerke von Ai Weiwei zu sehen. In eigens von ihm angefertigten Vitrinen ergänzt er die Sammlung auf geniale Weise. So entsteht ein spannender Dialog, der Fragen nach Identität, Tradition und dem Erbe der Menschheit aufwirft.

Ai Weiweis Kunstverständnis wurde von verschiedenen Seiten geprägt. Da ist zum einen die traditionelle chinesische Kultur, mit der sich Ai Weiwei seit frühester Jugend auseinandersetzt – geprägt durch seinen Vater, den Dichter Ai Qing (1910-1996), und seinen zwölfjährigen Aufenthalt in Amerika. Dadaismus und Pop-Art prägten sein Kunstverständnis.

Der am 28. August 1957 in Peking geborene chinesische Konzeptkünstler, Bildhauer und Kurator Ai Weiwei ist auch als Menschenrechtsaktivist und Dissident bekannt und hat sich durch regierungskritische Äußerungen hervorgetan. Sein Engagement gilt den Menschenrechten, der Demokratie und insbesondere der Menschenwürde. Nach seiner Inhaftierung im Jahr 2011 unterlag er bis 2015 einem Reiseverbot. Danach verließ er China und lebte bis 2019 in Berlin, danach in England und seit 2021 in Portugal.

Er ist bekannt für seine vielfältigen Ausdrucksformen, darunter Malerei, Installation, Fotografie, Bildhauerei, Literatur, Musik und Film. Zu seinen wichtigsten Werken zählen der “Hocker”, die “Coca-Cola-Vase”, “Straight” und „S.A.C.R.E.D.“. Seine Werke wurden weltweit in zahlreichen Ausstellungen gezeigt. Auch in Salzburg hat Ai Weiwei bereits ausgestellt, und zwar im Museum der Moderne Salzburg zur Ausstellung „Mahjong“ eine chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg. Auch in der Steiermark am Dachstein ist Ai Weiwei präsent. https://www.kultura-extra.de/kunst/feull/regionale10_ai_weiwei.php

Die Ausstellung trägt den Titel „Transcending Borders – Dialog mit der Hallstattkultur“ und ist ein Begleitprojekt der OÖ-Landes-Kultur GmbH zur Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024. Sie wurde am Mittwochabend im Beisein des Künstlers im Marmorschlössl eröffnet und dauert bis 27. Oktober 2024.

Wenn der Künstler Ai Weiwei und die Online Journalistin Linossi sich gegenseitig fotografieren Foto: © Christa Linossi 2024

Die Ausstellung ist absolut sehenswert, wenn Sie die Möglichkeit haben, dann machen Sie einen Abstecher nach Bad Ischl/Austria. Sie werden es nicht bereuen. http://www.ooekultur.at https://www.ooekultur.at/exhibition-detail/ai-weiwei

Salzburger Freilichtmuseum Großgmain/Salzburg : 40 Jahre Jubiläum mit Blick in die Vergangenheit und Zukunft

Unter dem Motto „damals – heute – morgen“ präsentierte sich das Salzburger Freilichtmuseum zu seinem 40. Geburtstag mit einem vielfältigen Programm.

Festakt 40 Jahre Salzburger Freilichtmuseum Großgmain Foto: Franz Neumayr 9.6.2024

In der Jubiläumssaison des Salzburger Freilichtmuseums steht nicht nur der Blick zurück, sondern auch der Blick nach vorne auf dem Programm.

Im Beisein von Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer feierte das Salzburger Freilichtmuseum am Sonntag, dem 9. Juni 2024, offiziell seinen 40. Geburtstag.

Festakt 40 Jahre Salzburger Freilichtmuseum Großgmain Foto: Franz Neumayr 9.6.2024

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer ging in seiner Festrede auf die Geschichte des Salzburger Freilichtmuseums ein, die eigentlich schon vor 100 Jahren mit der Gründung des Volkskundemuseums im Monatsschlössl begann. Bis zur Eröffnung des Museums im Jahr 1984 war es noch ein weiter Weg. „Heute ist das Salzburger Freilichtmuseum eines der größten seiner Art in Österreich und schafft es auf vorbildliche Weise, die ländliche Alltagskultur von damals mit der Gegenwart zu verbinden“, zeigte sich der Landeshauptmann, der auch Vorsitzender des Museumskuratoriums ist, stolz. Peter Fritz, ab April 2024 Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, ergänzt: Das Salzburger Freilichtmuseum ist ein Ort der Wissensvermittlung und der Erholung zugleich. Ein Juwel, in dem ich mich als Gast mit spannenden Fragen aus Geschichte und Gegenwart auseinandersetzen, neue Ideen sammeln oder Kraft tanken kann“.

Die „Rainerkeusche“ aus Ramingstein/Winkl, um 1482

Rainerkeusche“, ein historisches Kleinbauernhaus, das 1482 erbaut wurde. Foto: © Freilichtmuseum 2024
Rainerkeusche“, ein historisches Kleinbauernhaus, das 1482 erbaut wurde. Foto: © Christa Linossi 2024

Bei einem Rundgang durch das Freilichtmuseum entdeckte ich eines der ältesten Häuser. Es handelt sich um die „Rainerkeusche“, ein historisches Kleinbauernhaus, das 1482 erbaut wurde. (Aufgrund der Holzbalken konnte das Alter anhand der Jahresringe sehr genau bestimmt werden). Die überwiegend aus Holz gebaute Keusche stammt aus dem späten Mittelalter. In der Rainerkeusche lässt sich anschaulich nachvollziehen, wie die einfachen Menschen vor über 500 Jahren gelebt haben. Auf einer Grundfläche von 60 Quadratmetern lebten zeitweise bis zu zehn Personen mit Vieh. Im Inneren der Rainerkeusche befinden sich neben einfachen Möbeln, Schlafplätzen, einer Feuerstelle und landwirtschaftlichen Geräten auch Alltagsgegenstände wie Geschirr, Textilien und Werkzeuge. Sie geben einen Einblick in das Alltagsleben und die Handwerkskunst der damaligen Zeit. Die Rainerkeusche ist von einem kleinen Garten mit Nutzpflanzen und Kräutern umgeben. Dies veranschaulicht die Selbstversorgung der Bauernfamilien.

Das Gebäude wurde 2017/18 abgetragen und im Freilichtmuseum wieder aufgebaut. Es gilt als das älteste Wohngebäude des Museums und stellt vermutlich das älteste spätmittelalterliche Mittelflurhaus Europas dar. Als interdisziplinäres Projekt wurde das spätmittelalterliche Haus umfassend dokumentiert, die Forschungsergebnisse sind in einer thematisch breit angelegten Publikation nachzulesen.

Als ich so vor dem Haus stand und fotografierte, kam ein Vater mit seinen zwei Kindern im Alter von 5-6 Jahren aus dem Haus und die Kinder stellten folgende Fragen: „Wo ist der Fernseher, wo haben diese Menschen hier geschlafen? Warum gibt es kein Badezimmer? Hatten sie etwas zu essen? Konnten sie kochen, gab es einen Herd? Warum ist hier alles ganz anders als bei uns?

Für Kinder des 21. Jahrhunderts ist dieses Haus natürlich Steinzeit. Aber ich finde es gut, wenn Familien mit ihren Kindern in die Vergangenheit reisen, damit sie auch sehen, wie einfach die Menschen früher leben mussten. Es gab kein Spielzeug, kein Auto, kein iPad, kein Handy, keinen Fernseher, kein Radio und so weiter.

https://www.freilichtmuseum.com/de/besucherinfo.html

Eine Reise in die Vergangenheit lohnt sich immer. Man lernt unsere Zeit wieder zu schätzen und vielleicht auch wieder zufrieden zu sein.

GAIA Kunstinstallation in der Salzburger Kollegienkirche: Ein faszinierendes Erlebnis aus der Weltraumperspektive

Kunstwerk GAIA des britischen Künstlers Luke Jerram Salzburger Kollegienkirche/ Foto: © Christa Linossi 2024

Das beeindruckende Kunstwerk GAIA des britischen Künstlers Luke Jerram schwebt nun in der Salzburger Kollegienkirche.

Mit GAIA präsentiert die Sommerszene Salzburg erstmals in Österreich eine der aufsehenerregendsten Kunstinstallationen der letzten Jahre. Die zentrale Kuppel der Kollegienkirche ist die perfekte Bühne für das riesige dreidimensionale Abbild der Erdkugel.

Kunstwerk GAIA des britischen Künstlers Luke Jerram Salzburger Kollegienkirche/ Foto: © Christa Linossi 2024

Dabei handelt es sich um eine schwebende Kugel mit einem Durchmesser von sieben Metern, die sich langsam dreht und es den Besuchern ermöglicht, die Erde aus der Perspektive eines Astronauten zu sehen, so als befänden sie sich selbst im Weltraum. Gleichzeitig wird eine Tonspur mit echten Gesprächen zwischen Astronauten abgespielt.

Die Installation basiert auf detaillierten NASA-Aufnahmen der Erdoberfläche und vermittelt den so genannten „Overview Effect“. Dieses Phänomen beschreibt das tiefe Verständnis für die Vernetzung allen Lebens auf der Erde und die Verantwortung, die wir für unsere Umwelt tragen.

Was ist der Overview-Effekt? Der Overview-Effekt ist ein faszinierendes Phänomen, das von Astronauten beschrieben wird, die die Erde aus dem Weltraum betrachten. Dabei wird ihnen die Verbundenheit aller Lebewesen auf unserem Planeten und seine Zerbrechlichkeit bewusst.

Astronauten sehen keine politischen Grenzen, keine kulturellen Unterschiede und keine nationalen Konflikte, wenn sie die Erde von außerhalb der Atmosphäre betrachten. Stattdessen sehen sie einen blauen Planeten, der von einem dünnen Schleier aus Luft und Wasser umgeben ist. Diese Erfahrung verändert oft die Sicht auf das Leben und die Umwelt. Es erinnert sie daran, wie kostbar und einzigartig unser Planet ist und wie wichtig es ist, ihn zu schützen und zu bewahren.

Ein Besuch der Kollegienkirche (erbaut von Johann Fischer von Erlach) lohnt sich immer, und wer sie vom engen Universitätsplatz aus durch das Hauptportal betritt, ist beeindruckt. Unerwartet eröffnet sich dem Besucher eine Weite und Größe des Raumes, die befreiend wirkt. In 29 Metern Höhe überspannt das Tonnengewölbe den Raum. Zahlreiche Fenster durchbrechen das Mauerwerk und tauchen die Kirche zu jeder Tageszeit in kristallklares Licht, zu dem sich nun ein weiterer Augenschmaus gesellt: die Kunstinstallation GAIA von Luke Jerram.

Kurze Info zum Künstler: Luke Jerram ist ein britischer Installationskünstler, der sich mit Skulpturen, großen Kunstinstallationen und Live-Kunstprojekten beschäftigt. Seine multidisziplinäre Praxis hat Menschen auf der ganzen Welt begeistert und inspiriert.

Die Kunstinstallation in der Salzburger Kollegienkirche ist bis 16. Juni 2024 zu sehen.

Wo wird noch die Kunstinstallation GAIA auf Kunst- und Wissenschaftsausstellungen sowie Festivals auf der Welt präsentiert:

Borneo Cultures Museum, Malaysien        ab 24. Juni 2024

Kelburn Garden Party, Schottland UK       ab   4. Juli 2024 – 8. Juli 2024

Colchester Castle, UK,                           ab 19. Juli 2024 – 15. September 2024

Kendal Calling, UK                                ab 01. August 2024 – 04. August 2024

Stadtkirche Karlsruhe, Deutschland          ab 13. September 2024 – 06. Oktober 2024

Blumenthal Arts, Charlotte, USA             ab 20. September 2024 – 10.November 2024

The Myth of Normal: Körper und Gesellschaft in der Kunst

Der Salzburger Kunstverein beschreitet neue Wege mit dem Themenschwerpunkt People – Health – Mind – What’s Normal and What’s Not?

The Myth of Normal Foto: © Kunst-Dokumentation

Die Ausstellung „Der Mythos des Normalen, Chronische Widersprüche“ ist eine Gruppenausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Hannover konzipiert wurde. Die Ausstellung steht in engem Zusammenhang mit der Schwesterausstellung im Kunstverein Hannover „Der Mythos des Normalen vom “Können und Gönnen“. Sie zeigt:

„Die Gruppenausstellung The Myth of Normal. Vom Können und Gönnen beleuchtet zentrale Fragen des Verhältnisses von Körper und Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der UEFA EURO 2024, die im Juni und Juli Hochleistungskörper in den sportlichen Wettkampf schickt, präsentiert der Kunstverein Hannover künstlerische Perspektiven zur Wahrnehmung und Erfahrung von Vulnerabilität, zu individuellen und kollektiven Traumata, zur Auseinandersetzung mit Schmerz, Krankheit und Therapie, zur Heilarbeit und – letztlich – Fürsorge und (Ver-)Teilung“. https://www.kunstverein-hannover.de/de/ausstellungen/4056-the-myth-of-normal-vom-knnen-und-gnnen

Zurück zum Kunstverein Salzburg:

Von Konkurrenz und Zugeständnissen untersuchen beide die Normen der „Normalität“ im Gesundheitswesen und die Erwartungen der Gesellschaft, inspiriert von den Erkenntnissen des renommierten Traumaforschers Dr. Gabar Maté. Ergänzend dazu erforscht die von beiden Kunstvereinen gemeinsam produzierte Performance-Reihe When the Body Says Yes (or Maybe) die Nuancen des Könnens.

Die erste Frage, die ich mir stellte, war: Wie wird der Besucher den Ausstellungsraum sehen? Erschrocken, irritiert oder gleichgültig, sich fragend, warum die Papierstapel, warum der Rollwagen, auf dem Gehirne liegen, oder die herabhängenden, seltsamen, nicht zuzuordnenden Säcke? Was ist die Botschaft, was wollen die Künstler damit ausdrücken?

The Myth of Normal (?San Daniel Schinken?) Foto: © Kunst-Dokumentation

Als ich den Ausstellungsraum betrat, erinnerte mich mein erster Blick auf die 20 hängenden Exponate an den berühmten San Daniele Schinken (italienisch Prosciutto di San Daniele). (Dieser luftgetrocknete italienische Schinken stammt aus der kleinen Stadt San Daniele in der Region Friaul im Nordosten Italiens.) Nein, es geht nicht um den berühmten Schinken, sondern darum, dass Formen mehrdeutig sein können. Diese Objekte des Künstlers Itamar Gov, deren Länge zwischen einhundert und einhundertachtzig Zentimetern variiert, evozieren einen Einblick in die intimen Kämpfe und Triumphe des Lebens mit der Krankheit und verwandeln es in einen Akt des Überlebens.

Ein weiteres Kunstobjekt desselben Künstlers fällt sofort ins Auge. Es handelt sich um 33 identische Gehirne aus Gips, die in Wachs getaucht auf einem metallenen Operationstisch präsentiert werden. Ihre Präsentation verbindet klinische Distanz mit kulinarischer Ästhetik. Obwohl die Gehirne optisch weich und fast durchscheinend erscheinen, sind sie in Wirklichkeit eher steinern. Govs Aneinanderreihung der Gehirne in dieser Installation verstärkt die Spannung zwischen dem Idealen und dem Realen, dem Organischen und dem Künstlichen.

Gleichzeitig spielt die Arbeit mit der Tatsache, dass das Gehirn als zentrales Denk- und Identitätsorgan im Gegensatz zu allen anderen Teilen des menschlichen Körpers nicht reproduziert oder ersetzt werden kann. Damit greift der Künstler Themen aus der Frankenstein-Geschichte und E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ auf, in dem die Figur der Olympia ein ebenso überzeugendes wie groteskes künstliches Ideal darstellt.

The Nursery und Olympia (CER.810), zwei Werke von Itamar Gov, untersuchen die Auswirkungen der Behandlung des menschlichen Körpers und Geistes als Bereiche technologischer Eroberung und Perfektion. Das Werk greift Themen aus der Frankenstein-Geschichte und E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ auf, in dem die Figur der Olympia ein ebenso überzeugendes wie groteskes künstliches Ideal darstellt.

The Myth of Normal Foto: © Kunst-Dokumentation

Auch die blaue Liege mit der sanften, aber überzeugenden Botschaft READY TO PUT MY FEET UP. REST HERE IF YOU AGREE im Ausstellungsraum lädt dazu ein, Stellung zu beziehen. Sind Sie bereit, sich hinzusetzen und sich neu zu positionieren? Dieses Element stammt von der Künstlerin Finnegan Shannon, die damit einen proaktiven Ansatz verfolgt, um das Problem der Verfügbarkeit von Ruheplätzen im öffentlichen Raum zu thematisieren. 

Die Ausstellung ist auf jeden Fall einen Besuch wert. https://salzburger-kunstverein.at/themythofnormal