„Secret Garden – Jaume Plensas träumende Skulpturen auf dem Residenzplatz“

„Inmitten von Wasser und Stein: Der Residenzbrunnen flankiert von fünf Skulpturen – Jaume Plensa in Salzburgs Herz.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Einführung & persönliche Perspektive

Seit Sonntag, dem 27. Juli 2025 wurde der Residenzplatz in Salzburg von dem Künstler Jaume Plensa mit seinen überlebensgroßen, träumenden Metallköpfen in einen stillen Garten der Reflexion verwandelt.

Eröffnung von „Secret Garden“ Jaume Plensa, Residenzplatz Salzburg/ Von links nach rechts: Dr. Kristina Hammer (Präsidentin der Salzburger Festspiele), Jovanka Porsche (Unternehmerin und Mitbegründerin von Global Neighbours), Christian Kern (ehemaliger österreichischer Bundeskanzler), Jaume Plensa (Künstler), Daniel Richter (Künstler, mit seiner Frau Hanna Putz), Prof. Walter Smerling (Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur, Bonn), Thaddaeus Ropac (Galerist) und Philipp Hochmair (Schauspieler, derzeit in der Rolle des „Jedermann“).

„Ein faszinierender Anblick: Die monumentalen Skulpturen verwandeln den Residenzplatz und ziehen Besucher:innen magisch an – wie Motten das Licht.“

Künstlerische Reflexion und Dialog mit Mozart

„Diesmal begegne ich diesem Kunstwerk nicht als Online-Journalistin, sondern als Künstlerin – mit einem Blick für das Unsichtbare zwischen Form und Gefühl.“

Der Residenzplatz atmet Geschichte – heute jedoch schwebt über den steinernen Boden eine neue Sprache: die Sprache der Skulpturen von Jaume Plensa. Gesichter ohne Worte, Körper ohne Bewegung – und doch eine Stille, die spricht.

Im Hintergrund, unbewegt und doch ewig präsent, blickt Mozart – das Genie der Musik – auf diesen Dialog der Formen. Was sieht er? Was hört er? Vielleicht den Klang der Gedanken, die Kunst in uns auslöst.

Wie fühlt er sich? So in den Hintergrund gedrängt und doch auch präsent und mit einem Blick Richtung dieser monumentalen Skulpturen. Ein Dialog aus dem Hintergrund mit den „fünf Frauen, die unterschiedlicher Herkunft und Nationalität sind und mit geschlossenen Augen, vielleicht Träume und Sehnsüchte für sich behalten wollen?“

„Mozart, der ewige Klangpoet, blickt aus dem Hintergrund auf diese neue Sprache der Formen. Lauscht er dem inneren Dialog der Skulpturen? Oder hört er die Gedanken, die sie in uns auslösen?“

Die Installation dieser Skulpturen rund um den Residenzbrunnen – ebenfalls ein monumentaler barocker Brunnen – zu installieren, war eine großartige Idee – denn auch der Brunnen erzählt Geschichte. Er besteht aus drei Brunnenbecken und vier Figurengruppen, alle aus Untersberger Marmor. Tommaso di Garona war der Meister des Residenzbrunnen, jedoch aber nicht unumstritten?

Hier trifft sich Vergangenheit und Zukunft zugleich. Der Dialog zwischen den fünf Frauenköpfen und dem Brunnen, bringen einen auch zum Nachdenken. Was war Geschichte, was ist Zukunft?

Technische Details der Skulpturen

Entstanden im Jahr 2023 im Plensa Studio Barcelona, das Werk besteht aus fünf überlebensgroßen Köpfen, die mit jeweils 11 Metern Höhe aus Gusseisen gefertigt wurden und pro Skulptur ca. 30 Tonnen wiegen.

Die Skulpturen mit den Namen Minna, Rui Rui, Wilsis, Rose und Soribel sind in einem offenen Raster von 24 × 24 Metern angeordnet.

Jede Figur setzt sich aus 22 bis 26 einzelnen Fragmenten zusammen, die mit Edelstahlbolzen verbunden sind. Durch die modulare Konstruktion kann jede Skulptur segmentweise montiert werden.

Der geheime Garten – Plensas Idee

„Der Künstler und seine Vision: Jaume Plensa steht neben einem der monumentalen Köpfe aus dem ‘Secret Garden’.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Das Statement von Jaume Plensa läßt aufhorchen: „Fünf Frauen unterschiedlicher Herkunft und Nationalität, die mit geschlossenen Augen zu uns über den inneren Weg sprechen, über all die Schönheit, die wir in uns verborgen halten. Eine unbekannte und einzigartige Landschaft, die tief in unserem Wesen verborgen bleibt – der geheime Garten unseres Lebens, der wertvollste Ort, das Zentrum unserer Träume und Sehnsüchte.“ 

Walk of Modern Art

„Secret Garden“ ist gewissermaßen eine Fortsetzung des vielbeachteten Projekts Walk of Modern Art, das zwischen 2002 und 2011 in Salzburg entstanden ist und die internationale Gegenwartskunst dauerhaft und frei zugänglich in den öffentlichen Raum bringt. Es setzt die Kunstwerke in einen lebendigen Dialog mit der historischen Altstadt Salzburgs. 

Statement: Walter Smerling, Vorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und Kurator

„Mit Secret Garden wird der Walk of Modern Art eindrucksvoll weitergeschrieben: Kunst, die allen gehört – mitten im Leben, mitten in Salzburg. Jaume Plensa gelingt es, mit Stille und Schönheit einen Raum für Menschlichkeit zu schaffen.“

Jaume Plensa erlangte internationale Bekanntheit durch Werke wie der „Crown Fountain“ in Chicago oder die Installation „Behind the Walls“ im Rockefeller Center in New York, darüber hinaus entwickelte er auch gefeierte Bühnenbilder u. a. am Liceu Barcelona. In Salzburg ist er bereits mit dem Werk „Awilda“ im Arkadenhof der Universität (2010) Teil des renommierten Walk of Modern Art der Salzburg Foundation.

Während der Salzburger Festspiele verwandeln Plensas Skulpturen den Residenzplatz in einen Ort stiller Poesie. Besucher:innen begegnen ihnen mit Staunen – setzen sich, verweilen, halten den Moment fest. Und mitten in Salzburg entfaltet sich der geheime Garten – offen, universell, tief in uns.

Die Skulpturen sind während der Salzburger Festspiele, vom 27. Juli bis 29. August, für alle frei zugänglich – mitten in der Altstadt – und verwandeln den Residenzplatz in einen Ort stiller Poesie und universeller Begegnung. 

Secret Garden – Jaume Plensa’s Dreaming Sculptures on Salzburg’s Residenzplatz

View of Residenzplatz, encircled by sculptures Jaume Plensa that whisper history. Photo: © Christa Linossi 2025

Introduction & Personal Perspective Since Sunday, July 27, 2025, the Residenzplatz in Salzburg has been transformed by the artist Jaume Plensa into a silent garden of reflection, graced with his monumental, dreaming heads made of metal. “A mesmerizing sight: The monumental sculptures redefine the Residenzplatz and attract visitors like moths to a flame.”

Left to right: Dr. Kristina Hammer (President of the Salzburg Festival), Jovanka Porsche (entrepreneur and co-founder of Global Neighbours), Christian Kern (former Austrian Chancellor), Jaume Plensa (artist), Daniel Richter (artist, with his wife Hanna Putz), Prof. Walter Smerling (Chairman of the Foundation for Art and Culture, Bonn), Thaddaeus Ropac (gallerist), and Philipp Hochmair (actor, currently starring as “Jedermann”). Photo: © Christa Linossi 2025

Artistic Reflection and Dialogue with Mozart “This time I’m not encountering this artwork as an online journalist, but as an artist – with a keen eye for the invisible space between form and emotion.” The Residenzplatz breathes history – but today, a new language floats above its cobbled stones: the language of Jaume Plensa’s sculptures. Faces without words, bodies without movement – and yet a silence that speaks. In the background, unmoved but eternally present, Mozart – the genius of music – witnesses this dialogue of forms. What does he see? What does he hear? Perhaps the sound of thoughts that art awakens within us. How does he feel? Pushed into the background, yet present, his gaze meets these monumental sculptures. A quiet dialogue with the “five women of differing origins and nationalities who, with closed eyes, might be guarding their dreams and longings?” “Mozart, the eternal poet of sound, observes this new language of forms from afar. Does he listen to the inner dialogues of the sculptures? Or hear the thoughts they awaken in us?”

The installation around the Residenzbrunnen – a magnificent baroque fountain with its own story – was a brilliant idea. Crafted from Untersberg marble by Tommaso di Garona, though not without controversy, the fountain consists of three basins and four sculptural groups. Past and future converge in a dialogue between the five women’s heads and the fountain. A moment of reflection: what is history, what is the future?

Technical Details of the Sculptures Created in 2023 in the Plensa Studio Barcelona, the work consists of five oversized heads, each measuring 11 meters in height and weighing approximately 30 tons. The sculptures – named Minna, Rui Rui, Wilsis, Rose, and Soribel – are arranged in an open grid measuring 24 × 24 meters. Each figure is made up of 22 to 26 individual fragments connected by stainless steel bolts. Thanks to their modular structure, the sculptures can be assembled piece by piece.

Artistic Reflection and Dialogue with Mozart “This time I’m not encountering this artwork as an online journalist, but as an artist – with a keen eye for the invisible space between form and emotion.” The Residenzplatz breathes history – but today, a new language floats above its cobbled stones: the language of Jaume Plensa’s sculptures.
Jaume Plensa beside one of his dreaming sculptures – a quiet encounter between creator and creation. Photo: © Christa Linossi 2025

Plensa’s Concept of the Secret Garden Jaume Plensa’s statement resonates: “Five women of different origins and nationalities who, with closed eyes, speak to us through inner paths, of all the beauty we hold within ourselves. An unknown and unique landscape that remains hidden deep within our being – the secret garden of our lives, the most valuable place, the center of our dreams and longings.”

Walk of Modern Art “Secret Garden” continues the acclaimed project Walk of Modern Art, established between 2002 and 2011 in Salzburg. It brings contemporary international art into the public space, creating a vibrant dialogue with the historic city center. Statement from Walter Smerling, Chairman of the Stiftung für Kunst und Kultur e.V. and curator: “With Secret Garden, the Walk of Modern Art continues impressively: art that belongs to everyone – in the midst of life, in the heart of Salzburg. Jaume Plensa creates space for humanity through silence and beauty.”

Jaume Plensa became internationally known through works like the “Crown Fountain” in Chicago and the “Behind the Walls” installation at Rockefeller Center in New York. He also designed acclaimed stage sets, for example at the Liceu Barcelona. In Salzburg, he’s already part of the Walk of Modern Art with his work “Awilda” in the arcaded courtyard of the university (2010).

During the Salzburg Festival, Plensa’s sculptures transform the Residenzplatz into a site of silent poetry. Visitors approach them with awe – sitting down, lingering, capturing the moment. And in the heart of Salzburg, the secret garden unfolds – open, universal, deep within us.

🗓 The sculptures are freely accessible during the Salzburg Festival, from July 27 to August 29 – located in the historic old town – turning Residenzplatz into a place of silent poetry and universal encounter.

„Mahler, Schönberg, Webern – Peter Sellars’ Triptychon bei den Festspielen“

TT „One Morning Turns into an Eternity” 2025: Ausrine Stundyte (Eine Frau), Peter Sellars (Regie), Wiebke Lehmkuhl (Alt)
© SF/Jan Friese

Kunst zwischen Abschied und Erwartung – Eindrücke zur Pressekonferenz One Morning Turns Into an Eternity

Ein Morgen, der zur Ewigkeit wird – Regisseur Peter Sellars hat mit seiner neuen Inszenierung ein musikalisches Triptychon geschaffen, das zwischen westchinesischer Dichtung, buddhistischer Lehre und expressionistischer Seelenschau oszilliert. Ausgehend von Gustav Mahlers Der Abschied und Arnold Schönbergs Erwartung entfaltet sich ein Raum, in dem Schmerz, Sehnsucht und das menschliche Überleben ihre Stimmen finden. Ergänzt wird dieses Spannungsfeld durch Anton Weberns Fünf Orchesterstücke op. 10, die als verbindendes Element zwischen Mahler und Schönberg fungieren. Gemeinsam bilden diese drei Werke die Grundlage der szenischen Neuproduktion One Morning Turns Into An Eternity, deren Premiere am 27. Juli bevorsteht.

Sellars sprach bei der Pressekonferenz über den Einfluss alter chinesischer Texte – etwa ein Gedicht von Wang Wei – und darüber, wie Krisenjahre von Mahler und Schönberg sich in diesen musikalischen Werken widerspiegeln. 1909, ein Jahr voller Brüche und Einsamkeit: Mahler verliert sich im Schmerz über Almas Affäre, Schönberg kämpft mit inneren Dämonen. Beide Komponisten begegnen sich nicht nur musikalisch, sondern auch emotional. Der Titel der Produktion leitet sich aus der Textzeile „Ein Morgen wandelt sich in Ewigkeit“ ab – aus einem Gedicht von Wang Wei, dessen Verse in der deutschen Nachdichtung von Hans Bethge Mahlers Vertonung zugrunde liegen.

Die Musik wird nicht nur als Ausdruck, sondern als Organismus begriffen – nicht glatt, nicht schön, sondern fragmentiert und herausfordernd. Sellars zeigt eindrücklich, dass wahre Kunst nicht darin besteht, Schmerz zu überdecken, sondern ihn sichtbar zu machen. Sein Dialog mit dem Dirigenten offenbart eine gemeinsame Vision: Musik soll ein 3D-Raum werden, spürbar, lebendig und manchmal auch beängstigend. Unterstützt wird das Projekt von zwei großartigen Sängerinnen – Ausrine Stundyte und Wiebke Lehmkuhl – deren Interpretationen den Werken eine neue Tiefe verleihen. In ihrer Unterschiedlichkeit entsteht ein gemeinsamer emotionaler Kosmos.

Diese Inszenierung ist keine nette Rose auf samtigem Tuch – sie ist ein seelisches Erdbeben, das sich nicht erklären lässt, sondern erlebt werden muss.

Die Welt der hohen Kunst fasziniert mich seit jeher – und doch ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich vor ihren tiefen Türen stehe: neugierig, bewegt, aber noch auf der Suche nach dem passenden Schlüssel. Diese Inszenierung hat mir einen Spalt geöffnet, durch den Licht fällt. Mit offenem Herzen für große Kunst – und mit digitaler Unterstützung, um meine Eindrücke in Worte zu fassen.

Peter Sellars – ein Porträt
© Christa Linossi 2025
Ein persönliches Dankeschön Als ich mich mit Peter Sellars’ Arbeit für diese Inszenierung beschäftigte, wurde mir bewusst, wie tief seine künstlerische Vision wirkt. Diese Vision beeinflusst nicht nur die Bühne, sondern auch mich. Das Porträt, das ich von ihm gemalt habe, ist mein Versuch, diese Wertschätzung sichtbar zu machen. Es ist kein offizielles Bild – sondern ein persönlicher Ausdruck von Respekt und Dankbarkeit gegenüber einem Künstler, der Räume öffnet: für Musik, für Menschlichkeit, für Licht.

Premiere ist: am Sonntag, 27. Juli 2025 um 19:00 Uhr in der Felsenreitschule Salzburger Festspiele

„Zwischen Stein und Stimme – Tony Cragg im Dialog mit der Zeit“

Ausstellung Tony Cragg „Zeiten“ in der Residenz Galerie in Salzburg/ Fotomontage: © Christa Linossi 2025

Mit den Skulpturen von Tony Cragg, in Kooperation mit Thaddaeus Ropac, zeigt die Residenzgalerie Salzburg in den Prunkräumen der Residenz eine Ausstellung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Schon damals erhielten herausragende Künstler Aufträge von den Salzburger Erzbischöfen – ihre Werke prägen die Räume bis heute. Auch sie mussten sich mit vorhandenen künstlerischen Ausdrucksformen auseinandersetzen. In dieser Tradition begegnet auch Tony Cragg dem bedeutungsvollen Ort mit Respekt und kreativer Neugier.

Zeitgenössische Kunst im historischen Kontext eröffnet neue Perspektiven. In den Prunkräumen der Residenz entfalten Craggs Arbeiten eine besondere Resonanz. Sie treten in Dialog mit Architektur und Ausstattung. Diese haben seiner Kunst unmittelbare Impulse verliehen.

Ausstellung Tony Cragg „Zeiten“ in der Residenz Galerie in Salzburg/Fünf Köpfe aus Travertin-Stein Foto: © Christa Linossi 2025

Besonders fasziniert haben mich die fünf Köpfe (Untitled, 2019) aus Travertin-Stein. Betrachtet man diese aus Marmor anmutenden Blöcke, erkennt man je nach Blickwinkel einen anderen Ausdruck. Craggs Skulpturen muss man in Ruhe umrunden. Aus einer Position zeigen sie Gesichter und Körper. Aus einer anderen Position wirken sie wiederum wie abstrakte Formen, die an Schwämme oder andere Naturstrukturen erinnern.

Ausstellung Tony Cragg „Zeiten“ in der Residenz Galerie in Salzburg/Kopf aus Travertin-Stein Foto: © Christa Linossi 2025

Auch andere Werke laden zur Entdeckung ein: Etwa „Level Surface“, eine rosa getönte Skulptur, die auf einem 3D-Modell eines Prunkraum-Tisches basiert. Sie ist Craggs erste Arbeit mit einem 3D-Scanner und verströmt trotz ungewöhnlicher Form eine stille Eleganz.

Ausstellung Tony Cragg „Zeiten“ in der Residenz Galerie in Salzburg/Level Surface Foto: © Christa Linossi 2025

Die Skulptur „Rem“, gefertigt aus patinierter weißer Bronze, greift die Form einer traditionellen afrikanischen Kopfstütze auf. In aufgestapelter Komposition entsteht ein neues Bild – fast wie verzerrte Buchstaben einer fremden Sprache.

Ausstellung Tony Cragg „Zeiten“ in der Residenz Galerie in Salzburg/“REM“ Foto: © Christa Linossi 2025

Cragg verwendet vielfältige Materialien wie Holz, Glas und Kunststoff. Seine Werke wirken wie sichtbare Energie, basierend auf einem künstlerischen Konzept, das aus den Naturwissenschaften abgeleitet ist.

Bei der jüngsten Pressekonferenz (Juli 2025) präsentierte sich Tony Cragg nicht nur als Bildhauer. Er trat auch als leidenschaftlicher Denker über Kunst auf. Er sprach über die Gesellschaft und die Rolle des Einzelnen im kreativen Prozess. „Wer ist der schönste Mensch?“ – mit dieser provokanten Frage eröffnet Cragg eine Debatte über Identität und Wert. Seine Sprache, wie seine Skulpturen: roh, fragmentarisch, vielschichtig – und gerade deshalb voller Ausdruckskraft.

Für Cragg ist Kunst stets auch politisch. Sie steht nicht losgelöst von gesellschaftlichen Fragen, sondern spiegelt Positionen zu Umwelt, Menschenrechten und Gleichstellung wider.

Für mich ist Kunst wie ein Inselchen im Gehör, ein Bild aus Staub auf den Fingern, eine Melodie aus Material und Bedeutung. Sie zeigt nicht nur, was ist – sondern auch, was sein könnte. Jede Form, jedes Zeichen öffnet ein Fenster zur Welt und macht Kultur als lebendiges Experiment erfahrbar.

„In einer Welt, die ständig Form verliert und neue sucht, zeigen Craggs Skulpturen uns: Auch das Flüchtige hat Gewicht – und das Fragmentierte seine eigene Wahrheit.“

https://www.tony-cragg.com/

FACE TO FACE – Begegnung im Spiegel der Kunst: Die Magie des gemalten Blicks

Dom Quartier Residenzgalerie Salzburg, Ausstellung: FACE TO FACE  Gustav Klimt
Bildnis einer unbekannten Frau (Frau Heymann?), ca. 1894
 © Wien Museum / Birgit u. Peter Kainz
 
Dom Quartier Residenzgalerie Salzburg, Ausstellung: FACE TO FACE Anton Einsle, Anna Hüffel, geb. Einsle, die Tochter des Künstlers, ca. 1870 Copyright: © 2025 RGS/Ghezzi

„Ein Regentag erzeugt Frustration — um diesem zu entfliehen, widme ich mich einer faszinierenden Ausstellung im DomQuartier Salzburg.“ Es ist eine Ausstellung, die zum Dialog mit der Vergangenheit einlädt.

Face to Face österreichische Porträtmalerei des 19. Jahrhunderts.

Im 19. Jahrhundert erlebte das Bürgertum einen rasanten Aufstieg. Mit zunehmender Bildung und vermehrtem Wohlstand wuchsen Ansehen und Selbstbewußtsein.

So vollzog sich in der österreichischen Porträtmalerei ein bemerkenswerter Wandel. Es kam zu einer Vielfalt an Ausdrucksformen und zu einer Öffnung der Porträtkunst für das Selbstbewusstsein des Bürgertums.

Der Trend, sich porträtieren zu lassen, bot ein Mittel zur Repräsentation und Selbstdarstellung. Die so entstandenen Porträts bestechen durch eine Fülle an Malweisen, Stilen und Typen.

In der Ausstellung werden Herrscherbildnisse, Familien- und Kinderporträts, Damen- und Herrenbildnisse, Selbstporträts sowie Atelierszenen vereint. Sie setzen die Dargestellten so in Szene, wie diese gesehen werden wollten.

Die ausgestellten Werke üben für mich immer wieder eine Faszination aus. Mit welchem Feingefühl die Künstler:innen an ihre Werke herangegangen sind. Beim Betrachten hat man das Gefühl, der Blick der Person richtet sich an dich und will mit dir kommunizieren. Die Augen sind das emotionale Epizentrum jedes Porträts. Es sind die Augen, die mich fesseln — gemalt mit solcher Intensität, dass sie mir Geschichten zuflüstern.

Auch die Details von Licht und Schatten, die Kleidung usw. Haben sie sich schon einmal versucht ein Porträt zu malen? Wenn ja, dann wissen sie vielleicht, wie schwierig es ist, die Person so darzustellen, wie sie ist.

Dom Quartier Residenz Galerie Ausstellung FACE TO FACE Selbstporträt des Künstlers in seinem Atelier, 1892 oder 1902
© Salzburg Museum

Das Gemälde von Hans Makart ist für mich ein sehr ausdrucksstarkes Porträt seiner Frau Amalie Makart ca. 1871. Ihr Blick scheint eine Frage zu stellen — nicht an den Betrachter, sondern direkt an ihren Mann. Eine stumme Konfrontation in Öl.

Residenz Galerie Dom Quartier Ausstellung FACE TO FACE/ Hans Makart, Amalie Makart, um 1871 © RGS/Ghezzi

In den 1850er Jahren begann das Aufkommen der Fotografie. In der Gegenwart haben wir modernste Elektronik und Kameras. Handys und die Inszenierung auf diversen Social-Media-Plattformen sind die Folge.

So stellte ich mir die Frage: „Gibt es heute im 21.Jhd. noch Porträtmaler?“ Ja, sie gibt es noch! Es ist nur ein kleiner Auszug von Porträtisten unserer Zeit. Heute nennt man es Neo-Porträtismus in der Gegenwartskunst. Diese Künstler:innen verweigern sich der glatten Oberfläche und suchen stattdessen nach der Wahrheit im Gesicht.

Künstler:inStilmerkmale
Elizabeth PeytonGlühende Farben, Lasur, Popkultur-Ikonen3
Lucian FreudRadikale Ehrlichkeit, fleischliche Direktheit5
Gerhard RichterFotorealismus trifft Abstraktion7

Des Weiteren beschäftigt mich die Frage, ob sich die Porträtmalerei heute noch lohnen würde. Diese Frage kann man mit Ja beantworten. Es findet eine Renaissance des Analogen inmitten digitaler Überflutung statt. Sie zielt aber auch auf Diversität ab, der wir im 21. Jahrhundert tagtäglich ausgesetzt sind.

Es gibt einen Unterschied. Früher war es anders. Heute ist es anders. Für viele Menschen ist es ein großer Wunsch, von einem Künstler porträtiert zu werden. Ein Porträt ist wie eine Statue, die einen Künstler ehrt und von anderen bewundert wird.

Heute ist es jedoch eine Ära der pixelgenauen Selbstvermarktung und digitaler Selbstinszenierung geworden, die sich in den letzten Jahren immer weiterverbreitet hat.

Ein Porträt kann viele verschiedene Aufgaben erfüllen. Wir sehen solche Bilder ständig, beispielsweise in Reisepässen oder Führerscheinen. Dort dient es der Identifizierung. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem Informationen gesammelt und verarbeitet werden, um die Identität einer Person zu bestimmen.

Wer sich für Zeichnung, Malerei und im speziellen für die Porträtmalerei interessiert, sollte sich diese Ausstellung ansehen und eintauchen in die Welt des Porträts.

„Porträts sind keine stummen Bilder. Sie sind Spiegel, die Gesichter, Zeiten und Geschichten reflektieren. In einer Ära der pixelgenauen Selbstvermarktung und ständig neu erfundenen Identitäten durch digitale Filter, erinnert uns die Porträtmalerei an die Tiefe im echten Blick. Sie zeigt uns, wie viel mehr als nur das Offensichtliche in einem Blick steckt. Wer einem gemalten Blick begegnet, trifft nicht nur auf die dargestellte Person – sondern auch auf sich selbst. FACE TO FACE ist nicht nur ein Ausstellungstitel. Es ist eine Einladung zum Dialog: zwischen den Jahrhunderten, zwischen Kunst und Betrachter. Es ist ein Gespräch zwischen dem äußeren Bild und dem inneren Erkennen.“

Die Ausstellung ist zu sehen: Residenzgalerie in Salzburg bis 29. September 2025

Face to Face – Österreichische Porträtmalerei des 19. Jahrhunderts

Jaume Plensa verwandelt den Residenzplatz in Poesie – und lässt uns das Menschliche im Menschen spüren

Jaume Plensa, Stiftung Kunst, Bonn/ Foto: © Roberto Ruiz

Jaume Plensas Garten spricht die Sprache der Stille – und lehrt uns das Zuhören in einer Welt, die alles andere ist als still.“

Ein poetischer Essay über die neue Installation „Secret Garden“ von Jaume Plensa in Salzburg, ab 27. Juli 2025

„Secret Garden“ heißt die monumentale Skulptureninstallation von Jaume Plensa. Er ist jener Künstler, der bereits 2010 mit seiner geheimnisvollen „Awilda“ in der Dietrichsruh der Universität Salzburg ein Zeichen setzte. Das Werk ist ein Mädchenkopf aus schichtweisem aufgeschichtetem Marmor. Es ist durchscheinend und fast schwebend.

Jaume Plensa „„Awilda“ in der Dietrichsruh der Universität Salzburg 2010 / Foto: © Christa Linossi 2025

Nun kehrt Plensa in der Festspielzeit zurück – diesmal mit fünf überlebensgroßen Porträts junger Frauen, deren Augen geschlossen sind. Ihre Gesichter – Minna, Wilsis, Rose, Rui Rui und Soribel – stammen aus verschiedenen Kulturen und Lebensrealitäten. Dennoch sind sie verbunden. Sie teilen das Schweigen und die Hoffnung. Außerdem besitzen sie eine tief empfundene innere Würde.

Simulation-1030×656 Private Collection USA Courtesy of The Artist and GRAY Gallery/ Foto von Jaume Plensa am Residenzplatz freigegeben von Stiftung Kunst Bonn

Gemeinsam umringen sie den Residenzbrunnen, in der Anordnung eines pythagoreischen Sterns – Sinnbild für Harmonie, Perfektion und das Maß des Menschen.

Die stille Resonanz der Kunst

„Secret Garden“ ist mehr als eine Skulpturengruppe. Es ist ein Bekenntnis zur Kraft der Kunst in einer Welt, die sich neu erfinden muss. Während die Salzburger Festspiele Musik, Drama und Vision vereinen, antwortet Plensas Werk mit einer stillen Resonanz auf das, was uns verbindet: das Menschliche im Menschen.

Gerade im Zeitalter Künstlicher Intelligenz, in dem Maschinen beginnen, mit uns zu denken, zu sprechen – vielleicht sogar zu fühlen – stellt Plensa die entscheidende Frage: Was macht uns aus?

Seine Kunst erinnert uns daran, dass es keine Nebensache ist, darüber nachzudenken. Sie ist der Kern.

Und vielleicht ist genau das das wahre Geheimnis dieses Gartens: dass wir uns wieder erkennen – in einem Gesicht, das die Augen geschlossen hält, und doch alles sieht.

DISILLUSIO in der Kollegienkirche Salzburg – eine stille Rebellion aus PLA-Zeichnung und Licht

Kunstwerk von Christiane Pott – FERMATA DISILLUSIO Foto: © Christa Linossi 2025

„Ein Aufschrei in PLA – gezeichnet aus Licht, gehalten von Macht. Und plötzlich spricht der Kirchenraum weiblich.“

Bei meinem letzten Stadtbummel durch Salzburg zog es mich – wie so oft – in die Kollegienkirche. Sie ist nicht nur ein barockes Meisterwerk, sondern auch Salzburgs Kunstkirche: ein Ort, an dem Spiritualität und zeitgenössische Kunst in einen leisen, aber intensiven Dialog treten.

Altar der Kollegienkirche in Salzburg / Foto: © Christa Linossi 2025

Schon beim Betreten durch das Hauptportal umfängt mich diese Weite, diese stille Größe. Die Kirche, zwischen 1696 und 1707 von Johann Bernhard Fischer von Erlach im Auftrag von Fürsterzbischof Johann Ernst von Thun erbaut, zählt zu den bedeutendsten Barockkirchen Mitteleuropas. Das Tonnengewölbe spannt sich in 29 Metern Höhe über den Raum, die Kuppel hat denselben Radius wie der Grundriss – ein architektonisches Zentrum, das Himmel und Erde verbindet. Zahlreiche Fenster durchbrechen das Mauerwerk und tauchen den Raum zu jeder Tageszeit in kristallenes Licht. Die strahlende Madonna am Hochaltar, umgeben von 71 Engeln, zieht den Blick magisch an – ein Sinnbild göttlicher Weisheit.

Doch diesmal war es nicht nur die Architektur, die mich fesselte.

FERMATA DISILLUSIO – eine Skulptur, die hängen bleibt

Rechts neben dem Altar entdeckte ich eine Skulptur, die mir bisher nie aufgefallen war. Eine Hand – wie die eines Marionettenspielers – hält eine Frau an Fäden. Ihr Blick ist gesenkt, ihr Körper in sich gekehrt. Trauer? Erschöpfung? Widerstand?

Der Titel: FERMATA DISILLUSIO Der begleitende Text spricht von einer „fassungslosen Frau in ihrem erzwungenen Zustand“, von „fremder Macht“, die ihre Gefühle beeinflusst. Und von einem „vorhersagbaren Nachgesang“ am Ende des menschlichen Strebens.

Die Skulptur stammt aus der Ausstellung FUGATO UNIVERSALIS der in Salzburg lebenden Künstlerin Christiane Pott – eine monografische In-Situ-Schau aus dem Jahr 2024. Dass dieses Werk über die Ausstellung hinaus in der Kirche verblieben ist, berührt mich. Es ist ein stilles, aber bleibendes Zeichen. Ein Mahnmal.

Ein Aufschrei in PLA-Zeichnung – ein Werk aus biologisch abbaubarem Thermoplast, das durch seine feine Linienführung fast wie gezeichnet wirkt.

Ein Zeichen für uns Frauen

Diese Skulptur spricht. Sie spricht von dem, was Frauen oft tragen – sichtbar und unsichtbar. Von Erwartungen, Zuschreibungen, von Stärke, die nie schwach sein darf. Und sie stellt eine Frage: Würden Männer all das aushalten, was Frauen täglich leisten müssen?

Solange solche Skulpturen schweigen müssen, sollten wir umso lauter hinschauen. Und vielleicht beginnt Veränderung genau hier – in einem Blick, der nicht mehr wegschaut.

Über die Künstlerin

Christiane Pott ist nicht nur Dirigentin, Chorleiterin, Pianistin und Komponistin – sie ist auch bildende Künstlerin. Ihre Werke, ob musikalisch oder skulptural, sind Ausdruck einer tiefen inneren Kraft. Sie lebt Kunst – und lässt sie sprechen.

http://www.kollegienkirche.at/de/kollegienkirche.html

Hollywood-Glamour trifft Heimatgefühl: Wenn das Dirndl zum Filmstar wird

Dirndl Foto: © Salzburg Museum-Skyline Medien

Salzburg Museum – Gastspiel im Salzburger Heimatwerk

Salzburger Heimatwerk Foto: © Christa Linossi 2025

„Dirndl meets Hollywood“– das Gastspiel des Salzburg Museum zum 60-jährigen Jubiläum von The Sound of Music führt tief ins kulturelle Erbe einer Stadt, die selbst zum Mythos geworden ist.

Es ist eine Ausstellung, die Filmgeschichte, Mythos und Mode in den ehrwürdigen Gewölben des Salzburger Heimatwerks vereint.

Zum runden Geburtstag des weltbekannten Musicals lässt das Salzburg Museum die Geschichte der Familie von Trapp in einer Ausstellung aufleben, die Vergangenheit, Filmkunst und Trachtenkultur sinnlich verschmilzt. Im Galeriegewölbe des Salzburger Heimatwerks begegnen sich Realität und Film – mit Originalkostümen, Neuinterpretationen und bisher ungesehenen Details.

Die Geschichte der singenden Familie von Trapp ist untrennbar mit Salzburg verbunden – mit seiner Musik, seiner Landschaft und seiner Tracht. Diese Ausstellung schlägt eine Brücke zwischen der wahren Historie der Familie und dem weltweiten Kultstatus des Films mit Julie Andrews als Maria von Trapp.

Film trifft Fakt – Dirndl im Rampenlicht: Zwischen Leinwand und Leinen

Zu den Highlights zählen das berühmte schwarze Film-Dirndl, neu interpretiert als fließendes Leinenkleid, der eigens entworfene „Agathe“-Stoff sowie mehrere Originalstücke aus dem Besitz der Familie von Trapp. Darunter befindet sich auch ein Dirndl, das einst Maria von Trapp selbst getragen hat – ein Kleid mit Geschichte und Seele.

Jedes dieser Stücke erzählt weit mehr als Modegeschichte: Es sind textile Zeitzeugen, die durch die Schneiderkunst des Salzburger Heimatwerks eine stilvolle Brücke zwischen Tradition und Gegenwart schlagen.

Eine Reise durch die Geschichte: Von Agathe bis Hollywood

Ein eigens entworfener Stoff, basierend auf einer Zeichnung von Agathe von Trapp, wurde in Zusammenarbeit mit einer Salzburger Firma gefertigt – ein Symbol für die Verbindung von Tradition und Innovation. Daraus entstanden das Dirndl AgatheAgathe und passende Kindermodelle, gefertigt in der hauseigenen Maßschneiderei.

 Ein Blick in die Zukunft

Diese Ausstellung ist mehr als ein nostalgischer Blick zurück – sie ist ein Vorbote für den neuen Museumsstandort Hellbrunn und zugleich eine Einladung, die echten Geschichten hinter dem Film-Phänomen neu zu entdecken.

Kurator Matthias Bergsmann beschreibt seine erste Ausstellung als „eine positive Überraschung“ – eine Reise durch Briefe, Lieder, Fotografien und Stoffe, die das Spannungsfeld zwischen Fiktion und Tradition eindrucksvoll sichtbar macht.

Und wer glaubt, schon alles über The Sound of Music zu wissen, wird beim Eintreten in dieses Ausstellungsmärchen leise flüstern: „The hills are alive … with surprises.“

Die Ausstellung „Dirndl meets Hollywood“ Salzburg Museum – Gastspiel in Zusammenarbeit mit dem Salzburger Heimatwerk läuft noch bis 6. September 2025 zu besichtigen jeweils: von Montag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-17 Uhr, Sonn- und Feiertage geschlossen.

https://www.salzburgmuseum.at/gastspiel/ http://www.salzburgerheimatwerk.at

Salzburg groovt auf Schiene – Take The A-Train Festival #11

Ein Festival, das ankommt, wo das Leben spielt: Mitten in einem der buntesten Stadtteile von Salzburg voller Vielfalt, bringt das Take The A-Train Festival am 11.9. bis 14.9.2025 auch wieder frischen Sound, überraschende Begegnungen und internationale Klangfarben. Ob Rooftop-Session, Sunrise-Konzert oder Club Night – TTAT steht für Entdeckerlust ohne Genregrenzen.  Es findet genau dort statt, wo Menschen wohnen, leben und feiern.

akua-naru-interview Foto: Take the A-Train

In der 11. Ausgabe treffen internationale Acts auf heimische Newcomer, von Jazz über Hip-Hop bis elektronische Beats. Konzert-Highlights reichen von der Grammy-prämierten Avantgarde des Kronos Quartet bis zur lyrisch-politischen Power von Akua Naru. Der Münchner Festivalprolog mit dem Alien Ensemble oder die performative Freiheit von KoenigLollipop setzen weitere Glanzlichter. Dazu feiern Uche Yara, KÄSSY, Moses Yoofee Trio, DJ Krush und viele mehr den Sound der Gegenwart.

Sängerin KÄSSY, Foto:© Rosa Knecht

Highlights auf einen Blick:

  • Über 25 Events an 4 Tagen
  • Viele Konzerte bei freiem Eintritt

Locations: Andräkirche · Jazzit Musik Club · Hauptbahnhof · Haus Elisabeth · Rooftop ARTE Hotel · Tanzschule Seifert u.v.m.  

Alle Infos & Tickets: http://www.ttat.at

Wer Musik nicht nur hören, sondern erleben will, steigt hier ein – Take The A-Train ist Salzburgs klangvoller Auftakt zum Jazz-Herbst 2025.

„Nie wieder Frieden?“ – Der „steirische herbst“ stellt die Frage, die niemand hören will!

Intendantin und Chefkuratorin, Ekaterina Degot, Pressekonferenz im BAU am 24.6.25, Foto: steirischer herbst / Johanna Lamprecht

„steirische herbst“ stellt die Frage, die niemand hören will!

Europa rutscht – politisch, sprachlich, emotional. Zwischen Eskalation, Sprachverwirrung und historischen Wiederholungen steht der steirische herbst 2025 mit einem Titel, der unbequem klingt: „Never Again Peace“. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, entfaltet im Kontext des Festivals eine beklemmend aktuelle Wucht.

Der steirische herbst 2025 fragt radikal: „Nie wieder Frieden?“ – Kunst als Antwort auf Faschismus, Kriege und den Zerfall demokratischer Sprache.

Auch 2025 bleibt der steirische herbst ein Festival mit politischem Anspruch. Als international ausstrahlendes Produktionsfestival ist er fest in Graz und der Steiermark verwurzelt. Im Zentrum steht künstlerisches Schaffen, das gesellschaftspolitische Fragen kommentiert, Debatten anstößt und sich disziplinübergreifend mit der Gegenwart auseinandersetzt.

Die 58. Ausgabe trägt den Titel „Never Again Peace“ – entlehnt dem Theaterstück Nie wieder Friede (1934–36) des deutsch-jüdischen Autors und Antifaschisten Ernst Toller. Die bittere Komödie behandelt Militarismus und Antipazifismus. Sie entstand in einer Zeit, in der Europa dem Faschismus verfiel. Das Thema wirkt heute erschreckend aktuell.

Toller, einst Freiwilliger im Ersten Weltkrieg, wurde durch seine Kriegserfahrungen zum Pazifisten. Seine Werke wurden weltweit gespielt – von Moskau bis Sydney. Nie wieder Friede kehrt den pazifistischen Slogan „Nie wieder Krieg“ ins Gegenteil und stellt die Frage: Was bleibt vom Friedensversprechen angesichts all des Blutvergießens?

Ein ikonisches Beispiel: Käthe Kollwitz’ Plakat von 1924, das den Ruf „Nie wieder Krieg!“ visualisiert – ein junger Mann mit erhobener Hand zum Schwur. Dieses Bild wurde zur Ikone der Friedensbewegung.

Doch heute wirkt das „Nie wieder“ zunehmend hohl. Institutionen, die nach 1945 gegründet wurden, um Krieg und Völkermord zu verhindern, zerfallen. Putins Russland rechtfertigt seinen Angriffskrieg mit dem Kampf gegen Faschismus. In Israel wird „Nie wieder ist jetzt“ zum Schlachtruf einer Regierung, die den Krieg gegen die Hamas auf die Zivilbevölkerung Gazas ausweitet.

Auch in Österreich zeigen sich Parallelen: Nach dem Wahlsieg der rechtspopulistischen FPÖ sind kulturelle und zivilgesellschaftliche Einrichtungen von Budgetkürzungen betroffen. Nationalismus, Bigotterie und migrationsfeindliche Politik erleben eine Renaissance.

Ein Zitat von Michail Gorbatschow mahnte bereits 2017 in seinem gleichnamigen Friedensappell: *„Kommt endlich zur Vernunft – Nie wieder Krieg!“ Der Friedensnobelpreisträger forderte darin ein weltpolitisches Umdenken und warnte eindringlich vor einem Rückfall in nationalstaatliches Denken und militärische Eskalation. *Michail Gorbatschow: „Kommt endlich zur Vernunft – Nie wieder Krieg!“, Benevento Verlag, Wals 2017. In seinem Friedensappell warnte der Friedensnobelpreisträger eindringlich vor einem Rückfall in nationale Machtpolitik und militärische Eskalation.

Der steirische herbst greift diese Entwicklungen auf – auch mit Blick auf die Sprache. Wie schnell sich Begriffe ins Gegenteil verkehren können, zeigten schon Toller und Orwell. Der Grazer Freiheitsplatz, mehrfach umbenannt, zuletzt 1938, wird am 26. Juni vom Künstler Ahmet Öğüt erneut symbolisch umbenannt – von Freiheitsplatz in Freiheitsplatz. Eine Intervention, die zum Nachdenken über den Begriff der Freiheit anregen soll.

Das Festivalzentrum entsteht heuer im Bezirk Gries, in der ehemaligen Destillerie Bauer – einem Ort voller Widersprüche: migrantisch geprägt, aber politisch rechts wählend. Für die Dauer des Festivals wird das Gebäude in BAU umbenannt – ein Wort mit vielen Bedeutungen: Bauwerk, Tierbau, Gefängnis. Die Ausstellung zeigt Arbeiten über Unterdrückung, Flucht, Freiheit und gesellschaftliche Zersplitterung.

Der Eröffnungsabend beginnt mit einer Audio-Performance des Kollektivs LIGNA am Freiheitsplatz. In der Helmut List Halle folgt eine neue Arbeit von Manuel Pelmuș und Frédéric Gies, inspiriert von Kurt Jooss’ Antikriegsballett Der grüne Tisch (1932). Danach lädt Ivo Dimchev mit einer genreübergreifenden Performance zur Eröffnungsparty.

Auch 2025 beteiligen sich zahlreiche Kulturinstitutionen und Künstler:innen aus Graz und der Steiermark mit eigenen Projekten – darunter das ORF musikprotokoll (2.–5. Oktober) und das Literaturfestival Out of Joint mit dem programmatischen Titel Ich krieg die Krise. Beiträge kommen unter anderem von Konrad Paul Liessmann, Franz Schuh und Robert Pfaller.

Der steirische herbst zeigt: „Kunst kann nicht schweigen, wenn die Welt brüllt“.