So wie die Entfernungen mit zunehmendem Alter abnehmen, verliert die Welt ihre Unendlichkeit. Die kindliche Sehweise verwandelt sich in ein schätzbaren Maßstab. Bis sich der unendliche Kosmos wieder offenbart, werden unüberwindbare Entfernungen begehbar.
Liebe gleicht einer Wanderung über Stufen: Mal befindet man sich auf dem Gipfel, dann wieder im Tal. Sind es nicht die Distanzen, die schwinden, oder verliert sie ihre Unendlichkeit? Liegen nicht Liebe und Schmerz stets beieinander? Sie brennt wie Feuer!
Just as distances diminish with age, the world loses its infinity. The childlike way of seeing is transformed into an assessable scale. Until the infinite cosmos reveals itself again, insurmountable distances become accessible.
Love is like a hike over steps: Sometimes you’re on the summit, then back in the valley. Isn’t it the distances that dwindle, or does it lose its infinity? Aren’t love and pain always side by side? It burns like fire!
In der Vergangenheit, bevor die Premiere von JEDERMANN am Samstag, 20. Juli 2024, bei den Salzburger Festspielen als Eröffnung zur Festspielsaison 2024 vom „Sterben des reichen Mannes“ über die Bühne ging, ist bereits ein Hype um den neuen Jedermann-Darsteller Philipp Hochmair entbrannt.
Zum ersten Mal hatte ich das Vergnügen, am Montag, den 22. Juli 2024, leider nicht auf dem Domplatz – der Wettergott hatte kein Einsehen – das berühmte Schauspiel „Jedermann“ im Großen Festspielhaus in Salzburg zu sehen. Das Stück von Hugo von Hofmannsthal ist ein fixer Bestandteil der Salzburger Festspiele und wird – sofern das Wetter mitspielt – jedes Jahr vor der beeindruckenden Kulisse des Salzburger Doms aufgeführt.
Salzburger Festspiele Robert Carsen Foto: Neumayr/Leopold
Die Übertragung des „Jedermann“ ins 21. Jahrhundert ist Robert Carsen mit seiner diesjährigen Neuinszenierung gelungen. Er verwandelte die Bühne mit dem Dom als Kulisse in ein beeindruckendes, modernes und zugleich zeitloses Bühnenbild. Der Einsatz von Licht und Schatten sowie die minimalistischen, aber effektvollen Szenerien unterstrichen die dramatischen Momente des Stückes perfekt. Besonders hervorzuheben ist die Szene, in der „Jedermann“ von seinen Reichtümern Abschied nimmt; das Bühnenbild verstärkte die emotionale Tiefe dieser Momente erheblich.
Die schauspielerische Leistung von Philipp Hochmair in der Titelrolle war von beeindruckender Intensität und Tiefe. Besonders berührend war seine Fähigkeit, die innere Zerrissenheit und schließlich Reue des „Jedermann“ darzustellen.
Auch Deleila Piasko als Buhlschaft überzeugte. Sie brachte eine Mischung aus Charme und Stärke in ihre Rolle, die perfekt zu der dynamischen Beziehung zwischen Jedermann und seiner Geliebten passte.
Auch die Nebenrollen waren hervorragend besetzt. Die Darsteller des Todes, des Glaubens und anderer allegorischer Figuren verliehen der Aufführung eine zusätzliche Dimension. Ihre Darbietungen trugen dazu bei, die moralischen und spirituellen Themen des Stückes zu unterstreichen.
Beeindruckend ist auch, wie Carsen die Tischgesellschaft in eine Party, wie sie die Reichen und Schönen feiern, in eine Art Disco verwandelt. Ein Kellner, der Bote des Todes, schenkt Jedermann reinen Wein ein, und die Gesellschaft flieht, als Jedermann mitgeteilt wird, dass seine Zeit abgelaufen sei und er sich auf seine letzte Reise vorbereiten müsse. Verzweifelt versucht Jedermann, jemanden zu finden, der ihn auf dieser Reise begleitet, doch seine Freunde, seine Geliebte und sogar sein Reichtum verlassen ihn. Am Ende bleibt ihm nur der Glaube, der ihn auf seinem Weg begleitet und ihm hilft, seine Sünden zu bereuen. Durch diese Reue wird er schließlich von Gott begnadigt und findet Erlösung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die diesjährige Aufführung des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen ein beeindruckendes Erlebnis war. Die Kombination aus hervorragenden schauspielerischen Leistungen, einer modernen Inszenierung und der einzigartigen Kulisse des Salzburger Doms machten das Stück zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Aber um die volle Wirkung und die tiefen emotionalen und moralischen Botschaften des Stückes zu erleben, empfehle ich jedem, sich den „Jedermann“ selbst anzusehen. Es ist eine Aufführung, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt und lange im Gedächtnis bleibt.
Die Salzburger Festspiele, eines der angesehensten Kulturereignisse weltweit, feierten ihre Eröffnung mit der Premiere von „Jedermann“ am Samstag, den 20.07.2024, und dem Festspielauftaktfest 2024. Diese jährliche Veranstaltung lockt Künstler und Kulturliebhaber aus der ganzen Welt an und dient als Bühne für exzellente Darbietungen in Theater, Oper und Musik.
Derzeit folgt ein Terrassengespräch auf das nächste, und ich bin der Meinung, dass diese Gespräche einen ausgezeichneten Einstieg in die Darbietungen bieten. Sie liefern wertvolle Einblicke und Hintergrundinformationen, die das Verständnis und die Wertschätzung für die Aufführungen erhöhen.
Salzburger Festspiele TerrassenTalk in Salzburg „Sternstunden der Menschheit“ v.l.n.r. Mathias Weibel, Thom Lutz und Katrin Michaels Foto: Neumayr/Leopold 19.07.2024
Hier ist ein kurzer Überblick über die Neuinszenierung von Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“, inszeniert von Thom Luz, musikalisch geleitet von Mathias Weibel und dramaturgisch begleitet von Katrin Michaels sowie Schauspieldirektorin Marina Davydova, präsentiert beim Terrassengespräch am 19. Juli 2024.
Mit der Regisseurin und (jetzt Schauspieldirektorin) Marina Davydova hat Thom Luz schon früher zusammengearbeitet. So war er zu Gast bei ihrem Moskauer Festival. Davydova: „Thoms Theaterästhetik ist meiner sehr ähnlich. Seine Arbeiten erinnern mich an abstrakte Malerei. Als ich ihn für das diesjährige Schauspielprogramm anfragte, kam er mit der Idee der Sternstunden auf mich zu und ich war sofort begeistert.“ Den Schriftsteller Stefan Zweig lernte sie bereits zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion kennen, wo er im Gegensatz zu vielen anderen westlichen Autoren jenseits des „Eisernen Vorhangs“ Anerkennung fand.
Der Titel „Sternstunden der Menschheit“ schwebte der Dramaturgin Katrin Michaels schon vor Jahren vor, um auf die heutige Zeit zu verweisen, in der die Menschheit in vielerlei Hinsicht das Gegenteil einer Sternstunde erlebt. Das sieht auch Luz so: „Wir leben in einer Zeit, die unsere Welt wahrscheinlich für viele Jahre nachhaltig prägen wird. Thomas Mann spricht sehr treffend vom ‘Edelrost der Geschichte’, der über den Erzählungen Stefan Zweigs liegt.“
Was macht den Text von Stefan Zweig so interessant?
Den Inhalt von Zweigs Text beschreibt Luz so: „Es sind 14 Miniaturen historischer Ereignisse, die Zweig ausgewählt hat, weil sich in ihnen in einem kurzen Augenblick die Welt schlagartig verändert. Zweig wählt etwa die Niederlage bei Waterloo, die Verlegung des ersten Tiefseekabels zwischen Europa und den USA, aber auch Goethes Schreibtisch – Momente oder Gegenstände, an denen etwas geschah, das unsere Welt – sei es politisch oder poetisch – nachhaltig prägt.“ Diese Momente sind oft Wendepunkte, die das Schicksal von Nationen und Menschen entscheidend beeinflusst haben.
Thom Luz, der sowohl Regie führt als auch für das Sounddesign verantwortlich ist, inszeniert diese Geschichten in einer modernen Version in einem Museumsdepot voller Statuen und Trümmer aus zweitausend Jahren europäischer Geschichte. Diese visuelle Kulisse dient als symbolischer Hintergrund für die historischen Miniaturen und unterstreicht die zeitlose Bedeutung der dargestellten Ereignisse.
In den vielen Verbindungen zwischen Zweig selbst, Salzburg, Brasilien, der Vergangenheit und der Gegenwart geht es letztlich darum, die Zeitlosigkeit der Themen erfahrbar zu machen. „In den Sternstunden sind eigentlich alle Themen enthalten, die uns als Menschen ausmachen“, sagt Luz und ergänzt: „Zweig träumt sehr oft auch sein eigenes Schicksal in die Sternstunden hinein. Eine seiner frühen Sternstunden wurde später zu seinem Schicksal: In der Cicero-Geschichte geht es um einen Mann, der ebenfalls vor politischen Unruhen ins Exil flieht und dort erkennt, dass der Weg in den Selbstmord für ihn der einzige Weg nach vorn ist. Genau das ist Zweigs eigene Geschichte geworden.“
In der Aufführung von „Sternstunden der Menschheit“ ist die Musik entscheidend, um die Stimmung und die emotionale Intensität der historischen Ereignisse zu unterstreichen. Mathias Weibel, zuständig für Komposition und musikalische Leitung, kooperiert eng mit Thom Luz, damit die Musik perfekt in das Stück integriert wird und die Handlung verstärkt.
Die visuelle Umsetzung von „Sternstunden der Menschheit“ verspricht eine beeindruckende und einzigartige Neuinszenierung zu werden. Thom Luz plant dafür den Bau einer ungewöhnlichen Bühne, die an ein Museumsdepot erinnert, voll mit Statuen und Ruinen aus zweitausend Jahren europäischer Geschichte. Diese Szenerie wird als symbolische Kulisse für Stefan Zweigs historische Miniaturen dienen und die zeitlose Relevanz der geschilderten Begebenheiten hervorheben.
Die Bedeutung von Zweig eigenem Buch über Brasilien mit dem Titel “Land der Zukunft” sei nicht zu unterschätzen, waren sich Weibel und Luz einig: Zweig habe sich das Land eher als einen die Realität verklärenden Ort vorgestellt. An seinem letzten Aufenthaltsort, einer eher ärmlichen Wohnung in Pétropolis, hätten sich Zweigs Hoffnungen wohl relativiert. Am Ende seiner von zunehmender Verzweiflung geprägten Reisen sei für ihn die Reise ins Nichts der letzte Fluchtpunkt gewesen.
Premiere: Landestheater Salzburg, Samstag, 27. Juli 2024
Am Anfang der Pressekonferenz war mir noch nicht klar, worum es hier ging. Es ging um Technik, aber um welche? Ich sprach mit Prof. Dr. Frucht und stellte die Frage, ob diese Technik ähnlich wie moderne Technologien in der Autoindustrie verwendet wird. Er antwortete, dass der Ansatz ähnlich sei, aber die Anwendung unterschiedlich. Meine nächste Frage war, ob es in Zukunft möglich sein könnte, sich direkt in Konzertsäle einzuschalten, mit einer Brille, die wie eine normale Brille aussieht. Dies verneinte er nicht.
Die „Sound of Science“ – App stellt Siemens ausgewählten Partnern aus der Kulturszene als Demonstrations-Anwendung kostenlos zur Verfügung. Die Simulationslösungen der Applikation gibt es zu kaufen. Das Große Festspielhaus in Salzburg dient als erstes Beispiel für die Anwendung eines digitalen Zwillings, der ein audiovisuelles Erlebnis digitaler Veranstaltungsräume ermöglicht. Siemens, ein langjähriger Partner der Salzburger Festspiele, erkennt die Vorteile solcher Innovationen. Diese Technologie, die speziell für das Große Festspielhaus entwickelt wurde, verbessert die Akustik und macht die Planung effizienter. Es ist vorstellbar, dass ähnliche Technologien zukünftig auch an anderen Veranstaltungsorten und in weiteren Bereichen der Musikproduktion zum Einsatz kommen.
Siemens entwickelte einen digitalen Zwilling für Veranstaltungshallen, der es ermöglicht, Akustik und Gebäudestruktur realitätsnah zu simulieren. Die Premiere dieser Technologie, genannt „Sound of Science“, findet im Großen Festspielhaus der Salzburger Festspiele statt. Mit diesem digitalen Zwilling kann die Akustik des Raumes genau simuliert und verbessert werden, was eine präzise Abstimmung der Positionierung von Musikern und Sängern erlaubt, um ein optimales Klangerlebnis zu gewährleisten.
Außerdem können Orchesterarrangements vorab auf der Bühne getestet und arrangiert werden – noch bevor ein Ton in der realen Welt erklingt. Mit der Anwendung können Veranstaltungsbetreiber virtuell erkunden, wie sich die Akustik bei den unterschiedlichsten Saalkonfigurationen verändert, um das bestmögliche akustische Szenario auszuwählen – etwa, wie es sich auf das Hörerlebnis auswirkt, wenn man Akustikpaneele hinzufügt. Auch Bühnenproduktionen können künftig besser im Vorfeld akustisch simuliert und geplant werden. Ein weiterer bedeutender Punkt ist, dass man in Zukunft die Ausrichtung der Musiker und Sänger genau abstimmen kann, um das bestmögliche Klangerlebnis zu erzielen. Virtuell kann getestet werden, wie sich verschiedene Anordnungen auf die Akustik auswirken, um so die optimale Positionierung zu finden. Das spart Geld, Ressourcen und Zeit.
SO FUNKTIONIERT DIESES SYSTEM:
Der Einsatz von Virtual-Reality-Brillen ist ein innovativer Aspekt dieser Technologie. Sie erlauben es Technikern und Eventplanern, Akustik und Raumkonfigurationen in einer immersiven Umgebung zu testen und zu verbessern, bevor tatsächliche Änderungen umgesetzt werden. Dies führt zu einer Zeit- und Kostenersparnis, da verschiedene Szenarien virtuell ausprobiert werden können, ohne den physischen Raum anpassen zu müssen.
Die Simulation eines digitalen Zwillings erfolgt durch die Erstellung eines detaillierten virtuellen Modells des physischen Objekts oder Systems. Folgende grundlegende Schritte wurden bei der Implementierung für das Große Festspielhaus angewendet:
Datenerfassung: Zunächst werden umfangreiche Daten über das physische Objekt gesammelt. Dies umfasst architektonische Pläne, Materialien, akustische Eigenschaften und andere relevante Informationen des Festspielhauses.
Modellierung: Diese Daten werden dann verwendet, um ein präzises 3D-Modell des Festspielhauses zu erstellen. Dieses Modell enthält alle strukturellen und akustischen Details, die für die Simulation notwendig sind.
Simulation: Mit Hilfe spezieller Software wird das Verhalten des Modells unter verschiedenen Bedingungen simuliert. Im Fall der Akustik bedeutet dies, dass Schallwellen und ihre Interaktionen mit den Oberflächen des Modells berechnet werden. Dies ermöglicht es, verschiedene Szenarien zu testen, wie z.B. unterschiedliche Orchesteranordnungen oder die Platzierung von Akustikpaneelen.
Analyse und Optimierung: Die Ergebnisse der Simulation werden analysiert, um zu verstehen, wie sich verschiedene Änderungen auf die Akustik auswirken. Basierend auf diesen Analysen können Optimierungen vorgenommen werden, um die bestmögliche Akustik zu erreichen.
Implementierung: Schließlich können die gewonnenen Erkenntnisse in der realen Welt umgesetzt werden, um die Akustik des Festspielhauses zu verbessern.
Diese Methode erlaubt das Testen verschiedener Konfigurationen und Szenarien, ohne dass physische Anpassungen nötig sind, was sowohl Zeit als auch Kosten einspart.
In diesem Fall hat Siemens eine Anwendung namens „Sound of Science“ entwickelt, die die Akustik und Struktur des Festspielhauses realistisch nachbildet. Dies umfasst auch die Simulation von Orchesteranordnungen auf der Bühne und die Auswirkungen von Akustikpaneelen.
Mit „Sound of Science“ bilden wir die Zukunft: Digitale Zwillinge transformieren nicht nur den Alltag vieler Unternehmen, sondern schaffen auch neue Möglichkeiten für die Kultur- und Kreativbranche“, sagt Prof. Dr. Stephan Frucht, Künstlerischer Leiter des Siemens Arts Programms. „So können wir Bühnenproduktionen künftig besser planen und im Vorfeld sogar akustisch simulieren. Wir freuen uns, dass wir mit den Salzburger Festspielen einen langjährigen Partner an unserer Seite haben, der die Chancen solcher Innovationen erkennt.“
Das Große Festspielhaus der Salzburger Festspiele steht als erster und bisher einziger Veranstaltungsort für „Sound of Science“ zur Verfügung. Siemens beabsichtigt, zusätzliche Säle digital zu erschließen, einschließlich Konzertsälen in Deutschland und England.
„Siemens und die Salzburger Festspiele teilen die gemeinsame Leidenschaft für Exzellenz und Innovation und wir freuen uns im Rahmen unserer jahrelangen engen und vertrauensvollen Partnerschaft an dieser zukunftsweisenden technologischen Entwicklung und Neuerung teilzuhaben“, sagt Dr. Kristina Hammer, Präsidentin der Salzburger Festspiele. „Wir sind gespannt darauf, welche vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sich in der Zukunft aus Sound of Science ergeben werden.“
Siemens arbeitet seit rund 30 Jahren eng mit den Salzburger Festspielen zusammen. Seit 1999 unterstützt das Unternehmen die Festspiele auch als Hauptsponsor. Zeitgleich mit den Salzburger Festspielen finden seit 2002 die Siemens Fest>Spiel>Nächte auf dem Kapitelplatz statt. Die Open-Air-Veranstaltung bietet seit Beginn mehr als einer Millionen Besuchern die Möglichkeit kostenlos historische und aktuelle Festspielproduktionen auf einer LED-Wand zu erleben. Darüber hinaus sind einige Spielstätten der Salzburger Festspiele mit Siemens-Technik in den Bereichen Gebäudeautomation, Sicherheit und Akustik ausgestattet.
Siemens demonstriert mit dieser innovativen Technologie das Potenzial digitaler Zwillinge, die Zukunft zu formen. Es ist faszinierend, dass solch fortschrittliche Lösungen Anwendung in der Industrie und ebenso in der Kultur- und Kreativwirtschaft finden. Ein aufregender Schritt in Richtung einer vielversprechenden Zukunft!
Forum Kultur FOKUS: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Foto BMKÖSHBF Daniel TRIPPOLT
Kunst und Kultur spielen eine einzigartige Rolle in der Entwicklung unserer Gesellschaft. Sie fördern das Verständnis zwischen verschiedenen Gruppen und stärken demokratische Werte. Die Einbeziehung des Publikums ist in diesem Prozess von wesentlicher Bedeutung.
In seiner zweiten Ausgabe konzentrierte sich das Forum Kultur auf das hochaktuelle Thema der „Künstlichen Intelligenz“. Renommierte Experten aus Kunst, Kulturinstitutionen, Wirtschaft, Wissenschaft und Recht versammelten sich, um die zahlreichen Möglichkeiten und Herausforderungen zu diskutieren, die sich aus dem schnellen Fortschritt KI-gesteuerter Anwendungen für Kunst und Kultur ergeben.
Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer bei der Eröffnung Foto BMKÖSHBFDaniel TRIPPOLT
Etwa 400 Personen aus dem Kunst- und Kultursektor kamen in der Stiftung Mozarteum Salzburg zusammen, um sich über die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich für die Branche ergeben, auszutauschen. Die Veranstaltung, die am 27. Juni 2024 stattfand, bot Gelegenheit für Diskussionen über die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die Kunst, ästhetische Kriterien und den Einsatz neuer Technologien.
Neben Diskussionspunkten zu urheberrechtlichen Aspekten und deren Durchsetzungsmöglichkeiten gegenüber scheinbar übermächtigen internationalen Konzernen wurde auch grundsätzlich über den Begriff der Urheberschaft oder über gesamtgesellschaftliche Implikationen von KI sowie über praktische Anwendungsfelder dieser neuen Technologie diskutiert.
Im Bild Gerfried Stocker Ars Electronica Foto BMKÖSHBFD Trippolt
Die Ergebnisse des Forums Kultur, das sich mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ befasste, sind hier zusammengefasst:
1. Chancen und Herausforderungen:Die Veranstaltung konzentrierte sich auf die zahlreichen Möglichkeiten und Herausforderungen, die sich aus der Entwicklung von KI-Anwendungen für Kunst und Kultur ergeben. Im Fokus der Diskussionen standen die Einflüsse der KI auf ästhetische Kriterien und den Umgang mit neuen Technologien.
2. Branchenperspektiven: Etwa 400 Akteure aus dem Kunst- und Kulturbereich diskutierten über die Zukunft ihrer Branche. Im Fokus der Debatte standen innovative Methoden zur Einbindung von Künstlicher Intelligenz in künstlerische Abläufe und die Entwicklung neuer Kunstformen.
3. Ethik und Verantwortung: Die Diskussion um Künstliche Intelligenz in der Kunstszene wirft ethische Fragen auf. Wie können wir gewährleisten, dass KI-Systeme kulturelle Vielfalt achten und frei von Vorurteilen sind?
4. Zusammenarbeit und Ausbildung: Im Verlauf der Veranstaltung wurde die Wichtigkeit der Kooperation zwischen Künstlern, Technologen und Kulturinstitutionen hervorgehoben. Ebenso wurden Bildungsinitiativen zur Förderung des Verständnisses von Künstlicher Intelligenz in der Kunst thematisiert.
Die Veranstaltung bot einen inspirierenden Raum für den Austausch von Ideen und die Erforschung der Zukunft der Kunst im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.
Fotos BMKÖSHBFD. Trippolt 3Im Bild (v.l.) Panel mit Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich, Schriftstellerin Nina George, Moderatorin Claudia Zettel
Künstliche Intelligenz hat kürzlich bedeutende Fortschritte erzielt und ist auch im Kunst- und Kultursektor zu einem zentralen Thema avanciert. Wie beeinflusst das neue Verhältnis zwischen Mensch und Maschine unsere Auffassung von Kunst und welche ästhetischen Kriterien sind damit verbunden? Wird KI zu einem Konkurrenten oder zu einem geschätzten Instrument für Künstler, Kulturinstitutionen und das Publikum? (“Forum Kultur – Fokus Künstliche Intelligenz”)
Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer: „Veranstaltungen wie diese sind Ausdruck der gelebten Demokratie. Wir haben heute viele Inputs von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen gehört, die uns bei der Einordnung dieser neuen Technologie für die Kunst- und Kulturbranche helfen. Klar ist für mich, dass wir die Künstlerinnen und Künstler insbesondere in Bezug auf ihre Urheberrechte schützen müssen, gleichzeitig aber lernen müssen, die Chancen zu nützen.“
Ein Gesamtbudget von 1 Million Euro ist für Projektzuschüsse und Stipendien vorgesehen. Die Einreichung von Anträgen ist ab dem 1. Juli 2024 möglich.
Das Programm zielt darauf ab, sowohl die künstlerische Beschäftigung mit KI zu fördern als auch strukturelle Maßnahmen zu unterstützen, die den Umgang und die Anwendung von KI in Kunst und Kultur erleichtern. Ein zusätzlicher Fokus liegt auf der Aus- und Weiterbildung.
Im Mittelpunkt stehen neue Formen des künstlerischen Ausdrucks sowie die Potenziale in der Vermittlung und Verbreitung. Gleichzeitig werfen diese Entwicklungen Fragen bezüglich fairer Vergütungen, dem Schutz der kulturellen Vielfalt und der Datengerechtigkeit auf.
Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz unsere Wahrnehmung von Kunst?
Das erste Halbjahr der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl im Salzkammergut 2024 ist gelungen! Nach sechs Monaten ziehen Intendantin Elisabeth Schweeger und ihr Team Bilanz. Rund 130 Projekte wurden umgesetzt und mehr als 220.000 Besucher*innen konnten verzeichnet werden. Sowohl die Ankunfts- als auch die Nächtigungszahlen entwickelten sich positiv und das Medienecho im In- und Ausland war sehr groß. Theateraufführungen, Musikveranstaltungen und Performances begeisterten das Publikum. Die Kulturhauptstadt Bad Ischl erwies sich als national und international beliebt und erfolgreich.
Die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl-Salzkammergut 2024 hat nicht nur kulturelle, sondern auch langfristige wirtschaftliche Auswirkungen. Das Gesamtbudget für die Kulturhauptstadtregion beträgt zwischen 21 und 30 Millionen Euro für den Zeitraum von Anfang 2020 bis Ende 2025. Durch die zahlreichen Veranstaltungen, Projekte und den internationalen Fokus zieht die Region Besucher*innen an, was sich positiv auf die lokale Wirtschaft auswirkt. Die Kulturhauptstadt hat national und international große Aufmerksamkeit erregt, die Medienresonanz in Österreich und 16 weiteren Ländern war enorm.
Es stimmt, dass wir die Dinge nicht immer so lassen können, wie sie sind. Es ist wichtig, über die Mittel und die Kunst nachzudenken, ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu verstehen und den Prozess der Veränderung zu erkennen. Veränderungen sind oft notwendig und können dazu führen, dass Menschen ihre Positionen überdenken und anpassen. In dieser Region hat die Konfrontation mit externer Kunst zu Debatten und Diskussionen geführt, die sowohl Fluch als auch Segen sein können. Solche Auseinandersetzungen fördern das Verständnis und die Weiterentwicklung der Gesellschaft.
Die regionale Identität wird durch die Bezeichnung der in der Region lebenden Menschen als „Salzkammergütler“ betont, was den künstlerischen Ansatz der Zusammenführung der Region unterstreicht.
Das Projekt SCALA im Salzkammergut verbindet traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Kunst. Unter dem Motto „Art Meets Craft Meets Art“ lädt SCALA seit März 2023 bis Oktober 2024 Künstlerinnen und Handwerkerinnen aus Österreich und der ganzen Welt zu Arbeitsaufenthalten ins Salzkammergut ein.
Für mich wird eines der wichtigsten HIGHLIGHTS in der Zweiten Jahreshälfte SILENT ECHOES sein:EINE KLANGINSTALLATION ZWISCHEN DER KATHEDRALE NOTRE DAME UND DEM DACHSTEIN.
Silent Echoes: Dachstein ist eine faszinierende Klanginstallation zwischen der Pariser Kathedrale Notre Dame und den Eishöhlen des Dachsteins. Der amerikanische Künstler Bill Fontana entwickelte diese Klangskulptur als künstlerisches Statement zu den Folgen des Klimawandels.
Die Glocken von Notre Dame, die nach dem Brand 2019 verstummt sind, werden durch Vibrationssensoren hörbar gemacht. Die Klänge werden in die Eishöhlen des Dachsteins übertragen, wo sie sich mit den Geräuschen des schmelzenden Gletschers zu einem eindrucksvollen Duett verbinden. Dieses künstlerische Statement verdeutlicht die Zerbrechlichkeit der Kultur und den Einfluss des Klimawandels.
Über das Projekt
2019 brennt Notre-Dame, die „Seele von Paris“, das Wahrzeichen der europäischen Kultur. Die Glocken bleiben verschont, verstummen aber für Jahre. Still „lauschen“ sie dem Treiben der Stadt und den Geräuschen der Baustelle – bis sie 2024 zur Wiedereröffnung der Kathedrale wieder erklingen.
Der amerikanische Klangkünstler Bill Fontana macht die Glocken über Vibrationssensoren hörbar, überträgt die Klänge in die Eishöhlen des Dachsteins und reflektiert sie wie in einem Duett mit den Klängen des schmelzenden Gletschers – ein eindrucksvolles künstlerisches Statement zum Klimawandel und zur Fragilität von Kultur. Dieses ortsspezifische Duett bildet die Basis für eine Klangbrücke“, die an Ausstellungsorte in Europa und darüber hinaus übertragen wird.
Der Parzival-Dom in den Eishöhlen des Dachsteins ist ein Ort, der ein unschätzbares Geheimnis in sich trägt, wie es im Sinne Anton Bruckners Komposition Locus iste heißt: Ein Geheimnis, das uns Menschen die Frage stellt, wie wir in Zukunft mit der Natur leben wollen.Das Werk wird im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 bei den Goiserer Musiktagen am Glasfügel in der Eishöhle uraufgeführt.
Ich habe mich bewusst für das Highlight Silent Echoes entschieden, weil es wirklich eine sehr interessante künstlerische Darbietung sein wird. In der Dachsteinriesenhöhle wird ein Klavier aufgestellt, das die Klänge der verstummten Glocken von Notre Dame aufnimmt. Diese Klänge werden über Vibrationssensoren in die Eishöhlen des Dachsteins übertragen und verschmelzen dort mit den natürlichen Klängen des schmelzenden Gletschers zu einem eindrucksvollen Duett. Dieses Zusammenspiel verdeutlicht die Zerbrechlichkeit der Kultur und den Einfluss des Klimawandels.
Silent Echoes wird vom 4. September bis 10. November 2024 am Dachstein zu erleben sein. Auch beim ARS Electronica Festival in Linz, im Kunsthaus Graz und im Museums Quartier Wien können Sie dieses außergewöhnliche Klangerlebnis genießen.
Der Startschuss fällt am 3. September 2024 in der Dachstein Riesenhöhle – ein Termin, den Sie sich unbedingt vormerken solltest!
Natürlich gibt es noch viele weitere Projekte und Programme, die für Sie von Interesse sein könnten.
Bad Ischl und 23 andere Gemeinden haben im Rahmen ihrer Kandidatur zur Kulturhauptstadt Europas 2024 den Slogan „Kultur ist das neue Salz“ geprägt. Ein Leitsatz, den Hallein zwar nie explizit so formuliert hat, aber seit über drei Jahrzehnten verkörpert. Dabei wächst die Zuversicht, dass dieser Satz wahr ist, und die Freude darüber, dass er zutreffend ist.
Ja, Hallein hat so viel Selbstvertrauen entwickelt, dass es eine Ausstellung mit dem Titel „Antithese“ wagt, welche die dunklen Kapitel der mehr als 2500 Jahre alten Stadtgeschichte eindrucksvoll darstellt und das Spannungsverhältnis von Ausbeutung, Unterdrückung und selbstgewähltem Antiheldentum künstlerisch zur Diskussion stellt.
Im Sommer 2024 wird diese Tatsache im Zuge einer umfassenden Kulturinitiative sowohl historisch als auch künstlerisch untersucht. Die Initiative erstreckt sich über die Themen Ablehnung, Ignoranz und Identität.
Die Historie Halleins fungiert vorrangig als Projektionsfläche für menschlich-psychologische Aspekte, die in einer von Ausbeutung und Niederlagen bestimmten Stadt besonders hervortreten. Die durchgängigen Strukturen und Grundpfeiler der Ausstellung gründen auf den Konzepten von These und Antithese sowie auf dem Gegensatzpaar des Heroischen und Antiheroischen, welches die menschliche Existenz charakterisiert.
Während Salzburg durch die Blütezeit der Salzproduktion zu Reichtum gelangte, verarmte das ausgebeutete und unterdrückte Hallein. Historische Dokumente beschreiben Hallein häufig als düster und unwirtlich.
Bereits beim Betreten der Ausstellung auf der Pernerinsel war ich von einem „WOW“ ergriffen. Heute möchte ich keine großen Worte machen, sondern die Bilder für sich selbst sprechen lassen. Besucher der Ausstellung auf der Pernerinsel in Hallein stehen vor zwei Reaktionen: Begeisterung oder ein Kopf voller Fragen.
Als Teil einer Kunstinitiative wurde die Skulptur „Fürsterzbischof Paris Lodron“ von Giacomo Manzù von der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Stadt Salzburg nach Hallein auf die Pernerinsel verlegt. Dort wird sie über den Sommer hinweg, überragt vom Dürrnberg in Hallein, die früheren Herrscher des Fürsterzbistums Salzburg darstellen.
Die Ausstellung ist bis zum 29. August 2024 von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 13 bis 19 Uhr, auf der Pernerinsel in Hallein zugänglich.
am 02.07.2024 – während des Gesprächs in der SalzburgKulisse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –
Das Gespräch führte David Tushingham (= David Tushingham ist ein englischerDramaturg) mit Regisseur Robert Carsen, es ging um die Neuproduktion von JEDERMANN.
am 02.07.2024 – während des Gesprächs in der SalzburgKulisse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –
Wird es Robert Carsen gelingen, den JEDERMANN endlich ins 21. Jahrhundert zu bringen?
Auf die Frage von Tushingham:„Hättest du jemals gedacht, dass du dieses Stück einmal bei den Salzburger Festspielen inszenieren würdest?“
Robert Carsen:„Nicht in meinen kühnsten Träumen – aber ich freue mich sehr darüber. Als Markus Hinterhäuser mich fragte, ob ich JEDERMANN inszenieren würde, war ich erstaunt, dass er sich noch an das lange, intensive Gespräche erinnerte, dass wir ein paar Jahre zuvor über Hugo von Hofmannsthal geführt hatten. Seit ich das erste Mal mit Hofmannsthals Werk in Berührung gekommen bin, begeistert es mich, und ich habe fünf der sechs Opern, die er mit Richard Strauss geschrieben hat, auf die Bühne gebracht. Außerdem habe ich mich lange mit Hofmannsthals Werke in der breibändigen englischen Übersetzung beschäftigt – wobei JEDERMANN interessanterweise darin gar nicht enthalten ist! Auch die englische Moralität EVERYMAN war mir vertraut, da ich sie an der Schauspielschule studiert hatte“.
Soweit der Einstieg in den Talk. Ich habe mir die Frage gestellt, was Carsen besser machen könnte, um dieses Stück JEDERMANN nicht verstaubt und interessant ins 21.Jahhundert zubringen. Schließlich wird dieses Stück seit 100 Jahren immer wieder bei den Salzburger Festspielen gespielt und von vielen Regisseuren immer wieder neu und anders inszeniert.
„Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal fand 1911 in Berlin als Uraufführung, jedoch nicht erfolgreich, war es für Salzburg eine Verlegenheitslösung. Denn das ursprünglich vorgesehene Auftragswerk war nicht fertig geworden. Max Reinhardt bat den Salzburger Erzbischof Ignatius Rieder, das „Spiel von dem Sterben des reichen Mannes“ vor dem Dom aufführen zu dürfen. Somit wurde „Jedermann“ – Regie führte Max Reinhardt – im August 1920 einmal in Salzburg aufgeführt und aus einer Verlegenheitslösung wurde es ein Jahrhundert Stück. Dies ist einmalig, denn es gab noch nie in der Geschichte der Kunst, dass ein Stück so lange gespielt wurde wie „Jedermann“. Obwohl „Jedermann“ 8 Jahre lang in der Zeit von 1938 bis 1946 nicht mehr gespielt wurde, Max Reinhardt ging 1937 nach New York und 1938 wurde das Stück von den Nationalsozialisten gestrichen. Erst als 1946 Helene Thimig, die Witwe von Max Reinhardt, nach Salzburg/Österreich zurückkehrte – Max Reibhardt verstarb 1943 im amerikanischen Exil – steht seit 1946 das Stück Hofmannsthals JEDERMANN wieder auf dem Programm.
Ich persönlich konnte den Jedermann nicht mehr hören, aber als ich Carsen zuhörte, kam ich ins Nachdenken. Robert Carsen hat einen neuen Blick auf den “Jedermann” geworfen und betont, dass hinter dem Stück mehr steckt, als wir oft wahrhaben wollen. Die Bedeutung des Titels “Jedermann” ist vielschichtig und regt zum Nachdenken an. Hofmannsthals Texte sind in der Tat reich an Symbolen und Intentionen, aber Carsen betont, dass noch weitere Facetten im Text verborgen sind. Es ist spannend zu sehen, wie ein klassisches Werk immer wieder neue Perspektiven eröffnet!
Carsen unterstreicht die Wichtigkeit, das Stück neu zu überdenken und einen innovativen Ansatz zu wählen. Der „Jedermann“ wurde in der Vergangenheit oft zu traditionell dargestellt. Durch ein frisches Team und eine Bühnenarchitektur, die sich stärker in die Darbietung einfügt und sogar die Fassade des Salzburger Doms miteinbezieht, soll das Stück auf eine interessante Art und Weise in das 21. Jahrhundert geholt werden. Carsen ist es wichtig, dass das Publikum eine Verbindung zur Hauptfigur aufbauen kann und hebt die Relevanz des zentralen Themas hervor: den Tod, der uns alle eint. Philipp Hochmair wird in dieser fesselnden Neuinszenierung die Hauptrolle des Jedermann spielen. Es ist ebenso beeindruckend zu beobachten, wie ein klassisches Werk kontinuierlich neu interpretiert wird, um es für das heutige Publikum bedeutsam zu gestalten.
Salzburger Festspiele Shooting mit Deleila Piasko (Buhlschaft) und Philipp Hochmair (Jedermann) in Salzburg Foto: Neumayr/Leopold 24.06.2024
Robert Carsen hat mir auch geholfen, den „Jedermann“ anders zu sehen, man muss sich viel mehr damit auseinandersetzen, ihn öfter lesen, um zu verstehen, wie die vielen einzelnen Szenen zusammenhängen. Laut Carsen: „Hofmannsthal hat ein „Mysterienspiel“ geschrieben, das viele „mysteriös“ in sich birgt, die jede Inszenierung zu entschlüsseln.“
Robert Carsen, geboren in Kanada, absolvierte eine Schauspielausbildung an der Bristol Old Vic Theatre School und wandte sich anschließend der Regie sowie dem Bühnenbild zu. Er hat zahlreiche Opernproduktionen inszeniert. Im Jahr 2024 führte er bei Mozarts „La Clemenza di Tito“ während der Salzburger Pfingstfestspiele Regie.
Wir freuen uns auf die Neuinszenierung des „Jedermann“ und hoffen, dass sie mehr als nur ein flüchtiger Trend sein wird.
Premiere des Stücks ist am 20. Juli 2024 am Domplatz in Salzburg.
Remote Bad Ischl ist eine ungewöhnliche Stadtführung. Sie wurde von der Berliner Künstlergruppe Rimini Protokoll konzipiert und realisiert. Das Kollektiv entwickelt Bühnenstücke, Interventionen, szenische Installationen und Hörspiele, oft in Zusammenarbeit mit Expert*innen, die ihr Wissen und Können jenseits des Theaters erprobt haben.
Wem folgen wir, wenn wir uns von einem Computerprogramm leiten lassen? Die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 lud die Künstlergruppe Rimini Protokoll ein, einen ungewöhnlichen Stadtrundgang durch Bad Ischl zu realisieren.
Ich habe an einer außergewöhnlichen Stadtführung teilgenommen und möchte darüber berichten. Die Audiotour dauerte ungefähr 90 Minuten und führte zu Fuß durch Bad Ischl. Angeleitet von einer künstlichen Stimme, wurden wir zu Experimenten angeregt: Wie treffen wir gemeinsam Entscheidungen? Wem folgen wir? Die künstliche Intelligenz beobachtete aus der Ferne menschliches Verhalten, während ihre Stimme mit jedem Schritt vertrauter wurde. Unterwegs belebten Kunstkopfaufnahmen und filmische Kompositionen die städtische Umgebung.
Wir erhielten Kopfhörer und folgten einer synthetischen Stimme, die uns durch Bad Ischl leitete.
Am Anfang stand der Stadtfriedhof von Bad Ischl, was ich zunächst makaber fand. Eine Stimme im Ohr erläuterte, dass hier Menschen ruhen, die einst lebten und nun begraben, unsichtbar und ungreifbar sind. Sie instruierte uns, über den Friedhof zu schlendern, jedoch nicht zu weit, und einen Grabstein auszuwählen, den wir für uns selbst wünschen würden. Es ist faszinierend, wie die Künstlergruppe Rimini Protokoll das Thema Tod und Erinnerung in ihre Führung integriert.
Dann verließen wir den Friedhof und begaben uns auf einen Parkplatz. Wir stellten uns im Kreis auf und beobachteten einander. Wie reagierten wir? Verschieden? Zurückhaltend? Selbstsicher? Es schien mir, als wäre alles in Bewegung, und jeder beobachtete den anderen, sei es bewusst oder unbewusst.
Die Aufforderung der Stimme, das Tempo zu erhöhen und sich zu gruppieren, ähnelt in der Tat dem Verhalten einer Herde. Es ist faszinierend zu sehen, wie wir in solchen Momenten agieren und wie eine künstliche Stimme unsere Aktionen steuern kann.
Es glich einem Herdentrieb. An einer Kreuzung mit zwei Rückspiegeln hielten wir an und positionierten uns so, dass wir im Spiegel sichtbar waren. Die Aufforderung, unsere Handys zu zücken und den Spiegel zu fotografieren, regt zum Nachdenken an. Es könnte eine Reflexion über unsere Selbstwahrnehmung und die Darstellung unserer selbst in der digitalen Welt sein.
Der Marsch setzte sich fort und führte uns über eine Straße, durch einen Park, eine weitere Straße entlang und schließlich zur Kirche. Dort sollten wir eintreten, also nahmen wir Platz und warteten auf neue Anweisungen. Unsere Gruppe spaltete sich in zwei Teile, und wir sammelten uns erneut vor der Kirche. Immer wieder erhielten wir Anweisungen, die uns durch die Stadt zu verschiedenen Gebäuden, Parks oder über bunte Zebrastreifen leiteten. An einem Punkt sollten wir eine Demonstration durchführen, was wir auch umsetzten. Als Höhepunkt des Tages führte der Weg unsere Gruppe auf den Kalvarienberg, wo wir etwa 100 Stufen erklommen. Oben angekommen, machten wir ein Gruppenfoto, bevor sich die Gruppe auflöste.
Mein Kommentar zu dieser merkwürdigen Wanderung: Wir Menschen lassen uns von unverständlichen Informationen verleiten, ähnlich einer Schafherde, was zum Nachdenken anregen sollte. Ist das nicht auch ein Thema für die Psychologie?
Diese Führung zeigt auch, dass wir tatsächlich in einem Zeitalter der digitalen Informationsüberflutung angekommen sind, in dem wir oft unbewusst von Algorithmen und künstlicher Intelligenz beeinflusst werden. Die Frage der bewussten Reflexion darüber, wie wir Informationen aufnehmen und verarbeiten, ist äußerst relevant.
Die Abhängigkeit von Mobiltelefonen und der ständige Zugang zu Informationen können dazu beitragen, dass wir weniger Zeit für tiefgehende Diskussionen und Reflexionen aufwenden. Es ist wesentlich, sich der Verteilung unserer Zeit und Aufmerksamkeit bewusst zu sein und zu erkennen, welche Rolle Technologie dabei einnimmt.
Es ist faszinierend zu bedenken, dass wir uns gelegentlich wie eine Herde benehmen. In der digitalen Welt können Trends und Meinungen rasch viral werden, und es ist wesentlich, kritisch zu reflektieren, ob wir uns lediglich mitreißen lassen oder ob wir bewusste eigene Entscheidungen fällen.
Vielleicht ist es ratsam, dass wir uns häufiger Zeit nehmen, um innezuhalten und zu reflektieren. Es ist wichtig, sich bewusst zu werden, wie wir Informationen verarbeiten und welchen Einfluss sie auf unsere Gedanken und Handlungen haben. Der Diskurs und der Austausch verschiedener Sichtweisen sind dabei äußerst wertvoll.
Das erscheint als eine faszinierende Erfahrung. Die Vorstellung, Menschen durch eine Stadt zu leiten und ihre Reaktionen zu beobachten, ist wirklich außergewöhnlich. Es wirkt so, als ob die Künstlergruppe Rimini Protokoll absichtlich mit unserer Wahrnehmung und unserem Verhalten experimentiert. Es handelt sich um eine einzigartige Erfahrung, die zum Nachdenken über unsere Interaktion mit der Technologie und mit anderen Menschen anregt.
Als Leserinnen und Leser meines Blogs ermutige ich Sie, sich an dieser Tour zu beteiligen, falls Sie Ihren Sommer in Bad Ischl, der Kulturhauptstadt Europas 2024, verbringen. Weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite. https://www.salzkammergut-2024.at/projekte/remote-bad-ischl/
Sollten Sie Interesse an dieser eigenartigen Führung haben, sie findet noch bis 28. Juli 2024 statt.
Xenia Hausner, die Tochter des vor 25 Jahren verstorbenen renommierten Malers Rudolf Hausner, ist in seine Fußstapfen getreten. Er war ein Mitbegründer der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Seine bekanntesten Werke, „Adam“ und „Odysseus“, wurden weltweit ausgestellt.
Sie gilt als international renommierte Künstlerin, Malerin und Bühnenbildnerin, die eine enge Verbindung zum Salzkammergut hat. Ihre dynamischen, großformatigen Frauenporträts mit ausgeprägten Mustern sind weltweit bekannt.
Im Kontext der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 enthüllt die weltweit anerkannte Künstlerin, Malerin und Bühnenbildnerin Xenia Hausner ihre erste skulpturale Arbeit im öffentlichen Raum, betitelt „Atemluft“. Die drei Meter hohe Skulptur aus Aluminium und Bronze thematisiert gesellschaftliche und existenzielle Herausforderungen unserer Epoche.
Der Platz ist gut gewählt, hier herrscht Autoverkehr und ihre Skulptur „Atemluft“ ist ein sinnliches Bild, wie eine dunkle Wolke lastet die schwere Sauerstoffflasche auf dem Kopf der schreienden Frauenfigur. Der Verdrängungshaltung unserer Gesellschaft wird der Spiegel vorgehalten – in der hochglanzpolierten Oberfläche der Skulptur sehen wir das Spiegelbild unserer selbst, in dem wir uns als Täter*in und Opfer wiedererkennen.
Es symbolisiert die Verzweiflung, den Kampf um das, was wir zum Leben brauchen. Was bleibt? Was verlieren wir? Was haben wir aufs Spiel gesetzt? Eine Berührung – weit weg von uns und doch so nah.
Sie drückt mit Nachdruck und großer Bestürzung den Zynismus und den fehlenden Realitätssinn aus, der sich im Umgang mit unseren schwindenden Ressourcen zeigt.
Besucher: innen der Kulturhauptstadt Bad Ischl sollten es nicht versäumen, die Skulptur von Xenia Hausner zu betrachten. Diese wird bis Ende November 2024 auf dem Bahnhofsplatz ausgestellt sein.
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