
Die Ausstellung „Leave The Future Behind“ – Salzkammergut Festwochen Gmunden, K‑Hof Kammerhofmuseum
Ich kam nach Gmunden ohne Erwartung, nur mit einer leisen Neugier im Gepäck. Ein See, der wie ein Atemzug dalag. Ein Museum, das im Abendlicht glühte. Und ein Künstler, dessen Name mir bis dahin nichts sagte – doch dessen Bilder mich später wie ein unerwarteter Akkord treffen würden.

Vor dem Museum stand er plötzlich da: Parov Stelar. Locker, freundlich, ein Mensch, der wirkt, als würde er gleichzeitig hören und sehen. Wir duzten uns sofort – als hätten wir beide gewusst, dass dieses Gespräch kein formelles werden würde, sondern eines, das zwischen zwei Herzschlägen stattfindet.
Im Gespräch mit Parov Stelar – Wenn Musik zu Farbe wird
Er spricht von Musik und Malerei, als wären sie zwei Ströme, die sich unter der Oberfläche berühren.
„Musik und Malerei sind für mich wie zwei Kinder. Sie gehören zusammen.“
Und dann sagt er den Satz, der seine Arbeitsweise öffnet wie eine Tür:
„Wenn ich male, höre ich Musik – aber eine ganz andere. Sie öffnet Räume, die nichts mit meinen eigenen Stücken zu tun haben. Und manchmal entsteht dabei etwas, das später in meine Musik zurückfließt.“
Ich sehe es in seinen Augen: Er lebt in einem Zwischenraum, in einem Ort, an dem Klang zu Linie wird und Farbe zu Rhythmus.
Klassik begleitet ihn beim Malen. Nicht laut, eher wie ein inneres Licht. Die Malerei – ein Tagebuch. Ein Spiegel dessen, was bleibt, wenn der Lärm verstummt.
„Ich bin ein Zwitterwesen“, sagt er. „Vielleicht eine Kunstfigur. Aber eine organische.“
Und als wir über KI sprechen, wird seine Stimme weich:
„In der Musik kann KI unterstützen. Aber in der Malerei bleibt der Strich. Die Hand. Das Organische.“
Ein Satz wie ein Anker.
Klaus Albrecht Schröders Worte – in eine poetische Spur gelegt

Schröder beginnt mit Skepsis. Zu oft habe er erlebt, wie Prominenz Kunst überstrahlt. Doch hier, sagt er, sei es anders.
Er spricht von einer Doppelbegabung, die nicht blendet, sondern trägt. Von Musik voller Zukunftsoptimismus und Malerei, die das Gegenteil zeigt: düster, melancholisch, wahr.
Er führt durch die Werke wie durch seelische Räume:

Eine Frau, die „Es geht mir gut“ schreit – und deren Gesicht bricht.
Eine Frau mit einem Mund voller Insekten – die Stimme verschluckt vom Summen der Welt.
Eine Mutter mit einem Kind aus Plastik – eine Zukunft, die sich selbst verliert.
Pandora, die die Box öffnet – Schmerz entweicht, Hoffnung bleibt zurück.
Ein Mädchen vor einem Spiegel ohne Schatten – ein Mensch, der sich nicht mehr findet.
Schröder nennt ihn einen „großen Melancholiker“. Nicht dunkel, sondern tief. Einen, der weiter denkt, als bequem wäre.
Und dann sagt er den Satz, der die ganze Ausstellung trägt:
„Wenn die Musik verstummt, tritt die Malerei an ihre Stelle.“

Man geht hinaus, aber etwas von ihm geht mit.
Nachklang
Ich fuhr zurück nach Salzburg mit dem Gefühl, dass Kunst manchmal genau das tut: Sie öffnet Türen, die wir im Alltag übersehen. Sie zeigt uns, was wir nicht aussprechen. Sie erinnert uns daran, dass Zukunft nicht nur Technik ist, sondern auch Hand, Strich, Atem.
Ich kannte Parov Stelar nicht. Jetzt begleitet er mich – als Klang, als Farbe, als Gedanke.
Ausblick
Wer Parov Stelar nicht nur sehen, sondern auch hören möchte, hat am 1. August 2026 die Gelegenheit dazu: Dann spielt er ein großes Open‑Air‑Konzert im Toscanapark Gmunden.
Und seine Ausstellung „Leave The Future Behind“ ist noch bis 16. August 2026 im K‑Hof Kammerhofmuseum Gmunden zu erleben.
Ein Sommer, der Klang und Farbe zusammenführt.