„Dort, wo Fotografie sich verwandelt – drei Bilder, ein Gedanke“

„Wenn Fotografie zur Kunst wird“ Trilogie · neue Arbeiten · Fotomontage / Grafik · © Christa Linossi 2025

Wenn Fotografie zur Kunst wird

Drei Bilder, drei Blicke, drei Bewegungen. Fotografie, die nicht festhält, sondern öffnet. Landschaft trifft Linie, Realität trifft Konstruktion.

Was sichtbar ist, bleibt nur der Anfang. Was entsteht, ist ein Raum dazwischen — ein Spiel aus Form, Gefühl und Imagination.

Diese Trilogie stellt keine Antworten bereit. Sie lädt ein: zum Sehen, zum Spüren, zum Weiterdenken.

Fotomontagen mit grafischen Elementen, verdichtet zu einem Moment, in dem das Bild nicht abbildet, sondern verwandelt.

When Photography Becomes Art

Three images, three views, three movements. Photography that does not capture, but opens. Landscape meets line, reality meets construction.

What is visible is only the beginning. What emerges is a space in between — a play of form, feeling, and imagination.

This trilogy offers no answers. It invites: to see, to sense, to reflect.

Photomontages with graphic elements, condensed into a moment in which the image does not depict, but transforms.

„Jedermann unter der Erde – Hochmair entfesselt die Kaverne 1595“

„Philipp Hochmair entfesselt den Jedermann – zwischen Elektrobeats, Ritual und Unterwelt.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Am 3. Adventsonntag lud Philipp Hochmair zum JEDERMANN Razelliremix 2.0 in die Kavernen in Salzburg ein. Ich sah zum ersten Mal Philipp Hochmair in seiner eigenen Inszenierung — diesmal gemeinsam mit dem österreichischen Avantgarde-Musiker Kurt Razelli. Die beiden Individualisten haben den „Jedermann Razelli Remix“ als Clubversion mit Elektrobeats und filmepischen Klangflächen entwickelt und touren damit regelmäßig durch den deutschsprachigen Raum.

Die Kaverne atmet. Feuchter Stein, gedämpftes, blaues Licht, ein Raum, der eher an eine unterirdische Kathedrale erinnert als an einen klassischen Veranstaltungsort. Mit einer VIP-Karte in der Hand betrete ich diesen Höhlenraum, der sich wie ein Resonanzkörper für etwas Unvorhersehbares anfühlt. Kein roter Teppich, kein PR-Gewitter, kein Marketingrauschen. Nur ein einziges Plakat vor dem Museum der Moderne und der SZENE Salzburg kündigte diesen Abend an — und doch war sofort klar: Hier wird etwas passieren. Und es ist passiert.

Philipp Hochmair tritt nicht auf die Bühne.

Er bricht in sie ein.

Sein „Jedermann“ ist kein Theater, keine Lesung, keine Performance im üblichen Sinn. Es ist ein Angriff, ein Ritual, ein körperlicher Akt. Er schleudert Worte, wirft sich hinein, zerlegt und baut gleichzeitig neu. Sein Körper wird zum Instrument, seine Stimme zum Schlagzeug, sein Atem zur Lichtquelle. Man spürt: Dieser Mann braucht keine PR-Agentur. Er ist seine eigene.

„Hochmair im Ausnahmezustand – Jedermann als körperlicher Akt.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Es ist faszinierend, ihm zuzusehen, wie er in Sekundenbruchteilen von einer Rolle in die nächste springt und wieder zurück. Ein Sprint, der sich ständig verwandelt — und dabei den Text des „Jedermann“ wie Geschosse in die Menge schleudert.

Zwei Mitspieler verstärken dieses Kraftfeld. Die Kunstfigur Kurt Razelli, maskiert — eine Arnold-Schwarzenegger-Maske, fast anonym — steuert Sound und Licht wie ein chirurgischer Eingriff. Jeder Beat, jede Lichtkante setzt einen Impuls, der Hochmairs Sprache elektrisiert.

Unter der Erde, im blauen Flimmern der Kaverne 1595, entfesselt Philipp Hochmair einen Jedermann, der nicht gespielt wird, sondern passiert. Ein Abend zwischen Elektrobeats, Ritual und Unterwelt – roh, körperlich, unvermittelt. Ein Erlebnis, das nachhallt.
„Der Tod spielt Gitarre – zwischen Volkskultur und Rockmythos.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Und dann der Tod: Ein Mann mit Trachtenhut, Maske und E‑Gitarre. Eine Figur zwischen Volkskultur und Rockmythos. Er eröffnet und beendet den Abend wie ein musikalischer Totengräber, der gleichzeitig Leben spendet.

Dass dieser Abend überhaupt stattfindet, ist einem Mann zu verdanken, der im Hintergrund wirkt: Martin Herbst, der Veranstalter. Ich begegne ihm kurz vor Beginn — sympathisch, offen, präsent. Er erzählt mir, dass er diese Produktion nach Salzburg geholt hat, ohne großes Budget, ohne PR-Maschinerie, einfach aus Überzeugung. Ein Kulturermöglicher, kein Kulturverwalter. Einer, der Räume öffnet, statt sie zu verwalten. Ohne ihn gäbe es diesen Abend nicht.

„Hochmair & Herbst – Kultur aus Überzeugung.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Die abgespeckte Form des JEDERMANN Razelliremix 2.0 macht ihn nur stärker. Keine Kulisse, keine Kostüme, keine Effekte. Nur Körper, Stimme, Sound, Licht. Ein Jedermann, der nicht erzählt wird, sondern passiert.

Hochmair ist schlichtweg ein Schauspieler der Extraklasse. Er schafft es, den „Jedermann“ als Ein-Mann-Stück so zu inszenieren, dass sich niemand im Publikum langweilt. Im Gegenteil: Man muss voll bei der Sache sein, um die rasanten Rollenwechsel nicht aus den Augen zu verlieren.

Für mich war es ein gewaltiges Erlebnis. Nicht, weil es laut war. Nicht, weil es spektakulär war. Sondern weil es roh war. Echt. Unvermittelt.

Ein Abend, der sich nicht erklären lässt, sondern wirkt — wie ein Schlag, der nachhallt.

„Was wir sehen – und was wir übersehen“

Mehr Augen als Antworten. Carlos bleibt Kontur – die Liebe auch. Experimentelle Fotografie. Keine KI. Photoshop & Grafik: Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Was wir sehen – und was wir übersehen

Manchmal zeigt uns ein Bild mehr, als wir im ersten Moment erfassen wollen. In meiner Serie „Liebe ist nur eine Illusion“ untersuche ich jene Zwischenräume, in denen Wahrnehmung und Wunsch ineinanderfließen. Konturen werden zu Fragen, Schatten zu Andeutungen, und das Sichtbare beginnt, sich leise zu verschieben.

Diese neue Arbeit spielt genau mit diesem Moment des Kippens: dem Augenblick, in dem wir glauben zu erkennen – und doch nur unsere eigene Projektion betrachten. Eine Einladung, genauer hinzusehen. Oder vielleicht: anders.

„Was sehen wir wirklich, wenn wir lieben — und was projizieren wir nur?“

„Ein Jahr voller Konturen, Fragen und neuen Blicken geht zu Ende — und die Illusionen beginnen zu sprechen. Ein Jahr schließt sich, doch der Blick bleibt wach.“

Hommage an Arnulf Rainer

Arnulf Rainer 2012 Foto: Copyright Christian Wind

Ein Moment mit Arnulf Rainer – Galerie Ropac, 2021 Er stand neben mir, leise und wach, ein Mann mit weißem Haar, Stock in der Hand, und einem Blick, der mehr sah als das Sichtbare. Ich trug Weiß, er trug Geschichte. Hinter uns das Schild Biennale Venezia — ein Zeitfenster, das sich für einen Atemzug öffnete.

Ich sprach ihn an, nicht als Journalistin, sondern als Frau, die als junges Mädchen die ORF-Meldung über den Einbruch in sein Atelier hörte und sich fragte: War das Vandalismus oder eine Inszenierung?

Seine Antwort war ein Satz, der mir bis heute nachhallt:

„Besuchen Sie das Raimund Seminar – dann werden Sie Künstlerin.“ Ich verstand. Und er verstand, dass ich verstand.

Zwischen uns: kein Interview, kein Protokoll, sondern ein kurzer, intensiver Austausch, wie ein Pinselstrich über ein bereits bestehendes Bild.

Arnulf Rainer und Christa Linossi – Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg Ein kurzer Moment, der Geschichte und Gegenwart berührte. Foto: Manfred Siebinger

Arnulf Rainer (1929–2025)

Ein österreichischer Künstler, der die Kunstgeschichte übermalte

Arnulf Rainer, geboren am 8. Dezember 1929 in Baden, ist am 18. Dezember 2025 im 96. Lebensjahr verstorben. Mit ihm verliert die Kunstwelt eine Stimme, die über Jahrzehnte hinweg Grenzen verschoben, Sehgewohnheiten irritiert und das Sehen selbst neu definiert hat. Sein Werk bleibt — unvergesslich, unerschöpflich, unverwechselbar.

Als Wegbereiter der informellen Malerei in Österreich entwickelte Rainer jenes Prinzip, das zu seinem Markenzeichen wurde: die Übermalung. Was als Befreiung vom Surrealismus begann, wuchs zu einem vielschichtigen Repertoire aus Überzeichnungen, gestischen Eingriffen, Hand- und Fingerarbeiten. Ikonisch wurden seine „Face Farces“ und „Body Poses“ — fotografische Selbstporträts, die er mit expressiven Malereigesten überzog, als würde er mit Farbe direkt in sein eigenes Antlitz eingreifen.

Rainer war nicht nur ein Meister der Form, sondern auch ein Denker. Seine Schriften öffnen Fenster in seine Arbeitsweise, seine Zweifel, seine geistige Beweglichkeit. Er inspirierte Generationen von Künstler:innen — nicht durch Gefälligkeit, sondern durch Radikalität.

Ein Künstlerleben voller Brüche und Neuanfänge

Zwischen 1940 und 1944 besuchte Rainer die Nationalpolitische Erziehungsanstalt Traiskirchen. Als er gezwungen wurde, „nach der Natur“ zu zeichnen, verließ er die Schule — und beschloss, Künstler zu werden.

1950 gründete er mit Fuchs, Lehmden, Brauer, Hollegha, Prachensky und Mikl die „Hundsgruppe“. 1951 reiste er mit Maria Lassnig nach Paris, wo er Pollock und Riopelle begegnete. Ihre Spuren sind in seinen frühen Arbeiten spürbar. Otto Breicha nannte ihn einmal einen „Möchtegernsurrealisten“ — ein Etikett, das Rainer mit seiner späteren Radikalität endgültig sprengte.

Ab 1953 begann er, fremde und eigene Werke zu übermalen — nicht als Zerstörung, sondern als Dialog. Ein Weiterdenken, ein Weiteratmen.

Die Atelier-Einbrüche – Legenden, die ihn begleiteten

Als ich ihn 2021 darauf ansprach, erinnerte ich mich. Mich beeindruckte eine ORF-Meldung aus den 1970er-Jahren als junge Kunstinteressierte. Die Meldung elektrisierte mich: Einbruch in sein Atelier, zerstörte und übermalte Werke, Spekulationen zwischen Vandalismus und Inszenierung.

Er lächelte nur. Und gab mir seinen berühmten Satz.

1994 folgte ein weiterer Angriff: 38 Bilder an der Akademie der bildenden Künste wurden großflächig mit schwarzer Farbe überzogen, nur die Signaturen blieben sichtbar. Erst 2019 wurde der Täter — ein ehemaliger Student — identifiziert. Ein spätes Ende einer langen Legende.

Auszeichnungen & Ehrungen

Rainers Bedeutung spiegelt sich in einer beeindruckenden Reihe internationaler Anerkennungen:

  • 1981 Professur an der Akademie der bildenden Künste Wien (bis 1995)
  • Mitglied der Akademie der Künste Berlin
  • 1989 Retrospektive im Guggenheim Museum New York — die erste für einen lebenden europäischen Künstler
  • 2003 Rhenus-Kunstpreis
  • 2004/2006 Ehrendoktorate Münster und Linz
  • 2006 Aragón-Goya-Preis
  • 2015 österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • 2019 Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • 2025 Großes Goldenes Ehrenzeichen für sein Lebenswerk

Ein Museum für einen Unruhigen

2009 eröffnete in Baden das Arnulf-Rainer-Museum — ein architektonisches Juwel, das seinem Werk gewidmet ist. Ein Ort, der seine Übermalungen nicht als Zerstörung, sondern als Verwandlung zeigt.

Arnulf Rainer Museum, Baden Ein Ort, der Rainers Werk nicht ausstellt, sondern atmet. Foto: Wolfgang Thaler, © Arnulf Rainer Museum

Zitat aus „Hirndrang“

„Ich betrachte Kunst als etwas, das den Menschen erweitern soll. Wenn sich der Mensch nicht müht, ist er ein reduziertes Wesen. Kunst ist für mich eine Hilfe für den Menschen und eine Form, sich zu entfalten.“

Epilog – Rainers Vermächtnis heute

Arnulf Rainer hat die Kunst nicht verschönert. Er hat sie geöffnet. Er hat sie befragt. Er hat sie übermalt, um sichtbar zu machen, was darunter liegt — und was darüber hinausgeht.

Sein Werk bleibt ein lebendiger Widerstand gegen das Glatte, das Gefällige, das Fertige. Es fordert uns heraus, weiterzusehen, weiterzudenken, weiterzugehen.

Für mich bleibt er ein Künstler, der mir in einem einzigen Satz eine Tür geöffnet hat.

In Erinnerung an Arnulf Rainer.

Links zu meinen früheren Artikeln

Zwischen Nebel und Erinnerung – Between Mist and Memory

Eine Szene am Königssee. Nebel, Wasser, Licht — und eine Gestalt, die aus dem Nichts auftaucht. Ein Moment zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis, zwischen Auflösung und Widerstand. Ein Bild, das nicht erklärt werden will, sondern wirkt.

A scene at Lake Königssee. Mist, water, light — and a figure emerging from nowhere. A moment suspended between visibility and secrecy, between dissolution and resistance. An image that does not seek explanation, but impact.

Handcrafted Photography — no AI, no Photoshop. Aus der Serie „Nebel“. Neueste Arbeit © Christa Linossi 2025

Der Nebel kommuniziert mit dem Wasser. Die Sonne versucht, diesen Dialog zu durchbrechen — doch in diesem Moment erscheint eine schattenhafte Gestalt, begleitet von einem Felsen, wie aus dem Nichts. Wer ist sie? Was bringt sie mit? Vielleicht ist sie der Widerstand gegen die Auflösung, vielleicht die Erinnerung an etwas, das nicht vergeht. Eine Szene zwischen Licht und Schatten, zwischen Sichtbarkeit und Geheimnis.

The mist communicates with the water. The sun tries to break through this dialogue — yet in that very moment, a shadowy figure appears, accompanied by a rock, as if emerging from nowhere. Who is this presence? What does it carry? Perhaps it is resistance against dissolution, perhaps a memory that refuses to fade. A scene between light and shadow, between visibility and secrecy.

Die schönste Zeit des Jahres! The most wonderful time of the year!

Liebe Leserinnen und Leser, zum Jahresende möchte ich innehalten und mich herzlich für Ihre Treue bedanken. Ihre Resonanz und Ihr Interesse haben meinen Blog und mein digitales Atelier lebendig gemacht. Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest voller Wärme und Licht sowie einen guten Start ins Neue Jahr 2026 – möge es Ihnen neue Horizonte, Inspiration und Freude schenken.

Dear readers, as the year comes to a close, I want to pause and thank you sincerely for your loyalty. Your resonance and interest have brought my Blog and my digital studio to life. I wish you a Merry Christmas filled with warmth and light, and a joyful start into the New Year 2026 – may it bring you new horizons, inspiration, and happiness.

Warm regards, Christa Linossi

Ein Bild. Ein Blick. Ein Beginn.

Künstler:innen der Ausstellung: Dusko Samardzija, Ana Salatovic, Sumeja Serifovic, Antonia Grgic. Präsentierten im Rahmen des 21. Europe Summit in Salzburg.

„Puzzle der Hoffnung – gestaltet von Samardzija, Salatovic, Serifovic und Grgic. Foto: © Christa Linossi 2025

Das Institut der Regionen Europas (IRE) präsentierte im Rahmen des „21. Salzburg Europe Summits“ nicht nur Politik und Diskurs, sondern auch regionale europäische Kunst und Kultur – die Verbindung von Geschichte und Moderne, die Vielfalt Europas in ihrer ganzen Resonanz.

Obwohl die Veranstaltung längst vorbei ist, lohnt es sich, die Eindrücke mit Abstand zu betrachten. Gerade weil ihre Wirkung über den Moment hinausreicht. Manche Begegnungen gewinnen ihre Bedeutung erst im Nachhall – wie Stimmen, die sich in uns verdichten und zu einer eigenen Präsenz werden.

Nicht der Kongress berührte mich zuerst, sondern ein Bild. Ein einziges Werk, das lautlos sprach, zwischen all den Stimmen, Ansprachen und Programmpunkten.

Ich trat in den Raum, lächelte, wurde angelächelt – doch mein Blick blieb hängen. Nicht an den Persönlichkeiten, nicht an den Podien, sondern an einer Arbeit, die mich wie ein Magnet anzog. Während der ehemalige Landeshauptmann und Herr Samardzija diskutierten, lauschte ich – nicht nur ihren Worten, sondern dem Echo, das dieses Bild in mir auslöste.

„Politik trifft Poesie. Der ehemalige Landeshauptmann Schausberger spricht mit Dusko Samardzija. Er ist der Autor der Ausstellung ‚HOFFNUNG‘. Es ist ein Moment, in dem Kunst und Verantwortung sich begegnen.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Der Summit war Bühne, Kulisse, Begegnungsort. Doch dieses Bild wurde mein Einstieg, mein Anker. Es war der Moment, in dem ich wusste: Ich bin nicht nur Zuschauerin – ich bin Teil davon.

Es war die 3. Kunstausstellung „Europäische Regionalkultur“ – Kunst aus der Region Brčko, HKD Napredak Brčko, Bosnien und Herzegowina. Europa bezieht seine Kraft aus der Vielfalt – aus Sprachen, Kulturen und Traditionen. In diesem Sinne präsentiert das IRE jedes Jahr im Rahmen des Salzburg Europe Summits regionale Kunst und Kultur.

Dieses Jahr 2025 waren es beeindruckende Ideen sowie visuelle und konzeptionelle Umsetzungen zum Generalthema der Konferenz: „Europa und Hoffnung“ – aus der Region Brčko in Bosnien und Herzegowina.

„Mirko Mečić, Präsident von Napredak, bei seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung ‚HOFFNUNG‘ – ein Moment der kulturellen Würdigung und europäischer Verbundenheit.“ © Christa Linossi 2025

Autor der Ausstellung war Dusko Samardzija. Seine Inspiration entspringt einer zentralen Frage: Wie können Gemeinschaften aus der Vergangenheit lernen und zugleich eine gemeinsame Zukunft innerhalb der Europäischen Union gestalten?

Diese Untersuchung führte zu drei miteinander verwobenen Themen: EINHEIT, HOFFNUNG, ZEIT.

  • Einheit unterstreicht die Stärke der Vielfalt.
  • Hoffnung spiegelt die generative Kraft wider, die die kollektive Vorstellungskraft trägt.
  • Zeit erinnert uns daran, dass Geschichte sowohl Erbe als auch Chance ist.

Das Werk HOFFNUNG, das mich anzog, besteht aus neun Puzzleteilen. Es symbolisiert die Idee, dass jeder Einzelne zum Ganzen beiträgt. Die Teile zeigen Silhouetten und abstrakte Figuren – Hinweise auf fehlenden Dialog, Schmerz, aber auch auf die Sehnsucht nach Hoffnung.

Im Zentrum leuchtet ein Puzzleteil mit einem Auge – Metapher für Vision und den gemeinsamen Blick in die Zukunft der Europäischen Union. Die Farben strahlen Vielfalt, Koexistenz und Harmonie.

„Im Zentrum: ein Auge, das sieht, was war, was ist, was sein könnte. Umgeben von Farben, die Vielfalt nicht nur zeigen, sondern feiern.“ Foto: © Christa Linossi 2025
„Drei Ecken, drei Stimmen: Das Rathaus von Brčko ist ein architektonisches Gedächtnis (li oben). Das Gesicht der Frau symbolisiert europäische Werte (re oben). Die Save ist eine fließende Verbindung zwischen Kulturen (re unten). Diese Symbole sind eingebettet in ein Puzzle, das Einheit, Hoffnung und Zeit sichtbar macht.“ Foto: © Christa Linossi 2025

Rechts oben erscheint das Gesicht einer Frau – Personifizierung der Europäischen Union, ein universelles Symbol, das Vielfalt vereint und gemeinsame Werte widerspiegelt.

Links oben zeigt sich das Rathaus von Brčko, ein architektonisches Wahrzeichen, das den historischen und bürgerlichen Geist der Stadt verkörpert – Erinnerung an Widerstandskraft und kulturelle Bedeutung.

Rechts unten durchzieht die Save die Komposition – zugleich Grenze und Verbindung, Trennung und Strömung, die Gemeinden entlang ihrer Ufer vereint.

„Ein Bild. Ein Blick. Ein Beginn. – Eindrücke des 21. Salzburg Europe Summit, die im Nachhall weiterleben.“
„Dusko Samardzija vor dem Puzzle der Zukunft – wo Kunst und künstliche Intelligenz ein gemeinsames Auge öffnen.“ Foto: © Christa Linossi 2025

EINHEIT, HOFFNUNG und ZEIT bilden zusammen eine Triade von Werten, die ebenso persönlich wie kollektiv sind.

Die Gespräche und künstlerischen Arbeiten des Salzburg 21. Europe Summit sind längst verklungen, doch ihre Wirkung bleibt. Sie erinnern daran, dass Kultur nicht im Moment verharrt, sondern sich im Nachhall entfaltet.

Vielleicht ist darin ihre größte Stärke: dass sie uns Monate später noch bewegt – als stille Präsenz, die unser Denken und Fühlen trägt.

„Anfang. Ende. Neubeginn.“ Trilogie des Loslassens

„Heute öffne ich mein digitales Atelier und zeige meine neue Trilogie ‚Anfang und Ende‘ — drei Figuren im Kreis, drei Momente zwischen Abschied und Neubeginn.“

Trilogie „Anfang und Ende“ Drei Figuren, drei Kreise — ein Anfang, ein Ende, ein Neubeginn.

Die Trilogie zeigt den Rhythmus des Lebens in klaren, grafischen Szenen. Die Figur im Rot bewegt sich durch konzentrische Kreise, die sich drehen, wenden, wiederholen. Jeder Kreis ist zugleich Abschied und Aufbruch, jede Pose ein Moment zwischen Loslassen und Neubeginn.

Es ist immer wieder ein Anfang und ein Ende, egal welche Richtung man den Kreis auch dreht. Die Bilder sprechen von der Kraft der Wiederkehr, von der Transformation, die im Inneren beginnt und sich nach außen fortsetzt.

Eine visuelle Meditation über Bewegung, Veränderung und die stille Wahrheit, dass jeder Abschied zugleich den Keim eines Neubeginns trägt.*

Die Kreise sind Horizonte, die sich öffnen und schließen. Das Rot pulsiert wie ein Herzschlag, ein Echo der Liebe und der Energie des Lebens. Die Figur bewegt sich wie ein Tänzer im Kosmos, gefangen im Rhythmus von Abschied und Neubeginn.

Jeder Kreis ist zugleich Grenze und Möglichkeit, jede Drehung ein Atemzug zwischen Loslassen und Wiederkehr. So wird die Trilogie zu einer Meditation über den endlosen Zyklus: Anfang und Ende, immer wieder, in jeder Richtung.

TriOlogy “Beginning and Ending”

Three figures, three circles — a beginning, an ending, a renewal.

The trilogy reveals the rhythm of life in clear, graphic scenes. The figure in red moves through concentric circles that turn, shift, and repeat. Each circle is both farewell and departure, each pose a moment between letting go and beginning anew.

It is always a beginning and an ending, no matter which way the circle turns. The images speak of the power of return, of transformation that begins within and unfolds outward.

A visual meditation on movement, change, and the quiet truth that every farewell carries the seed of renewal.

The circles are horizons that open and close. The red pulses like a heartbeat, an echo of love and the energy of life. The figure moves like a dancer in the cosmos, caught in the rhythm of farewell and renewal.

Each circle is both boundary and possibility, each rotation a breath between release and return. Thus the trilogy becomes a meditation on the endless cycle: beginning and ending, again and again, in every direction.

Ein Klang öffnet die Berge – Adventsingen zwischen Licht, Zweifel und Hoffnung

Festlicher Auftakt im Großen Festspielhaus: Das Salzburger Adventsingen 2025 entfaltet sich vor dem Dachsteinmassiv – eine Szene zwischen alpiner Weite und biblischer Intimität. Foto: © Rudi Gigler 2025

Zwischen Licht und Zweifel öffnet sich ein Klangraum des Staunens.

Dies ist mein Blick als Journalistin – präzise, beobachtend, berichtend. Zugleich ist es meine Resonanz als Besucherin – fragend, berührt, staunend. Das Salzburger Adventsingen im Festspielhaus zeigt sich nicht nur als Aufführung, sondern auch als Spiegel, in dem sich Tradition und persönliche Erfahrung begegnen.

Auftakt

Die Adventszeit hat begonnen, Christkindlmärkte öffnen ihre Pforten, Glühweinstände laden zum Verweilen ein. Im Salzburger Festspielhaus startete am 29. November die Premiere des berühmten Salzburger Adventsingens – ein Fixpunkt, der Besucher aus Nah und Fern anzieht.

Bühnenbild des Salzburger Adventsingens 2025 im Großen Festspielhaus: alpine Weite trifft biblische Intimität – ein Dorf zwischen Dachstein und Bethlehem. Bühnenbild und Foto: Andreas Ivancsics 2025

Das Bühnenbild

Das karge Dachsteinmassiv liegt wie ein aufgeschlagenes Buch vor uns. Ein alpines Echo des biblischen Judäa, gemalt in Licht und Kulisse. Ich sah es nicht nur als Zuschauerin, sondern auch mit dem Wissen um seine Entstehung – und spürte, wie Weite und Intimität miteinander kontrastieren. Ich saß im Zuschauerraum – nicht nur als Journalistin, sondern auch mit einem besonderen Blick auf das Bühnenbild, da ich in Gosau seine Entstehung miterlebt habe. Als Zuschauerin spürt man: hier wird nicht nur gespielt, sondern auch gedeutet – die Weite des Massivs kontrastiert mit der Intimität der Geschichte.

Josef und Maria

Die Inszenierung ist ruhig, ohne Aktionismus. Josef wirkt verstört, Maria ist schwanger – nicht von ihm. Die Kirche nennt es ein Wunder, doch sein Blick erzählt von Zweifel und Schmerz. Wie kann ein Mann, der nicht Vater sein darf, dennoch Vater werden?

Der blinde Hirte

Der blinde Hirte mit seinem Hirtenkindbegleiter – ein Moment des Hörens, Sehens und Erinnerns. Zwischen Steinwand und Horn entsteht ein Raum für Fragen, Herkunft und Herz. Foto: © Rudi Gigler 2025

Er sieht mit dem Herzen, erkennt, was Augen nicht sehen. Seine Kinder begleiten ihn, fragen nach Herkunft, und plötzlich wandert das Evangelium durch alpine Landschaften – Bergschuhe, bäuerliche Tracht, als würde Bethlehem im Dachstein erscheinen.

Klang statt Bild

Die Hirtenkinder spielen den Pascher – ein rhythmischer Ruf ins Diesseits. Dann öffnet der Andachtsjodler den Himmel: kein Bild, sondern ein Klang bleibt zurück. Foto: © Rudi Gigler 2025

Das Kind bleibt unsichtbar, doch Engel, Hirtenkinder, Pascher und Jodler kreisen um die Leerstelle. Der rhythmische Pascher holt die Szene ins Diesseits, der berühmte Andachtsjodler öffnet die Grenze zwischen Bühne und Himmel. Das Adventsingen endet nicht mit einem Bild, sondern mit einem Klang – ein Raum der Fragen und des Staunens.

Eindruck

Das Bühnenbild stark, die Aufführung ruhig, der blinde Hirte berührend. Doch die Fragen bleiben – und vielleicht ist das das Wichtigste: Nicht nur sehen, sondern auch fragen.

Musikalisch begleitet von Salzburger Saitenmusik, Geigenmusik, Juvavum Brass, Blattbläser-Ensemble, Solist*innen Eva Schinwald, Elisabeth Eder-Marböcl, Johannes Forster, den Ensembles Hohes C und CMM, dem Salzburger Volksliedchor und den Hirtenkindern.

Prädikat: Sehenswert. Die Aufführungen finden am 2. und 3. Adventwochenende jeweils von Freitag bis Montag statt. Tickets: http://www.salzburgeradventsingen.at