Ars Electronica Festival 2024: Kunst, Technologie und Gesellschaft im Fokus

Das Ars Electronica Festival hat erneut bewiesen, was wesentlich ist: Es schafft Raum, Zeit und eine Atmosphäre, die es Menschen ermöglicht, miteinander zu kommunizieren und sich gegenseitig zu inspirieren.

Besuch des Ars Electronica Festivals 2024

Das Ars Electronica Festival in Linz ist immer wieder ein absolutes Highlight. Vom 4. bis 8. September 2024 präsentierte das Festival eine Fülle von Projekten und Ausstellungen, die Kunst, Technologie und Gesellschaft verschmelzen. Ich war besonders auf die Präsentationen zu Machine Learning, virtueller Realität, Robotik und Biotechnologie gespannt, welche aufzeigen, wie diese Technologien zu nachhaltigem Fortschritt führen können.

Unter dem Motto „HOPE – who will turn the tide“ stellte das Ars Electronica Festival 2024 die Besucher*innen vor die Qual der Wahl, welche der zahlreichen Highlights sie besuchen sollten. (1260 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Entwickler*innen, Unternehmer*innen und Aktivist*innen aus 67 Ländern waren in den vergangenen fünf Tagen in Linz zu Gast und haben zur Ars Electronica 2024 beigetragen)Ich stürzte mich in das Festival und suchte mir einige Projekte aus, die mich besonders interessierten.

Ein besonderes Highlight waren die zahlreichen Führungen für Schulkinder. Es war beeindruckend zu sehen, wie offen und neugierig die Kinder auf die neuen Technologien reagierten. Ihre Begeisterung und ihr Interesse an den verschiedenen Projekten waren ansteckend und zeigten, wie wichtig es ist, den Zugang zu innovativen Technologien frühzeitig zu ermöglichen.

Schulkinder beim Aufkleben des „Shadowgram Foto: © Christa Linossi 2024

Ein Highlight für mich war: Der Kunstturm am Hauptplatz: Ein Symbol der Kreativität und Innovation

Lynceus’ Dream / Paul Eis(DE), Maximilian Meindl Photo: vog.photo

Eines der herausragenden Projekte der Kunstuniversität Linz war der Kunstturm am Hauptplatz. Dieser beeindruckende Turm diente als lebendiges Symbol für die Verschmelzung von Kunst und Technologie und steht als Symbol für Hoffnung und Innovation in einer Zeit der Unsicherheit. Er zeigt, wie Kunst und Technologie zusammenkommen können, um neue Perspektiven zu eröffnen und zum Nachdenken anzuregen.

Lynkeus, der Turm, eine von multiplen Krisen geprägte Zeit und viele Fragen rund um die Kraft des Sehens: Das sind die Ausgangspunkte für den Beitrag der Kunstuniversität Linz zu „Hope – who will turn the tide“ – dem Motto des diesjährigen Ars Electronica Festivals. Am Linzer Hauptplatz lädt ein von „die architektur“, einem Institut der Kunstuniversität Linz, errichteter Turm dazu ein, sich in unterschiedlichen Interpretationen mit dem Thema „Sehen und Sehen lassen“ auseinanderzusetzen. Paul Eis und Maximilian Meindl haben in den letzten zwei Jahren mit der Idee gespielt, einen Turm auf dem Linzer Hauptplatz zu errichten. Der Turm soll jedoch nicht als Symbol von Macht oder Kontrolle verstanden werden. Vielmehr basiert die Idee auf einer kritischen Selbstreflexion. Sie fördert die Fähigkeit, verschiedene Möglichkeiten zu sehen: Wie sehen wir? Wer sieht für uns und beeinflusst unsere Wahrnehmung? Was wollen wir sehen?

Eine beeindruckende Installation im Kunstturm am Hauptplatz war das Spiegelkabinett. Diese Installation, die von Studierenden der Kunstuniversität Linz gestaltet wurde, bot den Besuchern ein einzigartiges und immersives Erlebnis. Beim Betreten des Spiegelkabinetts waren die Besucher einer Vielzahl von Spiegeln umgeben, die den Raum scheinbar unendlich erweiterten. Die Spiegel waren so angeordnet, dass ein kaleidoskopartiges Muster entstand, das sich je nach Blickwinkel ständig veränderte. Diese visuelle Täuschung erzeugte ein Gefühl der Unendlichkeit und lud die Besucher ein, die Grenzen ihrer Wahrnehmung zu erkunden.

Auch die Kunstuniversität Linz hat mich fasziniert, die zunehmende Integration von Technologie in die Kunstwelt eröffnet so viele neue Möglichkeiten und Perspektiven. Die Kunstuniversität Linz scheint hier an der Spitze der Innovation zu stehen.

Der Einsatz von Technologie in der Kunst ermöglicht es den Künstlern, ihre Kreativität auf völlig

neue Art und Weise auszudrücken. Von digitalen Installationen über interaktive Medien bis hin zu Virtual Reality und Augmented Reality – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Es ist spannend zu sehen, wie traditionelle Kunstformen mit modernen Technologien verschmelzen und völlig neue Erlebnisse schaffen.

Interessant war auch ein Gespräch mit Studenten der IT: U von der ich keine Ahnung hatte und erst im Gespräch erfuhr, worum es eigentlich geht.

Plakat und Technologie von IT: U Foto: © Christa Linossi 2024

IT: U = Interdisciplinary Transformation University Austria, die als Summer School & Forum at Ars Electronica Festival 2023 ins Leben gerufen wurde. In Linz wird eine zukunftsweisende Universität gegründet, die sich in Forschung und Lehre allen Dimensionen der Digitalisierung und ihren transformativen Auswirkungen auf Wissenschaft, Kunst, Gesellschaft und Wirtschaft widmet.

Ziel ist es, international als Institution anerkannt zu werden, die einen substanziellen Beitrag zur Entstehung neuer wissenschaftlicher Disziplinen leistet. Die Universität für Digitale Transformation will zeigen, dass wissenschaftliche Exzellenz in Europa systematisch in gewinnbringende Produkte, Dienstleistungen und soziale Innovationen umgesetzt werden kann.

Hauptmerkmale der IT: U:

  1. Interdisziplinarität: Die IT-U fördert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen, einschließlich Technik, Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Sozial-, Geistes-, Kulturwissenschaften und Kunst.
  2. Digitale Transformation: Die Universität legt ihren Schwerpunkt auf die digitale Transformation und setzt datengesteuerte Verfahren sowie künstliche Intelligenz ein, um weltweiten Herausforderungen zu begegnen.
  3. Neue Lernmethoden in der IT: U bieten innovative Ansätze, um Studierende aus unterschiedlichen Ländern und Fachbereichen in der Digitalisierung zu schulen. Das Ziel ist es, kulturelle und fachliche Barrieren zu durchbrechen und Kooperation zu stärken.

Experten, Vordenker, Wissenschaftler und Innovatoren aus verschiedenen Disziplinen versammeln sich, um innovative Ansätze für einen transformativen digitalen Wandel zu erforschen und festzulegen.

IT: U legt großen Wert auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Dies umfasst die Beachtung ethischer Grundsätze, den Schutz der Privatsphäre und die Förderung eines kritischen Bewusstseins für den Einsatz von KI-Technologien.

Das war ein kurzer Einblick in das Ars Electronica Festival 2024 aus meiner Perspektive. In diesem Jahr habe ich mich entschieden, nur einige Projekte zu beleuchten, die ich besonders interessant fand.

Auch im nächsten Jahr, vom 3. bis 7. September 2025, wird das Ars Electronica Festival wieder stattfinden!

Kunsthaus Graz: BIX-Fassade zeigt Fontanas Klangkomposition als Weckruf zum Klimawandel

Die BIX-Fassade des Kunsthauses in Graz zeigt Fontanas Projekt „Silent Echoes: Dachstein“ als ortsspezifische Klang- und Lichtinstallation. Ein Aufruf zum Schutz der Welt durch den Menschen. Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Bill Fontana (*1947, lebt in San Francisco) verwendet seit den späten 60er-Jahren Klang als skulpturales Medium. Er hat seither über 50 Klangskulpturen und 20 zum Teil interkontinentale Radioskulpturen geschaffen.

Bereits zum dritten Mal präsentiert der Klangkünstler Bill Fontana in Graz eine Arbeit, die zum Innehalten und Naturhören einlädt. Im Rahmen des Kulturjahres 2020 präsentierte Bill Fontana eine Neuauflage seiner Klangperformance aus dem Jahr 1988 und sandte Naturklänge aus aller Welt auf den Schlossberg. In seiner Einzelausstellung Primal Energies, die zeitgleich im Kunsthaus Graz gezeigt wurde, entstand eine ortsspezifische Live-Installation, die sich mit der akustischen und visuellen Ästhetik erneuerbarer Energien auseinandersetzte. Eine weitere Installation von Fontana ist permanent im Innenhof des Kunsthauses zu hören.

Auch 2024 setzte Bill Fontanas SONIC- und VIDEO-KOMPOSITION als Weckruf gegen den Klimawandel im Kunsthaus Graz und auf der BIX-Medienfassade ein starkes Statement zu Klimawandel und kultureller Fragilität. SILENT ECHOES: DACHSTEIN

Der Dachstein: Ein Symbol der Steiermark und ein Weckruf für den Klimawandel

Der Dachstein, der höchste Berg der Steiermark, ist nicht nur ein majestätisches Naturwunder, sondern auch ein Symbol für die Herausforderungen unserer Zeit. In der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Graz setzt der renommierte Klangkünstler Bill Fontana mit seiner Installation “Silent Echoes: Dachstein” die schmelzenden Gletscher des Dachsteins und die Glocken von Notre-Dame in einen eindrucksvollen Dialog.

Fontanas Werk, das auf der BIX-Fassade des Kunsthauses Graz zu sehen ist, verbindet die natürlichen Klänge des schmelzenden Gletschers mit den leisen, aber eindringlichen Tönen der Glocken von Notre Dame, die nach dem verheerenden Brand von 2019 verstummt sind. Diese Komposition ist sowohl ein künstlerisches Meisterwerk als auch ein starkes Statement zum Klimawandel und zur kulturellen Zerbrechlichkeit.

Im Auftrag der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 kreiert der amerikanische Klangkünstler Bill Fontana ein unglaubliches Duett: das Schmelzen des Gletschers und die Glocken von Notre-Dame. Foto: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek

Ein Dialog zwischen Natur und Kultur

Die Installation “Silent Echoes: Dachstein” lädt die Besucher ein, über die tiefgreifenden Veränderungen unserer Umwelt nachzudenken. Der Dachstein, dessen Gletscher seit Jahrzehnten schmelzen, steht als Mahnmal für die Auswirkungen des Klimawandels.

Durch die Verschmelzung dieser beiden Elemente schafft Fontana eine eindrucksvolle Metapher für die Verbindung von Natur und Kultur. Die Klänge des schmelzenden Eises und das stille Echo der Glocken erinnern uns daran, dass wir sowohl unsere Umwelt als auch unser kulturelles Erbe schützen müssen.

Ein Weckruf für die Zukunft

Die Ausstellung im Kunsthaus Graz ist mehr als eine künstlerische Darbietung, sie ist ein Weckruf. Sie fordert uns auf, über unsere Rolle im Klimawandel nachzudenken und aktiv zu werden. Der Dachstein als höchster Berg der Steiermark steht dabei symbolisch für die Dringlichkeit und Notwendigkeit, unsere Umwelt zu erhalten.

Bill Fontanas Klanginstallation

Für seine Installation “Silent Echoes: Dachstein” nutzt Bill Fontana modernste Technologie, um die Geräusche des schmelzenden Dachsteingletschers und der Glocken von Notre Dame aufzunehmen und zu übertragen. Fontana verwendet präzise Vibrationssensoren, um die subtilen Klänge des Gletschers und der Glocken hörbar zu machen2. Diese Klänge werden dann in Echtzeit auf die BIX-Fassade übertragen, wo sie durch Lichtmuster visuell verstärkt werden.

Die Kombination von Klang und Licht schafft ein immersives Erlebnis, das die Besucher dazu einlädt, über die Auswirkungen des Klimawandels und die Zerbrechlichkeit unserer Kultur nachzudenken.

Technik der BIX-Fassade

Die BIX-Fassade des Kunsthaus Graz ist eine einzigartige Medienfassade, die aus 930 Leuchtstoffröhren besteht, die in die Acrylglasfassade integriert sind. Diese Röhren können einzeln angesteuert werden, um verschiedene Lichtmuster und Animationen zu erzeugen. Die Fassade wirkt wie eine riesige Leinwand, auf der sowohl künstlerische als auch informative Inhalte dargestellt werden können.

Dem Klimawandel eine Stimme zu geben und den weltweit schmelzenden Gletschern zuzuhören, ist seit Jahren das Ziel von Bill Fontana.

Ansprache von Bill Fontana bei der Eröffnung der Klanginstallation am Dachstein zu SILENT ECHOES: DACHSTEIN Foto: © Christa Linossi 2024

Statement von Bill Fontana:

„Den Berg und den Gletscher in ihrem innersten dynamischen Energieaustausch zu hören, ist ein Erlebnis, das mich verändert hat. So wie die nicht hörbaren, aber stets rufenden Glocken von Notre-Dame. Es hat gleichzeitig etwas Wunderschönes und Tragisches, wenn man die Geräusche und den Anblick dieses schmelzenden Gletschers ganz nah erlebt“, sagt Fontana.

Die Klanginstallation in der Rieseneishöhle am Dachstein ist ein Höhepunkt, und die Ausstellung im Kunsthaus Graz hebt dies weiter hervor.

Silent Echoes: Dachstein
Ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas Bad lschl Salzkammergut 2024

Mitwirkende: Bill Fontana (Künstler), Wolfgang Schlag (Kurator), PeterBrupper (Co-Kurator und Programmverantwortlicher Goiserer Musiktape)

In Kooperation mit: IRCAM, OÖ KulturEXPO Anton Bruckner 2024, Ars Electronica Festival, Goiserer Musiktage, Kunstradio Ö1, MuseumsQuartier Wien, Kunsthaus Graz und UCLA (University of California, Los Angeles) 

Dank an: OÖ Seilbahnholding GmbH, Planai-Hochwurzen Bahnen GmbH

Mit Unterstützung von: Institut français d’Autriche und Klima- und Umweltreferat der OÖ LandesregierungProgrammleitung Musik, Jugend, Community Building: Christian Haselmayr