THE GREEK PASSION – an absolute sound experience

Oper von Bohuslav Martinů

TerrassenTalk THE GREEK PASSION: li Maxime Pascal (Musikalische Leitung), re Simon Stone (Regie) © SF/Jan Friese

Bohuslav Martinůs Oper The greek Passion wird in diesem Jahr erstmals bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. In seiner dritten Salzburger Inszenierung nach Aribert Reimanns Lear und Luigi Cherubinis Medea wagt sich Simon Stone an dieses laut Intendant Markus Hinterhäuser „große musikalische Meisterwerk“. Sein Debüt am Pult der Wiener Philharmoniker gibt Maxime Pascal, der mit seinen Salzburger Dirigaten von Wolfgang Rihms Jakob Lenz und Arthur Honeggers Jeanne d’Arc au bûcher in den Fokus von Markus Hinterhäuser rückt.

am 07.08.2023 Maxime Pascal – während des TerrassenTalks auf der Presseterrasse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –

Maxime Pascal beschreibt seinen Zugang zum Werk Martinůs folgendermaßen: „Meine erste Begegnung mit Martinů hatte ich während meines Studiums am Pariser Konservatorium. Da erinnerte ich mich, dass ich als Student viel mit Martinůs Kammermusik zu tun hatte. Denn die wird in Frankreich oft für das Studium herangezogen.“ Intendant Markus Hinterhäuser schlug ihm Martinůs Oper The Greek Passion vor. „Es ist merkwürdig, Markus hat immer ein Gespür dafür, was zu mir passt. Er muss ein besonderes Gespür haben“.

Die musikalische Vielfalt, in der tschechische, byzantinische und orthodoxe Hymnen anklingen, beschreibt Maxime Pascal: „In dieser Oper spielt Martinůs Interesse an Spiritualität und Träumen eine zentrale Rolle. Dies spiegelt sich auch in der Musik wider, die sowohl westlich-christliche als auch anatolische Melodien und traumhafte Elemente enthält, die Assoziationen wecken“.

TerrassenTalk THE GREEK PASSION: Simon Stone (Regie)
© SF/Jan Friese

Zum Inhalt des Stücks sagt Simon Stone: „Wichtig für das Verständnis ist auch, dass Martinů selbst ein Flüchtling war und seine eigenen künstlerischen Möglichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg stark eingeschränkt waren. Er musste selbst Asyl suchen – man hört in der Musik, wie wichtig für ihn der Stoff von Kazantzakis war, der sich seinerseits auch stark mit den Themen Staaten- und Heimatlosigkeit beschäftigt hat. So ist ein Stück entstanden, das zeitlos und modern zugleich ist. Deshalb ist es auch für uns heute relevant. Was Kazantzakis geschrieben hat, hat Martinů durch seine Musik, die archetypische und moderne Formen verbindet, noch verstärkt. Das ist eine Botschaft an uns alle“.

Simon Stone hält den religiösen Hintergrund des Librettos für wichtig: „Die Figuren des Manolios und des Grigoris zeigen den Gegensatz zwischen der Macht der Religion auf der einen Seite und der Macht eines einzelnen Menschen in der Person des Priesters – insbesondere innerhalb dörflicher Strukturen – auf der anderen Seite“. Gleichzeitig gehe es um das Ausloten von Grenzen und die Diskrepanz zwischen politisch verordneter Unterdrückung von Großzügigkeit und menschlich intuitiver Hilfsbereitschaft in der heutigen Zeit. „Martinůs Musik widersetzt sich diesem Unterdrückungsversuch – sie ist ein Plädoyer für Menschlichkeit“.

Die Premiere findet am 13. August 2023 in der Felsenreitschule Salzburger Festspiele 2023 statt.

DAS KIND UND DIE ZAUBERDINGE

Salzburger Festspiele 2023 – Oper für Kinder

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Johanna Rosa Falkinger (Das Kind)
© SF/Marco Borrelli

Es handelt sich um eine Kinderoper nach dem Libretto von Colette „L’Enfant et les sortilèges“ von Maurice Ravel (1875-1937), ins Deutsche übersetzt von Egon Bloch. Eine Neuproduktion in der Inszenierung von Anna Handler (Musikalische Leitung), Giulia Giammona (Regie) (Oper für Kinder ab 6 Jahren).

Ich hatte die Gelegenheit, diese Kinderoper im Salzburger Schauspielhaus zu sehen. Es ist eine beeindruckende Kinderoper, bei der auch das Publikum (in diesem Fall die Kinder) teilweise mit einbezogen wurde, indem Fragen gestellt und Antworten erwartet wurden.

Ausschnitt aus der Handlung: Das Kind lebt gut behütet von seinen Eltern in einem silbernen Turm mit vielen Spielsachen. Das Kind brütet missmutig über seinen Hausaufgaben, die Mutter schimpft – ein Streit, Türenknallen, Hausarrest und ein wütender Tobsuchtsanfall. Über den Hausarrest und die vielen Hausaufgaben wird das Kind so wütend, dass es sein Zimmer verwüstet. Erschöpft sinkt das Kind in den Sessel.

Die beschädigten Objekte lassen sich das nicht gefallen. Wie von Geisterhand erwachen sie zu neuem Leben: Polstersessel, Sessel, Standuhr, Teekanne und Teetasse ärgern sich über die Sorglosigkeit des Kindes.

Was passiert, wenn man sich im eigenen Garten nicht mehr auskennt? Und wie kann man dem Spuk ein Ende bereiten? Zum Glück gibt es ein Zauberwort…

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Anita Monserrat (Das Eichhörnchen)
© SF/Marco Borrelli

Währenddessen trauern die Kinder draußen um die zerstörten und weggeworfenen Kuscheltiere. Schließlich erscheint eines der Kinder von draußen im Zimmer des Kindes: Es nennt sich Eichhörnchen und das Kind folgt ihm nach draußen. Dort lernt das Kind die anderen Kinder kennen, die ohne Eltern leben und sich – wie das Eichhörnchen – Tiernamen gegeben haben.

Die anderen Kinder machen das Kind für die Zerstörung der Kuscheltiere verantwortlich und es kommt zum Streit. Als das Kind den anderen zeigt, wie man die Kuscheltiere wieder heilen kann, sind die elternlosen Kinder erstaunt: „Das Kind hat Mut, es tut Gutes!“ Das Kind wird Teil der Kindergemeinschaft. Alle werden Freunde.

Giulia Giammona hat diesen Zugang zur Geschichte – die verschiedenen Welten, die das Kind im Laufe des Stücks durchquert – bewusst gewählt: Es ist eine Auseinandersetzung mit den Eigenschaften eines Kindes von heute. Die Inszenierung wirkt zunächst wie eine verwirrende Aneinanderreihung von Szenen und Figuren, gleichzeitig bleibt das Kind aber immer Kind und wechselt auch sein Kostüm nicht.

Ein guter Begleiter ist das Eichhörnchen, dessen Käfig den „goldenen Käfig“ symbolisiert, in dem das Kind in einer Reizüberflutung gefangen ist.

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Liza Lozica (Die Libelle), Anthony León (Der Frosch), Aitana Sanz-Pérez (Die Nachtigall)
© SF/Marco Borrelli

Als die anderen Figuren auftauchen, auch die Tiere, von denen es sich beschuldigt fühlt, beginnt das Kind zu verstehen, dass seine eigenen Handlungen andere beeinflussen. Die Tiere, denen das Kind begegnet, leben in einer anderen Welt als im Kinderzimmer.

In der Verschmelzung dieser beiden Sphären wird deutlich, dass das Kind Verantwortung übernehmen muss, dass es nicht einfach in seine „alte“ Welt zurückkehren kann. Seine Wut ist der Aufhänger für die Aufforderung: „Seid mutig und geht auch mal raus!“

Prädikat: Einen Besuch wert

Die Kinderoper kann bis zum 27. August 2023 noch besucht werden. Das Programm finden Sie hier.

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