
KUNST SETZT NEUE AKZENTE!
Die Albertina Modern setzt mit dem US‑amerikanischen Künstler KAWS neue Akzente und öffnet einen Dialog mit Positionen der Gegenwartskunst. Im Zentrum steht die künstlerische Autonomie seiner Figuren – jene hybriden Wesen, die Pop, Kommerz und öffentliche Kunst miteinander verbinden.
WER UND WAS IST KAWS?
Ich kannte KAWS nicht. Vielleicht geht es Ihnen genauso. Also begann ich zu recherchieren.
KAWS, bürgerlich Brian Donnelly, ist ein US‑amerikanischer Pop‑Art‑Künstler und Designer, der in den 1990er‑Jahren als Graffiti‑Künstler begann. Seine frühen Arbeiten entstanden auf Werbeplakaten, die er übermalte und ironisch umdeutete. Mit seinen „Companions“ entwickelte er eine eigene Bildsprache: vertraut und doch fremd.

Die durchkreuzten Augen sind kein Gag. Sie stehen für Überforderung, Leere, Pop‑Burnout – Symptome unserer Zeit. Und doch erinnern seine Figuren an Mickey Maus. Eine Ikone, die selbst Spuren hinterlassen hat. Auch Keith Haring taucht als Assoziation auf, wenn auch in anderer Form.
WENN FRAGEN AUFGEWORFEN WERDEN
Was will KAWS mit seinen übergroßen Figuren sagen? Diese Frage stellt sich besonders beim rosa Hasen, den er 2023 neben die Tempelanlagen von Prambanan auf Java installierte.
Pop trifft Sakralraum.
Was ist heute eigentlich „heilig“? Konsum? Kultur? Tradition? Ikonen? Wie verändert sich unser Weltbild – und wie verändern wir die Orte, die wir einst als unantastbar betrachteten?
STATEMENT VON RALPH GLEIS
„Kaum einem anderen zeitgenössischen Künstler gelingt es so überzeugend wie KAWS, eine Brücke zwischen High Art und Low Art zu schlagen. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz verschwimmen – ein Spiel mit Ambivalenzen, das der Künstler bewusst inszeniert.“
Die Albertina Modern widmet KAWS 2026 die erste umfassende Museumspräsentation in Österreich. Der Fokus liegt auf seinem Bezug zum Comic – sichtbar in der klaren Formensprache und in der Verarbeitung ikonischer Figuren wie Mickey Maus oder Snoopy.
NEUER ZUGANG ZUR GRAFFITI- UND COMIC-SZENE
KAWS hat mir einen neuen Zugang zur Graffiti‑ und Comic‑Szene eröffnet. Vielleicht gerade deshalb, weil er mir zuvor unbekannt war. Comics waren nie mein Terrain – vielleicht ist dies der Moment, es zu öffnen.
KAWS bewegt sich zwischen High Art und Low Art: Museen, Auktionen, Millionenpreise – und gleichzeitig T‑Shirts, Spielzeug, Masseneditionen. Demokratisierung oder Kommerzialisierung? Oder beides?
Er macht Kunst zugänglich – und zugleich extrem marktfähig. Eine Ambivalenz, die Spannung erzeugt.
WARUM IST ER SO ERFOLGREICH?
4,4 Millionen Follower auf Instagram. Kollaborationen mit Dior, Uniqlo, Nike. Ein Künstler, der in der Popkultur ebenso präsent ist wie auf dem Kunstmarkt.
Vielleicht, weil seine Figuren emotional lesbar sind. Vielleicht, weil sie Kindheit, Popkultur und Melancholie verbinden. Vielleicht, weil sie funktionieren – im Museum und auf Instagram.
KAWS gießt Gefühle in Popform. Wie einst Andy Warhol, der aus Werbung Kunst machte.
SCHLUSSGEDANKE
Zwingt KAWS uns, Pop neu zu lesen? Nicht als Oberfläche, sondern als Spiegel unserer eigenen Überforderung?
Die Ausstellung „KAWS: Art & Comix“ ist von 3. April bis 27. September 2026 in der ALBERTINA MODERN zu sehen.