
Es gibt Orte, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Für mich ist die Galerie Thaddaeus Ropac genau ein solcher Ort – ein Raum, der mich jedes Mal neu herausfordert, irritiert, inspiriert. Mit jeder Ausstellung öffnet sich ein anderer Blick auf das Zeitgenössische: präzise kuratiert, international vernetzt, immer wieder überraschend.
EINE SKULPTUR VON MIRÓ ALS EINSTIEG

Schon beim Betreten der Galerie blieb ich auf der Treppe stehen. Eine Skulptur zog meinen Blick magisch an – ein Werk voller versteckter Hinweise. Bei genauerem Hinsehen lässt sich der Eiffelturm erkennen, darüber eine Gestalt, deren Form an einen Vogelschnabel erinnert, verhüllt wie ein Papagei, dem man die Decke über den Käfig legt. Dahinter ein zentrales mythologisches Symbol – kein Dreizack, sondern ein Vierzack.
Was wollte der Künstler damit sagen?
Erst später erfuhr ich, dass diese Skulptur von Joan Miró stammt, dem berühmten spanischen Maler. Miró wird parallel zu Alex Katz gezeigt – ein Auftakt, der mich sofort in die Ausstellung hineinzog.
ALEX KATZ – DER MEISTER DER REDUKTION

Alex Katz ist für mich kein Unbekannter. Seit 2013, als das Museum der Moderne eine der größten Katz-Schauen Österreichs zeigte, begleitet mich sein Werk. Damals wie heute habe ich ein Bild besonders präsent: BLACK HAT 2, das an ein Standfoto aus Frühstück bei Tiffany’s erinnert – eine Diva, ein Hut, ein ikonisches Schwarz.
Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Thaddaeus Ropac zeigt jedoch einen anderen Katz: eine neue Werkserie, entstanden innerhalb des letzten Jahres. Katz widmet sich erneut den Blumen – einem Motiv, das seit über 60 Jahren zu seinem künstlerischen Kern gehört.

Die Black Roses zeugen von seiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Abstraktion. Katz verzichtet auf Ornamentik, reduziert die Form auf rhythmisch gesetzte, flächige Farbfelder. Die Blüten wirken fast skulptural.
Und doch: Wer verweilt, entdeckt mehr. Im Werk Black Roses erscheint links eine geschlossene Rose, rechts jedoch die Kontur eines Gesichts oder eines Mannes. Katz spielt mit Wahrnehmung, mit Projektion, mit dem, was wir sehen wollen.
Was symbolisieren schwarze Rosen?
- Gegensätze wie Verlust und Hoffnung
- Dunkelheit, Tod – und zugleich den Wunsch nach Veränderung
- Ein Zeichen des Aufbruchs, der Ablehnung bestehender Machtstrukturen
- Ein Symbol der Revolution
Die überdimensionalen Blüten und der fehlende Kontext erzeugen ein Gefühl der Entfremdung und betonen die Oberfläche als Ort intensiver Erfahrung. Katz bleibt der Meister der Reduktion: radikale Ausschnitte, Flächigkeit, große Formate.
JOAN MIRÓ – EINE ANDERE WELT


Zurück zu Miró. Seine Werke begleiten mich seit meiner Jugend. In meinem Grazer Studentenzimmer hing ein Miró – kräftiges Rot, ein Hauch Blau, schwarze Linien. Minimalistisch, kraftvoll, prägend.
Was ich damals nicht wusste: Miró schuf auch Skulpturen.
Die Ausstellung zeigt Werke aus seinen letzten Lebensjahren, insbesondere die sogenannten Assemblage-Skulpturen, geformt aus Fundstücken, die er auf der Insel sammelte. Sie spiegeln seine Faszination für die Formen der Natur und seine unerschöpfliche Experimentierfreude.
Der Kunstkritiker Jacques Dupin formulierte es so: Mirós Skulpturen manifestieren „die eigentliche, fast einzigartige Erfindungskraft von Miró als Bildhauer“.
Eine seltene Gelegenheit, Mirós skulpturale Welt zu erleben.
SYLVIE FLEURY – GLANZ, BEGEHREN, MACHT


Die dritte Position der Ausstellung ist Sylvie Fleury – in Salzburg keine Unbekannte. 2006 gestaltete sie zum Mozartjahr die Lichtinstallation an der Fassade des Stiftungsgebäudes in der Schwarzstraße. Der Schriftzug „Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!“ leuchtet bis heute in rosafarbenem Neon.
In der aktuellen Ausstellung zeigt Fleury weitere Neonarbeiten sowie neue Skulpturen. Besonders auffällig: übereinandergeschlagene Beine, wie die untere Hälfte einer Schaufensterpuppe, an der Wand installiert. Fleury untersucht die Mechanismen des Begehrens – in der Kunst wie in der Welt der Luxusgüter – und hinterfragt die damit verbundenen Machtstrukturen.
DER BLICK IN DEN MIRABELLGARTEN

Die Galerie Thaddaeus Ropac / Villa Kast ist nicht nur ein inspirierender Ausstellungsraum. Sie öffnet auch den Blick in den Mirabellgarten – ein Dialog zwischen Kunst und Stadt, zwischen Innen und Außen.
Die Ausstellung ist sehenswert und bis 16. Mai 2026 in der Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg / Villa Kast, zu sehen.