Das Ars Electronica Festival 2023          stellte sich der spannendsten Frage des 21. Jahrhunderts!

„WHO OWNS THE TRUTH“? „WEM GEHÖRT DIE WAHRHEIT”?

Video (c) Ars Electronica 2023

Ars Electronica 2023, immer einen Schritt voraus, zielte heuer direkt auf das umstrittene Schlüsselthema unserer Zeit und fragte: Wem gehört die Wahrheit? Es ging um die Frage nach Wahrheit und Eigentum, nach Deutungshoheit und Souveränität, kann man Wahrheit überhaupt besitzen?

Gibt es ein Recht auf Wahrheit, und wenn sie jemandem oder einer Institution gehört, welche Kontrolle und Verantwortung ist damit verbunden? Wie gehen wir mit solchen Fragen im Zeitalter der globalen Vernetzung und der sich rasant entwickelnden Fähigkeiten sogenannter künstlicher Intelligenz um?

In einer Zeit, in der sich einige wenige in neofeudalistischer Manier das kollektive Wissen angeeignet haben und in der wir auch gute Gründe haben, daran zu zweifeln, dass die Vision der Technologie unsere Probleme lösen wird, müssen wir uns fragen, wie wir unsere Zukunft gestalten können.

Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, allen Menschen den Zugang zu den großen Errungenschaften von Wissenschaft und Technik zu erleichtern und sie in die Lage zu versetzen, diese Errungenschaften zu nutzen.

Das ist eine Herausforderung, die nur sehr schwer zu bewältigen sein wird. Aber genau für eine solche Vision soll und kann ein Festival wie die Ars Electronica stehen. Seit mehr als 40 Jahren ist dieses außergewöhnliche Festival ein Ort, an dem nicht nur darüber nachgedacht wird, wie Technik unsere Gesellschaft verändert, sondern auch, wie Kunst und Gesellschaft selbst Technik gestalten können.

Warum war ARS ELECTRONICA heuer so umfangreich?

Auch dieses Jahr wurde das Festival wieder als „Green Event“ umgesetzt und es nahmen 1542 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Entwickler*innen, Designer*innen und Aktivist*innen aus 88 Ländern daran teil. 650 Exponate waren Teil der Ausstellung. 575 Veranstaltungen fanden statt. Ermöglicht haben das Festival 338 Partner*innen und Sponsoren sowie 434 Mitarbeiter*innen.

POSTCITY – die digitale Revolution

20 Kilometer Stromleitungen, 550 Verlängerungskabel à 10 Meter und 550 Verlängerungskabel à 5 Meter, 800 Steckdosenleisten, 400 Bildschirme, 75 Beamer, 75 Notebooks, 150 PCs und 100 Raspberry Pi, 60 Messewandmodule, 430 Tische und 2.100 Sessel, hunderte Pflanzen und – die Liste der Requisiten, die das Festivalteam für die POSTCITY vom 6. bis 10. September 2023 benötigte, ließe sich beliebig fortsetzen.

Worum geht es in diesem Jahr?

Es geht um Wahrheit, im Grunde geht es aber auch darum zu zeigen, wie KünstlerInnen aus aller Welt in Zusammenarbeit und Auseinandersetzung mit Technologie und Gesellschaft an diesem Thema arbeiten. PreisträgerInnen des Prix Ars Electronica, Projekte aus zahlreichen lokalen, europäischen und internationalen Kooperationen und Netzwerken, kuratierte Themenausstellungen und neue Auftragsarbeiten, Symposien und Workshops machten dies sichtbar.

Meine Erfahrungen und Erlebnisse bei der Ars Electronica sind hier kurz zusammengefasst.

Die Ars Electronica war wieder zu Gast in den stahlbetongrauen Hallen und Katakomben der POSTCITY – und darüber hinaus an 13 weiteren Orten in der Linzer Innenstadt. Mein Besuch beschränkte sich auf die POSTCITY, die KUNSTUNIVERSITÄT und das Lentos Kunstmuseum.

Dieses Jahr gab es so viele Veranstaltungen und Ausstellungen, dass man sich auf ein Minimum beschränken musste. Vor allem, wenn man nur einen Tag Zeit hatte. Ich habe für mich die interessantesten Projekte bzw. Ausstellungen ausgewählt.

Interessante Highlights für mich waren:

Jennifer Kanary (NL) Labyrinth Psychotica – The Anoiksis Experiment Roomforthoughts

,Labyrinth Psychotica – The Anoiksis Experiment by Roomforthoughts Jennifer Kanary (NL), Photo Jennifer Kanary

In ihrer Forschung zur Simulation von Psychosen durch Kunst und Technik sucht sie nach Mustern in den langen ignorierten subjektiven Daten der Betroffenen. Die Untersuchung ihrer Geschichten führte zu einer künstlerischen Forschungstheorie, der Anoiksis-Theorie. Sie ist radikal, weil sie unser Verständnis von Halluzinationen und Wahnvorstellungen in den Mittelpunkt stellt, um zu versuchen, sie zu heilen. Die Theorie geht davon aus, dass Krankheit nicht die Folge eines Defekts im Gehirn ist. Vielmehr versucht das Gehirn, einen Heilungsprozess in Gang zu setzen. Die Anoiksis-Map-Methode kann verwendet werden, um Raum für alle „psychiatrischen“ Zustände auf einem Spektrum von Subjektivität zu schaffen.

Die Anoiksis VR Psychosis Experience ist theoriegeleitet und methodenorientiert. Sie handelt. Es handelt sich um eine Mixed-Reality-VR-Psychose-Simulation, die den/die Träger*in in einen sicheren, interaktiven Wachtraumzustand in den Geist von Dr. Green versetzt, der sich in einer Psychose befindet, und über 42 subjektive Erfahrungen simuliert.

(Anoikis (griechisch: νοκις, „heimatlos“) bezeichnet einen programmierten Zelltod von menschlichen bzw. tierischen Zellen, die den Zell-Matrix-Kontakt verloren haben (Frisch und Francis, 1994))

VFRAME: Computer Vision for OSINT / OSI Research

Adam Harvey (US), Josh Evans (US), Jules LaPlace (US)

Honorary Mention

Director founder computer vision Adam Harvey 3D design and emerging 3D technologies Josh Evans Information architecture and front end development Jules LaP

VFRAME ist ein Computer-Vision-Projekt, das Open-Source-Bildverarbeitungssoftware und neuronale Netzwerkmodelle für die Menschenrechtsforschung und die Überwachung von Konfliktgebieten entwickelt. VFRAME startete 2017 mit dem Ziel, die Lücke zwischen kommerzieller KI und investigativer Forschung zu schließen.

Heute leistet VFRAME Pionierarbeit bei der Entwicklung und Anwendung neuer Techniken, die 3D-Fotogrammetrie, 3D-Rendering und 3D-Druck kombinieren, um synthetische Daten für das Training neuronaler Netze zu generieren. Anstatt, wie in der Industrie üblich, Daten aus Online-Quellen zu scrapen, die problematische Verzerrungen aufweisen können, verwendet VFRAME einen künstlerischen Ansatz, der digitale Fabrikation, Bildhauerei, Fotografie und 3D-Kunst kombiniert, um eine praktisch unbegrenzte Quelle von Trainingsdaten zu schaffen. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiges Computer-Vision-Modell, das in der Lage ist, illegale Streumunition in Millionen von Videodaten aus Konfliktgebieten automatisch zu erkennen.

VFRAME hat von Anfang an eine Partnerschaft mit Mnemonic aufgebaut. Ziel ist es, die Technologie auf das umfangreiche Archiv von Mnemonic anzuwenden. In einem Pilotprojekt 2022 wurden in dem Archivmaterial aus Syrien, das mehr als drei Millionen Videos und etwa zehn Milliarden Einzelbilder umfasst, über 1.000 Videos entdeckt, in denen die Streubombe RBK-250 eingesetzt wurde.

Im vergangenen Jahr begann eine neue Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation Tech 4 Tracing. Ziel ist es, direkten Zugang zu echter Munition für 3D-Scans zu erhalten. Dieser wichtige Schritt wird es dem VFRAME-Projekt ermöglichen, seine Entwicklungsbemühungen auszuweiten und weitere Open-Source-Modelle für die Computer Vision Detection zur Überwachung von Konfliktgebieten zu entwickeln.

FORMATA

PЯОТO-ALIEИ PЯOJECT (CO/JP)

FORMATA PЯОТO ALIEИ PЯOJECT COJP Photo Gyre Gallery

Was wäre es heute, in einer Zeit der Ausdehnung des anthropogenen Einflusses über die Erde hinaus, für eine Bedeutung, außerirdische Materialassemblagen aktiv und performativ zu erleben? FORMATA ist eine hybride Installation, die lebende, autonome Blobs in einem experimentellen Reaktor inszeniert, der mit flüssigem Formamid die Bedingungen eines außerirdischen Planeten emuliert. FORMATA dekonstruiert die Hierarchie zwischen Menschen und Nicht-Mensch und ersetzt sie durch eine „unscaled agency“ von lebenden, teilweise lebenden und nicht lebenden Entitäten.

Das PЯОТO-ALIEИ PЯOJECT ist ein multidisziplinäres Labor für Ideen und Experimente an der Schnittstelle von Medienkunst, Chemie und Astrobiologie.

Emils

Yuan Shao Wu (TW), Wei Chen Yen (TW), Chiao Ni Hsu (TW), Kuan Ju Wu (TW/US), Yasuaki Kakehi (JP), Chun Cheng Hsu (TW)

Emils Yuan Shao Wu Wei Chen Yen Chiao Ni Hsu Kuan Ju Wu TW Yasuaki Kakehi JP Chun Cheng Hsu TW Photo Chun Cheng Hsu Lab

Interaktive, lebendige Skulptur aus Schleim. Emils ist eine flüchtige, weiche Skulptur, die aus Millionen zähflüssiger Schleimbläschen besteht, die zusammen eine essenzielle Struktur bilden. Diese Bläschen interagieren miteinander: Sie konkurrieren, verschmelzen und zerplatzen, während sie wachsen, was zu einer dynamischen, sich ständig weiterentwickelnden Form führt. Inspiriert von der Konstruktion mehrzelliger Organismen, verkörpert Emils die mikroskopische und makroskopische Perspektive von Lebensformen.

FOUNDING LAB closing ceremony

The FOUNDING LAB excursion to the JKU, the temporary location of the IDSA, takes place on the last day of the Summer School. The Institute for Digital Sciences Austria will be built nearby. As the first element of the IDSA, a linden tree is planted in honor of the Founding Convent, which includes, among others, Stefanie Lindstaedt, Christopher Lindinger and Claudia von der Linden. Each student contributes to the materialization of the IDSA by putting soil on the newly planted tree. Afterwards, every student receives a certificate of completion for the Summer School and Forum.
 
Photo: Patrick Münnich

Startschuss für neue Universität Linz!

„Linz ist digital führend in Europa“ > „Ich wage zu behaupten, dass Linz einer der Vorreiter in Europa ist, wenn es um digitale Transformation geht“, bringt Ars Electronica Geschäftsführer Gerfried Stocker den Grund für die Kooperation mit der neuen IDSA-University auf den Punkt. “The magic happens when different disciplines bump into each other!” 75 Studierende und 20 Fellows aus verschiedenen Ländern, Kulturen, Forschungsdisziplinen, aus Kunst, Wirtschaft und Zivilgesellschaft machten das FOUNDING LAB zu genau dem, was sich IDSA und Ars Electronica erhofft hatten: ein begeisternder Startschuss für eine neue Universität, die von Anfang an, Dialog, Inklusion und Innovation lebt. Gründungspräsidentin ist Stefanie Lindstaedt.

Nach dem Festival ist vor dem Festival

Die Ars Electronica 2023 ist Geschichte. Das nächste Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft findet dem 4. September 2024, bis dem 8. September 2024, in Linz statt.

Die Ars Electronica war in diesem Jahr ein sehr interessantes Festival, aber oft zu breit gefächert, um sich in einzelne Themen zu vertiefen.

Zeitgenössische KUNST AUF DER BURG HOHENWERFEN

Vor 30 Jahren erregte Franz Janz als Teilnehmer am Symposium auf der Burg Hohenwerfen in Stadt Salzburg und Land für Aufsehen!

Traumwetter, raus in die Natur, aber wohin? Ich fahre nach Werfen zur Ausstellung des exzentrischen Malers Franz Janz auf der Burg Hohenwerfen.

Die Burg Hohenwerfen widmet dem Künstler Franz Janz eine Hommage. Zu sehen sind Werke aus den 1990er Jahren. Franz Janz wurde 1946 in Graz geboren und verstarb 2017 nach langer Krankheit in Salzburg.

Ausstellungsansicht Franz Janz in den Kasematten Burg Hohenwerfen 2023 /  
Foto: © Christa Linossi

Rückblick:

Im Zuge einer kulturpolitischen Aufbruchstimmung im Land Salzburg wurden 1971 die Rauriser Literaturtage ins Leben gerufen. 1975 wurde mit den Rauriser Malertagen (1975 – 1985) eine Initiative zur nachhaltigen Förderung des Kulturschaffens im ländlichen Raum gestartet.

Die Burg Werfen ist ein mächtiger und beeindruckender Ort. Niemand käme auf die Idee, dort oben auf der Burg freiwillig oder zumindest bis zum Einbruch der Dunkelheit zwei Wochen lang (bildende) Kunst zu machen. Nur Künstler können sich für so etwas begeistern lassen. Jeder der acht Eingeladenen hat bewusst für zwei Wochen einen Ort auf Zeit besetzt und sich in fremde, unbekannte Räume begeben.

So brachte das erste Malersymposium auf Burg Hohenwerfen 1986 den Aufbruch nach Werfen. Der Schock der Gegenstandslosigkeit traf auf die Erwartung, die mit den Bildern von Bergen und Burgen verbunden war. Durch regelmäßige Ausstellungen im Kuenburggewölbe profitierte Werfen von diesem Malersymposium.

Zum 10-jährigen Jubiläum des Symposiums (1986-1995. dannach wurde das Symposium aufgrund des voranschreiteten Tourismus eingestellt) entstand eine Sammlung von 89 Werken zeitgenössischer Kunst. Geleitet wurde das Symposium von Beppo Pliem (Salzburger Künstler 1939-2009 http://beppopliem.com/)

Der exzentrische Künstler Franz Janz wurde 1992 von einer Salzburger Kunstkommission – bestehend aus vier Jurymitgliedern – ins Spiel gebracht. Es war ein Schlachthaus der Farben und für den „besessenen“ Künstler war der malerische Schaffensakt eine Geburt aus einer proklamierten Seelenschau, die er selbst als dämonisch bezeichnete.

Die Geburt seiner Bilder war immer eine Art Kaiserschnitt. In enger Analogie zum reduzierten Vokabular der comicartigen Sprechblasen steht die Banalität der verwendeten sprachlichen Mittel. Entscheidend für sein künstlerisches Selbstverständnis war zweifellos die Begegnung mit Hermann Nitsch im Jahr 1991 – er besuchte die Internationale Sommerakademie Salzburg, Malklasse von Hermann Nitsch.

Franz Janz AM ANFANG WAR HERMANN NITSCH / Foto © Christa Linossi

Nitsch trug wesentlich dazu bei, dass Janz in der Folgezeit durch seine Vermittlung, seine Texte und Reden bei Vernissagen überregionale und internationale Aufmerksamkeit erlangte.

Die Bilder von Janz sind in der Nähe von ART BRUT anzusiedeln, auf jeden Fall sind sie von einer Intensität und Dichte, wie man sie selten sieht.

Zurück zur Gegenwart:

Unterwegs im Reich der Dämonen – BREAKDOWN

ist der Titel der Ausstellung auf der Burg Hohenwerfen von Franz Janz.

Franz Janz (1946-2017) kehrt posthum mit Dämonen auf die Burg Hohenwerfen zurück. Er war einer der aufregendsten Künstler. Die Nummer 1 in Österreich“, wie er sich selbst einschätzte. Parallel zur Hexenausstellung in Hohenwerfen (Mythos Jackl – Zauberer und Hexen in Salzburg“) wurden nun für seine Ausstellung Breakdown“ oder Nervenzusammenbruch“ Bilder zum Thema Dämonen und Kobolde ausgewählt.

Franz Janz WICHTEL / Foto © Christa Linossi

Für Janz, der sich als Schamane verstand, waren diese Mischwesen Realität.Sie führten ihn, so glaubte er, in ihr Reich ein. Mit ihnen und ihren Kräften arbeitete er. Herman Nitsch schreibt: Er ist ein Gratwanderer, er kann leicht in jene Abgründe des Unermesslichen stürzen, die er lustvoll betrachtet und fürchtet. Gezeigt werden hochexpressive Bilder in Acryl auf Leinwand und Arbeiten auf Papier aus Galerien und Privatbesitz. In einer Zeit, in der Exorzismus von der katholischen Kirche angeboten wird und der Glaube an den Teufel bei vielen Menschen weit verbreitet ist, sind dies ungewöhnliche Aussagen in der Kunst.

Janz Franz hat sich mit vier großen Werkgruppen auseinandergesetzt: An Dämonen und Kobolden, am Thema Frau, Hexen eingeschlossen, an Tieren, die als beseelte Gefährten gesehen wurden, und an der Rockmusik, die er auf kongeniale Weise in bildende Kunst umsetzte. Rock-Ikone Laurie Anderson, die seine Bilder in Salzburg entdeckte, über das Werk des Künstlers: „Das ist die Welt, in der ich lebe”.

Franz Janz WO IST FATIMA / Foto © Christa Linossi

Franz Janz wurde 1946 in Graz geboren. Seit 1971 in Salzburg, arbeitete Janz zunächst als Kellner, bevor er 1991 als Janz Franz an der Internationalen Sommerakademie bei Herman Nitsch die Kunst für sich entdeckte. Seither ist der Künstler international vertreten. Ausstellungen in Genf, Livorno, Gadebusch (D), Köln und Passau folgten. Nach fünf Jahren im Rollstuhl verstarb Janz Franz 2017. In Salzburg wurde Janz von den Galerien Eboran und Altnöder vertreten.

Die Auseinandersetzung mit dem Künstler steht im Mittelpunkt des „Projekt’ Janz Franz”, dass derzeit bis Ende 2023 eine zweite Janz-Ausstellung im Egon Schiele Art Centrum in Krumau zeigt. Darüber hinaus wird an einem Buch über den Künstler gearbeitet und für 2024 ist eine große Ausstellung im Joanneum in Graz geplant. Ziel ist es, das Werk des Künstlers wieder in den Kunstdiskurs einzubringen.

Plakat Egon Schiele Art Centrum Ausstellung Franz Janz / Foto © Christa Linossi

http://www.esac.cz/de/egon_schiele_art_centrum/

Die Bilder der Burg Hohenwerfen sind in den Gewölben der Kasematten ausgestellt. Hier kommen die Werke erst richtig zur Geltung. Sein Farbenrausch schreit einen förmlich an und bei genauerem Hinsehen werden seine Dämonen, seine Fratzengesichter sichtbar.

Er malte auch die Tierkreiszeichen. Er malte sie in seinen eigenen Farben und Formen. So wie Janz sie eben sah oder wie seine Dämonen es ihm befahlen. Er ist und war ein Wanderer auf dem Grat und ein Genie darin. Mit einem Bein im Farbenrausch und mit einem Bein in der unerforschten Psyche.

Kuratoren Hohenwerfen: Prof. Dr. Wolfgang Richter und Karl Heinz Leitner

Ausstellungsdauer: noch bis 17. September 2023 auf der Burg Hohenwerfen Salzburg https://www.salzburg-burgen.at/de/burg-hohenwerfen/

„Who Owns the Truth?“

„Wem gehört die Wahrheit?“

Es ist wieder so weit. Die ARS ELECTRONICA OPENING 2023 beginnt mit der Eröffnung am 6. September 2023 in der POSTCITY GLEISHALLE. Die Gründung der neuen UNI „Institute of Digital Sciences Austria“ (IDSA), die in Linz entsteht, wird ein großer Startschuss sein. Der erste Teil der Veranstaltung ist geladenen Gästen vorbehalten. Er steht ganz im Zeichen der neuen Universität. Prominenter Keynote-Speaker ist Jimmy Wales, amerikanisch-britischer Unternehmer und Mitbegründer von Wikipedia, der vielleicht wichtigsten Website aller Zeiten.

Worum geht es bei Ars Electronica 2023?

Es geht um Wahrheit als Manifestation von Deutungshoheit und Souveränität, um den Umgang mit dem Verlust des Anspruchs auf „die“ Wahrheit und darum, dass wir uns daran gewöhnen müssen, Wahrheit im Plural zu denken. Es geht um Wahrhaftigkeit als Grundlage unserer Wertvorstellungen von „authentisch“ und „original“ und wie sich diese Begriffe im Digitalen bereits verändert haben.

Space Messengers / Agnes Chavez (US), STEMArts Lab (US), OMAI (AT), Space Messengers Collective

Space Messengers is a participatory, mixed-reality installation that visualizes thought-provoking reflections on the universe, encouraging participants to contemplate their role within it. The project evolved from an interdisciplinary and international collaboration among artists, scientists, interdisciplinary experts and youth ambassadors. Together we explore how the arts, humanities, philosophy, physics and space technologies can deepen our understanding of the universe and expand our identities as planetary citizens.
 
Credit: Malu Tavares

Weitere Highlights der ARS ELECTRONICA OPENING 2023 sind unter anderem folgende Veranstaltungen:

Am Donnerstag, 7. September, findet die Prix Ars Electronica Preisverleihung in der Gleishalle der POSTCITY statt. Im Rampenlicht stehen die Preisträger*innen des Prix Ars Electronica, des STARTS Prize, des Europe Union Prize for Citizen Science, des Ars Electronica Award for Digital Humanity, des CultTech x Ars Electronica Award, des State of the ART (ist) Wettbewerbs sowie des Isao Tomita Special Prize.

Große Konzertnacht mit dem Bruckner Orchester Linz – vom Drehmoment der Gegenwart 8. September 2023 | 20:00 – 22:00 | POSTCITY | Gleishalle Die Große Konzertnacht ist ein Laboratorium für die Schaffung unerhörter Resonanzräume, die Offenheit, Kooperationsfreude, grenzenlose Lust am Programmieren und das Aufsuchen außergewöhnlicher Konzertorte voraussetzen.

2023 kehrt es in die Gleishalle der POSTCITY zurück. Hier fand 2017 der Urknall der Partnerschaft zwischen dem Bruckner Orchester Linz und seinem neuen Chefdirigenten Markus Poschner statt. Mit einer radikalen Auseinandersetzung mit Bruckners *Sinfonie Nr. 8* begann damals alles. Auch 2023 werden wieder vier Scherzi, vier Tanzstücke aus Sinfonien des heimischen Traditionsavantgardisten Anton Bruckner, der am 4. September seinen 199. Geburtstag feiert. Drehmomente, die sich mit den Klangräumen der isländischen Komponistin und Kontrabassistin Bára Gísladóttir und des österreichischen Rappers Def Ill vermischen.

Am 8. September 2023 | POSTCITY | Gleishalle findet auch die POSTCITY-NIGHTLINE statt. Direkt im Anschluss an das Konzert des Brucknerorchesters Linz wird die Gleishalle zur Bühne für innovative Künstler*innen und ihre Soundexperimente.

Ich habe hier nur einige interessante Punkte herausgegriffen, es werden auch zahlreiche Ausstellungen, Workshops und Diskussionen stattfinden.

Das Ars Electronica Festival 2023 wird sicher wieder spannend. Ich bin jedenfalls dabei und werde wieder berichten.

Ars Electronica Festival 2023 – Who owns the truth?

HOMAGE an Max Reinhardts FAUST-INSZENIERUNG, die unendliche Dramaturgie!

Ars Electronica Futurelab:  FAUST VR
PARTNER: Salzburger Festspiele

Max Reinhardt, einer der berühmtesten deutschsprachigen Theatermacher des 20. Jahrhunderts, wird im Herbst 2023 von der Theaterwelt gefeiert. Die Salzburger Festspiele ehren den Theaterzauberer mit der Rekonstruktion eines seiner berühmtesten Projekte: der gefeierten Faust-Inszenierung in der Salzburger Felsenreitschule.

FAUST 2023 · Eine performative Führung
© SF/Marco Borrelli

Anlässlich des Jubiläums von Max Reinhardt wurde im Rahmen der Salzburger Festspiele und in Kooperation mit dem ARS ELECTRONICA FUTURELAB, das letzte Salzburger Werk des Regisseurs FAUST neu interpretiert.

Faust VR – Teaser | Ars Electronica Futurelab

Das Ars Electronica Futurelab erweckt die berühmte Rekonstruktion des Bühnenbilds von Max Reinhardts FAUST in einer Virtual-Reality-Anwendung mit Hilfe modernster digitaler Technologien zu neuem Leben. Ein einzigartiges Projekt, das analoge, szenische und virtuelle Realitäten zu einem performativen Parcours verbindet. Der Schlüssel dazu heißt Virtual Reality. Ein einzigartiges Projekt, das analoge, szenische und virtuelle Realitäten in einer Erlebnisführung vereint.

Die Felsenreitschule wurde vor 330 Jahren von Erzbischof Johann Ernst Thun in den Mönchsberg gehauen und vom Barockbaumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach entworfen und geplant. Reinhardts Faust-Inszenierung verblüffte im Sommer 1933 mit einer „Faust-Stadt“, die der Architekt und Bühnenbildner Clemens Holzmeister in und um die zahlreichen Arkaden der Felsenreitschule wie eine Bühne auf mehreren Ebenen inszenierte.

FAUST 2023 · Eine performative Führung
© SF/Marco Borrelli

Die Besucher*innen der FAUST-Ausstellung betreten mittels VR-Brille direkt auf der Bühne eine Rekonstruktion der Faust- Stadt in der Felsenreitschule. Als Zuschauer*innen und Akteur*innen reisen sie durch die von Clemens Holzmeister inszenierte Stadt.

Margarethe Lasinger von den Salzburger Festspielen hat hierfür eine Dramaturgie entwickelt, die die Besucher*innen an Schlüsselpositionen im virtuellen Bühnenbild von vor mehr als 100 Jahren zu den prägenden Elementen des Stücks führt.

Die Rekonstruktion der Stadt erfolgt auf Basis von Plänen, Fotos und anderen Dokumenten aus dem Archiv des Salzburger Festspielfonds. Eine große Anzahl von Fotos wird perspektivisch entzerrt und teilweise mit KI-Unterstützung qualitativ verbessert. Die Originalaufnahmen werden als Texturen über die manuell erstellte Geometrie gelegt.

Auf diesem Weg werden Detailtreue zum damaligen Bühnenbild und die technischen Einschränkungen von VR-Brillen in Einklang gebracht.

Es ist eine Hommage an die Faust-Inszenierung von Max Reinhardt, der die Felsenreitschule für das Theater entdeckte. Mit modernster Technik wird sie wieder zum Leben erweckt. Der Faust war seine letzte große Inszenierung in Salzburg. Dieses Projekt ist auch Teil des Open Futurelab beim Ars Electronica Festival 2023.

https://www.salzburgerfestspiele.at/p/faust-2023-eine-performative-fuehrung-2023

„DIE WUT, DIE BLEIBT“

Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Mareike Fallwickl / Uraufführung am Landestheater Salzburg im Rahmen der Salzburger Festspiele 2023

Regisseurin Jorinde Dröse fiel im März 2022 das Buch „Die Wut, die bleibt“ in die Hände und war von dem Thema „Frau und Mutter sein“ so angetan, dass sie es unbedingt auf die Bühne bringen wollte. Die Geschichte nahm ihren Lauf und so überzeugte sie (die scheidende Schauspieldirektorin der Salzburger Festspiele) Bettina Hering und so kam es zur Uraufführung der zweistündigen Inszenierung, die als Koproduktion der Salzburger Festspiele mit dem Schauspiel Hannover entstand.

Die Regisseurin Jorinde Dröse erreicht mit ihrer Inszenierung nicht ganz die Kraft des Romans. Eine kurze Nacherzählung ist nicht schlecht, aber auch nicht überzeugend. Aber es ist auch schwer, einen Roman so zu erzählen, wie es im Buch steht.

Das Bühnenbild

Bühnenbild von Katja Haß / Foto: © Christa Linossi

Katja Haß (Bühne) hat den Wohnraum, der mal Helenes, mal Sarahs Wohnung ist, als schmucklosen Baukasten auf Stelzen gestellt. Oben – wohlgemerkt noch oben – ist also die patriarchalisch organisierte Welt der Familie. Aber unten ist etwas in Bewegung geraten! Dass die Mädchen aufwachen, dass ihr Selbstbewusstsein so positiv wächst, das wird in den Musicalnummern auch visuell ausgedrückt: Die Choreografie stammt von Suzan Demircan.

ZUM THEATERSTÜCK

Die Wut, die bleibt | Trailer 2 | Salzburger Festspiele 2023
SalzburgerFestspiele

Ein Abendessen, wie es in einer Familie normaler nicht sein könnte: Der Tag war lang, in der Wohnung herrscht Chaos. Die Kinder sind nörgelig und laut. Eine einzige Frage bringt die Familie schlagartig aus dem Gleichgewicht. „Haben wir kein Salz?“, fragt Johannes in die Runde. Ganz allgemein, nicht an seine Frau gerichtet, sondern an alle. Es ist eine einfache, eine ganz normale Frage. In diesem Moment steht Helene auf, geht zur Balkontür und stürzt sich ohne ein weiteres Wort in die Tiefe, viele Stockwerke in die Tiefe. Ihrem Mann und ihren drei Kindern wird in den folgenden Wochen schmerzlich deutlich, wie sehr sie als Mittelpunkt die Familie zusammengehalten hat, mit ihrer Fürsorge, ihrer Liebe, ihrem Trost. Wie weiterleben mit dem Gefühl der Schuld, der Trauer, aber auch des Unverständnisses?

Die Wut, die bleibt 2023: Max Landgrebe (Johannes), Anja Herden (Sarah)
© SF/Kerstin Schomburg

Auch Sarah, Helenes beste Freundin, quälen diese quälenden Fragen. Warum hat sie nicht gesehen, wie es ihrer Freundin wirklich geht? Sie will helfen, wenigstens jetzt für die Familie da sein. Als Freundin scheint sie versagt zu haben. Sarah springt in die Bresche, wird zur Stütze für den völlig überforderten Johannes. Sie kümmert sich um den Haushalt, sie kümmert sich um die Kinder. Nur für eine Weile, bis alle wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Die eigentliche Hauptfigur ist Lola, die älteste Tochter (Nellie Fischer-Benson). Hin- und hergerissen zwischen Trauerarbeit und pubertärer Selbstfindung ist sie ständig rebellisch. Vehement und argumentativ beginnt sie sich gegen Rollenzuschreibungen zu wehren.

Die Wut, die bleibt 2023: Nellie Fischer-Benson (Lola), Yasmin Mowafek (Alva), Hanh Mai Thi Tran (Sunny), Johanna Bantzer (Helene)
© SF/Kerstin Schomburg

Eine Mädchenbande, angeführt von Lola, setzt sich Wollmützen mit Augenschlitzen auf. Sie beginnen, die Männer zu verprügeln. „Lola rechtfertigt ihr Tun: „Das ist nichts anderes als späte Notwehr. Motto: Schlag selbst zu, sonst tut es keiner. Auch Sarah bekommt schließlich Schützenhilfe von der Mädchengang.

Die Wut, die bleibt 2023: Johanna Bantzer (Helene), Sophie Casna (Femme), Yasmin Mowafek (Alva), Max Landgrebe (Physiklehrer), Nellie Fischer-Benson (Lola), Hanh Mai Thi Tran (Sunny)
© SF/Kerstin Schomburg

Und so hat Frauensolidarität in diesem Stück am Ende sogar etwas Generationenübergreifendes.

Es gibt noch eine ganze Reihe von Fragen, die das Stück für mich aufgeworfen hat. Zum Beispiel der Selbstmord! Das muss ein langer Schatten gewesen sein.

Gleichberechtigung, dafür hat Alice Schwarzer in den 70er Jahren gekämpft und dafür kämpft sie noch immer. Sie war die meistgehasste Frau ihrer Generation. Wo stehen wir heute? Statt voranzukommen, sind wir wieder stehen geblieben. Was wir brauchen, dass Männer und Frauen an einem Strang ziehen, als Team arbeiten und sich gegenseitig wertschätzen (Wertschätzung ist ein Wort, das viel zitiert, aber selten gelebt wird!), ist noch nicht wirklich im 21. Jahrhundert angekommen. Man muss bereit sein, sachliche Diskussionen zu führen, um voranzukommen. Was ist mit den alleinerziehenden Frauen? Auch das ist ein gesellschaftliches und politisches Problem.

Noch bis zum 29. August 2023 ist der Roman „Die Wut, die bleibt“ im Rahmen der Salzburger Festspiele im Landestheater Salzburg zu sehen. Sie können sich aber auch das Buch „Die Wut, die bleibt“, dass im Rowohlt Verlag erschienen ist, zu Gemüte führen.

Escape the loneliness

experimental photo work by © Christa Linossi 2023 – From the series „Dreams“

Out of loneliness, in time and space? What is loneliness?

What are time and space? Can the two be combined?

THE GREEK PASSION – an absolute sound experience

Oper von Bohuslav Martinů

TerrassenTalk THE GREEK PASSION: li Maxime Pascal (Musikalische Leitung), re Simon Stone (Regie) © SF/Jan Friese

Bohuslav Martinůs Oper The greek Passion wird in diesem Jahr erstmals bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. In seiner dritten Salzburger Inszenierung nach Aribert Reimanns Lear und Luigi Cherubinis Medea wagt sich Simon Stone an dieses laut Intendant Markus Hinterhäuser „große musikalische Meisterwerk“. Sein Debüt am Pult der Wiener Philharmoniker gibt Maxime Pascal, der mit seinen Salzburger Dirigaten von Wolfgang Rihms Jakob Lenz und Arthur Honeggers Jeanne d’Arc au bûcher in den Fokus von Markus Hinterhäuser rückt.

am 07.08.2023 Maxime Pascal – während des TerrassenTalks auf der Presseterrasse, Festspielhaus, Salzburg, Österreich Foto: JAN FRIESE –

Maxime Pascal beschreibt seinen Zugang zum Werk Martinůs folgendermaßen: „Meine erste Begegnung mit Martinů hatte ich während meines Studiums am Pariser Konservatorium. Da erinnerte ich mich, dass ich als Student viel mit Martinůs Kammermusik zu tun hatte. Denn die wird in Frankreich oft für das Studium herangezogen.“ Intendant Markus Hinterhäuser schlug ihm Martinůs Oper The Greek Passion vor. „Es ist merkwürdig, Markus hat immer ein Gespür dafür, was zu mir passt. Er muss ein besonderes Gespür haben“.

Die musikalische Vielfalt, in der tschechische, byzantinische und orthodoxe Hymnen anklingen, beschreibt Maxime Pascal: „In dieser Oper spielt Martinůs Interesse an Spiritualität und Träumen eine zentrale Rolle. Dies spiegelt sich auch in der Musik wider, die sowohl westlich-christliche als auch anatolische Melodien und traumhafte Elemente enthält, die Assoziationen wecken“.

TerrassenTalk THE GREEK PASSION: Simon Stone (Regie)
© SF/Jan Friese

Zum Inhalt des Stücks sagt Simon Stone: „Wichtig für das Verständnis ist auch, dass Martinů selbst ein Flüchtling war und seine eigenen künstlerischen Möglichkeiten nach dem Zweiten Weltkrieg stark eingeschränkt waren. Er musste selbst Asyl suchen – man hört in der Musik, wie wichtig für ihn der Stoff von Kazantzakis war, der sich seinerseits auch stark mit den Themen Staaten- und Heimatlosigkeit beschäftigt hat. So ist ein Stück entstanden, das zeitlos und modern zugleich ist. Deshalb ist es auch für uns heute relevant. Was Kazantzakis geschrieben hat, hat Martinů durch seine Musik, die archetypische und moderne Formen verbindet, noch verstärkt. Das ist eine Botschaft an uns alle“.

Simon Stone hält den religiösen Hintergrund des Librettos für wichtig: „Die Figuren des Manolios und des Grigoris zeigen den Gegensatz zwischen der Macht der Religion auf der einen Seite und der Macht eines einzelnen Menschen in der Person des Priesters – insbesondere innerhalb dörflicher Strukturen – auf der anderen Seite“. Gleichzeitig gehe es um das Ausloten von Grenzen und die Diskrepanz zwischen politisch verordneter Unterdrückung von Großzügigkeit und menschlich intuitiver Hilfsbereitschaft in der heutigen Zeit. „Martinůs Musik widersetzt sich diesem Unterdrückungsversuch – sie ist ein Plädoyer für Menschlichkeit“.

Die Premiere findet am 13. August 2023 in der Felsenreitschule Salzburger Festspiele 2023 statt.

DAS KIND UND DIE ZAUBERDINGE

Salzburger Festspiele 2023 – Oper für Kinder

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Johanna Rosa Falkinger (Das Kind)
© SF/Marco Borrelli

Es handelt sich um eine Kinderoper nach dem Libretto von Colette „L’Enfant et les sortilèges“ von Maurice Ravel (1875-1937), ins Deutsche übersetzt von Egon Bloch. Eine Neuproduktion in der Inszenierung von Anna Handler (Musikalische Leitung), Giulia Giammona (Regie) (Oper für Kinder ab 6 Jahren).

Ich hatte die Gelegenheit, diese Kinderoper im Salzburger Schauspielhaus zu sehen. Es ist eine beeindruckende Kinderoper, bei der auch das Publikum (in diesem Fall die Kinder) teilweise mit einbezogen wurde, indem Fragen gestellt und Antworten erwartet wurden.

Ausschnitt aus der Handlung: Das Kind lebt gut behütet von seinen Eltern in einem silbernen Turm mit vielen Spielsachen. Das Kind brütet missmutig über seinen Hausaufgaben, die Mutter schimpft – ein Streit, Türenknallen, Hausarrest und ein wütender Tobsuchtsanfall. Über den Hausarrest und die vielen Hausaufgaben wird das Kind so wütend, dass es sein Zimmer verwüstet. Erschöpft sinkt das Kind in den Sessel.

Die beschädigten Objekte lassen sich das nicht gefallen. Wie von Geisterhand erwachen sie zu neuem Leben: Polstersessel, Sessel, Standuhr, Teekanne und Teetasse ärgern sich über die Sorglosigkeit des Kindes.

Was passiert, wenn man sich im eigenen Garten nicht mehr auskennt? Und wie kann man dem Spuk ein Ende bereiten? Zum Glück gibt es ein Zauberwort…

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Anita Monserrat (Das Eichhörnchen)
© SF/Marco Borrelli

Währenddessen trauern die Kinder draußen um die zerstörten und weggeworfenen Kuscheltiere. Schließlich erscheint eines der Kinder von draußen im Zimmer des Kindes: Es nennt sich Eichhörnchen und das Kind folgt ihm nach draußen. Dort lernt das Kind die anderen Kinder kennen, die ohne Eltern leben und sich – wie das Eichhörnchen – Tiernamen gegeben haben.

Die anderen Kinder machen das Kind für die Zerstörung der Kuscheltiere verantwortlich und es kommt zum Streit. Als das Kind den anderen zeigt, wie man die Kuscheltiere wieder heilen kann, sind die elternlosen Kinder erstaunt: „Das Kind hat Mut, es tut Gutes!“ Das Kind wird Teil der Kindergemeinschaft. Alle werden Freunde.

Giulia Giammona hat diesen Zugang zur Geschichte – die verschiedenen Welten, die das Kind im Laufe des Stücks durchquert – bewusst gewählt: Es ist eine Auseinandersetzung mit den Eigenschaften eines Kindes von heute. Die Inszenierung wirkt zunächst wie eine verwirrende Aneinanderreihung von Szenen und Figuren, gleichzeitig bleibt das Kind aber immer Kind und wechselt auch sein Kostüm nicht.

Ein guter Begleiter ist das Eichhörnchen, dessen Käfig den „goldenen Käfig“ symbolisiert, in dem das Kind in einer Reizüberflutung gefangen ist.

Das Kind und die Zauberdinge 2023: Liza Lozica (Die Libelle), Anthony León (Der Frosch), Aitana Sanz-Pérez (Die Nachtigall)
© SF/Marco Borrelli

Als die anderen Figuren auftauchen, auch die Tiere, von denen es sich beschuldigt fühlt, beginnt das Kind zu verstehen, dass seine eigenen Handlungen andere beeinflussen. Die Tiere, denen das Kind begegnet, leben in einer anderen Welt als im Kinderzimmer.

In der Verschmelzung dieser beiden Sphären wird deutlich, dass das Kind Verantwortung übernehmen muss, dass es nicht einfach in seine „alte“ Welt zurückkehren kann. Seine Wut ist der Aufhänger für die Aufforderung: „Seid mutig und geht auch mal raus!“

Prädikat: Einen Besuch wert

Die Kinderoper kann bis zum 27. August 2023 noch besucht werden. Das Programm finden Sie hier.

Programm & Karten • Spielplan • Salzburger Festspiele

AM FENSTER KLEBT NOCH EINE FEDER

Maria Lassnig

Foto: © Christa Linossi

Worum geht es in diesem Buch?

Maria Lassnig (1919-2014) pflegte Freundschaften mit zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern. Sie war eine große Leserin vor allem österreichischer Autorinnen und Autoren. Besonders verbunden fühlte sie sich Ingeborg Bachmann und Peter Handke, die beide in Kärnten geboren wurden.

Mit der Feder als Schwester des Pinsels – der Gegenstand kann derselbe sein, nur die künstlerischen Ausdrucksmittel unterscheiden sich – beschrieb Lassnig gerne die Verwandtschaft der beiden Kunstgattungen. Maria Lassnig konzentrierte sich ganz auf die bildende Kunst, daneben besaß sie literarische Fähigkeiten, die in den Texten zu ihren Filmen, in Briefen und Notizen zum Ausdruck kommen. Was Lassnig im Bereich der Literatur geschaffen hat, wird in diesem Band in Erinnerung gerufen. Möge der Leser, die Leserin eine Ahnung von der lichten Weite der Autorin Maria Lassnig bekommen.

Eine kleine Anekdote, die dem Buch entnommen ist: „Da ich der Ansicht bin, dass es ungeheuer viel mehr Dinge in der Welt gibt, Dinge, die man nicht mit Wörtern ausdrücken kann, die noch nicht in Wörtern ausgedrückt sind, also mehr Dinge gibt es als Wörter – will ich in der Kunst auch nicht mit viel Wörtern beginnen“.

Dieses Buch ist es wert zu lesen?

Wenn Sie sich für die Künstlerin Maria Lassnig interessieren. Dann wird Sie auch interessieren, wie sie sich in Worten ausgedrückt hat. In diesem Buch finden Sie eine Fülle von kleinen Anekdoten. Zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Wie sagte Peter Handke so treffend über Maria Lassnig: „Maria Lassnig war nicht nur eine Malerpersönlichkeit, sie war auch eine schreibende Persönlichkeit“.

Maria Lassnig Biografie:

Bildende Künstlerin, geboren 1919 in Kappel am Krappfeld/Kärnten, gestorben 2014 in Wien. 1940 fährt Maria Lassnig mit dem Fahrrad von Kärnten nach Wien, wo sie an der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert. Ab den späten 1940er Jahren Arbeiten zum Körperbewusstsein, die ihr Lebenswerk prägen werden. Mit Arnulf Rainer reist Lassnig 1951 nach Paris und bringt die informelle Kunst nach Österreich.

In Paris (1960-1968) nimmt Lassnig Einflüsse der Pop-Art auf. In New York (1968-1980) experimentiert sie auch mit Film. Ab 1980 Professorin an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien: Sie unterrichtet Malerei und gründet ein Trickfilmstudio.

Ihre Ferien verbringt sie am liebsten in ihrem Kärntner Landatelier in Feistritz im Metnitztal. Lassnig vertrat Österreich 1980 auf der Biennale in Venedig und stellte ihre Werke auf der documenta, in Amsterdam, Paris, London und New York aus. Im Jahr 2013 wurde sie auf der Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Herausgeber dieses Bandes:

Peter Handke: geb. 1942 in Griffen/Grebinj, Österreich, Schriftsteller

Barbara Maier: geb. 1961 in Gemmersdorf, Österreich, Kuratorin

Lojze Wieser: geb. 1954 in Klagenfurt/Celovec, Österreich, Verleger

Wieser Verlag (wieser-verlag.com)

EIGHT MINUTES

Bertram Hasenauer

Bertram Hasenauer in London Kristin Hjellegjerde Gallery / Foto: © Bertram Hasenauer_Kristin Hjellegierde Gallery

Am 23.07.2023 erhielt ich per E-Mail folgende Nachricht: “I’m pleased to invite you to my debut exhibition in London. Kind regards, Bertram Hasenauer „ Eine Einladung des Künstlers Bertram Hasenauer nach London, ich war sehr überrascht, wenn ich Zeit und Geld gehabt hätte, wäre ich nach London geflogen.

Seine Werke beeindrucken mich bis heute. Jetzt sind sie erstmals in der Londoner Galerie Kristin Hjellegjerde zu sehen.

BERTRAM HASENAUER
EIGHT MINUTES AND TEN SECONDS, 2023
Acrylic on Canvas Copyright The Artist

Ich kenne den Künstler Bertram Hasenauer seit 2010, als er seine fantastischen Werke im MdM Rupertinum in Salzburg ausstellte. Im Jahr 2019 habe ich den Künstler wieder getroffen, diesmal bei der Präsentation der Kunstankäufe des Landes Salzburg, bei der das Land Salzburg ein Werk von Bertram Hasenauer angekauft hat. (Kultura-Extra, das Online-Magazin, 2010 schrieb ich noch für das Kunstmagazin Kultura-Extra in Berlin)

Der Titel seiner Ausstellung lautet EIGHT MINUTES. Worum geht es?

Das Porträt bzw. die Figur vor monochrom weißem oder dunklem Hintergrund steht im Mittelpunkt der Arbeiten von Bertram Hasenauer. Dabei geht es ihm nicht in erster Linie um die (naturalistische) Abbildung, sondern um die Vermittlung der Idee des Porträts an sich.

Zwischen Vertrautem und Fremdem schweben die formveränderlichen Porträts von Bertram Hasenauer. Seine Figuren sind archetypisch, undefiniert und emotionslos. Und doch gibt es manchmal einen Schimmer des Wiedererkennens, das Gefühl, wenn nicht dieses, so doch ein ähnliches Gesicht schon einmal gesehen zu haben.

Eight Minutes, die erste Einzelausstellung des österreichischen Künstlers in der Galerie Kristin Hjellegierde, zeigt eine neue Serie von intensiven, konzentrierten Arbeiten, die den Malprozess selbst und die Art und Weise, wie wir Bilder lesen und verstehen, reflektieren.

Die „dunkleren“ Werke hingegen basieren auf dem Zusammenspiel von Licht und der physischen Positionierung des Betrachters im Raum. Das Bild kann sich verhüllen oder enthüllen. Es ist eine neue Serie von Bertram Hasenauer, an die man sich erst gewöhnen muss. Während die anderen Bilder durch kräftige Farben oder präzise gezeichnete Details auf sich aufmerksam machen, verschieben diese Arbeiten unsere Perspektive.

Auch die Entstehung des Bildes beginnt man zu verstehen, wenn man es aus der Nähe betrachtet: Wie die Farbe in mehreren Schichten aufgetragen wird, wie unzählige Linien mit dem Silberstift eine präzise Zeichnung ergeben.

Er ist ein ausgezeichneter Zeichner und Maler, der sein Ziel konsequent verfolgt. Seine Werke faszinieren mich bis heute.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. August 2023 in der Kristin Hjellegjerde Gallery 533 Old York Road  LONDON SW18 1TG LONDON (WANDSWORTH) 

 

Biographie:

1970 geboren in Saalfelden, AT
1996 – 1997 Universität der Künste, Berlin, Erasmus-Austauschprogramm, DE
1997 – 1992 – 1997 Akademie der Bildenden Künste Wien, Diplom Mag art, Wien, AT
1998 Central Saint Martins College of Art & Design, MA in Fine Art, London, GB
Bertram Hasenauer lebt und arbeitet in Berlin, DE