Die Tate Modern London widmet

YOKO ONO eine Sonderausstellung

Sie ist eine Pionierin der feministischen Performancekunst!

Yoko Ono, Half-A-Room, from Half – A Wind Show at Lisson Gallery London Photo by Clay Perry ©Yoko Ono

Die meistgehasste Frau der Popgeschichte ist bis heute die japanische Fluxus-Künstlerin Yoko Ono. Warum wird sie so gehasst? Hartnäckig hält sich der Mythos, sie sei einst die Zerstörerin der Beatles gewesen. Das Phänomen hat einen Namen: Yoko-Ono-Effekt.

Als visionäre und mutige Künstlerin war Yoko Ono bereits in den 50er und 60er Jahren in Avantgarde-Kreisen bekannt. Sie arbeitete mit den Fluxus-Künstlern John Cage und Nam June Paik zusammen, lange bevor sie John Lennon kennenlernte.

Die Tate Modern zeigt das bahnbrechende und einflussreiche Werk der Künstlerin und Aktivistin Yoko Ono (*1933, Tokio) bereits seit Februar 2024 in der größten Ausstellung Großbritanniens.

Installation view of PEACE is POWER, first realised 2017, in ‘Yoko Ono_ The Learning Garden of Freedom’ at Fundação de Serralves – Museu de Arte Contemporânea, Porto, 2020. Photo © Filipe Braga

Ono ist eine Pionierin der frühen konzeptuellen und partizipativen Kunst, des Films und der Performance. Sie ist eine gefeierte Musikerin und eine beeindruckende Kämpferin für den Weltfrieden.

December 13, 2008 – March 15, 2009, Between The Sky and My Head, Baltic Centre For Contemporary Art, Gateshead, UK Concept and Realization Yoko Ono with Jon Hendricks and Thomas Kellein

YOKO ONO: MUSIC OF THE MIND umspannt sieben Jahrzehnte der kraftvollen, multidisziplinären Praxis der Künstlerin von Mitte der 1950er Jahre bis heute und zeichnet die Entwicklung ihres innovativen Werks und dessen anhaltenden Einfluss auf die zeitgenössische Kultur nach.

Die in enger Zusammenarbeit mit Onos Atelier konzipierte Ausstellung versammelt über 200 Werke, darunter Lehrstücke und Partituren, Installationen, Filme, Musik und Fotografien. Sie zeigen einen radikalen Zugang zu Sprache, Kunst und Partizipation, der auch heute noch aktuell ist.

Im Zentrum von Onos Kunst stehen Ideen. Sie werden oft auf poetische, humorvolle und tiefgründige Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Die Ausstellung beginnt mit ihrer zentralen Rolle in den experimentellen Kreisen der Avantgarde in New York und Tokio.

Unveröffentlichte Fotografien zeigen Onos frühe „Instruction Paintings“ in ihrem Loft-Studio in der Chambers Street 112, New York, wo sie experimentelle Konzerte mit dem Komponisten La Monte Young veranstaltete. 1961 hatte sie ihre erste Einzelausstellung in der AG Gallery.

Die Ausstellung konzentriert sich auf die radikalsten Werke, die Onos fünfjähriger Aufenthalt in London ab 1966 hervorbrachte. Dort wurde sie Teil eines gegenkulturellen Netzwerks von Künstlern, Musikern und Schriftstellern und lernte ihren späteren Ehemann und langjährigen Mitarbeiter John Lennon kennen. Die Ausstellung zeigt wichtige Installationen aus Onos einflussreichen Ausstellungen in der Indica und der Lisson Gallery, darunter Apple (1966) und die eindringliche Installation aus halbierten Haushaltsgegenständen Half-A-Room (1967).

25th March 1969: A week after their marriage, musicians John Lennon and Yoko Ono receive the press at their bedside in the Presidential Suite of the Hilton Hotel, Amsterdam. The couple stayed in bed for seven days ‚as a protest against war and violence in the world‘. (Photo by Central Press/Getty Images)

Die Schlüsselthemen, die sich durch das Werk Onos ziehen, werden über die Jahrzehnte hinweg und in allen Medien untersucht. Dazu gehört der „Himmel“, der immer wieder als Metapher für Frieden, Freiheit und Grenzenlosigkeit auftaucht. Als Kind während des Zweiten Weltkriegs aus Tokio geflohen, fand Ono Trost und Zuflucht in der ständigen Präsenz des Himmels.

Ono nutzte ihre Kunst und ihre globale Medienplattform zunehmend für Friedens- und humanitäre Kampagnen, zunächst in Zusammenarbeit mit ihrem verstorbenen Ehemann John Lennon. Bei Acorns for Peace 1969 schickten Ono und Lennon Eicheln an die Staatsoberhäupter der Welt, während die Plakatkampagne WAR IS OVER! (nutzte er 1969 die Sprache der Werbung, um eine Friedensbotschaft zu verbreiten.

Der Film BED PEACE 1969 ist die Dokumentation des zweiten der berühmten „Bed-Ins“ des Paares in Amsterdam und Montreal, bei denen sie vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges mit den Medien der Welt für den Weltfrieden sprachen.

Über den Ausstellungsraum hinaus erstreckt sich Onos Arbeit auch auf das Gebäude und die Landschaft der Tate Modern.

Yoko Ono, Cut Piece 1964 Performed by Yoko Ono in “New Works by Yoko Ono”, Carnegie Recital Hall, NYC , March 21 1965. Photo by Minoru (2)

Am Rande sei eine Performance von Yoko Ono erwähnt. Ihre feministische Arbeit „Cut Piece“ gilt als bahnbrechend. Yoko Ono sitzt auf der Bühne, neben ihr liegt eine Schneiderschere. Das Publikum hat die Aufgabe, Stücke aus der Kleidung der Künstlerin herauszuschneiden. Es ist eine verstörende Performance: Die Künstlerin verliert nach und nach ihre Kleider, gibt sich schutzlos preis. Währenddessen wird das Publikum zum Komplizen ihrer öffentlichen Demütigung.

Yoko Ono ist auch eine FRIEDENSBOTSCHAFTERIN und war ihrer Zeit schon weit voraus!

YOKO ONO: MUSIC OF THE MIND wird gefördert von John J. Studzinski CBE. Weitere Unterstützung kommt vom Yoko Ono Exhibition Supporters Circle und der Tate Americas Foundation. Die Ausstellung wird organisiert von der Tate Modern, London, in Zusammenarbeit mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Der Titel der Tate-Ausstellung bezieht sich auf Onos Konzert- und Veranstaltungsreihe Music of the Mind, die 1966 und 1967 in London und Liverpool stattfand. Sie spiegelt das Konzept der stillen Musik wider, bei der ihre „Anweisungen“ Klänge in der Vorstellung der Zuhörer erzeugen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 1. September 2024 in der Tate Modern London besichtigt werden.  

https://www.tate.org.uk/whats-on/tate-modern/yoko-ono

The music of today

Eines der renommiertesten Festivals für Neue Musik in Österreich ist das aspekteFESTIVAL. Seit seiner Gründung 1979 steht es für die Begegnung mit Neuem auf höchstem interpretatorischem Niveau.

Die Veranstaltung findet in diesem Jahr bereits zum 45. Mal statt

Der künstlerische Leiter Ludwig Nussbichler gab dem Programm den Titel „STIMMEN“. Es sollte dazu anregen, darüber nachzudenken, wie die Welt klingt. Das Erste, was wir im Mutterleib wahrnehmen, ist der Herzschlag der Mutter. Später kommen Stimmen und Klänge hinzu, Musik und Geräusche, die von außen an das sich bildende Organ – das Ohr – herangetragen werden. Es ist eine „Wahrnehmungshöhle, in der sich Orientierung und Stimmungen bilden“, sagt Nussbichler und meint damit die Stimme.

Künsterlischer Leiter (aspekteFESTIVAL) Ludwig Nussbichler Foto: © Christa Linossi

Das Wort „Stimmen“ – der griffige Untertitel des Festivals – ist also umfassend, denn „die Stimme tröstet, betört, verführt, sie vermittelt Freude und Trauer, sie spricht, singt, schreit und flüstert, sie begeistert, irritiert und berührt“.

Den Untertitel des Festivals finde ich sehr spannend! Die menschliche Stimme ist wohl auch in Zeiten von E-Mail und SMS der wichtigste Kanal für Kommunikation und Informationsaustausch geblieben. Dabei überträgt die Stimme nicht nur die „eigentliche“ inhaltlich-textliche Information. Sie gibt auch eine Fülle von Informationen über die sprechende Person, ihre Absichten, ihre Eigenschaften, ihre Stärken und Schwächen. Und die Zuhörerinnen und Zuhörer nehmen die Signale der Stimme auf und ziehen daraus Rückschlüsse auf die sprechende Person. Und das oft viel schneller und viel nachhaltiger, als uns bewusst ist.

Vielleicht ist das auch ein Anlass, über das Thema Stimme nachzudenken! Wie still wäre unsere Welt, wenn wir keine Stimme hätten, wahrscheinlich wie ein Stummfilm.

Zurück zum diesjährigen Festival. Das aspekteFestival Salzburg widmet sich heuer der relationalen Musik.  „Was ist relationale Musik? Der Philosoph Harry Lehmann beschreibt es in seinem Buch „Musik und Wirklichkeit“ (hier in aller Kürze) so: „Der Begriff ›relationale Musik‹ ist zunächst einmal der Gegenbegriff zu ›absoluter Musik‹, also zu reiner Instrumentalmusik ohne Bezug zu Sprache, Bewegung, Bildern oder Gefühlen und allem, was man traditionell zum ›außermusikalischen Material‹ gerechnet hat“.

Die konzertanten Aufführungen in Salzburg werden zeigen, inwieweit sich daraus neue Strategien der Semantisierung, Theatralisierung, Visualisierung und Sonifikation ergeben.

In 10 Konzerten werden 10 Uraufführungen von über 30 Komponisten präsentiert. Als einer der Höhepunkte wird die Uraufführung der Oper „Stabat Mater Furiosa“ erwartet.

Ein Wutschrei gegen den Krieg „Stabat Mater Furiosa“ entstand als Schrei gegen das Inferno des Krieges während eines Aufenthaltes im Libanon und wurde 1999 als Wutgedicht von Jean-Pierre Siméon im Théâtre Molière | Maison de la Poésie in Paris szenisch umgesetzt.

Das Thema ist nach wie vor aktuell und kann als weiterer Aufschrei gegen den Krieg verwendet werden (russische Invasion in der Ukraine 2022, Krieg in Israel und Gaza). Der Auftrag, daraus eine Oper zu machen, ging an den ägyptischen Komponisten Hossam Mahmoud.

Hossam Mahmoud, Komponist Stabat Mater Furiosa Foto: © Christa Linossi

Ausgehend von Siméons dramatischer Solostimme verdreifacht die szenische Uraufführung der Komposition von Hossam Mahmoud den Wutschrei der Mater Furiosa und erweitert ihren Mut zur Wut zu einer kulturübergreifenden chorischen Anklage gegen Krieg und Gewalt und zu einem zeitlosen Appell an die Menschlichkeit.

Diese Aufführung ist eine Kooperation mit der Universität Mozarteum und als Vorspiel zu diesem hochbrisanten Musiktheater-Auftragswerk der aspekte 2024 widmet sich das Ateliergespräch dem dramatischen Gestus der Stimme an der Grenze des Unsagbaren, ihrem lyrischen Potenzial und der Vieldeutigkeit des Festivalthemas „stimmen“. Univ.-Prof.Dr. Sabine Coelsch Foisner spricht mit der Sopranistin Juliet Fraser, der Regisseurin Rosamund Gilmore, dem Komponisten Hossam Mahmoud und dem künstlerischen Leiter des Festivals Ludwig Nussbichler über das dramatische und lyrische Potential der STIMME und die Ambivalenz des Festivalthemas „stimmen“. (Ateliergespräch Universität Mozarteum / Bösendorfersaal am 7. März um 18.00 – 18.45 Uhr).

Freunde zeitgenössischer Musik kommen beim aspekteFESTIVAL Salzburg regelmäßig auf ihre Kosten. Im Mittelpunkt stehen Kompositionen österreichischer und internationaler Künstlerinnen und Künstler. Auch der musikalische Nachwuchs kommt nicht zu kurz.

Pressekonferenz vom 27.02.2024 Foto vorne: Renate Stelzl & Ludwig Nussbichler (aspekte FESTIVAL) hinten: Kai Röhrig, Musikalische Leitung & Hossam Mahmoud, Komponist Stabat Mater Furiosa. Foto: © Julia Lepka

Die Verlinkung auf das Gesamtprojekt aspekteFESTIVAL 2024

IN THE MOUNTAIN WORLD – IN DER BERGWELT

Foto: Christa Linossi

Kennen Sie das? Sie müssen einfach mal raus. Um neue Energie zu tanken.
Ich bin für kurze Zeit in die Berge verschwunden, um den Rest des Winters zu genießen.
Aber jetzt bin ich wieder da! Kunst und Kultur stehen wieder auf dem Programm.

Do you know that? You just need to get out. To recharge your batteries.
I disappeared into the mountains for a short while to enjoy the rest of the winter.
But now I’m back! Art and culture are back on the programme.

From the series “ Psyche“

experimental photo work by © Christa Linossi 2024Malerei im Hintergrund aus dem Jahr 2006 – From the series “ Psyche“

This painting is based on a work from 2006, which I now use as a background for my experimental photographic work. The theme PSYCHE It is important to me to deal with the psyche. It is my concern and an attempt to make the psyche and its effects visible. The number of psychological diagnoses has risen rapidly and research has now identified a number of risk factors for the psyche in the 21st century.

RAURIS das „versteckte Juwel“ im Nationalpark Hohe Tauern und sein Literaturfestival 2024

53. Rauriser Literaturtage vom 3. bis 7. April 2024

Zur Pressekonferenz der 53. Rauriser Literaturtage 2024 wurden Anfang Februar 2024 Journalistinnen und Journalisten in das ORF Landesstudio Salzburg eingeladen.

v.l.n.r. LH-Stv.Stefan Schnöll, Ines Schütz, Manfred Mittermayer, Martin Hochleitner, BM von Rauris Peter Loitfellner, Pressekonferenz _RLT_2024_001 (002) Foto: Rauriser Literaturtage

Die Gemeinde Rauris veranstaltet auch heuer wieder – bereits zum 53. Mal – zum Frühlingsbeginn die Literaturtage. Der Ort wird zum pulsierenden Zentrum der Literatur.

1971 war es vielleicht eine „verrückte“ Idee, Literatur am Fuße der Rauriser Bergwelt mit ihren Dreitausendern zu veranstalten. Sie hat sich als Glücksgriff erwiesen und findet heuer bereits zum 53. Mal statt.

Abseits von Massentourismus, Konsumtempeln, Verkehr etc. in einer schönen Bergwelt Literatur genießen. Sich einfach „fallen lassen“ und in die Literatur eintauchen.

Das Thema 2024 lautet „Geschichten des Zusammenlebens“ und dazu gab Bürgermeister Peter Loitfellner aus Rauris ein Statement ab: „Wie soll es im GROSSEN funktionieren, wenn es im KLEINEN scheitert“. Er meinte damit: Wir müssen lernen, uns auf Augenhöhe zu begegnen und ohne Hass miteinander zu kommunizieren. Und das sollte schon in der Familie beginnen!

„Geschichten vom Zusammenleben“ Manfred Mittermayer und Ines Schütz haben für die 53. Rauriser Literaturtage 2024 das Motto „Geschichten vom Zusammenleben“ gewählt. Daraus ist ein vielfältiges Programm entstanden, das unsere Lebenswirklichkeit auf ganz besondere Weise widerspiegelt.

Die Fülle autobiographisch fundierter Darstellungen individueller Lebensläufe, aber auch das Nachzeichnen von Familiengeschichten als generationenübergreifende Erkundung der eigenen Herkunft wurden als Schwerpunkte der aktuellen Literatur aufgegriffen.

In den ausgewählten Büchern geht es sowohl in den ersten Lebensjahren als auch in der Phase des Erwachsenwerdens um das Hineinwachsen in soziale Zusammenhänge. Andere Texte thematisieren die Folgen der Migration. Sei es die Geschichte einer ganzen Familie, die im Auswanderungsland sukzessive sozialen Erfolg und Ausgrenzung erfährt, sei es die Entfremdung eines Einzelnen, der nach seiner erzwungenen Emigration die Schwierigkeiten der Integration im Asylland erlebt.
Rauriser Literaturtage 2024 beschäftigen sich auch mit der Frage, inwieweit die Bedingungen unserer von Kapital und dem Drang nach Selbstdarstellung in den sozialen Medien geprägten Welt unser Zusammenleben auf eine völlig andere Basis stellen als in der Vergangenheit. Auch das globale Klimaszenario, das unsere Lebensgrundlagen bedroht, wirft Fragen nach unserem zukünftigen Zusammenleben auf.

Was darf in Rauris nicht fehlen? Der Rauriser Literatur- und Förderungspreis 2024!

Den Rauriser Literaturpreis 2024 (vergeben vom Land Salzburg, dotiert mit € 10.000, –) erhält Matthias Gruber für seinen Romand Die Einsamkeit der Ersten ihrer Art (Jung & Jung Verlag)

Matthias Gruber, 1984 in Wien geboren, in Salzburg aufgewachsen, wo er heute mit seiner Familie lebt.

Rauriser Literaturpreisträger 2024 Matthias_Gruber_Ausschnitt_Foto (c) _Miriam_Kreiseder_

Auszug aus seinem preisgekrönten Roman:

„Sie ist vierzehn Jahre alt und möchte wie die anderen Mädchen sein, vor allem schön. Aber Arielle hat kaum Haare auf dem Kopf, mit ihren Zähnen stimmt etwas nicht, und obwohl Sommer ist, kann sie nicht schwitzen. Die Nachmittage verbringt sie mit ihrem Vater in den Wohnungen Verstorbener, um sie auszuräumen und Brauchbares vom Müll zu trennen. Während er abends weggeworfene Festplatten nach Kryptogeld durchsucht, stöbert sie auf alten Handys in fremden Existenzen – bis sie eines Tages auf Pauline stößt und die Fotos, die sie auf dem Handy des unbekannten Mädchens findet, ins Internet hochlädt. Herzen fliegen ihr zu, auch das von Erich. Doch während es ihr bald zu viel wird, findet ihre psychisch labile Mutter Gefallen an der ungewohnten Aufmerksamkeit und will den Kanal nutzen, um ihre ganz eigenen Träume zu verwirklichen“.
Dieses Buch hisst die Fahne der Literatur auf der Müllhalde unserer Zeit. Es hält uns den Spiegel vor und zeigt uns, wie wir sind: mit einem Lächeln, das echt und falsch, schön und hässlich zugleich ist.

Den Rauriser Förderungspreis 2024 (vergeben vom Land Salzburg und von der Marktgemeinde Rauris, dotiert mit € 5.000, –) erhält Luka Leben für ihren Text Nachts nur das Rauschen.

Worum geht es in diesem Text? „Der Text Nachts nur das Rauschen thematisiert in zurückhaltender, doch deutlich sprachbewusster und manchmal zuspitzender Diktion das Leben mit einem Kleinkind, das von einer sprachlich-motorischen Einschränkung betroffen ist. Wir lesen ein sensibles und dennoch immer nüchternes und exaktes Protokoll des Alltags in einer herausfordernden Situation, die trotz väterlichen Einsatzes stärker auf den Schultern und auch der Psyche der weiblichen Protagonistin zu Lasten scheint“.

Luka Leben geb. 1989 in Salzburg. Studium der Kunst und kommunikativen Praxis an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Rauriser Förderungspreisträgerin 2024 Luka Leben Foto: (c) privat

Die Ausstellung „Rauris 1971-2021. Ein halbes Jahrhundert Literaturtage innergebirg“ ist im Vogelmaierhaus (Gemeindeamt) zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten der deutschen Fotografin Katharina Mayer (geb. 1958) zum aktuellen Thema der Literaturtage.

Außerdem gibt es ein Gespräch rund um das Thema LITERATUR.  „Fünf Jahrzehnte Rauriser Literaturtage“ von Lukas Möschl (ORF Salzburg) Es ist ein „Österreich-Bild“ über Geschichte und Gegenwart der Literaturtage – und darüber, wie Literatur Land und Leute prägt. Eine Kooperation mit dem ORF (6. April 2024 Mesnerhaus Rauris).

Die Veranstaltungen werden über rauriser-literaturtage.at teilweise auch als Livestream ausgestrahlt.

https://www.rauriser-literaturtage.at

Bodø 2024 europäische Kulturhauptstadt nördlich des Polarkreises

Bodø 2024 als Hommage an die Ureinwohner der Sami 

6+Bodø2024+opening+ceremony+illustration+-+Photo+-+phase+7+-+Bjørnådal+Arkitektstudio

Bodø ist die erste arktische Stadt in der Geschichte, die den Status einer Europäischen Kulturhauptstadt erhalten hat.  Bodø ist die größte Stadt in der Provinz Nordland. Im Laufe der Jahre hat sie sich von einer kleinen Küstenstadt zu einem pulsierenden arktischen Kulturzentrum entwickelt. Das Geheimnis dieser Stadt ist einfach: Sie hat von allem ein bisschen! Die Kulturszene in Bodø ist sehr lebendig.

Opening Day of Bodø2024 European Capital of Culture
 

Ob die Eröffnungsfeier der Europäischen Kulturhauptstadt Bodø 2024 stattfinden kann, war nicht hundertprozentig sicher. Heftige Stürme hatten die Tage zuvor überschattet. Das Sturmtief Ingunn und seine Ausläufer hatten Bodø getroffen. Norwegen wurde von diesem Sturmtief ordentlich durchgeschüttelt. Doch am Samstagabend (3.2.2024) hatte das Wetter ein Einsehen und die Eröffnungsfeier konnte bei klarem und fast windstillem Wetter stattfinden.

„Ich glaube, ich bin der glücklichste Mensch in Norwegen.   Als ich heute Morgen aufwachte, wurde mein Haus von einem Sturm erschüttert. Ich machte mir Sorgen, was heute Abend passieren würde“, sagte der Direktor von Bodø2024, Andre Wallann Larsen, nach der Eröffnungsfeier.“ Gott sei Dank konnte die Eröffnungsfeier ohne Probleme stattfinden“.

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Nach Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 wurde am 3. Februar 2024 die zweite Kulturhauptstadt Europas 2024 eröffnet, Bodø, Die Eröffnungsfeier fand in der Molo Bay Marina im Zentrum von Bodø statt. Eine schwimmende Bühne bildete den Rahmen für die glanzvolle Eröffnungsfeier.

Damit steht das Thema fest: Das Kulturprogramm in Bodø wird sich das ganze Jahr über an den Besonderheiten des Lebens am Polarkreis orientieren. Wie ein roter Faden zieht sich die Verbundenheit der Menschen mit ihrer sich wandelnden Umwelt durch die Veranstaltungen.

Die Zeremonie wurde von Hans-Petter Bjørnådal und Bjørnådal Arkitektstudio eigens für diesen Anlass inszeniert und komponiert. Sie wird für Jahrzehnte in Erinnerung bleiben. Inspiriert vom Otolithen, dem Ohrstein der Fische. Er enthält den physischen Beweis, was für ein Fisch ein Fisch ist. Wie alt er ist, wo er war und welchen Einfluss er auf Umwelt und Klima hatte. Wie Baumringe.

Dies ist der Ausgangspunkt für die Eröffnung von Bodø2024: Wer und was sind wir, wer und was wollen wir sein und welche Erinnerungen werden wir im nächsten Jahr schaffen? Der bekannte Film- und Fernsehkomponist Raymond Enoksen ist der Schöpfer des Klangstücks. Es ist ein Gemeinschaftswerk, das verschiedene künstlerische Ausdrucksformen vereint. Im Mittelpunkt steht eine gemeinsame nordische Musikästhetik. Raymond Enoksen sagt, er wolle mit diesem Werk auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und des Stolzes schaffen, Teil einer langen und reichen nordnorwegischen Tradition zu sein.

Mit der Zeremonie beginnt die Gravur eines neuen Jahresringes. Ein Baumring, der den Jahreskreis symbolisiert.

Man darf auch gespannt sein, wie das Programm in den Tagen und Monaten nach der Eröffnungsfeier weitergeht.

Bodø, verschiedene Orte in der Innenstadt Wann: 2. Februar – 11. Februar 2024 Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres hebt Bodø die samische Kulturwoche auf ein ganz neues Niveau. Viele spannende Aktivitäten stehen auf dem Programm.

Wer und was ist samische Kunst und Kultur? Die Samen sind die Ureinwohner des Nordens. Ihr Name leitet sich vom samischen Wort „sapmi“ ab. Dieses Wort bezeichnet sowohl das traditionelle Siedlungsgebiet der Samen als auch die ethnische Gruppe. Schon vor mehr als 10.000 Jahren bewohnten die Vorfahren der Samen die eisigen Regionen Nordeuropas.

Was versteht man unter samischer Kunst? Das samische Kunsthandwerk wird „duodji“ genannt. Es besteht aus natürlichen Materialien und Resten wie Holz, Rinde, Rentierfell, -knochen und -horn.

Im März findet in Bodø zum ersten Mal das Marcialonga Arctic Ski Race statt. Was ist das?

Marcialonga Arctic Ski Race – Promo Video

Im Rahmen des etablierten und bekannten Langlaufkonzeptes Ski Classics wird das Marcialonga Arctic Ski Race stattfinden. Die Vision ist es, den spektakulärsten Skimarathon der Welt auf die Beine zu stellen. Bodø hat die Berge, das Meer, die Nordlichter und vor allem die Menschen.

Das Marcialonga Arctic Ski Race ist ein Skifestival, das vom 7. bis 11. März stattfindet. Neben dem Langlaufrennen, das am Samstag, den 9. März stattfindet, gibt es eine Reihe von Veranstaltungen.

Mitte März gibt Håkon Skog Erlandsen in Pluragrotta in Helgeland ein ungewöhnliches Konzert mit seinem Saxophon unter Wasser. Und im April bricht Pelle Police Car endlich zu neuen Abenteuern auf.

Eine Reise durch das Nordland – das ist das Ziel dieses Programms. Eine Reise nach innen und nach außen. Hoch und tief. Eine Reise, die gehört, gesehen und gefühlt werden will. Eine Reise, um in sich selbst einzutauchen. Nordland erleben.

Hier ein Link zu weiteren Projekten und Programmen im hohen Norden, damit Sie auf dem Laufenden bleiben.

https://www.bodo2024.no/prosjekter

GOTTFRIED HELNWEIN

hat mit seinen hyperrealistischen Bildern von verletzten Kindern auf den Fassaden des Rathauses und des Stadttheaters die Stadt GMUNDEN in Aufruhr versetzt!

Helwein-Plakate in der Innenstadt von Gmunden, am 29.01.2024. Das Bild zeigt ein Kunstwerk des Gottfried Helwein am Stadttheater in Gmunden Foto: Copyright Rudi Gigler

Szenenwechsel von der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 Bad Ischl in die Stadtgemeinde Gmunden, die auch eine der 23 Gemeinden der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 ist.

Gottfried Helnwein verwandelt das Gmunden Rathaus und das Stadttheater in eine Kunstinstallation. Er schockiert die Gmunden Bevölkerung mit seinen Bildern.

Helwein-Plakate in der Innenstadt von Gmunden, am 29.01.2024. Das Bild zeigt ein Kunstwerk des Gottfried Helwein am Rathaus in Gmunden Titel: Memory (Erinnerung) Foto: Copyright Rudi Gigler
Helwein-Plakate in der Innenstadt von Gmunden, am 29.01.2024. Das Bild zeigt ein Kunstwerk des Gottfried Helwein am Stadttheater in Gmunden Titel: The Disasters of War (Die Schrecken des Krieges) Foto: Copyright Rudi Gigler

Der Stadtgemeinde Gmunden und den Salzkammergut Festwochen ist es gelungen, einen der erfolgreichsten österreichischen Künstler für das Projekt Salzkammergut2024 zu gewinnen. An zwei zentralen Gebäuden in Gmunden wurden großflächige, bewegte Installationen in Form von großformatigen Bildern angebracht. Zum einen am Rathaus und zum anderen am Stadttheater. Es handelt sich um zentrale Punkte, da jeder, der nach Gmunden kommt, an diesen Schnittpunkten vorbeimuss und jeder gezwungen ist, einen Blick darauf zu werfen, ob er will oder nicht.

Helwein-Plakate in der Innenstadt von Gmunden, am 29.01.2024. Das Bild zeigt ein Kunstwerk des Gottfried Helwein am Stadttheater in Gmunden Titel: The Smile (Das Lächeln) Foto: Copyright Rudi Gigler

Es sind Arbeiten, die in der Bevölkerung sicher für viel Diskussionsstoff sorgen werden. Vielleicht auch massiv zum Nachdenken anregen. Wer die „Salzkammergutler“ kennt, weiß, dass in dieser Region sehr lebhaft diskutiert wird.

Die Auseinandersetzung mit den Themen Schmerz, Verletzung und Gewalt prägt das Werk des in Wien geborenen Künstlers Gottfried Helnwein zeitlebens. Er sieht darin ein wichtiges Thema der Aufarbeitung (weltweit werden Kinder ausgebeutet, missbraucht, misshandelt usw.). Hier kommt ihm die Kunst sehr entgegen. Er macht darauf aufmerksam, was weltweit immer noch mit Kindern geschieht. Er rüttelt mit seinen Installationen auf und bringt so die Betrachter dieser riesigen Installationen dazu, nicht wegzuschauen, sondern sich damit auseinanderzusetzen. Ob positiv oder negativ, jeder ist aufgefordert, sich sein eigenes Urteil zu bilden, ob es ihm gefällt oder nicht, und sich nicht von anderen beeinflussen zu lassen.

„Meine Kunst fragt nicht, sie erklärt auch nicht. Gottfried Helnwein: “Meine Kunst ist ein Dialog“.

Besuch des Künstlers Gottfried Helnwein in Gmunden, am 30.01.2024. Das Bild zeigt den Künstler Gottfried Helwein während eines Interviews mit dem ORF, auf der Esplanade in Gmunden      Foto: Copyright Rudi Gigler

Helnweins hyperrealistische Bilder, die stets auf fotografischen Vorlagen basieren, sind „bigger than life“ und beeindrucken durch ihre technische Perfektion. Durch die monumentalen Formate entzieht sich das Dargestellte einer greifbaren Realität.

„Mit Gottfried Helnwein konnte ein österreichischer Ausnahmekünstler von Weltruf, der in der internationalen Kunstszene hohes Ansehen genießt, gewonnen werden, seine Werke in Gmunden zu präsentieren“, so Bürgermeister Stefan Krapf.  Wenige Monate nach der Ausstellung in der Albertina in Wien wird auch in unserem Museum K-Hof eine Ausstellung von Weltrang zu sehen sein. Helnweins Werke gehen unter die Haut, berühren die Seele und konfrontieren uns auch mit Themen, die oft gerne verdrängt und verleugnet werden: Sie zeigen schonungslos die Realität. Das ist das Ziel seiner Arbeit. Sein Gastspiel in Gmunden ist eine Sensation, ein großes Geschenk“.

Johanna Mitterbauer, kaufmännische Geschäftsführerin der Salzkammergut Festwochen Gmunden: „Mit seinem Werk, das unsere Wahrnehmung und unseren Blick für mehr Menschlichkeit öffnen kann, wollen wir gemeinsam mit der Stadtgemeinde Gmunden mutig in ein besonderes Kulturjahr 2024 gehen und einen Dialog anstoßen. Wir scheinen im Paradies zu leben. Die drängenden Fragen und Konflikte, die sich um uns herum auftun, nehmen wir oft gar nicht wahr“.

Besuch des Künstlers Gottfried Helnwein in Gmunden, am 30.01.2024. Das Bild zeigt v.l.n.r.: kaufmännische Leiterin der Salzkammergut Festwochen Gmunden, Johanna Mitterbauer, Künstler Gottfried Helnwein, Bürgermeister der Stadt Gmunden, Stefan Krapf vor dem Traunsee     Foto: Copyright Rudi Gigler

Gottfried Helnwein wurde am 8. Oktober 1948 in Wien geboren. Von 1965 bis 1969 besuchte er die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien, von 1969 bis 1973 studierte er Malerei in der Meisterklasse von Prof. Rudolf Hausner an der Akademie der bildenden Künste Wien. Anfang der 1970er Jahre begann Helnwein mit performativer Straßenkunst und Fotoaktionen im Atelier und im öffentlichen Raum, inspiriert von der amerikanischen Pop Art. Seine Werke – ob als Maler, Zeichner oder Bühnenbildner – zeichnen sich durch ihre Außergewöhnlichkeit, Eindringlichkeit und technische Brillanz aus und begründeten Helnweins Ruf als Künstler von internationalem Rang.

When the psyche collapses!

experimental photo work by © Christa Linossi 2024 – From the series “ Psyche“              

My new work is dedicated to the human psyche in the 21st century. More and more people are becoming mentally ill. When the psyche collapses! What to do? Depression, alcoholism, bipolar disorder and schizophrenia are among the most common illnesses worldwide. They can be accompanied by changes in perception, thinking, feeling or even self-image (self-perception)…

Motoi Yamamoto

im SUDHAUS Bad Ischl zum Thema KUNST MIT SALZ UND WASSER

Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi

Das SUDHAUS ist die zentrale Kunstausstellung der Kulturhauptstadt. Ein breites Themenspektrum, eingeleitet durch Dokumente der Regionalgeschichte, wird mit internationaler und überregionaler Beteiligung renommierter Künstler präsentiert.

Man nannte es das „weiße Gold“: Salz prägte die gesamte Region des Salzkammergutes. Bis heute ist es ein wichtiges Handelsgut, das manchen zu Wohlstand und anderen zu Reichtum verhalf.

Einer der zahlreichen internationalen Künstler, die für ein Projekt nach Bad Ischl eingeladen wurden, ist Motoi Yamamoto ein japanischer Künstler, der mit seinem Kunstwerk im SUDHAUS Bad Ischl Salzkammergut 2024 vertreten ist. Er wurde 1966 in Onomichi in der Provinz Hiroshima geboren. 1995 schloss er sein Studium am Kanazawa College of Art ab. Zurzeit wohnt er in Kanazawa, Präfektur Ishikawa.

Seine Arbeit im SUDHAUS Bad Ischl ist sehr interessant. Er arbeitet mit Salz und verwendet eine Art grafisches Muster. Man muss diese Art von Kunst auf sich wirken lassen. Im Hintergrund sieht man eine Art Berglandschaft in Weiß, sind das Berge mit Schnee oder Gletscher? Nein, das ist Salz. Es ist in Form eines Berges dargestellt. Es erstreckt sich in einer Art Labyrinth über die gesamte Fläche.  Salz ist seit jeher eng mit dem Leben der Menschen in Ost und West verbunden. In Japan ist Salz ein unverzichtbarer Bestandteil von Bräuchen wie Beerdigungen.

Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi
Ausschnitt der Arbeit des Künstler Motoi Yamamoto im SUDHAUS Bad Ischl Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 / Foto © Christa Linossi

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert beschäftigt sich Yamamoto nur mit einem einzigen Material – nämlich mit Salz.

Mit dem weißen Mineral, das wie Tinte aus einer Feder aus einem kleinen Fläschchen fließt, zeichnet der Künstler gegen das Vergessen wertvoller Erinnerungen an seine jüngere Schwester, die 1994 im Alter von 24 Jahren starb. Die Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen, sind nicht an Fotos oder Texte gebunden, sondern an das weiße Salz, das in Japan wegen seiner Reinheit verehrt wird.

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Statement von Motoi Yamamoto: „Zur Reinigung und Entschlackung mache ich Salzinstallationen und schaffe weiterhin Erinnerungen an meine Familie, die ich nicht vergessen möchte, um den Kern meiner Erinnerungen wieder tief in mir zu spüren. Ich brauche einige Tage bis mehrere Wochen, um diese riesigen Muster auf den Boden zu zeichnen. Am letzten Tag der Ausstellung zerstöre ich gemeinsam mit den Besuchern die Arbeit und bringe das Salz zurück ins Meer.

Auf dem Boden ergießt sich das Salz buchstäblich in großen, labyrinthischen Strukturen. Beim Zeichnen dieser komplexen Strukturen begibt sich Yamamoto auf eine Reise durch seine eigene Erinnerung, deren endgültige Form sowohl von Yamamotos geistiger und körperlicher Verfassung als auch von der Beschaffenheit des Bodens oder der Luftfeuchtigkeit am Ausstellungsort beeinflusst wird.

Viele seiner Werke sind Installationen. Sie bestehen aus riesigen, mit Salz gezeichneten Mustern. Er verbringt viele Stunden damit, auf den Boden zu zeichnen, vielleicht um seine Erinnerungen festzuhalten, die mit der Zeit verblassen. Seine Arbeit ist eine Art Selbstverteidigung gegen das Vergessen, und auf der Suche nach einer überzeugenden Form der Akzeptanz, um die Trennung zu verarbeiten, ist diese Art von Kunst für ihn genau das Richtige.

Ein weiterer interessanter Aspekt könnte am Ende der Ausstellung – die Ausstellung ist noch bis 30. Oktober 2024 im Sudhaus in Bad Ischl zu sehen – sein, wenn er vielleicht in Bad Ischl auftritt. Am letzten Ausstellungstag könnte er gemeinsam mit den Besuchern das Werk zerstören und das Salz dem Naturkreislauf (ins Meer) zurückgeben. Diese Art des Abschlusses praktiziert er immer wieder in vielen seiner großen Ausstellungen.

Prädikat: SEHENSWERT

SICHTWEISE!

Am Samstag, den 20. Januar 2024 wurde die KULTURHAUPTSTADT SALZKAMMERGUT 2024 feierlich eröffnet – ganz ohne Wow-Effekt.

Die OPENING CEREMONY begann um 17:00 Uhr mit dem Einzug der Lichtmenschen“ (choreographiert von Isa Stein) auf die große Bühne. Sie stehen symbolisch für die 23 Gemeinden der Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024.

Die Eröffnungsreden bildeten den Auftakt der Veranstaltung: Der Melina-Mercuri-Preis wurde von Martin Selmayr (Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Wien) an Bürgermeisterin Schiller und MEP Hannes Heide verliehen. Vizekanzler und Bundesminister für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport Werner Kogler sowie Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer und die Landeshauptmänner Thomas Stelzer (OÖ) und Christopher Drexler (Stmk) gaben ihre Statements zur Kulturhauptstadt ab.

Die Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 wurde von Dr. Elisabeth Schweeger (künstlerische Leitung) eröffnet und nicht wie im Jahresprogramm angekündigt: Eröffnung durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen! Auch dies lässt aufhorchen und wurde nicht begründet.

Salzkammergut 2024 Kulturhauptstadt Europas

Dann hieß es: Bühne frei für die Kunst! Hubert von Goisern und der Chor der 1000 Stimmen verschmelzen im Einklang mit Kirchenglocken und Hubert von Goisern jodelt einmal solo und dann wieder mit den 1000 Chorstimmen zusammen. Eine eigentümliche Mischung aus traditionellem und modernem Klangmaterial wird zusammengeführt, aber ist nicht wirklich weltbewegend.

Salzkammergut 2024 Kulturhauptstadt Europas

Dann kam Tom Neuwirth alias Conchita Wurst, (auch hier kann ich nicht sagen, dass es umwerfend war.) Aber es war gut zu hören, wie Tom Neuwirth sagte, dass bei den bevorstehenden Wahlen die Menschlichkeit nicht vergessen werden dürfe.

Conchita 59 © Henrieke Iring, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Die Modeschule Ebensee hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: eine Neuinterpretation der Tracht – und zwar aus weißem Papier. Schade, manche Modelle sahen ganz gut aus, aber es fehlte die Farbenvielfalt oder wurde bewusst weiß gewählt, wegen des Salzes?

Modeschule Ebensee 54 © Henrieke Iring, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Als letzte Performance trat die Choreografin Doris Uhlich mit ihrem Ensemble „Pudertanz“ auf. Sie tanzte mit ihrem Ensemble (4 Männer und 4 Frauen) nackt auf der Bühne.  Körper, die in Puderwolken tanzen, Wellen schlagen, vibrieren, ihr Fett tanzen lassen. Sie feiern die Vielfalt des Körpers und die individuelle Schönheit. Für mich war es ein absolutes No-Go. Warum war es für mich ein No Go? Weil ich der Meinung bin, dass das nicht zu einem Kulturhauptstadtfestival im Rahmen einer Eröffnung passt. Ich bin mir sicher, dass es eine Provokation der Choreografin war.

Doris Uhlich & Ensemble (4) @ Daniel Mayer, courtesy Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024

Die Eröffnungsfeier war etwas holprig. Ich bin mir sicher, dass ich die Projekte, die über das ganze Jahr 2024 verteilt sind, kritisch hinterfragen werde.

Ein Projekt habe ich bereits am Eröffnungstag im SUDHAUS gesehen: Es ist die Arbeit des japanischen Künstlers Motoi Yamamoto, der sich schon sehr lange mit dem Thema SALZ auseinandersetzt. Weil ich finde, dass diese Art von Kunst eine Tiefenwirkung hat, widme ich einen eigenen Bericht.

SUDHAUS Bad Ischl / Motoi-Yamamoto /Foto: ©-Christa Linossi