KAWS AUSSTELLUNG IN DER ALBERTINA MODERN

KAWS SPACE, 2023 116 × 183 × 96 cm, rostfreier Stahl Privatsammlung © KAWS Foto: Courtesy KAWS Studio

KUNST SETZT NEUE AKZENTE**

Die Albertina Modern setzt mit dem US‑amerikanischen Künstler KAWS neue Akzente und öffnet einen Dialog mit Positionen der Gegenwartskunst. Im Zentrum steht die künstlerische Autonomie seiner Figuren – jene hybriden Wesen, die Pop, Kommerz und öffentliche Kunst miteinander verbinden.

WER UND WAS IST KAWS?

Ich kannte KAWS nicht. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Also begann ich zu recherchieren.

KAWS, bürgerlich Brian Donnelly, ist ein US‑amerikanischer Pop‑Art‑Künstler und Designer, der in den 1990er‑Jahren als Graffiti‑Künstler begann. Seine frühen Arbeiten entstanden auf Werbeplakaten, die er übermalte und ironisch umdeutete. Mit seinen „Companions“ entwickelte er eine eigene Bildsprache: vertraut und doch fremd.

KAWS SHARE, 2021 177,8 × 84 × 62 cm, Bronze, Farbe © KAWS Foto: Courtesy KAWS Studio

Die durchkreuzten Augen sind kein Gag. Sie stehen für Überforderung, Leere, Pop‑Burnout – Symptome unserer Zeit. Und doch erinnern seine Figuren an Mickey Maus. Eine Ikone, die selbst Spuren hinterlassen hat. Auch Keith Haring taucht als Assoziation auf, wenn auch in anderer Form.

WENN FRAGEN AUFGEWORFEN WERDEN

Was will KAWS mit seinen übergroßen Figuren sagen? Diese Frage stellt sich besonders beim rosa Hasen, den er 2023 neben die Tempelanlagen von Prambanan auf Java installierte.

Pop trifft Sakralraum.

Was ist heute eigentlich „heilig“? Konsum? Kultur? Tradition? Ikonen? Wie verändert sich unser Weltbild – und wie verändern wir die Orte, die wir einst als unantastbar betrachteten?

STATEMENT VON RALPH GLEIS

„Kaum einem anderen zeitgenössischen Künstler gelingt es so überzeugend wie KAWS, eine Brücke zwischen High Art und Low Art zu schlagen. Die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz verschwimmen – ein Spiel mit Ambivalenzen, das der Künstler bewusst inszeniert.“

Die Albertina Modern widmet KAWS 2026 die erste umfassende Museumspräsentation in Österreich. Der Fokus liegt auf seinem Bezug zum Comic – sichtbar in der klaren Formensprache und in der Verarbeitung ikonischer Figuren wie Mickey Maus oder Snoopy.

NEUER ZUGANG ZUR GRAFFITI- UND COMIC-SZENE

KAWS hat mir einen neuen Zugang zur Graffiti‑ und Comic‑Szene eröffnet. Vielleicht gerade deshalb, weil er mir zuvor unbekannt war. Comics waren nie mein Terrain – vielleicht ist dies der Moment, es zu öffnen.

KAWS bewegt sich zwischen High Art und Low Art: Museen, Auktionen, Millionenpreise – und gleichzeitig T‑Shirts, Spielzeug, Masseneditionen. Demokratisierung oder Kommerzialisierung? Oder beides?

Er macht Kunst zugänglich – und zugleich extrem marktfähig. Eine Ambivalenz, die Spannung erzeugt.

WARUM IST ER SO ERFOLGREICH?

4,4 Millionen Follower auf Instagram. Kollaborationen mit Dior, Uniqlo, Nike. Ein Künstler, der in der Popkultur ebenso präsent ist wie auf dem Kunstmarkt.

Vielleicht, weil seine Figuren emotional lesbar sind. Vielleicht, weil sie Kindheit, Popkultur und Melancholie verbinden. Vielleicht, weil sie funktionieren – im Museum und auf Instagram.

KAWS gießt Gefühle in Popform. Wie einst Andy Warhol, der aus Werbung Kunst machte.

SCHLUSSGEDANKE

Zwingt KAWS uns, Pop neu zu lesen? Nicht als Oberfläche, sondern als Spiegel unserer eigenen Überforderung?

Die Ausstellung „KAWS: Art & Comix“ ist von 3. April bis 27. September 2026 in der ALBERTINA MODERN zu sehen.

AUFBRUCH SALZKAMMERGUT! – Was bleibt nach 2024, was beginnt jetzt?

Foto: Christa Linossi – aus dem Katalog „Aufbruch, Salzkammergut!“
 

Bad Ischl nach 2024: Die Kulturhauptstadt ist vorbei, aber der Prozess beginnt erst. Aufbruch, Salzkammergut! will die Region zu einer Modelllandschaft für das ländliche Europa machen – mit Kunst und Kultur als Motor. Zwischen Tradition und Zeitgenossenschaft, zwischen regionaler Identität und internationaler Vernetzung entsteht eine „neue Ländlichkeit“. Die Frage bleibt: Wird aus Vision auch Realität?

Nach diesem Blick nach vorne wurde gestern in Bad Ischl zur Pressekonferenz „Aufbruch, Salzkammergut!“ geladen – der Nachfolgeorganisation der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024. Die Pressesprecherin zeigte sich sichtlich erfreut über die journalistische Aufmerksamkeit, zumal parallel eine kurzfristig einberufene Pressekonferenz der Salzburger Festspiele stattfand.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie die Impulse des Kulturhauptstadtjahres langfristig in der Region verankert werden können. Ziel ist es, das Salzkammergut als Modellregion für das ländliche Europa zu etablieren – mit Kunst und Kultur als Motor gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und regionaler Transformationsprozesse.

Podium und Positionen

Podiumsdiskussion im Rahmen von „Aufbruch, Salzkammergut!“: v.l.n.r. und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Rudolf Raffelsberger (LAbg., Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien), Meena Lang (BMWKMS), Moderatorin: Verena Haidl, Foto: © Rudi Gigler, 2026

Am Podium diskutierten: Meena Lang (BMWKMS), Ines Schiller (Bürgermeisterin Bad Ischl), Franz Steinegger (Bürgermeister Grundlsee), Rudolf Raffelsberger (LAbg, Bürgermeister Scharnstein), Christian Grünhaus (WU Wien) und Christina Jaritsch (Projektleitung Aufbruch, Salzkammergut!).

Die Gesprächsrunde beleuchtete, welche Erkenntnisse aus dem Kulturhauptstadtjahr gewonnen wurden und wie diese in eine nachhaltige Struktur überführt werden können. Besonders betont wurde die Bedeutung einer länderübergreifenden Zusammenarbeit bis 2030, um kulturelle Nahversorgung, neue Formate und internationale Vernetzung dauerhaft zu sichern.

Kultur als Motor – zwischen Tradition und Zukunft

Christina Jaritsch hob hervor, wie stark sich das regionale Lebensgefühl verändert, wenn zeitgenössische Kunst, Jugendkultur und internationale Impulse in den ländlichen Raum einfließen. Traditionen würden dadurch nicht verdrängt, sondern neu betrachtet und als Inspirationsquelle genutzt. Der Kulturhauptstadtprozess sei „erst der Start“.

Auch Theresia Niedermüller (BMWKMS) betonte, dass eine Europäische Kulturhauptstadt nicht mit dem Titeljahr endet. Die Nachfolgeorganisation müsse zentrale Zukunftsthemen weiterführen: kulturelle Nahversorgung, Frauen im ländlichen Raum, Ökologie, Mobilität, Tourismus und Abwanderung.

Europäische Dimension und Legacy-Prozess

Die Europäische Kommission fordert ausdrücklich die Weiterentwicklung solcher Strukturen im Rahmen des Legacy-Prozesses. Aufbruch, Salzkammergut! soll die internationale Dimension ausbauen – etwa durch EU‑Projekte wie THE BIG GREEN, DECONFINING oder die Mitgliedschaft im Netzwerk Culture Next.

Damit positioniert sich die Region als Labor einer „neuen Ländlichkeit“, die kulturelle Innovation, regionale Identität und internationale Perspektiven verbindet.

Ausblick

Zu den kommenden Meilensteinen zählen:

  • Umsetzung der Kulturvision Salzkammergut 2030
  • Ausbau internationaler Netzwerke
  • Vorbereitung der ersten Salzkammergut Triennale 2027

Das Kulturhauptstadtjahr 2024 wird damit als Ausgangspunkt eines langfristigen Transformationsprozesses verstanden – getragen von Kooperation, Offenheit und dem Anspruch, die Zukunft des ländlichen Raums aktiv zu gestalten.

Offene Fragen, die bleiben

  • Wird Aufbruch, Salzkammergut! seine ambitionierten Ziele tatsächlich konkretisieren und umsetzen?
  • Kann Bad Ischl als „Observing Member“ im Netzwerk Culture Next glaubwürdig und aktiv an europäischen Diskursen teilnehmen?
  • Wird die Region aus internationalen Kooperationen neue Impulse gewinnen – und diese in eine eigene Strategie übersetzen?
  • Gelingt der doppelte Blick: nach außen (Europa, Netzwerke, Projekte) und nach innen (Region, Gemeinden, Bevölkerung)?

Die Antworten werden sich nicht am Podium entscheiden, sondern im Alltag der Menschen, die hier leben.