FRAUENSTIMMEN – Das musikalische Erbe der Komponistinnen kommt zu Wort

FRAUENSTIMMEN 2026 – Ein Blick auf jene Komponistinnen, deren Musik Geschichte schrieb, aber zu lange ungehört blieb.

Pressekonferenz der Maria‑Anna‑Mozart‑Gesellschaft Salzburg

Die Maria‑Anna‑Mozart‑Gesellschaft verfolgt seit ihrer Gründung im Jahr 2009 ein klares Ziel: Musik von Komponistinnen hörbar machen – sichtbar machen – und in der Musikgeschichte verankern.

Es geht um kulturelles Bewusstsein, um historische Gerechtigkeit und um die Anerkennung von Frauen als schöpferische und interpretierende Musikerinnen. Der Verein widmet sich sowohl der Aufführung von Werken als auch der Erforschung von Leben und Werk jener Frauen, die über Jahrhunderte hinweg im Schatten standen.

Maria Anna Mozart – „Nannerl“ und viele andere

Maria Anna Mozart, besser bekannt als „Nannerl“, war eine hochbegabte Musikerin ihrer Zeit. Sie hätte – wie viele Frauen des 18. Jahrhunderts – durchaus eine professionelle Karriere als Komponistin einschlagen können. Interessanterweise waren Frauen damals in manchen Bereichen weniger eingeschränkt als im 20. Jahrhundert, als männliche Dominanzstrukturen wieder stärker wurden. Eine Frage, die im Raum steht: Warum eigentlich? Und was sagt das über kulturelle Machtverhältnisse aus?

Die längste Konzertreihe Österreichs, die ausschließlich Komponistinnen gewidmet ist

Seit 16 Jahren veranstaltet die Maria‑Anna‑Mozart‑Gesellschaft die Konzertreihe FRAUENSTIMMEN – die am längsten bestehende Reihe Österreichs, die ausschließlich Werke von Komponistinnen präsentiert.

In rund 100 Konzerten wurden bisher über 650 Werke von mehr als 240 Komponistinnen aus allen Epochen aufgeführt: Barock, Klassik, Volksmusik, Romantik, Moderne, Neue Musik.

Saison 2026 – Vielfalt, Geschichte und neue Perspektiven

Auch 2026 lädt die Gesellschaft dazu ein, die kreative Kraft von Komponistinnen neu zu entdecken.

8. März 2026 – Internationaler Frauentag

DUE DONNE IMPOSSIBILI – Zwei Frauen im Barock Barbara Strozzi (1619, Venedig) und Margherita Costa (um 1600, Rom)

Ein Abend über zwei Künstlerinnen, die im 17. Jahrhundert dichteten, komponierten, interpretierten und veröffentlichten – gegen alle gesellschaftlichen Erwartungen. Das Duo Udite zeigt mit der Musik von Barbara Strozzi, dass „Unmögliches“ möglich war. Ort: Salzburg, Kardinal‑Schwarzenberg‑Saal, 19.30 Uhr

16. April 2026 – „Die Damen machen alles…“

Musik aus „weiblichen“ Salzburger Sammlungen Ort: Salzburg, Internationale Stiftung Mozarteum, Villa Vicina, 19.30 Uhr

Das Konzert findet im Rahmen der Konferenz „Klingende Spuren – Weibliche Handlungsräume der Musikförderung“ (16.–17. April 2026) statt.

Die Konferenz beleuchtet die vielfältigen Rollen von Frauen in der Musikgeschichte: als Mäzeninnen, Auftraggeberinnen, Kuratorinnen, Pädagoginnen und kulturelle Gestalterinnen. Sie zeigt, wie Frauen innerhalb und außerhalb traditioneller Strukturen Musik gefördert, ermöglicht und geprägt haben.

http://www.maria-anna-mozart.at

„Beweise, dass du Mensch bist“ – CAPTCHA REALISM im Salzburger Kunstverein 2026

Aline Bouvy, ohne Titel – eine Figur zwischen Oberfläche und Spiegelbild. Ein Körper, der mehr zeigt, als Systeme erkennen können.  Foto: Salzburger Kunstverein / Aline Bouvy

Was ist real – und wer entscheidet darüber? Mit dieser Frage eröffnet der Salzburger Kunstverein sein Jahresprogramm 2026. Unter dem Titel „CAPTCHA REALISM“ untersucht das Haus die wachsende Kluft zwischen gelebter Wirklichkeit und ihrer digitalen Authentifizierung.

CAPTCHAs – jene kleinen Tests, mit denen wir Maschinen beweisen sollen, dass wir Menschen sind – werden zum Ausgangspunkt eines kuratorischen Konzepts, das tief in die „Politik der Wahrnehmung“ eintaucht. Es geht um Identität in einer Welt, in der Algorithmen entscheiden, was als „echt“ gilt.

CAPTCHA (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) ist technisch gesehen ein umgekehrter Turing-Test: Nicht der Mensch prüft die Maschine – die Maschine prüft den Menschen.

Genau diese Verschiebung nimmt der Kunstverein zum Anlass, um 2026 gemeinsam mit internationalen Künstler:innen zu erforschen, wie sich Menschlichkeit, Erkennung und Sichtbarkeit verändern, wenn digitale Systeme die Kriterien der Realität bestimmen.

Künstlerische Höhepunkte 2026

Agnes Scherer – Frühjahr

Eine neue raumfüllende Installation, in der Malerei, bemalte Skulptur und Zeichnung zu einer begehbaren Theaterkulisse verschmelzen.

Ryan Gander – Sommer

Der international renommierte Konzeptkünstler entwickelt die großformatige Installation „ONE HUNDRED THINGS TWICE“, die Wahrnehmung und Wiederholung als ästhetische Strategie untersucht.

Aline Bouvy – Herbst/Winter

In Kooperation mit dem Casino Luxembourg bespielt Bouvy nach ihrer Präsentation im Luxemburger Pavillon der Biennale di Venezia 2026 sämtliche Räume des Kunstvereins.

Jahresausstellung HER (Oktober/November)

Kuratiert von Attilia Fattori Franchini, deren Praxis sich auf ephemere künstlerische Strategien und experimentelle Produktionskontexte konzentriert.

 Kooperationen & Programme 2026

  • Performance von Deva Schubert in Zusammenarbeit mit der SZENE Salzburg (Uraufführung im Juni).
  • Lecture-Performance-Reihe „THE DISTRIBUTION OF LUCK“ gemeinsam mit der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst.
  • Writer-in-Residence-Programm mit ArtReview, einem der weltweit führenden Kunstmagazine.
  • Artist-in-Residence-Programm in Kooperation mit dem Bundesministerium für Kunst und Kultur.

Kuratorisches Konzept – Fragen, die bleiben

„CAPTCHA Realism“ ist von Mirela Baciak, Direktorin und Chefkuratorin des Salzburger Kunstvereins, entwickelt worden. Das Konzept wirft zentrale Fragen auf:

  • Was erkennt ein System als „real“ an?
  • Wie verändert sich die Lesbarkeit menschlicher Identität in einer maschinell vermittelten Welt?
  • Wenn Sehen durch Beweisen ersetzt wird – was bedeutet das für Kunst?
  • Wie lassen sich CAPTCHA‑Mechanismen in Malerei, Performance oder Installation überhaupt übersetzen?
  • Und: Sind diese Tests wirklich nur harmlose Rätsel – oder Kontrollpunkte einer digitalen Sicherheitsökonomie?

Die Parallele zu modernen Passkontrollen nach dem Zweiten Weltkrieg ist nicht zufällig: Auch CAPTCHAs trennen – zwischen Menschen und Bot, zwischen Zugang und Ausschluss.

Im Digitalen funktioniert das. Aber wie lässt sich diese Logik ins Analoge übertragen?

Genau hier beginnt die künstlerische Auseinandersetzung 2026.

https://salzburger-kunstverein.at/