Wo Märchen, Ritual und Musik zu einem eigenen Universum verschmelzen

Sonderausstellung im Mozart-Wohnhaus zu Mozarts 270. Geburtstag
Wenn man das Mozart‑Wohnhaus betritt, verändert sich etwas. Die Schritte werden leiser, die Luft dichter, und plötzlich steht man in einem Raum, der weniger Ausstellung ist als ein Übergang: ein Schimmer zwischen Märchen und Ritual, zwischen Bühne und Wirklichkeit. „Kosmos Zauberflöte“ öffnet sich nicht wie eine Schau, sondern wie ein Tor — hinein in die Entstehungsgeschichte eines Werkes, das seit 1791 die Welt begleitet.
Die Ausstellung zeigt nicht nur Objekte – sie zeigt die Geburt eines Weltwerks. Schikaneders Libretto, Mozarts Clavichord, historische Bühnenbilder: Alles fügt sich zu einem Bild, das weit über die Oper hinausweist. Es öffnet sich ein Kosmos, der weder Märchen noch Mythos sein will – und doch beides ist. Die Zauberflöte, geboren aus Schikaneders Feder und beflügelt von Mozarts Musik, entfaltet sich hier als Werk, das die Menschheit seit Jahrhunderten begleitet.
Zwischenfrage? Wer war Schikaneder? Emanuel Schikaneder (1751–1812) war Schauspieler, Sänger, Dichter – und der Mann, der das Libretto zur Zauberflöte schrieb. Ein Freund und Weggefährte Mozarts, mit dem er dieses Werk aus dem Nichts erschuf.
Das Libretto und der Theaterzettel von 1791 – die Geburt auf Papier

Zwei Blätter, die die Welt veränderten. Das Libretto – Schikaneders Handschrift der Fantasie. Der Theaterzettel – nüchtern, fast bürokratisch, und doch der erste Atemzug eines Weltwerks.
Man begreift beim Hinsehen: Bevor Musik erklingt, bevor Bühnenbilder entstehen, bevor ein Publikum atmet, braucht es ein Blatt Papier, das den Mut hat, zu beginnen.
Das Clavichord – Mozarts leises Labor

Es steht da, unscheinbar, fast schüchtern. Ein Instrument für die Stille, nicht für den großen Saal. Auf diesem Clavichord hat Mozart die Zauberflöte komponiert – Töne, die heute die Welt füllen, entstanden hier im Flüsterton. Ein stiller Hinweis darauf, dass große Werke oft im Kleinen beginnen.
Mozarts Gehstock – ein Symbol zwischen zwei Welten

Ein einfacher Stock, und doch ein Stück Mythos. Der Sphinxkopf am Griff wirkt wie ein Wächter zwischen der realen Welt des Komponisten und der symbolischen des Sarastro.
Mozart schenkte diesen Stock dem ersten Sarastro der Uraufführung – ein stiller Übergang von Mensch zu Rolle, von Alltag zu Ritual.
Bühnen- und Kostümentwürfe – die wandelnden Gesichter der Zauberflöte



Über zwei Jahrhunderte hinweg haben Künstler versucht, die Zauberflöte zu fassen: als Märchen, als Traum, als Ritual, als politisches Gleichnis.
Jeder Entwurf ist ein Versuch, das Unfassbare zu greifen. Federn, Sterne, Tempel, Lichtkegel – und die Erkenntnis: Die Zauberflöte ist kein Werk, das man besitzt. Sie ist ein Werk, das man immer wieder neu erfindet.
Die Kostüme der Salzburger Festspiele – Körper gewordene Musik

Stoffe, die Geschichten tragen. Farben, die Charaktere formen. Ein Papageno, der in Federn lacht. Eine Königin der Nacht, die in Dunkelheit glitzert.
Diese Kostüme sind nicht nur Kleidung – sie sind die Haut der Oper, das sichtbare Echo der Musik.
Die Freimaurer-Symbolik – das unsichtbare Gerüst
Nicht als Objekt ausgestellt, aber überall spürbar: Dreiklänge, Lichtachsen, Prüfungswege.
Die Zauberflöte ist ein Ritual, das sich als Märchen tarnt. Und die Ausstellung zeigt genau dieses Doppelspiel: die kindliche Oberfläche und die philosophische Tiefe.

Mozarts letzter Weg – ein stiller Abschied

Am 5. Dezember 1791 verstarb Wolfgang Amadé Mozart überraschend im Alter von nur 35 Jahren. Wenige Monate zuvor hatte er persönlich die Premiere der Zauberflöte dirigiert – ohne dass jemand im Publikum ahnte, dass dies einer seiner letzten großen Auftritte sein würde. In diesem Wissen wirkt die Oper heute, wie ein Vermächtnis: ein Werk, das Licht, Prüfung und Menschlichkeit feiert, während sein Schöpfer bereits am Rand des Abschieds stand.
Tauchen Sie ein in die Welt der Zauberflöte — diesmal nicht als Oper auf der Bühne, sondern als Ausstellungsraum, in dem ihre Entstehung sichtbar wird. Ein Besuch, der den Blick auf Mozarts Meisterwerk erweitert und den Weg dorthin mehr als lohnt.