ALBERTINA Museum Wien 2021

Die Hoffnung stirbt zuletzt!

2020 ist unerwartet anders verlaufen und so blickt man mit Zuversicht auf die ALBERTINA Ausstellungen für das Jahr 2021. Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder hat mit einem Kurator*innen Team ein vielseitiges Programm für die ALBERTINA und die ALBERTINA MODERN vorbereitet.

Folgende Ausstellungen, die demnächst aktuell stattfinden – wenn Museen und Galerien ihre Pforten wieder öffnen dürfen – finde ich spannend und interessant.  

FACES DIE MACHT DES GESICHTS Ausstellungsbeginn 12. Februar bis 24. Mai 2021

Worum geht es bei dieser Ausstellung? Es werden Porträts aus der deutschen Zwischenkriegszeit präsentiert. Ausgangspunkt ist Helmar Lerskis, der mit seiner herausragenden Fotoserie Verwandlungen durch Licht (1935/36) das Porträt in den Vordergrund rückt.

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Helmar Lerski Verwandlungen durch Licht, 604, 1935–1936/ Silbergelatinepapier /
ALBERTINA, Wien © Nachlass Helmar Lerski – Museum Folkwang, Essen

Auszug aus dem Pressetext: „In den 1920er- und 30er-Jahren erneuern Fotografinnen und Fotografen radikal das Verständnis des klassischen Porträts: Ihre Aufnahmen dienen nicht mehr der Darstellung der Persönlichkeit eines Menschen, sondern fassen das Gesicht als nach ihren Vorstellungen inszenierbares Material auf. Über das fotografierte Gesicht werden sowohl ästhetische Überlegungen der Avantgarde als auch gesellschaftliche Entwicklungen der Zwischenkriegszeit dargestellt. Experimente mit neuer Formensprache, das Verhältnis zwischen Individuum und Typ, feministische Rollenspiele und politische Ideologien treffen aufeinander und erweitern damit das Verständnis der Porträtfotografie“.

august_sander_handlanger_1928_c_die_photographische_sammlungsk_stiftung_kultur_-_august_sander_archiv-_koeln_bildrecht-_wie / August Sander Handlanger, 1928
Silbergelatinepapier © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; BILDRECHT, Wien, 2020

Die künstlerische Porträtfotografie ist auch ein fotografisches Herausarbeiten des charakteristischen Wesens einer Person. Die Porträtfotografie ist mit unter auch die Fortsetzung der Porträtmalerei, mit technischen Mitteln. Betrachtet man die Bilder genau, kann man genau herausfiltern, was ist der Ausdruck des Gesichtes? Traurig- oder Fröhlichkeit, Hass oder Zorn oder Nachdenken? Wie kann ein Gesichtsausdruck auf den Betrachter wirken? Viele Fragen und auch Antworten!?

XENIA HAUSNER. TRUE LIES Ausstellungsbeginn 30.April bis 25.Juli 2021

Xenia Hausner stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie ist die Tochter des österreichischen Malers Rudolf Hausner. Rudolf Hausner ist Mitbegründer der „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ und gehört zu den herausragenden österreichischen Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er 1957 mit dem entstandenen ADAM-BILD, welches er immer wieder variierte. Xenia Hausners Arbeiten haben ebenfalls eine ausdrucksstarke Kraft und es ist durchaus möglich, dass sie ihrem Vater viel über die Schulter geschaut hat.

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Xenia Hausner Adler und Engel, 2005 Courtesy Xenia Hausner © Bildrecht, Wien, 2020

Auszug aus dem Pressetext: „Die Figuren lösen sich von der ursprünglichen Person und nehmen eine eigene Rolle in Hausners Geschichten ein, die sich einer eindeutigen Lesart entziehen. In Fragment haften Montagen konfrontiert uns die Künstlerin mit den Widersprüchen, die in uns angelegt sind, mit Facetten, die wir nicht nach außen kehren. Gerade die Fiktion ermöglicht ihr, mit geschärftem Blick dem wahren Kern nachzuspüren und in ihren Bildern offenzulegen. Während die Kunstgeschichte vom männlichen Blick geprägt ist, verfolgt Xenia Hausner ihre Spurensuche in einer rätselhaften Gegenwelt – sämtliche Themen werden anhand von Frauen erkundet, die alle Rollen einnehmen können und so den männlichen Part meist mitverkörpern“.

Gezeigt werden ihre ersten frühen Arbeiten aus den 1990er-Jahren bis zu Xenia Hausners jüngsten bewegenden Exiles-Serie. Man darf gespannt sein.

xenia_hausner_kopfschuss_c_bildrecht / Xenia Hausner Kopfschuss, 2002-2004
Acryl auf Hartfaser © Bildrecht, Wien, 2020

AMERICAN PHOTOGRAPHY Ausstellungsbeginn 16. Juni bis 29. August 2021

Klingt auch vielversprechend. Es handelt sich um Aufnahmen der amerikanischen Weite, der Alltagskultur, sozialer Landschaften und urbaner Metropolen.

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Stephen Shore West 9th Avenue, Amarillo, Texas, October 2, 1974 Silberfarbstoffbleichverfahren
ALBERTINA, Wien © Stephen Shore

Auszug aus dem Pressetext: „Überhöhte, idealisierte Abbildungen der Landschaft werden von bis dahin als nicht darstellungswürdig erachteten, alltäglichen Motiven abgelöst. Auf Roadtrips entstandene Serien setzen sich kritisch mit der amerikanischen Gesellschaft auseinander. Fotografinnen und Fotografen nutzen vorwiegend eine spontane, schnappschussartige Bildsprache, um die Dynamik der Großstadt einzufangen. Im Gegensatz dazu dienen aufwändig inszenierte, filmische Tableaus der Verhandlung von fotografischer Wirklichkeit und Illusion sowie gesellschaftlichen Entwicklungen“.

MUNCH UND DIE FOLGEN Ausstellungsbeginn 18. Februar bis 19. Juni 2022

Wer kennt Edvard Munch nicht? Edvard Munch in Norwegen geboren, entstammte einem Geschlecht von evangelischen Pfarrern und Lehrern und hatte eine ziemlich armselige Jugend. Sein Vater war Arzt in Oslo, seine Mutter starb, als er 5 Jahre alt war. Er leidet auch unter der streng christlichen Gesinnung seines Vaters, hatte Angstattacken und einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Seine armselige Jugend, die Krankheiten, unter die er litt, verarbeitete er auch in vielen seiner Werke, die authentisch und zu seiner Aussage passen: „Man kann nicht ewig Frauen malen, die stricken, und Männer, die lesen: ich will Menschen malen, die atmen, fühlen, lieben und leiden.“

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Edvard Munch Madonna, 1895/1902 Farblithographie mit Lithokreide, -tusche und Nadel in Schwarz, Oliv, Blau und Rot / Japanpapier ALBERTINA, Wien © ALBERTINA, Wien


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Edvard Munch Selbstporträt (mit Knochenarm), 1895 Selbstporträt (mit Knochenarm), 1895 Lithographie mit Lithokreide, -tusche und Nadel in Schwarz ALBERTINA, Wien © ALBERTINA, Wien

Sein berühmtestes Werk „Der Schrei“. „Der Schrei“ zeigt eine menschliche Figur unter einem roten Himmel, die ihre Hände gegen den Kopf presst, während sie Mund und Augen angstvoll aufreißt.

Auszug aus dem Pressetext: „Die ALBERTINA widmet Edvard Munch und von ihm inspirierten KünstlerInnen im Frühjahr 2022 ihre Hauptausstellung. Munch und die Folgen präsentiert ca. 60 Meisterwerke Edvard Munchs (1863–1944) gemeinsam mit Größen des 20. Jahrhunderts wie Andy Warhol oder Georg Baselitz und wichtigen zeitgenössische KünstlerInnen wie Marlene Dumas, Peter Doig, Miriam Cahn und Tracey Emin. Edvard Munchs zutiefst pessimistische und melancholische Weltanschauung – der Mensch ist letztendlich völlig allein – definiert die Wahrnehmung seiner Arbeit bis heute. Ebenso einflussreich sind seine Experimente mit Drucktechniken und Farbe, die nicht nur die Geschichte der Malerei geprägt haben, sondern auch weiterhin in zeitgenössischen künstlerischen Praktiken zu finden sind – genau wie seine ikonischen Werke wie der Schrei und die Madonna. Munch und die Folgen konzentriert sich in erster Linie auf Munchs späteres Werk und seine Relevanz“.

Blicken wir positiv in die Zukunft und freuen uns auf den Besuch in der ALBERTINA 2021 https://www.albertina.at/