Salzburg und das Festspielhaus

Das Faistauer-Foyer im großen Festspielhaus erfährt eine Konservatorische und restauratorische Wartung der Wandbilder

Faistauer-Foyer © Foto Salzburger Festspiele

So kann man auch die Pandemie nutzen, wenn im Moment keine Aufführungen stattfinden können so der Kaufmännische Direktor Lukas Crepaz: „Wir nutzen die Zeit des pandemiebedingten Veranstaltungsverbotes auch dazu, unsere kunsthistorischen Schätze für die anstehende große Sanierung der Festspielhäuser zu befunden und wichtige Erhaltungsarbeiten durchzuführen. Es freut uns besonders, dass die berühmten Wandbilder des Faistauer-Foyers nach deren restauratorischer Wartung in neuem Glanz erstrahlen und die Besucher bei hoffentlich bald wieder stattfindenden Veranstaltungen willkommen heißen werden. Wir danken dem Bundesdenkmalamt für die Unterstützung dieser Maßnahmen.“

Aus dem Pressetext der Salzburger Festspiele:

Die berühmten Wandbilder des Faistauer-Foyers werden restauriert und konserviert. Dipl. Restauratorin Heike Fricke-Tinzl aus Salzburg verantwortet die notwendig gewordenen Stoßkaschierungen in den Leinwandoberflächen, die Retuschearbeiten sowie die Festigung von kleinen Fehlstellen durch mechanische Schäden.

Der Salzburger Maler Anton Faistauer stellte die Fresken 1926 in 40 Tagen fertig. Sein Team bestand unter anderen aus den Künstlern Robin Christian Andersen, Josef Dobrowsky, Ferdinand Kitt und Anton Kolig. Die Künstler gestalteten etwa 350 Quadratmeter Wandfläche mit 200 Figuren und erschufen damit ein beeindruckendes Dokument des österreichischen Expressionismus.

1926 

März/April: Landeshauptmann Rehrl bemüht sich um die Rettung der Salzburger Festspielhaus-Gemeinde. Das Festspielhaus geht in den Besitz der Stadt über und wird an die Festspielhaus-Gemeinde verpachtet. Architekt Clemens Holzmeister wird beauftragt, die Behebung der Mängel und einen Umbau des Festspielhauses zu übernehmen. Er verbessert die Akustik durch eine Holzabdeckung des offenen Dachstuhls und lässt Seitengalerien anbringen. Das Eingangsfoyer gestaltet Anton Faistauer mit Fresken aus; die Kleine Winterreitschule mit ihren Deckengemälden von Rottmayr und Lederwasch dient künftig als Pausenfoyer.

Das Team um Faistauer stellte die Fresken im Festspielhaus – der von Clemens Holzmeister umgebauten ehemaligen Großen Reitschule in der Hofstall-Kaserne – in 40 Tagen fertig. Faistauer leitete das Team mit „R. Chr. Andersen, Josef Dobrowsky, Sturm-Serla, Ferdinand Kitt und Kolig sowie den jüngeren Malern Kern, Kaufmann, Wojtek und Elsner“, das rund 350 m2 Wandfläche mit 200 Figuren gestaltete – ein beeindruckendes Dokument des österreichischen Expressionismus.

1937 

Ein letztes Mal ist Salzburg ein „künstlerischer Pilgerort Europas“ (Zweig) und versammeln sich hier die international bedeutendsten Künstler und die prominentesten Besucher. 

In der Vorhalle zum Faistauer-Foyer werden Gedenktafeln für Hugo von Hofmannsthal und Anton Faistauer enthüllt. Beide sollen indes nur ein Jahr hier verbleiben.

1939 

25. März: Erlass über die Städtebaulichen Maßnahmen in Salzburg; Gauleiter Rainer wird zur Durchführung der baulichen Gestaltung ermächtigt.

April: Beginn des Umbaus des Festspielhauses nach Plänen von Reichsbühnenbildner Benno von Arent, bei dem u.a. die Holzverkleidungen durch Gipsstuck ersetzt, Reichsadler, Hakenkreuz und Führerbüste sowie eine Führerloge angebracht werden. Zugleich werden die Fresken von Anton Faistauer aus dem Foyer entfernt, die dem Regime zu düster und nicht zeitgemäß gelten.

Faistauer entsprach als Vertreter der österreichischen Moderne nicht der nationalsozialistischen Kunstästhetik, 1939 wurden seine Fresken im Salzburger Festspielhaus abgetragen. Diese Fresken galten jedoch in der NS-Presse nicht offiziell als „entartet“, wie dies immer wieder in der Literatur behauptet wird, sondern die Abnahme wurde mit Baumaßnahmen getarnt, wie selbst der Völkische Beobachter [Nr. 77, 18. März 1939, S. 7] in einem Artikel über den Umbau des Salzburger Festspielhauses schrieb: „In der Vorhalle des Salzburger Festspielhauses befinden sich die Fresken des Salzburger Malers Anton Faistauer. Diese Fresken werden, wie nun feststeht, beim Umbau ebenfalls entfernt. Sie sollen jedoch erhalten bleiben und später, wenigstens zum Teil, an einem anderen Ort, vielleicht in Wien zugänglich gemacht werden.“ Seither wurde Faistauer in der NS-Presse meist einfach verschwiegen. Der Expressionismus Faistauers passte letztlich nicht in die NS-Kunstvorstellungen. (Oliver Rathkolb)

1948 

18. Juli: Im Künstlerhaus wird eine Ausstellung zum Gedenken an Anton Faistauer eröffnet. Zu sehen sind auch die während der NS-Zeit abgenommenen Fresken aus dem Festspielhaus. Holzmeister plädiert für ihre Wiederanbringung und dankt Alberto Susat für deren Rettung. Mit der Wiederanbringung wird kurz darauf begonnen.

1949 

März: Die probeweise im Foyer des Festspielhauses wieder angebrachten Faistauer-Fresken müssen wegen Mauerfeuchtigkeit abgenommen werden.

1956

26. Januar: In einer Kuratoriumssitzung der Salzburger Festspiele wird die Wiederherstellung des Vestibüls mit den Faistauer-Fresken beschlossen. Holzmeister übernimmt ehrenhalber die künstlerische Leitung der Arbeiten, für die Wiederanbringung der Fresken ist der Maler Alberto Susat heranzuziehen. Die Rückgestaltung des Foyers wird bis Festspielbeginn fertiggestellt.

2006 

Restaurierung des Faistauer-Foyers anlässlich der Neugestaltung des Kleinen Festspielhauses als Haus für Mozart. Eine großzügige Spende des Kunstliebhabers Herbert Batliner ermöglichte u.a. die Restaurierung der Fresken des Faistauer Foyers