steirischer herbst ’20:

Paranoia TV
24.9.–18.10.20

lt. Pressemitteilung vom 17.06.2020 wird der steirische herbst’20 über die Bühne gehen. Titel: „Paranoia TV 24.09. – 18.10.2020“.

Paranoia TV Sujet: Grupa Ee

Der steirische herbst stellt das kuratorische Konzept und die Künstler*innenliste seiner 53. Ausgabe vor, bei der sich eine experimentelle Neuinterpretation des Festivals anbahnt. Im Einklang mit seinen Wurzeln in der Avantgarde wird der steirische herbst heuer in einer anderen neuen Form stattfinden. Diese Form wird, die von Angst und von einer geprägten Unsicherheit der heutigen Zeit aufgreifen.

Seit Anfang März 2020 ist nichts mehr so wie es war, der Corona-Virus hat in Form einer Pandemie weltweit zugeschlagen; Shutdown, Lockdown, wirtschaftliche Probleme usw. Viele europäische Länder sind jedoch noch immer auf der Alarmstufe 6 vertreten. Schön langsam stellt sich aber europaweit wieder eine Art Alltag ein. Kunst und Kultur kehren auch wieder schrittweise in das Leben der Menschen zurück. Der Spuk ist jedoch noch nicht vorbei, Abstandhalten und Disziplin sind nach wie vor gefragt, sowie Eigenverantwortung.

Besucher*innen werden in den Museen mit einem Leitsystem durch die Ausstellungen geführt. Auch der Theaterbetrieb wird langsam wieder hochgefahren, obwohl sich hier größere Probleme ergeben als in Museen und Galerien. Sitzabstand (hinten, vorne, seitlich 1m Abstand) Mundschutz?) Viele Menschen sind verängstigt, wenn nicht gar ein bisschen paranoid. Die Angst vor einer zweiten Welle fördert eine Abscheu vor öffentlichen Räumen – und vor dem Atem potenziell ansteckender Fremder. Noch grundlegender aber ist die Angst vor uns selbst: Jeder von uns könnte das tödliche Virus asymptomatisch verbreiten. Wir müssen aber lernen, mit dieser Angst umzugehen, der Virus wird uns so lange erhalten bleiben, bis wir die richtigen Medikamente und Impfungen besitzen und können nur hoffen, dass es sich nicht noch zu einem neuen gefährlicheren Virus verändert. Normalität im wörtlichen Sinne, wird noch lange nicht sein.

Kunst in unsicheren Zeiten Paranoia TV antwortet künstlerisch-kritisch auf die globale Pandemie und die durch sie verursachten Einschnitte – nicht nur in unser tägliches Leben, sondern auch im Hinblick auf die Durchführung von Kulturveranstaltungen.

Als dritte Ausgabe des steirischen herbst unter Intendantin Ekaterina Degot zeigt das Festival weiterhin ausschließlich neue Auftragswerke. Das experi­mentelle Format ermöglicht es, dass diese unabhängig von (potenziellen) „Lockdown“-Maßnahmen realisiert werden können.

Beiträge von rund vierzig Künstler*innen setzen sich direkt oder indirekt mit den Dringlichkeiten und Missständen unserer Zeit auseinander: die neuen Verwundbarkeiten in Bezug auf Alter und Geschlecht, die Komödien und Dramen der Häuslichkeit, die wiedergefundene Begeisterung für die klassische Oper, die Chore­ografie von Bewegungseinschränkungen, Klasse, Geld, Umarmungen, die Biopolitik der Ansteckung, die Selbstisolation des weißen Mannes in sterilen autonomen Zo­nen und die Hoffnung auf eine unerwartete Zukunft.

Paranoia TV Videostill © steirischerherbst

Ein virtueller Avatar erklärt von Sigmund Freud und wird durch die neuesten Deepfake-Techniken wieder zum Leben erweckt, das vielschichtige Universum, das Besucher*innen auf dieser Plattform im Herbst erwarten wird. Freud, der als Vater der Psychoanalyse gilt, war einer der ersten Denker, der über Paranoia und verwandte Begriffe schrieb, obwohl die Realität sich in vielen Fällen als radikaler als seine Theorien erwies.

Des weiteren werden auch Handys vor Paranoia TV nicht sicher sein: Kurz vor Festivalbeginn steht eine eigens entwickelte kostenlose App zum Download bereit. Sie bietet die Möglichkeit, zu jeder Zeit und an jedem Ort in die Welt von Paranoia TV einzusteigen, um einen Überblick über das Programm zu erhalten, Beiträge zu lesen/hören/sehen oder sich per Eilmeldungen über die neuesten Entwicklungen zu informieren.

Ich bin gespannt, seien SIE es auch!

Kuratorisches Team werden sein: Mirela Baciak, Ekaterina Degot (Intendantin und Chefkuratorin), Henriette Gallus, Dominik Müller, Christoph Platz, David Riff