ERNST LUDWIG KIRCHNER – Der Maler als Fotograf

Ernst_Ludwig_Kirchner Selbstporträt, um 1928, Glasnegativ, Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

IM MUSEUM DER MODERNE IN SALZBURG

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938) zählt zu den bekannten und berühmten Expressionisten Deutschlands. Diesmal werden erstmals in Österreich in Salzburg im Museum der Moderne, seine fotografischen Werke ausgestellt. Ernst Ludwig Kirchner (1880 Aschaffenburg, DE – 1938 Davos, CH) gilt als der einzige Künstler des deutschen Expressionismus, der sich auch ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt hat. Er hinterließ etwa 1 300 Glas- und Zellulose-Negative, ein Konvolut von Vintage-Prints sowie gebundene Fotoalben mit Aufnahmen seiner Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Druckgrafiken.

1908 kam Kirchner zur Fotografie und im Zuge seiner Bekanntschaft mit Emy Frisch, einer Fotografin, die später seinen Künstlerkollegen Karl Schmidt-Rottluff heiratete, erlernte er wohl die technische Behandlung der Glasplatten. In den Ateliers (Dresden und Berlin) als auch bei seinen Aufenthalten auf der Ostseeinsel Fehmarn entstanden zahlreiche Situationsbilder, Porträts und Landschaftsbilder. Er nutzte nun auch gleichzeitig das Medium als Reproduktionsmittel und zur Dokumentation seines künstlerischen Werkes, vor allem der Gemälde und Plastiken.

Dies ist somit auch das Interessante an dieser Ausstellung. Kirchner fotografierte seine malerischen Arbeiten, wie auch seine Skulpturen. Parallel dazu jedoch porträtierte er wieder mit der Kamera Künstlerkollegen, Atelieraufnahmen in Dresden und Berlin.

 Kirchner war ein Künstler, der das neue Medium, der Fotografie, für seine Selbstdarstellung und Inszenierung seines Lebens als avantgardistischer Bohemien-Künstler, einsetzte. Den französischen Dichter, Kunstkritiker und Arzt Louis de Marsalle – eine fiktive Erfindung von Kirchner – gibt er dem geheimnisvollen und kunstsinnigen Franzosen ein Gesicht und veröffentlicht unter diesem Pseudonym zwischen 1920 und 1933 sechs Texte.

Brief zu dieser Fiktiven Person: Ernst Ludwig Kirchner, Brief an Ernst Goesbruch, 21. Jänner 1920 „Ich habe hier einen jungen französischen Dichter kennen gelernt. Ich staune und freue mich, wie der ruhig, sachlich, anspruchslos, verständlich über Kunst denkt und schreibt.“

 „De Marsalle ist augenblicklich im Sudan, aber lassen Sie das Honorar für den Aufsatz über die Plastiken bitte an mich hierher senden. Ich quittiere für ihn und stelle ihm das Geld bei Gelegenheit zu.“ Ernst Ludwig Kirchner, Brief an Will Grohmann, 30. September 1925

 Mithilfe seines „französischen Freundes“ wollte er beweisen, dass sich sein Werk vollkommen unabhängig von der zeitgenössischen französischen Kunst entwickelt habe. Kirchner betrieb mit dieser Kunstfigur nicht nur geschicktes Marketing in eigener Sache, dass er auf imaginäre Reisen nach Afrika schicken konnte, während er selbst ein sehr zurückgezogenes Leben in den Schweizer Bergen führte. Der Schweizer Fotograf Stephan Bösch (1982 St. Gallen, CH) schuf 2016 die Werkserie Louis de Marsalle. Visite à Davos. Die großformatigen Schwarzweiß-Fotografien geben Kirchners imaginäres Alter Ego ein Gesicht. Sie werden erstmals zusammen mit Kirchners fotografischem Werk ausgestellt.

Die Ausstellung im Museum der Moderne Salzburg, die als thematischer Rundgang konzipiert ist, bietet eine umfassende Gesamtschau des fotografischen Blicks in Kirchners Œuvre und zeigt – ergänzt durch eine kleine Auswahl an Gemälden – diese noch wenig bekannte Werkgruppe des berühmten deutschen Expressionisten.

Kirchners erfolgreiche Laufbahn endet mit der Beschlagnahme seiner Werke 1936, die als „entartet“ verpönt werden, und mit seinem Freitod zwei Jahre später.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Kirchner Museum Davos, und Thorsten Sadowsky – er leitete lange Zeit das Kirchner Museum in Davos – (deshalb auch nahe liegend) konzipierte selbst die Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner.

Die Ausstellung ist sehenswert und läuft noch bis 16. Juni 2019

 https://www.museumdermoderne.at/de/ausstellungen-veranstaltungen/detail/ernst-ludwig-kirchnerder-maler-als-fotograf/